Schlagwort: wahlen frankreich

  • Ultras als politische Akteure: Wie Marseilles Fußballszene in den Wahlkampf eingreift

    Ultras als politische Akteure: Wie Marseilles Fußballszene in den Wahlkampf eingreift

    Die Grenzen zwischen Sport, städtischer Identität und politischer Mobilisierung verschwimmen in Marseille seit jeher. Mit dem Eingreifen der Ultras-Gruppe „South Winners“ in den Kommunalwahlkampf vom März 2026 erreicht diese Wechselwirkung eine neue Sichtbarkeit. Ihr Aufruf, im zweiten Wahlgang gegen das Rassemblement national zu stimmen, verweist auf die besondere politische Kultur der Hafenstadt – und auf die wachsende symbolische Bedeutung nichtstaatlicher Akteure im demokratischen Prozess. Ein Wahlaufruf aus der Kurve Am 18. März 2026 veröffentlichten die „South Winners“, eine der einflussreichsten Ultra-Gruppierungen von Olympique Marseille, eine klare politische Botschaft: Man rief dazu auf, beim zweiten Wahlgang der Kommunalwahlen am 22. März „für eine Blockade gegen das Rassemblement National“ zu stimmen. Der Appell richtete sich nicht nur an Fußballanhänger, sondern explizit an die Wählerschaft der Stadt insgesamt. Dieser Schritt markiert eine bewusste Grenzüberschreitung. Ult…

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  • Saint-Denis als politisches Signal: Warum der Sieg von Bally Bagayoko weit über die Stadt hinausreicht

    Saint-Denis als politisches Signal: Warum der Sieg von Bally Bagayoko weit über die Stadt hinausreicht

    Mit Bally Bagayoko (LFI) hat Saint-Denis einen neuen Bürgermeister – und Frankreich ein politisches Signal. Der Kandidat von La France insoumise gewann am 15. März 2026 bereits im ersten Wahlgang die Kommunalwahl mit absoluter Mehrheit. Die Liste „Ensemble, retrouvons l’Espoir“ erreichte 50,77 Prozent der Stimmen, ein Ergebnis, hinter dem der amtierende Bürgermeister Mathieu Hanotin deutlich zurückblieb. Der Machtwechsel ist mehr als ein lokales Ereignis. Saint-Denis gehört zu den symbolträchtigsten Städten der französischen Banlieue: historisch geprägt von Arbeiterbewegung, Einwanderung, sozialpolitischen Konflikten und städtebaulichen Umbrüchen. Dass ausgerechnet hier eine Partei wie La France Insoumise die politische Führung übernimmt, macht die Wahl zu einem Gradmesser für die Kräfteverhältnisse innerhalb der französischen Linken. Eine Stadt mit politischer Symbolkraft Saint-Denis ist kein gewöhnlicher Vorort. Die Kommune nördlich von Paris steht seit Jahrzehnten exemplarisch für v…

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  • Paris nach dem ersten Wahlgang: Emmanuel Grégoire übernimmt die Führung – Rachida Dati unter Druck

    Paris nach dem ersten Wahlgang: Emmanuel Grégoire übernimmt die Führung – Rachida Dati unter Druck

    Der erste Wahlgang der Pariser Kommunalwahlen vom 15. März 2026 hat ein klares politisches Signal gesetzt. Der sozialistische Kandidat Emmanuel Grégoire liegt mit deutlichem Abstand an der Spitze, während Ex-Kulturministerin Rachida Dati deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Das Ergebnis verschiebt die Kräfteverhältnisse in der Hauptstadt und macht den zweiten Wahlgang zu einem strategischen Test für das gesamte politische Spektrum – von der linken Allianz bis zum konservativen Lager. Ein klarer Vorsprung für die Pariser Linke Mit 37,98 Prozent der Stimmen liegt Emmanuel Grégoire deutlich vor Rachida Dati, die lediglich 25,46 Prozent erreicht. Hinter den beiden führenden Kandidaten qualifizieren sich drei weitere Listen für den zweiten Wahlgang am 22. März: Sophia Chikirou kommt auf 11,72 Prozent, Pierre-Yves Bournazel auf 11,34 Prozent und Sarah Knafo auf 10,40 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt bei 58,89 Prozent. Politisch betrachtet stellt dieses Resultat eine schwere Nieder…

