Schlagwort: Wehrdienst

  • Frankreich reaktiviert den Wehrdienst – freiwillig und modernisiert

    Frankreich reaktiviert den Wehrdienst – freiwillig und modernisiert

    Am 12. Januar 2026 begann in Frankreich offiziell die Rekrutierungskampagne für den neuen „freiwilligen Nationaldienst“. Die Initiative markiert eine bedeutsame Neuausrichtung in der französischen Verteidigungspolitik und signalisiert das Bestreben, junge Erwachsene wieder stärker an sicherheitspolitische Aufgaben heranzuführen – nicht durch Pflicht, sondern durch Überzeugung. Inmitten globaler Spannungen und sicherheitspolitischer Umbrüche versucht Paris damit, strategische Resilienz mit gesellschaftlichem Zusammenhalt zu verbinden. Der Startschuss erfolgte in Paris im Beisein von Verteidigungsministerin Catherine Vautrin und der militärischen Führung des Landes. Die Kampagne richtet sich an französische Staatsbürger im Alter zwischen 18 und 25 Jahren und zielt auf eine erste Kohorte von rund 3.000 Freiwilligen ab, die ihren Dienst im Sommer 2026 antreten sollen. Freiwilligkeit statt Wehrpflicht – mit klarer sicherheitspolitischer Intention Der neue Dienst ist nicht zu verwechseln mit…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Der langsame Verfall der Ordnung – Macrons freiwilliger Wehrdienst als Antwort auf eine unruhige Welt

    Der langsame Verfall der Ordnung – Macrons freiwilliger Wehrdienst als Antwort auf eine unruhige Welt

    Die Rückkehr eines freiwilligen Militärdienstes in Frankreich ist mehr als ein innenpolitisches Projekt mit pädagogischer Note. Sie ist Ausdruck einer strategischen Neubewertung der internationalen Lage. Emmanuel Macron stellt sich damit einem Befund, der sich aufdrängt: Die europäische Sicherheitsarchitektur ist brüchig geworden, die Nachkriegsordnung verliert an Bindekraft, und auch im Innern drohen gesellschaftliche Fliehkräfte. Der Präsident reagiert mit einem Vorschlag, der pragmatische Sicherheitsüberlegungen mit einer zivilgesellschaftlichen Vision verbindet – der Etablierung eines modernen, freiwilligen Dienstes an der Nation.

    Zwischen Bürgerpflicht und sicherheitspolitischem Realismus

    Frankreich hat seine Wehrpflicht 1997 abgeschafft und seine Armee seither auf Berufssoldaten umgestellt. Die Professionalisierung der Streitkräfte hat zweifellos deren Einsatzfähigkeit gestärkt – zugleich aber auch zur gesellschaftlichen Entkopplung beigetragen. Der Militärdienst, einst ein kollektives Ritual staatsbürgerlicher Integration, ist in Vergessenheit geraten. Die Armee wirkt für viele junge Franzosen heute wie eine Parallelwelt.

    In einer zunehmend instabilen geopolitischen Umgebung – geprägt von Krieg in Europa, hybriden Bedrohungen, Cyberspionage und geopolitischen Machtverschiebungen – genügt dem Élysée eine rein professionelle Verteidigungsstruktur nicht mehr. Die Wiederbelebung eines freiwilligen Militärdienstes soll eine „strategische Tiefe“ schaffen: ein Reservoir an ausgebildeten und im Ernstfall mobilisierbaren Bürgerinnen und Bürgern. Das Konzept folgt einer doppelten Logik: Der Staat will sich widerstandsfähiger machen – und zugleich das Band zwischen Armee und Gesellschaft neu knüpfen.

    Ein Projekt für die Resilienz der Nation

    Der geplante Dienst richtet sich an Jugendliche ab 16 Jahren und soll jährlich Zehntausende ansprechen. Anders als bei klassischen Wehrpflichtmodellen ist der Dienst bewusst freiwillig, flexibel in der Ausgestaltung und offen für unterschiedliche Einsatzformen – militärisch, zivil, digital. Die politische Botschaft dahinter: Der Staat setzt auf Engagement, nicht auf Zwang. Er bietet Orientierung, aber keine autoritäre Disziplinierung. Das entspricht dem politischen Stil Macrons, der versucht, Modernisierung mit staatsbürgerlichem Pathos zu verbinden.

    Die Idee ist nicht neu, doch sie gewinnt vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheiten neue Plausibilität. Der freiwillige Dienst soll nicht nur militärisch nutzbar sein, sondern auch als gesellschaftlicher Kitt wirken. In einem Land, das unter sozialen, kulturellen und territorialen Fragmentierungen leidet, könnte ein solcher Dienst Erfahrungsräume bieten, in denen gemeinsames Handeln, Verantwortung und Zugehörigkeit erfahrbar werden – unabhängig von Herkunft oder Milieu.

