Schlagwort: Überbelegung

  • Kommentar: Auch Häftlinge sind Menschen – oder gilt die Menschenwürde nur bis zum Gefängnistor?

    Kommentar: Auch Häftlinge sind Menschen – oder gilt die Menschenwürde nur bis zum Gefängnistor?

    Man muss es Frankreich lassen: Wenn es um große Worte geht, ist die Republik Weltmeister. Liberté, Égalité, Fraternité prangt stolz auf öffentlichen Gebäuden, wird bei jeder passenden Gelegenheit zitiert und gehört längst zum nationalen Markenkern. Doch kaum fällt hinter einem Menschen die Gefängnistür ins Schloss, scheint das Motto eine bemerkenswerte Ergänzung zu erhalten: Menschenwürde? Nur solange du draußen bist.

    Ein Häftling aus dem Gefängnis Grenoble-Varces stellt eine einfache Frage: „Verdienen wir es, wie Hunde behandelt zu werden?“ Eigentlich müsste jeder Rechtsstaat darauf reflexartig mit einem klaren Nein antworten. Stattdessen diskutiert man lieber darüber, ob Gefangene dieses oder jenes „verdient“ hätten. Als wäre Menschenwürde eine Prämie für gutes Benehmen und kein Grundrecht.

    Natürlich: Straftäter haben Schuld auf sich geladen. Deshalb sitzen sie im Gefängnis. Genau dafür gibt es Gerichte. Die Freiheitsstrafe lautet eben Freiheitsentzug – nicht Hitzefolter, nicht Dauerstress, nicht Verwahrlosung und schon gar nicht Entmenschlichung. Wer glaubt, ein Urteil des Richters beinhalte automatisch das Recht auf unwürdige Haftbedingungen, hat den Sinn eines Rechtsstaates nicht verstanden.

    Doch vielleicht ist genau das der bequemste Weg. Schließlich leben Gefangene hinter hohen Mauern. Man sieht sie nicht. Man hört sie nicht. Man muss sich nicht mit ihnen beschäftigen. Sie sind gesellschaftlich entsorgt – wie alter Sperrmüll. Und weil sie Straftäter sind, lässt sich jede Empörung wunderbar abbügeln.

    „Selbst schuld.“

    Zwei Worte, die jedes Nachdenken ersetzen.

    Die Zellen sind überfüllt? Selbst schuld.

    40 Grad im Betonkasten? Selbst schuld.

    Psychischer Druck? Selbst schuld.

    Zu wenig medizinische Versorgung? Selbst schuld.

    Es ist faszinierend, wie effizient Moral plötzlich wird, wenn sie andere trifft.

    Dabei müsste man sich eine einfache Gegenfrage stellen: Wozu gibt es eigentlich Gefängnisse? Soll dort Rache organisiert werden oder Recht vollzogen werden? Soll der Staat beweisen, dass er besser ist als derjenige, den er verurteilt hat – oder möchte er ihm zeigen, wie tief ein Mensch sinken kann?

    Ironischerweise fordert dieselbe Gesellschaft später lautstark Resozialisierung. Der ehemalige Häftling soll nach seiner Entlassung bitte ein gesetzestreuer Bürger werden. Möglichst freundlich. Möglichst integriert. Möglichst dankbar.

    Eine interessante Strategie.

    Man steckt Menschen jahrelang unter Bedingungen zusammen, die selbst Kontrollbehörden regelmäßig kritisieren. Man lässt sie in überfüllten Zellen, mit mangelnden Beschäftigungsmöglichkeiten, psychischem Dauerstress und einer Atmosphäre permanenter Anspannung leben – und wundert sich anschließend, wenn nicht alle als geläuterte Musterbürger zurückkehren.

    Das erinnert ein wenig daran, jemanden monatelang in einen dunklen Keller einzusperren und sich danach zu beschweren, dass er das Sonnenlicht nicht mehr mag.

    Natürlich trägt auch das Personal eine enorme Last. Justizvollzugsbeamte arbeiten vielerorts am Limit, Sozialarbeiter fehlen, Ärzte ebenso. Wer die Zustände kritisiert, greift nicht automatisch die Menschen an, die täglich versuchen, unter schwierigen Bedingungen ihren Dienst zu leisten. Im Gegenteil: Auch sie sind Opfer eines Systems, das seit Jahren mit Überbelegung, Personalmangel und politischer Untätigkeit lebt.