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  • Zwischen Mobilisierung und Müdigkeit: Was die Wahlbeteiligung über Frankreichs Kommunalpolitik verrät

    Zwischen Mobilisierung und Müdigkeit: Was die Wahlbeteiligung über Frankreichs Kommunalpolitik verrät

    Der erste Wahlgang der französischen Kommunalwahlen vom 15. März 2026 hat eine politische Botschaft hervorgebracht, die noch vor allen Parteiergebnissen steht: die Wahlbeteiligung. Mit einer geschätzten Beteiligung von rund 56 bis 58,5 Prozent lag sie deutlich über dem pandemiebedingt außergewöhnlich niedrigen Niveau der Kommunalwahl 2020. Gleichzeitig bleibt sie jedoch spürbar unter dem Wert der Wahl von 2014. Bereits um 17 Uhr hatten 48,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben – ein Wert, der zwar eine gewisse Mobilisierung zeigt, aber auch die anhaltende Distanz vieler Bürger zur lokalen Politik sichtbar macht. Damit bestätigt sich ein langfristiger Trend: Die Kommunalwahl bleibt zwar eine zentrale Säule der französischen Demokratie, doch ihre Mobilisierungskraft hat nachgelassen. Frankreich ist traditionell ein Land der Bürgermeister und Rathäuser. Über Jahrzehnte galten die „municipales“ als eine der politisch am stärksten verankerten Wahlen überhaupt. Die Bürgermeiste…

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  • Kommunalwahlen als Sprungbrett: Wie der Rassemblement National sich den Weg zur Präsidentschaft 2027 ebnen will

    Kommunalwahlen als Sprungbrett: Wie der Rassemblement National sich den Weg zur Präsidentschaft 2027 ebnen will

    Kommunalwahlen gelten in Frankreich traditionell als die bodenständigste Form politischer Auseinandersetzung. Hier geht es um Stadtplanung, Schulen, Verkehr oder Sicherheit in den Quartieren – Themen, die den Alltag der Bürger unmittelbar betreffen. Doch im Vorfeld der französischen Kommunalwahlen vom 15. und 22. März 2026 erhält dieses eigentlich lokale Ereignis eine deutlich größere politische Dimension. Für den Rassemblement National (RN) sind die Wahlen weit mehr als eine Serie kommunaler Abstimmungen. Sie sollen zum strategischen Ausgangspunkt für den nächsten großen politischen Schritt werden: die Präsidentschaftswahl 2027. Innerhalb der Partei wird diese Zielsetzung offen formuliert. Die Kommunalwahlen sollen eine politische Dynamik erzeugen, neue Machtbasen schaffen und den Weg für einen möglichen Wahlerfolg auf nationaler Ebene vorbereiten. Kommunalwahlen als politisches Stimmungsbarometer In der politischen Kultur Frankreichs gelten Kommunalwahlen seit jeher als besonders prä…

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  • Vom Höhenflug zur Ernüchterung: Droht Frankreichs Grünen bei den Kommunalwahlen 2026 ein Rückschlag?

    Vom Höhenflug zur Ernüchterung: Droht Frankreichs Grünen bei den Kommunalwahlen 2026 ein Rückschlag?

    Sechs Jahre nach dem spektakulären Durchbruch der französischen Grünen bei den Kommunalwahlen zeichnet sich ein Stimmungsumschwung ab. Was 2020 als «vague verte» – als grüne Welle – gefeiert wurde, droht sich 2026 in ein politisches Abflauen zu verwandeln. Wenige Wochen vor dem ersten Wahlgang am 15. März 2026 deutet vieles darauf hin, dass die einstige Aufbruchsdynamik von Europe Écologie-Les Verts (EELV) einer nüchterneren Realität weicht. Der Kontext hat sich verändert – gesellschaftlich, wirtschaftlich und parteipolitisch. Der grüne Moment von 2020 Die Kommunalwahlen im Juni 2020 – pandemiebedingt verschoben – markierten einen historischen Einschnitt. In mehreren Grossstädten übernahmen grüne oder grün-geführte Bündnisse die Rathäuser. In Lyon, Strasbourg, Besançon, Poitiers oder Bordeaux setzten sich Kandidatinnen und Kandidaten durch, die den ökologischen Umbau der Städte ins Zentrum stellten. In Lyon etwa gewann Grégory Doucet überraschend das Bürgermeisteramt; in Strasbourg wur…

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  • Vom Echo zum Unterschied: Wie nah steht der Rassemblement National der Politik Donald Trumps?

