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  • Wenn Ferienhäuser zu Wohnraum werden: Die Bretagne ringt um ihre Zukunft

    Wenn Ferienhäuser zu Wohnraum werden: Die Bretagne ringt um ihre Zukunft

    An der bretonischen Atlantikküste vollzieht sich derzeit ein bemerkenswerter Wandel. In Gemeinden wie La Trinité-sur-Mer, Carnac oder Saint-Philibert öffnen Besitzer von Zweitwohnsitzen ihre Häuser zunehmend für Einheimische – zumindest außerhalb der Ferienzeiten. Was zunächst wie eine pragmatische Nachbarschaftshilfe erscheint, verweist auf ein tiefer liegendes Problem vieler europäischer Küstenregionen: Die touristische Attraktivität bedroht zunehmend die soziale und demografische Stabilität der Orte selbst.

    In Teilen des Morbihan bestehen inzwischen bis zu 70 Prozent des Wohnungsbestands aus Zweitwohnungen. Während die Sommermonate die Küstenorte mit Leben, Konsum und touristischer Dynamik füllen, kehrt im Winter vielerorts eine fast gespenstische Leere ein. Geschlossene Fensterläden, reduzierte Öffnungszeiten, sinkende Schülerzahlen und ein schrumpfendes Vereinsleben prägen dann den Alltag. Besonders betroffen sind junge Familien und Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, die sich das Wohnen in Arbeitsplatznähe kaum noch leisten können.

    Ein Modell zwischen Solidarität und Wohnungsnot

    Vor diesem Hintergrund entstand die Initiative „Les Volets ouverts“ – auf Deutsch etwa „Die geöffneten Fensterläden“. Das Prinzip ist einfach: Eigentümer von Ferienhäusern stellen ihre Immobilien während ihrer Abwesenheit Familien aus der Region zur Verfügung. Die Bewohner zahlen eine moderate Miete und verpflichten sich, die Häuser während der Ferienzeiten oder im Sommer wieder freizugeben.

    Das Modell unterscheidet sich bewusst von klassischen Mietverhältnissen. Es basiert weniger auf maximaler Rendite als auf gegenseitigem Vertrauen und einem gewissen Gemeinsinn. Für viele Familien bedeutet dies dennoch einen entscheidenden Unterschied. In zahlreichen Küstengemeinden haben sich die Immobilienpreise in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Besonders seit der Covid-Pandemie hat sich der Druck verschärft, als viele wohlhabendere Städter Zweitwohnsitze in landschaftlich attraktiven Regionen suchten.

    Die Folge ist eine schleichende Verdrängung jener Berufsgruppen, die für das Funktionieren der lokalen Infrastruktur unverzichtbar sind: Pflegekräfte, Lehrer, Angestellte im Einzelhandel, kommunale Mitarbeiter oder Saisonarbeitskräfte. Viele pendeln inzwischen aus dem Landesinneren an die Küste, weil Wohnraum vor Ort kaum noch erschwinglich ist.

    Die Schattenseite des touristischen Erfolgs

    Die Bretagne steht mit diesem Problem keineswegs allein da. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich entlang der französischen Atlantikküste, im Baskenland, auf Korsika oder an Teilen der Mittelmeerküste. Auch in Spanien, Portugal oder Italien kämpfen touristisch attraktive Regionen mit der Verdrängung der einheimischen Bevölkerung.

    Doch in der Bretagne erhält die Debatte eine besondere kulturelle Dimension. Viele Küstenorte definieren ihre Identität über gewachsene lokale Gemeinschaften, bretonische Traditionen und ein starkes Vereinsleben. Wenn ganze Straßenzüge außerhalb der Ferienmonate verwaisen, verändert sich nicht nur die wirtschaftliche Struktur, sondern auch das soziale Gefüge.

    In manchen Gemeinden übersteigt die Zahl der Zweitwohnungen inzwischen jene der Hauptwohnsitze. Kritiker sprechen deshalb von einer „Musealisierung“ der Küstenorte: Die Dörfer bleiben äußerlich intakt und malerisch, verlieren aber schrittweise ihre alltägige Lebendigkeit. Schulen schließen mangels Schülern, Bäckereien und kleine Geschäfte finden keine ganzjährige Kundschaft mehr, medizinische Versorgung wird schwieriger.

