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  • Dürre in den Vogesen: Wenn um 21.30 Uhr das Wasser abgestellt wird

    Dürre in den Vogesen: Wenn um 21.30 Uhr das Wasser abgestellt wird

    Stand: 12. Oktober 2026

    In den Vogesen ist Wasser inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr. In den Gemeinden Vagney und Sapois bleiben seit dem 8. Oktober jede Nacht die Wasserhähne trocken. Zwischen 21.30 Uhr und 6 Uhr morgens unterbricht der zuständige Gemeindeverband die Trinkwasserversorgung. Was zunächst nach einer vorübergehenden Notmaßnahme klingt, besitzt bislang kein Enddatum. Die Wasserreserven sind erschöpft, die Quellen liefern zu wenig Nachschub. Selbst die jüngsten Regenfälle bringen keine Entwarnung.

    Wenn der Alltag plötzlich nach der Wasseruhr tickt

    Noch schnell duschen, die Waschmaschine einschalten oder das Geschirr vom Abendessen spülen? In Vagney und Sapois entscheidet darüber inzwischen die Uhrzeit. Wer nach 21.30 Uhr den Wasserhahn aufdreht, wartet vergeblich auf das vertraute Rauschen.

    Achteinhalb Stunden dauert die nächtliche Unterbrechung. Für Berufstätige, Familien und ältere Menschen bedeutet das eine erhebliche Umstellung. Waschmaschinen und Geschirrspüler sollen während dieser Zeit ausgeschaltet bleiben. Wer morgens früh zur Arbeit muss, sollte rechtzeitig vorsorgen.

    Hinter der drastischen Maßnahme steckt eine einfache Rechnung: Nachts soll sich in den Wasserspeichern wieder genügend Wasser sammeln, um die Versorgung am folgenden Tag sicherzustellen. Der Gemeindeverband Hautes Vosges spricht von einer außergewöhnlich angespannten Situation.

    Warum der Herbstregen nicht ausreicht

    Eigentlich müsste der Herbst Erleichterung bringen. Die Temperaturen sinken, die Vegetation benötigt weniger Wasser, und gelegentliche Regenschauer lassen die Landschaft wieder grüner erscheinen.

    Doch der Schein trügt.

    Bereits seit April geht der Grundwasserzufluss in Vagney kontinuierlich zurück. Die unterirdischen Reserven liegen mittlerweile auf einem besonders niedrigen Niveau. Einige Regentage reichen nicht aus, um die über Monate entstandenen Defizite auszugleichen.

    Der Grund liegt im natürlichen Wasserkreislauf. Niederschläge müssen zunächst in den Boden eindringen und tiefere Gesteinsschichten erreichen. Erst dann füllen sich die Grundwasservorkommen. Nach längeren Trockenperioden braucht dieser Prozess Zeit und vor allem wiederholte, ergiebige Regenfälle.

    Wie ernst die Lage ist, zeigen die jüngsten Zahlen des französischen geologischen Dienstes BRGM. Anfang Oktober lagen 66 Prozent der beobachteten Grundwasserstände in Frankreich unter den jahreszeitlich üblichen Werten.

    Besonders empfindlich reagiert das Vogesenmassiv. Zahlreiche kleinere Ortschaften beziehen ihr Trinkwasser aus Quellen, deren Ergiebigkeit bei anhaltender Trockenheit rasch nachlässt. In früheren Dürrejahren versiegten einzelne Quellen sogar vollständig.

    Rund 8.400 Menschen in besonders betroffenen Gemeinden

    Die Schwierigkeiten beschränken sich längst nicht auf Vagney und Sapois. Im gesamten Département Vosges gilt seit Mitte Juli die höchste französische Dürrewarnstufe, die sogenannte „Crise“.

    Ende September verlängerte die Präfektur die Wasserbeschränkungen bis zum 31. Oktober. Eine frühere Lockerung bleibt möglich, sofern sich die Versorgungslage deutlich verbessert.

    Nach einer damaligen Bestandsaufnahme kämpften rund 15 Gemeinden mit insgesamt etwa 8.400 Einwohnern gegen erhebliche Trinkwasserengpässe. In knapp 80 weiteren Gemeinden bestand ein mengenmäßiges Versorgungsrisiko. Diese Orte versorgen zusammen annähernd 30 Prozent der Bevölkerung des Départements.

    Wie ernst die Situation andernorts bereits ist, zeigt Claudon. Dort kündigte die Gemeindeverwaltung schon Ende August nächtliche Wasserabschaltungen zwischen 22 und 7 Uhr an, mit einer Ausnahme in der Donnerstagnacht. Die Quellen lieferten schlicht nicht mehr genügend Wasser, um den örtlichen Hochbehälter aufzufüllen.