    Zwischen Symbolpolitik und Strukturreform

    Doch der Vorschlag ist nicht ohne Risiken. Kritiker bemängeln, dass das Vorhaben kostspielig ist – der Ausbau auf eine relevante Größenordnung würde jährlich Milliardenbeträge verschlingen. Auch ist unklar, ob die militärische Infrastruktur auf einen derart breit angelegten Zustrom vorbereitet ist, sowohl personell als auch organisatorisch. Nicht zuletzt bleibt offen, ob sich genügend junge Menschen tatsächlich für den Dienst begeistern lassen.

    Denn damit der Dienst nicht zur reinen Symbolpolitik verkommt, braucht es mehr als ein attraktives Rahmenprogramm: Er muss glaubwürdig, sinnvoll und respektvoll gestaltet sein. Junge Menschen müssen das Gefühl haben, dass ihr Beitrag zählt – und dass ihr Engagement nicht politisch vereinnahmt, sondern anerkannt wird. Die Armee wiederum steht vor der Herausforderung, ein Umfeld zu schaffen, das nicht nur ausbildet, sondern auch bildet – im besten republikanischen Sinn.

    Was Macron hier vorschlägt, ist daher mehr als eine taktische Maßnahme. Es ist ein Versuch, das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern neu zu justieren. In einer Zeit, in der viele Demokratien unter Erosionserscheinungen leiden, könnte der freiwillige Wehrdienst – richtig ausgestaltet – einen Beitrag zur demokratischen Resilienz leisten. Als Raum des Miteinanders, der Orientierung, der Einbindung.

    Der Erfolg des Projekts wird davon abhängen, ob es gelingt, junge Menschen für eine Idee von Staatsbürgerschaft zu gewinnen, die mehr ist als bloße Rechtsstellung – nämlich gelebte Verantwortung in unsicheren Zeiten.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Mehrheit der Franzosen für die Rückkehr des Wehrdienstes – doch die Jugend zögert

    Mehrheit der Franzosen für die Rückkehr des Wehrdienstes – doch die Jugend zögert

    Eine Wiedereinführung des Wehrdienstes? Sechs von zehn Franzosen (61 %) sprechen sich laut einer aktuellen Umfrage des Thinktanks Destin commun dafür aus – auch wenn die Regierung dieses Thema derzeit nicht aufgreift. Die Zustimmung variiert jedoch stark nach Alter und politischer Ausrichtung.

    Klare Unterstützung von rechts und älteren Generationen

    Besonders Wähler der Republikaner (72 %) und des Rassemblement National (77 %) befürworten eine Rückkehr zur Wehrpflicht. Die linke Opposition zeigt sich dagegen deutlich zurückhaltender – nur 35 % der Anhänger von La France Insoumise (LFI) unterstützen die Idee.

    Auch das Alter beeinflusst die Meinung erheblich. Je älter die Befragten, desto höher die Zustimmung:

    • 72 % der über 65-Jährigen wären für einen verpflichtenden Dienst,
    • aber nur 43 % der 18- bis 24-Jährigen.

    Eine Generationenfrage also? Es scheint so – viele junge Menschen haben den Wehrdienst nie erlebt und stehen ihm skeptisch gegenüber.

    Ein europäischer Blick auf Sicherheit

    Die Umfrage zeigt nicht nur die Haltung der Franzosen, sondern auch Meinungen in Deutschland, Großbritannien und Polen. Sie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Sicherheitslage in Europa angespannt ist: Die Ukraine kämpft gegen Russland, während die USA unter Donald Trump ihre Militärhilfe für Kiew auf Eis gelegt haben. Als Reaktion darauf diskutieren europäische Länder verstärkt über eine eigenständige Verteidigung.

    In diesem Zusammenhang zeigen sich die Befragten auch kritisch gegenüber Trump. 59 % der Franzosen und Deutschen halten ihn für einen „Diktator“ – selbst 50 % der RN-Anhänger teilen diese Einschätzung. In Großbritannien (56 %) und Polen (47 %) ist das Bild ähnlich.

    Und was ist mit der Unterstützung für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj? Immerhin 35 % der Franzosen haben nach seinem aufsehenerregenden Treffen mit Trump im Februar mehr Sympathie für ihn entwickelt – nur 9 % gaben an, weniger für ihn zu empfinden.

    Die Frage nach einer starken Verteidigung

    Der mögliche Wiedereinstieg in den Wehrdienst bleibt ein sensibles Thema. Während viele ältere Generationen ihn als wertvolle Erfahrung ansehen, stehen junge Menschen ihm eher distanziert gegenüber. Doch in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten könnte sich die Debatte weiter zuspitzen.

    Könnte es am Ende doch zu einer Rückkehr des Wehrdienstes kommen? Der gesellschaftliche Rückhalt wäre jedenfalls da – zumindest bei einem Großteil der Franzosen.

    Von C. Hatty