Schlagwort: USA

  • Donald Trump: Angriff auf die akademische Freiheit – und ihre rechtliche Zurückweisung

    Donald Trump: Angriff auf die akademische Freiheit – und ihre rechtliche Zurückweisung

    Ein US-Bundesgericht erklärt Trumps Harvard-Sanktionen für verfassungswidrig – und zieht damit eine Grenze zwischen Regierungsmacht und Wissenschaft

    Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine zunehmend konfliktgeladene Auseinandersetzung um die Rolle von Universitäten in politischen und gesellschaftlichen Debatten. In diesem Spannungsfeld hat ein Bundesgericht in Massachusetts nun ein bemerkenswertes Urteil gefällt: Die Entscheidung der Trump-Regierung, Forschungsgelder in Milliardenhöhe für die Harvard University einzufrieren, wurde als verfassungswidrig eingestuft. Der Fall ist mehr als ein juristisches Einzelereignis – er markiert einen Präzedenzfall im Verhältnis zwischen Staat und Wissenschaft.


    Der Fall: Politische Vergeltung unter dem Deckmantel der Antisemitismusbekämpfung

    Im Zentrum der Auseinandersetzung stand die Entscheidung der Trump-Administration, rund 2,2 Milliarden US-Dollar an bewilligten Forschungsgeldern für Harvard zu blockieren. Offiziell begründete das Bildungsministerium diesen Schritt mit Versäumnissen der Universität bei der Bekämpfung von Antisemitismus auf dem Campus – insbesondere im Kontext pro-palästinensischer Proteste nach dem Gaza-Krieg 2024.

    Doch Richterin Allison D. Burroughs vom Bundesbezirksgericht in Boston wies diese Begründung nun entschieden zurück. Zwar räumte sie ein, dass Harvard in puncto Diskriminierungsprävention noch Verbesserungsbedarf habe. Dennoch sei die Maßnahme der Regierung „eine Form unzulässiger Vergeltung“ gewesen – und damit ein Verstoß gegen den ersten Verfassungszusatz, der die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit schützt.

    Burroughs betonte in ihrer Urteilsbegründung, dass „der behauptete Antisemitismus in diesem Fall nicht die tatsächliche Motivation der Regierung war, sondern ein vorgeschobener Vorwand zur politischen Disziplinierung einer kritischen akademischen Institution“. Die Sanktionen stünden in direktem Zusammenhang mit öffentlichen Äußerungen von Harvard-Präsidentin Claudine Gay, die sich im Jahr 2024 wiederholt gegen politische Einflussnahme durch die Exekutive ausgesprochen hatte.


    Harvard als Symbolinstitution – und Zielscheibe

    Dass ausgerechnet Harvard in das Visier der Regierung geriet, ist kein Zufall. Die traditionsreiche Eliteuniversität in Cambridge, Massachusetts, gilt konservativen Politikern seit Jahren als Sinnbild einer vermeintlich „woken“, linksintellektuellen Elite, die in ihren Augen die Werte der amerikanischen Gesellschaft untergrabe. Bereits während seiner ersten Präsidentschaft hatte Donald Trump wiederholt gegen vermeintliche „indoktrinierende Bildungseinrichtungen“ polemisiert. Harvard war dabei ein wiederkehrendes Feindbild – ähnlich wie die Universitäten Berkeley, Yale oder Columbia.

    Der Fall reiht sich damit ein in eine breitere Strategie republikanischer Bildungspolitik, wie sie insbesondere in Bundesstaaten wie Florida unter Gouverneur Ron DeSantis verfolgt wird: die systematische politische Einflussnahme auf Lehrpläne, Hochschulleitungen und Förderstrukturen – stets unter dem Banner der Bekämpfung ideologischer „Einseitigkeit“ oder „Extremismus“.


    Ein Urteil mit Signalwirkung

    Das Urteil in Boston könnte nun eine Zäsur markieren. Es verpflichtet die Bundesregierung, die blockierten Mittel freizugeben, und untersagt zugleich vergleichbare Maßnahmen gegenüber anderen Hochschulen ohne hinreichende rechtliche Grundlage. Harvard begrüßte die Entscheidung als „Bestätigung der akademischen Freiheit“ und als Schutzmechanismus gegen politische Einschüchterung.

    Rechtswissenschaftler werten die Entscheidung als wichtige Rückbesinnung auf die verfassungsrechtlichen Prinzipien der Gewaltenteilung und institutionellen Autonomie in den USA. „Die Regierung kann Universitäten nicht dafür bestrafen, dass sie sich ihrer politischen Agenda nicht unterordnen“, erklärte Laurence Tribe, Verfassungsrechtler an der Harvard Law School, gegenüber der New York Times.

    Allerdings ist das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen: Das US-Justizministerium kündigte umgehend Berufung an. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass der Fall letztlich vor dem Supreme Court verhandelt wird. Das konservativ dominierte Höchstgericht könnte das Urteil noch kippen – oder aber bestätigen und damit ein starkes Zeichen für die Unabhängigkeit der Wissenschaft setzen.


    Eine Grundsatzfrage für die amerikanische Demokratie

    Der Fall Harvard ist symptomatisch für eine tiefere Entwicklung: die zunehmende Politisierung von Wissenschaft, Bildung und öffentlichem Diskurs. Universitäten werden dabei immer häufiger zu Projektionsflächen ideologischer Kämpfe – nicht nur in den USA. Die Frage, wie viel Autonomie Bildungseinrichtungen gegenüber staatlichen Eingriffen haben, ist grundlegend für jede freiheitlich verfasste Gesellschaft.