    Denn seien wir ehrlich: Die Zustände kommen nicht überraschend. Sie sind seit Jahren dokumentiert. Berichte werden geschrieben, Empfehlungen formuliert, Mahnungen ausgesprochen. Anschließend verschwinden sie offenbar in einem Aktenschrank mit der Aufschrift „Irgendwann später“.

    Vielleicht fehlt einfach der politische Glamour. Ein neues Gefängnis gewinnt eben keine Wahlen. Eine bessere psychiatrische Versorgung für Straftäter erzeugt keine Jubelstürme. Menschenrechte für Gefangene verkaufen sich miserabel, weil sie keinen Applaus garantieren.

    Populistische Parolen dagegen schon.

    Dabei zeigt sich gerade im Umgang mit den Schwächsten der wahre Charakter eines Staates. Nicht dort, wo alles funktioniert, sondern dort, wo niemand hinsieht. Ein Rechtsstaat beweist seine Stärke nicht dadurch, dass er anständige Bürger gut behandelt. Das schaffen fast alle. Er beweist sie dort, wo Menschen Fehler begangen haben, verurteilt wurden und trotzdem nicht ihre Würde verlieren dürfen.

    Denn genau das unterscheidet den Rechtsstaat von der bloßen Vergeltung.

    Die Frage des Häftlings aus Grenoble-Varces richtet sich deshalb nicht nur an Gefängnisdirektoren oder Ministerien. Sie richtet sich an uns alle.

    „Verdienen wir es, wie Hunde behandelt zu werden?“

    Wer darauf mit einem Achselzucken antwortet, sollte sich eine unbequeme Gegenfrage gefallen lassen: Wenn wir anfangen, Menschenwürde nach Sympathie zu verteilen – wie lange dauert es eigentlich, bis irgendwann jemand entscheidet, dass auch andere Gruppen sie nicht mehr verdienen?

    Menschenrechte funktionieren nur dann, wenn sie auch für jene gelten, die wir am wenigsten mögen.

    Alles andere ist keine Gerechtigkeit.

    Es ist Bequemlichkeit – geschniegelt als Moral.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Wenn zwei Krisen zusammentreffen, „die wirklich niemand hat kommen sehen“…

    Kommentar: Wenn zwei Krisen zusammentreffen, „die wirklich niemand hat kommen sehen“…

    Es gibt Nachrichten, die überraschen. Und es gibt Nachrichten, bei denen man sich fragt, ob Ironie inzwischen als offizielle Regierungssprache eingeführt wurde.

    Frankreich erlebt eine Hitzewelle. Wieder einmal. Temperaturen weit über 35 Grad, Nächte, die kaum noch Abkühlung bringen. Gleichzeitig platzen die Gefängnisse aus allen Nähten. Beides führt nun zu einer dramatischen Situation hinter Gittern.

    Und natürlich konnte das niemand vorhersehen.

    Dass ein Land mit fast 89.000 Gefangenen für rund 62.000 Haftplätze irgendwann an seine Grenzen stößt? Wer hätte das ahnen können? Dass Gebäude aus einer anderen Zeit, schlecht isoliert und ohne Klimatisierung, sich bei extremer Sommerhitze in Backöfen verwandeln? Welch unerwartete Wendung der Geschichte.

    Seit Jahren wird gewarnt. Von der Gefängnisaufsicht. Von Menschenrechtsorganisationen. Von Gewerkschaften. Von Richtern. Von Ärzten. Eigentlich von allen, die sich beruflich mit dem Strafvollzug beschäftigen. Doch Warnungen haben einen entscheidenden Nachteil: Man muss sie ernst nehmen.

    Es ist offenbar einfacher, Jahr für Jahr neue Berichte entgegenzunehmen, betroffen zu nicken und anschließend genau nichts Grundsätzliches zu ändern.

    Nun verteilen Bedienstete Wasserflaschen. Duschen werden etwas häufiger geöffnet. Besonders gefährdete Gefangene stehen unter Beobachtung. Das ist menschlich und notwendig. Aber es erinnert an den Versuch, mit einem Gartenschlauch einen Waldbrand zu löschen. Man bekämpft die Symptome, während die Ursachen seit Jahren munter weiterwachsen.