    Vom Echo zum Unterschied: Wie nah steht der Rassemblement National der Politik Donald Trumps?

    Die ideologische Nähe zwischen dem französischen Rassemblement National (RN) und der Politik von Donald Trump sorgt in Frankreich regelmäßig für Debatten – insbesondere in Wahlkampfzeiten. Was auf den ersten Blick wie eine populistische Allianz über den Atlantik hinweg erscheint, entpuppt sich bei genauerer Analyse als ein vielschichtiges Phänomen: geprägt von strukturellen Gemeinsamkeiten, aber auch tiefgreifenden Unterschieden, die sich aus politischen Systemen, strategischen Zwängen und nationalen Traditionen ergeben. Populistische Verwandtschaft auf der rhetorischen Ebene In ihrer Wortwahl und politischen Inszenierung pflegen beide Bewegungen – der Trumpismus in den USA und der RN in Frankreich – eine ähnlich konfrontative Haltung gegenüber den traditionellen Eliten. Der Kampfbegriff der „abgehobenen Eliten“ findet sich in beiden Diskursen ebenso wie die Selbstinszenierung als authentische Stimme eines „vergessenen Volkes“. Medien, Technokraten, Globalisierungstreiber – sie alle we…

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  • Korrektur in Matignon – Warum Sébastien Lecornu sein Kabinett umbauen will

    Korrektur in Matignon – Warum Sébastien Lecornu sein Kabinett umbauen will

    Mit der bevorstehenden Verabschiedung des Haushalts 2026 rückt ein größerer Umbau der französischen Regierung in greifbare Nähe. Premierminister Sébastien Lecornu, erst seit Oktober 2025 im Amt, steht vor seiner ersten entscheidenden Weichenstellung: einem gezielten Regierungsumbau, der weit über bloße Personalrochaden hinausgehen könnte. Offiziell ist nur von einem „Ajustement gouvernemental“ die Rede – ein technokratisch klingender Begriff, der das wahre Ausmaß des politischen Kalküls eher verschleiert als erhellt. Frankreichs Regierung steht an einem Wendepunkt – nicht nur institutionell, sondern auch strategisch. Der Haushalt als politischer Lackmustest Lecornus erste Monate waren geprägt vom Kampf um den Staatshaushalt. Angesichts der brüchigen Mehrheitsverhältnisse in der Nationalversammlung sah sich der Premier gezwungen, mehrfach auf das Instrument des Artikel 49.3 der Verfassung zurückzugreifen, um Teile des Haushalts ohne parlamentarische Zustimmung durchzusetzen. Dies trug z…

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  • Frankreich 2026 – Das Jahr der Entscheidung zwischen Instabilität und Neubeginn

    Frankreich 2026 – Das Jahr der Entscheidung zwischen Instabilität und Neubeginn

    Frankreich tritt in das Jahr 2026 mit einer politischen Gemengelage ein, die gleichermaßen von Erosion und Erwartung geprägt ist. Zwischen ungelösten Haushaltskonflikten, tiefgreifender parlamentarischer Fragmentierung und wegweisenden Wahlen stellt sich die Frage, ob das politische System der Fünften Republik noch tragfähig genug ist, um sich selbst zu erneuern – oder ob es Gefahr läuft, an seinen inneren Widersprüchen zu zerbrechen. Die kommenden Monate werden zum Wendepunkt werden: für Parteien, für Institutionen und für die politische Kultur des Landes insgesamt.

    Kommunalwahlen mit nationaler Sprengkraft

    Die Kommunalwahlen im März 2026 markieren den ersten politischen Höhepunkt des Jahres. Obwohl sie formal auf lokaler Ebene stattfinden, tragen sie das Potenzial, das nationale Kräfteverhältnis spürbar zu verschieben. Parteien von links bis rechts sehen in diesem Urnengang nicht nur einen Testlauf für die Präsidentschaftswahl 2027, sondern auch die Möglichkeit, territoriale Verankerung und Sichtbarkeit in einer zunehmend fragmentierten Wählerlandschaft zu sichern.