    In diesem Kontext ist das Urteil von Richterin Burroughs mehr als ein juristisches Votum. Es ist ein Signal: gegen die Instrumentalisierung von Antisemitismusvorwürfen zu politischen Zwecken, gegen die Aushöhlung der Wissenschaftsfreiheit und für eine verfassungsmäßig geschützte Debattenkultur.

    Unabhängig vom weiteren Verlauf des Verfahrens bleibt festzuhalten: Eine Demokratie lebt vom freien Austausch der Ideen – und der braucht Institutionen, die sich der Macht nicht beugen.

    Autor: P. Tiko

  • Europas Balanceakt: Sicherheitsgarantien für die Ukraine ohne Washingtons Rückendeckung

    Europas Balanceakt: Sicherheitsgarantien für die Ukraine ohne Washingtons Rückendeckung

    Rund 30 Staats- und Regierungschefs kommen am 4. September in Paris zusammen, um mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über konkrete Sicherheitsgarantien zu beraten. Die von Frankreich initiierte Konferenz der sogenannten „Koalition der Willigen“ markiert einen Versuch, Europas sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit in der Ukraine-Frage unter Beweis zu stellen – und zugleich die Basis für eine europäische Sicherheitsarchitektur nach einem möglichen Waffenstillstand mit Russland zu legen. Doch Uneinigkeit innerhalb Europas und die Zurückhaltung der USA werfen lange Schatten auf die Initiative.

    Europas sicherheitspolitischer Aufbruch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verkündete in Paris, dass europäische Militärs die technischen Pläne für Sicherheitsgarantien abgeschlossen hätten. Sie sollen der Ukraine in einer Nachkriegsordnung Schutz vor erneuter Aggression bieten – etwa durch gemeinsame Ausbildungs…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Kommentar: Die Autokraten marschieren – und Trump ist beleidigt

    Kommentar: Die Autokraten marschieren – und Trump ist beleidigt

    Der 3. September 2025 markiert eine Zäsur – nicht nur für China, sondern für die Welt. Was auf dem Tian’anmen-Platz in Peking inszeniert wurde, war keine Gedenkveranstaltung. Es war ein Fanal. Ein Marsch der Autokraten. Xi Jinping, Wladimir Putin und Kim Jong-un in trauter Einigkeit, Schulter an Schulter, mit nuklearen Raketen im Hintergrund und einem Lächeln auf den Lippen. Eine groteske Allianz, geboren aus dem Hass auf die westliche Ordnung – und nicht zufällig geschehen unter den Augen eines abermals amtierenden Donald Trump. Der Westen taumelt. Und seine Gegner wissen es.

    Diese Militärparade war nichts anderes als eine Machtdemonstration der Verachtung. Verachtung für Demokratie, für Menschenrechte, für Pluralismus. Xi ruft zur „richtigen Seite der Geschichte“ – und meint damit: die Seite der Unterdrückung, der Kontrolle, der Zensur. Putin, diskreditiert durch seinen endlosen Krieg in der Ukraine, sucht Rückhalt im Osten. Kim, isoliert wie eh und je, findet in der Umarmung Chinas eine neue Bühne. Es ist eine perfide Choreografie der Despotie – mit Applaus aus Teheran, Minsk und Naypyidaw.

    Und was macht der Westen? Er schweigt. Oder schlimmer: Er relativiert. Donald Trump, der das Weiße Haus zum zweiten Mal bewohnt, reagiert nicht als Verteidiger der Freiheit, sondern als gekränkter Nationalist. Seine Reaktion? Kein strategisches Kalkül. Keine geeinte Allianz der Demokratien. Sondern ein weiterer Social-Media-Ausbruch, gespickt mit Verdächtigungen, Pathos und Geschichtsklitterung. Es ist, als würde er die Parade nicht kritisieren, sondern beneiden. Denn was Xi, Putin und Kim zeigten, ist das, was Trump selbst gerne wäre: unumschränkter Herrscher, bejubelt von der Masse, ungestört von Verfassung, Presse oder Parlament.

    Die Frage, ob hier eine neue Weltordnung entsteht, ist längst beantwortet – ja, sie entsteht. Und sie wird nicht von den Demokratien geschrieben. Sie wird von Staaten gestaltet, die Journalisten verhaften, Wahlen manipulieren und Minderheiten unterdrücken. Sie schreiben ihr eigenes Völkerrecht, ihren eigenen Geschichtsunterricht, ihre eigene Moral. Wer glaubt, dies sei bloße Symbolik, verkennt die Dynamik der Macht. Peking, Moskau und Pjöngjang führen längst einen ideologischen Krieg gegen den Westen – und sie tun es mit Wucht, mit Technik, mit Geld und mit einer Entschlossenheit, die dem demokratischen Lager abhandengekommen ist.

    Dass die USA unter Trump nicht mehr Führungsmacht der freien Welt sind, sondern ein destabilisierender Akteur im globalen Machtpoker, ist das eigentliche Drama. Denn ohne Amerika fehlt dem Westen das Rückgrat. Und ohne Rückgrat bleibt nur Rückzug.

    Der 3. September war nicht der Anfang – aber er war ein sichtbares Zeichen. Die neue Weltordnung ist autoritär. Und sie steht nicht mehr vor der Tür. Sie sitzt bereits im Wohnzimmer.

