Schlagwort: Treibhausgase

  • Klimastudie: Ohne den menschengemachten Klimawandel wäre diese Hitzewelle praktisch unmöglich gewesen

    Klimastudie: Ohne den menschengemachten Klimawandel wäre diese Hitzewelle praktisch unmöglich gewesen

    Die anhaltende Hitzewelle in Europa sorgt nicht nur für neue Temperaturrekorde, sondern liefert nach Einschätzung führender Klimaforscher auch ein deutliches Signal für die Folgen des menschengemachten Klimawandels. Eine aktuelle Untersuchung des internationalen Forschungsnetzwerks World Weather Attribution kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Die außergewöhnlich hohen Temperaturen wären unter den klimatischen Bedingungen der 1970er Jahre praktisch nicht möglich gewesen.

    Nach Angaben der Wissenschaftler liegt der entscheidende Unterschied nicht in der Wetterlage selbst. Hochdruckgebiete mit heißer Luft aus Nordafrika gab es bereits vor Jahrzehnten. Doch heute trifft eine vergleichbare Wetterlage auf eine deutlich wärmere Atmosphäre. Dadurch steigen die Temperaturen erheblich stärker an als früher und erreichen Werte, die noch vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar waren.

    Die Analyse vergleicht die aktuelle Hitzewelle mit dem außergewöhnlich heißen Sommer des Jahres 1976. Damals hätte eine ähnliche Wetterkonstellation tagsüber durchschnittlich rund 3,5 Grad niedrigere Temperaturen hervorgebracht. Auch in den Nächten wären die Werte mit etwa 2,4 Grad deutlich geringer ausgefallen. Gerade diese warmen Nächte gelten als besonders problematisch, da Gebäude kaum noch auskühlen und sich der menschliche Körper schlechter von der Hitze erholen kann.

    Die Erde hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten um etwa 1,1 Grad Celsius erwärmt. Was auf den ersten Blick nach einer vergleichsweise kleinen Veränderung klingt, entfaltet bei Extremwetterereignissen eine enorme Wirkung. Hitzewellen treten häufiger auf, dauern länger und erreichen deutlich höhere Spitzenwerte als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die aktuelle Untersuchung bestätigt damit ein Muster, das Klimaforscher seit Jahren beobachten.

    Besonders belastend wirkt sich die Kombination aus hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit aus. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Hitzestress. Der menschliche Körper verliert unter solchen Bedingungen einen Teil seiner Fähigkeit, sich durch Schwitzen ausreichend abzukühlen. Das Risiko für Hitzschläge, Kreislaufprobleme und andere gesundheitliche Komplikationen steigt dadurch erheblich.

    Nach Berechnungen der Wissenschaftler erreichten bereits rund 45 Prozent der untersuchten 854 Städte in 30 europäischen Ländern historische Rekordwerte beim Hitzestress oder stehen unmittelbar davor. Vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, Kleinkinder und Personen, die im Freien arbeiten, gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen.

    Europa zählt inzwischen zu den Regionen der Erde, die sich besonders schnell erwärmen. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich extreme Hitzeereignisse in den vergangenen Jahrzehnten deutlich vervielfacht haben. Mit jedem weiteren Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass bislang außergewöhnliche Hitzewellen künftig häufiger auftreten.

    Die aktuelle Studie unterstreicht deshalb nicht nur die Bedeutung einer konsequenten Verringerung der Treibhausgasemissionen. Ebenso rückt die Anpassung an häufigere und intensivere Hitzeperioden stärker in den Mittelpunkt. Städte investieren zunehmend in Begrünung, Schattenflächen und hitzeresistente Infrastruktur, während Gesundheitsbehörden ihre Warnsysteme ausbauen und Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen verstärken.

    Die außergewöhnliche Hitzewelle dieses Sommers liefert nach Ansicht der Forscher einen weiteren Hinweis darauf, dass sich die klimatischen Bedingungen in Europa bereits spürbar verändert haben. Was früher als seltenes Extrem galt, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einer Realität, auf die sich Gesellschaft, Politik und Wirtschaft dauerhaft einstellen müssen.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Frankreich droht seine Klimaziele zu verfehlen – Der alarmierende Appell des Haut Conseil pour le climat

    Frankreich droht seine Klimaziele zu verfehlen – Der alarmierende Appell des Haut Conseil pour le climat

    Frankreichs unabhängiger Klimarat schlägt Alarm: Die nationale Klimapolitik steuert auf eine Verfehlung ihrer Ziele zu. Der am 3. Juli 2025 veröffentlichte siebte Jahresbericht des Haut Conseil pour le climat (HCC) zeichnet ein ernüchterndes Bild und wirft die Frage auf, ob Frankreich seine Verpflichtungen gegenüber der EU und dem Pariser Abkommen noch einhalten kann.

