Schlagwort: Vatikan

  • Präsidenten und Päpste: Frankreichs besondere Beziehung zu Rom

    Präsidenten und Päpste: Frankreichs besondere Beziehung zu Rom

    Frankreich ist laizistisch, stolz auf die Trennung von Kirche und Staat – und doch führt für seine Präsidenten seit Jahrzehnten ein erstaunlich beständiger Weg nach Rom. Vom katholisch geprägten Charles de Gaulle bis zu Emmanuel Macron erzählt die Beziehung zum Papst nicht nur von Religion. Sie erzählt von Diplomatie, Geschichte, Symbolen und einer Republik, die mit ihrem christlichen Erbe bis heute einen ziemlich komplizierten Tanz aufführt. Jeder Präsident tanzt ihn anders. Charles de Gaulle trennte seinen persönlichen katholischen Glauben streng von seinem Amt. Als er 1959 Papst Johannes XXIII. besuchte, begegneten sich weniger zwei Religionsvertreter als zwei Männer mit ausgeprägtem Geschichtsbewusstsein. De Gaulle nahm damals auch seinen traditionellen Titel als Ehrenkanoniker der Lateranbasilika an. 1967 folgte eine Begegnung mit Paul VI. Damit entstand ein Muster, das die Fünfte Republik prägen sollte: Der französische Präsident besucht nicht den geistlichen Oberhirten seiner ka…

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  • Papst Leo XIV. in Frankreich: Paris wird zur Bühne eines historischen Besuchs

    Papst Leo XIV. in Frankreich: Paris wird zur Bühne eines historischen Besuchs

    Paris steht an diesem Freitag im Zeichen eines außergewöhnlichen Besuchs. Papst Leo XIV. beginnt am 25. September seine viertägige Reise durch Frankreich – mit politischen Gesprächen, einer Fahrt im Papamobil, einem symbolträchtigen Besuch in Notre-Dame und einer großen Jugendveranstaltung im Stade …

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  • Leo XIV.: Der Papst entdeckt die Macht der Diplomatie

    Leo XIV.: Der Papst entdeckt die Macht der Diplomatie

    Ist Leo XIV. ein politischerer Papst als sein Vorgänger Franziskus? Nach gut sechzehn Monaten seines Pontifikats lässt sich diese Frage differenzierter beantworten: politischer vielleicht weniger im parteipolitischen Sinne als in der Methode. Seit seiner Wahl am 8. Mai 2025 hat Robert Francis Prevost ein Pontifikat entwickelt, in dem Multilateralismus, Völkerrecht, Migration, Krieg und Frieden sowie die politische Regulierung neuer Technologien zu zentralen Themen geworden sind. Der Unterschied zu Franziskus liegt dabei vor allem in der Form. Weniger spontane Gesten, dafür mehr Doktrin, Diplomatie und Institutionen.

    Als der erste in den Vereinigten Staaten geborene Papst im Mai 2025 auf die Loggia des Petersdoms trat, begann beinahe zwangsläufig die Suche nach politischen Etiketten. Progressiv oder konservativ? Fortsetzer des Kurses von Franziskus oder dessen Korrektiv? Inzwischen erscheint eine andere Kategorie ergiebiger. Leo XIV. beschäftigt sich auffallend intensiv mit dem Politischen im klassischen Sinne: mit der Ordnung des Gemeinwesens, den Beziehungen zwischen Staaten und der Frage, wie Macht durch Recht und Institutionen begrenzt werden kann.

    Das ist nicht dasselbe, wie ein politischer Papst im parteipolitischen Sinne zu sein.

    Gleiche Tradition, andere Methode

    Der Vergleich mit Franziskus liegt nahe. Er kann jedoch in die Irre führen.

    Franziskus hatte die päpstliche Diplomatie stark personalisiert. Seine Wirkung beruhte häufig auf Gesten, improvisierten Äusserungen und überraschenden Interventionen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 fuhr er persönlich zur russischen Botschaft beim Heiligen Stuhl – ein aussergewöhnlicher Schritt, der gerade deshalb Aufmerksamkeit erregte, weil er diplomatische Konventionen durchbrach.

    Leo XIV. wirkt anders. Sein Pontifikat zeigt bislang eine stärkere Neigung zu Verfahren, Institutionen und systematisch entwickelten Positionen. Im Zentrum steht dabei weiterhin der professionelle diplomatische Apparat des Heiligen Stuhls um Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Erzbischof Paul Richard Gallagher, den Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten und internationalen Organisationen.

    Wo Franziskus Diplomatie häufig personalisierte, scheint Leo XIV. sie stärker zu institutionalisieren. Gerade dadurch kann sein Pontifikat paradoxerweise politischer erscheinen.

    Die Rückkehr des Völkerrechts

    Am deutlichsten zeigt sich dies in der Friedenspolitik. Leo XIV. argumentiert nicht allein moralisch gegen Krieg. Er beschäftigt sich mit den Mechanismen, durch die Konflikte verhindert, eingehegt und beendet werden sollen.

    Besonders deutlich wird das in seiner ersten Enzyklika «Magnifica Humanitas», die im Mai 2026 veröffentlicht wurde und eigentlich dem Schutz der menschlichen Person im Zeitalter künstlicher Intelligenz gewidmet ist. Darin geht Leo weit über Technologieethik hinaus. Er beschreibt eine sich ausbreitende «Kultur der Macht», in der Ressourcen, militärische Fähigkeiten und die Möglichkeit zur Dominanz zunehmend politische Entscheidungen bestimmten.

    Dem setzt er eine «Kultur der Verhandlung» entgegen.

    Diplomatie, Dialog und Verhandlungen sollen nach dieser Vorstellung nicht erst beginnen, wenn militärische Optionen ausgeschöpft sind. Sie sollen der Normalfall internationaler Politik sein. Leo verteidigt ausdrücklich Gespräche auch mit schwierigen oder politisch unerwünschten Gesprächspartnern und warnt vor einer Erosion des Multilateralismus.