    Besonderes Augenmerk gilt dem Rassemblement National, der mit zunehmender Professionalisierung auf lokaler Ebene versucht, seine Position als ernstzunehmende Regierungsalternative zu festigen. Der Versuch, kommunale Verantwortung mit einem gemäßigteren Ton zu verbinden, könnte dem RN helfen, traditionelle Vorbehalte abzubauen – insbesondere in wirtschaftsnahen Milieus, die bislang Distanz zur radikalen Rechten hielten.

    Zugleich sind die Wahlen eine Herausforderung für die präsidentiale Mitte, der es bislang nicht gelungen ist, das Machtvakuum auf kommunaler Ebene überzeugend zu füllen. Sollte sie weiter an Rückhalt verlieren, droht eine politische Dynamik, die auch das Kräfteverhältnis im Élysée empfindlich beeinflussen könnte.

    Haushaltsstreit als Symptom politischer Blockade

    Die Schwierigkeiten, einen verfassungskonformen Haushalt für das Jahr 2026 zu verabschieden, machen die strukturelle Schwäche der gegenwärtigen Regierung deutlich. Premierminister Sébastien Lecornu steht einer Nationalversammlung gegenüber, die keine stabilen Mehrheiten mehr kennt. Die Verabschiedung des Budgets wurde mehrfach verschoben, das Land operiert derzeit auf Grundlage eines Notgesetzes, das nur die notwendigsten Ausgaben erlaubt.

    Diese Lage verschärft nicht nur die wirtschaftliche Unsicherheit, sondern untergräbt auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates. Der drohende Rückgriff auf Artikel 49.3, der es der Regierung erlaubt, den Haushalt ohne parlamentarische Zustimmung durchzusetzen, würde die Spannungen weiter zuspitzen. Eine solche Maßnahme könnte eine starke Vertrauenskrise auslösen – mit potenziell destabilisierenden Folgen für die gesamte Amtsführung.

    Die Blockade in der Budgetfrage steht exemplarisch für ein tiefer liegendes Problem: Das institutionelle Gleichgewicht der Fünften Republik gerät ins Wanken, wenn weder Regierung noch Parlament in der Lage sind, konsensfähige Lösungen zu finden.

    Zersplitterung und strategische Repositionierung

    In der zweiten Hälfte des Jahres könnten sich die politischen Kräfteverhältnisse grundlegend verschieben. Besonders aufseiten der Opposition formieren sich neue Konstellationen: Während sich die Linke – trotz programmatischer Differenzen – auf eine gemeinsame Vorwahl für die Präsidentschaftswahl 2027 verständigt hat, ist die Lage im bürgerlich-konservativen Lager deutlich diffuser. Einzelne politische Persönlichkeiten drängen an die Oberfläche, doch eine klare Führungspersönlichkeit fehlt bislang.

    Gleichzeitig arbeitet der Rassemblement National gezielt an seiner strategischen Neuausrichtung. Das Ziel: Anschlussfähigkeit an das wirtschaftliche Zentrum gewinnen, ohne das populistische Profil vollständig aufzugeben. Sollte dieser Spagat gelingen, wäre das nicht nur ein Einschnitt für die Partei selbst, sondern auch für die politische Tektonik Frankreichs insgesamt.

    Diese Repositionierungen lassen erkennen, dass 2026 nicht nur ein Wahljahr ist, sondern auch ein Jahr der politischen Architektur. Neue Bündnisse, programmatische Verschiebungen und der wachsende Druck auf die institutionellen Spielregeln zeigen: Das System der Fünften Republik steht an einem neuralgischen Punkt seiner Entwicklung.

    Sozialer Unmut und digitale Risiken

    Parallel zu den institutionellen Herausforderungen bleibt die soziale Lage angespannt. Die Protestbewegungen des Vorjahres, ausgelöst durch Einsparungen und unpopuläre Reformen, haben die tief sitzende Unzufriedenheit mit politischen Eliten und wirtschaftlicher Unsicherheit erneut sichtbar gemacht. Diese Mobilisierungskraft könnte sich jederzeit wieder entzünden – nicht nur in den Städten, sondern auch im ländlichen Raum, wo viele Wähler sich von der politischen Klasse dauerhaft entfremdet haben.

