Schlagwort: Waldbrand Landes

  • Waldbrand in den Landes: Feuer bei Lüe nach Verlust von 190 Hektar unter Kontrolle

    Waldbrand in den Landes: Feuer bei Lüe nach Verlust von 190 Hektar unter Kontrolle

    Ein großer Waldbrand hat am Mittwoch, 16. September, die französischen Landes erneut in Alarmbereitschaft versetzt. Bei Lüe breitete sich ein Feuer innerhalb kurzer Zeit von einem Photovoltaikpark auf den angrenzenden Wald aus. Erst am Abend gelang es den Einsatzkräften, den Brand zu „fixieren“ – rund 190 Hektar Fläche waren zu diesem Zeitpunkt bereits betroffen.

    Nach bisherigen Erkenntnissen nahm das Feuer seinen Ausgang auf dem Gelände eines Solarparks. Wie genau der Brand dort entstand, blieb zunächst offen. Starker Wind erwies sich jedoch als gefährlicher Verbündeter der Flammen und trieb sie rasch in die umliegenden Waldgebiete.

    Für die Feuerwehr begann ein Wettlauf gegen die Zeit.

    Rund 250 Feuerwehrleute rückten an. Unterstützt wurden die Kräfte am Boden durch ein ungewöhnlich großes Aufgebot aus der Luft: Insgesamt 14 Löschflugzeuge und Hubschrauber kamen zum Einsatz, darunter Canadair, Dash und Air Tractor. Auch ein schwerer Chinook-Hubschrauber, den Australien Frankreich zur Unterstützung zur Verfügung gestellt hatte, beteiligte sich an der Brandbekämpfung.

    Die Dimension des Einsatzes zeigt, wie angespannt die Lage zeitweise war. Vier Feuerwehrleute erlitten leichte Verletzungen. Zudem mussten 22 Menschen medizinisch betreut werden, nachdem sie Rauch eingeatmet hatten oder durch die Rauchentwicklung gesundheitlich beeinträchtigt worden waren.

    Besondere Sorge bereitete den Einsatzkräften die Umgebung des Brandgebietes. Eine bedrohte Wohnstätte ließ sich vor den Flammen schützen. Gleichzeitig konzentrierten sich die Feuerwehrleute darauf, empfindliche Industrieanlagen in der Nähe zu sichern. Dazu gehörten auch Betriebe, die unter die europäischen Seveso-Vorschriften für Anlagen mit erhöhtem industriellem Gefahrenpotenzial fallen.

    Damit ging es längst nicht mehr allein um brennenden Wald. Ein Übergreifen auf solche Standorte hätte die Situation erheblich verschärfen können.

    Auch der Verkehr bekam die Folgen zu spüren. Straßen- und Bahnverbindungen wurden beeinträchtigt, weil sich der Brand in unmittelbarer Nähe wichtiger Verkehrswege ausbreitete. Hochspannungsleitungen in der Umgebung erhöhten zusätzlich die Anforderungen an die Einsatzleitung. Kurz gesagt: Die Feuerwehr hatte an diesem Mittwoch gleich mehrere Baustellen auf einmal.

    Am Abend kam schließlich die entscheidende Nachricht: Das Feuer galt als „fixiert“. Im Sprachgebrauch der französischen Feuerwehr bedeutet dies allerdings nicht, dass sämtliche Flammen endgültig erloschen sind. Vielmehr breitet sich der Brand nicht mehr weiter aus und seine Grenzen gelten als stabilisiert.

    Die Arbeit geht deshalb weiter. Einsatzkräfte behandeln die Ränder der verbrannten Flächen, suchen nach Glutnestern und überwachen sogenannte Hotspots. Gerade bei Wind und trockener Vegetation reicht eine verborgene Glutstelle, damit die Flammen erneut aufflammen.

    Für die Landes bleibt der Brand von Lüe deshalb eine weitere ernste Warnung. Die waldreiche Region im Südwesten Frankreichs war bereits während des Sommers mehrfach mit größeren Feuern konfrontiert. Nach 190 betroffenen Hektar ist die unmittelbare Gefahr bei Lüe vorerst gebannt – doch im Wald beginnt nun die lange, unspektakuläre und entscheidende Nacharbeit.

    Daniel Ivers

  • Wenn ein Waldbrand sein eigenes Wetter macht

    Wenn ein Waldbrand sein eigenes Wetter macht

    In den Wäldern der Landes rund um Luglon geschieht derzeit etwas, das selbst erfahrene Feuerwehrleute besonders fürchten. Der Brand frisst sich nicht mehr einfach durch Bäume, Unterholz und trockenen Waldboden. Seine gewaltige Hitze beginnt, die Atmosphäre über dem Feuer zu beeinflussen. Fachleute sprechen von einem konvektiven Feuer.

    Am Samstag hatte der Brand bereits rund 1.600 Hektar erfasst. Etwa 550 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen. Doch bei einem Feuer dieser Größenordnung reicht der Blick auf Windrichtung und Vegetation längst nicht mehr aus.

    Denn irgendwann macht das Feuer sein eigenes Wetter.