    Bemerkenswert ist zudem, wie weit er den Sicherheitsbegriff fasst. Cyberangriffe, Datenmanipulation, Desinformation und der Einsatz künstlicher Intelligenz können nach seiner Analyse Staaten destabilisieren, noch bevor ein klassischer bewaffneter Konflikt beginnt. Besonders gefährlich sei dabei die unsichere Zuschreibung digitaler Angriffe, weil sie Fehlreaktionen und Eskalationen begünstige.

    Das ist nicht mehr nur päpstliche Friedensrhetorik. Es ist der Versuch, eine katholische Position zur internationalen Ordnung des 21. Jahrhunderts zu formulieren.

    Die Konfrontation mit Washington

    Politisch besonders heikel wird diese Linie dort, wo sie mit der Regierung von Donald Trump kollidiert.

    Die Wahl eines amerikanischen Papstes hatte eine historisch ungewöhnliche Konstellation geschaffen. In Washington und Rom stehen zwei weltweit wahrgenommene amerikanische Autoritäten, deren Vorstellungen über Macht, Migration und internationale Ordnung teilweise erheblich auseinanderliegen.

    Im Frühjahr 2026 brach der Konflikt offen aus. Trump griff Leo persönlich an und warf ihm vor, sich wie ein Politiker zu verhalten. Hintergrund waren insbesondere die päpstlichen Stellungnahmen zum Krieg mit Iran und seine wiederholten Friedensappelle.

    Leo reagierte ungewöhnlich deutlich, ohne die Auseinandersetzung zu personalisieren. Er sei kein Politiker und beabsichtige nicht, mit Trump eine politische Debatte zu führen, erklärte er während seiner Afrikareise. Zugleich machte er klar, dass er seine Kritik am Krieg fortsetzen werde. Seine Botschaft richte sich nicht gegen einen einzelnen Präsidenten, sondern an politische Entscheidungsträger generell.

    Genau darin liegt die politische Brisanz seines Ansatzes.

    Leo XIV. entwickelt keine Anti-Trump-Doktrin. Er formuliert vielmehr allgemeine Prinzipien, die zwangsläufig mit bestimmten Elementen der Politik Trumps in Konflikt geraten können.

    Migration als Prüfstein

    Ähnliches gilt für die Migration. Leo XIV. stellt sie konsequent in den Zusammenhang der Menschenwürde. Während seiner Spanienreise im Juni erklärte er auf Gran Canaria sinngemäss, die menschliche Würde besitze keinen Pass und verliere ihren Wert nicht beim Überschreiten einer Grenze.

    Dabei argumentiert der Papst differenzierter, als es die politische Polarisierung vermuten lässt. Er verteidigt Schutz und sichere Zugangswege für Flüchtlinge und Migranten, fordert Integration und bekämpft Menschenhandel. Zugleich betont er ein «Recht, nicht migrieren zu müssen»: Menschen sollten ihre Heimat nicht wegen Krieg, Hunger, Verfolgung, Korruption oder ökologischer Zerstörung verlassen müssen.

    In seiner Botschaft zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge 2026 rückte er besonders minderjährige Flüchtlinge ins Zentrum. Nicht die abstrakte Zahl der Migranten, sondern die Würde jedes einzelnen Menschen bilde den Ausgangspunkt.

    Damit bewegt sich Leo zwangsläufig auf politischem Terrain, ohne daraus ein konkretes migrationspolitisches Regierungsprogramm abzuleiten.

    Gegen die Normalisierung des Krieges

    Noch deutlicher wurde dies im Juni vor dem spanischen Parlament.

    Leo warnte dort vor der Vorstellung, Aufrüstung sei die beinahe unvermeidliche Antwort auf die Unsicherheit der internationalen Lage. Waffen könnten vorübergehend Schweigen erzwingen, argumentierte er, aber keinen dauerhaften Frieden schaffen. Sicherheit entstehe vielmehr aus Gerechtigkeit, Dialog, internationalem Recht und belastbaren politischen Vereinbarungen.

    Damit setzt sich der Vatikan bewusst von einer Entwicklung ab, die insbesondere Europa seit dem russischen Angriff auf die Ukraine prägt: der Rückkehr militärischer Abschreckung ins Zentrum staatlicher Sicherheitspolitik.

    Der Gegensatz ist allerdings nicht vollständig. Leo bestreitet Staaten nicht grundsätzlich das Recht auf Verteidigung. Sein Schwerpunkt liegt vielmehr auf der Warnung, militärische Stärke nicht zum eigentlichen Organisationsprinzip der internationalen Ordnung werden zu lassen.

    Gerade darin zeigt sich eine klassische vatikanische Position: Distanz zu den Machtblöcken bei gleichzeitigem Beharren auf Regeln, Verhandlungen und humanitären Grenzen.

    Eine dritte vatikanische Position

    Auch beim Ukrainekrieg ist diese Linie sichtbar. Beim Besuch des lettischen Präsidenten Edgars Rinkēvičs Anfang September bekräftigte der Heilige Stuhl die Notwendigkeit eines stärkeren internationalen Engagements für friedliche Lösungen. Zugleich hat der Vatikan seine humanitären Bemühungen fortgesetzt, insbesondere bei der Rückführung ukrainischer Kinder und Kriegsgefangener.

    Leo XIV. versucht damit, eine traditionelle Stärke des Heiligen Stuhls neu zu aktivieren: seine eigentümliche Stellung als territorial unbedeutender Staat mit einem weltweiten diplomatischen Netzwerk und Beziehungen zu Akteuren, die untereinander oftmals kaum noch sprechen.

    In einer zunehmend von Grossmachtrivalitäten geprägten Welt erhält diese Position neues Gewicht.

    Gegen die Logik des Kräfteverhältnisses setzt Leo den Multilateralismus. Gegen die Normalisierung des Krieges die Verhandlung. Gegen eine ausschliesslich sicherheitspolitische Betrachtung von Migration die Menschenwürde. Gegen eine unregulierte militärische Nutzung künstlicher Intelligenz die persönliche moralische Verantwortung. Und gegen die Vorstellung, internationale Politik erschöpfe sich in Transaktionen, stellt er das Völkerrecht.

