Nach dem Tod des 17-jĂ€hrigen Nahel, der am Dienstag in Nanterre von einem Polizisten erschossen worden war, kam es in der Nacht zu Freitag in zahlreichen StĂ€dten im GroĂraum Paris und in der Provinz erneut zu PlĂŒnderungen, Ausschreitungen und BeschĂ€digungen von öffentlichen GebĂ€uden. Mehr als 660 Personen wurden festgenommen. Emmanuel Macron wird am Freitagmittag einen weiteren Krisenstab einberufen.
667 Festnahmen in ganz Frankreich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag.
Innenminister GĂ©rald Darmanin gab bekannt, dass in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in Frankreich 667 Personen festgenommen wurden, nachdem es erneut zu PlĂŒnderungen, VerwĂŒstungen und BeschĂ€digungen von öffentlichem Eigentum gekommen war. Eine Reaktion auf den Tod des 17-jĂ€hrigen Nahel am Dienstag in Nanterre, der von einem Polizisten erschossen worden war.
„Diese Nacht haben sich unsere Polizisten, Gendarmen und Feuerwehrleute erneut mit Mut einer unglaublichen Gewalt entgegengestellt. GemÀà meinen Anweisungen, hart durchzugreifen, haben sie 667 Festnahmen vorgenommen“, twitterte der Innenminister.
Cette nuit, nos policiers, gendarmes et sapeurs-pompiers ont encore fait face, avec courage, Ă une rare violence.
Conformément à mes instructions de fermeté, ils ont procédé à 667 interpellations.
Emmanuel Macron wird um 13 Uhr erneut einen Krisenstab leiten
Emmanuel Macron wird am Freitag um 13 Uhr in Paris zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen einen interministeriellen Krisenstab leiten, nachdem es in der dritten Nacht in Folge in Frankreich zu GewalttĂ€tigkeiten gekommen ist, wie der ĂlysĂ©e-Palast bekannt gab.
Der Staatschef, der sich seit Donnerstag wegen eines EU-Gipfels in BrĂŒssel aufhĂ€lt, könnte aus diesem Grund seine Anwesenheit dort verkĂŒrzen und vorzeitig zurĂŒckkehren, auch wenn die GesprĂ€che mit seinen europĂ€ischen Amtskollegen noch nicht abgeschlossen sind. Er wird eine Pressekonferenz abhalten, bevor er den Rat der EuropĂ€ischen Union verlĂ€sst.
Am Donnerstagmorgen hatte der PrĂ€sident bereits ein erstes Krisentreffen mit den betroffenen Ministern und Behördenleitern im Innenministerium einberufen, bevor er nach BrĂŒssel aufbrach. Er hatte „nicht zu rechtfertigende“ GewalttĂ€tigkeiten bei den Protesten kritisiert.
Bilanz der dritten Nacht der Gewalt
Paris und seine Vororte wurden in der vergangenen Nacht von neuen gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen heimgesucht, nachdem der junge Nahel am Dienstag in Nanterre von einem Polizisten erschossen worden war. Der auf einem Amateurvideo festgehaltene Schuss, den der Beamte bei einer Verkehrskontrolle aus nĂ€chster NĂ€he auf den Teenager abfeuerte, entzĂŒndete heftige Wut in zahlreichen Arbeitervierteln Frankreichs.
Um der Gewalt bei den Protesten entgegen zu treten, mobilisierten die Behörden 40.000 Polizisten und Gendarmen sowie Elite-EinsatzkrĂ€fte der Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen sowie die Groupe d’intervention de la gendarmerie nationale (GIGN), die in mehreren StĂ€dten eingesetzt wurden.
NĂ€chtliche Ausgangssperren wurden in Clamart und Meudon (Hauts-de-Seine), Neuilly-sur-Marne (Seine-Saint-Denis) und CompiĂšgne (Oise) verhĂ€ngt. Im Departement Nord verbot die PrĂ€fektur stellenweise jegliche Versammlung und setzte zur Ăberwachung einen Hubschrauber und Drohnen ein.
Trotz dieses massiven Aufgebots wurden am Donnerstagabend aus zahlreichen StÀdten GewalttÀtigkeiten und SachbeschÀdigungen gemeldet. Gegen 3 Uhr waren nach Angaben aus dem Umfeld von Gérald Darmanin landesweit bereits mindestens 421 Personen festgenommen worden, von denen wohl die meisten zwischen 14 und 18 Jahre alt waren.
„Es gibt keine gewalttĂ€tigen ZusammenstöĂe in direktem Kontakt mit den OrdnungskrĂ€ften, aber es gibt eine Reihe von vandalisierten GeschĂ€ften, geplĂŒnderten oder sogar angezĂŒndeten GeschĂ€ften“, erklĂ€rte ein hochrangiger Beamter der Nationalpolizei.
Brandstiftungen und Vandalismus geb es auch im Herzen von Paris, in Les Halles und auf der Rue de Rivoli, die zum Louvre fĂŒhrt, aber auch in den Pariser Vororten, im GroĂraum Rouen, in Nantes und in Brest, wo der UnterprĂ€fekt Jean-Philippe Setbon gegenĂŒber der Nachrichtenagentur AFP „viele ZusammenstöĂe zwischen Polizisten und kleinen, sehr mobilen Gruppen“ beschrieb.
Wie am Vortag wurden auch die OrdnungskrĂ€fte ins Visier genommen und MĂŒlltonnen, Autos und Busse angezĂŒndet, vor allem in Villeurbanne (RhĂŽne) und in Aubervilliers (Seine-Saint-Denis).
Erneut wurden öffentliche GebÀude von Gruppen, die oft vermummt oder unter Kapuzen versteckt waren, ins Visier genommen, wie zum Beispiel das Rathaus des Stadtviertels Argon in Orléans. Das Polizeikommissariat in Pau wurde laut der PrÀfektur des Departements Pyrénées-Atlantiques mit einem Molotowcocktail angegriffen.
In Seine-Saint-Denis waren „fast alle Gemeinden“ betroffen. Oftmals waren es Blitzaktionen, wobei zahlreiche öffentliche GebĂ€ude wie das Rathaus von Clichy-sous-Bois ins Visier genommen und GeschĂ€fte geplĂŒndert wurden, wie eine Polizeiquelle berichtete.
In Nanterre, der Hauptstadt des Départements Hauts-de-Seine, die zum Epizentrum der Gewalt geworden war, explodierten zahlreiche Feuerwerkskörper und Granaten in dem Viertel Pablo Picasso, in dem der getötete Jugendliche lebte.