    Natürlich muss niemand Mitleid mit Straftätern haben. Freiheitsentzug ist eine Strafe. Hitzeschlag gehört jedoch nicht zum Strafgesetzbuch.

    Ein Rechtsstaat misst sich gerade daran, wie er mit den Menschen umgeht, die ihm vollständig ausgeliefert sind. Wer hinter Gefängnismauern sitzt, kann kein Fenster öffnen, keinen Ventilator kaufen, nicht spontan ins Freibad fahren und auch nicht entscheiden, nachts auf dem Balkon zu schlafen. Der Staat übernimmt die vollständige Verantwortung für diese Menschen. Das ist keine romantische Vorstellung von Menschenrechten, sondern ein Grundprinzip des Rechtsstaates.

    Die eigentliche Tragik liegt jedoch woanders. Wieder einmal zeigt sich, wie Politik funktioniert, wenn langfristige Probleme konsequent ignoriert werden. Erst wird jahrelang nichts getan. Dann tritt genau das ein, wovor alle gewarnt haben. Anschließend spricht man von einer außergewöhnlichen Krise, die niemand habe vorhersehen können.

    Man kennt dieses Muster inzwischen. Es begegnet uns beim Wohnungsmarkt. Bei der Pflege. Beim Gesundheitssystem. Bei der Infrastruktur. Und selbstverständlich beim Klimawandel, dessen Folgen nun selbst hinter Gefängnismauern nicht mehr ignoriert werden können.

    Vielleicht ist genau das die eigentliche französische Spezialität: Nicht der Käse, nicht der Wein und auch nicht das Baguette, sondern die erstaunliche Fähigkeit, vorhersehbare Katastrophen im entscheidenden Moment als überraschende Naturereignisse zu präsentieren.

    Am Ende treffen sich zwei Krisen, die beide seit Jahren akribisch dokumentiert wurden: die chronische Überbelegung der Gefängnisse und die immer extremeren Hitzewellen. Das Ergebnis wird dann als Notfall behandelt.

    Man könnte darüber lachen.

    Wenn es nicht so bitter wäre.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Gefängnisse werden zu Hitzefallen – Frankreichs Justizvollzug gerät durch die Klimakrise zusätzlich unter Druck

    Gefängnisse werden zu Hitzefallen – Frankreichs Justizvollzug gerät durch die Klimakrise zusätzlich unter Druck

    Die anhaltende Hitzewelle in Frankreich verschärft nicht nur die Belastung für die Bevölkerung, sondern legt erneut gravierende Missstände im französischen Strafvollzug offen. Seit Jahren warnen Menschenrechtsorganisationen, Gefängnisgewerkschaften und die oberste Kontrollinstanz für Haftanstalten vor unhaltbaren Zuständen. Extreme Temperaturen verwandeln zahlreiche Gefängnisse in regelrechte Hitzekammern – ein Problem, das durch die historisch hohe Überbelegung der Haftanstalten weiter verschärft wird.

    Rekordüberbelegung verschärft die Situation

    Zum 1. Juni 2026 befanden sich in Frankreich knapp 89.000 Menschen in Haft, obwohl das Gefängnissystem lediglich rund 62.000 reguläre Plätze bietet. Die Auslastung erreicht damit einen historischen Höchststand. In vielen Justizvollzugsanstalten müssen drei Gefangene in Zellen leben, die ursprünglich für eine einzelne Person konzipiert wurden.

    Steigen die Außentemperaturen auf mehr als 35 Grad Celsius, entwickelt sich die Situation in den oftmals Jahrzehnte alten Gebäuden zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko. Schlechte Wärmedämmung, fehlende Klimaanlagen und unzureichende Luftzirkulation sorgen dafür, dass sich die Hitze in den Zellen staut. Selbst nachts sinken die Temperaturen kaum noch, wodurch den Insassen die notwendige Erholung verwehrt bleibt.

    Alltag unter extremen Bedingungen

    Die Folgen der Hitze treffen den Haftalltag in nahezu allen Bereichen. In vielen Zellen liegen die Temperaturen deutlich über den Außenwerten. Gleichzeitig fehlt häufig eine ausreichende Belüftung, während der Zugang zu Duschen begrenzt bleibt. Selbst während extremer Hitzeperioden können Gefangene vielerorts nur einmal täglich duschen.