    Das mag idealistisch klingen. Die Methode dahinter ist jedoch ausgesprochen institutionell: professionelle Diplomatie, internationale Organisationen, multilaterale Verfahren und langfristige Verhandlungen.

    Seine Reise nach Frankreich vom 25. bis 28. September 2026 dürfte diese Linie besonders sichtbar machen. Das Programm selbst besitzt eine bemerkenswerte politische Dramaturgie. Nach seiner Ankunft in Paris trifft Leo XIV. den französischen Staatspräsidenten und Vertreter von Staat, Zivilgesellschaft und Diplomatie. Anschliessend besucht er den Sitz der Unesco. Am folgenden Tag steht mit der Maison Bakhita eine Einrichtung für soziale Begleitung und Integration auf dem Programm. Nach Lourdes führt ihn die letzte Etappe nach Metz, wo ein interreligiöses Treffen und eine Veranstaltung unter dem programmatischen Titel «An den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit» vorgesehen sind.

    Damit führt die Reise beinahe exemplarisch durch die politischen Themen seines Pontifikats: Staat und Religion, Multilateralismus, Migration, gesellschaftliche Integration, europäische Identität und Frieden.

    Nach sechzehn Monaten lässt sich deshalb weniger von einem parteipolitischen Papst als von einem Papst der politischen Ordnung sprechen. Franziskus versuchte häufig, durch eine unerwartete Geste oder eine zugespitzte Formulierung Gewissen aufzurütteln. Leo XIV. scheint stärker auf jene Strukturen einzuwirken, innerhalb derer politische Entscheidungen überhaupt getroffen werden.

    Darin liegt das eigentliche Paradox seines Pontifikats: Im Auftreten wirkt Leo XIV. weniger politisch als Franziskus. In seiner Methode könnte er sich jedoch als ausgesprochen politischer Papst erweisen.

    Sein Anspruch besteht nicht darin, selbst zu einem weiteren Akteur im internationalen Machtspiel zu werden. Er versucht vielmehr, den Akteuren dieses Machtspiels in Erinnerung zu rufen, dass Politik nach katholischem Verständnis nicht allein durch Interessen, militärische Fähigkeiten und Kräfteverhältnisse bestimmt werden sollte.

    Gerade dieser Anspruch macht sein Pontifikat politisch.

    P.T.

  • Frankreich rüstet sich für Leo XIV.: Ein Papstbesuch zwischen Glauben, Politik und Europas Krisen

    Frankreich rüstet sich für Leo XIV.: Ein Papstbesuch zwischen Glauben, Politik und Europas Krisen

    Nur noch wenige Tage, dann beginnt eine der politisch und kirchlich bedeutendsten Reisen des jungen Pontifikats von Leo XIV. Vom 25. bis 28. September besucht der Papst Frankreich. Paris, Lourdes und Metz markieren die drei Etappen einer Reise, die pastorale Begegnungen, internationale Diplomatie und zentrale gesellschaftspolitische Fragen miteinander verbindet. Für Frankreich ist es zugleich ein seltenes Ereignis: Seit dem Besuch Benedikts XVI. im Jahr 2008 hat kein Papst mehr eine vergleichbare offizielle Reise durch das Land unternommen.

    Die französischen Behörden, die betroffenen Diözesen und der Vatikan befinden sich inzwischen in der letzten Phase der Vorbereitungen. Sicherheitsmassnahmen, Verkehrsregelungen, Pilgerströme und liturgische Veranstaltungen müssen aufeinander abgestimmt werden. Besonders Paris und Lourdes stellen die Organisatoren angesichts der erwarteten Menschenmengen vor erhebliche logistische Herausforderungen.

    Paris zwischen Élysée, UNESCO und Notre-Dame

    Leo XIV. wird am Freitag, dem 25. September, um 10 Uhr auf dem Flughafen Paris-Orly erwartet. Bereits eine Stunde später steht der Besuch bei Staatspräsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast auf dem Programm. Anschliessend begegnet der Papst Vertretern der staatlichen Institutionen, der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps.

    Damit beginnt die Reise bewusst an der Schnittstelle zwischen Religion und Politik. Frankreich versteht sich seit dem Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat von 1905 als laizistische Republik. Gerade deshalb besitzen Begegnungen zwischen einem Papst und der französischen Staatsspitze stets eine besondere symbolische Bedeutung.

    Am Nachmittag besucht Leo XIV. den Hauptsitz der UNESCO. Dieser Termin dürfte zu den politisch interessantesten Stationen der Reise gehören. Fragen von Bildung, Kultur und technologischer Entwicklung haben für den Papst erhebliches Gewicht. In seiner im Mai 2026 veröffentlichten Enzyklika «Magnifica Humanitas» widmete er sich ausführlich den Folgen der künstlichen Intelligenz und forderte, technische Innovation müsse dem Vorrang und der Würde des Menschen untergeordnet bleiben.

    Um 17.15 Uhr folgt die Vesper in Notre-Dame de Paris mit Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen. Die 2019 durch einen Grossbrand schwer beschädigte und Ende 2024 wiedereröffnete Kathedrale bildet dabei eine symbolträchtige Kulisse: Sie steht zugleich für die christliche Geschichte Frankreichs und für die kulturelle Bedeutung des Katholizismus in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft.

    Der erste Besuchstag endet mit einer Gebetsvigil mit Jugendlichen im Stade de France in Saint-Denis.

    Messe auf der Place de la Concorde

    Auch der Samstag beginnt mit gesellschaftspolitischen Akzenten. Leo XIV. besucht zunächst die Maison Bakhita, ein Zentrum für soziale Begleitung und Integration. Danach trifft er am Institut Catholique de Paris Mitglieder einer synodalen Versammlung sowie Katechumenen und Neugetaufte.