    Die Kritik ist deutlich: Politische Rückschritte, unzureichende strukturelle Maßnahmen und ein drastisch verlangsamter Rückgang der Emissionen gefährden die Zielvorgaben für 2030 und 2050. Die Analyse des HCC wirkt wie ein Weckruf – an eine Regierung, die sich zunehmend mit sozialen Protesten und haushaltspolitischen Zwängen konfrontiert sieht.

    Ein spürbarer Einbruch beim Emissionsrückgang

    Besonders alarmierend ist das Tempo der Dekarbonisierung. Während die Treibhausgasemissionen Frankreichs zwischen 2022 und 2023 noch um 6,7 % sanken, betrug die Reduktion 2024 lediglich 1,8 %. Diese Verlangsamung fällt in eine Zeit, in der eigentlich jährliche Emissionsminderungen von rund 5 % notwendig wären, um die nationalen Klimaziele zu erreichen.

    Der Rückgang von 1,8 % ist zudem kaum politisch bedingt. Nach Analyse des HCC resultiert er vor allem aus günstigen Witterungsverhältnissen: einem milden Winter mit geringem Heizbedarf und einer regenreichen Saison, die die Stromproduktion aus Wasserkraft erhöhte. Politische Maßnahmen hingegen trugen nur marginal zur CO2-Reduzierung bei.

    Rückschritte bei zentralen Gesetzesvorhaben

    Der Klimarat kritisiert besonders zwei politische Entscheidungen der vergangenen Monate:

    1. Aufweichung des ZAN-Ziels (Zéro Artificialisation Nette): Das Prinzip, den Flächenverbrauch netto auf null zu bringen, wurde jüngst abgeschwächt. Damit wird ein Kernelement der Biodiversitäts- und Klimastrategie aufgeweicht.
    2. Infragestellung der ZFE-Zonen (Zones à Faibles Émissions): Diese Umweltzonen in Ballungsräumen sollten Emissionen durch Verkehrsbeschränkungen mindern. Politischer Widerstand führte jedoch zur Aufweichung ihrer Umsetzung.

    Diese Entscheidungen, so das HCC, untergraben die Glaubwürdigkeit und Kohärenz der nationalen Klimapolitik.

    Schlüsselbereiche mit strukturellem Reformbedarf

    Verkehr: Stagnierende Emissionen trotz Elektrifizierung

    Der Verkehrssektor bleibt der größte Problembereich. Trotz steigender Zulassungszahlen von Elektroautos stagnierten die Emissionen 2024. Der HCC empfiehlt eine konsequentere CO₂-Bepreisung bei Diesel und Benzin, eine stärkere Besteuerung von Schwerlasttransporten sowie Investitionen in den Schienengüterverkehr. Zudem müsse das Ziel, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neufahrzeuge zuzulassen, strikt verfolgt werden.

    Landwirtschaft: Klimaschutz kollidiert mit Krisenpolitik

    Die Agrarpolitik wurde 2024 stark von den Bauernprotesten geprägt. Um die Krise zu entschärfen, lockerte die Regierung Umweltauflagen und verschob Transformationsziele. Der HCC warnt, dass diese Politik den notwendigen Umbau hin zu einer klimafreundlicheren, regenerativen Landwirtschaft blockiert.

    Gebäude: Teilsanierungen reichen nicht aus

    Im Gebäudesektor setzt Frankreich weiterhin auf partielle Sanierungen statt umfassender energetischer Renovationen. Der HCC kritisiert diese Strategie als ineffizient, da sie langfristig weder Energiekosten senkt noch die Dekarbonisierungsziele im Bauwesen sicherstellt.

    Fehlende strategische Orientierung

    Neben sektoralen Defiziten sieht der Klimarat ein strukturelles Problem: Die überfällige Veröffentlichung der neuen Programmation Pluriannuelle de l’Énergie (PPE) und der Stratégie Nationale Bas Carbone (SNBC) verschärft die Unsicherheit. Ohne diese strategischen Rahmenwerke fehlt es Unternehmen, Kommunen und Investoren an Orientierung.

