Schlagwort: Zinsen

  • Frankreichs Schuldenrekord: Wenn der Zins die Politik regiert

    Frankreichs Schuldenrekord: Wenn der Zins die Politik regiert

    Frankreich hat eine neue finanzpolitische Schwelle überschritten. Ende Juni 2026 beliefen sich die öffentlichen Schulden auf 3595,5 Milliarden Euro – 119 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Binnen eines einzigen Quartals kamen 59,6 Milliarden Euro hinzu. Noch eindrücklicher ist die Entwicklung seit Jahresbeginn: Ende 2025 waren es 3460,5 Milliarden Euro gewesen. In sechs Monaten wuchs der Schuldenberg damit um 135 Milliarden Euro.

    Doch die schiere Größe der Zahl verstellt leicht den Blick auf das eigentliche Problem. Frankreich steht nicht vor einer unmittelbar bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit. Es findet weiterhin Käufer für seine Staatsanleihen. Die entscheidende Veränderung liegt vielmehr im Preis der Verschuldung. Das Land trägt die finanziellen Hinterlassenschaften der Nullzinsära in eine Zeit zurückgekehrter Zinsen. Damit wird aus einer abstrakten Schuldenquote zunehmend eine konkrete Belastung des Staatshaushalts.

    119 Prozent sind mehr als ein Symbol

    Öffentliche Schulden müssen nicht wie ein privater Kredit vollständig zurückbezahlt werden. Staaten refinanzieren auslaufende Anleihen regelmäßig durch neue Emissionen. Entscheidend ist deshalb weniger die absolute Summe als das Verhältnis zwischen Schulden, Wirtschaftsleistung, Haushaltsdefizit und Finanzierungskosten.

    Gerade hier hat sich Frankreichs Position verschlechtert. Ende 2024 lag die Schuldenquote noch bei 112,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts, Ende 2025 bei 115,7 Prozent und im zweiten Quartal 2026 nun bei 119 Prozent. Allein im ersten Halbjahr stieg die nominale Verschuldung um rund 135 Milliarden Euro. Der Staat selbst verursachte im zweiten Quartal mit zusätzlichen 53 Milliarden Euro den weitaus größten Teil des Anstiegs.

    Das zeigt, dass Frankreichs Problem nicht lediglich in den außergewöhnlichen Kosten vergangener Krisen besteht. Pandemie, Energiepreisschock und staatliche Hilfsprogramme haben die Verschuldung erheblich erhöht. Doch auch nach dem Auslaufen vieler Sondermaßnahmen bleibt der Haushalt strukturell tief im Defizit.

    Das Ende des billigen Geldes

    Lange konnte Paris darauf vertrauen, dass hohe Schuldenstände überraschend wenig kosteten. Die Niedrig- und Negativzinsen im Euro-Raum ermöglichten es dem französischen Staat, alte, höher verzinste Anleihen teilweise durch extrem günstig finanzierte neue Schulden zu ersetzen.

    Diese Konstellation ist Geschichte.

    Der durchschnittliche gewichtete Zinssatz französischer mittel- und langfristiger Neuemissionen liegt 2026 bislang bei 3,55 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es 3,14 Prozent. Was nach einer überschaubaren Differenz aussieht, entwickelt bei einem Schuldenvolumen von mehreren Billionen Euro erhebliche fiskalische Wirkung.

    Die budgetäre Zinslast des Staates wird für 2026 inzwischen auf 62,6 Milliarden Euro veranschlagt; ursprünglich waren 59,3 Milliarden vorgesehen. Für 2027 rechnet die Agence France Trésor bereits mit 72,9 Milliarden Euro.

    Das ist die politisch bedeutsamere Zahl als der Schuldenstand selbst. Denn während fällige Anleihen refinanziert werden können, müssen Zinsen aus dem laufenden Haushalt getragen werden. Sie konkurrieren damit unmittelbar mit anderen Staatsausgaben.

    Je höher die Zinsrechnung steigt, desto enger wird der Spielraum für Verteidigung, Bildung, Infrastruktur, Krankenhäuser, Klimapolitik oder steuerliche Entlastungen. Die Vergangenheit beginnt, Ansprüche an die Gegenwart zu stellen.

