Schlagwort: Vaucluse

  • „Jeder trägt Verantwortung“: Carpentras verlangt 120 Euro für den Polizeitransport Betrunkener

    „Jeder trägt Verantwortung“: Carpentras verlangt 120 Euro für den Polizeitransport Betrunkener

    Wer im südfranzösischen Carpentras künftig stark alkoholisiert im öffentlichen Raum aufgegriffen wird, muss nicht nur mit einer Geldbuße rechnen. Ab dem 1. Oktober stellt die Stadt den Betroffenen zusätzlich 120 Euro für ihren Transport durch die kommunale Polizei in Rechnung. Hinter der auf den ersten Blick unspektakulären Gebührenentscheidung steht eine grundsätzlichere Frage: Welche Kosten individueller Regelverstöße soll die Allgemeinheit tragen – und wo beginnt die finanzielle Eigenverantwortung?

    Der Gemeinderat von Carpentras beschloss die neue Regelung am 17. September. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine zusätzliche Geldstrafe. Die 120 Euro sollen vielmehr jene Kosten abdecken, die der Stadt entstehen, wenn ihre Police municipale eine offensichtlich betrunkene Person aufgreift und transportiert.

    Die Unterscheidung ist juristisch wesentlich. Denn öffentliche Trunkenheit kann in Frankreich bereits unabhängig davon mit einer Geldbuße geahndet werden.

    Ein Einsatz bindet mindestens zwei Polizisten

    Die Stadtverwaltung begründet die Pauschale mit dem Aufwand solcher Einsätze. Nach Angaben des für Sicherheit zuständigen Beigeordneten Thierry d’Aigremont müssen mindestens zwei Beamte eingesetzt werden. Hinzu kommen die Arbeitszeit, der Betrieb des Polizeifahrzeugs und gegebenenfalls dessen anschließende Reinigung.

    Die Zahl solcher Einsätze ist in Carpentras zuletzt deutlich gestiegen. Für 2024 wurden im Gemeinderat 46 Fälle genannt, für 2025 bereits 85. Damit hätte sich die Zahl innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt.

    Für eine Stadt mit rund 30.000 Einwohnern sind dies zwar keine Dimensionen, die den kommunalen Haushalt grundsätzlich verändern. Aus Sicht der Stadtführung geht es jedoch weniger um zusätzliche Einnahmen als um das Prinzip der Kostenzurechnung. Polizeikräfte, die mehrere Stunden mit einer alkoholisierten Person beschäftigt sind, stehen während dieser Zeit für andere Aufgaben nicht zur Verfügung.

    Genau an diesem Punkt setzt die politische Argumentation der Stadt an. Die von einer Mehrheit des Rassemblement national geführte Kommune will Kosten, die sie einem konkreten Verhalten zurechnet, zumindest teilweise auf den Verursacher übertragen.

    Frankreich kennt das Prinzip bereits seit langem

    Juristisch bewegt sich Carpentras dabei nicht auf völlig neuem Terrain. Die sogenannte ivresse publique et manifeste, die öffentliche und offenkundige Trunkenheit, ist im französischen Gesundheitsrecht geregelt.

    Eine Person, die in Straßen, auf Plätzen, in Gaststätten oder an anderen öffentlichen Orten offensichtlich betrunken angetroffen wird, kann von den Ordnungskräften in Gewahrsam beziehungsweise in eine Ausnüchterungszelle gebracht werden, bis sie wieder zurechnungsfähig ist. Das französische Gesundheitsgesetz sieht ausdrücklich vor, dass dies auf Kosten des Betroffenen geschehen kann.

    Daneben existiert die eigentliche Sanktion. Offenkundige Trunkenheit im öffentlichen Raum ist eine Ordnungswidrigkeit der zweiten Klasse. Die maximale Geldbuße beträgt 150 Euro.

    Eine Besonderheit des französischen Systems besteht darin, dass für diesen Tatbestand keine bestimmte Blutalkoholkonzentration festgelegt ist. Entscheidend ist vielmehr der nach außen erkennbare Zustand der Person. Die Ordnungskräfte beurteilen diesen anhand der konkreten Umstände, etwa anhand von Sprache, Gleichgewicht, Verhalten oder anderen sichtbaren Anzeichen.

    Damit unterscheidet sich der Tatbestand grundsätzlich von Verkehrsdelikten, bei denen präzise Alkoholgrenzwerte gelten.

    Im Extremfall werden 270 Euro fällig

    Die neue Regelung von Carpentras schafft somit keine zweite kommunale Geldbuße. Sie verbindet vielmehr zwei unterschiedliche Instrumente: die staatlich vorgesehene Sanktion für öffentliche Trunkenheit und die Erstattung der kommunalen Transportkosten.

    Für Betroffene kann diese Unterscheidung finanziell allerdings wenig tröstlich sein. Wird die maximale Geldbuße von 150 Euro verhängt und zusätzlich die Transportpauschale von 120 Euro berechnet, können insgesamt bis zu 270 Euro anfallen.