    Autor: P. Tiko

  • Ein autoritäres Schauspiel – Chinas Militärparade als Signal an die Welt

    Ein autoritäres Schauspiel – Chinas Militärparade als Signal an die Welt

    Am 3. September 2025 zelebrierte China auf dem Tian’anmen-Platz den 80. Jahrestag des Sieges über Japan im Zweiten Weltkrieg mit der größten Militärparade seiner Geschichte. Doch die Feier diente nicht allein dem Gedenken. Vielmehr nutzte die Volksrepublik den Moment, um sich als Führungsmacht einer neuen weltpolitischen Ordnung zu präsentieren – selbstbewusst, militärisch überlegen und eingebettet in ein Netzwerk autokratischer Verbündeter.

    Die Bilder aus Peking waren ebenso eindrücklich wie provokant: Präsident Xi Jinping auf dem zentralen Podium, flankiert von Russlands Wladimir Putin und Nordkoreas Kim Jong-un. In den Reihen der Ehrengäste: Delegationen aus Iran, Belarus, Myanmar und weiteren autoritär regierten Staaten. Kein einziger westlicher Regierungsvertreter war anwesend. Ein symbolischer Schulterschluss, der weltweit für Aufmerksamkeit sorgte – und für Beunruhigung.

    Militärische Machtdemonstration mit technologischer Botschaft

    Über 10.000 Soldaten marschierten in präziser Formation über den Tian’anmen-Platz, begleitet von einem Arsenal modernster Waffentechnik. Neben konventionellen Panzer- und Raketenverbänden präsentierte China erstmals KI-gesteuerte Kampfpanzer, Unterwasserdrohnen und hyperschallschnelle nuklearer Flugkörper mit weltweiter Reichweite. Beobachter werten die Parade als Schaufenster eines neuen, technologisch aufgerüsteten Autoritarismus, der sich nicht mehr mit dem Verteidigungsnarrativ begnügt, sondern globalen Gestaltungsanspruch erhebt.

    Xi Jinping erklärte in seiner Ansprache, die Welt stehe „am Scheideweg zwischen Frieden und Krieg, Dialog und Konfrontation“. China stehe „auf der richtigen Seite der Geschichte“ und sei bereit, „mit gleichgesinnten Nationen eine gerechtere, multipolare Ordnung“ zu formen. Dass diese Ordnung nicht westlich-liberal geprägt sein wird, wurde an diesem Tag in Peking unmissverständlich deutlich.

    Geopolitisches Schauspiel der Autokraten

    Die Anwesenheit Putins und Kims war weit mehr als symbolisch. Beide Regime befinden sich unter massivem westlichen Druck: Russland wegen des fortdauernden Kriegs in der Ukraine, Nordkorea aufgrund seines Nuklearprogramms und der systematischen Menschenrechtsverletzungen. Ihre gemeinsame Präsenz mit Xi suggeriert nicht nur politische Rückendeckung, sondern eine strategische Neuorientierung – weg vom Westen, hin zu einer „Achse der Autokraten“.

    Der Begriff, den bereits westliche Think-Tanks wie das Center for Strategic and International Studies (CSIS) verwenden, steht für eine zunehmend koordinierte Zusammenarbeit autoritärer Regime in Bereichen wie Energie, Technologie, Desinformation und Militär. Chinas wachsende Rolle als Drehscheibe dieser Netzwerke verschiebt die Gewichte in der internationalen Ordnung – und stellt eine ernstzunehmende Herausforderung für bestehende Allianzen wie die NATO, die G7 oder die EU dar.

    Westliche Zurückhaltung und die strategische Lücke

    Auffällig war die demonstrative Abwesenheit westlicher Staaten bei den Feierlichkeiten. Während dies aus diplomatischer Sicht angesichts der innenpolitischen Lage in Russland und Nordkorea verständlich scheint, offenbart es zugleich eine strategische Schwäche: Die westliche Welt überlässt China symbolisch das Monopol auf die historische Erzählung vom Ende des Zweiten Weltkriegs – ein Konflikt, dessen Ausgang auch durch das Opfer unzähliger amerikanischer, britischer und chinesischer Soldaten entschieden wurde.

    US-Präsident Donald Trump, seit Januar 2025 erneut im Amt, reagierte prompt via „Truth Social“. Er warf Xi, Putin und Kim vor, ein „Komplott gegen die Vereinigten Staaten“ zu schmieden, und erinnerte daran, dass „Hunderttausende Amerikaner ihr Leben ließen, um China im Krieg gegen Japan zu unterstützen“. Seine Worte mögen polemisch klingen, doch sie spiegeln eine reale Sorge: Dass China zunehmend die Deutungshoheit über historische wie geopolitische Narrative beansprucht.

    Die neue Weltordnung nach Pekinger Lesart

    Was sich am 3. September auf dem Tian’anmen-Platz entfaltete, war weniger ein Ritual des Erinnerns als ein bewusst inszenierter Akt internationaler Positionierung. Mit militärischer Präzision, politischem Kalkül und strategischer Symbolik stellte China seine Vision einer multipolaren Welt zur Schau – mit sich selbst als Dreh- und Angelpunkt.

    Diese Ordnung basiert nicht auf liberal-demokratischen Prinzipien, sondern auf staatlicher Kontrolle, technologischer Überwachung und nationaler Souveränität. Xi Jinpings autoritäres Modell, oft als „Digital-Leninismus“ bezeichnet, findet in Teilen der Welt durchaus Resonanz – vor allem dort, wo Regierungen Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung über politische Teilhabe stellen.