    Gerade dieser Termin verweist auf eine bemerkenswerte Entwicklung innerhalb des französischen Katholizismus. Während die langfristige Bindung an die Kirche deutlich zurückgegangen ist, steigt seit einigen Jahren die Zahl der Erwachsenentaufen kräftig.

    Nach Angaben der französischen Bischofskonferenz wurden 2026 zu Ostern 13 234 Erwachsene getauft. Das waren 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich die Zahl damit mehr als verdreifacht: 2016 waren es noch 4124 Erwachsene gewesen. Besonders stark vertreten sind inzwischen die 18- bis 25-Jährigen, die 42 Prozent der erwachsenen Täuflinge ausmachen.

    Dieser Trend bedeutet keine generelle Rückkehr Frankreichs zum praktizierten Katholizismus. Er zeigt jedoch, dass sich parallel zur fortschreitenden Säkularisierung neue Formen religiöser Suche entwickeln.

    Am Samstagnachmittag folgt um 15 Uhr einer der öffentlichkeitswirksamsten Termine der Reise: eine grosse Messe auf der Place de la Concorde. Danach fliegt Leo XIV. nach Lourdes weiter.

    Lourdes erwartet einen aussergewöhnlichen Pilgerstrom

    Der südfranzösische Marienwallfahrtsort dürfte den spirituellen Mittelpunkt der Reise bilden. Unmittelbar nach seiner Ankunft am Samstagabend wird der Papst an der Grotte von Massabielle beten.

    Der Sonntag ist vollständig Lourdes gewidmet. Am Vormittag trifft Leo XIV. zunächst die Bischöfe der französischen Bischofskonferenz. Um 11 Uhr feiert er eine Messe auf der grossen Wiese des Heiligtums. Später folgen Begegnungen mit Mitarbeitern und betreuten Kranken des Accueil Notre-Dame sowie ein privater Besuch bei den Karmelitinnen.

    Den Abschluss bildet am Abend der Rosenkranz mit der traditionellen Lichterprozession.

    Für Lourdes ist der Papstbesuch eine organisatorische Ausnahmesituation. Pilgergruppen aus Frankreich und zahlreichen europäischen Ländern werden erwartet. Freiwillige, kirchliche Mitarbeiter, Sicherheitskräfte und medizinische Dienste müssen dabei insbesondere die Betreuung älterer, kranker und mobilitätseingeschränkter Besucher gewährleisten.

    Metz macht aus dem Papstbesuch ein europäisches Ereignis

    Die letzte Station der Reise besitzt eine besondere geopolitische Symbolik. Am Montagmorgen fliegt Leo XIV. von Lourdes nach Metz. Die Stadt liegt nur wenige Dutzend Kilometer von Luxemburg und dem Saarland entfernt und befindet sich in einer Region, deren Geschichte wie kaum eine andere von den Konflikten zwischen Frankreich und Deutschland geprägt wurde.

    Entsprechend europäisch ist das Programm gestaltet. Im Robert-Schuman-Kongresszentrum nimmt der Papst zunächst an einer interreligiösen Begegnung teil. Anschliessend folgt ein Treffen unter dem programmatischen Titel «An den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit».

    Der Name Robert Schuman ist dabei selbst eine politische Botschaft. Der frühere französische Aussenminister und Mitbegründer der europäischen Integration stammte aus Lothringen. Die Wahl von Metz verbindet damit katholische Sozialtradition, deutsch-französische Versöhnung und die Entstehung des europäischen Einigungsprojekts.

    Auch aus Deutschland reisen zahlreiche Gläubige an. Besonders aus den Bistümern Trier, Speyer und Mainz wurden Busreisen organisiert; einzelne Angebote waren bereits vor dem Besuch ausgebucht. Die Nähe zu Deutschland, Luxemburg und Belgien macht die letzte Etappe der Reise damit zu einem grenzüberschreitenden katholischen Ereignis.

    Um 16 Uhr feiert Leo XIV. die Abschlussmesse in der Kathedrale Saint-Étienne. Am Abend fliegt er nach Rom zurück.

    Frankreichs gesellschaftspolitische Konflikte begleiten die Reise

    Der Papst kommt allerdings in ein Land, dessen gesellschaftspolitische Entwicklung in mehreren Punkten deutlich von der katholischen Morallehre abweicht. Frankreich nahm 2024 die Freiheit zum Schwangerschaftsabbruch ausdrücklich in seine Verfassung auf. Im August 2026 wurde zudem das Gesetz über das «Recht auf Hilfe zum Sterben» verkündet. Unter festgelegten Voraussetzungen ermöglicht es schwer und unheilbar Erkrankten den Zugang zu einer tödlichen Substanz.

    Damit dürfte die Frage nach dem Schutz menschlichen Lebens während des Besuchs zumindest indirekt präsent sein. Leo XIV. hat die Menschenwürde zu einem Leitmotiv seines Pontifikats gemacht. Dazu gehören für ihn neben bioethischen Fragen allerdings ebenso Migration, Armut, Krieg und Frieden sowie die gesellschaftlichen Folgen neuer Technologien.

    Gerade darin liegt eine mögliche Spannung des Besuchs. Der Papst trifft auf eine Republik, deren Laizität zu ihrem politischen Selbstverständnis gehört und deren Gesetzgebung in wichtigen ethischen Fragen Positionen vertritt, die der katholischen Lehre widersprechen. Gleichzeitig bleiben die historischen und kulturellen Verbindungen zwischen Frankreich und dem Katholizismus tief.

    Eine Kirche zwischen Krise und neuer religiöser Suche

    Auch innerhalb der französischen Kirche selbst ist die Lage widersprüchlich. Die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs hat das Vertrauen in die Institution schwer beschädigt. Die unabhängige Untersuchungskommission CIASE schätzte 2021, dass seit 1950 rund 216 000 Minderjährige Opfer sexueller Gewalt durch Priester oder Ordensleute geworden waren. Unter Einbeziehung von Laien, die in kirchlichen Einrichtungen tätig waren, lag die Schätzung bei rund 330 000 Betroffenen.

