Schlagwort: Wirtschaft Frankreich

  • Wenn der Wind zur Gefahr – Das größte Waldgebiet Westeuropas wird gesperrt

    Wenn der Wind zur Gefahr – Das größte Waldgebiet Westeuropas wird gesperrt

    Ein Wald von beinahe endloser Weite, schnurgerade Kiefernreihen bis zum Horizont, der Duft von Harz in der Luft – und nun: Alarmstufe Rot.

    Im französischen Département Landes greift die Präfektur zu einer drastischen Maßnahme. Mit dem Herannahen eines außergewöhnlich heftigen Sturmtiefs bleibt das gesamte Waldmassiv ab Donnerstag vorübergehend gesperrt. Böen von bis zu 100 Stundenkilometern, örtlich darüber, kündigen sich an. Für Bewohner, Infrastruktur – und vor allem für den Wald selbst – entsteht eine ernste Gefahr.

    Was auf den ersten Blick spektakulär wirkt, offenbart bei näherer Betrachtung nüchterne Vernunft.

    Die Forêt des Landes de Gascogne gilt als größtes zusammenhängendes Waldgebiet Westeuropas. Fast eine Million Hektar, geprägt vom Pin maritime, der Seekiefer. Sie prägt das Landschaftsbild, sie speist eine ganze Industrie, sie steht symbolisch für eine Region, die ohne ihren Wald kaum denkbar wäre.

    Doch genau diese scheinbare Stärke birgt eine Schwäche.

    Die Seekiefer wächst schnell, schlank und hoch. Ihre Wurzeln reichen nicht besonders tief. In gleichförmigen Pflanzungen, die seit dem 19. Jahrhundert systematisch angelegt wurden, bildet sich ein Meer aus Holz – beeindruckend, aber anfällig. Wenn der Atlantikwind ungebremst über die flache Landschaft fegt, geraten die Bäume ins Wanken. Und wenn der Boden durch Regen aufgeweicht ist, verliert irgendwann selbst der kräftigste Stamm seinen Halt.

    Die Erinnerung an vergangene Stürme sitzt tief.

    1999 fegte „Martin“ über die Region hinweg und hinterließ Schneisen der Verwüstung. 2009 riss „Klaus“ innerhalb weniger Stunden rund 300.000 Hektar Wald nieder. Wer damals durch die Landes fuhr, sah keine Wälder mehr, sondern ein chaotisches Durcheinander aus gebrochenen Stämmen – wie Mikadostäbe nach einem missglückten Spiel. Diese Bilder prägen bis heute das kollektive Gedächtnis.

    Die aktuelle Sperrung verfolgt ein klares Ziel: Menschen schützen, bevor etwas passiert. Herabstürzende Äste, entwurzelte Bäume, blockierte Forstwege – all das stellt akute Risiken dar. Spaziergänger, Jäger, Sportler, Forstarbeiter: Sie alle müssen draußen bleiben. Rettungskräfte könnten bei blockierten Wegen nur schwer eingreifen. Und Bäume, die den Sturm überstehen, stehen oft noch Tage später instabil da – eine unsichtbare Gefahr.

    Die Behörden setzen inzwischen konsequent auf Prävention. Statt im Nachhinein Schadensberichte zu verfassen, greifen sie im Vorfeld durch. Das wirkt streng, aber ehrlich gesagt: lieber einmal zu viel gewarnt als einmal zu spät reagiert.

    Der Wind bedroht nicht nur den Wald.

    Im gesamten Département rechnen die Einsatzkräfte mit umstürzenden Strommasten, beschädigten Dächern, unterbrochenen Verkehrsverbindungen. Besonders exponiert sind die Küstengebiete und offenen Flächen, wo der Wind ungehindert Fahrt aufnimmt. Schwerlastverkehr gerät ins Schwanken, leichte Konstruktionen halten den Böen womöglich nicht stand.