    In der westlichen Welt wird man sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass geopolitische Auseinandersetzungen künftig nicht nur in Stellvertreterkriegen oder Sanktionen ausgetragen werden, sondern ebenso in der symbolischen Arena – auf Paraden, Gipfeln und internationalen Bühnen, wo es um Deutungshoheit und Systemkonkurrenz geht.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • „U-Bahn-Station aus der Hölle“: Wie Moskau den Westen dämonisiert und sich selbst verklärt – und andere World-News

    „U-Bahn-Station aus der Hölle“: Wie Moskau den Westen dämonisiert und sich selbst verklärt – und andere World-News

    Eine heruntergekommene U-Bahn-Station mit flackernden Neonröhren, Pfützen von Abwasser und einem Verkäufer gefälschter Handtaschen: Was wie ein Albtraum aus dem urbanen Amerika wirkt, ist in Wahrheit Teil eines Moskauer Sommerfestivals – finanziert und orchestriert vom russischen Staat. Die Szenerie zeigt einen Spaziergang durch ein künstliches hässliches New York, an dessen Ende sich der Besucher in einer makellosen Moskauer Metrostation wiederfindet – ganz in Marmor, blitzblank und menschenleer.

    Diese surreale Installation ist mehr als Unterhaltung. Sie ist Teil einer umfassenden Propagandaoffensive, die Russland nicht nur als stabilen Gegenpol zum „verfallenden Westen“ inszenieren will, sondern auch als kulturelle Alternative – insbesondere für Länder außerhalb des westlichen Lagers.


    Inszenierte Normalität im Schatten des Krieges

    Während Russland in der Ukraine einen blutigen Stellungskrieg führt, inszeniert man an der Heimatfront ein Bild des Friedens, der Ordnung und des Fortschritts. Festivals, Lichtshows, renovierte Metrostationen – sie alle dienen einem doppelten Zweck: Ablenkung nach innen, Imagepflege nach außen. Der Krieg kommt im Alltag kaum vor. Stattdessen erlebt Moskau einen Kulturboom, der gezielt den Eindruck erweckt, dass das Leben trotz Sanktionen, internationaler Isolation und militärischer Verluste weitergehe – vielleicht sogar besser denn je.

    Gleichzeitig sind solche Veranstaltungen ideologisch aufgeladen. Sie vermitteln das Bild einer dekadenten, unkontrollierten westlichen Welt – schmutzig, gefährlich, absurd – und kontrastieren es mit einer autoritär geordneten russischen Gesellschaft. Die Botschaft: Russland mag anders sein, aber es ist stabil. Und das zählt in einer Welt der Krisen.


    Weltpolitische Schaufensterpolitik

    Die Propaganda im Inneren ist nur eine Seite dieser Strategie. Ebenso wichtig ist die Außenwirkung – vor allem auf jene Länder, die sich weder klar dem Westen noch Russland zuordnen. Besucher aus Asien, Afrika und dem Nahen Osten werden in Moskau gezielt angesprochen. Ihnen präsentiert sich Russland als funktionierender, souveräner Staat – im Gegensatz zu liberalen Demokratien, die sich in politischen Dauerkonflikten, gesellschaftlicher Polarisierung und wirtschaftlicher Unsicherheit verfangen.

    In dieser Perspektive erscheint Russland nicht länger als Außenseiter, sondern als Alternative. Der Anspruch ist nicht, die westliche Ordnung zu kopieren, sondern sie zu überwinden – kulturell, wirtschaftlich, geopolitisch. Die Festivals sind somit keine reinen Freizeitveranstaltungen, sondern Ausdruck eines globalen Narrativkampfes.


    Die Schwäche des Westens als strategischer Hebel

    Der Erfolg dieser Strategie beruht auch auf einer realen Schwäche westlicher Demokratien. Haushaltskrisen, populistische Bewegungen, zersplitterte Parlamente – all das untergräbt die frühere Strahlkraft westlicher Institutionen. Wer von außen auf Washington, Paris oder Berlin blickt, sieht oft keine Vorbilder mehr, sondern fragilen Stillstand.

    Diese Wahrnehmung nutzt der Kreml geschickt aus. Statt mit Panzern und Raketen allein wird der Ukrainekrieg auch mit Bildern, Symbolen und kultureller Selbstvergewisserung geführt. Die Behauptung lautet: Der Westen ist nicht nur militärisch gescheitert, sondern auch zivilisatorisch überholt. Russland hingegen sei widerstandsfähig – eine Bastion der Ordnung in einer aus den Fugen geratenen Welt.


    Vom Bild zur Wirklichkeit

    Doch wie lange lässt sich eine solche Parallelrealität aufrechterhalten? In Russland selbst zeigen sich bisher nur geringe Anzeichen von Protest oder Kriegsmüdigkeit. Die propagierte Normalität verfängt, weil sie auf ein Bedürfnis trifft: jenes nach Stabilität in unsicheren Zeiten. So wird das Festival zur Projektionsfläche – für eine Nation im Krieg, die sich selbst in der Pose des Friedens spiegelt.

    Nach außen erzeugt es einen Kontrast, der zunehmend Wirkung zeigt. In großen Teilen der Welt wird Russland nicht mehr als Aggressor wahrgenommen, sondern als selbstbewusste Macht, die dem Westen die Stirn bietet – auch wenn der Preis dafür ein Krieg ist, dessen Ende nicht abzusehen ist.


    Weitere World-News

    China: Das Land wird heute Japans Niederlage im Zweiten Weltkrieg mit einer Parade aus Raketen, Soldaten und führenden Politikern begehen – darunter Kim Jong-un aus Nordkorea und Wladimir Putin aus Russland.

    USA: Ein Richter hat entschieden, dass der Einsatz von Militärtruppen durch die Trump-Regierung in Los Angeles rechtswidrig war. Das Justizministerium wird voraussichtlich Berufung einlegen.