    Verstärkt wird diese Volatilität durch digitale Einflussversuche: Angriffe auf Wahlinfrastrukturen, gezielte Desinformation und sogenannte „deep fakes“ gehören inzwischen zum Standardrepertoire moderner Wahlbeeinflussung. Behörden und Parteien stehen vor der Herausforderung, einer zunehmend verunsicherten Öffentlichkeit Sicherheit und Transparenz zu garantieren – eine Aufgabe, die über das rein Technische hinausgeht und zur Frage nach der demokratischen Resilienz wird.

    Ein Jahr zwischen Risiko und Aufbruch

    2026 wird ein Prüfstein für Frankreichs politische Ordnung. Die institutionelle Architektur steht unter hohem Druck, die parteipolitischen Lager befinden sich in Bewegung, und die gesellschaftlichen Erwartungen an Stabilität, Teilhabe und Glaubwürdigkeit steigen. Die politischen Entscheidungen dieses Jahres – sei es auf kommunaler, legislativer oder strategischer Ebene – werden weit über das Kalenderjahr hinauswirken.

    Ob daraus ein nachhaltiger Erneuerungsprozess hervorgeht oder eine weitere Vertiefung der Polarisierung, ist offen. Sicher ist nur: Wer in dieser Lage Orientierung bietet, glaubwürdig kommuniziert und strategisch denkt, kann den Ton für die politische Zukunft des Landes angeben. Frankreich 2026 ist keine bloße Zwischenetappe – es ist das Jahr, in dem sich entscheidet, wie viel Reformkraft in der Republik noch steckt.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Wir werden alle manipuliert – täglich! Und wir tun so, als merkten wir es nicht

    Kommentar: Wir werden alle manipuliert – täglich! Und wir tun so, als merkten wir es nicht

    Manchmal fühlt sich der französische Alltag an wie ein überdrehtes Theaterstück, in dem jemand hinter der Bühne ständig an den Kulissen rüttelt. Während wir brav unsere Rolle sprechen, zieht irgendwo ein Regisseur an Fäden, die wir nicht einmal sehen wollen. Manipulation? Aber bitte—wir haben doch keine Zeit für solche „Details“. Wir scrollen, wir klicken, wir empören uns. Und merken kaum, dass wir in einem riesigen Aquarium schwimmen, in dem fremde Hände das Wasser färben.

    Dass Russland seit Jahren versucht, unsere Gesellschaft zu spalten, wäre an sich schon ein ziemlicher Hammer. Doch der eigentliche Skandal steckt darin, wie routiniert dieses Spiel inzwischen läuft. Da wird nicht mehr mit der Keule gewütet, sondern mit feinstem chirurgischem Werkzeug. Falsche Medienportale tauchen auf wie schlecht gephotoshoppte Pilze nach einem Herbstregen, imitieren vertraute Logos, zerren an unserer Glaubwürdigkeit wie Kinder an einer losen Tapetenbahn. Einmal daran gezogen, blättert gleich eine ganze Wand ab.

    Frankreichs Dienste haben das inzwischen mehrfach offengelegt: VIGINUM, Diplomaten, Journalisten – sie alle zeigen auf diesen dichten Nebel aus Fake-Seiten, geklonten Zeitungen, aus Propaganda in Sonntagskleidung. Das Portal-Kombat-Netzwerk etwa, ein hübsch verkleideter Rummelplatz der Desinformation, schmeißt groteske Inhalte unters Volk, bis man kaum noch weiß, ob man Nachrichten gelesen hat oder eine besonders schlecht geschriebene Science-Fiction-Novelle.

    Und dann diese „Doppelgänger“-Operationen – Doppelgänger! – die klingen wie aus einem Bond-Film aus der Spätphase. Man imitiert große Medienhäuser, baut täuschend echte Kopien, verschiebt ein paar Fakten, dreht die Perspektive, und plötzlich liegt die öffentliche Debatte quer wie ein Fahrradlenker nach einer Vollbremsung.

    Zwischendurch werden sogar Namen echter Journalistinnen und Journalisten gekapert, damit die nächste Desinformationsladung besonders vertrauenswürdig aussieht. StreetPress hat das erlebt: Stell dir vor, jemand läuft durch die digitale Welt und verteilt unter deinem Namen absurden Unsinn – und die Leute glauben’s, weil sie glauben wollen. Das ist vielleicht das Bitterste: Der Erfolg solcher Manipulation hängt nicht davon ab, wie brillant die Täuschung ist, sondern wie sehr wir uns verführen lassen.