    Carpentras ist mit diesem Ansatz keineswegs allein. Andere französische Kommunen haben in den vergangenen Jahren ähnliche Modelle eingeführt. In Compiègne wurde beispielsweise Ende 2024 eine Pauschale von 150 Euro beschlossen. Dort verwies die Stadt ebenfalls auf Personalaufwand, Transportkosten und die Bindung kommunaler Polizeikräfte. Vergleichbare Regelungen wurden unter anderem aus Troyes, Orléans, Albi, Caen und Toulouse berichtet.

    Die Entscheidung in Carpentras gehört damit zu einer breiteren kommunalpolitischen Entwicklung: Städte versuchen, bestimmte Kosten von Polizeieinsätzen unmittelbar den Betroffenen zuzurechnen, sofern das nationale Recht dafür eine Grundlage bietet.

    Zwischen Eigenverantwortung und Sozialpolitik

    Politisch brisanter wird die Regelung dort, wo Sicherheits- und Sozialpolitik aufeinandertreffen. Bürgermeister Hervé de Lépinau und seine Mehrheit stellen die individuelle Verantwortung in den Mittelpunkt. Wer durch sein Verhalten einen kostenintensiven Polizeieinsatz verursacht, soll nach dieser Logik nicht selbstverständlich sämtliche Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen können.

    Die Opposition sieht dagegen die Gefahr, dass eine solche Regelung sozial ungleich wirkt. Menschen, die regelmäßig wegen schwerer Alkoholisierung im öffentlichen Raum auffallen, gehören nicht selten zu gesellschaftlich besonders verletzlichen Gruppen. Obdachlosigkeit, psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen und materielle Armut können sich dabei überlagern.

    Eine Pauschale von 120 Euro trifft deshalb nicht jeden Betroffenen gleichermaßen. Für Menschen ohne geregeltes Einkommen kann bereits die praktische Eintreibung der Forderung schwierig werden.

    Die Stadt versucht, den repressiven Bestandteil der Maßnahme mit einem präventiven Element zu verbinden. Betroffene sollen ein Informationsblatt mit Telefonnummern und Anlaufstellen erhalten, die bei Alkohol- und anderen Suchterkrankungen Unterstützung anbieten.

    Damit erkennt die Kommune zumindest indirekt an, dass öffentliche Trunkenheit nicht ausschließlich eine Frage individuellen Fehlverhaltens ist, sondern auch Ausdruck gesundheitlicher und sozialer Probleme sein kann.

    Streit über die Feststellung der Trunkenheit

    Im Gemeinderat entzündete sich die Debatte zudem an der Frage, wie eindeutig festgestellt werden kann, wann eine Person tatsächlich unter die Regelung fällt.

    Die Opposition wollte durch einen Änderungsantrag genauer festlegen, anhand welcher objektiven Kriterien eine offenkundige Trunkenheit festgestellt werden soll. Damit sollte nach ihrer Argumentation eine möglichst gleiche und unparteiische Anwendung der Vorschrift gewährleistet werden.

    Bürgermeister de Lépinau lehnte eine solche Ergänzung ab. Der Änderungsantrag erhielt keine Mehrheit.

    Die Kontroverse verweist auf eine Besonderheit des französischen Rechts. Gerade weil keine feste Promillegrenze existiert, besitzen Polizei und Ordnungskräfte einen erheblichen Beurteilungsspielraum. Die öffentliche Trunkenheit muss sichtbar beziehungsweise manifest sein. In der Praxis wird dies anhand verschiedener körperlicher und verhaltensbezogener Merkmale festgestellt.

    Solche Ermessensentscheidungen sind im Polizeirecht keineswegs ungewöhnlich. Politisch heikel werden sie jedoch, wenn daran neben dem Freiheitsentzug während der Ausnüchterung auch konkrete finanzielle Folgen geknüpft werden.

    Die Entscheidung von Carpentras ist deshalb mehr als eine lokale Gebührenregelung. Sie steht exemplarisch für einen Wandel kommunaler Sicherheitspolitik, bei dem die Kosten staatlicher beziehungsweise kommunaler Intervention stärker dem einzelnen Verursacher zugerechnet werden.

    Dabei bleibt ein Spannungsverhältnis bestehen. Das Prinzip, vermeidbare Kosten nicht vollständig der Allgemeinheit aufzubürden, lässt sich fiskalisch nachvollziehen. Gleichzeitig betrifft öffentliche Trunkenheit häufig Menschen, bei denen Sanktionen allein die zugrunde liegenden sozialen oder gesundheitlichen Probleme kaum lösen dürften.

    Carpentras kombiniert deshalb Abschreckung, Kostenerstattung und Prävention. Ob die Rechnung über 120 Euro tatsächlich dazu führt, dass weniger Menschen schwer alkoholisiert im öffentlichen Raum aufgegriffen werden, lässt sich erst anhand der Fallzahlen der kommenden Jahre beurteilen. Schon jetzt zeigt die Debatte jedoch, wie aus einer scheinbar technischen kommunalen Gebührenentscheidung eine grundsätzliche Auseinandersetzung über Eigenverantwortung, öffentliche Sicherheit und die Grenzen sozialstaatlicher Fürsorge werden kann.