    340 Milliarden Euro für den Kapitalmarkt

    Wie stark Frankreich inzwischen vom kontinuierlichen Zugang zu den Finanzmärkten abhängt, zeigt das Emissionsprogramm. Für 2026 sind mittel- und langfristige Nettoemissionen von 310 Milliarden Euro vorgesehen. Im kommenden Jahr sollen es rekordhohe 340 Milliarden Euro werden. Der gesamte staatliche Finanzierungsbedarf für 2027 wird auf 339,7 Milliarden Euro beziffert.

    Diese 340 Milliarden sind nicht mit einer entsprechenden Neuverschuldung gleichzusetzen. Ein beträchtlicher Teil dient dazu, fällige Anleihen abzulösen. Gerade darin liegt jedoch die Herausforderung.

    2027 steigen die Tilgungen mittel- und langfristiger Papiere voraussichtlich um 19,4 Milliarden Euro. Unter ihnen befinden sich Schulden, die während der Pandemie und der Energiekrise aufgenommen wurden. Frankreich refinanziert damit einen Teil der außergewöhnlichen Staatsausgaben der Krisenjahre zu den höheren Zinsen der Gegenwart.

    Noch besteht kein Hinweis darauf, dass Investoren französische Staatsanleihen grundsätzlich meiden. Bis Ende September überstieg die Nachfrage bei mittel- und langfristigen Emissionen das angebotene Volumen im Durchschnitt um das 2,5-Fache.

    Doch die relevante Frage lautet nicht nur, ob Frankreich Geld erhält. Sie lautet zunehmend: zu welchem Preis?

    Frankreichs strukturelles Dilemma

    Die Pandemie allein erklärt die Lage nicht. Frankreich verzeichnet seit Jahrzehnten wiederkehrende Haushaltsdefizite. Auch 2025, mehrere Jahre nach dem Höhepunkt der Corona-Krise, betrug das öffentliche Defizit noch 152,5 Milliarden Euro oder 5,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Die öffentlichen Ausgaben erreichten 57,2 Prozent des BIP, die Abgabenquote 43,6 Prozent.

    Darin zeigt sich das politische Dilemma besonders deutlich. Frankreich verfügt bereits über einen ausgeprägten Steuer- und Abgabenstaat. Zugleich finanziert es einen umfangreichen Sozialstaat und große öffentliche Strukturen. Eine schnelle Haushaltskonsolidierung lässt sich deshalb weder durch einige symbolische Einsparungen noch durch einzelne zusätzliche Abgaben erreichen.

    Sie verlangt Verteilungsentscheidungen.

    Genau diese sind in Frankreich politisch schwierig. Renten, kommunale Finanzen, Sozialleistungen, öffentlicher Dienst und Unternehmensbesteuerung berühren organisierte Interessen und gesellschaftliche Erwartungen. Der für 2027 vorgesehene Haushalt soll das Defizit auf 5 Prozent des BIP begrenzen. Selbst diese Zielmarke liegt jedoch weiterhin deutlich über der im europäischen Fiskalrahmen zentralen Drei-Prozent-Grenze.

    Solange der Staat jedes Jahr erhebliche neue Defizite produziert und die nominale Wirtschaftsleistung nicht schnell genug wächst, bleibt die Stabilisierung der Schuldenquote schwierig.

    Die irreführenden 52 000 Euro

    Teilt man 3595,5 Milliarden Euro durch die französische Bevölkerung, ergibt sich eine Größenordnung von etwas mehr als 52 000 Euro je Einwohner. Politisch ist diese Rechnung eingängig, ökonomisch jedoch nur begrenzt aussagekräftig.

    Kein Franzose schuldet persönlich 52 000 Euro. Schuldner sind die öffentlichen Körperschaften. Ihnen stehen außerdem Vermögenswerte gegenüber. Deshalb weist das Insee neben der Maastricht-Bruttoverschuldung auch eine Nettoverschuldung aus. Diese erreichte Ende Juni 111,4 Prozent des BIP und lag damit deutlich unter den 119 Prozent der Bruttoschulden.

