Der Einzug der französischen Nationalmannschaft ins Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft löste im ganzen Land große Freude aus. Tausende Fans feierten den 2:0-Erfolg der „Bleus“ gegen Marokko bis tief in die Nacht. Doch während vielerorts gejubelt wurde, verwandelte sich die Siegesfeier im nordfranzösischen Aulnoye-Aymeries in eine Tragödie.
Eine 17-jährige Jugendliche kam in der Nacht auf Freitag bei einem schweren Unfall ums Leben. Nach bisherigen Erkenntnissen nahm sie an einem spontanen Autokorso teil und befand sich auf oder am Heck eines Lastwagens, der Teil des Festzuges war. Beim Durchfahren eines Kreisverkehrs verlor sie offenbar den Halt, stürzte vom Fahrzeug und geriet unter die Räder. Trotz des schnellen Einsatzes der Rettungskräfte kam jede Hilfe zu spät. Die junge Frau starb noch am Unfallort.
Die genauen Umstände des Unglücks beschäftigen inzwischen die Ermittlungsbehörden. Der Fahrer des Lastwagens wurde vorläufig in Gewahrsam genommen. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein, um den Unfallhergang lückenlos aufzuklären und mögliche Verantwortlichkeiten zu prüfen. Zeugenaussagen sowie technische Untersuchungen sollen nun Klarheit darüber bringen, wie es zu dem tödlichen Sturz kommen konnte.
Zum Zeitpunkt des Unfalls hielten sich mehrere Minderjährige in unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs auf. Einer der Jugendlichen erlitt einen schweren Schock und musste in ein Krankenhaus nach Maubeuge gebracht werden. Für die anwesenden Freunde und Angehörigen dürfte das Erlebte noch lange nachwirken.
Während sich die Feierlichkeiten in der betroffenen Gemeinde abrupt in Trauer verwandelten, verliefen die Siegesfeiern im übrigen Frankreich überwiegend friedlich. Besonders in Paris versammelten sich zahlreiche Fußballfans auf den Champs-Élysées und in weiteren Stadtvierteln, um den Erfolg ihrer Mannschaft zu feiern. Die Polizei registrierte lediglich wenige Festnahmen. Vereinzelt kam es zwar zu kleineren Zwischenfällen und einer Auseinandersetzung mit einem Leichtverletzten, von größeren Ausschreitungen blieb die Nacht jedoch verschont.
Der tödliche Unfall lenkt erneut den Blick auf die Gefahren spontaner Jubelfeiern im Straßenverkehr. Immer wieder klettern Feiernde auf Autos, Lastwagen oder andere Fahrzeuge, um ihre Begeisterung auszudrücken. Was zunächst wie ein ausgelassener Moment erscheint, birgt erhebliche Risiken. Schon ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit oder eine plötzliche Bewegung genügt, um aus einer fröhlichen Feier ein folgenschweres Unglück zu machen.
Von Daniel Ivers