    Daniel Ivers

  • Ein Prozess, der unter die Haut geht: Avignon und das Schweigen hinter verschlossenen Türen

    Ein Prozess, der unter die Haut geht: Avignon und das Schweigen hinter verschlossenen Türen

    In Avignon beginnt dieser Tage kein gewöhnlicher Strafprozess. Was sich vor der Cour d’assises entfaltet, greift tiefer – hinein in jene dunklen Zonen des Privaten, in denen Schweigen schwerer wiegt als jedes gesprochene Wort. Eine 44-jährige Mutter steht vor Gericht, angeklagt des Mordes an zwei ihrer neugeborenen Kinder. Die kleinen Körper wurden bereits 2022 im Gefrierschrank des Familienhauses im südfranzösischen Bédoin entdeckt, am Fuß des Mont Ventoux. Ein Fund, der selbst erfahrene Ermittler erschütterte. Zwei Säuglinge, über Jahre verborgen, konserviert im Eis – das Bild brennt sich ein, ob man will oder nicht. Die Angeklagte weist den Vorwurf eines vorsätzlichen Tötungsdelikts zurück. Sie schildert den Tod des ersten Kindes als Folge eines Sturzes, das zweite sei unter chaotischen Umständen nach einer verdrängten Schwangerschaft gestorben. Man hört diese Versionen im Gerichtssaal, und unweigerlich stellt sich dieses leise, nagende Gefühl ein: Kann das wirklich so gewesen sein?…

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  • 35 Jahre danach: In Carpentras rollt die Gendarmerie einen fast vergessenen Mord neu auf

    35 Jahre danach: In Carpentras rollt die Gendarmerie einen fast vergessenen Mord neu auf

    Fünfunddreißig Jahre. Eine ganze Generation. Kinder von damals haben heute eigene Familien, Häuser wechselten den Besitzer, Zeugen zogen fort. Und doch schlummert im Archiv der Gendarmerie ein Dossier, das nie endgültig geschlossen wurde. In Carpentras, im Herzen des südfranzösischen Départements Vaucluse, richtet sich der Blick der Ermittler erneut auf ein Verbrechen aus den späten 1980er Jahren – ein Mord, der die Region erschütterte und bis heute ohne gerichtliche Aufklärung blieb. Bouziane Ben Abdeslam: Ein Name, der in Sarrians nie verklang Es war ein kühler Morgen im März 1991, als ein Feld am Ortsrand von Sarrians im Département Vaucluse zum Tatort wurde. Dort lag der leblose Körper eines 33-jährigen Mannes, in der Region schlicht „Ben“ genannt. Sein vollständiger Name: Bouziane Ben Abdeslam. Am 19. März entdeckte man ihn im ersten Licht des Tages. Die Obduktion zeichnete ein Bild brutaler Gewalt. Mehrere Messerstiche, dazu schwere Kopfverletzungen. Die Wunden führten unmittelba…

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  • Ein Ferrari, der zu schnell war – und eine ganze Betrugswelt entlarvte

    Ein Ferrari, der zu schnell war – und eine ganze Betrugswelt entlarvte

    Kurz vor Mitternacht, irgendwo zwischen Lavendelfeldern und dunklen Pinienhainen im Département Vaucluse, zerreißt ein Motorengeräusch die Stille. Ein roter Ferrari schießt über die Landstraße, als gehöre sie ihm allein. Sekunden später steht eine Zahl im Display des mobilen Radargeräts, die selbst abgebrühte Gendarmen die Augenbrauen heben lässt: 247 Kilometer pro Stunde. Was zunächst nach einem spektakulären Fall von Raserei klingt, entwickelt sich binnen weniger Tage zu einer Affäre, die weit darüber hinausreicht. Denn der Mann am Steuer passt so gar nicht ins Bild des klassischen Sportwagenbesitzers. Kein Unternehmer mit Hang zum Adrenalin, kein Erbe aus gutem Hause, kein provokant auftretender Millionär. Offizielle Register zeichnen ein anderes Porträt: geringe oder nicht existente Einkünfte, zeitweise Bezug staatlicher Leistungen. Ein Leben, das – zumindest auf dem Papier – kaum über die Anschaffung eines gebrauchten Kleinwagens hinausreichen dürfte. Ermittler kennen solche Konst…

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  • Wenn Geschichte umzieht – warum Avignon seine Archive rettet

    Wenn Geschichte umzieht – warum Avignon seine Archive rettet

    Manchmal erzählt ein Umzug mehr über unsere Zeit als ein dicker Wälzer. In Avignon, hinter den wuchtigen Mauern des Palais des Papes, packt man derzeit Geschichte in Schaumstoff. Nicht aus Laune, sondern aus Notwendigkeit. Die Archive des Départements Vaucluse verlassen eine ehrwürdige Kapelle, die …

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  • Magie aus Metall – Wie im Vaucluse ein neues Weihnachtslicht entsteht

    Magie aus Metall – Wie im Vaucluse ein neues Weihnachtslicht entsteht

    Manchmal reicht ein einziger Schritt über eine Schwelle, und die Welt verändert sich. In Apt, mitten im Vaucluse, geschieht genau das: Hinter den Toren von Blachere Illumination durchquert man eine unscheinbare Industriehalle und landet in einem Paralleluniversum, in dem es das ganze Jahr nach Winter riecht, nach warmen Kindheitserinnerungen, nach Kupfer, Metall und kleinen Lichtern, die große Geschichten erzählen.