    Feuerwehr, Netzbetreiber und Kommunen stehen in Bereitschaft. Eingespielte Abläufe, schnelle Interventionsteams, engmaschige Überwachung – all das gehört mittlerweile zur Routine. Man hat gelernt. Hart, aber gründlich.

    Der Wald ist nicht nur Naturraum, er ist Wirtschaftsmotor. Sägewerke, Papierfabriken, Holzwerkstoffbetriebe, Biomasseanlagen – sie alle hängen am Rohstoff aus den Landes. Nach schweren Stürmen fällt der Holzpreis rapide, Lagerkapazitäten stoßen an Grenzen, Produktionsketten geraten ins Stocken. Für private Waldbesitzer bedeutet ein Orkan nicht selten existenzielle Einbußen.

    Auch ökologisch hinterlassen Stürme Spuren. Geschwächte Bäume bieten Schädlingen Angriffsflächen. Monokulturen reagieren sensibler als Mischbestände. Seit den großen Sturmereignissen bemühen sich Forstexperten um eine vorsichtige Diversifizierung, um geringere Pflanzdichten, um robustere Strukturen. Doch ein Restrisiko bleibt – immer.

    Hinzu tritt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: das Klima.

    Meteorologen beobachten eine zunehmende Unberechenbarkeit extremer Wetterlagen. Längere Trockenphasen schwächen das Wurzelwerk, intensive Niederschläge durchnässen die Böden. Trifft darauf ein Sturm, verschärft sich die Lage. Ob die Häufigkeit schwerer Winterstürme tatsächlich zunimmt, wird weiterhin erforscht. Sicher ist jedoch, dass sich Wetterextreme verdichten.

    Die Bevölkerung der Landes kennt den Wind. Er gehört zum Alltag wie das Rauschen des Atlantiks. Doch Vertrautheit erzeugt keinen Leichtsinn. Viele sichern Gartenmöbel, überprüfen Dächer, verschieben Waldspaziergänge. Die Risikokultur ist tief verankert. Man weiß, wozu der Sturm fähig ist.

    Und so bleibt die Sperrung des Waldmassivs ein starkes, aber pragmatisches Signal. Sie steht für einen Wandel im Umgang mit Naturgefahren: handeln, bevor es kracht. Verantwortung übernehmen, bevor Schaden entsteht.

    Denn dieser Wald ist mehr als eine Ansammlung von Bäumen. Er ist Identität, Erwerbsquelle, Landschaftsraum und Erinnerung zugleich. Wenn der Wind kommt, hält die Region den Atem an. Und hofft, dass die Kiefern diesmal standhalten.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Explosion in der Morgendämmerung – Chemiebetrieb in der Moselle evakuiert

    Explosion in der Morgendämmerung – Chemiebetrieb in der Moselle evakuiert

    Es ist kurz nach vier Uhr morgens, als auf der Industrieplattform von Carling die Stille zerreißt. In einem Gebäude des Chemieunternehmens SNF Coagulants kommt es zu einer Explosion. Ein Reaktor ist betroffen, das Gebäude misst rund 800 Quadratmeter. Die Druckwelle bleibt lokal begrenzt, doch der Alarm sitzt tief – bei den Einsatzkräften ebenso wie in der Region. Die Feuerwehr rückt mit schwerem Gerät an. 63 Einsatzkräfte, 15 Fahrzeuge. Ein Sicherheitsperimeter wird errichtet, die Zufahrten gesperrt. Vier Nachtarbeiter, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem Gelände befinden, werden umgehend evakuiert. Verletzte gibt es nicht. Ein seltener Satz bei einem Chemieunfall, der an diesem Morgen für spürbare Erleichterung sorgt. Das Feuer ist schnell unter Kontrolle. „Keine Gefahr nach außen“, heißt es aus der Präfektur. Die Intervention zieht sich dennoch über den Vormittag hin. Wer schon einmal bei Minusgraden neben einer Einsatzstelle gestanden hat, weiß: Das ist kein Routineeinsatz, …