    Auch die Außenbereiche bieten kaum Entlastung. Spazierhöfe verfügen oft nur über wenig Schatten, sodass selbst die Freistunde zur zusätzlichen Belastung wird. Besonders gefährdet sind ältere Gefangene sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen oder eingeschränkter Mobilität. Für sie steigt das Risiko von Dehydrierung, Kreislaufversagen und Hitzeschlägen erheblich.

    Warnungen vor einer „Gefängniskatastrophe“

    Die französische Generalbeauftragte für die Kontrolle von Freiheitsentziehungen, Dominique Simonnot, weist seit Jahren auf die zunehmende Verschlechterung der Haftbedingungen hin. In ihrem jüngsten Jahresbericht beschreibt sie ein Strafvollzugssystem, das unter chronischer Überbelegung leidet und dadurch Gewalt, Spannungen sowie Verletzungen grundlegender Menschenrechte begünstigt.

    Die hohen Temperaturen wirken dabei wie ein zusätzlicher Stressfaktor in einem ohnehin überlasteten System. Konflikte zwischen Gefangenen nehmen zu, ebenso die Belastung des Justizvollzugspersonals, das unter denselben klimatischen Bedingungen arbeiten muss.

    Notmaßnahmen reichen nur begrenzt aus

    Während Hitzeperioden aktiviert die Gefängnisverwaltung verschiedene Sofortmaßnahmen. Dazu gehören zusätzliche Trinkwasserausgaben, soweit möglich häufigere Duschmöglichkeiten, eine intensivere medizinische Überwachung besonders gefährdeter Gefangener sowie Anpassungen bei Arbeits- und Freizeitprogrammen.

    Menschenrechtsorganisationen halten diese Maßnahmen jedoch lediglich für eine kurzfristige Schadensbegrenzung. Solange die strukturelle Überbelegung bestehen bleibe, könnten die grundlegenden Probleme nicht gelöst werden. Die räumlichen Kapazitäten vieler Haftanstalten seien schlicht nicht auf derart hohe Belegungszahlen ausgelegt.

    Klimawandel erhöht gesundheitliche Risiken

    Hinzu kommt eine besondere gesundheitliche Ausgangslage vieler Gefangener. Der Anteil chronisch Kranker, psychisch belasteter Menschen sowie Personen mit Suchterkrankungen liegt im Strafvollzug deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung. Zahlreiche Medikamente beeinflussen zudem die körpereigene Temperaturregulierung oder erhöhen den Flüssigkeitsbedarf.

    Treffen diese individuellen Risikofaktoren auf extreme Hitze und unzureichende bauliche Bedingungen, steigt die Gefahr schwerwiegender gesundheitlicher Zwischenfälle erheblich. Experten sehen deshalb den Justizvollzug zunehmend auch als Herausforderung für das öffentliche Gesundheitswesen.

    Anpassung an ein neues Klima wird zur Daueraufgabe

    Mit der Zunahme extremer Hitzeperioden infolge des Klimawandels dürfte sich das Problem weiter verschärfen. Viele französische Gefängnisse stammen aus einer Zeit, in der lang anhaltende Temperaturen über 35 Grad Celsius deutlich seltener auftraten. Die Gebäude wurden weder energetisch noch baulich für solche Belastungen konzipiert.

    Zahlreiche Fachleute fordern daher weitreichende Reformen. Neben einer grundlegenden Modernisierung des Gefängnisbestands gilt insbesondere der Abbau der chronischen Überbelegung als zentrale Voraussetzung, um menschenwürdige Haftbedingungen dauerhaft sicherzustellen. Gleichzeitig gewinnt die Anpassung öffentlicher Infrastruktur an die Folgen des Klimawandels zunehmend an Bedeutung – auch hinter Gefängnismauern.

    Christine Macha

    Dans des prisons surpeuplées, vétustes et mal adaptées aux fortes chaleurs, détenus comme surveillants pénitentiaires subissent de plein fouet l’épisode caniculaire qui frappe la France. Malgré les mesures d’urgence déployées par les autorités, cet épisode exceptionnel met en lumière une crise carcérale dénoncée depuis des années., Dans des prisons surpeuplées, vétustes et mal adaptées aux fortes chaleurs, détenus comme surveillants pénitentiaires subissent de plein fouet l’épisode caniculaire qui frappe la France. Malgré les mesures d’urgence déployées par les autorités, cet épisode exceptionnel met en lumière une crise carcérale dénoncée depuis des années.,