    Kurzer Atemzug.

    Dann öffnet sich die Sicht auf ein unfertiges Rentier von sieben Metern Höhe, auf blitzende Schweißpunkte, auf Werkbänke, die aussehen wie die Schreibstube des Weihnachtsmanns – nur lauter, heißer und voller Funkenflug. Hier beginnt Weihnachten lange vor Plätzchenduft und Adventskerzen, ja manchmal schon im Frühling. Warum? Weil die Städte darauf warten, und weil die Menschen, tief drinnen, jedes Jahr wieder diesen Funken spüren möchten, der sich zwischen Herz und Hals setzt, wenn die Straßen plötzlich glühen wie ein verspielter Sternenhimmel.

    Ein Ort wie dieser hat etwas Unwahrscheinliches. Und doch: Er existiert.

    Kreative Funken und schwere Rahmen

    Paul steht da, der Schweißer, mit seinem Helm, den Blick konzentriert auf eine metallene Linie, die bald die Form eines majestätischen Rentiers tragen soll. Daneben ein Funkenregen, der im Flug erlischt. Er sagt ruhig: „Hier entsteht das Skelett. Danach zieht das andere Team die Lichter auf – wie Kleidung eben.“

    Kleidung – das Wort hängt kurz in der Luft, und man versteht sofort, was er meint. Ein nacktes Metallgerüst wirkt ja tatsächlich wie ein Körper ohne Stoff. Erst wenn die Lichter darüber gelegt werden, entsteht etwas, das die Fantasie der Leute einfängt.

    Ein wenig wie ein Model auf einer Modenschau, das erst mit dem passenden Kleidungsstück strahlt. Oder wie ein Satz, der erst mit dem richtigen Rhythmus lebendig wird.

    Und plötzlich wird klar: Diese Fabrik hat mehr mit Haute Couture zu tun, als man vermuten würde. Für viele Kommunen gibt es einen Katalog voller fertiger Stücke – von der schlichten Sternengirlande bis zur Pinguinfamilie. Das ist der sogenannte „prêt à porter“. Doch hier, in Apt, schlägt das Herz der Maßanfertigung.

    Jedes Jahr entwirft die künstlerische Leitung rund 100 neue Dekorationen.

    Ja – hundert. Eine Kollektion pro Jahr, fast wie Paris Fashion Week, nur dass statt Models die Strassen der Städte diese leuchtende Kollektion tragen.

    Die Kunst, Weihnachten neu zu denken

    Im Büro der künstlerischen Leitung sitzt Julie Taton, umgeben von Skizzen, Farbkarten, Moodboards, kleinen LED-Proben und einem Stapel Notizen, die aussehen wie Einladungen zu einer märchenhaften Reise. Sie arbeitet schon an der Kollektion 2027.

    Ist das nicht verrückt? Während viele erst über das kommende Fest nachdenken, lebt sie längst zwei Winter in der Zukunft.

    „Die Leute wollen ihren Weihnachtsmann, ihr Rentier, ihr Schlittenmotiv. Die Klassiker sind wichtig. Der Trick liegt darin, sie immer wieder zu verwandeln“, sagt sie.

    Ein bisschen Kino, ein bisschen Kunst, ein bisschen Meeresluft für die Küstenstädte, ein bisschen Geschichte für die alten Städte Frankreichs und dann – warum nicht – ein paar sportliche Ideen, inspiriert von den Olympischen Spielen.

    Wer sagt denn, dass ein Weihnachtsbaum nicht auch ein paar Turnschuhe tragen darf? Oder dass ein Pinguin nicht mit einem Basketball posieren kann?

    Und plötzlich fragt man sich: Was macht Weihnachten eigentlich aus? Die Tradition? Oder das Staunen? Vielleicht beides – wie zwei Hände, die einander halten.

    Wenn Bürgermeister glänzen wollen

    Kurz bevor die Festtage starten, kennen die Telefone in Apt kaum Pausen. Jede Stadt will ihren eigenen Moment der Begeisterung schaffen. Und in Wahljahren steigt die Spannung noch weiter. In Rathäusern wird diskutiert, gerechnet, neu geplant – denn man weiß, dass Lichter nicht nur warm scheinen, sondern auch Stimmungen formen.

    Yohan Hugues, Mitglied der Unternehmensführung, sagt dazu: „Es gibt immer ein bisschen einen Effekt der Kommunalwahlen. Ein Ort von tausend Einwohnern steckt vielleicht ein bis zwei tausend Euro in den Topf. Eine große Stadt kann sich mehr leisten, konzentriert es aber auf bestimmte Achsen.“

    Licht ist Politik – wer hätte das gedacht?