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  • Der schleichende Zinsverlust – warum das Livret A ab Februar weniger einbringt

    Der schleichende Zinsverlust – warum das Livret A ab Februar weniger einbringt

    Es gehört zu den Konstanten des französischen Alltags, fast so selbstverständlich wie das Baguette am Morgen oder der Espresso an der Ecke. Dasieht man genauer hin, liegt in vielen Schubladen, Ordnern und Online-Banking-Apps ein kleines finanzielles Sicherheitsnetz: das Livret A. Nun aber verliert dieses Symbol der Sparsamkeit erneut an Spannung. Ab dem 1. Februar sinkt seine Verzinsung von 1,7 auf 1,5 Prozent. Keine dramatische Zäsur, kein lauter Einschnitt – eher ein weiteres leises Nachlassen, das sich erst mit der Zeit bemerkbar macht. Angekündigt wurde die Senkung vom französischen Wirtschaftsminister Roland Lescure, sachlich und in der bekannten Sprache der wirtschaftlichen Vernunft. Auch das Livret d’épargne populaire, das Sparkonto für Haushalte mit geringerem Einkommen, bleibt von der Entwicklung nicht verschont. Sein Zinssatz sinkt von 2,7 auf 2,5 Prozent. Zwei Zehntelprozentpunkte. Auf dem Papier eine Kleinigkeit. Im Alltag vieler Menschen jedoch ein weiteres Zeichen dafür, …

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  • Wenn Austern unter Polizeischutz stehen – wie Normandies Züchter sich gegen Diebstahl und Betrug wappnen

    Wenn Austern unter Polizeischutz stehen – wie Normandies Züchter sich gegen Diebstahl und Betrug wappnen

    Kurz vor Weihnachten verändert sich die Stimmung an der normannischen Küste. Die Luft riecht nach Salz, Tang und Geschäft. Austern, sonst still im Watt wachsend, rücken plötzlich ins Zentrum begehrlicher Blicke. Für Frankreichs Austernzüchter entscheidet sich jetzt ein Großteil des Jahres. Zwei Drittel des Umsatzes entstehen zwischen Heiligabend und Neujahr. Entsprechend hoch ist der Druck – und entsprechend erfinderisch sind jene, die sich an dem wertvollen Schalentier vergreifen wollen. Frankreich produziert jährlich rund 80.000 Tonnen Austern und ist damit größter Erzeuger und Verbraucher Europas. Ein Kilo bringt je nach Sorte zehn bis zwanzig Euro. Was für Gourmets ein Fest bedeutet, gleicht für die Produzenten einem Spießrutenlauf. In der Normandie, der wichtigsten Produktionsregion des Landes, reagieren Branche und Sicherheitsbehörden mit einer Mischung aus Präsenz, Technik und Erfahrung. Die ersten Kontrollen finden nicht am Wasser statt, sondern mitten im Dorf. In Grandcamp-Mai…

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  • Bedrohung im Wald – Wie ein mikroskopischer Wurm Wälder der Landes de Gascogne in die Knie zwingt

    Bedrohung im Wald – Wie ein mikroskopischer Wurm Wälder der Landes de Gascogne in die Knie zwingt

    Ein Wald, der wie ein ruhiger Ozean wirkt – Wellen aus Nadelgrün, so weit das Auge reicht. Wer durch die Landes de Gascogne streift, merkt schnell, wie sehr dieser scheinbar unerschöpfliche Raum Teil der regionalen Seele geworden ist. Doch seit einigen Wochen hängt über diesem grünen Meer ein Schatten, kaum sichtbar und doch von zerstörerischer Macht: der Nematode du pin, ein winziger Fadenwurm, der innerhalb eines Monats aus einem kräftigen Baum ein Stück totes Holz macht.