    Katastrophen: Die Zahl der Todesopfer nach einem Erdbeben in Afghanistan ist auf mindestens 1.400 gestiegen. Im Sudan kamen Hunderte Menschen ums Leben, als ein Erdrutsch ihr Dorf in Darfur verschüttete.

    Belgien: Das Land wird bei der diesjährigen UN-Generalversammlung einen palästinensischen Staat anerkennen – allerdings nur, wenn Hamas bestimmte Bedingungen erfüllt.

    Israel: In der israelischen Führung ist ein Riss entstanden, ausgelöst durch Benjamin Netanyahus Beharren auf einem umfassenden Abkommen zur Beendigung des Kriegs im Gazastreifen.

    Ukraine: Kiew verfolgt einen milliardenschweren, von Europa finanzierten Rüstungsaufbau – um seine Armee langfristig aufrechtzuerhalten.

    Brasilien: Ex-Präsident Jair Bolsonaro blieb dem ersten Tag seines Prozesses wegen mutmaßlicher Umsturzpläne fern. Die New York Times wertete Dokumente aus, die Hinweise darauf enthalten, wie Bolsonaro den Staatsstreich geplant haben soll.

  • Trump will Klimaschutz weltweit sabotieren – und andere World-News

    Trump will Klimaschutz weltweit sabotieren – und andere World-News

    Donald Trump versucht nicht nur, den Ausstieg aus fossilen Energien in den Vereinigten Staaten zu blockieren. Der US-Präsident übt auch zunehmend Druck auf andere Länder aus, ihre Klimaziele aufzugeben – und stattdessen mehr Kohle, Gas und Öl zu verbrennen.

    Wie die New York Times berichtet, bedient sich Trump dabei handelspolitischer Hebel, Zölle und weiterer wirtschaftlicher Instrumente. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte: Die Regierung werde „die wirtschaftliche und nationale Sicherheit de USA nicht für vage Klimaziele aufs Spiel setzen.“

    Die Maßnahmen, mit denen die Trump-Administration versucht, die Klimapolitik anderer Länder zu beeinflussen, umfassen unter anderem:

    • Androhung von Zöllen, Visabeschränkungen und Hafengebühren für Länder, die einem globalen Abkommen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Schifffahrt zustimmen;
    • Einbindung umfassender Verpflichtungen zum Kauf amerikanischer Öl- und Gasprodukte in fast alle Handelsabkommen;
    • Zusammenarbeit mit anderen ölproduzierenden Staaten wie Saudi-Arabien, um Produktionsgrenzen für erdölbasierte Kunststoffe zu verhindern.

    EU-Mitarbeiter und internationale Energieexpert:innen zeigen sich zunehmend beunruhigt über das Ausmaß dieses außenpolitischen Drucks. Wissenschaftlicher Konsens ist: Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, müssen Länder schnellstmöglich den Umstieg von fossilen auf saubere Energiequellen wie Wind-, Solar-, Geo- und Wasserkraft vollziehen.


    Indien unter Druck: Trumps Zölle treffen den Subkontinent hart

    Seit Inkrafttreten von Trumps neuen Importzöllen in Höhe von 50 Prozent suchen indische Unternehmen händeringend nach staatlicher Unterstützung. Die Regierung von Premierminister Narendra Modi reagierte mit einem sechsjährigen Hilfsprogramm im Umfang von umgerechnet 28 Milliarden Dollar, das Exporteure bei der Erschließung neuer Märkte und Kreditaufnahme unterstützen soll.

    Industrieverbände fordern darüber hinaus direkte Zuschüsse zu Lohnzahlungen, günstigeren Strom und bessere Kreditkonditionen. Besonders betroffen sind arbeitsintensive Branchen wie die Textilindustrie, die rund zwei Prozent der indischen Wirtschaft ausmacht.

    Ein unerwünschter Nebeneffekt betrifft auch die saubere Energie: Indien hatte in den letzten Jahren gezielt in den Ausbau seiner Solarindustrie investiert – ein Sektor, der nun erheblich unter den amerikanischen Strafzöllen leidet.


    Europas großes Aufrüsten

    Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zwingt Europas Regierungen zum Umdenken. In fast allen Hauptstädten laufen derzeit Gespräche mit Rüstungsunternehmen, begleitet von milliardenschweren Investitionsprogrammen. Verteidigungsausgaben werden dabei nicht nur als sicherheitspolitisch notwendig, sondern auch als wirtschaftlich wichtiges Konjunkturmittel präsentiert.

    Doch Ökonomen warnen: Der Nutzen für die Realwirtschaft bleibe begrenzt, wenn nicht gezielt in Forschung und technologische Innovation investiert werde. Eine reine Vorratsbeschaffung bringe wenig Wachstum. Zudem könnte eine Finanzierung über Steuererhöhungen – im Gegensatz zu kreditbasierten Ausgaben – die Konjunktur zusätzlich bremsen.

    Deutschland etwa hat seine Schuldenbremse faktisch ausgesetzt, um die Aufrüstung über neue Kredite zu finanzieren. Frankreich, Italien und Großbritannien stehen hingegen vor schwierigeren Entscheidungen – ihre Schuldenstände sind bereits sehr hoch, was den fiskalischen Spielraum stark einschränkt.