    Doch es ist auch Wirtschaft. Menschen bleiben länger auf einer hell beleuchteten Straße, verweilen unter einem leuchtenden Bogen, trinken einen Kaffee, schnuppern an einem Keksstand, kaufen Geschenke. Eine Stadt, die strahlt, fühlt sich lebendiger an, ein kleines bisschen sicherer, ein kleines bisschen offener.

    Und Hand aufs Herz: Wer bleibt denn nicht stehen, wenn irgendwo eine riesige Lichtkugel aufgebaut ist, groß genug, um hindurchzugehen? Man hört Schritte, knirschend auf dem Kies, riecht einen Hauch von Zimt aus einem Café – und man fühlt sich für einen winzigen Moment fünf Jahre alt.

    Energie, LED und ein Blick auf die Zukunft

    Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. In Zeiten von Energiekrisen wirken Lichter manchmal wie ein Luxus. 2022 war das besonders heikel. Aber seitdem hat sich viel getan. LEDs haben alte Lichter verdrängt wie Elektroautos frühere Motoren. Städte wie Straßburg haben dadurch ihren Verbrauch auf ein Zehntel gedrückt.

    Ein Zehntel. Das ist mehr als nur ein Erfolg, das ist ein neues Kapitel.

    Doch ein anderer Punkt blieb lange ein Schmerzpunkt: Die Herkunft der Lichter. Vor allem die berühmten LED-Girlanden kamen meist aus China.

    Nach der Pandemie stellte man sich in Apt die Frage: Kann man das nicht selber machen?

    Robotik, Automatisierung, KI – die Werkzeuge sind da. Und nach jahrelanger Entwicklung ist sie endlich da: die erste komplett französisch gefertigte Lichterkette.

    Zugegeben, die Rohstoffe kommen noch aus dem Ausland. Aber die Montage? 100 Prozent aus Apt.

    Das ist ein Anfang, ein Schritt Richtung Souveränität – ein Wort, das in Frankreich gern gebraucht wird, aber hier ausnahmsweise mit echtem Inhalt gefüllt ist.

    Ein Stück Zukunft im Smartphone

    Die nächste Generation der Dekorationen bricht bereits an. Nicht nur Licht, sondern Interaktion.

    Ein kleiner QR Code neben dem leuchtenden Eisbären, und schon erklingt Musik.

    Ein Klick auf dem Handy, und der Pinguin wechselt die Farbe von Weiß zu Rosa, dann zu Blau.

    Eine Stadt, die sich auf ihrem Smartphone verwandeln lässt – ein bisschen verspielt, ein bisschen futuristisch.

    Ist das noch Tradition? Oder schon eine neue Form des Volkstheaters? Wer weiß das schon – und ist es nicht gerade das Schöne daran, dass Weihnachten etwas ist, das wir gemeinsam neu erfinden dürfen?

    Ein Werkstattwinter, der leuchtet

    Wenn man durch die Hallen geht, merkt man: Der Lärm ist vertraut, aber das Ergebnis bleibt magisch. Eine Arbeiterin wirft ein Kabel über einen Rahmen wie ein Schneider ein Seidenband über eine Schulter. Ein kleines Team prüft, ob jede LED zuverlässig aufblinkt.

    Draußen riecht es nach Pinienharz. Drinnen nach Metall und Hoffnung.

    Es ist dieser merkwürdige Mix aus Handwerk und Fantasie, der einen unwillkürlich an alte Weihnachtsgeschichten denken lässt. Manche sehen darin Industrie – andere sehen darin ein riesiges, strahlendes Herz.

    Ein Mitarbeiter lacht und sagt: „Hier drin ist Weihnachten nie vorbei. Manchmal reden wir sogar im Juli über Tannenbäume.“

    Und doch hat dieser Satz etwas Tröstliches, etwas zutiefst Menschliches. Wenn man es genau nimmt, sucht jeder von uns das ganze Jahr über nach dem Gefühl, das wir an einem einzigen Dezemberabend für selbstverständlich halten: Gemeinschaft, Freude, ein bisschen Wärme im kalten Wind.

    Warum all das zählt

    Vielleicht stellt sich jemand die Frage: Lohnt sich dieser Aufwand wirklich? So viel Licht, so viel Arbeit, so viel Planung?

    Die Antwort liegt nicht im Budget einer Stadt, sondern im Gesicht eines Kindes, das unter einem Bogen aus Sternen läuft und die Hand seiner Mutter drückt. Oder in dem älteren Mann, der sich an eine Bank lehnt, den Mantel schließt und leise sagt: „Das ist schön geworden dieses Jahr.“

    Das Leuchten in den Straßen ist kein Selbstzweck. Es erinnert uns daran, dass Menschen Geschichten brauchen – auch im Winter, auch im Alltag, auch dann, wenn die Welt etwas schwerer wirkt.