    „Sursaut collectif“ – ein kollektives Aufwachen gefordert

    Jean-François Soussana, Präsident des HCC, rief angesichts dieser Bilanz zu einem „sursaut collectif“ auf – einem kollektiven Aufwachen. Er fordert:

    • Strukturreformen statt Einzelmaßnahmen
    • Stabile Governance-Strukturen, um Klimapolitik auch bei wechselnden politischen Mehrheiten umzusetzen
    • Klare, belastbare Ziele, die sich nicht nach kurzfristigen Krisenstimmungen richten

    Frankreichs Klimapolitik auf der Kippe

    Frankreichs Klimabilanz ist ein Menetekel. Die strukturellen Versäumnisse und politischen Rückschritte drohen die mühsam erarbeiteten Fortschritte der vergangenen Jahre zu entwerten. Bereits 2023 hatte der Conseil d’État, Frankreichs höchstes Verwaltungsgericht, die Regierung gemahnt, ihre Klimapolitik „ohne weitere Verzögerung“ an die selbst gesetzten Ziele anzupassen. Der aktuelle Bericht des HCC unterstreicht, dass diese Mahnung ungehört verhallte.

    Sollte Frankreich seine Klimaziele verfehlen, wäre dies nicht nur ein innenpolitisches Scheitern. Als zweitgrößte Volkswirtschaft der EU und diplomatischer Motor der Klimapolitik droht Paris an Glaubwürdigkeit zu verlieren – insbesondere im Hinblick auf die Verhandlungen zur globalen CO₂-Bepreisung und die EU-interne Lastenteilung. Ein nachhaltiger Kurswechsel wird umso dringlicher.

    Andreas M. Brucker

  • Der Einfluss des Individualverkehrs auf den CO2-Ausstoß und den Klimawandel

    Der Einfluss des Individualverkehrs auf den CO2-Ausstoß und den Klimawandel

    Stell dir vor, du steigst morgens in dein Auto, um zur Arbeit zu fahren. Der Motor brummt, die Heizung läuft – alles scheint so alltäglich. Doch heute trägt jede Fahrt ihren Teil zu einem der drängendsten Probleme unserer Zeit bei: dem Klimawandel. Wie oft haben wir uns eigentlich bewusst gemacht, welche Emissionen aus unserem Auspuff in die Atmosphäre strömen? Diese Frage führt uns direkt zum Kern des Problems. Denn der Individualverkehr, insbesondere mit fossilen Brennstoffen betriebene Autos, zählt zu den größten Verursachern des globalen CO₂-Ausstoßes.

    Zahlen, die wachrütteln

    Beginnen wir mit den nackten Fakten: Der Verkehr insgesamt ist weltweit für etwa 23% der energiebedingten CO₂-Emissionen verantwortlich – und davon wiederum stammen rund 75% allein aus dem Straßenverkehr. Der Individualverkehr, also vor allem Autos, Motorräder und kleinere Transporter, macht dabei einen erheblichen Anteil aus. Laut einer Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) entfallen etwa 45% der gesamten CO₂-Emissionen des Straßenverkehrs auf PKWs. Eine unfassbare Menge, wenn man bedenkt, dass diese Emissionen Tag für Tag in die Luft geblasen werden.

    Interessant ist auch, dass der Straßenverkehr in vielen Industrieländern wie Deutschland oder den USA zu den größten Einzelverursachern von CO₂ gehört – oft noch vor der Industrie oder der Energieerzeugung. Da immer mehr Menschen weltweit Zugang zu Autos erhalten und die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge stetig wächst, nimmt dieser Sektor einen immer größer werdenden Anteil am globalen CO₂-Fußabdruck ein.

    Warum der Individualverkehr so problematisch ist

    Aber warum ist der Individualverkehr überhaupt ein so großer Übeltäter, wenn es um CO₂-Emissionen geht? Es ist ganz einfach: Autos mit Verbrennungsmotoren setzen Kohlendioxid (CO₂) frei, das entsteht, wenn fossile Brennstoffe wie Benzin oder Diesel verbrannt werden. Bei jedem Verbrennungsprozess wird Kohlenstoff (C), der im Kraftstoff enthalten ist, mit Sauerstoff (O₂) aus der Luft zu CO₂ verbunden. Das bedeutet: Je mehr du fährst, desto mehr CO₂ gelangt in die Atmosphäre.