    Die wichtigere Größe ist ohnehin nicht eine fiktive Pro-Kopf-Rechnung, sondern die fiskalische Handlungsfähigkeit des Staates. Eine hoch verschuldete Volkswirtschaft kann ihre Verbindlichkeiten über Jahrzehnte tragen, wenn Wachstum, Einnahmen und Vertrauen der Kapitalmärkte dies erlauben. Problematisch wird die Verschuldung, wenn ihre Bedienung einen immer größeren Anteil der politischen Gestaltungsmöglichkeiten beansprucht.

    Genau an diesem Punkt gewinnt Frankreichs Schuldenrekord seine Bedeutung.

    Die 3595,5 Milliarden Euro sind spektakulär, aber nicht die entscheidende Zahl. Auch 119 Prozent des BIP markieren für sich genommen keine automatische Krisenschwelle. Weder Staaten noch Finanzmärkte funktionieren nach einer solchen mechanischen Grenze.

    Entscheidend ist die Dynamik: Die Schulden steigen weiter, obwohl die außergewöhnlichen Krisenprogramme weitgehend hinter Frankreich liegen. Gleichzeitig verteuert sich die Refinanzierung. Der Haushalt muss deshalb einen wachsenden Teil seiner Mittel für Entscheidungen aufbringen, die in der Vergangenheit getroffen wurden.

    Frankreichs eigentliches Schuldenproblem ist somit nicht der drohende Tag einer großen Rechnung. Es ist der schleichende Verlust finanzpolitischer Freiheit.

    Je stärker die Zinsausgaben steigen, desto härter werden die Verteilungskonflikte. Eine zusätzliche Milliarde für den Schuldendienst kann nicht gleichzeitig für Schulen, Streitkräfte, Krankenhäuser oder Investitionen ausgegeben werden, sofern sie nicht durch höhere Einnahmen oder neue Schulden finanziert wird.

    Darin liegt die politische Botschaft der neuen Rekordzahl. Frankreich kann seine Schulden weiterhin refinanzieren. Aber es kann die Frage, wie viel Staat es dauerhaft finanzieren will und wie dieser Staat bezahlt werden soll, immer weniger mit billigem Geld vertagen.

    Andreas M. Brucker

  • Goldpreis auf Rekordhoch: 4.000 Dollar pro Unze – was dahintersteckt

    Goldpreis auf Rekordhoch: 4.000 Dollar pro Unze – was dahintersteckt

    Ein symbolträchtiger Meilenstein ist gefallen: Am 8. Oktober 2025 überstieg der Goldpreis erstmals in der Geschichte die Marke von 4.000 US-Dollar pro Unze. Ein Signal, das weit über den Finanzmarkt hinausstrahlt – denn der Höhenflug des Edelmetalls offenbart die tiefsitzende Verunsicherung in einer Welt im Krisenmodus. Während in Washington der politische Shutdown tobt, in Nahost die Konflikte eskalieren und die Weltwirtschaft zwischen Stagnation und Inflationssorgen taumelt, setzen immer mehr Anleger auf die älteste Krisenwährung der Menschheit: Gold. Ein goldener Morgen – wortwörtlich Am Mittwochmorgen notierte der Spotpreis für eine Feinunze Gold bei 4.034,59 US-Dollar. Die Futures für Dezember zogen gar auf 4.056,80 Dollar an. Ein Sprung von 50 Prozent seit Jahresbeginn. Diese Zahlen stehen nicht für ein bloßes Kursfeuerwerk – sie spiegeln die tektonischen Verschiebungen wider, die derzeit die globale Finanzordnung durchrütteln. Analysten erwarten, dass die Preise weiter steigen k…

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  • Frankreichs Schuldenberg: Warum 3.416 Milliarden € kein bloßer Rekord sind, sondern ein strukturelles Problem

    Frankreichs Schuldenberg: Warum 3.416 Milliarden € kein bloßer Rekord sind, sondern ein strukturelles Problem

    Am Ende des zweiten Quartals 2025 erreichte die französische Staatsverschuldung die unglaubliche Summe von 3.416,3 Milliarden Euro – ein historisches Rekordniveau. In Relation zur Wirtschaftsleistung entspricht dies 115,6 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Schuldensumme ist nicht nur nominal gewaltig, sondern Ausdruck eines strukturellen Ungleichgewichts, das sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. Die Frage ist längst nicht mehr, ob Frankreich ein Schuldenproblem hat – sondern wie belastbar seine öffentlichen Finanzen noch sind.


