Schlagwort: Zigarettenstummel

  • 30 Cent pro Schachtel gegen Waldbrände: LR-Abgeordneter will Tabakkonzerne zur Kasse bitten

    30 Cent pro Schachtel gegen Waldbrände: LR-Abgeordneter will Tabakkonzerne zur Kasse bitten

    Ein achtlos aus dem Autofenster geworfener Zigarettenstummel kann genügen, um in der ausgetrockneten Vegetation einen verheerenden Brand auszulösen. Angesichts der schweren Waldbrandsaison in Frankreich fordert der konservative Abgeordnete Yannick Neuder deshalb eine neue Abgabe für die Tabakindustrie. Mit den Einnahmen sollen Feuerwehren besser ausgestattet, verbrannte Wälder wiederhergestellt und durch Zigarettenfilter belastete Böden und Gewässer saniert werden.

    Der frühere Gesundheitsminister und heutige Abgeordnete der Republikaner aus dem Département Isère will dazu einen Gesetzentwurf in die Nationalversammlung einbringen. Vorgesehen ist eine Abgabe von 15 Euro je 1.000 verkaufter Zigaretten, die unmittelbar bei den Herstellern erhoben werden soll. Rechnerisch entspricht dies 30 Cent pro Packung mit 20 Zigaretten.

    Neuder betont, es handle sich nicht um eine Strafmaßnahme gegen Raucher oder Tabakhändler. Die Industrie müsse die gesamte Belastung nicht zwangsläufig auf den Verkaufspreis umlegen. Ob die Konzerne tatsächlich auf einen Teil ihrer Gewinnspanne verzichten würden, erscheint allerdings fraglich. Erfahrungsgemäß werden zusätzliche Abgaben zumindest teilweise an die Verbraucher weitergegeben.

    Rund 350 Millionen Euro für Prävention und Wiederaufbau

    Auf Grundlage der für 2025 in Frankreich offiziell registrierten Zigarettenverkäufe könnten nach Berechnungen des Abgeordneten jährlich rund 350 Millionen Euro zusammenkommen. Die Einnahmen sollen von der französischen Zollverwaltung eingezogen und in einen bei der staatlichen Caisse des Dépôts eingerichteten Fonds überwiesen werden.

    Aus diesem Fonds könnten Feuerwehr- und Rettungsdienste neue Einsatzfahrzeuge, moderne Löschtechnik sowie Schutzkleidung finanzieren. Anspruch auf Unterstützung hätten darüber hinaus der nationale Forstbetrieb ONF, der Verband der privaten Waldbesitzer, Gemeinden, Gemeindeverbände sowie anerkannte Umweltorganisationen. Neben der Brandbekämpfung sollen auch Wiederaufforstungsprojekte, die Regeneration geschädigter Ökosysteme und die Reinigung von Gewässern und Böden gefördert werden.

    Vertreter der Tabakindustrie sollen dem Verwaltungsrat des Fonds ausdrücklich nicht angehören.

    Neuder begründet seine Initiative mit dem Verursacherprinzip. Die Hersteller produzierten Milliarden Zigaretten, deren Filter anschließend auf Straßen, in Flüssen, an Stränden oder in Wäldern landeten. Die Kosten für das Einsammeln trügen bislang überwiegend die Kommunen, während die Départements einen erheblichen Teil der Finanzierung der Feuerwehren übernähmen.

    Ein kurzer Moment mit jahrzehntelangen Folgen

    Nach Angaben des französischen Umweltministeriums werden jedes Jahr zwischen 20.000 und 25.000 Tonnen Zigarettenstummel achtlos weggeworfen. Rund 17 Prozent der Raucher geben an, bereits einmal einen glimmenden oder erloschenen Stummel aus einem Fahrzeug geworfen zu haben. Besonders während Trockenperioden und bei starkem Wind kann selbst eine kleine Restglut ausreichen, um Grasflächen oder Unterholz in Brand zu setzen.