    Zehn Prozent weniger Wasser – jeder Liter zählt

    In Vagney und Sapois appellieren die Behörden nun an die Bevölkerung, ihren Wasserverbrauch um zehn Prozent zu reduzieren. Das entspricht ungefähr 13 Litern pro Person und Tag.

    Kürzer duschen, Wasserhähne nicht unnötig laufen lassen und vermeidbare Verbrauchsspitzen reduzieren – kleine Veränderungen sollen gemeinsam eine spürbare Entlastung bringen.

    Bereits bestehende Verbote bleiben bestehen. Fahrzeuge und Fassaden dürfen nicht gewaschen, private Schwimmbecken weder befüllt noch nachgefüllt werden. Vorrang besitzen Trinkwasser, Kochen, Körperpflege und andere unverzichtbare Bedürfnisse.

    Langfristig steht allerdings mehr auf dem Spiel als sparsames Duschen. Undichte Leitungen, begrenzte Speicherkapazitäten und empfindliche Quellgebiete erschweren die Versorgung. Die Wasseragentur Rhin-Meuse fordert deshalb unter anderem geringere Leitungsverluste, eine bessere Kontrolle der Wasserentnahmen und den Schutz natürlicher Wasserspeicher wie Moore und Feuchtgebiete.

    Für die Menschen in Vagney und Sapois bleibt die Krise vorerst ganz unmittelbar spürbar. Jeden Abend um halb zehn endet die reguläre Wasserversorgung. Erst am nächsten Morgen fließt wieder Wasser aus den Leitungen.

    Wann der gewohnte Alltag zurückkehrt, weiß derzeit niemand.

    Von C. Hatty

  • Dürre in der Meuse: Drei Dörfer warten auf Wasser

    Dürre in der Meuse: Drei Dörfer warten auf Wasser

    Stand: 10. Oktober 2026

    In drei kleinen Dörfern im französischen Département Meuse gehört der Tankwagen inzwischen zum Alltag wie der Bäcker oder der Briefträger. In Lemmes, Osches und Vadelaincourt reicht das Wasser aus den örtlichen Quellen nicht mehr aus. Seit Ende August rollen deshalb regelmäßig Lastwagen mit kostbarer Fracht über die Landstraßen Lothringens. Was zunächst nach einer vorübergehenden Notlösung aussah, entwickelt sich zu einer ernsten Belastungsprobe für die Gemeinden.

    Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag. Vier Tage, an denen die Wasserversorgung gewissermaßen auf Rädern anrollt.

    Rund 240.000 Liter Trinkwasser gelangen jede Woche per Tankwagen in den gemeinsamen Speicher der drei Dörfer. Von dort fließt das Wasser durch die gewohnten Leitungen in Küchen, Badezimmer und Waschmaschinen. Am Wasserhahn merkt man zunächst wenig von der Krise. Doch hinter jedem Liter steckt inzwischen ein erheblicher logistischer Aufwand.

    Gerade einmal 376 Menschen leben in den betroffenen Gemeinden. Eine überschaubare Gemeinschaft, in der sich viele Einwohner persönlich kennen und Nachrichten schneller die Runde machen als anderswo.

    Wenn die Quelle plötzlich nicht mehr reicht

    Die Schwierigkeiten begannen lange vor den ersten Tankwagen.

    Seit April fiel in der Gegend ungewöhnlich wenig Regen. Die örtliche Wasserfassung lieferte zunehmend weniger Wasser, bis die Verantwortlichen Ende August die Reißleine ziehen mussten. Am 26. August informierte Vadelaincourt seine Einwohner über die Ersatzversorgung durch ein Transportunternehmen aus Bras-sur-Meuse.

    Seither bestimmt der Wasserstand im Speicher den Rhythmus des Alltags.

    Hervé Corvisier, Präsident des gemeinsamen Wasserverbands, schilderte Ende September eine alarmierende Situation: Ein vollständig gefüllter Speicher reicht ungefähr zwei Tage. Bleibt eine Lieferung aus, gerät die Versorgung rasch unter Druck.

    Und was kostet es, wenn Trinkwasser plötzlich über die Landstraße kommen muss?

    Rund 700 Euro täglich, berichteten französische Medien. Für kleine Gemeinden bedeutet das eine finanzielle Herausforderung, die sich mit jeder weiteren trockenen Woche verschärft.

    Nachbarschaftshilfe mit Grenzen

    Immerhin zeigt sich in der Krise, wie viel kommunale Solidarität wert ist.