    Eine lange Geschichte chronischer Defizite

    Die anhaltende Ausweitung der Schulden lässt sich nicht auf kurzfristige politische Entscheidungen oder Krisenmaßnahmen reduzieren. Sie ist das Resultat einer dauerhaften fiskalischen Schieflage. Seit Mitte der 1970er Jahre schreibt Frankreich fast durchgehend Haushaltsdefizite. Auch in konjunkturell günstigen Zeiten überstiegen die Ausgaben regelmäßig die Einnahmen. Dieser strukturelle Negativsaldo wurde durch Krisen noch verschärft, aber nicht verursacht.


    Krisen als Schuldenbeschleuniger

    Tatsächlich haben mehrere Krisenphasen die ohnehin bestehende Dynamik beschleunigt. Die Finanzkrise ab 2008, die Corona-Pandemie sowie die Energie- und Inflationskrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine führten zu massiven staatlichen Unterstützungsprogrammen. Kurzarbeit, Unternehmenshilfen, Energiesubventionen – all dies war fiskalisch notwendig, erhöhte aber massiv die Neuverschuldung. Der politische Konsens lautete in all diesen Phasen: der Staat muss einspringen, wenn Märkte, Unternehmen oder Haushalte überfordert sind. Was jedoch fehlte, war eine klare Exit-Strategie für die Phase danach.


    Wenn Einnahmen nicht mitwachsen

    Parallel zu den steigenden Ausgaben stagnieren die Staatseinnahmen in Relation zur gesamtwirtschaftlichen Leistung. Steuerreformen und soziale Ausgleichsmaßnahmen – etwa die Abschaffung der Wohnsteuer für breite Bevölkerungsschichten oder Unternehmenssteuersenkungen – haben das strukturelle Defizit verschärft. Dabei wurde vielfach auf Wachstumsimpulse gesetzt, die sich aber nur begrenzt einstellten. In einer wirtschaftlich mäßigen Konjunkturphase wächst die Steuerbasis nicht schnell genug, um die Schuldenquote zu stabilisieren oder gar zu senken.


    Die Rückkehr der Zinsen – ein schleichender Bremsfaktor

    Ein Jahrzehnt lang profitierte Frankreich – wie viele andere Industrieländer – von einem historisch niedrigen Zinsumfeld. Staatsschulden ließen sich zu minimalen Kosten aufnehmen. Doch mit dem Ende der expansiven Geldpolitik und dem Kampf der Zentralbanken gegen die Inflation haben sich die Finanzierungskosten merklich erhöht. Neu emittierte Anleihen müssen mit höheren Zinsen bedient werden, was den Schuldendienst spürbar verteuert. Für 2025 wird ein Zinsaufwand im mittleren zweistelligen Milliardenbereich erwartet. Dieser Betrag bindet Ressourcen, die für Investitionen, Transformation oder soziale Sicherung fehlen.


    Vielgliedrige Verschuldung: Mehr als nur der Zentralstaat

    Die Gesamtverschuldung setzt sich aus mehreren Ebenen zusammen: Neben dem Zentralstaat tragen auch Kommunen, Regionen, Sozialversicherungsträger und andere öffentliche Institutionen zum Schuldenstand bei. Gerade in Krisenzeiten steigen auch dort die Finanzierungslasten, etwa durch erhöhte Ausgaben für Gesundheit, Soziales oder Infrastruktur. Die Koordination dieser unterschiedlichen Schuldenpfade ist politisch und administrativ herausfordernd – zumal die fiskalische Verantwortung dezentral verteilt ist, die Kreditwürdigkeit aber gesamthaft bewertet wird.


    Warum gerade 2025 ein Wendepunkt sein könnte

    Die Schuldenmarke von über 3.400 Milliarden Euro ist mehr als ein statistischer Meilenstein. Sie markiert einen Moment, in dem mehrere belastende Faktoren gleichzeitig wirken: steigende Zinsen, schwaches Wachstum, ein nur langsam sinkendes Defizit und begrenzter politischer Handlungsspielraum. Gleichzeitig wächst der Druck internationaler Akteure – etwa von Ratingagenturen oder der Europäischen Kommission –, glaubwürdige Konsolidierungsstrategien vorzulegen. Frankreich steht damit vor einem haushaltspolitischen Wendepunkt, bei dem weder ein „Weiter so“ noch ein abrupter Sparkurs realistisch erscheinen.