    Neun von zehn Waldbränden in Frankreich gehen auf menschliches Handeln zurück. Etwa 15 Prozent entstehen durch Unachtsamkeit von Privatpersonen, wobei weggeworfene Zigarettenstummel als eine der möglichen Ursachen gelten. Die spektakulärsten Großbrände dieses Sommers – unter anderem in der Gironde, im Var und im Wald von Fontainebleau – wurden nach bisherigem Ermittlungsstand allerdings nicht durch rauchende Autofahrer ausgelöst.

    Der Gesetzentwurf versteht sich daher weniger als direkte Reaktion auf einzelne Brandursachen, sondern als Versuch, die Folgekosten des Tabakkonsums stärker nach dem Verursacherprinzip zu verteilen. Ob Neuder für seinen Vorstoß eine parlamentarische Mehrheit findet, ist derzeit offen. Der Abgeordnete setzt auf eine parteiübergreifende Unterstützung. Sollte der Entwurf keinen Platz auf der Tagesordnung der Nationalversammlung erhalten, könnte die Abgabe auch im Rahmen der Beratungen zum Staatshaushalt 2027 über einen Änderungsantrag eingebracht werden. Ein Inkrafttreten wäre frühestens zum 1. Januar 2028 möglich.

    Autor: P. Tiko

  • Der neue Klimaterrorismus: Wer Zigaretten in trockene Wälder wirft, zündelt an unserer Zukunft

    Der neue Klimaterrorismus: Wer Zigaretten in trockene Wälder wirft, zündelt an unserer Zukunft

    Es gibt Menschen, die kämpfen gegen den Klimawandel. Und dann gibt es jene, die offenbar glauben, sie müssten ihm persönlich unter die Arme greifen.

    Während Hunderte Feuerwehrleute rund um Biscarrosse Tag und Nacht gegen meterhohe Flammen kämpfen, ihre Gesundheit riskieren und Familien ihre Häuser verlassen müssen, kommt ein Mann auf die brillante Idee, glühende Zigarettenstummel in ausgedörrte Vegetation zu werfen. Alkoholisiert natürlich. Als wäre Promille neuerdings ein Freifahrtschein für grenzenlose Verantwortungslosigkeit.

    Man fragt sich unweigerlich: Was geht in einem Menschen vor, der überall Warnschilder sieht, die Nachrichten verfolgt, Rauch am Horizont erkennt – und trotzdem seine Zigarette achtlos ins Gras schnippt? War das Gedankenlosigkeit? Gleichgültigkeit? Oder schlicht die Überzeugung, dass Natur und Mitmenschen schon irgendwie mit den Folgen seines Handelns klarkommen?

    Oder gar – und das wäre besonders beunruhigend – volle Absicht?

    Der Begriff „Klimaterrorismus“ klingt zunächst drastisch. Doch was beschreibt besser ein Verhalten, das in einer ohnehin extrem angespannten Lage bewusst oder zumindest grob fahrlässig eine Katastrophe auslösen kann? Wer in Zeiten von Dürre und Rekordhitze mit offenem Feuer oder glühenden Zigaretten hantiert, spielt nicht nur mit dem Wald. Er spielt mit Menschenleben, Existenzen und einer Landschaft, die Jahrzehnte braucht, um sich von den Narben eines Großbrandes zu erholen.

    Natürlich wird jetzt wieder jemand sagen: „Er wollte doch niemandem schaden.“

    Ach wirklich?

    Wer mit 180 Stundenkilometern durch eine Fußgängerzone rast und niemanden trifft, bleibt trotzdem kein Musterbürger. Wer eine geladene Waffe in die Luft schießt und zufällig niemanden verletzt, handelt ebenfalls unverantwortlich. Und wer in einer Region, in der der Wald praktisch auf einen Funken wartet, glühende Zigarettenstummel wegwirft, darf sich hinterher nicht auf Überraschung berufen, wenn plötzlich Flammen lodern.

    Besonders bitter wirkt dabei die Ausrede mit dem Alkohol. Seit wann verwandelt Promille Dummheit in Unschuld? Wenn überhaupt, macht Alkohol schlechte Entscheidungen nur sichtbarer. Verantwortung verschwindet nicht mit dem ersten Bier.