    Aber es geht nicht nur um das Fahren selbst. Die gesamte Produktionskette eines Fahrzeugs – von der Herstellung der Bauteile, über den Energieverbrauch in den Fabriken bis hin zur Entsorgung am Ende der Lebensdauer – verursacht zusätzliche Emissionen. Die Herstellung eines Autos verursacht zwischen 6 und 35 Tonnen CO₂, je nach Fahrzeugtyp und -größe. Ein Elektroauto, das wir oft als „grüne“ Alternative betrachten, bringt hier auch keine Nullbilanz: Bei der Produktion von Batterien entstehen erhebliche Emissionen, die vor allem durch den hohen Energieaufwand bei der Gewinnung von Rohstoffen wie Lithium oder Kobalt zustande kommen.

    Die Rolle der Infrastruktur

    Aber damit nicht genug: Auch die Infrastruktur, die für den Individualverkehr notwendig ist, wie Straßenbau, Parkplätze und Tankstellen, hat ihren Preis für das Klima. Jede Straße, die gebaut wird, trägt indirekt zum CO₂-Ausstoß bei, sei es durch die Rodung von Wäldern, den Einsatz von Maschinen oder den Einsatz von Asphalt, der unter hohem Energieeinsatz produziert wird. Asphaltieren hat übrigens auch einen langfristigen Effekt: Versiegelte Flächen heizen sich schneller auf und tragen zum sogenannten „urbanen Hitzeinsel-Effekt“ bei, der Städte heißer macht und den Energiebedarf für Kühlung in die Höhe treibt.

    Der Verkehr als Treiber des Klimawandels

    Die Treibhausgasemissionen aus dem Individualverkehr tragen direkt zur Erderwärmung bei. Aber warum ist das so? CO₂ ist ein Treibhausgas, das in der Atmosphäre Wärme einfängt, ähnlich wie das Glas in einem Gewächshaus. Je mehr CO₂ wir in die Atmosphäre blasen, desto mehr Wärme wird auf der Erde gespeichert – und das führt zur Erderwärmung. Mit den steigenden globalen Temperaturen haben wir es auch mit extremeren Wetterereignissen zu tun: Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen. Die Auswirkungen sind weltweit spürbar und betreffen uns alle.

    Dabei hat der Individualverkehr nicht nur direkte Auswirkungen auf das Klima, sondern auch indirekte Folgen: Der ständige Bedarf an neuen Autos, neuen Straßen und mehr Treibstoff sorgt für einen zusätzlichen Raubbau an natürlichen Ressourcen. Immer mehr Wälder werden gerodet, um Platz für Straßen zu schaffen – und das in einer Zeit, in der wir jeden Baum brauchen, um CO₂ zu binden.

    Was sind die Alternativen?

    Eine Frage, die wir uns in Anbetracht dieser ernüchternden Fakten stellen müssen, ist: Gibt es Alternativen? Die Antwort lautet: ja, und es gibt viele davon. Elektromobilität, Carsharing, Fahrräder und der öffentliche Nahverkehr sind nur einige der Optionen, die bereits zur Verfügung stehen.

    Elektroautos: Elektroautos bieten einen vielversprechenden Weg, um die CO₂-Emissionen im Verkehr zu senken. Da sie keinen Auspuff haben, stoßen sie während der Fahrt kein CO₂ aus. Aber – und hier kommt das große Aber – sie sind nur dann klimafreundlicher als herkömmliche Autos, wenn der Strom, den sie verbrauchen, aus erneuerbaren Energien stammt. In vielen Ländern wird der Strom allerdings noch immer überwiegend aus Kohle, Gas oder Öl gewonnen. Das bedeutet, dass der tatsächliche CO₂-Fußabdruck eines Elektroautos stark von der Energiepolitik des jeweiligen Landes abhängt.

    Carsharing und Fahrgemeinschaften: Ein weiteres großes Potenzial zur Reduktion von Emissionen liegt darin, dass wir Fahrzeuge besser auslasten. Viele Autos stehen die meiste Zeit des Tages ungenutzt herum – ein extrem ineffizienter Einsatz von Ressourcen. Carsharing-Dienste und Fahrgemeinschaften könnten hier Abhilfe schaffen, indem sie die Anzahl der Fahrzeuge auf der Straße reduzieren und die verbleibenden Fahrzeuge besser nutzen.