    Weitere wichtige Meldungen

    • Indien: Mindestens 34 Tote nach schweren Monsunregenfällen mit Erdrutschen und Sturzfluten im indisch kontrollierten Teil von Jammu und Kaschmir.
    • USA: Ein Bewaffneter schoss durch die Fenster einer katholischen Kirche in Minneapolis während einer Schüler-Messe – zwei Kinder starben, 17 weitere wurden verletzt.
    • Gesundheit: Das Weiße Haus entließ die neue CDC-Direktorin, nachdem sie sich weigerte, auf Druck von Robert F. Kennedy Jr. zurückzutreten.
    • Diplomatie: Dänemark bestellte den US-Botschafter ein – Anlass sind Berichte über verdeckte Einflussoperationen in Grönland durch Trump-nahe Akteure.
    • Gaza: Trump traf sich im Weißen Haus mit seinem Sondergesandten Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner, um über die Zukunft des Gazastreifens zu beraten.
    • Ukraine: Die bisherige Ausreisesperre für Männer zwischen 18 und 60 Jahren wurde gelockert – junge Männer dürfen bis zum Alter von 23 Jahren wieder reisen.
    • VAE: Ein ägyptischer Aktivist wurde in die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeliefert und dort ohne Gerichtsverfahren festgehalten, weil er arabische Regime kritisiert habe.
    • Deutschland: Neue Anreize sollen helfen, die Personalnot der Bundeswehr zu lindern – sollte das nicht reichen, könnte die Wehrpflicht zurückkehren.
    • Technologie: Der US-Chiphersteller Nvidia übertraf mit einem Umsatzplus von 56 Prozent alle Erwartungen – ein Zeichen, dass der KI-Boom ungebrochen ist.
    • Iran: UN-Inspektoren dürfen erstmals seit dem iranischen Kooperationsstopp wieder Nuklearanlagen besuchen – ein möglicher Schritt zur Wiederherstellung der Kontrolle der Anlagen.
    • Großbritannien: Viele neue, besonders wärmegedämmte Wohnhäuser drohen in den immer heißeren Sommern zu überhitzen – aufwändige Nachrüstungen werden nötig.

    Autor: P. Tiko

  • Indien ist „verwirrt“ von Donald Trump – und andere World-News

    Indien ist „verwirrt“ von Donald Trump – und andere World-News

    Was genau erwarten die USA im Jahr 2025 von Indien?

    Noch vor Kurzem schien die Antwort eindeutig: Indien galt als Amerikas Partner in Asien und als wichtigste Gegenkraft zu China.

    Diese strategische Ausrichtung spiegelte sich in der Vergangenheit in zahlreichen politischen Maßnahmen wider. Die Zusammenarbeit in Technologie und Verteidigung hatte ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Die Vereinigten Staaten ermutigten Unternehmen, ihre Produktion von China nach Indien zu verlagern – und Konzerne wie Apple folgten dieser Aufforderung.

    Doch die vergangenen Monate haben dieses Bild grundlegend verändert. Nicht nur sind die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern auf den tiefsten Stand seit Jahrzehnten gesunken – auch der Grund dafür bleibt rätselhaft. Niemand in Indien scheint derzeit zu verstehen, weshalb das Verhältnis dermaßen abgekühlt ist oder welche Erwartungen die USA künftig an diese Partnerschaft stellen. (Indiens Außenminister gebrauchte auf einer Pressekonferenz vergangene Woche das Wort „verwirrt“.)

    Seit heute gelten neue US-Zölle von 50 Prozent, und Indien rätselt über die Ursachen dieser Entwicklung – und darüber, wie sich der entstandene Konflikt entschärfen lässt. Zugleich spricht derzeit kaum jemand über das einstige zentrale Ziel dieser Beziehung: eine Zusammenarbeit im Umgang mit China. Dabei war gerade dieser gemeinsame strategische Fokus das Fundament der US-indischen Partnerschaft – und wird es für die künftige Ordnung Asiens bleiben.

    Ein Fallstudie in Widersprüchen

    Indien ist nicht das einzige Land, bei dem die neue US-Handelspolitik im Widerspruch zu geopolitischen Prioritäten steht. Auch Südkorea, Japan und mehrere südostasiatische Staaten sehen sich mit neuen Zöllen konfrontiert.

    Doch im Fall Indiens sind die Widersprüche besonders ausgeprägt: Die neuen Zölle sind extrem hoch – und gleichzeitig war Indiens strategische Bedeutung für Washington über Jahre hinweg außerordentlich hoch.

    Auch Indien verzeichnet gegenüber den USA einen Handelsüberschuss. Die Regierung in Neu-Delhi war sich bewusst, dass dies – zusammen mit Indiens protektionistischer Politik etwa im Agrarsektor – Spannungen hervorrufen könnte. Doch man glaubte, einen Ausgleich gefunden zu haben, der Trump zufriedenstellen würde: Indien begann, verstärkt amerikanische Energieprodukte und Rüstungsgüter zu importieren – um so das Handelsbilanzdefizit zu kompensieren. Bislang scheint dies in Trumps Kalkulationen jedoch kaum eine Rolle zu spielen.

    Gleichzeitig aber kauft Indien in wachsendem Maße russisches Öl. Zu Beginn des Kriegs in der Ukraine machte russisches Rohöl weniger als ein Prozent von Indiens gesamten Ölimporten aus – heute liegt der Anteil bei rund einem Drittel. Indiens Käufe russischen Öls waren Teil der laufenden Handelsgespräche.

    Wäre es bei einer klaren Linie geblieben – etwa der Androhung sekundärer Sanktionen gegen alle Länder, die russisches Öl kaufen –, ließe sich das Vorgehen Trumps nachvollziehen. Doch die Entscheidung, den Fokus ausschließlich auf Indien zu legen, sorgt für maximale Verwirrung: China, der weltweit größte Abnehmer russischer Energie, kauft weiterhin zu Vorzugspreisen – und wurde bisher von vergleichbaren Maßnahmen verschont.