    Die Risiken eines ungebremsten Schuldenpfads

    Die Schuldenhöhe ist nicht per se problematisch – wohl aber ihre Dynamik, Finanzierungskosten und politische Steuerbarkeit. Je höher die Schulden, desto anfälliger wird der Staatshaushalt gegenüber externen Schocks. Eine neue Rezession, eine geopolitische Eskalation oder ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen könnte die Lage rasch verschärfen. Auch die Fähigkeit, in die Zukunft zu investieren – etwa in Bildung, Digitalisierung oder Klimaschutz – wird eingeschränkt, wenn der Schuldendienst einen immer größeren Anteil des Budgets bindet.

    Zudem besteht das Risiko, dass hohe staatliche Kreditaufnahmen privates Kapital verdrängen. Investoren könnten sich stärker auf sichere Staatsanleihen konzentrieren, was den Finanzierungsspielraum von Unternehmen verknappt. Diese sogenannte „crowding-out“-Wirkung bremst mittelbar Wachstum und Innovation.


    Wege aus der strukturellen Überschuldung

    Ein realistischer Schuldenabbau erfordert eine Kombination aus wachstumsorientierter Wirtschaftspolitik, intelligenter Ausgabendisziplin und steuerlicher Reformbereitschaft. Einzelne Stellschrauben:

    • Primärüberschüsse erzielen: Das bedeutet, Einnahmen dauerhaft über die Ausgaben (ohne Zinszahlungen) zu heben. Dazu sind langfristige politische Maßnahmen und Verpflichtungen nötig.
    • Zukunftsinvestitionen stärken: Investitionen in Wachstumstreiber erhöhen mittelfristig die Steuerbasis und entlasten so die Schuldenquote.
    • Sozialausgaben effizienter gestalten: Nicht pauschal kürzen, aber Zielgenauigkeit, Steuerung und Wirkung verbessern.
    • Steuersystem modernisieren: Schlupflöcher schließen, Steuervermeidung bekämpfen, digitale und globale Wertschöpfung erfassen.
    • Finanzmarktzugang sichern: Glaubwürdigkeit durch verlässliche Haushaltspolitik stärkt das Vertrauen der Märkte.

    Ein nachhaltiger Schuldenabbau ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Ohne strukturelle Veränderungen bleibt Frankreich anfällig für externe Erschütterungen – und gerät mittelfristig in eine politische Schuldenfalle, bei der neue Schulden nur noch bestehende finanzieren, ohne Spielraum für Zukunftsgestaltung zu lassen.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreichs finanzpolitisches Dilemma: Wenn Schulden zum Risiko für die Souveränität werden

    Frankreichs finanzpolitisches Dilemma: Wenn Schulden zum Risiko für die Souveränität werden

    Die jüngste Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Fitch hat die Fragilität der zweitgrössten Volkswirtschaft der Eurozone schonungslos offengelegt. Von „AA-“ auf „A+“ reduziert, signalisiert das Urteil nicht nur steigende Zweifel an der Tragfähigkeit der französischen Staatsfinanzen. Es macht auch sichtbar, wie sehr fiskalische Schwäche und politische Instabilität in Frankreich mittlerweile ineinandergreifen. Ein Staat im Dauerdefizit Frankreichs öffentliche Verschuldung hat Ende 2024 mit 113,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts einen historischen Höchststand erreicht und könnte nach Projektionen internationaler Finanzinstitute bis 2026 auf 118 Prozent anwachsen (Financial Times, 2025). Seit Jahren gelingt es Paris nicht, die Ausgabenlast zu zügeln. Selbst im konjunkturell robusteren Umfeld vor der Pandemie lagen die Defizite deutlich über den europäischen Referenzwerten. Die jüngste Verschärfung ist auf eine Kombination von Faktoren zurückzuführen: gros…

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  • Trump verspricht ein Handelsabkommen mit der EU – und andere World-News

    Trump verspricht ein Handelsabkommen mit der EU – und andere World-News

    Am Donnerstag traf Donald Trump im Weißen Haus eine europäische Regierungschefin, für die er ungewöhnlich warme Worte fand: Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Beim Empfang erklärte Trump, es werde „zu 100 Prozent ein Handelsabkommen mit der EU geben“, noch bevor die 90-tägige Aussetzung einiger Zölle auslaufe.