    Fahrräder und E-Bikes: In Städten ist das Fahrrad das vielleicht effizienteste Verkehrsmittel überhaupt. Es verursacht keine Emissionen, braucht wenig Platz und trägt zur Gesundheit der Menschen bei. E-Bikes bieten eine zusätzliche Möglichkeit für längere Strecken und hügeliges Gelände – und sie verbrauchen nur einen Bruchteil der Energie, die ein Auto benötigen würde.

    Öffentlicher Nahverkehr: Der Ausbau und die Förderung öffentlicher Verkehrsmittel ist ebenfalls ein wichtiger Baustein, um den Individualverkehr zu reduzieren. Busse, Züge und Straßenbahnen können eine große Anzahl von Menschen auf einmal transportieren – das spart nicht nur CO₂, sondern reduziert auch den Verkehr und damit verbundene Staus, Lärm und Feinstaubbelastungen.

    Ein systemisches Problem – und was wir ändern können

    Der Klimawandel und der CO₂-Ausstoß durch den Individualverkehr sind keine isolierten Phänomene. Sie sind das Resultat eines Systems, das seit Jahrzehnten auf fossile Energieträger baut. Es wird klar: Ohne grundlegende Änderungen in diesem System wird es schwierig, die Klimaziele zu erreichen. Das bedeutet nicht nur, dass wir auf neue Technologien wie Elektroautos setzen müssen, sondern auch, dass wir unser Mobilitätsverhalten grundlegend überdenken müssen. Ist es wirklich notwendig, jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit zu fahren? Können wir mehr zu Fuß gehen, das Fahrrad oder den Bus nutzen? Und was ist mit der Politik? Brauchen wir strengere Gesetze und Anreize, um den Individualverkehr zu reduzieren?

    Die Lösungen sind nicht einfach – aber sie sind machbar. Es geht um einen Wandel in unserem Denken und Handeln. Und die gute Nachricht: Jeder kann dazu beitragen, diesen Wandel zu beschleunigen.

    Fazit: Das Auto als Symbol eines alten Systems

    Der Individualverkehr hat sich über die letzten Jahrzehnte zu einem der größten Klimasünder entwickelt. Aber wie so oft ist das Problem nicht das Auto an sich – sondern die Art und Weise, wie wir es nutzen und welche Energieträger wir dafür einsetzen. Die Umstellung auf emissionsärmere Fahrzeuge ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie allein wird nicht ausreichen. Es braucht eine umfassende Mobilitätswende, die auch auf den Ausbau von Alternativen und eine bewusste Nutzung von Ressourcen setzt.

    Das Auto mag einst Freiheit und Fortschritt symbolisiert haben, doch heute steht es mehr und mehr für die Dringlichkeit, unser Verhältnis zu Mobilität und Energie neu zu definieren. Klar ist: Die Art, wie wir uns fortbewegen, hat direkten Einfluss auf die Zukunft unseres Planeten. Wer hätte gedacht, dass etwas so Alltägliches wie das Autofahren so große Konsequenzen haben kann?

    Quellen:

    • Internationale Energieagentur (IEA), „CO₂ Emissions from Fuel Combustion“ (2023)
    • Umweltbundesamt, „Verkehr und Emissionen: Fakten und Zahlen“ (2022)
  • Umwelt: Frankreich hat 2022 Ziel zur Reduzierung der Treibhausgase verpasst

    Umwelt: Frankreich hat 2022 Ziel zur Reduzierung der Treibhausgase verpasst

    Die Direktorin des Climate Action Network, Anne Bringault, verweist auf dem Sender France Inter auf eine zu große Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und eine Diskrepanz zwischen ehrgeizigen Klimazielen und einem Mangel an kohärenten Maßnahmen.

    Ist Frankreich in Sachen Klimaschutz auf der Höhe seiner Ambitionen? „Nicht wirklich“, antwortet Anne Bringault, Programmdirektorin des Climate Action Network, auf dem Sender France Inter. Am Donnerstag, den 14. September, wurden die Zahlen für 2022 veröffentlicht. Das Ergebnis ist eindeutig: „Was den Rückgang der Nettoemissionen von Treibhausgasen angeht, erreicht Frankreich sein Ziel nicht“, sagt Bringault.