    Der Papst besucht somit keine Kirche, die lediglich unter rückläufigen Mitgliederzahlen leidet. Er trifft auf eine Institution, die ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten, Glaubwürdigkeit zurückgewinnen und zugleich Antworten auf eine Gesellschaft finden muss, in der traditionelle religiöse Bindungen schwächer geworden sind.

    Umso bemerkenswerter erscheint der gleichzeitige Anstieg der Erwachsenentaufen. Er widerspricht nicht der Säkularisierung Frankreichs, ergänzt sie aber um eine zweite Entwicklung: Religion verliert ihre frühere gesellschaftliche Selbstverständlichkeit, kann für einzelne Menschen gerade dadurch jedoch wieder zu einer bewussten persönlichen Entscheidung werden.

    Drei Tage vor der Ankunft des Papstes sind die wesentlichen organisatorischen Entscheidungen gefallen. Nun beginnt die letzte Phase eines Besuchs, dessen Bedeutung weit über die katholische Kirche hinausreicht. Paris steht für das Verhältnis von Religion, Republik und moderner Gesellschaft; Lourdes für die spirituelle und soziale Dimension des Katholizismus; Metz für Versöhnung und europäische Einheit.

    Wenn Leo XIV. am 28. September Frankreich wieder verlässt, wird sich die Wirkung seiner Reise deshalb nicht allein an den Menschenmengen auf der Place de la Concorde, in Lourdes oder vor der Kathedrale von Metz messen lassen. Entscheidend wird sein, welche Sprache der Papst für ein Land findet, das zu den historischen Kernräumen des europäischen Katholizismus gehört und zugleich zu den konsequentesten säkularen Republiken Europas.

    C. Hatty

  • Zuerst Papst, dann Staatsoberhaupt: Warum Leo XIV. in Frankreich auf die Ehren eines Staatsbesuchs verzichtet

    Zuerst Papst, dann Staatsoberhaupt: Warum Leo XIV. in Frankreich auf die Ehren eines Staatsbesuchs verzichtet

    Wenn Papst Leo XIV. am 25. September in Paris landet, empfängt Frankreich einen Gast mit einer ungewöhnlichen Doppelrolle. Der Pontifex ist geistliches Oberhaupt der katholischen Kirche und zugleich Souverän des Vatikanstaats. Genau diese beiden Funktionen sorgen vor seinem viertägigen Frankreich-Besuch für eine protokollarisch heikle Frage: Kommt Leo XIV. als Staatschef – oder als Papst? Die Antwort des Vatikans fällt deutlich aus. Rom bezeichnet die Reise vom 25. bis 28. September ausdrücklich als „apostolische Reise“. Das Protokoll trägt dieser Gewichtung Rechnung. Zwei Rollen in einer Person Das Problem beginnt mit einer staatsrechtlichen Besonderheit. Der Papst steht nicht nur an der Spitze einer weltumspannenden Religionsgemeinschaft. Er ist zugleich Souverän des Staates der Vatikanstadt. Diplomatisch handelt allerdings in erster Linie der Heilige Stuhl, der als eigenständiges Völkerrechtssubjekt internationale Beziehungen unterhält. 184 Staaten unterhalten derzeit diplomatische …

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  • Paris erwartet 600.000 Gläubige zu Papstmesse

    Paris erwartet 600.000 Gläubige zu Papstmesse

    Paris kennt große Menschenmengen. Jubelnde Fußballfans, Demonstrationen, Konzerte und historische Feiern gehören zum Bild der französischen Hauptstadt. Doch am 26. September 2026 dürfte sich im Herzen der Metropole eine Menschenmenge versammeln, die selbst für Pariser Verhältnisse außergewöhnlich ausfällt: Mindestens 500.000 bis 600.000 Gläubige sollen an der großen Messe mit Papst Leo XIV. teilnehmen.

    Und dabei dürfte noch Luft nach oben sein.

    Die Organisatoren rechnen angesichts der bisherigen Anmeldungen inzwischen mit einem enormen Andrang. Die Place de la Concorde, die Champs Élysées und das Gebiet rund um den Arc de Triomphe verwandeln sich für einige Stunden in eine riesige Kirche unter freiem Himmel.

    Man stelle sich dieses Bild vor: Hunderttausende Menschen stehen auf einer der berühmtesten Straßen Europas, Familien neben Pilgern, Jugendliche neben Ordensleuten, Pariser neben Besuchern aus allen Teilen Frankreichs und vermutlich aus zahlreichen Nachbarländern.

    Wann erlebt Paris schon einmal eine solche Kulisse?

    Die Messe bildet den Höhepunkt der ersten offiziellen Frankreichreise von Papst Leo XIV., die vom 25. bis 28. September geplant ist. Vier Tage lang stehen politische Gespräche, religiöse Feiern und Begegnungen mit unterschiedlichen Teilen der französischen Gesellschaft auf dem Programm.

    Zu Beginn seiner Reise trifft Leo XIV. Präsident Emmanuel Macron im Élysée Palast. Auch eine Rede bei der UNESCO gehört zum Programm. Eine Fahrt mit dem Papamobil durch Paris dürfte anschließend zahlreiche Menschen an die Straßen locken.

    Besonders symbolträchtig verspricht der Besuch von Notre Dame zu sein. Dort feiert der Papst die Vesper. Die nach dem verheerenden Brand von 2019 restaurierte Kathedrale rückt damit erneut ins Zentrum eines internationalen kirchlichen Ereignisses — ein Moment voller Geschichte und Emotionen.

    Auch die junge Generation erhält ihren großen Auftritt.

    Rund 80.000 Jugendliche sollen zu einer gemeinsamen Vigil im Stade de France zusammenkommen. Wo sonst Fußballspiele und Konzerte Zehntausende begeistern, stehen an diesem Abend Gebete, Musik und Begegnungen im Mittelpunkt. Gerade solche Veranstaltungen entwickeln bei Papstreisen oft ihre ganz eigene Dynamik: weniger Protokoll, mehr spontane Begeisterung.