  • Gefängnisse aus dem Bausatz – Frankreichs neues Experiment gegen die Überfüllung

    Gefängnisse aus dem Bausatz – Frankreichs neues Experiment gegen die Überfüllung

    Frankreich geht einen neuen, ungewöhnlichen Weg im Kampf gegen die chronische Überfüllung seiner Gefängnisse: Justizminister Gérald Darmanin kündigte an, binnen kürzester Zeit 3.000 neue Haftplätze in modularen, vorgefertigten Gefängnisanlagen zu schaffen. Ein Projekt, das nicht nur Hoffnung, sondern auch hitzige Debatten entfacht – denn was auf den ersten Blick pragmatisch erscheint, wirft auf den zweiten Fragen nach Recht, Würde und langfristiger Strategie auf. Ein Blick auf das Konzept: Diese neuen Haftstrukturen erinnern an Modelle aus Großbritannien und Deutschland – Betonmodule, industriell vorgefertigt, schnell zusammengesetzt und angeblich über 50 Jahre haltbar. Darmanin verspricht, dass es sich nicht um „Billigbauten“ handelt, sondern um vollwertige Justizeinrichtungen in menschenwürdiger Größe. Aber: Ist ein Gefängnis, das sich wie ein Fertighaus zusammenstecken lässt, tatsächlich der richtige Ort für Resozialisierung? Die Standorte stehen noch nicht vollständig fest, doch da…

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  • Gefängnisse aus dem Baukasten: Frankreichs Notlösung gegen die Überbelegung

    Gefängnisse aus dem Baukasten: Frankreichs Notlösung gegen die Überbelegung

    Wenn der Platz in den Gefängnissen knapp wird, greift der Staat zu unkonventionellen Mitteln. Frankreichs Justizminister Gérald Darmanin kündigte kürzlich den Bau von 3.000 modularen Haftplätzen an – in Form von Fertigbau-Gefängnissen. Innerhalb von nur 18 Monaten sollen die ersten Insassen einziehen können. Klingt nach Pragmatismus – doch ist das wirklich die Lösung für ein strukturelles Problem?

    Ein Land am Limit Die französischen Gefängnisse platzen aus allen Nähten. Der Durchschnitt liegt bei einer Auslastung von über 130 Prozent – manche Anstalten sind sogar zu mehr als 200 Prozent belegt. Die Lage ist derart prekär, dass inzwischen regelmäßig Gefangene auf Matratzen am Boden schlafen müssen. Es ist also keine Überraschung, dass die Regierung auf Tempo setzt. Der Plan: fünfzehn neue Strukturen für den offenen Vollzug und zehn Einrichtungen für kurze Haftstrafen. Der Startschuss fällt in Troyes-Lavau, wo bis Herbst 2026 ein erster Modulbau mit 50 Plätzen entstehen soll.

    Bauen wie…

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  • Überbelegung in französischen Gefängnissen: So darf man nicht mit Menschen umgehen…

    Überbelegung in französischen Gefängnissen: So darf man nicht mit Menschen umgehen…

    „Das Gesetz will, dass man bestraft, aber ein anderer Teil des Gesetzes sagt, dass das Gefängnis zur Wiedereingliederung dienen soll“, erinnert Dominique Simonnot, Kontrolleurin des Strafvollzugs in Frankreich.

    Dominique Simonnot, Generalkontrolleurin der französischen Gefängnisse, sagte am 1. März auf dem Sender France Inter, die Überbelegung der Gefängnisse in Frankreich sei „katastrophal“. Nach den vom Justizministerium veröffentlichten Zahlen erreichte die Zahl der Häftlinge am 1. Februar mit 76.258 inhaftierten Personen einen neuen Rekord, was einem Anstieg von satten 5,5% im Jahresvergleich entspricht. In den Haftanstalten Frankreichs stieg die durchschnittliche Belegungsrate auf 147,7%, wobei viele Menschen gezwungen sind, auf einer Matratze auf dem Boden zu schlafen. „Es liegen mehr als 3.000 Matratzen auf dem Boden“, empörte sich Dominique Simonnot.

    Die Generalkontrolleurin der französischen Gefängnisse gab bekannt, sie habe „einen Brief von einem 82-jährigen Häftling erhalten, der schrieb, dass er auf dem Boden auf einer Matratze schläft, inmitten von Kakerlaken und Bettwanzen“. „Ist das eine Art der Bestrafung?“, fragt sie.