    Und vielleicht ist genau das der Kern dessen, was in Apt geschieht: Menschen bauen Dinge, die andere Menschen miteinander verbinden.

    Ein letzter Blick auf das große Rentier

    Man sieht Paul noch einmal, wie er die letzten Punkte am Gerüst setzt. Das Rentier ist fast fertig, noch nackt, aber bereits majestätisch. In ein paar Wochen wird es irgendwo in Frankreich stehen, wahrscheinlich auf einem Platz, den morgens Senioren überqueren und abends Verliebte. Kinder werden davor posieren, Handys werden gezückt, Stimmen werden lachen.

    Und niemand wird sich fragen: Wer hat das gebaut?

    Aber vielleicht – ganz vielleicht – wird ein Funken dieser Werkstattatmosphäre über den Platz huschen. Ein bisschen Metall, ein bisschen Arbeitsschweiß, ein bisschen Fantasie und der alte Wunsch, dem Winter Licht zu schenken.

    Und während die Halle in Apt weiter dröhnt, wie ein Herz, das im Takt des Schweißgeräts schlägt, merkt man beim Hinausgehen, dass Weihnachten – dieses seltsame, warme, leuchtende Gefühl – im Grunde nichts anderes ist als ein Kunstwerk, das jedes Jahr ein neues Kleid trägt.

    Ein Kleid, das hier beginnt.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Hochwasser-Alarm in Südfrankreich – Wie die Aygues zur Bedrohung wird

    Hochwasser-Alarm in Südfrankreich – Wie die Aygues zur Bedrohung wird

    Es passiert über Nacht.
    Erst trommeln Regentropfen monoton aufs Dach, dann rauscht es plötzlich in der Ferne. Am nächsten Morgen ist der Fluss nicht mehr derselbe – er ist ein reißender Strom geworden.

    So geschehen am 30. Oktober 2025 in Südfrankreich: Die Départements Drôme und Vaucluse stehen unter Hochwasserwarnung.

    Die Aygues – ein Fluss, den viele im Sommer kaum bemerken – zeigt jetzt ihre andere Seite.

    Alarmstufe Orange: Was steckt dahinter?

    Orange bedeutet: Achtung, es wird ernst.
    Nicht panisch werden, aber wachsam bleiben – denn es besteht ein reales Risiko für Überschwemmungen.

    In der betroffenen Region sind in kurzer Zeit große Regenmengen gefallen. Böden, die durch den nassen Oktober ohnehin schon vollgesogen waren, konnten nichts mehr aufnehmen. Die Folge: Das Wasser suchte sich seinen Weg – und landete in der Aygues.

    Die Reaktion des Flusses kam prompt: Das Wasser stieg deutlich an, die Strömung wurde stärker, Uferbereiche begannen überzulaufen.

    Besonders brisant: Die Aygues fließt durch mehrere Gemeinden, Industriegebiete und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Wenn sie über die Ufer tritt, sind Schäden fast unausweichlich.

    Wer ist betroffen?

    Anwohner entlang des Flusses, Landwirte mit Feldern in Tallagen, Pendler auf Straßen, die sich nah an der Aygues entlangschlängeln.

    Auch wer nur mit dem Auto durch die Region fährt oder einen Spaziergang geplant hat, sollte sich gut informieren.

    Denn in solchen Situationen genügt oft schon ein kurzer Schauer zusätzlich – und die Lage kippt.

    Die unterschätzte Gefahr

    Ein kleines Flüsschen? Vielleicht im Sommer.
    Jetzt aber kann die Aygues in wenigen Stunden gefährlich anschwellen.

    In den betroffenen Départements gelten bereits erste Einschränkungen. Behörden raten dazu, nicht in Flussnähe zu verweilen, auf Überflutungen in Senken und auf unterspülte Straßen zu achten.

    Und ja – es gibt sie leider immer wieder: Menschen, die meinen, sie könnten noch „schnell durchfahren“. Spoiler: Können sie nicht.

    Wasser gewinnt. Immer.

    Mediterranes Herbstwetter – jedes Jahr aufs Neue

    Was viele nicht wissen: Der Herbst in Südfrankreich bringt regelmäßig solche Episoden mit sich.

    Warme Mittelmeerluft trifft auf kühlere Luftmassen vom Norden – es entsteht ein explosiver Wettercocktail. Meteorologen sprechen dann von „méditerranen Episoden“.

    Diese Wetterlagen führen oft innerhalb kurzer Zeit zu sintflutartigen Regenfällen. Die Böden können das nicht mehr schlucken, die Flüsse reagieren blitzschnell.

    Ein Rhythmus, an den sich die Natur in der Region längst gewöhnt hat. Der Mensch aber – der vergisst leicht.

    Was jetzt zählt

    Wachsamkeit.
    Nicht in Panik verfallen, aber vorbereitet sein.

    • Straßen meiden, die überschwemmt sein könnten.
    • Flussufer meiden – auch wenn sie „nur ein bisschen überlaufen“.
    • Auf amtliche Hinweise achten – und nicht auf eigene Faust handeln.