    Dann folgt die große Messe mitten in Paris.

    Wie organisiert man eigentlich eine Veranstaltung, deren Besucherzahl der Bevölkerung einer ganzen Großstadt entspricht?

    Allein die Zahlen zeigen die Dimension. Rund 12.000 freiwillige Helfer sollen die Pilger empfangen, informieren und durch die verschiedenen Bereiche führen. Entlang der Champs Élysées sind 42 Großbildschirme vorgesehen. So lässt sich die Feier auch dort verfolgen, wo der eigentliche Altar längst nur noch als kleiner Punkt in der Ferne erscheint.

    Hinzu kommt ein gewaltiges Sicherheitskonzept. Rund 14.000 Polizisten und Gendarmen sollen im Einsatz sein. Bei der Planung greifen die Verantwortlichen auf Erfahrungen der Olympischen Spiele von Paris zurück. Kontrollierte Zugänge, abgesicherte Bereiche und eine genaue Steuerung der Besucherströme gehören zum Konzept.

    Kurz gesagt: Paris fährt ziemlich groß auf.

    Nach den Bildern der riesigen Menschenmenge erhält die Reise in Lourdes einen stilleren und ernsteren Charakter. Dort soll Leo XIV. unter anderem Opfer sexuellen Missbrauchs treffen. Zudem steht die berühmte Lichterprozession auf dem Programm. Tausende Kerzen, Gebete und Gesänge prägen seit Jahrzehnten die besondere Atmosphäre des Wallfahrtsortes.

    Die letzte Station führt den Papst nach Metz. Dort richtet sich der Blick auf Frieden in Europa und das politische Erbe Robert Schumans, eines der Wegbereiter der europäischen Einigung.

    Sollten sich die bisherigen Erwartungen bestätigen, erlebt Frankreich Ende September eines seiner größten katholischen Treffen seit Jahrzehnten. Doch vermutlich erzählen die bloßen Zahlen nur einen Teil der Geschichte.

    Denn zwischen 600.000 Menschen entstehen auch 600.000 persönliche Geschichten: Menschen reisen aus Glauben an, aus Neugier, aus Hoffnung oder schlicht deshalb, weil sie einen historischen Moment miterleben möchten.

    Und Paris?

    Für einen Tag verwandelt sich seine berühmteste Prachtachse in einen riesigen Pilgerweg.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Papst Leo XIV. kommt nach Metz: Moselle bereitet sich auf ein historisches Ereignis vor

    Papst Leo XIV. kommt nach Metz: Moselle bereitet sich auf ein historisches Ereignis vor

    Die Nachricht sorgt weit über die Grenzen Lothringens hinaus für Aufmerksamkeit: Papst Leo XIV. wird im September 2026 während seiner Frankreichreise auch Metz besuchen. Damit rückt die Hauptstadt der Moselle für einige Tage ins Zentrum der internationalen katholischen Öffentlichkeit. Noch fehlt die endgültige Bestätigung des vollständigen Reiseprogramms durch den Vatikan, doch zahlreiche Hinweise sprechen inzwischen dafür, dass Metz zu den wichtigsten Stationen des Pontifex gehören wird.

    Für die Stadt besitzt der angekündigte Besuch eine besondere historische Bedeutung. Mehr als drei Jahrzehnte sind vergangen, seit zuletzt ein Papst nach Metz kam. Im Jahr 1988 hatte Johannes Paul II. die Stadt besucht und Zehntausende Gläubige versammelt. Viele Bewohner erinnern sich noch heute an die außergewöhnliche Atmosphäre jener Tage. Nun erhält die Region die seltene Gelegenheit, erneut Gastgeber eines Kirchenoberhaupts zu sein.

    Die geplante Reise von Leo XIV. nach Frankreich soll vom 25. bis 28. September 2026 stattfinden. Neben Paris und weiteren Orten zählt offenbar auch Metz zu den zentralen Etappen. Die Wahl überrascht Beobachter nicht. Die Stadt liegt an einem symbolträchtigen Ort Europas, nur wenige Kilometer von Deutschland, Luxemburg und Belgien entfernt. Kaum eine andere französische Stadt verkörpert die Idee eines grenzüberschreitenden Europas so deutlich wie Metz.

    Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf Scy Chazelles, eine Gemeinde westlich der Stadt. Dort befindet sich das Grab von Robert Schuman. Der ehemalige französische Außenminister gilt als einer der Väter der europäischen Einigung und spielte nach dem Zweiten Weltkrieg eine entscheidende Rolle beim Aufbau eines friedlichen Europas. Als überzeugter Katholik verband Schuman politischen Weitblick mit christlichen Werten. Ein Besuch des Papstes an seiner Grabstätte hätte daher eine starke symbolische Wirkung.

    Gerade in einer Zeit, in der Europa vor zahlreichen Herausforderungen steht, könnte eine solche Geste eine klare Botschaft senden. Kriege an den Außengrenzen, politische Spannungen und gesellschaftliche Unsicherheiten prägen vielerorts die Debatten. Metz bietet dem Papst die Möglichkeit, mitten im Herzen Europas für Frieden, Dialog und Zusammenhalt zu werben. Was könnte dafür geeigneter sein als der Besuch eines Mannes, dessen Lebenswerk der Versöhnung der europäischen Völker gewidmet war?

    Auch kirchlich dürfte der Aufenthalt einen besonderen Akzent setzen. Hinter den Kulissen laufen bereits umfangreiche Vorbereitungen. Verantwortliche der Diözese Metz arbeiten gemeinsam mit staatlichen Stellen an organisatorischen Konzepten. Dabei geht es um Sicherheitsmaßnahmen, Verkehrslenkung und die Unterbringung der erwarteten Besucher.

    Vieles deutet darauf hin, dass eine große Freiluftmesse Teil des Programms sein könnte. Offizielle Angaben fehlen zwar noch, doch die Dimension der Planungen lässt auf ein Ereignis schließen, das Tausende Pilger aus mehreren Ländern anziehen dürfte. Gläubige aus Frankreich, Deutschland, Luxemburg und Belgien könnten gemeinsam an den Feierlichkeiten teilnehmen. Das würde dem Besuch zusätzlich eine europäische Dimension verleihen.