    An einem Samstagnachmittag, irgendwo zwischen Gironde und den Pyrenäen, spazieren ein paar Freundinnen unter hohen Stämmen entlang, lachen, erinnern sich an improvisierte Hütten aus Kindertagen. Für viele Menschen dort ist der Wald kein Hintergrund, sondern Begleiter. Gerade deshalb trifft die neue Gefahr nicht nur eine Landschaft, sondern ein Lebensgefühl.

    Wer die Region kennt, weiß: Diese Wälder sind nicht einfach gewachsen, sie wurden gebaut. Napoleon III. ordnete im 19. Jahrhundert an, in den sumpfigen Böden ein gigantisches Netz aus Pinus pinaster zu pflanzen – Baum an Baum, über 15.000 Quadratkilometer hinweg. Aus der Idee wurde eine Industrie, deren Herz jahrzehntelang im Takt der Harzgewinnung schlug, bevor moderne Holzverarbeitung den Ton übernahm. Heute hängt ein ganzer Wirtschaftszweig daran, über 30.000 Arbeitsplätze, vom Sägewerk bis zum Spielzeugmacher.

    Man muss nur Yannick Bonaldi zuhören, Produktionsleiter beim berühmten Baumaterialienhersteller Kapla. Für ihn lebte der Erfolg der Marke immer im Einklang des maritimen Kiefers. Das Holz sei einzigartig, sagt er, mit einer Maserung, die fast künstlerisch wirkt. Andere Baumarten hätten den Test nicht bestanden. Hier, im Landes-Geflecht aus jahrzehntelanger Expertise und Handwerkstradition, scheint der Pin maritime unverzichtbar – so unverzichtbar wie Brot für die Bäckerei.

    Umso heftiger wirkt der Schock, den die ersten verdächtigen Bäume in Soustons ausgelöst haben. Pierre Pecastaings, Bürgermeister einer der betroffenen Gemeinden, beschreibt den Moment wie einen Schlag. Die Landes, sagt er, stecken den Menschen im Blut. Und jetzt, wo die Stämme plötzlich fahl werden, Nadeln schlaff herabhängen, wächst die Angst, dass die vertraute Kulisse kippt.

    Das Drama beginnt unscheinbar. Ein Baum trocknet schneller aus als gewöhnlich. Ein zweiter verliert seine Farbe. Erst wenn Proben genommen und im Labor untersucht werden, zeigt sich die Wahrheit: Der Nematode ist da – und zwar nicht im fernen Portugal oder Spanien, wo er schon seit Jahren wütet, sondern zum ersten Mal offiziell auf französischem Boden.

    Der Wurm selbst ist harmlos für den Menschen, doch im Inneren eines Baumes wirkt er wie ein Saboteur. Er verhindert den Wassertransport, die Adern des Baumes verstopfen, die Krone stirbt ab. Übertragen wird er durch einen kleinen Bockkäfer, der in diesen Wäldern so selbstverständlich vorkommt wie Kiesel auf einem Feldweg. Ein Albtraum für Forstexperten, denn das bedeutet: Der Schädling reist kostenlos, weit, schnell.

    Die Behörden reagieren sofort. Rund um den ersten Fund wird ein 500-Meter-Radius zur Tabuzone erklärt. Jeder Nadelbaum muss fallen, egal wie alt, egal wie gesund er aussieht – ein brachiales Vorgehen, aber das einzige, das als wirksam gilt. Darüber hinaus entsteht ein 20-Kilometer-Gürtel als Schutzpuffer, vier Jahre lang streng überwacht. So lange, sagt man, dauert es, die unsichtbare Gefahr wirklich einzufangen.

    Für die Menschen, die mitten in dieser Zone arbeiten, fühlt sich das an wie ein Schnitt durch den Alltag. Holzfäller berichten, wie sie mitten in der Arbeit plötzlich stoppen mussten. Maschinen ausgeschaltet, Stämme liegengeblieben. Innerhalb weniger Tage verliert das Holz an Qualität, trocknet aus, wird leichter – und damit wertloser. Es ist, als würde man einem Rohstoff dabei zusehen, wie er verdunstet.