    Meloni stellte zwar klar, dass sie kein Mandat habe, im Namen der EU zu verhandeln. Dennoch sieht die Trump-Regierung in der konservativen Politikerin eine mögliche Vermittlerin mit Europa. Die Europäische Zentralbank senkte unterdessen die Zinsen – ein Schritt, der angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten, auch als Folge von Trumps erratischer Handelspolitik, erwartet worden war.

    Auch mit Blick auf China äußerte sich Trump optimistisch: „Wir werden ein sehr gutes Abkommen mit China machen“, erklärte er. China ist derzeit mit US-Zöllen in Höhe von 145 Prozent konfrontiert. Konkrete Fortschritte in den Verhandlungen sind bislang jedoch kaum erkennbar. Auch japanische Regierungsvertreter reisten am Mittwoch ohne Abkommen aus Washington ab. Trump meinte jedoch, man sei „auf einem guten Weg“.


    US-Gericht: Google hat illegal seine Monopolstellung im Werbemarkt ausgebaut

    Ein US-Bundesrichter entschied am Donnerstag, dass Google Gesetze verletzt hat, um seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der Onlinewerbung zu sichern. Das Urteil könnte weitreichende Folgen für den Technologiekonzern und dessen Einfluss auf das Internet haben.

    Das Justizministerium hatte Google im vergangenen September verklagt. Es warf dem Unternehmen vor, ein Monopol auf drei zentralen Ebenen des digitalen Werbemarktes aufgebaut zu haben: bei den Werkzeugen für Publisher, um Werbeflächen anzubieten; bei den Tools, mit denen Werbekunden diese Flächen kaufen; und bei der Software, die die Transaktionen zwischen beiden Seiten ermöglicht.

    Der Richter befand, dass Google seine Marktstellung bei den Publisher-Tools und dem Transaktionssystem illegal aufgebaut habe. Den Vorwurf in Bezug auf die Werbekunden-Tools wies das Gericht jedoch zurück.

    Google und das Justizministerium haben nun sieben Tage Zeit, einen Zeitplan für die nächste Phase des Verfahrens vorzulegen. Die Regierung hat bereits angekündigt, dass sie möglicherweise eine Zerschlagung von Googles Werbetechnologiesparte fordern werde.

    Unabhängig davon hatte ein anderer Richter im August entschieden, dass Google auch im Bereich der Internetsuche ein illegales Monopol halte. Hier plant das Justizministerium ebenfalls eine Aufspaltung des Konzerns. Eine erste Anhörung dazu beginnt am kommenden Montag.


    USA beginnen Truppenabzug aus dem Nordosten Syriens

    Nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember haben die Vereinigten Staaten mit dem Rückzug ihrer Truppen aus dem Nordosten Syriens begonnen. Drei der acht kleinen US-Stützpunkte in der Region wurden bereits geschlossen, wie US-Behörden mitteilten. Die Truppenstärke sei von rund 2.000 auf etwa 1.400 Soldaten reduziert worden.

    Beobachter warnen, dass ein weiterer Abzug die Stabilität der neu eingesetzten syrischen Regierung gefährden könnte. Besonders im Nordosten sei der sogenannte Islamische Staat weiterhin eine reale Bedrohung.