    Eine gigantische Heißluftsäule

    Das Prinzip dahinter klingt zunächst erstaunlich simpel. Ein extrem intensiver Waldbrand erhitzt die Luft über den Flammen innerhalb kurzer Zeit. Die heiße Luft besitzt eine geringere Dichte als die kühlere Umgebungsluft und steigt deshalb mit großer Geschwindigkeit nach oben.

    Mit ihr reisen Rauch, Asche, Wasserdampf und feinste Partikel in die Höhe.

    So entsteht über dem Brand eine gewaltige aufsteigende Luftsäule. Man könnte sie sich wie einen gigantischen Schornstein vorstellen, nur ohne Mauern und mit enormer Kraft. Je stärker das Feuer brennt, desto mächtiger steigt diese Säule empor.

    Gleichzeitig saugt sie in Bodennähe neue Luft an.

    Und genau da wird die Sache brenzlig: Mit dieser Luft strömt zusätzlicher Sauerstoff zum Feuer. Die Flammen erhalten neue Nahrung, die Hitze nimmt zu und die aufsteigende Luft gewinnt weiter an Kraft. Ein Kreislauf entsteht, bei dem sich Feuer und Luftbewegung gegenseitig antreiben.

    Wenn über den Flammen Wolken wachsen

    Steigt die heiße Luft weit genug auf, kühlt sie ab. Der mitgeführte Wasserdampf kondensiert an Rauch und Aschepartikeln. Über dem Feuer bildet sich eine Wolke, ein sogenannter Pyrocumulus.

    Unter besonders instabilen atmosphärischen Bedingungen wächst daraus sogar ein Pyrocumulonimbus. Dieser mächtige Wolkenturm ähnelt einem Gewitter und reicht mehrere Kilometer hoch, in extremen Fällen bis in die Nähe der Stratosphäre.

    Was hat ein Waldbrand plötzlich mit einem Gewitter gemeinsam?

    Mehr, als einem lieb sein dürfte.

    Ein Pyrocumulonimbus bringt starke Luftströmungen hervor. Er kann Blitze erzeugen und heftige, schwer vorhersehbare Windböen auslösen. Gleichzeitig reißen die aufsteigenden Luftmassen glühende Rinde, Äste und andere brennende Teilchen mit.

    Diese Glutstücke fallen teilweise weit entfernt vom eigentlichen Brandherd wieder zu Boden.

    Dort entzünden sie trockenes Gras, Büsche oder Bäume – und plötzlich brennt es hinter den Linien der Feuerwehr. Solche Feuersprünge gehören zu den gefährlichsten Begleiterscheinungen großer Waldbrände.

    Genau dieses Problem beschäftigt die Einsatzkräfte bei Luglon. Ein Feuersprung löste südöstlich des Ortes einen zweiten aktiven Brandbereich aus. Die Ränder des gesamten Feuers erstreckten sich am Samstag über ungefähr 48 Kilometer. Rund 30 Kilometer davon mussten noch bearbeitet und gesichert werden.

    Plötzlich gelten andere Regeln

    Bei einem gewöhnlicheren Waldbrand bestimmen vor allem Wind, Gelände und Vegetation, wohin sich die Flammen bewegen. Feuerwehr und Einsatzleitung beobachten diese Faktoren genau und richten ihre Strategie danach aus.

    Ein konvektives Feuer mischt die Karten neu.

    Die enorme Hitze erzeugt kräftige vertikale Luftbewegungen und beeinflusst dadurch selbst den Wind in Bodennähe. Besonders gefährlich wird es, wenn eine solche Konvektionssäule zusammenbricht. Dann stürzt Luft nach unten und breitet sich am Boden in verschiedene Richtungen aus. Innerhalb kurzer Zeit schlagen Flammen womöglich dorthin, wo Einsatzkräfte kurz zuvor noch einen vergleichsweise sicheren Bereich vermuteten.

    Das Feuer besitzt damit gewissermaßen seinen eigenen Atem.

    Und wie bekämpft man einen Brand, der plötzlich selbst an den Stellschrauben des Wetters dreht?

    Genau darin liegt die große Herausforderung. Meteorologen erkennen Bedingungen, die einen Pyrocumulonimbus begünstigen: enorme Brandintensität, starke Hitze und eine instabile Atmosphäre. Den exakten Moment seiner Entstehung vorherzusagen, bleibt jedoch äußerst schwierig.

    Die gelegentlich verwendete Formulierung, ein großer Waldbrand „erschaffe sein eigenes Klima“, klingt zunächst dramatisch. Meteorologisch präziser wäre „eigenes Wetter“. Doch das Bild trifft den Kern ziemlich gut.

    Wenn Flammen kilometerhohe Luftsäulen antreiben, eigene Winde hervorrufen, Glut durch die Atmosphäre schleudern und schließlich Wolken entstehen lassen, verschwimmt die Grenze zwischen Waldbrand und Wetterereignis.

    Dann brennt nicht mehr nur der Wald.

    Über ihm gerät auch der Himmel in Bewegung.

    Ein Artikel von M. Legrand