    Frankreich war nur in zwei Sektoren innerhalb der Vorgaben, nämlich in der Industrie und im Bauwesen. Dies sei aber auf „externe Zwänge“ und nicht auf „strukturelle Maßnahmen“ zurückzuführen, betonte Bringault. „Es gab wegen des Krieges in der Ukraine eine Energiekrise und sehr hohe Energiepreise, die dazu geführt haben, dass man dazu neigte, seinen Verbrauch zu senken, entweder durch Sparmaßnahmen oder durch Verzicht“.

    Im Verkehrsbereich hingegen habe Frankreich man den Kohlenstoffausstoß regelrecht explodieren lassen. „Warum? Weil wir immer größere Fahrzeuge haben und damit immer mehr Treibstoff verbrauchen“, so Bringault. Und auch der Flugverkehr liege fast wieder auf einem Niveau wie vor der Covid-Krise. „Wir sind immer noch völlig in unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gefangen“, bedauert sie.

    Da die Regierung am kommenden Montag den politischen Parteien ihren Fahrplan für die ökologische Planung vorlegen wird, fordert Anne Bringault, dass dieser „sehr klar sein muss, mit starken Ambitionen, aber vor allem mit Maßnahmen, die mit den Zielen übereinstimmen“. Bisher habe man oft sehr ehrgeizige Ziele genannt, aber nie kohärente Maßnahmen unternommen. „Wir brauchen wirklich für jeden Sektor Maßnahmen, die sicherstellen, dass wir die Ziele einhalten können, und eine Finanzierung, die über mehrere Jahre hinweg sichtbar und spürbar ist“.

  • Die Klimaerwärmung in Frankreich könnte schlimmer werden als bisher angenommen

    Die Klimaerwärmung in Frankreich könnte schlimmer werden als bisher angenommen

    Wenn die Treibhausgasemissionen nicht drastisch sinken, könnten die Temperaturen in Frankreich laut einer neuen Studie bis zum Jahr 2100 im Vergleich zum Beginn des 20. Jahrhunderts um durchschnittlich 3,8 °C ansteigen.

    Die globale Erwärmung kündigt sich für Frankreich schlimmer als erwartet an. Die Temperaturen im Hexagon könnten im Jahr 2100 im Vergleich zum Beginn des 20. Jahrhunderts um durchschnittlich 3,8 °C ansteigen, wenn die Treibhausgasemissionen nicht drastisch sinken.

    „Das ist ein Anstieg, der um bis zu 50% höher ist als in früheren Prognosen“, sagt Aurélien Ribes, Klimatologe am Centre national de la recherche météorologique (CNRM) und einer der Autoren der Studie.

    Im schlimmsten Szenario, in dem weiterhin massiv auf fossile Energieträger (Öl, Gas, Kohle) zurückgegriffen wird, könnten die Durchschnittstemperaturen sogar um 6,7 °C steigen, warnt die Studie, die Anfang Oktober in der Fachzeitschrift „Earth Systems Dynamics“ erschienen ist. Im günstigsten Fall würde der Temperaturanstieg 2,3 °C betragen.

    Insgesamt würde sich „Frankreich stärker erwärmen (ca. +20%) als der globale Durchschnitt“, mit einem durchschnittlichen Anstieg von 0,36 °C pro Jahrzehnt, so Aurélien Ribes.

    Laut den Vereinten Nationen könnte die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts durchschnittlich auf +2,7 °C ansteigen, wenn nichts unternommen wird.

    Um die Daten für Frankreich zu ermitteln, stützten sich die Forscher des CNRS, des CNRM und des Centre européen de recherche et de formation avancée en calcul scientifique (Cerfacs) auf Daten, die seit 1899 von rund 30 über das Land verteilten Wetterstationen gesammelt wurden.

    Die Experten untersuchten verschiedene Szenarien, von den optimistischsten, bei denen eine CO2-Neutralität nach großen internationalen Anstrengungen bis 2050 erreicht wird, bis zu den pessimistischsten, bei denen die Emissionen weiterhin steigen.

    Die Daten zeigen, dass die Durchschnittstemperatur im heutigen Frankreich schon um 1,66 °C höher liegt als im Zeitraum 1900-1930. „Davon sind 1,63 °C allein auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen“, betont Aurélien Ribes.

    „Jede Tonne CO2 zählt insofern, als die Erwärmung von der Höhe der kumulierten Emissionen abhängt“, fügt der Wissenschaftler hinzu und sagt, dass „für 2023 bereits +1,8 °C erwartet werden“.

    Der letzte Bericht der UN-Klimaexperten (IPCC) zeigte, dass die gesamte Erde aufgrund der durch menschliche Aktivitäten erzeugten Treibhausgase seit dem vorindustriellen Zeitalter im Durchschnitt bereits um fast 1,2 °C wärmer geworden ist.

    Aber ACHTUNG: Der Anstieg von 3,8 °C BIS ZUM Jahr 2100 in Frankreich ist nur ein Durchschnittswert, warnen die Forscher, denn in einigen Regionen, vor allem um das Mittelmeer herum oder in den Bergen, könnte die Erwärmung noch höher liegen.

    Außerdem könne die Erwärmung je nach Jahreszeit stark variieren. Während die Temperaturen im Winter um 3,2 °C (2,3 bis 4,2 °C je nach Region) ansteigen würden, könnte das Thermometer im Sommer mit einem durchschnittlichen Anstieg von 5,1 °C (3,6 bis 6,6 °C je nach Region) verrückt spielen.

    „Das würde bedeuten, dass wir weitaus stärkere Extremereignisse wie Hitze, Dürre, Überschwemmungen … erleben würden als im Sommer 2022, als die Erwärmung im Durchschnitt nur 4 °C betrug“, betont Julien Boé, Klimaforscher am CNRS. Sie werden auch häufiger und vor allem intensiver auftreten, warnt Aurélien Ribes.

    Laut Météo-France werden sich in einem Szenario mit 4 °C Erwärmung die Hitzewellen je nach Region auf 21 bis 94 Tage erstrecken – gegenüber heute sieben Tagen im Landesdurchschnitt – und die Häufigkeit dieser Ereignisse werde sich bis 2050 verdoppeln.

    Laut IPCC entspricht jedes zusätzliche Grad Erwärmung einem Anstieg der Niederschlagsmenge bei Stürmen und Gewittern um 7%.

    In jedem Fall wird die Erwärmung „Auswirkungen auf die Ökosysteme und die biologische Vielfalt haben, mit Lebensräumen, die für bestimmte Arten weniger günstig sein werden, die dann gezwungen wären, zu wandern, und natürlich auch auf das landwirtschaftliche System“, mit der Aufgabe bestimmter Kulturen aufgrund von Wassermangel oder einer Veränderung der Erntezyklen, erklärt der CNRS-Forscher Julien Boé.

    Einziger Lichtblick: „Das Tempo des Anstiegs dürfte sich nach 2030 verlangsamen“, meint Aurélien Ribes. Aber auch so werden wir, wenn sich nicht dramatisch etwas ändert, den +3,8 °C nicht entkommen.

  • Nord Stream-Lecks: Gefährliche Methanwolke schwebt über Europa

    Nord Stream-Lecks: Gefährliche Methanwolke schwebt über Europa

    Infolge der Nord-Stream-Sabotage schwebt eine Methanwolke über Europa. Nach Finnland, Dänemark und Schweden soll nun auch Italien betroffen sein.

    Die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines führte nicht nur zu einer beeindruckend brodelnden Ostsee. Die Lecks verursachten auch eine Gaswolke, die in die Atmosphäre entwich.

    Laut dem Forschungsinstitut ICOS, das Treibhausgasströme beobachtet, wird der Methananteil in der Gaswolke, die sich nach den Explosionen bildete, „auf die Größe der Methanemissionen eines ganzen Jahres einer Stadt von der Größe von Paris oder eines Landes wie Dänemark geschätzt“. Die Emissionen wurden von ICOS an Stationen in Schweden, Norwegen und Finnland gemessen.

    Bald auch über Italien
    Wissenschaftler nehmen an, dass der Wind über dem Leckgebiet die Methanemissionen zunächst nach Norden bis zum finnischen Archipel geblasen hat und sich dann nach Schweden und Norwegen veränderte.

    Laut der italienischen Zeitung Corriere della Sera hätte sich die Wolke inzwischen in zwei Teile geteilt und ein Teil würde nun in Richtung Italien ziehen. Methan stellt zwar keine direkte Gefahr für die Menschen dar, ist aber als eines der wichtigsten Treibhausgase sehr zerstörerisch für die Umwelt.