    Denn klar ist: Die Situation kann sich rasch ändern.
    Die nächsten Stunden sind entscheidend.

    Und danach?

    Dann, wenn das Wasser langsam zurückgeht, beginnt die eigentliche Arbeit: Schäden dokumentieren, Infrastruktur prüfen, Felder retten.

    Und vielleicht auch – darüber nachdenken, wie wir in Zukunft mit solchen Wetterextremen umgehen wollen.

    Denn sie kommen wieder. Spätestens nächsten Herbst.

    Von C. Hatty

  • Gas weg, Fragen offen: Die Explosion in der Provence trifft 11 000 Haushalte

    Gas weg, Fragen offen: Die Explosion in der Provence trifft 11 000 Haushalte

    Eine Gasexplosion, Tausende Haushalte ohne Versorgung – und viele offene Fragen. Was genau ist am vergangenen Freitag in der Provence passiert? Was bedeutet das für die Menschen vor Ort, für die Energieversorgung, für die Sicherheit der Netze? Und: Wie verletzlich sind die französischen Infrastrukturen eigentlich wirklich? Die Geschichte beginnt in der Nähe von Saint-Rémy-de-Provence. Eine Explosion reißt eine Gasleitung auf. Die Folge: Rund 11.000 Haushalte stehen plötzlich ohne Gas da – kein Warmwasser, keine Heizung, kein Herd. Zuerst ist nur von den Bouches-du-Rhône die Rede. Doch bald wird klar: Auch Teile des Departements Vaucluse sind betroffen, etwa Caumont-sur-Durance und L’Isle-sur-la-Sorgue. Das Problem ist also größer als gedacht. Und es dauert. Denn: Die Wiederherstellung der Versorgung geht nicht auf Knopfdruck. Für jedes einzelne Haus muss ein Techniker anrücken. Jeder Anschluss wird geprüft, geöffnet, entlüftet, wieder in Betrieb genommen. Ein Kraftakt – vor allem in lä…

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  • Herbststurm über Frankreich: Côtes-d’Armor weiter in Alarmbereitschaft

    Herbststurm über Frankreich: Côtes-d’Armor weiter in Alarmbereitschaft

    Der Herbst hat sich in Frankreich mit voller Wucht angekündigt. Heftige Regenfälle, Sturmböen und überlastete Einsatzkräfte – das Land kämpft seit dem Wochenende mit Wetterkapriolen, die vielerorts für Chaos sorgen. Besonders betroffen: die Bretagne und der Südosten. Météo-France setzte das bretonische Küstendépartement Côtes-d’Armor am Montagmorgen in Alarmbereitschaft. Dort gilt die Warnstufe Orange wegen „Regen und Überschwemmungsgefahr“. Eine großräumige Regenfront, eingelagert in ein Tiefdruckgebiet über dem nahen Atlantik, bringt lange anhaltende Niederschläge in den Norden der Bretagne. Ein Wetter, das nicht nur graue Stimmung verbreitet, sondern auch Risiken birgt – von überschwemmten Straßen bis hin zu überlasteten Flüssen. Südfrankreich besonders hart getroffen Während im Norden die Sorge vor Dauerregen wächst, hat es den Süden am Wochenende bereits heftig erwischt. Eine sogenannte „épisode méditerranéen“, also ein wettertypischer Starkregen aus dem Mittelmeerraum, zog über d…

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  • Unwetter im Anmarsch: Südostfrankreich unter Warnstufe Orange

    Unwetter im Anmarsch: Südostfrankreich unter Warnstufe Orange

    Wenn der Himmel über der Provence plötzlich dunkel wird, weiß man: Es braut sich etwas zusammen. Heute, am 21. September, ist genau so ein Tag. Météo-France schlägt Alarm – und das nicht ohne Grund: Die Départements Bouches-du-Rhône, Vaucluse und Drôme stehen ab Mittag unter Vigilance Orange, einer offiziellen Unwetterwarnung. Das Departement Var zieht um 16 Uhr nach. Was das heißt? Starke Gewitter, sintflutartige Regenfälle und ein Wetter, das binnen Minuten von sommerlich zu gefährlich kippen kann.

    Ein klassisches mediterranes Unwetter also – mit all seinen Tücken.

    Wenn der Himmel reißt

    Die Meteorologen erwarten eine sogenannte pluvio-orageuse Wetterlage, wie sie die Mittelmeerregion kennt und fürchtet: Gewitterzellen, die sich kaum bewegen und lokal große Regenmengen abladen. In der Drôme sind 60 bis 80 Liter, stellenweise bis 100 Liter Regen möglich. Noch heftiger trifft es voraussichtlich die Bouches-du-Rhône und den Vaucluse: 70 bis 90 Liter, lokal bis zu 120 Liter.

    Das Problem: Es ist nicht nur der Regen. Mit den Gewittern kommen Hagel, starke Blitzeinschläge und Sturmböen bis 80 km/h. Kein Wetter, bei dem man noch „mal eben“ rausgeht.

    Warum gerade jetzt?