    Das wirtschaftliche Echo ist gewaltig. Unternehmer klagen über Tausende Tonnen Holz, die auf den Böden liegen wie unerfüllte Versprechen. Für kleinere Betriebe, die ohnehin knapp kalkulieren, bedeutet das mehr als eine Delle im Jahresabschluss. Es bedroht ihre Existenz.

    In einer traditionsreichen Sägewerk, nur wenige Kilometer vom Befallsgebiet entfernt, spricht Nathalie Lasserre mit stockender Stimme von der Möglichkeit, den Betrieb stilllegen zu müssen. Ohne gesundes Holz läuft nichts – weder die Sägen, noch in den Büchern. Man könne zwar weiter entfernte Lieferanten suchen, erklärt sie, doch dann drängen alle dorthin. Ein klassischer Engpass, der die Preise steigen lässt und kleine Betriebe schnell ins Abseits drängt.

    Die 15 Beschäftigten dort schauen jeden Morgen auf den Hof und hoffen, dass der Lkw mit neuem Material ankommt. Bleibt er aus, droht Kurzarbeit. Ein Szenario, das man dort bisher nur aus Krisenberichten kannte, nicht aus dem eigenen Leben.

    Und während all diese Fragen im Raum stehen, rattern die Motorsägen unermüdlich weiter. Die Forstleute haben nur wenige Wochen Zeit. Ein Wettlauf gegen ein Wesen, das man nicht sieht und das sich nur schwer aufhalten lässt. Es ist ein Wettlauf um die Zukunft eines Waldes, der nicht nur Holz liefert, sondern Identität.

    Vielleicht liegt in dieser Krise auch ein Moment der Offenheit. Ein Wald, der gebaut wurde, muss nun geschützt werden. Und vielleicht beginnt genau jetzt die Debatte darüber, wie man ihn widerstandsfähiger macht – damit das grüne Meer der Landes auch in kommenden Generationen noch bis zum Horizont reicht.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Rungis im Dezemberrausch: Wie Frankreichs größter Markt im Weihnachtsfieber brummt

    Rungis im Dezemberrausch: Wie Frankreichs größter Markt im Weihnachtsfieber brummt

    Noch vor Sonnenaufgang erwacht Rungis zu jenem hektischen Rhythmus, der den Dezember jedes Jahr von Neuem prägt. Zwischen Paletten aus Eis, duftenden Kräuterkisten und dem tiefen Summen der Kühlaggregate entfaltet sich jene besondere Spannung, die nur die Wochen vor Weihnachten hervorbringen. Volaille, Foie gras, Saint-Jacques – die heiligen Drei des französischen Festtagsgeschmacks – stapeln sich zu kleinen Versprechen eines gelungenen Festmahls. Und die Händlerinnen und Händler, die diesen Ort wie ihre zweite Haut kennen, spüren es sofort: Die Feiertage rücken näher, und damit der Moment, in dem sich für viele ihr ganzes Arbeitsjahr verdichtet. Dass Rungis ein eigener Kosmos ist, hat man beim ersten Schritt in die Hallen schnell begriffen. Die Luft ist kühl, der Boden glänzt noch vom Nachtputz, und dann liegt er plötzlich über allem: dieser Geruchsmix aus Meer, Bauernhof und frischer Erwartung. Ein Markt, so groß wie eine Kleinstadt, der im Advent zur Herzkammer der französischen Fes…

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  • Mindestlohn 2026 – Mehr Respekt, bitte – auch ein Minimum muss würdevoll sein

    Mindestlohn 2026 – Mehr Respekt, bitte – auch ein Minimum muss würdevoll sein

    Ach, Frankreich. Land der Menschenrechte, der égalité, der Revolutionen – und der unbeweglichen Lohnpolitik.