    Für Hotels, Restaurants und den Einzelhandel der Region eröffnet sich zugleich eine außergewöhnliche Gelegenheit. Großveranstaltungen dieser Art sorgen traditionell für eine hohe Nachfrage und beleben die lokale Wirtschaft. Schon jetzt wächst die Vorfreude bei vielen Einwohnern. In Cafés und auf Marktplätzen gehört das Thema längst zu den meistdiskutierten Gesprächen.

    Doch der Besuch erschöpft sich nicht in organisatorischen Fragen oder wirtschaftlichen Erwartungen. Für viele Katholiken stellt die Begegnung mit dem Papst ein tief bewegendes Erlebnis dar. Manche planen bereits ihre Teilnahme, andere erinnern sich an frühere Papstbesuche in Frankreich. Solche Momente bleiben oft über Generationen hinweg im Gedächtnis – wie ein Fotoalbum voller lebendiger Erinnerungen.

    Bis zur offiziellen Veröffentlichung des Programms bleiben noch einige Details offen. Dennoch zeichnet sich bereits heute ab, dass Ende September 2026 ein außergewöhnlicher Abschnitt in die Geschichte von Metz und der Moselle eingehen dürfte. Die Stadt bereitet sich auf Tage vor, in denen sie nicht nur Mittelpunkt Frankreichs, sondern für einen kurzen Augenblick auch Mittelpunkt der katholischen Welt sein wird.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Papst Leo XIV. besucht Frankreich: Paris, Lourdes und Metz im Fokus

    Papst Leo XIV. besucht Frankreich: Paris, Lourdes und Metz im Fokus

    Die Vorbereitungen für den Frankreich-Besuch von Papst Leo XIV. nehmen immer konkretere Formen an. Vom 25. bis 28. September 2026 wird das Oberhaupt der katholischen Kirche mehrere bedeutende Stationen im Land besuchen und dabei Tausende Gläubige sowie zahlreiche politische und gesellschaftliche Vertreter treffen. Für die katholische Kirche in Frankreich zählt die Reise bereits jetzt zu den wichtigsten religiösen Ereignissen der vergangenen Jahre. Den Auftakt bildet Paris. Dort wird Leo XIV. am 25. und 26. September erwartet. Im Mittelpunkt stehen mehrere feierliche Veranstaltungen, darunter die Vesper in der frisch restaurierten Kathedrale Notre-Dame. Die Rückkehr eines Papstes an diesen symbolträchtigen Ort besitzt eine besondere Strahlkraft. Nach dem verheerenden Brand von 2019 gilt Notre-Dame heute als Zeichen für Erneuerung und Hoffnung. Neben den liturgischen Feierlichkeiten steht auch die Begegnung mit jungen Menschen auf dem Programm. Die Kirche setzt seit Jahren verstärkt auf …

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  • Washington verschärft den Druck auf Teheran

    Washington verschärft den Druck auf Teheran

    Die Vereinigten Staaten haben ihre militärischen Operationen gegen iranische Ziele erneut ausgeweitet und damit die Spannungen im Nahen Osten auf eine neue Stufe gehoben. Nach Angaben eines amerikanischen Regierungsvertreters griff das US-Militär Raketenabschussrampen auf iranischem Territorium sowie Boote an, die offenbar Seeminen im Persischen Golf platzieren sollten. Das zuständige US-Zentralkommando sprach von „defensiven Maßnahmen“ zum Schutz amerikanischer Soldaten vor Bedrohungen durch iranische Streitkräfte.

    Der Zeitpunkt der Angriffe ist bemerkenswert. Nur wenige Stunden zuvor waren iranische Unterhändler in Katar eingetroffen, wo erneut Gespräche über eine mögliche Deeskalation der regionalen Krise stattfinden sollten. Dass Washington parallel militärischen Druck ausübt, deutet darauf hin, dass die Regierung auf eine Doppelstrategie setzt: diplomatische Gesprächsbereitschaft bei gleichzeitiger Demonstration militärischer Entschlossenheit.

    Die Lage im Persischen Golf gilt seit Jahren als besonders heikel. Die USA werfen Iran regelmäßig vor, durch Stellvertretergruppen und asymmetrische Operationen die internationale Schifffahrt zu bedrohen. Vor allem der Einsatz von Seeminen erinnert an frühere Eskalationen in der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Handelsrouten für den weltweiten Öltransport. Bereits kleinere militärische Zwischenfälle können dort erhebliche Auswirkungen auf Energiepreise und globale Lieferketten haben.

    Gleichzeitig verschärft sich auch die Situation an Israels Nordgrenze. Die israelische Regierung kündigte an, ihre Angriffe gegen die libanesische Hisbollah weiter zu intensivieren. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte in einer Videobotschaft, israelische Streitkräfte hätten in den vergangenen Wochen mehr als 600 Kämpfer der Miliz getötet. Zugleich machte er deutlich, dass Israel keinen Kurswechsel plane. „Wir nehmen den Fuß nicht vom Pedal“, sagte Netanyahu. „Im Gegenteil: Ich habe angeordnet, noch stärker zu beschleunigen.“

    Damit wächst die Gefahr einer weiteren regionalen Ausweitung des Konflikts erheblich. Die Hisbollah gilt als engster Verbündeter Irans im Nahen Osten und verfügt über ein umfangreiches Raketenarsenal. Ein größerer Krieg zwischen Israel und der Miliz könnte nicht nur den Libanon destabilisieren, sondern auch weitere Akteure wie Syrien oder proiranische Gruppen im Irak hineinziehen.