    Dominique Simonnot versichert, sie verstehe sehr wohl, „dass man ins Gefängnis geht, wenn man kriminelle Handlungen begangen hat“. Sie fragt sich jedoch, ob dies die richtigen „Wege sind, Menschen einzusperren“. „Das Gesetz will, dass man bestraft, aber ein anderer Teil des Gesetzes besagt, dass das Gefängnis der Wiedereingliederung dienen soll“, erinnert die Generalkontrolleurin der Gefängnisse. Sie ist der Ansicht, dass „unter diesen Bedingungen, in den französischen Haftanstalten, dies unmöglich ist“. Dominique Simonnot fordert die Regierung daher auf, dringend „zu handeln und die Dinge in die Hand zu nehmen“.

  • Gefängnisse: 75.677 Menschen waren am 1. Dezember in Frankreich inhaftiert – ein neuer Rekord

    Gefängnisse: 75.677 Menschen waren am 1. Dezember in Frankreich inhaftiert – ein neuer Rekord

    Eigentlich verfügten die französischen Gefängnisse am 1. Dezember nur über 61.359 betriebsbereite Plätze. Mit 75.677 belegten Plätzen lag die Gesamtdichte in französischen Gefängnissen bei 123,3%.

    Im Laufe der Monate stieg dieser traurige Rekord immer weiter an. Die Zahl der Häftlinge in Frankreich erreichte am 1. Dezember einen neuen Höchststand: 75.677 Personen saßen in Haft, im Vormonat waren es 75.130. Dies geht aus Zahlen hervor, die das Justizministerium am Freitag, dem 29. Dezember veröffentlichte. Diese Zahl ist laut den Statistiken der Gefängnisverwaltung die höchste, die jemals in dem Land verzeichnet wurde.

    Obwohl die französischen Gefängnisse am 1. Dezember eigentlich nur über 61.359 betriebsbereite Plätze verfügten, lag die allgemeine Gefängnisdichte bei 123,3%. In den Haftanstalten, in denen Häftlinge, die auf ihr Urteil warten und somit eigentlich als unschuldig gelten, sowie zu kurzen Strafen verurteilte Häftlinge einsitzen, liegt die Belegungsrate bei unglaublichen 148,5 %. In 11 Einrichtungen erreicht oder übersteigt sie sogar die 200%.

    Insgesamt sind in den französischen Gefängnissen 17.506 Personen inhaftiert, die im Vergleich zu den verfügbaren Plätzen zu viel sind. Aufgrund dieser Überbelegung sind 2.748 Häftlinge gezwungen, auf einer Matratze auf dem Boden zu schlafen. Vor einem Jahr waren es noch 2.133. Die Regierung plant, bis 2027 15.000 neue Gefängnisplätze zu bauen, nachdem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Frankreich im Juli erneut wegen der unhaltbaren Zustände verurteilt hat.

  • Französische Gefängnisse sind mit 122,2% deutlich überbelegt – mit 74.342 Häftlingen am 1. Oktober

    Französische Gefängnisse sind mit 122,2% deutlich überbelegt – mit 74.342 Häftlingen am 1. Oktober

    Frankreich verfügt derzeit eigentlich nur über 60.850 Plätze in seinen Strafvollzugsanstalten.

    Die Zahl der Häftlinge in Frankreich ist wieder leicht angestiegen. Am 1. Oktober waren 74.342 Personen inhaftiert, gegenüber 73.693 im September, wie aus am Dienstag, dem 31. Oktober veröffentlichten Daten des Justizministeriums hervorgeht. Es ist das dritte Mal seit Jahresbeginn, dass die Zahl der Häftlinge die 74.000er-Marke überschreitet, obwohl die Zahl der Plätze in französischen Gefängnissen am 1. Oktober gerade mal bei 60.850 lag.

    Die Überbelegung der Gefängnisse lag damit bei 122,2 % gegenüber 119,2 % im Vorjahr. In den Haftanstalten, in denen Häftlinge, die auf ihr Urteil warten, also eigentlich noch als unschuldig gelten, und solche, die zu kurzen Strafen verurteilt wurden, inhaftiert sind, liegt die Belegungsrate sogar bei 146,3%. In zehn Anstalten erreicht oder übersteigt sie sogar die 200%. Von den inhaftierten Personen sind 19.909 Angeklagte, die bis zu ihrem Urteil in Haft genommen wurden. Sie machen wie im Vorjahr 26,8% der Gesamtzahl der Inhaftierten aus.