    Die Nachbargemeinde Senoncourt-lès-Maujouy erklärte sich bereit, wöchentlich drei Tankwagen mit jeweils 30.000 Litern Wasser zu befüllen. Eine willkommene Unterstützung, allerdings keine unbegrenzte.

    Denn auch dort müssen die Verantwortlichen ihre eigenen Reserven schützen. Während der Befüllung sinkt bei manchen Haushalten möglicherweise kurzzeitig der Wasserdruck.

    So entsteht eine ungewöhnliche Situation: Ein Dorf teilt sein Wasser mit dem anderen und schaut dabei selbst besorgt auf die eigene Quelle.

    Das ist Nachbarschaftshilfe im besten Sinne – allerdings unter Bedingungen, die niemand dauerhaft erleben möchte.

    Ein trockener Herbst verschärft die Sorgen

    Die Zahlen des französischen Wetterdienstes Météo-France erklären, weshalb die Lage so angespannt bleibt.

    Im September 2026 fiel landesweit rund 70 Prozent weniger Niederschlag als üblich. Es war der dritttrockenste September seit 1958. Gleichzeitig lagen die Temperaturen durchschnittlich 3,1 Grad über dem langjährigen Vergleichswert.

    Auch unter der Erdoberfläche sieht es düster aus. Anfang Oktober meldete der geologische Dienst BRGM, dass 66 Prozent der untersuchten Grundwassermessstellen unter ihren üblichen Monatswerten lagen.

    Ein kräftiger Regenschauer allein löst dieses Problem nicht. Ausgetrocknete Böden brauchen Zeit, bis genügend Wasser in tiefere Schichten gelangt. Erst regelmäßige Niederschläge über Wochen und Monate füllen die unterirdischen Reserven wieder auf.

    Die nächste Lieferung ist keine Zukunftsstrategie

    In der Region stehen deshalb langfristige Lösungen zur Diskussion: zusätzliche Wasserquellen, besser vernetzte Leitungen und eine widerstandsfähigere Infrastruktur.

    Doch solche Vorhaben kosten Geld, benötigen Planung und verlangen Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg.

    Wie lange sollen kleine Dörfer noch vom nächsten Tankwagen abhängig bleiben?

    In Lemmes, Osches und Vadelaincourt zeigt sich im Kleinen eine Herausforderung, die Frankreich zunehmend beschäftigt. Der Klimawandel verändert nicht nur Landschaften und Ernten, sondern auch die Versorgungssicherheit unmittelbar vor der eigenen Haustür.

    Noch fließt das Wasser aus den Hähnen.

    Doch irgendwo auf einer Landstraße in der Meuse fährt gerade ein Tankwagen, dessen Ladung für 376 Menschen ein Stück Normalität bedeutet.

    Und plötzlich erscheint jeder Tropfen kostbarer als zuvor.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Bretagne unter Hitzedruck: Das vermeintliche Klima-Refugium muss sich neu erfinden

    Bretagne unter Hitzedruck: Das vermeintliche Klima-Refugium muss sich neu erfinden

    Die Bretagne galt lange als eine jener Regionen Frankreichs, in denen der Sommer selbst an heißen Tagen noch Manieren zeigte. Atlantischer Wind, gemäßigte Temperaturen und regelmäßiger Regen verliehen der Halbinsel den Ruf eines „Klima-Refugiums“. Doch dieses Bild bekommt Risse. Hitzewellen treten häufiger auf, dauern länger und erreichen Temperaturen, auf die weder Städte noch Häuser oder Landwirtschaft vorbereitet sind.

    Das Jahr 2026 markierte dabei einen Einschnitt. In mehreren bretonischen Städten kletterten die Temperaturen über 40 Grad Celsius. Was früher als Ausnahme erschien, rückte plötzlich mitten in den Alltag.

    Die Region reagiert.

    Besonders sichtbar zeigt sich der Wandel in den Städten. Gemeinden pflanzen zusätzliche Bäume, schaffen schattige und kühlere Aufenthaltsorte und entsiegeln Flächen. Straßen und Plätze sollen weniger Wärme speichern. Auch bei Neubauten rücken Sonnenschutz und natürliche Belüftung stärker in den Mittelpunkt.

    Eine besondere Herausforderung stellen die traditionellen Wohnhäuser dar. Viele Gebäude der Bretagne entstanden mit einem klaren Ziel: Im feuchten, windigen Winter sollte möglichst wenig Wärme verloren gehen. Bei extremer Sommerhitze kehrt sich dieser Vorteil ins Gegenteil um. Deshalb richtet sich die energetische Sanierung zunehmend auch gegen Überhitzung. Fensterläden, außenliegender Sonnenschutz und geeignete Dämmmaterialien gewinnen an Bedeutung.