    Die jüngsten Entwicklungen zeigen, wie eng die verschiedenen Krisenherde der Region inzwischen miteinander verflochten sind. Während Diplomaten in Katar über Möglichkeiten zur Eindämmung der Gewalt verhandeln, schaffen militärische Operationen vor Ort fortlaufend neue Risiken. Die entscheidende Frage bleibt daher, ob die beteiligten Staaten noch Kontrolle über die Eskalationsdynamik besitzen – oder ob der Nahe Osten erneut auf einen umfassenderen regionalen Konflikt zusteuert.


    Der Papst und die Künstliche Intelligenz: Leo XIV. warnt vor einer technokratischen Gesellschaft

    Mit einer der umfangreichsten Enzykliken der vergangenen Jahrzehnte hat Papst Leo XIV. ein Thema aufgegriffen, das bislang vor allem von Technologieunternehmen, Regierungen und Wissenschaftlern dominiert wurde: die gesellschaftlichen Folgen künstlicher Intelligenz. Das rund 42.300 Wörter umfassende Schreiben richtet sich ausdrücklich an „alle Menschen guten Willens“ und versteht sich weniger als theologischer Text denn als moralisch-politischer Appell an die Weltgemeinschaft.

    Im Zentrum der Enzyklika steht die Sorge, dass künstliche Intelligenz nicht nur Arbeitsplätze verändert, sondern schleichend menschliche Beziehungen, soziale Verantwortung und individuelle Würde verdrängen könnte. Leo XIV. warnt davor, dass technologische Systeme zunehmend Aufgaben übernehmen, die bislang Ausdruck menschlicher Urteilskraft und persönlicher Verantwortung gewesen seien — von Bildung und Medizin bis hin zu Verwaltung und zwischenmenschlicher Kommunikation. Der Mensch dürfe nicht auf „eine optimierbare Funktion innerhalb technischer Systeme“ reduziert werden.

    Bemerkenswert ist dabei weniger die grundsätzliche Skepsis gegenüber Technologie als vielmehr der politische Anspruch des Dokuments. Der Papst fordert Regierungen und Unternehmen auf, klare ethische Grenzen für den Einsatz von A.I. zu definieren. Insbesondere dürften wirtschaftliche Effizienzgewinne nicht zum alleinigen Maßstab gesellschaftlicher Entwicklung werden. Die katholische Soziallehre, die traditionell Arbeit als Teil menschlicher Würde versteht, erhält damit im digitalen Zeitalter eine neue Aktualität.

    Dass Leo XIV. die Enzyklika gemeinsam mit Christopher Olah, Mitgründer des amerikanischen A.I.-Unternehmens Anthropic, präsentierte, unterstreicht zugleich den Versuch des Vatikans, den Dialog mit der Technologiebranche zu suchen statt sie pauschal zu verurteilen. Olah gilt innerhalb der Branche als einer der prominentesten Forscher zur Interpretierbarkeit komplexer KI-Modelle. Seine Teilnahme verlieh dem Auftritt wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und symbolisierte den Anspruch, ethische Debatten nicht außerhalb, sondern innerhalb technologischer Entwicklungen zu führen.

    Fast noch größere Aufmerksamkeit erregte jedoch ein anderer Teil des Schreibens: Leo XIV. entschuldigte sich ausdrücklich für die historische Rolle des Vatikans im Zusammenhang mit der Sklaverei. Der Papst räumte ein, dass frühere Päpste den transatlantischen Sklavenhandel nicht entschieden genug verurteilt und teilweise Herrscher unterstützt hätten, die von diesem System profitierten. Die Erklärung reiht sich in eine breitere Entwicklung innerhalb der katholischen Kirche ein, historische Schuld offensiver anzusprechen.

    Die Verbindung beider Themen — technologische Entmenschlichung und historische Verantwortung — ist kein Zufall. Leo XIV. zeichnet das Bild einer Institution, die aus früherem moralischem Versagen lernen müsse, um den Herausforderungen der Gegenwart glaubwürdig begegnen zu können. Die Enzyklika versteht sich damit nicht nur als Warnung vor den Risiken künstlicher Intelligenz, sondern auch als Versuch, den moralischen Einfluss des Papsttums im 21. Jahrhundert neu zu definieren.


    WEITERE NACHRICHTEN

    Die US-Ölblockade hat Millionen Kubaner ohne Kochgas zurückgelassen und sie gezwungen, auf Holzkohle und Brennholz zurückzugreifen.

    Island, das seine Unabhängigkeit stets entschlossen verteidigt hat, war lange zufrieden damit, nicht Teil der Europäischen Union zu sein. Trumps Drohungen gegenüber Grönland haben nun ein Umdenken ausgelöst.

    Große Teile Großbritanniens wurden von der ersten Hitzewelle des Jahres erfasst. Meteorologen warnten, dass die Temperaturen auf den höchsten jemals in einem Monat Mai gemessenen Wert steigen könnten.

    Christine Macha

  • Papst Leo XIV. kommt nach Frankreich – ein Besuch mit politischer Signalwirkung

    Papst Leo XIV. kommt nach Frankreich – ein Besuch mit politischer Signalwirkung

    Der Vatikan hat den ersten Frankreich-Besuch von Papst Leo XIV. offiziell bestätigt. Vom 25. bis 28. September wird das neue Oberhaupt der katholischen Kirche mehrere Stationen in Frankreich besuchen. Bereits die Ankündigung zeigt: Diese Reise ist weit mehr als ein rein pastoraler Termin. Sie markiert den Beginn eines Pontifikats, das sich offenbar stärker als unter Papst Franziskus den politischen und institutionellen Zentren Europas zuwendet. Die Einladung erfolgte gemeinsam durch Präsident Emmanuel Macron, die französische Kirche sowie die UNESCO. Damit erhält der Besuch von Beginn an eine doppelte Dimension – religiös und geopolitisch. Besonders die bereits bestätigte Station am Sitz der UNESCO in Paris deutet darauf hin, dass Leo XIV. die großen gesellschaftlichen Debatten der Gegenwart offensiv aufgreifen will: Bildung, Kultur, künstliche Intelligenz und die Frage nach den ethischen Grundlagen moderner Gesellschaften. Paris als Bühne eines neuen Pontifikats Das detaillierte Progr…

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