    Noch absurder wurde die Geschichte bei der Festnahme. Statt wenigstens einen Funken Einsicht zu zeigen, leistete der Mann Widerstand und griff die Gendarmen sogar in sexualisierter Weise an. Ein Schauspiel, das irgendwo zwischen Fremdscham und Kopfschütteln pendelt. Wer sich derart verhält, dokumentiert eindrucksvoll, dass das eigentliche Problem weit über zwei weggeworfene Zigaretten hinausgeht.

    Die französische Justiz hat mit der vergleichsweise harten Strafe ein wichtiges Signal gesetzt. Zweieinhalb Jahre Gefängnis mögen manchen hart erscheinen. Tatsächlich wirken sie fast bescheiden, wenn man sich vor Augen führt, welche Schäden wenige Sekunden Leichtsinn hätten anrichten können. Tausende Hektar Wald, zerstörte Häuser, tote Tiere, gefährdete Feuerwehrleute – all das hätte Realität werden können. Nicht wegen eines Blitzschlags. Nicht wegen eines technischen Defekts. Sondern wegen einer Zigarette.

    Vielleicht liegt genau hier das eigentliche Problem unserer Zeit. Viele Menschen unterschätzen ihr eigenes Handeln. Die Zigarette aus dem Fenster. Der Grill im Wald. Das Lagerfeuer trotz Verbots. Alles scheinbar belanglose Kleinigkeiten. Bis aus einem kleinen Funken eine Feuerwalze entsteht, die ganze Landstriche verschlingt.

    Frankreich erlebt inzwischen jeden Sommer neue Rekorde bei Hitze und Trockenheit. Wälder gleichen Pulverfässern. Unter solchen Bedingungen reicht eben kein Appell an die Vernunft mehr aus. Wer Warnungen ignoriert, gefährdet die Allgemeinheit. Punkt.

    Der wahre Skandal besteht nämlich nicht darin, dass dieser Mann verurteilt wurde. Der Skandal ist, dass solche Fälle überhaupt noch passieren. Nach all den Bildern brennender Wälder, evakuierter Dörfer und erschöpfter Feuerwehrleute dürfte eigentlich niemand mehr behaupten können, er habe die Gefahr nicht erkannt.

    Vielleicht braucht unsere Gesellschaft deshalb einen neuen Blick auf solche Taten. Nicht jede Brandkatastrophe beginnt mit einem Brandstifter, der Benzinkanister schleppt. Manchmal genügt erschreckende Gleichgültigkeit. Und Gleichgültigkeit kann in Zeiten der Klimakrise ebenso zerstörerisch sein wie Vorsatz.

    Denn wer heute einen Funken in den trockenen Wald wirft, legt nicht nur Feuer an Bäume. Er legt Feuer an das Vertrauen einer Gesellschaft, die darauf angewiesen ist, dass jeder seinen kleinen Teil zur Sicherheit aller beiträgt.

    Daniel Ivers

  • Kippen in Paris: Zehn Maßnahmen gegen die kleine große Umweltkatastrophe

    Kippen in Paris: Zehn Maßnahmen gegen die kleine große Umweltkatastrophe

    Paris sagt den Kippen den Kampf an – mit einem Aktionsplan, der es in sich hat. Täglich landen zwischen vier und fünf Millionen Zigarettenstummel auf den Straßen der französischen Hauptstadt. Diese scheinbar kleinen und unwichtigen Abfälle sind in Wirklichkeit ein riesiges Problem – ökologisch wie ökonomisch. Die Stadt investiert jährlich rund 10 Millionen Euro in die Beseitigung dieser Raucher-Abfälle. Doch das ist erst die Spitze des Eisbergs. Umweltkiller im Taschenformat Rund 60 Prozent aller im öffentlichen Raum gerauchten Zigaretten enden auf dem Boden. Aber: Ein einziger Stummel kann bis zu 500 Liter Wasser verseuchen – wegen der etwa 4.000 enthaltenen Chemikalien. Die Folgen? Verunreinigtes Grundwasser, belastete Böden und geschädigte Gewässer. Paris zieht nun die Reißleine – mit zehn durchdachten Maßnahmen. Ein 10-Punkte-Plan gegen das Wegschnippen

    Cendriers to go: 400.000 Taschenaschenbecher werden gratis in etwa 700 Tabakläden verteilt. Auch bei Aktionen an stark frequentie…

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