    Mehrere Bürgermeister warnen inzwischen offen vor einem „mur du vieillissement“ – einer demografischen Wand des Alterns. Denn dort, wo junge Familien fehlen, steigt der Altersdurchschnitt rapide an. Die Gemeinden drohen langfristig ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamik zu verlieren.

    Zweitwohnsitze als politisches Konfliktthema

    Die Diskussion um Zweitwohnungen hat sich deshalb längst zu einem politischen Streitpunkt entwickelt. Französische Kommunen verfügen inzwischen über Instrumente, um gegen die Verknappung des Wohnraums vorzugehen. Dazu gehören höhere Steuern auf Zweitwohnungen oder strengere Regulierungen bei Ferienvermietungen.

    Allerdings stoßen solche Maßnahmen schnell an Grenzen. Der Tourismus bleibt für viele Küstenregionen ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Viele Gemeinden profitieren erheblich von wohlhabenden Zweitwohnungsbesitzern, die lokale Unternehmen stärken, Immobilien renovieren und Kaufkraft in die Region bringen.

    Zudem ist das Eigentumsrecht in Frankreich politisch sensibel. Ein generelles Vorgehen gegen Zweitwohnsitze wäre rechtlich und gesellschaftlich kaum durchsetzbar. Genau deshalb gewinnen freiwillige Modelle wie „Les Volets ouverts“ an Bedeutung. Sie vermeiden Konfrontation und setzen stattdessen auf Kooperation zwischen Eigentümern und lokalen Bewohnern.

    Interessant ist dabei der Mentalitätswandel mancher Besitzer. Mehrere Teilnehmer der Initiative erklären offen, dass sie nicht länger zur Verwandlung bretonischer Dörfer in reine Ferienkulissen beitragen möchten. Hinter dieser Haltung steht auch die Erkenntnis, dass die Attraktivität der Bretagne gerade aus ihrer Authentizität entsteht – aus lebendigen Häfen, geöffneten Schulen, lokalen Märkten und funktionierenden Dorfgemeinschaften.

    Ein europäisches Strukturproblem

    Die Entwicklung verweist auf einen breiteren europäischen Trend. In vielen touristischen Regionen kollidieren heute drei Dynamiken miteinander: steigende Immobilienpreise, demografischer Wandel und die zunehmende Mobilität wohlhabender Bevölkerungsschichten.

    Digitale Arbeitsformen verstärken diesen Prozess zusätzlich. Wer dauerhaft im Homeoffice arbeiten kann, entscheidet sich häufiger für attraktive Küstenregionen – oft mit Einkommen, die deutlich über dem lokalen Durchschnitt liegen. Für die ursprüngliche Bevölkerung entsteht dadurch ein massiver Wettbewerbsdruck auf dem Wohnungsmarkt.

    Gleichzeitig verändert sich die Funktion des Wohnens selbst. Immobilien dienen nicht mehr nur als Lebensmittelpunkt, sondern zunehmend als Kapitalanlage, Ferienobjekt oder Zweitdomizil. Für Gemeinden entsteht daraus ein strukturelles Dilemma: Häuser existieren zwar physisch, stehen aber große Teile des Jahres leer.

    Die Bretagne reagiert darauf bislang eher pragmatisch als ideologisch. Statt radikaler Verbote entstehen lokale Lösungen, die versuchen, touristische Nutzung und dauerhafte Besiedlung miteinander zu verbinden. Ob solche Modelle langfristig ausreichen, bleibt allerdings offen.

    Denn die grundlegende Entwicklung dürfte anhalten. Küstenregionen mit hoher Lebensqualität werden weiterhin begehrt bleiben – nicht nur in Frankreich, sondern europaweit. Die entscheidende Frage lautet daher zunehmend: Wie lässt sich wirtschaftlicher Erfolg mit sozialer Stabilität verbinden?

    Die bretonischen Gemeinden liefern darauf bislang keine endgültige Antwort. Doch Initiativen wie „Les Volets ouverts“ zeigen zumindest, dass sich das Bewusstsein verändert. Immer mehr Eigentümer erkennen offenbar, dass attraktive Regionen nicht allein von Landschaften leben, sondern von Menschen, die dort ganzjährig arbeiten, Kinder großziehen und Gemeinschaft organisieren.

    Die Zukunft der Bretagne entscheidet sich deshalb womöglich weniger an ihren Stränden als in der Frage, ob ihre Dörfer auch außerhalb der Urlaubssaison lebendige Orte bleiben.

    Autor: P. Tiko

  • Batz – Die Insel, die sich weigert zu sterben

    Batz – Die Insel, die sich weigert zu sterben

    Wenn der Wind vom Atlantik her über die Dünen fegt, wenn das Meer grollt und das Licht der Bretagne sich silbern auf die Wellen legt, dann wirkt die kleine Insel Batz wie ein vergessenes Paradies. Im Sommer summt sie vor Leben – 6.000 Urlauber drängen sich zwischen Hafen, Strand und auf den Radwegen. Doch sobald die Fähre im Herbst seltener fährt, bleiben kaum 460 Bewohner zurück. Was dann bleibt, ist eine gespenstische Stille, durchbrochen nur vom Schrei der Möwen und dem Knarren von Fensterläden, die niemand mehr öffnet.


    Insel im Ausnahmezustand

    Zwei Drittel aller Häuser auf Batz gehören Menschen, die nur ein paar Wochen im Jahr hier sind. Das klingt harmlos – doch es ist der Kern eines Dramas, das viele bretonische Gemeinden betrifft: Der Alltag bricht zusammen, wenn das Leben sich nur noch im Juli und August abspielt. Wer hier arbeitet, findet kaum ein Dach über dem Kopf. Wer bleiben möchte, sieht sich gezwungen zu gehen.

    Der junge Koch Léo Jouvet aus dem Loiret hat es trotzdem gewagt. Zusammen mit seiner Frau Stacy und den vier Kindern lebt er seit September auf der Insel. „Wir wollten ans Meer, in die Bretagne. Es fühlt sich an wie Ferien – nur dass man hier wirklich lebt“, sagt er lachend. Die Familie hat Glück: Sie kann ein Haus der Gemeinde mieten, 100 Quadratmeter für 770 Euro im Monat. Auf dem Festland mag das keine Sensation sein, auf Batz ist es fast ein kleines Wunder.


    Wenn Kinderstimmen einen Ort retten

    Drei der Jouvet-Kinder gehen auf die kleine Schule der Insel – und sichern damit, ganz nebenbei, deren Zukunft. Eine der beiden Klassen stand kurz vor der Schließung. Jetzt erklingt dort wieder Kinderlärm. „Es kommen sogar Kinder vom Festland herüber, weil die Eltern das Schulsystem und die Umgebung hier mögen“, erzählt eine Lehrerin.

    Eine Insel ohne Schule, das wäre wie ein Leuchtturm ohne Licht. Denn wo Kinder fehlen, zieht auch kein Arzt, kein Bäcker, kein Handwerker mehr hin. Das weiß Bürgermeister Éric Grall nur zu gut. „Wenn die Familien gehen, sterben die Geschäfte, die Vereine, die Seele des Ortes“, sagt er. Also hat er eine Entscheidung getroffen, die in der Region für Aufsehen sorgt.


    Der mutige Schritt: 60 % mehr Steuer für Zweitwohnungen

    Seit Jahresbeginn gilt auf Batz eine kräftige Erhöhung der Steuer für Zweitwohnungen – plus 60 %. Was nach fiskalischem Druckmittel klingt, ist in Wahrheit eine Überlebensstrategie. Denn die zusätzlichen Einnahmen fließen direkt in bezahlbaren Wohnraum.

    Hinter der Gemeindehallte wachsen gerade acht Holzhäuser aus dem Boden – schlicht, nachhaltig gebaut, bodenständig. Finanziert werden sie zu einem großen Teil durch die neue Steuer. Rund 95.000 Euro pro Jahr spült sie in die Gemeindekasse, insgesamt entsteht ein Projekt von 2,6 Millionen Euro.

    „Es geht nicht darum, jemanden zu bestrafen“, betont der Bürgermeister. „Die Zweitwohnungsbesitzer profitieren ja auch davon, dass hier ein Laden offen ist, ein Café lebt, Kinder spielen. Ihre Beteiligung an den Kosten der Gemeinschaft ist einfach nur gerecht.“


    Stimmen aus dem Dorf

    Im einzigen Bar-Tabac des Ortes, wo morgens der Kaffeeduft den Nebel vertreibt, wird kaum jemand widersprechen. Ein älterer Fischer mit wettergegerbtem Gesicht nippt an seinem Glas und meint: „Wenn mehr Familien kommen, gibt’s wieder Arbeit. Ganz einfach.“
    Neben ihm nickt eine Frau, die gerade Brot verkauft hat: „Ohne Schule, ohne junge Leute – dann kann man gleich das Licht ausmachen.“

    Der Ton ist herzlich, aber ernst. Man spürt: Auf dieser Insel hat jeder schon einmal darüber nachgedacht, was es bedeutet, wenn das eigene Zuhause sich langsam entvölkert.


    Eine Insel plant ihre Zukunft

    Batz will nicht nur überleben – sie will wieder wachsen. Acht neue Familien sollen bis kommenden Sommer einziehen. Die Gemeinde richtet außerdem eine Kindertagesstätte ein und setzt auf digitale Infrastruktur: 2026 soll die Glasfaser kommen. Für viele, die im Homeoffice arbeiten, könnte das der entscheidende Anreiz sein, dauerhaft zu bleiben.

    „Man spürt richtig, dass hier was entsteht“, sagt Stacy Jouvet, die mittlerweile beim Inselverein mithilft. „Am Anfang dachten wir, wir bleiben vielleicht zwei Jahre. Jetzt wollen wir gar nicht mehr weg.“


    Zwischen Himmel, Meer und Hoffnung

    Wer Batz im Winter besucht, versteht, was auf dem Spiel steht. Die Insel ist schön – wild, einsam, echt. Aber ohne Menschen verliert selbst der schönste Ort seine Seele. Deshalb ist die Steuererhöhung nicht nur ein Haushaltsinstrument, sondern ein Symbol. Sie zeigt: Diese kleine Gemeinschaft glaubt an ihre Zukunft, und sie kämpft dafür.

    Ist es ein Modell für andere Gemeinden in der Bretagne? Vielleicht. Sicher aber ist: Batz sendet ein Signal. Dass das Leben auf den Inseln nicht nur den Reichen gehören darf. Dass Dörfer, so klein sie auch sind, ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können.

    Und dass eine Handvoll Kinderstimmen manchmal mehr bewegen als tausend politische Reden.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Die Bretagne dreht an der Steuerschraube – Zweitwohnungsbesitzer unter Druck

    Die Bretagne dreht an der Steuerschraube – Zweitwohnungsbesitzer unter Druck

    Wer von einem Häuschen mit Meerblick träumt, findet in der Bretagne oft das perfekte Idyll: wilde Küsten, charmante Dörfer, salzige Luft. Doch was einst als ruhiger Rückzugsort für den Ruhestand oder die Sommerferien gedacht war, entwickelt sich nun zum teuren Luxusgut. Die Steuer auf Zweitwohnungen – einst ein überschaubarer Posten – wird jetzt in vielen bretonischen Gemeinden kräftig nach oben geschraubt. Und das sorgt für Unruhe.

    In Orten wie Cancale, Saint-Malo oder Concarneau ist inzwischen fast jede zweite Immobilie eine Zweitwohnung. Die Folge: Viele Häuser stehen einen Großteil des Jahres leer. Für Gemeinden, die unter dem Druck wachsender Einwohnerzahlen, angespannter Mietmärkte und steigender Infrastrukturkosten stehen, ist das mehr als ein Ärgernis – es ist politischer Zündstoff.

    Steuerexplosion mit Ansage

    Was genau passiert? Über 1.600 Kommunen in Frankreich dürfen inzwischen die Steuer auf Zweitwohnungen deutlich erhöhen – und besonders die Bretagne macht davon fast flächendeckend Gebrauch. Acht von zehn Gemeinden in der Region haben die sogenannte „taxe d’habitation“ für Nebenwohnsitze um mehr als 50 % erhöht. Teilweise wird sogar die maximale Erhöhung von 60 % ausgeschöpft.

    Für viele Eigentümer bedeutet das eine empfindliche Mehrbelastung. Was früher vielleicht 800 Euro im Jahr kostete, kann nun locker auf 1.200 oder 1.300 Euro anwachsen – und das jährlich. Für Menschen, die sich ihren Alterswohnsitz in Küstennähe gesichert haben, ist das keine Kleinigkeit.

    Doch der Unmut ist nicht nur finanzieller Natur. Viele Eigentümer fühlen sich ungerecht behandelt – schließlich investieren sie nicht selten viel in die Instandhaltung ihrer Häuser, kaufen lokal ein, zahlen ihre Steuern pünktlich. Und dennoch – so empfinden es viele – werden sie nun zur Kasse gebeten, weil sie nicht ganzjährig anwesend sind.

    Die andere Seite der Medaille

    Die Kommunen hingegen sehen in der Steuererhöhung eine längst überfällige Maßnahme. Ziel ist es, leerstehende Immobilien zu aktivieren, mehr Wohnraum für Einheimische zu schaffen und gleichzeitig die kommunalen Haushalte zu entlasten. Die Einnahmen – so die Argumentation – fließen direkt in Projekte vor Ort: neue Kindergärten, Verkehrsnetze, Sozialwohnungen.

    In manchen Orten sprechen die Bürgermeister sogar von einer „notwendigen Gerechtigkeitskorrektur“. Warum sollte jemand, der nur zwei Monate im Jahr anwesend ist, weniger zum Gemeinwesen beitragen als eine Familie, die das ganze Jahr über hier lebt, einkauft, arbeitet, ihre Kinder zur Schule bringt?

    In der Praxis allerdings bleibt die Wirkung der Steuer umstritten. Nur wenige Eigentümer entscheiden sich deshalb, ihre Immobilie dauerhaft zu vermieten oder gar zu verkaufen. Viele nehmen die Mehrkosten zähneknirschend in Kauf – aus Liebe zur Region oder mangels Alternativen.

    Tourismus als zweischneidiges Schwert

    Gerade in der Bretagne, wo der Tourismus ein essenzieller Wirtschaftsfaktor ist, wirkt die Maßnahme paradox. Die Region lebt von ihren Gästen – doch genau die trifft es nun härter. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann das schnell zum Bumerang werden: Wer mehr fürs Haus zahlt, gibt vielleicht weniger im Restaurant, Bäcker oder Laden aus. Der Effekt auf die lokale Wirtschaft ist schwer kalkulierbar.

    Und dann ist da noch die Frage, wie viel Druck der Markt eigentlich verträgt. Wenn immer mehr Gemeinden ihre Steuerpolitik verschärfen, könnten sich potentielle Käufer irgendwann abwenden – nicht aus Protest, sondern aus nüchterner Kosten-Nutzen-Abwägung.

    Ein Balanceakt mit offenem Ausgang

    Die bretonische Steuerpolitik ist ein spannendes Experiment im Spannungsfeld zwischen sozialer Gerechtigkeit, Finanzierungsnotwendigkeit und wirtschaftlicher Attraktivität. Wird es gelingen, damit Wohnraum zurückzugewinnen und die Kommunen zu stärken? Oder führt die Maßnahme langfristig zur Entfremdung zwischen Einheimischen und Teilzeitbewohnern?

    Fakt ist: Der Küstentraum bleibt – aber er kostet.

    Und man fragt sich unwillkürlich: Wie viel ist uns das Meeresrauschen am Ende wirklich wert?

    Von C. Hatty