    Da sitzen also Jahr für Jahr hochdotierte „Experten“ zusammen, um über das Schicksal jener zu beraten, die sich jeden Morgen aufraffen und abrackern, damit der Laden überhaupt läuft – und kommen 2025 erneut zu dem Schluss: Ein „coup de pouce“? Oh là là, non, merci.

    Nicht mal ein klitzekleiner Schubs für den Mindestlohn. Kein Funken Solidarität mit Kassiererin Claire, Altenpfleger Marc oder Paketzustellerin Aïcha. Aber – oho – ein Plus von 1,4 Prozent. Klingt fein, nicht wahr? Bis man merkt: Das sind um die zwanzig Euro. Im Monat. Für Menschen, die jeden Cent umdrehen müssen wie ein Baguette von vorgestern.

    Natürlich, man hat gute Gründe. Die Wirtschaft sei zu fragil, der Arbeitsmarkt zu empfindlich, der Mindestlohn bereits „hoch im europäischen Vergleich“. Ja, ja – die alte Leier, stets neu aufgelegt.

    Und dann kommt sie wieder, diese scheinheilige Sorge: Eine zu starke Erhöhung könnte ja die Lohnabstände „komprimieren“. Als würde ein zu geringer Abstand zwischen Mindestlohn und dem Gehalt der Teamleitung plötzlich das Abendland erschüttern. Vielleicht ist das eigentliche Problem ja nicht der SMIC – sondern, dass da insgesamt zu wenig passiert?

    Aber gut, lassen wir das mal sacken.

    Denn was wirklich schwer im Magen liegt, ist diese zynische Logik: Wer wenig verdient, soll auf steigende Preise mit Demut reagieren – nicht mit einem Plus auf dem Gehaltszettel. Die Armut soll brav warten, bis die Konjunktur sich beruhigt hat. Irgendwann. Vielleicht. Oder auch nie.

    Und das im Jahr 2025, wo der Strompreis immer höher wird, Butter zum Luxusgut geworden ist und die Inflation weiter an den Nerven zerrt. Wo Familien mit vollem Kühlschrank zur Ausnahme werden, während das Managergehalt der CAC-40-Unternehmen alle Schallmauern längst durchbrochen hat.

    Aber Hauptsache, man bewahrt die „Wettbewerbsfähigkeit“ – das Mantra derer, die nie den Einkaufszettel gegenrechnen müssen.

    Es geht hier nicht nur um Zahlen. Es geht um Anstand. Um Würde. Um die stille Zumutung, mit der man Millionen Menschen Jahr für Jahr abspeist. Die arbeiten, schuften, verzichten – und hören, dass mehr einfach nicht drin sei. Nicht jetzt. Nicht so. Nicht schon wieder.

    Vielleicht ist ein bisschen Sarkasmus sogar zu freundlich für diese Farce.

    Denn was ist das eigentlich für ein Menschenbild? Dass der Tellerwäscher still sein soll, während der Bankdirektor über riesige Boni diskutiert? Dass ein bisschen Luft am Monatsende zur Luxusforderung verkommt? Dass man dem Sozialstaat vorwirft, wenn er stützt – aber sich wegduckt, wenn der Lohn allein nicht mehr trägt?

    Was wir brauchen, ist kein „coup de pouce“. Sondern ein Schritt in die richtige Richtung.

    Mehr als zwanzig Euro. Mehr als ein symbolisches Schulterzucken. Mehr als dieses wiederkehrende Schauspiel, bei dem die Armen applaudieren sollen, wenn sie wieder leer ausgehen.