    Die Wetterlage ist typisch für den Frühherbst am Mittelmeer. Warme, feuchte Luft strömt aus südöstlicher Richtung vom Meer aufs Festland, staut sich an Gebirgen wie dem Luberon oder den Préalpes, steigt auf – und entlädt sich. Das Besondere: Solche Gewitterlinien können stationär bleiben. Das heißt: Sie donnern mehrmals über denselben Ort hinweg.

    Ein Phänomen, das Einheimische gut kennen – und das jedes Mal aufs Neue unterschätzt wird.

    Uhrzeiten, Orte, Gefahren

    Ab 12 Uhr mittags ist der Wetterwechsel im Südosten offiziell: Die Warnstufe Orange gilt dann für drei Départements. Um 16 Uhr kommt der Var hinzu. Die Lage soll bis mindestens Mitternacht angespannt bleiben – mit Möglichkeit zur Verlängerung.

    Besonders kritisch wird es entlang kleiner Wasserläufe: Vallats, Cadereaux und Nebenflüsse wie die Aygues, Ouvèze oder die Durance können sich binnen Minuten in reißende Ströme verwandeln. In der Drôme provençale ist das kein Ausnahmefall, sondern oft erlebte Realität.

    30 Zentimeter Wasser – so viel braucht es laut Behörden, um ein Auto fortzuschwemmen. Klingt wenig, ist aber Tatsache.

    Auch das Leben steht nicht still

    Der Alltag kämpft heute gegen die Unwetterprognose. Fußballfans etwa fragen sich: Was wird aus dem Spiel OM gegen PSG in Marseille im Vélodrome-Stadion um 20:45 Uhr? Noch gestern Abend hieß es von der Präfektur: Das Spiel findet statt – vorerst. Eine Neubewertung soll kurz vor Anpfiff erfolgen. Die Augen richten sich also nicht nur auf den Ball, sondern auch auf die Wetter-App.

    Was man jetzt tun sollte

    Die Regeln für eine Wetterwarnung Orange sind bekannt, aber oft ignoriert. Dabei können sie Leben retten:

    • Zuhause bleiben, wenn möglich – besonders während Gewittern.
    • Niemals durch überschwemmte Straßen fahren oder gehen – egal, wie harmlos sie aussehen.
    • Keller, Tiefgaragen und Unterführungen meiden – hier droht akute Ertrinkungsgefahr.
    • Sich von Flüssen und Bächen fernhalten, auch wenn sie noch ruhig scheinen.
    • Bäume meiden – sie ziehen Blitze an.
    • Terrassen sichern, lose Gegenstände wegräumen, elektrische Geräte bei Gewitter abschalten.
    • Auf dem Laufenden bleiben: Radio hören, offiziellen Kanälen folgen, die Karte von Météo-France und den Vigicrues-Report checken (um 10 Uhr und 16 Uhr).

    Klingt wie eine trockene Checkliste – ist aber pure Überlebenshilfe.

    Warum überhaupt „Orange“?

    Frankreichs Warnsystem basiert auf klaren Schwellenwerten. Seit 2001 gilt: Erst wenn bestimmte Regenmengen, Windgeschwindigkeiten oder andere Faktoren mit der lokalen Gefährdungslage zusammenkommen, wird die Warnstufe erhöht. Ziel ist eine Balance – keine Panikmache, aber auch kein gefährliches Schweigen. Deshalb ist ein Département heute unter Alarm, das Nachbardépartement nicht – obwohl es dort ebenfalls regnet. Es kommt auf die Mischung aus Intensität und Risiko an.

    Was in den nächsten Stunden wichtig bleibt

    • Wird die Warnung verlängert? Das hängt davon ab, wie stark die Gewitter wirklich werden – und wo sie einschlagen.
    • Wie reagieren die Flüsse? Kleine Bäche können sehr schnell überlaufen. Die Lage ist dynamisch, besonders entlang des Rhône-Zuflusses.
    • Was passiert auf den Straßen? Nebenstraßen, Tiefgaragen, Autobahnen – genau hier lauert die größte Gefahr.

    Die Behörden rechnen mit Behinderungen rund um Marseille, Avignon und Valence – in Stadtgebieten wie auf Landstraßen.

    Auf einen Blick:

    Wann? Heute, Sonntag, 21. September, von 12 bis mindestens Mitternacht, im Var ab 16 Uhr
    Wo? Bouches-du-Rhône, Vaucluse, Drôme (Unwetter, Starkregen), Var (Gewitter)
    Was? 60–120 Liter Regen, teils mit Hagel, starker Blitzaktivität, Böen bis 80 km/h
    Wichtigster Hinweis: Nicht in überflutete Bereiche fahren, immer aktuelle Infos abrufen, Sicherheit geht vor

    Wer heute in Südostfrankreich unterwegs ist – ob mit Auto, zu Fuß oder im Stadion – sollte die Augen nicht nur gen Himmel, sondern auch aufs Smartphone richten. Denn was aussieht wie ein harmloser Regenschauer, kann in Sekunden zur lebensgefährlichen Lage werden.

    Autor: C.H.