    Weitere Schlagzeilen

    • Gaza: Israel bombardierte ein Lager für kriegsvertriebene Palästinenser im Süden des Gazastreifens. Nach palästinensischen Angaben kamen dabei mindestens ein Dutzend Menschen ums Leben.
    • USA: Bei einer Schießerei auf dem Campus der Florida State University in Tallahassee wurden mindestens zwei Menschen getötet. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen.
    • Italien: Eine Seilbahn stürzte südlich von Neapel ab und zerschellte. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben.
    • Gesundheit: Das Pharmaunternehmen Eli Lilly veröffentlichte Studienergebnisse, wonach eine tägliche Tablette ähnlich wirksam beim Gewichtsverlust sein könnte wie injizierbare Medikamente wie Ozempic.
    • Frankreich: Präsident Emmanuel Macron forderte eine Kommission, die die Folgen einer Schuldenlast Haitis von vor 200 Jahren untersuchen soll.
    • Ukraine: Ein Geschichtslehrer erreicht mit Videos, in denen er Kreml-Propaganda entkräftet, ein Millionenpublikum im Netz.
    • Australien: Eine Modedesignerin namens Katie Perry verklagt die Sängerin Katy Perry wegen Markenrechtsverletzung.
    • Niederlande: Angesichts steigender Zahlen von Verkehrstoten unter Radfahrern wirbt eine neue Kampagne für das Tragen von Helmen – doch viele bleiben skeptisch.
    • Mode: Jonathan Anderson, früher bei Loewe (LVMH), wird neuer künstlerischer Leiter für die Herrenmode bei Dior.
    • Tiere: In Kenia bekannten sich vier Männer schuldig, Tausende lebende Ameisen illegal gehandelt zu haben. Sie wollten sie als Haustiere verkaufen.

    Autor: MAB

  • Frankreich zahlt nun mehr als Spanien für die Rückzahlung seiner Schulden

    Frankreich zahlt nun mehr als Spanien für die Rückzahlung seiner Schulden

    Am Donnerstag, dem 26. September 2024, geschah etwas, das Frankreichs Wirtschaftswelt beunruhigt – die Kosten für die französische Staatsverschuldung überstiegen erstmals seit 18 Jahren die der spanischen Schulden. Dieser Wendepunkt verdeutlicht, dass die Haushaltsanstrengungen, die Länder wie Spanien nach der Finanzkrise unternommen haben, Früchte tragen. Spanien, einst stark angeschlagen, hat sich stabilisiert und wächst wieder. Frankreich hingegen kämpft mit höheren Defiziten und politischen Unsicherheiten. Wendepunkt nach 18 Jahren Der Unterschied mag gering erscheinen – nur 0,2 % trennen die Rückzahlungszinsen Frankreichs (2,97 %) und Spaniens (2,95 %). Dennoch ist er symbolisch: Erstmals seit November 2006 zahlt Paris mehr für seine Schulden als Madrid. Es handelt sich hierbei um den Zinssatz für zehnjährige Staatsanleihen, der als wichtige Kennziffer für die Bewertung der nationalen Schulden gilt. Warum der Vergleich mit Spanien? Weil Spanien in den letzten Jahren wirtschaftlich…

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  • Kredite für Immobilien-Käufer in Frankreich immer schwieriger zu bekommen

    Kredite für Immobilien-Käufer in Frankreich immer schwieriger zu bekommen

    Vielen Hauskäufern in Frankreich wird seit dem 1. Juni die Aufnahme eines Immobilienkredits verweigert. Die steigenden Immobilienzinsen hindern sie daran, sich ein Eigenheim zu kaufen.

    Für viele Franzosen wird das Investieren in Immobilien zunehmend unerreichbar. Pierre Bazire dachte, er könne sich 205.000 Euro für eine Wohnung von der Bank leihen. „Ich hatte im Internet Simulationen durchgeführt und dachte, ich hätte ein ziemlich gutes Profil, um kaufen zu können, und am Ende hat sich herausgestellt, dass das nicht wirklich der Fall war. Die Zinsen sind gestiegen“, erklärt er gegenüber France 2. Für ihn liegt das Problem im Zinssatz. Wenn die Summe aus Versicherungsgebühren, Provisionen und dem Zinssatz 2,40% des Kreditbetrags übersteigt, wird das Darlehen automatisch abgelehnt.

    Die Immobilienzinsen werden weiter steigen
    Da die Immobilienzinsen steigen, werden auch die Ablehnungen immer häufiger. Auch die Zentralbanken erhöhen ihre Zinssätze, was das Leben der Immobilien-Käufer weiter erschweren könnte. „Die Zentralbanken haben heute keine andere Möglichkeit, als die Zinsen zu erhöhen, also werden auch die Immobilienzinsen weiter steigen“, erklärt Estelle Brack, Bank- und Finanzexpertin, auf dem Sender France 2. Das Wirtschaftsministerium will nach Lösungen suchen.