    Selbst das Wasser, ausgerechnet in der sprichwörtlich regenreichen Bretagne, entwickelt sich zum Sorgenkind. Trockene Sommer erhöhen den Druck auf die Versorgung. Kommunen sichern ihre Leitungsnetze, versuchen Verluste zu reduzieren und werben für einen sparsameren Verbrauch. Das alte Klischee „In der Bretagne regnet es doch sowieso ständig“ hilft da herzlich wenig.

    Auch auf den Feldern beginnt die Anpassung. Landwirte diversifizieren ihre Kulturen, erproben trockenheitsresistentere Sorten und verändern Aussaat- sowie Erntezeiten. Viehhalter investieren zugleich in Möglichkeiten, Tiere vor Hitzestress zu schützen. Für eine stark landwirtschaftlich geprägte Region berührt der Klimawandel damit unmittelbar einen wirtschaftlichen Kernbereich.

    Hinzu kommt die öffentliche Gesundheit. Hitzewarnungen, früher in der Bretagne eher eine Randerscheinung, gehören inzwischen zur kommunalen Vorsorge. Gefährdete Menschen werden erfasst, gekühlte Räume bereitgestellt und Informationsangebote ausgebaut. Gerade ältere Menschen leiden besonders unter langen Phasen hoher Temperaturen.

    Die langfristigen Klimaprojektionen lassen wenig Raum für Nostalgie. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten mehrere Hitzewellen pro Jahr auftreten. Bei fortschreitender globaler Erwärmung dürften dabei Temperaturen erreicht werden, die heutige Rekorde regelmäßig übertreffen.

    Die Bretagne bleibt durch ihre Lage am Atlantik grundsätzlich gemäßigter als viele Regionen Südfrankreichs. Ein Schutzschild gegen extreme Hitze besitzt sie deshalb jedoch nicht.

    Aus dem vermeintlichen Klima-Refugium wird ein Anpassungslabor. Entscheidend ist längst nicht mehr, ob die Bretagne reagieren muss. Die eigentliche Frage lautet, wie schnell Häuser, Städte, Wasserversorgung, Landwirtschaft und Gesundheitsvorsorge mit einem Klima Schritt halten, das seine alten bretonischen Gewohnheiten verliert.

    Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Durch unsere Massentierhaltung graben wir uns selbst das Wasser ab

    Kommentar: Durch unsere Massentierhaltung graben wir uns selbst das Wasser ab

    Schauen wir der Realität ins Auge: Es ist nicht der Himmel, der uns das Wasser verweigert – wir sind es selbst. Unsere Massentierhaltung säuft uns sprichwörtlich die Landschaft leer.

    150 Liter am Tag für eine Kuh. Millionenfach multipliziert. Währenddessen stehen in manchen Gemeinden im Yonne die Wasserhähne schon kurz davor, nur noch Luft zu spucken. Und wofür? Damit wir im Supermarkt billige Milch für 79 Cent den Liter kaufen können, als wäre das ein Menschenrecht.

    Das ist nichts anderes als kollektiver Selbstbetrug. Wir tun so, als ginge es hier um das Überleben der Bauern – doch in Wahrheit geht es um das Überleben eines Systems, das von vorn bis hinten krank ist. Eine Kuh frisst nicht nur Gras, sie frisst unser Wasser, unsere Böden, unser Klima. Und wir alle schauen zu, weil wir zu bequem sind, unser Essverhalten zu ändern.

    Die Politik? Hält die Hand schützend über ein Modell, das längst gegen die Wand gefahren ist. Subventionen fließen in die industrielle Tierhaltung wie das letzte Wasser in ein löchriges Fass. Statt radikal umzusteuern, werden Alibi-Maßnahmen beschlossen, die niemandem weh tun – außer der Natur.

    Und die Konsumenten? Wir. Du. Ich. Wir stopfen uns Fleischberge in den Einkaufswagen und regen uns gleichzeitig über Dürre und Klimawandel auf. Heuchlerisch, oder?

    Die Wahrheit ist bitter: Massentierhaltung ist kein Bauernproblem, sie ist unser aller Problem. Und solange wir nicht den Mut haben, weniger Fleisch und Milch zu konsumieren, solange wir nicht der Politik klarmachen, dass Subventionen für ein zerstörerisches System ein Verbrechen an unserer Zukunft sind, wird der Hahn bald endgültig zugedreht.

    Was bitte nützen uns volle Fleischtheken, wenn aus dem Wasserhahn nichts mehr kommt?

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker