Schlagwort: Verhandlungen

  • Am Bürgenstock entscheidet sich mehr als die Zukunft des iranischen Atomprogramms

    Am Bürgenstock entscheidet sich mehr als die Zukunft des iranischen Atomprogramms

    ZÜRICH – Mit der Ankunft von US-Vizepräsident J.D. Vance in der Schweiz hat am Sonntag eine neue Phase der amerikanisch-iranischen Diplomatie begonnen. Im Bürgenstock-Resort oberhalb des Vierwaldstättersees treffen hochrangige Vertreter beider Staaten erstmals seit Monaten zu direkten Gesprächen zusammen. Ziel ist es, die Grundlagen für eine dauerhafte Begrenzung des iranischen Atomprogramms zu schaffen und zugleich den fragilen Waffenstillstand im Nahen Osten zu stabilisieren.

    Die Verhandlungen markieren den Auftakt eines auf 60 Tage angelegten diplomatischen Prozesses, dessen Ausgang weit über die Region hinausreichen dürfte. Beobachter sehen in den Gesprächen einen der bedeutendsten diplomatischen Versuche der vergangenen Jahre, die jahrzehntelange Konfrontation zwischen Washington und Teheran zumindest teilweise zu überwinden.

    Ein neuer Anlauf nach Jahren der Eskalation

    Grundlage der Gespräche ist ein zuvor vereinbartes Memorandum zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Darin verpflichtet sich Teheran grundsätzlich dazu, seine Bestände an hoch angereichertem Uran zu reduzieren und internationale Kontrollmechanismen wieder zuzulassen. Im Gegenzug stellen die Vereinigten Staaten schrittweise Sanktionserleichterungen in Aussicht.

    Damit knüpfen beide Seiten an ein zentrales Problem der internationalen Sicherheitspolitik an. Seit Jahren befürchten westliche Staaten, der Iran könne seine nuklearen Kapazitäten für militärische Zwecke nutzen. Teheran weist diese Vorwürfe zurück und betont, sein Atomprogramm diene ausschließlich friedlichen Zielen.

    Die nun begonnenen Gespräche sollen einen Rahmen schaffen, in dem technische Fragen der Urananreicherung, der internationalen Überwachung sowie wirtschaftliche Aspekte der Sanktionen parallel behandelt werden können. Diplomaten sprechen von einem komplexen Verhandlungspaket, bei dem Fortschritte in einem Bereich unmittelbar von Zugeständnissen in anderen Feldern abhängen.

    Die Schweiz als neutraler Vermittlungsort

    Dass die Gespräche auf Schweizer Boden stattfinden, ist kein Zufall. Die Schweiz verfügt über eine lange Tradition als Gastgeber internationaler Verhandlungen und genießt bei beiden Konfliktparteien Vertrauen. Bereits während des Kalten Krieges sowie bei zahlreichen Nahost-Gesprächen spielte das Land eine wichtige Rolle als neutraler Vermittler.

    Der Bürgenstock bietet dabei nicht nur die notwendige Sicherheit und Diskretion, sondern besitzt auch symbolische Bedeutung. Abseits politischer Machtzentren sollen die Verhandler die Möglichkeit erhalten, jenseits öffentlicher Aufmerksamkeit Kompromisse auszuloten.

    Unterstützt werden die Gespräche durch internationale Vermittler. Insbesondere Pakistan und Katar übernehmen eine wichtige Rolle bei der Kommunikation zwischen den Delegationen und bei der Ausarbeitung möglicher Kompromissformeln. Beide Staaten unterhalten funktionierende Beziehungen sowohl zu Washington als auch zu Teheran und gelten daher als geeignete Brückenbauer.

    Vertrauen bleibt die entscheidende Währung

    Trotz des diplomatischen Fortschritts bleibt das gegenseitige Misstrauen erheblich. Ein zentraler Streitpunkt betrifft die internationale Kontrolle iranischer Nuklearanlagen. Die Vereinigten Staaten drängen darauf, dass Inspektoren der Vereinten Nationen beziehungsweise der zuständigen internationalen Kontrollbehörden zeitnah wieder Zugang zu den relevanten Einrichtungen erhalten.

    Für die internationale Gemeinschaft ist diese Frage von entscheidender Bedeutung. Ohne transparente Kontrollen dürfte es kaum möglich sein, langfristiges Vertrauen in die friedliche Nutzung des iranischen Atomprogramms aufzubauen. Umgekehrt fordert Teheran konkrete wirtschaftliche Gegenleistungen und belastbare Garantien dafür, dass zugesagte Sanktionserleichterungen tatsächlich umgesetzt werden.

    Die Erfahrung früherer Verhandlungsrunden zeigt, dass gerade diese Fragen häufig zum Scheitern diplomatischer Bemühungen geführt haben. Entsprechend vorsichtig äußern sich Diplomaten beider Seiten über die Erfolgsaussichten.

    Der Schatten militärischer Drohungen

    Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die sicherheitspolitische Lage im Nahen Osten. Zwar gilt derzeit ein Waffenstillstand als Grundlage für die Gespräche, doch zahlreiche Konfliktherde bleiben bestehen. Besonders die Rolle der Hisbollah und anderer mit dem Iran verbundener Akteure sorgt weiterhin für Spannungen.

    US-Präsident Donald Trump machte gegenüber dem Kongress deutlich, dass Washington militärische Optionen nicht ausschließt, sollte Teheran seinen regionalen Einfluss nicht begrenzen. Diese Warnungen verdeutlichen die Doppelstrategie der amerikanischen Regierung: Diplomatie einerseits, die Androhung von Druckmitteln andererseits.

    Für den Iran stellen solche Äußerungen ein Problem dar. Die Führung in Teheran argumentiert, dass erfolgreiche Verhandlungen nur in einem Klima gegenseitigen Respekts möglich seien. Gleichzeitig weiß die iranische Seite, dass wirtschaftliche Entlastungen ohne substanzielle Zugeständnisse kaum erreichbar sein werden.

    Auswirkungen auf Energieversorgung und Weltwirtschaft

    Die Gespräche werden nicht nur aus sicherheitspolitischen Gründen aufmerksam verfolgt. Auch die globalen Energiemärkte reagieren sensibel auf jede Entwicklung im Verhältnis zwischen den USA und dem Iran.

    Der Iran zählt zu den bedeutenden Energienationen der Welt. Jede Veränderung seiner Exportmöglichkeiten beeinflusst die internationalen Öl- und Gasmärkte. Bereits die Aussicht auf eine diplomatische Entspannung hat zuletzt zu erhöhter Aufmerksamkeit an den Rohstoffbörsen geführt.

    Hinzu kommt die strategische Bedeutung der Straße von Hormus. Ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels passiert diese Meerenge. Jede Stabilisierung der Sicherheitslage in der Region könnte daher positive Auswirkungen auf Lieferketten, Energiepreise und die globale Konjunktur haben.

    Wirtschaftsexperten weisen allerdings darauf hin, dass nachhaltige Marktreaktionen erst dann zu erwarten seien, wenn konkrete Vereinbarungen erzielt und umgesetzt werden.

    Ein diplomatischer Test mit globaler Bedeutung

    Die kommenden Wochen werden zeigen, ob aus dem aktuellen Dialog ein belastbarer politischer Prozess entstehen kann. Die Herausforderungen bleiben enorm: Jahrzehnte gegenseitiger Feindseligkeit, unterschiedliche Sicherheitsinteressen und innenpolitischer Druck auf beiden Seiten erschweren jeden Kompromiss.

    Dennoch bietet das Treffen am Bürgenstock eine seltene Gelegenheit. Erstmals seit langer Zeit stehen nicht militärische Eskalation oder wirtschaftliche Strafmaßnahmen im Mittelpunkt, sondern direkte Verhandlungen zwischen den politischen Entscheidungsträgern.

    Ob daraus eine langfristige Entspannung entsteht, bleibt offen. Klar ist jedoch schon jetzt: Das Ergebnis dieser Gespräche wird nicht nur die Beziehungen zwischen Washington und Teheran prägen, sondern auch erheblichen Einfluss auf die Stabilität des Nahen Ostens und die internationale Sicherheitsordnung haben.

    Autor: P. Tiko

  • Der Preis der Illusion: Warum ein „weit besserer“ Iran-Deal kaum erreichbar ist

    Der Preis der Illusion: Warum ein „weit besserer“ Iran-Deal kaum erreichbar ist

    Die Ankündigung klingt nach politischer Entschlossenheit, tatsächlich offenbart sie vor allem strategische Selbstüberschätzung. Wenn Donald Trump heute verspricht, ein „weit besseres“ Abkommen mit Iran zu erzielen als jenes von 2015, ignoriert er nicht nur die damaligen diplomatischen Realitäten, so…

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  • Der Aufschwung an den Märkten: Warum Investoren den Iran-Konflikt ausblenden

    Der Aufschwung an den Märkten: Warum Investoren den Iran-Konflikt ausblenden

    Der Krieg zwischen den USA und Iran hat die globale Wirtschaft in eine prekäre Lage gebracht. Steigende Energiepreise, Unsicherheit über Handelsrouten wie die Straße von Hormus und die Gefahr einer neuen Inflationswelle prägen die Schlagzeilen. Dennoch zeigen sich die internationalen Finanzmärkte erstaunlich robust. Leitindizes wie der S&P 500 erreichen Rekordstände – ein scheinbarer Widerspruch zur geopolitischen Realität.

    Die Logik der Märkte

    Der zentrale Schlüssel zum Verständnis liegt in der Funktionsweise der Aktienmärkte. Diese spiegeln nicht die gegenwärtige wirtschaftliche Lage wider, sondern antizipieren zukünftige Unternehmensgewinne. Trotz der geopolitischen Spannungen bleiben die Gewinnerwartungen vieler Großkonzerne hoch. Analysten rechnen weiterhin mit zweistelligen Gewinnzuwächsen, was den Optimismus der Investoren erklärt.

    Zwar warnt der International Monetary Fund vor einer Abschwächung des globalen Wachstums und steigenden Inflationsrisiken, doch bislang beschränken sich die negativen Effekte weitgehend auf den Energiesektor. Der Konsum zeigt sich überraschend widerstandsfähig, insbesondere in den USA.

    Technologiekonzerne als Stabilitätsanker

    Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Struktur der heutigen Aktienmärkte. Große Technologieunternehmen dominieren die Indizes und treiben deren Entwicklung maßgeblich. Konzerne wie Microsoft, Alphabet und Meta profitieren weiterhin vom Boom rund um Künstliche Intelligenz und digitale Geschäftsmodelle.

    Diese Unternehmen sind weniger anfällig für kurzfristige geopolitische Schocks als klassische Industrie- oder Einzelhandelsfirmen. Während Einzelhändler wie Dollar General unter der Kaufzurückhaltung einkommensschwacher Haushalte leiden, fällt ihr Gewicht im Gesamtmarkt kaum ins Gewicht.

    Psychologie und Marktmechanik

    Hinzu kommt ein verändertes Anlegerverhalten. Die Erfahrung vergangener Krisen hat ein Muster etabliert: Kurze geopolitische Schocks führen zwar zu Kursrückgängen, diese werden jedoch rasch aufgeholt. Dieses „Buy-the-dip“-Verhalten – also das gezielte Kaufen bei Kursrückgängen – wird insbesondere von privaten Investoren getragen.

    Die Erwartung, dass politische Entscheidungsträger – etwa unter Donald Trump – auf Marktverwerfungen reagieren und stabilisierende Maßnahmen ergreifen, verstärkt dieses Verhalten zusätzlich. Selbst widersprüchliche Signale im Konflikt mit Iran werden daher eher als temporäre Störung denn als strukturelles Risiko interpretiert.

    Zwischen kurzfristiger Krise und langfristigem Optimismus

    Die gegenwärtige Entwicklung zeigt eine zunehmende Entkopplung von Realwirtschaft und Finanzmärkten. Während Haushalte unter steigenden Lebenshaltungskosten leiden, orientieren sich Investoren an langfristigen Wachstumschancen. Der Krieg wird als begrenztes Risiko wahrgenommen – zumindest solange er nicht zu einer nachhaltigen Störung der globalen Energieversorgung eskaliert.

    Diese Dynamik birgt jedoch Risiken. Sollte sich der Konflikt ausweiten oder die Inflation breiter durchschlagen, könnte die derzeitige Gelassenheit schnell in Nervosität umschlagen. Bis dahin bleibt der Kriegsaufschwung ein bemerkenswertes Beispiel für die eigentümliche Rationalität der Märkte.


    Zwischen Eskalation und Diplomatie: Washingtons riskantes Signal an Teheran

    Die Vereinigten Staaten haben mit der militärischen Aufbringung eines iranischen Frachtschiffs ein deutliches Zeichen gesetzt – und zugleich die fragile Perspektive auf diplomatische Gespräche untergraben. Der Vorfall ereignete sich nur Stunden, bevor neue Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts mit Iran angekündigt wurden.

    Nach Angaben des US-Zentralkommandos hatte ein amerikanischer Zerstörer das Schiff über mehrere Stunden hinweg gewarnt, die verhängte Seeblockade einzuhalten. Erst nach wiederholter Missachtung seien gezielte Schüsse auf den Maschinenraum abgegeben worden, um das Schiff manövrierunfähig zu machen. Im Anschluss setzten Marineinfanteristen per Hubschrauber über und übernahmen die Kontrolle.

    US-Präsident Donald Trump bestätigte die Operation und verteidigte sie als notwendige Durchsetzung internationaler Sicherheitsinteressen. Die Aktion erfolgte jedoch in einem sensiblen Moment: Noch am selben Tag hatte ein Regierungsvertreter angekündigt, eine Delegation unter Leitung von Vizepräsident JD Vance werde nach Pakistan reisen, um eine zweite Gesprächsrunde mit Iran vorzubereiten.

    Teheran reagierte zurückhaltend bis ablehnend. Staatliche Medien betonten, dass einer solchen Verhandlungsinitiative bislang nicht zugestimmt worden sei. Die militärische Maßnahme dürfte diese Position zusätzlich verhärten. Aus iranischer Sicht könnte der Angriff als Provokation interpretiert werden, die die Glaubwürdigkeit amerikanischer Verhandlungsabsichten infrage stellt.

    Die zeitliche Nähe von militärischem Eingreifen und diplomatischer Initiative wirft grundsätzliche Fragen zur strategischen Kohärenz Washingtons auf. Einerseits signalisiert die Operation Entschlossenheit und die Bereitschaft, wirtschaftlichen und militärischen Druck aufrechtzuerhalten. Andererseits unterminiert sie potenziell das Vertrauen, das für erfolgreiche Verhandlungen unerlässlich ist.

    Mit Blick auf die auslaufende Waffenruhe am Mittwoch steigt damit das Risiko einer erneuten Eskalation. Ob die USA ihre Doppelstrategie aus Druck und Dialog aufrechterhalten können, ohne die Chancen auf eine diplomatische Lösung zu verspielen, bleibt eine offene Frage – mit weitreichenden Konsequenzen für die Stabilität der gesamten Region.


    WEITERE NACHRICHTEN

    Hochrangige Vertreter der Hamas im Gazastreifen erklärten, die Gruppe sei bereit, einen Teil ihrer Waffen zu übergeben – ein Zugeständnis, das jedoch hinter den Forderungen von Israel und den USA zurückbleibt.

    In Bulgarien haben Wähler die Mitte-rechts-Partei, die das Land im vergangenen Jahrzehnt dominiert hatte, klar abgewählt und sich deutlich für eine neue Koalition entschieden, die Wandel und ein hartes Vorgehen gegen Korruption verspricht.

    Papst Leo erklärte, Medien hätten einige seiner Äußerungen fälschlicherweise als Kritik an Trump interpretiert.

    Vertreter der USA reisten nach Kuba, um über ein Abkommen zur Bewältigung der humanitären Krise auf der Insel zu sprechen.

    Die britische Anti-Terror-Polizei untersucht „zusammenhängende Brandanschläge“ in London auf jüdische Einrichtungen sowie auf Immobilien mit Verbindungen zu Israel.

    Acht Kinder im Alter zwischen einem und 14 Jahren wurden bei einer Serie von Schusswaffenangriffen im familiären Umfeld im US-Bundesstaat Louisiana getötet. Sieben der Kinder waren die eigenen des Täters.

    Die Polizei erschoss einen bewaffneten Angreifer, der in Kiew sechs Menschen tötete und mehrere weitere verletzte. Es war die tödlichste Massenschießerei in der Ukraine seit Jahren.

    Christine Macha

  • Krieg in Zeitlupe: Wie Russlands Vormarsch die Ukraine an ihre Grenzen bringt

    Krieg in Zeitlupe: Wie Russlands Vormarsch die Ukraine an ihre Grenzen bringt

    Im Februar 2026 tritt der Krieg in der Ukraine in sein fünftes Jahr. Die Frontverläufe sind kaum verändert, die Kämpfe andauernd erbittert – ein Stellungskrieg des 21. Jahrhunderts mit enormen menschlichen und materiellen Kosten auf beiden Seiten. Doch während die globale Aufmerksamkeit weiterzieht, verschieben sich die Parameter dieses Konflikts leise, aber nachhaltig.

    Militärische Stagnation – mit asymmetrischem Risiko

    Die russischen Streitkräfte erzielen geringe, aber konstante Geländegewinne entlang mehrerer Frontabschnitte. Ihr Vorgehen bleibt geprägt von Materialüberlegenheit und personeller Überlegenheit, erkauft jedoch mit hohen Verlusten. Auf ukrainischer Seite steht eine Armee, die moralisch noch nicht gebrochen, aber operativ zunehmend unter Druck geraten ist. Der Personalmangel, verbunden mit wachsender Wehrdienstverweigerung und offenen Lücken in der Verteidigungslinie, droht die bisherige Verteidigungsfähigkeit zu unterminieren.

    Es ist kein spektakulärer Zusammenbruch, der sich andeutet, sondern ein allmähliches Erodieren der ukrainischen Widerstandskraft. In einem Krieg, dessen Verlauf von Logistik, Ausdauer und strategischem Gleichmut geprägt ist, könnten kleine operative Fortschritte Russlands schnell an Dynamik gewinnen – wenn es Kiew nicht gelingt, neue Kräfte zu mobilisieren und Reserven aufzufüllen.

    Ein Volk im Ausnahmezustand – und auf der Suche nach Auswegen

    Der innenpolitische Druck in der Ukraine wächst. Die zermürbenden Jahre des Krieges, Stromausfälle, wirtschaftliche Nöte und die allgegenwärtige Trauer um gefallene Angehörige haben das gesellschaftliche Klima verändert. Umfragen zeigen eine zunehmende Bereitschaft, den Krieg zu beenden – auch um den Preis territorialer oder politischer Konzessionen an Russland. Es ist kein Umschwenken in der Haltung gegenüber dem Aggressor, sondern Ausdruck eines kollektiven Erschöpfungszustands.

    Für Präsident Wolodymyr Selenskyj eröffnet sich damit ein gefährlicher politischer Raum: Einerseits bietet die veränderte Stimmung die Möglichkeit, diplomatische Wege zu sondieren. Andererseits droht ihm innenpolitischer Rückhalt zu entgleiten, sollte er in den Augen vieler Ukrainer den langen Abwehrkampf durch eine „verlorene“ Verhandlung entwerten. Die Erzählung vom nationalen Widerstand wird zunehmend durch die Realität des militärischen Stillstands herausgefordert.

    Washingtons Kurswechsel – und Putins langer Atem

    Die veränderte Rolle der Vereinigten Staaten verschärft die strategische Unsicherheit. Die neue Administration in Washington setzt auf wirtschaftliche Anreize, um Russland zu einem Waffenstillstand zu bewegen, während sie die militärische Unterstützung für die Ukraine schrittweise reduziert. Nur Geheimdienstinformationen und begrenzte Waffenlieferungen bleiben bestehen. Der Ansatz ist transaktional: weniger geostrategisches Engagement, mehr ökonomische Hebelwirkung.

    Doch dieser Kurswechsel beruht auf der Annahme, dass Wladimir Putin auf materielle Anreize reagiert. Das ist zweifelhaft. Die Unterwerfung der Ukraine unter den russischen Einfluss ist für das Regime in Moskau keine Frage taktischer Opportunität, sondern ideologisch grundiert. Die Kriegsziele Russlands bleiben unverändert: Kontrolle, Destabilisierung des Westens, Demontage der ukrainischen Staatlichkeit.

    Ein Waffenstillstand nach westlicher Logik – Verzicht auf weitere Aggression im Gegenzug für Sanktionserleichterungen – dürfte aus Moskauer Sicht strategisch uninteressant bleiben, solange ein militärisches Vordringen auch nur in Teilen möglich ist. Die Zeit arbeitet nicht automatisch gegen Russland, sondern vielmehr gegen eine Ukraine, die politisch erschöpft und strategisch isolierter dasteht als zu Beginn des Krieges.

    Der Ukraine droht damit ein gefährlicher Schwebezustand: militärisch nicht besiegt, aber ohne klare Perspektive; politisch auf Dialog gedrängt, aber mit zweifelhaften Aussichten auf ein tragfähiges Verhandlungsergebnis. In dieser Lage liegt weniger ein Wendepunkt als ein schleichender Übergang – von der Phase heroischer Selbstbehauptung zu jener mühsamer politischer Aushandlung.


    Mehr Top‑Nachrichten

    Trumps Drohungen erschüttern Europa und Amerika
    Führende Politiker in Europa und darüber hinaus haben sich gegen Trumps Macht‑und‑Rechts‑Vision nach der jüngsten US‑Operation in Venezuela sowie gegen Trumps Drohungen, in Kolumbien und Mexiko zu intervenieren und die Kontrolle über Grönland zu übernehmen, zur Wehr gesetzt. In einer trotzigen gemeinsamen Erklärung erklärten die Führer von Dänemark, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und anderer Länder, dass „Grönland seinem Volk gehört.“

    Während einer Dringlichkeitssitzung der Organisation Amerikanischer Staaten verurteilten Länder wie Brasilien, Mexiko und Kolumbien die US‑Militäroperation in Venezuela. Ein Demonstrant unterbrach den Vertreter der USA und rief „Hände weg von Venezuela“ und bezeichnete den US‑Einsatz als „imperialistischen Ölraub“.

    Mehr über Venezuela:

    Trump kündigte an, Venezuela werde beginnen, 30 bis 50 Millionen Barrel Öl an die USA zu liefern. Sofern bestätigt, wäre dies das erste große Zugeständnis der neuen venezolanischen Führung.
    Die venezolanische Regierung geht hart vor: Mehrere Journalisten wurden festgenommen, und mindestens zwei Personen wurden verhaftet, weil sie die Festnahme von Präsident Nicolás Maduro gefeiert hatten.


    Weitere Nachrichten

    In Paris einigten sich europäische Regierungschefs darauf, der Ukraine zentrale Aspekte der Sicherheit nach dem Krieg bereitzustellen, einschließlich der Bereitstellung von Truppen.
    Ärzte ohne Grenzen teilten mit, dass Israel ihnen befohlen habe, ihre Arbeit in Gaza einzustellen, nachdem sie den neuen Einschränkungen nicht nachgekommen seien.
    Syrien und Israel nahmen wieder von den USA vermittelte Gespräche über die Reduzierung der Grenzspannung auf.
    Die Schweizer Bar in Crans-Montana, die letzte Woche von einem tödlichen Brand betroffen war, sei seit sechs Jahren nicht inspiziert worden, gaben örtliche Beamte zu.

    Autor: P. Tiko

  • Putins Gesprächsangebot an Macron – Öffnung oder Strategie?

    Putins Gesprächsangebot an Macron – Öffnung oder Strategie?

    Mitten in einer Phase stockender Verhandlungen über ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges hat der Kreml überraschend Gesprächsbereitschaft gegenüber Frankreich signalisiert. Präsident Wladimir Putin sei „bereit zum Dialog“ mit Emmanuel Macron, ließ Kremlsprecher Dmitri Peskow am Sonntag verlauten. Aus dem Elysée hieß es, man begrüße diese Offenheit – ein Signal, das über rein diplomatische Höflichkeit hinausweist. Frankreich und Russland hatten ihre bilateralen Kontakte im Sommer weitgehend eingefroren. Die neue Geste aus Moskau erfolgt nur wenige Tage nach einer Rede Macrons im Europäischen Rat, in der er sich für eine europäische Gesprächsinitiative mit Russland aussprach. Der französische Präsident warnte davor, den diplomatischen Raum allein den Amerikanern oder einzelnen Drittstaaten zu überlassen: Europa müsse, so Macron, selbst mit am Verhandlungstisch sitzen – und nicht nur zusehen, wie andere über seine sicherheitspolitische Zukunft bestimmten. Europas Platz am Verhandlungsti…

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  • Angriffe trotz Friedensgesprächen – neue Eskalation zwischen Russland und der Ukraine

    Angriffe trotz Friedensgesprächen – neue Eskalation zwischen Russland und der Ukraine

    Während Diplomaten an Verhandlungstischen sitzen und um Formulierungen für ein mögliches Ende des Krieges ringen, brennen in der Ukraine erneut Energieanlagen – zerstört von russischen Marschflugkörpern. In der Nacht zum Dienstag, dem 25. November, erlebten die Frontlinien im Osten Europas eine neue Eskalation. Und das ausgerechnet inmitten zäher Friedensgespräche, die allerdings bisher kaum als solche zu erkennen sind.

    Die Szenen gleichen einem Spiegelbild der vergangenen Monate – nur intensiver.

    Russland und die Ukraine lieferten sich eine weitere massive Angriffsnacht: Kiew wurde erneut zur Zielscheibe russischer Raketen, während ukrainische Drohnen in Rostow und auf der Krim zuschlugen. Laut russischem Verteidigungsministerium waren es etwa 250 Drohnen, die ins Landesinnere eindrangen – allerdings ohne große Schäden zu verursachen.

    Umgekehrt schlugen russische Raketen gezielt in ukrainische Infrastruktur ein: Stromwerke, Umspannstationen, Energiezentralen. Die Hauptstadt wurde dabei ebenso getroffen wie strategische Punkte entlang der Front. Die klare Botschaft: Dieser Krieg lässt sich noch nicht mit Gesprächsrunden beenden.

    Friedensplan? Eher ein diplomatisches Tauziehen

    Dabei könnte man meinen, dass Frieden in greifbarer Nähe liegt. Tatsächlich aber zeigt der Verlauf der Verhandlungen: Der Weg dorthin ist noch lang – und voller Stolperfallen. Der jüngste Vorschlag aus Washington, maßgeblich geprägt durch Donald Trump, wurde von Moskau unterstützt, aber von Kiew und Brüssel scharf zurückgewiesen. Zu nah an russischen Forderungen, zu wenig Schutz für die Ukraine.

    Die Gegenofferte – ein europäischer Alternativplan – stößt in Moskau auf taube Ohren. „Nicht konstruktiv“, heißt es aus dem Kreml. Ein klassisches diplomatisches Patt. Während US-Außenminister Marco Rubio immerhin von „signifikanten Fortschritten“ spricht, verhärtet sich die russische Position – begleitet von neuen Bombenangriffen.

    Kann man unter diesen Bedingungen überhaupt noch glaubhaft von Friedensverhandlungen sprechen?

    Die „Koalition der Freiwilligen“ formiert sich neu

    Europa gibt sich derweil kämpferisch – zumindest rhetorisch. Im westlichen Paris-Vorort Mont-Valérien, Sitz der sogenannten „Koalition der Freiwilligen“, rückt man enger zusammen. Diese internationale Allianz wurde vor acht Monaten gegründet, um der Ukraine militärisch wie politisch zur Seite zu stehen – jetzt tagt sie zum zweiten Mal.

    Frankreich, Großbritannien, Japan, Australien, Kanada – mehr als 30 Staaten sind dabei. Aber der Schulterschluss ist brüchig. Nicht jeder will mitziehen, wenn es um konkrete militärische Präsenz geht. Truppen zu Lande, in der Luft, zur See? Frankreich und Großbritannien sind bereit. Deutschland und Polen hingegen zögern – und warten ab, wie sich die USA positionieren. Eine Haltung, die von manchem als zögerlich, von anderen als vorsichtig bezeichnet wird.

    Im Zentrum der aktuellen Gespräche: Sicherheitsgarantien für die Zeit nach dem Krieg. Denn dass Russland wieder angreifen könnte – diese Sorge teilt man inzwischen fast einstimmig. Die Idee, der Ukraine eine Art „Schutzschild“ zu bieten, sobald die Waffen schweigen, gewinnt an Boden. Doch wie dieser Schild aussehen soll, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

    Macron warnt vor einem „Signal der Schwäche“

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ließ am Dienstagmorgen aufhorchen. Im Interview mit RTL sprach er von einem „großen Risiko“: Man dürfe die Ukraine nicht fallenlassen – denn das würde nicht nur Kiew schwächen, sondern die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur. Eine Absage an Passivität – und ein Seitenhieb gegen jene, die zögern, Verantwortung zu übernehmen.

    Macrons Worte lassen keinen Zweifel: Er sieht den Ukraine-Krieg nicht als isolierten Konflikt, sondern als Prüfstein für die Verteidigungsfähigkeit Europas. Russland, so seine Warnung, wolle wieder eine imperiale Großmacht werden – und teste die Entschlossenheit des Westens.

    Zwischen Front und Friedenshoffnung

    Während sich Staatschefs beraten, Drohnen fliegen und diplomatische Notizen hin- und hergeschickt werden, bleibt das Leid der Zivilbevölkerung ungebrochen. In Kiew gehen die Sirenen, Menschen suchen Schutz in U-Bahn-Schächten, Energie fällt aus, Heizungen bleiben kalt. Der Winter bricht an, und mit ihm die nächste humanitäre Krise.

    Die Welt schaut zu – und fragt sich: Wann endet dieser Krieg?

    Vielleicht lautet die ehrlichere Frage: Wie lange kann und darf der Frieden noch warten?

    Autor: C.H.

  • „Wir sind noch weit entfernt“ – Frankreichs Warnsignal bei der COP30

    „Wir sind noch weit entfernt“ – Frankreichs Warnsignal bei der COP30

    Die 30. Sitzung der Weltklimakonferenz – kurz COP30 – findet derzeit in Belém statt, im Herzen des brasilianischen Amazonasgebiets. Der Ort ist mit Bedacht gewählt: Mitten im größten Regenwald der Welt wird nicht nur über CO₂-Ausstoß diskutiert, sondern über die Zukunft unseres gesamten Planeten.

    Frankreichs Delegation bringt es in wenigen Worten auf den Punkt: „Wir sind noch weit entfernt von einem globalen Abkommen.“ Das klingt nüchtern, fast ernüchternd – und ist doch ein Satz, der viel mehr sagt als bloße Skepsis. Es ist eine Zwischenbilanz der politischen Realität in einer Zeit, in der es eigentlich keine Zeit mehr zu verlieren gibt.


    Warum ist ein Durchbruch so schwer?

    Es liegt nicht an mangelndem Willen. Sondern an der Schwere der Aufgabe – und an altbekannten Hindernissen, die sich bei dieser COP besonders deutlich zeigen.

    Ein erster Stolperstein: Die Verhandlungen sollen ein „Paket“ liefern, das viele zentrale Fragen gleichzeitig beantwortet. Es geht um den Ausstieg aus fossilen Energien, den Schutz der Wälder, den gerechten Übergang, die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen und die Entschädigung für bereits entstandene Klimaschäden. All das soll nicht Stück für Stück, sondern als Gesamtkompromiss beschlossen werden. Doch genau dieses Gesamtpaket liegt noch in weiter Ferne.

    Der zweite Knackpunkt: das liebe Geld. Die Klimafinanzierung steht wie ein Elefant im Raum. Entwicklungsländer verlangen mehr Unterstützung – und zwar verbindlich, planbar, langfristig. Doch viele Industriestaaten zaudern, nennen vage Summen, knüpfen sie an Bedingungen. Die Diskussion über Fonds, Schuldenerlasse und Ausgleichsmechanismen zieht sich wie Kaugummi durch die Konferenzhallen.

    Dazu kommt ein alter Konflikt in neuer Form: Der globale Süden will endlich echte Mitsprache. Nicht nur Wohlwollen und Applaus, sondern handfeste Entscheidungen. Das Verhältnis zwischen Nord und Süd ist angespannt – mal stillschweigend, mal lautstark. Und während einige der größten CO₂-Emittenten immer noch auf der Bremse stehen, pochen andere auf Tempo.


    Frankreichs doppelte Rolle

    Paris sieht sich nicht nur als Vertreterin Europas, sondern als globaler Mitgestalter. Frankreich unterstützt Schutzprojekte in den Tropen, setzt auf die Verbindung von Klima- und Biodiversitätsschutz und präsentiert sich als strategischer Brückenbauer.

    Doch der Satz „Wir sind noch weit entfernt“ verrät auch eine gewisse Frustration. Die politischen Signale sind da – aber wo sind die Werkzeuge? Die Mechanismen? Die konkreten Schritte?

    Frankreich will vorangehen, aber nicht allein. Und so wird aus dem nüchternen Kommentar fast eine Einladung: Lasst uns gemeinsam liefern. Nicht nur reden.


    Gibt es trotzdem Hoffnung?

    Ein großer Wurf in Belém? Eher nicht. Doch es gibt Lichtblicke.

    Ein gemeinsames Schlussdokument ist zwar noch nicht fertig – aber in Arbeit. Einzelne Initiativen, etwa zur Transparenz von Klimadaten oder zum Schutz der Wälder, schreiten voran. Und: Die internationale Aufmerksamkeit ist da wie selten zuvor. Die mediale und diplomatische Mobilisierung rund um die Themen Biodiversität, soziale Gerechtigkeit und echte Transformation schafft zumindest ein fruchtbares Klima für nächste Schritte.

    Was fehlt? Klarheit, Mut – und ein bisschen weniger Taktik. Wenn alle auf den perfekten Moment warten, wird es nie einen geben.


    Ein Moment der Wahrheit

    Diese COP ist kein Abschluss – aber vielleicht ein Wendepunkt. Die Klimadiplomatie steht vor der Wahl: weiter Kompromisse vertagen oder endlich Verantwortung teilen.

    Frankreich sendet ein ehrliches Signal. Nicht resigniert, sondern weitsichtig. Es erinnert uns daran, dass Klimaverhandlungen nicht nur von Willensbekundungen leben, sondern von Mechanismen, Vertrauen und Konsequenz.

    Die Frage ist: Kommt das große Ganze – oder wieder nur Stückwerk?

    Autor: Andreas M. B.

  • Donald Trump vertagt Treffen mit Putin – „Kein Gespräch nur zum Reden“

    Donald Trump vertagt Treffen mit Putin – „Kein Gespräch nur zum Reden“

    Ein Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin schien in Reichweite – jetzt ist es auf unbestimmte Zeit verschoben. Der US-Präsident erklärte am Dienstag, er wolle keine „Veranstaltung ohne Ergebnis“. Ein Satz, der nachklingt, mitten im anhaltenden Ukrainekrieg und in einer Phase zunehmender diplomatischer Nervosität.

    Trump hatte sich ursprünglich mit Putin in Budapest treffen wollen. Dort sollte über Wege zu einem möglichen Ende des Ukraine-Krieges gesprochen werden. Doch nun: Funkstille. „Ich will keine Zeit verlieren“, sagte Trump vor Journalisten in Washington. „Wir werden sehen, was passiert.“ Mehr ließ er sich nicht entlocken – keine neuen Termine, keine weiteren Hinweise.

    Der diplomatische Knoten

    Auch die vorbereitenden Gespräche auf Ministerebene wurden kurzerhand abgesagt. US-Außenminister Marco Rubio und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow hatten sich erst am Vortag telefonisch ausgetauscht – mit dem Ziel, die Begegnung zwischen Trump und Putin vorzubereiten. Doch schon am nächsten Morgen war alles hinfällig. Der Kreml bestätigte, es gebe „keine konkreten Pläne“ für ein neues Treffen.

    Das Timing wirkt bezeichnend. Während Washington und Moskau offiziell weiter über „Dialogbereitschaft“ sprechen, zieht sich die politische Wirklichkeit zurück in altbekannte Schützengräben.

    Zwischen Frustration und Pragmatismus

    Trumps Verhältnis zu Putin war in den letzten Monaten sichtbar abgekühlt. Zwar betont der US-Präsident regelmäßig, dass er persönlich „gut mit Wladimir“ auskomme, doch die Ungeduld wächst. Nach seinem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Freitag zeigte sich Trump deutlich gereizt.

    Selenskyj war mit hohen Erwartungen nach Washington gereist – und kehrte enttäuscht zurück. Seine Bitte um amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper, also Waffen mit Reichweite tief ins russische Territorium, wurde von Trump strikt abgelehnt. Stattdessen habe der US-Präsident ihn aufgefordert, „einen Deal zu machen“.

    Ein diplomatisches Signal, das in Kiew wie ein Schlag ins Gesicht wirkte.

    Zwischen Moskau und Kiew – ein schmaler Grat

    Die Szene verdeutlicht Trumps wankende Position: einerseits der Drang, sich als Vermittler zwischen Ost und West zu profilieren, andererseits die wachsende Skepsis gegenüber beiden Konfliktparteien. Putin, der kein Interesse an schnellen Zugeständnissen zeigt; Selenskyj, der weiterhin auf militärische Unterstützung hofft.

    Trump steht damit in einem Zwiespalt, der durchaus vertraut ist: stark auftreten, aber sich nicht festlegen lassen. „Kein Gespräch nur zum Reden“ – dieser Satz lässt sich auch als Schutzbehauptung lesen. Denn wer keine konkreten Fortschritte vorweisen kann, meidet lieber den Schein des Stillstands.

    Die ungewisse Rolle Budapests

    Dass die Begegnung ausgerechnet in Budapest hätte stattfinden sollen, war kein Zufall. Ungarns Premier Viktor Orbán gilt als Brückenbauer zwischen Washington, Moskau und – zumindest teilweise – auch Kiew. Orbán hatte die Idee eines neutralen diplomatischen Rahmens unterstützt. Doch nun, mit der Verschiebung des Treffens, ist auch seine Rolle in der Schwebe.

    Für Orbán bedeutet das: weniger internationale Sichtbarkeit, aber auch weniger Risiko, sich zwischen den Mächten aufzureiben.

    Ein Rückschlag für den Frieden?

    Viele Beobachter fragen sich nun: Was bleibt von der vielbeschworenen „Trump-Initiative für den Frieden“? Nach außen klingt alles nach strategischer Geduld. Doch in Wahrheit deutet vieles darauf hin, dass Washington und Moskau derzeit keine gemeinsame Sprache finden.

    Ein hochrangiger US-Diplomat formulierte es kürzlich so: „Beide Seiten wissen, dass sie reden müssen – aber keiner will der Erste sein, der sich bewegt.“

    Vielleicht ist das der eigentliche Kern der Verschiebung: weniger eine Entscheidung gegen Gespräche als vielmehr ein Eingeständnis, dass die Bühne noch nicht bereit ist.

    Und so bleibt die Hoffnung auf Budapest vorerst ein politisches Phantom.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Gescheiterte Gespräche in Doha – Warum die Waffenruhe in Gaza erneut in weite Ferne rückt

    Gescheiterte Gespräche in Doha – Warum die Waffenruhe in Gaza erneut in weite Ferne rückt

    Die Hoffnungen auf eine baldige Feuerpause im Gazastreifen sind erneut zunichte gemacht worden. Am Mittwoch gaben sowohl die Vereinigten Staaten als auch Israel ihren Rückzug aus den laufenden Verhandlungen in Doha, Katar, bekannt. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff warf der Hamas öffentlich vor, nicht in gutem Glauben zu verhandeln. Stattdessen werde man nun „alternative Optionen“ prüfen, um die israelischen Geiseln zu befreien und zugleich „für die Menschen in Gaza eine stabilere Lage“ zu schaffen.

    Der abrupte Abbruch der Gespräche kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die humanitäre Lage in Gaza weiter dramatisch zuspitzt. Über zwei Millionen Menschen sind laut UN-Angaben akut von Hunger, Krankheiten und mangelnder medizinischer Versorgung bedroht. Der Rückzug der Verhandlungspartner könnte eine langanhaltende politische Blockade zementieren – mit weitreichenden Folgen für die Region.

    Ein ambitionierter, aber fragiler Verhandlungsansatz

    Die jüngste Verhandlungsrunde in Doha war Teil eines diplomatischen Plans, der in mehreren Phasen umgesetzt werden sollte: Eine zunächst 60-tägige Feuerpause, die schrittweise Freilassung israelischer Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge sowie ein deutlich ausgeweitetes humanitäres Hilfsprogramm. Hinter dem Plan standen die USA, Ägypten und Katar – drei Akteure, die wiederholt zwischen Israel und der Hamas vermittelt haben.

    Doch der Teufel lag, wie so oft, im Detail. Der Status der israelischen Präsenz im nördlichen Gazastreifen, die Bedingungen für eine mögliche dauerhafte Waffenruhe sowie die politische Zukunft des von der Hamas kontrollierten Gebiets sorgten für tiefgreifende Differenzen. Laut US-Medienberichten verlangte die Hamas eine verbindliche Zusage für einen dauerhaften Waffenstillstand – ein Punkt, den Israel als „inakzeptabel“ zurückwies, solange die Hamas weiter militärisch aktiv sei. Die israelische Regierung sieht in jeder Pause ohne militärische Entmachtung der Hamas ein Risiko für die eigene Sicherheit.

    Rückzug als Strategie? Die Rolle der USA unter Trump

    Die Rolle der Vereinigten Staaten in diesen Verhandlungen war von Anfang an ambivalent. Unter dem republikanischen Präsidenten Donald Trump setzt Washington verstärkt auf bilaterale Hebel gegenüber regionalen Akteuren wie Ägypten und Saudi-Arabien – weniger auf multilaterale Formate oder UN-Initiativen. Der neue Sondergesandte Steve Witkoff, ein enger Vertrauter Trumps, vertritt dabei eine konfrontativere Linie gegenüber der Hamas.

    Die Entscheidung zum Verhandlungsabbruch fällt in eine Zeit, in der der innenpolitische Druck auf die US-Regierung wächst, sichtbare Erfolge in der Nahostpolitik vorzuweisen. Zugleich steht Trump in der Kritik, die humanitären Aspekte der Krise zu vernachlässigen. Beobachter wie die Brookings Institution betonen, dass ein Verzicht auf diplomatische Kanäle langfristig kontraproduktiv sein könnte – nicht zuletzt, weil ein militärischer Alleingang zur Befreiung der Geiseln sowohl in Gaza als auch international erhebliche Risiken birgt.

    Hamas unter Druck – doch mit taktischem Spielraum

    Die Führung der Hamas zeigte sich nach dem Abbruch der Gespräche demonstrativ überrascht und erklärte, man sei weiterhin „voll und ganz zur Einigung bereit“. Diese Reaktion kann als Versuch gewertet werden, die eigene Gesprächsbereitschaft gegenüber internationalen Vermittlern zu demonstrieren und Israel als destruktiven Akteur darzustellen. Gleichwohl bleibt unklar, wie weit die Hamas tatsächlich bereit ist, zentrale Forderungen der Gegenseite zu erfüllen – etwa die Abgabe militärischer Kontrolle oder eine langfristige Waffenruhe ohne politische Gegenleistung.

    Taktisch gesehen profitiert die Hamas derzeit von der sich verschlechternden Lage im Gazastreifen: Je dramatischer die humanitäre Situation, desto größer der internationale Druck auf Israel und seine Verbündeten, einer Einigung zuzustimmen. Gleichzeitig nutzt die Organisation die Verhandlungen, um ihre Position als alleiniger Ansprechpartner in Gaza zu festigen – auf Kosten der palästinensischen Autonomiebehörde, die politisch marginalisiert bleibt.

    Eine Bevölkerung im Würgegriff

    Während sich Diplomatie und geopolitische Interessen ineinander verschränken, ist die Zivilbevölkerung in Gaza die eigentliche Leidtragende. Nach Angaben der „Times“ sind allein in den vergangenen zwei Monaten mehr als 1.000 Menschen bei der Ausgabe von Hilfsgütern ums Leben gekommen. Über 30.000 Kinder gelten als akut unterernährt. Internationale Hilfsorganisationen berichten von einem Zusammenbruch der öffentlichen Infrastruktur: Krankenhäuser operieren ohne Strom, sauberes Wasser ist vielerorts nicht mehr verfügbar, und die Verbreitung von Seuchen nimmt zu.

    Die UN warnten zuletzt eindringlich vor einer „humanitären Katastrophe historischen Ausmaßes“. Die Aussetzung der Gespräche droht nun nicht nur die Lage vor Ort weiter zu eskalieren, sondern auch das Vertrauen in diplomatische Lösungen zu untergraben.

    Noch ist offen, ob alternative Vermittlungsformate – etwa durch die EU oder den Golf-Kooperationsrat – einen neuen Impuls setzen können. In einem zunehmend fragmentierten geopolitischen Umfeld erscheint dies jedoch unwahrscheinlich. Zu tief sind das Misstrauen, die sicherheitspolitischen Interessen und die innenpolitischen Zwänge auf beiden Seiten.

    Die Ereignisse von Doha zeigen erneut, wie schwierig es ist, zwischen Kriegslogik, Sicherheitsbedenken und humanitärer Verantwortung eine dauerhafte Balance zu finden. Solange keine ernsthafte politische Perspektive für Gaza geschaffen wird, bleiben Feuerpausen bloße Atempausen – ohne Aussicht auf Frieden.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Trump will über Luftschläge gegen Iran „innerhalb von zwei Wochen“ entscheiden

    Trump will über Luftschläge gegen Iran „innerhalb von zwei Wochen“ entscheiden

    US-Präsident Trump wird „innerhalb der nächsten zwei Wochen“ bereit sein, zu entscheiden, ob der Iran bombardiert wird. Das sagte gestern die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Zwei Wochen – das ist eine von Trumps bevorzugten Zeitangaben. Er hat sie bereits im Zusammenhang mit Steuerplänen, Gesundheitspolitik, dem Kampf gegen den IS und sogar dem Krieg in der Ukraine verwendet.

    In einer Erklärung des Weißen Hauses zu Trumps neuer Zeitlinie hieß es, es bestehe „eine erhebliche Chance auf Verhandlungen mit dem Iran in naher Zukunft“.

    Während der Krieg zwischen Israel un Iran in den siebten Tag geht, startete das israelische Militär heute Morgen eine Welle von Luftangriffen auf Ziele in nördlichen Provinzen weit entfernt von Teheran. Das deutet auf eine geografische Ausweitung der Zielgebiete hin.

    In Israel schlugen gestern iranische Raketen an mehreren Orten ein – darunter auch im Soroka Medical Center in Be’er Scheva. Es war das erste israelische Krankenhaus, das seit Beginn der Kämpfe in der vergangenen Woche direkt getroffen wurde. Mehrere Patienten wurden verletzt. Laut Krankenhausleitung war ein Großteil des Gebäudes zuvor evakuiert worden.


    Chinesische Hacker spionieren nach russischen Kriegsgeheimnissen

    Gruppen mit Verbindungen zur chinesischen Regierung haben seit den ersten Monaten des Ukrainekriegs wiederholt russische Unternehmen und Regierungsbehörden gehackt. Experten zufolge sieht China den Krieg offenbar als Gelegenheit, militärische Geheimnisse zu sammeln und Russlands Felderfahrungen zu nutzen – zur Vorbereitung auf mögliche eigene Konflikte, etwa im Falle eines Taiwan-Krieges.

    Wie erfolgreich die Hacker-Angriffe waren, ist unklar – auch deshalb, weil russische Behörden sie nie öffentlich eingeräumt haben. Dennoch zeigt sich: China betrachtet Russland offenbar als verwundbares Ziel – trotz der öffentlich betonten Partnerschaft und des langjährigen Versprechens, sich gegenseitig nicht zu hacken.


    Pakistans verdecktes Drohnenprogramm

    Pakistan setzt still und leise Drohnen im eigenen Land ein – vor allem in abgelegenen Regionen nahe der afghanischen Grenze –, um islamistische Extremisten und separatistische Aufständische zu überwachen und zu bekämpfen.

    Drohnen sind in Pakistan ein politisch sensibles Thema: Als die US-Regierung Drohnen gegen Gruppen wie Al-Qaida auf pakistanischem Boden einsetzte, starben auch viele Zivilisten. Damals kritisierte Pakistan die Taktik scharf – doch nun hat es sie selbst übernommen. Und erneut werden zivile Todesopfer gemeldet.


    WEITERE TOP-THEMEN

    Mexiko: Hurrikan Erick zog als Sturm der Kategorie 1 landeinwärts in Richtung der Ferienstadt Acapulco – begleitet von Sturzfluten und Evakuierungen entlang der Südküste.

    NATO: Vor dem jährlichen Gipfeltreffen nächste Woche steht bei vielen Diplomaten vor allem eines im Fokus: Wie hält man Trump bei Laune?

    Flüchtlinge: Trump hat ein temporäres humanitäres Programm für Ukrainer ausgesetzt – und lässt damit eine ganze Community im US-Bundesstaat Midwest in Unsicherheit zurück.

    Großbritannien: Ein chinesischer Student, der in London und seiner Heimat zehn Frauen unter Drogen setzte und vergewaltigte, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

    Luftfahrt: Air India kündigte an, wegen des tödlichen Flugzeugabsturzes in der vergangenen Woche die Zahl internationaler Flüge vorübergehend zu reduzieren.

    Thailand: Premierministerin Paetongtarn Shinawatra steht unter Druck zurückzutreten, nachdem ein vertrauliches Gespräch mit dem faktischen Führer Kambodschas öffentlich wurde.

    Russland: Das diesjährige, deutlich kleinere Wirtschaftsforum in St. Petersburg zeigt, wie sehr der Krieg mit der Ukraine das Land verändert hat.

    Autor: Andreas M. B.