    Frankreich verdient mehr. Vor allem jene, die es täglich zusammenhalten.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Saint-Nazaire baut wieder Giganten – Milliardenauftrag für die Chantiers de l’Atlantique

    Saint-Nazaire baut wieder Giganten – Milliardenauftrag für die Chantiers de l’Atlantique

    Ein Schiff wie ein schwimmendes Stadtviertel: 330 Meter lang, 47 Meter breit, Platz für bis zu 6.700 Passagiere. Zwei dieser Ozeanriesen entstehen bis 2031 an der französischen Atlantikküste in Saint-Nazaire. Der Werftbetreiber Chantiers de l’Atlantique hat einen neuen Großauftrag an Land gezogen – und der ist nicht weniger als ein echter Meilenstein für die gesamte Region. Mit einem geschätzten Volumen von 3,5 Milliarden Euro sorgt der Auftrag nicht nur für technologische Höchstleistungen, sondern auch für ein kräftiges wirtschaftliches Aufatmen. Ein solcher Vertrag sei ein „Segen für die Beschäftigung“, so wird es vor Ort formuliert – und das nicht ohne Grund. Denn hinter jeder Niete, jedem Schweißpunkt, jedem Meter Kabel steckt nicht nur ein Stück Industriegeschichte, sondern auch ein Arbeitsplatz. Industrie in XXL-Format Die Chantiers de l’Atlantique, eines der traditionsreichsten Werften Europas, haben in ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte schon etliche Prestigeprojekte ver…

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  • Abschied von einem Wahrzeichen: In Reims wird aus den Galeries Lafayette ein Shein-Store

    Abschied von einem Wahrzeichen: In Reims wird aus den Galeries Lafayette ein Shein-Store

    Das Kaufhaus an der Rue de Vesle in Reims war mehr als nur ein Ort zum Einkaufen. Es war ein Symbol. Ein Fixpunkt in der Innenstadt, ein Stück Geschichte. Jetzt verschwindet der Name „Galeries Lafayette“ von der Fassade – und mit ihm ein Kapitel französischer Konsumkultur. Was folgt, ist nichts weniger als ein Bruch mit der Tradition: Die chinesisch-singapurische Fast-Fashion-Marke Shein zieht ein. Für viele klingt das nach einem massiven Kulturwandel. Für andere nach einer ökonomischen Notwendigkeit. Strategischer Bruch: SGM trennt sich von Galeries Lafayette Was wie ein plötzlicher Kurswechsel wirkt, war lange vorbereitet. Die Société des Grands Magasins (SGM) hatte 2022 sieben Filialen der Galeries Lafayette übernommen – darunter Reims, Dijon, Grenoble und in weiteren Städten. Nun endet die Zusammenarbeit mit dem traditionsreichen französischen Warenhaus. Der Grund: SGM will die Flächen anders nutzen. Im Zentrum steht die Partnerschaft mit Shein. Galeries Lafayette, als Franchisegeb…

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  • Wenn ein Wüstenstaat Paris kauft: Wie Katar zur stillen Macht in der französischen Hauptstadt wurde

    Wenn ein Wüstenstaat Paris kauft: Wie Katar zur stillen Macht in der französischen Hauptstadt wurde

    Zwischen den glitzernden Fassaden der Champs-Élysées und den ehrwürdigen Mauern haussmannscher Prachtbauten hat sich ein Akteur eingenistet, den man auf den ersten Blick nicht vermuten würde: Katar. Die kleine, aber enorm wohlhabende Golfmonarchie hat in Paris – und weit darüber hinaus – massiv investiert. Luxushotels, ganze Häuserblocks, Prestigeobjekte in Toplagen. Was wie eine stille Liebeserklärung an Frankreich klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als milliardenschwere Machtdemonstration mit steuerpolitischem Rückenwind. Eine Hauptstadt als Investitionsobjekt Wer durch das 8. Arrondissement spaziert, bemerkt die Veränderungen. Wo früher Kinoplakate lockten, prangen heute Logos von Luxusmarken. Jeanne d’Hauteserre, Bürgermeisterin des Viertels, steht vor dem ehemaligen „Le Normandie“. Ein fast hundertjähriges Kino, das dem Druck des Immobilienmarktes nicht mehr standhielt. 15.000 bis 17.000 Euro Miete pro Quadratmeter jährlich – eine Realität, gegen die kleine Betreiber macht…

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