    Insgesamt sind derzeit 16.574 Inhaftierte im Vergleich zu den verfügbaren Plätzen in den französischen Gefängnissen überbelegt. Aufgrund dieser Überbelegung sind 2.480 Häftlinge gezwungen, auf einer Matratze auf dem Boden zu schlafen. Vor einem Jahr waren es 2.053.

    Insgesamt befanden sich am 1. Oktober 89.646 Personen in Haft. Davon waren 15.304 Personen nicht in einem Gefängnis sondern wurden mit einer elektronischen Fußfessel zu Hause oder außerhalb eines Gefängnisses untergebracht. Die Zahl der weiblichen Häftlinge blieb mit 3,7% der Gefängnisinsassen und der Minderjährigen mit 0,8% stabil.

    Angesichts der chronischen Überbelegung der Gefängnisse – wegen der Frankreich im Juli erneut vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt wurde – plant die Regierung bis 2027 15.000 neue Gefängnisplätze zu bauen.

  • Ein m2 pro Person: Zahl der Gefängnisinsassen in Frankreich erreicht historischen Höchststand

    Ein m2 pro Person: Zahl der Gefängnisinsassen in Frankreich erreicht historischen Höchststand

    Am 1. Juli befanden sich nach Angaben des Justizministeriums mehr als 74.000 Menschen in französischen Gefängnissen. Eine Zahl, die in den kommenden Wochen voraussichtlich noch weiter steigen wird, mit dramatischen Folgen für die Haftbedingungen. Mit 74.513 inhaftierten Personen am 1. Juli gegenüber 73.699 am 1. Juni hat Frankreich zum sechsten Mal seit Beginn des Jahres 2023 den Rekord für die Anzahl der Insassen in den Gefängnissen gebrochen. Es ist das erste Mal, dass die Marke von 74.000 Häftlingen überschritten wurde. Offiziell verfügt Frankreich nur über 60.666 Plätze in seinen Strafvollzugsanstalten. Durch das Überschreiten der Zahl von 74.000 Häftlingen steigt die Gesamtdichte der Gefängnisse im Land somit auf 122,8 % gegenüber 118,7 % im gleichen Zeitraum 2022. In einigen Regionen, z. B. in Perpignan in Südfrankreich, übersteigt die Quote sogar 200 % und steigt nun auf 212 %. Die Situation in den französischen Gefängnissen dürfte sich in den kommenden Wochen und Monaten sogar …

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  • Französische Gefängnisse waren am 1. Mai mit 73.162 Häftlingen zu 120,2% überbelegt

    Französische Gefängnisse waren am 1. Mai mit 73.162 Häftlingen zu 120,2% überbelegt

    In den Strafvollzugsdiensten von Paris sind mit 13.454 relativ gesehen die meisten Häftlinge in Gefängnissen.

    73.162 Menschen waren am 1. Mai 2023 in französischen Gefängnissen inhaftiert. Diese Zahl ist im Jahresvergleich um 3% gestiegen, wie aus den Zahlen hervorgeht, die das Justizministerium am Dienstag, dem 30. Mai auf seiner Website veröffentlichte.

    Die Zahl von 73.162 Häftlingen in französischen Gefängnissen ist ein Rekord. Am 1. Mai 2022 lag sie bei 71.038 und am 1. Mai 2021 bei 65.384. Bei eigentlich nur 60.867 verfügbaren Plätzen in französischen Gefängnissen klettert die Überbelegungsrate auf 120,2 %. In manchen Haftanstalten steigt die Überbelegung sogar auf 142,9 %.

    In Paris ist die Zahl der Häftlinge am höchsten.
    67.310 Personen sind im französischen Mutterland und 5.852 in den Überseegebieten inhaftiert. In der interregionalen Direktion der Strafvollzugsdienste (DISP) von Paris ist die Zahl der Häftlinge mit 13.454 am höchsten, in der interregionalen Direktion von Dijon mit 4.749 am niedrigsten.

    Im Gegensatz dazu ist die durchschnittliche Überbelegung in der Region Toulouse mit 135,6 % am höchsten und in der DISP Straßburg mit einer Überbelegung von 100,2 % am niedrigsten.