    Moskau, Peking und darüber hinaus

    Während sich die Beziehungen zu den USA verschlechtern, intensiviert Indien seine diplomatischen Bemühungen – insbesondere gegenüber Moskau und Peking. In den vergangenen Wochen reisten sowohl der nationale Sicherheitsberater als auch der Außenminister nach Russland. Beide wurden von Präsident Wladimir Putin empfangen, und beide kündigten einen baldigen Gegenbesuch Putins in Neu-Delhi an. Premierminister Narendra Modi wiederum bereitet sich auf eine Reise nach China vor – die erste seit sieben Jahren.

    Über zwanzig Jahre US-Indien-Strategie wurden in den vergangenen vier Monaten praktisch auf den Kopf gestellt. Heute sucht das frühere Gegengewicht zu China seinerseits ein Gegengewicht – zu Donald Trump.

    (Dieser Tex basiert auf einem Artikel der New York Times)


    Trump versucht, eine Fed-Gouverneurin zu entlassen

    Ein schwerer juristischer Konflikt deutet sich in Washington an, nachdem Donald Trump angekündigt hatte, Lisa Cook – eine von sieben Gouverneurinnen der US-Notenbank Federal Reserve – wegen angeblicher Hypothekenbetrugsfälle zu entlassen. Cook erklärte gestern, sie werde Klage einreichen, um gegen die Entlassung vorzugehen, da der Präsident „keine Befugnis“ zu ihrer Abberufung habe.

    Die Federal Reserve soll eigentlich unabhängig von politischem Druck agieren. Doch Trump hat in den vergangenen Wochen eine Serie öffentlicher Angriffe auf Mitglieder der Notenbank gestartet – mit dem Ziel, Zinssenkungen zu erzwingen.


    Weitere wichtige Nachrichten

    • Ukraine: Erstmals seit Beginn des Krieges konnten russische Truppen Ortschaften in der Region Dnipropetrowsk einnehmen. Der Energiekrieg zwischen Russland und der Ukraine verschärft sich: Gegenseitige Angriffe auf Stromnetze sowie Öl- und Gasanlagen nehmen massiv zu.
    • Israel: Das Sicherheitskabinett trat zusammen, ließ jedoch offen, wie es mit einem Vorschlag für eine Waffenruhe im Gazastreifen weitergeht. Das Militär erklärte – ohne Belege vorzulegen –, der Angriff auf ein Krankenhaus in Gaza, bei dem auch 5 Journalisten getötet wurden, habe der Zerstörung einer Hamas-Kamera gedient.
    • Australien: Die Regierung beschuldigt den Iran, im vergangenen Jahr antisemitische Angriffe auf australischem Boden organisiert zu haben – und kündigte den Abbruch diplomatischer Beziehungen an.
    • Großbritannien: Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK, legte ein Programm vor, das die Abschiebung von bis zu 600.000 Migranten ohne Papiere vorsieht – im Falle eines Wahlsiegs.
    • Deutschland: Ein Friedensabkommen für die Ukraine ist nicht in Sicht. Dennoch wird bereits darüber diskutiert, ob Deutschland künftig Soldaten zur Absicherung eines möglichen Abkommens entsenden sollte.
    • Klimawandel: Die chinesischen Solar-Exporte nach Afrika steigen sprunghaft an.

  • Paris und Washington im Clinch: Antisemitismusvorwürfe belasten das transatlantische Verhältnis

    Paris und Washington im Clinch: Antisemitismusvorwürfe belasten das transatlantische Verhältnis

    Am 25. August 2025 eskaliert eine diplomatische Auseinandersetzung zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten. Das französische Außenministerium bestellte den US-Botschafter in Paris, Charles Kushner, ein, nachdem dieser Präsident Emmanuel Macron in einem Brief vorgeworfen hatte, nicht entschieden genug gegen Antisemitismus in Frankreich vorzugehen. Paris bezeichnete die Vorwürfe als „inakzeptabel“ und verwies auf die Wiener Konvention von 1961, die Botschaftern eine strikte Zurückhaltung in innerstaatlichen Fragen auferlegt. Ein Brief mit Sprengkraft Kushners Schreiben, veröffentlicht im Wall Street Journal, sprach von einer „dramatischen Zunahme des Antisemitismus“ in Frankreich und unterstellte der Regierung eine unzureichende Reaktion. Kushner schrieb, „Antizionismus ist Antisemitismus, Punkt“ – eine Formulierung, die erkennbar an frühere Äußerungen Macrons anknüpfen sollte. Besonders brisant war der Verweis auf Umfragen, wonach knapp die Hälfte junger Franzosen kaum Kenntniss…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • La Poste stoppt Paketversand in die USA – was hinter der Entscheidung steckt

    La Poste stoppt Paketversand in die USA – was hinter der Entscheidung steckt

    Ein Klick im Onlineshop, ein Geschenk für die Familie in Kalifornien, ein kleiner Händler aus Lyon, der seine Kundschaft in New York beliefern will – all das liegt ab Ende August auf Eis. La Poste hat den Versand von Paketen in die Vereinigten Staaten ab dem 25. August 2025 gestoppt. Nur noch private Geschenke im Wert unter 100 Dollar dürfen verschickt werden. Der Grund: ein Dekret von Donald Trump, das die Spielregeln im transatlantischen Handel radikal verändert.