    Doch damit nicht genug. Die russischen Strategen haben offenbar ein Faible für gesellschaftliche Brandherde – je trockener das Holz, desto besser. Antisemitische Tags, rote Handabdrücke an Gedenkorten, perfide zugespitzte Botschaften an jüdische und muslimische Gemeinden: kleine Funken, die in aufgeheizten Zeiten zu lodernden Bränden mutieren. Es wirkt wie ein zynisches Experiment: Reicht ein Funken, um Nachbarn gegeneinander aufzubringen? Reicht ein Gerücht, um alte Wunden wieder aufzureißen?

    Manchmal hat man das Gefühl, wir stünden kollektiv auf einem Pulverfass, und fremde Akteure spielen mit dem Feuerzeug, nur um zu sehen, wer zuerst explodiert.

    Und dann, natürlich, kommt die Politik ins Spiel. Wahljahre sind für fremde Einflussnehmer wie Feiertage—so etwas wie der Black Friday der geopolitischen Manipulation. 2024 etwa schwappten automatisierte Kampagnen durch die sozialen Medien, als wären es besonders lästige Spam-Flutwellen. Bots, Fake-Accounts, koordinierte Angriffe auf Kandidaten – alles, um die politische Tektonik zu verschieben. Nicht unbedingt, um jemanden zum Glänzen zu bringen, sondern um den Boden unter allen Füßen ins Wanken zu versetzen. Die Botschaft dahinter ist so simpel wie perfide: Wenn niemand mehr weiß, wem er trauen soll, dann gewinnt am Ende derjenige, der den Zweifel gesät hat.

    Diese Mischung aus langfristiger Strategie und opportunistischem Mitnehmen jeder öffentlichen Erschütterung wirkt wie ein daueraktives Erdbeben. Mal sind es kleine Vibrationen, kaum spürbar, mal richtige Beben, die ganze Debatten kippen. Die Grenze zwischen hausgemachten Problemen und importiertem Chaos verschwimmt. Überall Risse – und wir streiten darüber, ob sie vom Wetter oder vom Mauerwerk kommen, während jemand heimlich von außen dagegen hämmert.

    Natürlich hat Frankreich reagiert, VIGINUM aufgebaut, neue Kooperationen geschmiedet, internationale Partnerschaften gestärkt. Die Werkzeuge gegen Desinformation werden präziser, schneller, intelligenter. Aber hier lauert der eigentlich unbequeme Teil: Kein Algorithmus der Welt kann verhindern, dass Menschen auf Manipulation anspringen, wenn sie bereits dünnhäutig, misstrauisch oder wütend sind.

    Resilienz beginnt nicht beim Staat, sondern am Küchentisch, im Smartphone, im Kopf. Doch genau da sitzen wir – müde, überreizt, abgelenkt – und sind überzeugt, dass wir alles durchschauen. „Mich manipuliert doch keiner!“ Ein Satz, der so glaubwürdig ist wie „Nur noch fünf Minuten“ beim Serienmarathon vor dem Fernseher.

    Wir alle sind verletzlich, ständig, egal wie sehr wir uns einreden, immun zu sein. Und vielleicht ist das die eigentliche Tragik: Nicht die Existenz der Manipulation, sondern die Überheblichkeit, mit der wir glauben, sie beträfe nur die anderen.

    Die Spaltung, die Unsicherheit, das Grundrauschen der Aufregung: Das alles ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer Strategie, die nur funktionieren kann, weil wir ihr einen fruchtbaren Boden bieten. Fremde Akteure legen die Samen – wir gießen sie mit jeder vorschnellen Empörung, mit jedem unbedachten Klick, mit jeder schnellen, lauten Behauptung.

    Und während wir uns über „die da oben“ streiten, über linke und rechte, alte und junge, gläubige und nicht-gläubige, lachen hinter den Kulissen jene, die nichts lieber säen als Misstrauen. Vielleicht wird’s Zeit, ihnen das Lachen zu verderben.

    Ein Kommentar von Daniel Ivers