    Das Ende einer stillen Ausnahme

    Bislang galt die sogenannte „de minimis“-Regelung: Sendungen mit einem Warenwert bis 800 Dollar konnten zollfrei in die USA eingeführt werden. Diese Ausnahme hat Präsident Trump zum 30. Juli gestrichen. Ab sofort werden auch kleinste Lieferungen mit Abgaben belegt – aus der Europäischen Union gilt ein pauschaler Zollsatz von 15 %. Damit ist eine der stillen Säulen des globalen Versandhandels in sich zusammengefallen.

    Für Millionen von Privatleuten und kleine Onlinehändler bedeutet das: Jede Sendung, auch die kleinste, gerät ins Räderwerk der Zollbürokratie.

    La Poste im Zeitdruck

    Die französische Post hatte kaum eine Chance, sich auf die neuen Vorschriften einzustellen. Erst am 15. August veröffentlichte Washington die Details – zehn Tage vor Inkrafttreten. Logistiksysteme, Zollformulare, Schnittstellen zu US-Behörden: All das lässt sich nicht in einer Woche umbauen. Deshalb entschied sich La Poste für die harte Lösung: Stopp des regulären Paketversands. Betroffen sind nach eigenen Angaben rund 1,6 Millionen Sendungen pro Jahr, etwa ein Fünftel davon stammt von Privatpersonen.

    Wer in den letzten Tagen ein Päckchen aufgegeben hat, könnte möglicherweise eine unerwartete Rückmeldung im Briefkasten finden.

    Eigentlich zielte die Maßnahme auf Asien. US-Behörden hatten Billigplattformen wie Shein und Temu im Visier, die massenhaft Kleinstsendungen nach Amerika verschickten. Doch aus einem gezielten Schlag gegen chinesische Konzerne ist ein globales Handelshemmnis geworden. Washington wendet die Regel ohne Ausnahme auf alle Länder an – unabhängig vom Warenwert oder der Versandart.

    Mit einem Federstrich ist der transatlantische Paketverkehr ein politisches Druckmittel geworden.

    Folgen für ganz Europa

    Frankreich steht mit dem Problem nicht allein da. Die belgische BPost, die Deutsche Post und Spaniens Correos haben ähnliche Maßnahmen angekündigt. Wer dennoch verschicken muss, kann auf Expressdienste wie Chronopost, FedEx oder UPS ausweichen. Sie verfügen über die nötige Infrastruktur und direkten Zugang zu US-Zollsystemen – allerdings zu deutlich höheren Preisen.

    Die Zeiten, in denen ein kleines Paket für ein paar Euro quer über den Atlantik ging, sind vorerst vorbei.

    Ein Schritt im Handelskonflikt

    Hinter dieser scheinbar technischen Entscheidung steckt große Politik. Die US-Regierung will ihre Märkte stärker abschotten und ausländische Anbieter unter Druck setzen. Gleichzeitig inszeniert sich Trump als Verteidiger amerikanischer Produzenten.

    Europa wiederum muss entscheiden, wie es auf diese neue Härte reagiert. Sollen eigene Gegenmaßnahmen folgen? Oder bleibt nur die Anpassung?

    Alltag unter neuen Regeln

    Für Verbraucherinnen und Verbraucher sind die Folgen spürbar. Wer Verwandte in den USA hat, dessen Geschenke werden künftig wohl kleiner ausfallen oder er muss tiefer in die Tasche greifen. Kleine Händler stehen vor der Frage: Lohnt sich der amerikanische Markt noch? Die Zollhürden schrecken viele ab, und die Kalkulation der Preise wird komplizierter.

    Es ist ein Lehrstück darüber, wie globale Politik bis ins private Wohnzimmer wirkt – wenn plötzlich ein Paket nicht mehr ankommt.

    Blick nach vorn

    Der Paketstopp ist mehr als ein logistisches Problem. Er zeigt, wie fragil die vermeintlich selbstverständliche Infrastruktur des Welthandels ist. Eine Unterschrift unter ein Dekret in Washington, und hunderttausende Sendungen bleiben in Europa liegen. Für Postdienste und Händler beginnt nun eine Phase der Unsicherheit – und für viele Kundinnen und Kunden ein kleiner Alltagsschock.

    Bleibt die Frage: Wird dies ein dauerhafter Zustand, oder nur ein Wahlkampfmanöver? Die Antwort entscheidet darüber, ob der transatlantische Paketverkehr bald wieder ins Rollen kommt oder dauerhaft ausgebremst wird.

    Autor: C.H.

  • Amerikas neue Zölle auf französischen Wein: ökonomischer Rückschlag mit politischem Beigeschmack

    Amerikas neue Zölle auf französischen Wein: ökonomischer Rückschlag mit politischem Beigeschmack

    Die Ankündigung neuer US-Zölle in Höhe von 15 % auf französischen Wein hat in der Exportbranche einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Doch hinter der ökonomischen Betroffenheit verbirgt sich ein geopolitischer Konflikt mit langem Vorlauf – und eine Schlappe für Europas Fähigkeit auf handelspolitische Einflussnahme. Am 21. August 2025 trat in Washington ein Handelsabkommen in Kraft, das nach monatelangen Verhandlungen zwischen der US-Regierung und der Europäischen Kommission zustande kam. Darin enthalten: ein umfassendes Zollpaket auf europäische Agrarprodukte, darunter auch Wein, Käse und Spirituosen. Für die französische Weinwirtschaft – Exportschlager, Kulturträger und Wirtschaftsmotor zugleich – ist die Nachricht ein harter Schlag. Noch härter wiegt jedoch die Erkenntnis, dass sich die EU in den entscheidenden Stunden der Diplomatie kaum durchsetzen konnte. Französischer Wein als politischer Kollateralschaden Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der wichtigste Exportmarkt für fr…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…