Schlagwort: Tour Montparnasse

  • Der ungeliebte Riese von Paris: Warum die Tour Montparnasse weiter für Streit sorgt

    Der ungeliebte Riese von Paris: Warum die Tour Montparnasse weiter für Streit sorgt

    Seit mehr als 50 Jahren prägt die Tour Montparnasse die Skyline von Paris – und kaum ein Bauwerk löst so viele Diskussionen aus. Der 210 Meter hohe Büroturm galt bei seiner Eröffnung als Symbol des Fortschritts. Heute steht er vor allem für eine städtebauliche Fehlentscheidung, die viele Pariser bis heute nicht verziehen haben. Nun gerät auch die seit Jahren geplante Rundumerneuerung ins Wanken: Explodierende Kosten, unterschiedliche Interessen der Eigentümer und ein schwieriger Büromarkt stellen das Millionenprojekt infrage.

    Die Geschichte des Hochhauses reicht bis in die 1930er-Jahre zurück. Schon damals stieß der Bahnhof Montparnasse an seine Kapazitätsgrenzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied sich die Stadt für einen umfassenden Umbau des Viertels. Der Bahnhof wurde nach Süden verlegt, alte Straßenzüge verschwanden, und auf dem frei gewordenen Gelände entstand die Idee eines modernen Geschäftsviertels mit einem markanten Hochhaus als Blickfang.

    Als Ende der 1960er-Jahre die Bauarbeiten begannen, regte sich heftiger Widerstand. Architekten, Politiker und Denkmalschützer warnten davor, die einzigartige Silhouette von Paris dauerhaft zu verändern. Ihre Einwände blieben erfolglos. 1973 war der Turm fertiggestellt – mit 59 Stockwerken, einer dunklen Glasfassade und einer Höhe, die ihn weit über die Dächer der französischen Hauptstadt hinausragen ließ.

    Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Viele empfanden den Bau als Fremdkörper mitten in einer Stadt, die weltweit für ihre historischen Boulevards und klassischen Fassaden berühmt ist. Besonders beliebt wurde ein bissiger Witz: Den schönsten Blick auf Paris genieße man von der Aussichtsplattform der Tour Montparnasse – schließlich müsse man den Turm von dort aus nicht sehen. Die öffentliche Ablehnung hatte Folgen. Bereits wenige Jahre später verschärfte Paris seine Bauvorschriften und verlagerte neue Hochhäuser weitgehend in die Randgebiete der Metropole.

    Zu den ästhetischen Problemen gesellten sich später technische. In den 2000er-Jahren rückte die Asbestbelastung des Gebäudes in den Mittelpunkt. Die Sanierung erwies sich als kompliziert, teuer und langwierig. Unterschiedliche Gutachten, aufwendige Sicherheitsmaßnahmen und die komplizierte Eigentümerstruktur bremsten jede grundlegende Modernisierung aus. Der Turm gehört nicht einem einzelnen Investor, sondern mehreren Dutzend Eigentümern mit teils sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen.

    2017 schien dennoch ein Neuanfang möglich. Ein internationaler Architekturwettbewerb brachte ehrgeizige Pläne hervor. Die dunkle Fassade sollte einer hellen, transparenten Gebäudehülle weichen. Vorgesehen waren moderne Büroflächen, ein Hotel, Restaurants sowie ein begrünter Dachbereich. Aus dem ungeliebten Hochhaus sollte ein nachhaltiges Wahrzeichen entstehen, das besser in das Stadtbild passt.

    Doch genau dieses Vorhaben gerät inzwischen ins Stocken. Während anfangs mit Baukosten von rund 300 Millionen Euro gerechnet wurde, stiegen die Schätzungen Jahr für Jahr deutlich an. Inzwischen bewegt sich das Gesamtvolumen einschließlich Steuern und weiterer Ausgaben in Richtung 800 Millionen Euro. Parallel dazu hat sich der Markt für Büroimmobilien grundlegend verändert. Homeoffice, gestiegene Finanzierungskosten und eine schwächere Nachfrage nach großen Büroflächen erschweren die wirtschaftliche Kalkulation erheblich.

    Hinzu kommt, dass nicht mehr alle Eigentümer den ursprünglichen Umbau unterstützen. Besonders größere Investoren äußern Zweifel an der Rentabilität des Projekts. Dadurch steht die umfassende Neugestaltung praktisch wieder zur Diskussion.

    Seit Ende März 2026 ist die Tour Montparnasse vollständig geräumt. Auch die Aussichtsplattform, die jedes Jahr zahlreiche Besucher anzog, blieb geschlossen. Eigentlich sollten die Bauarbeiten längst begonnen haben. Stattdessen herrscht Unsicherheit darüber, ob das bisherige Konzept überhaupt noch umgesetzt wird. Gleichzeitig wächst der Zeitdruck, da wichtige Genehmigungen nur noch begrenzte Zeit gültig sind.

    Als Alternative gilt inzwischen eine deutlich kleinere Lösung. Im Mittelpunkt stünden dann die technische Modernisierung, die vollständige Asbestsanierung und eine schlichtere Erneuerung der Fassade. Das wäre wesentlich günstiger, würde dem Gebäude jedoch kaum jene spektakuläre Verwandlung verleihen, auf die viele gehofft hatten.

    So bleibt die Tour Montparnasse das, was sie seit ihrer Entstehung ist: ein Symbol für den schwierigen Spagat zwischen Moderne und Tradition. Der dunkle Turm ragt weiterhin über Paris, ungeliebt, umstritten und zugleich zu bedeutend, um ihn einfach verschwinden zu lassen.

    M.A.B.

  • Tagesüberblick: Waldbrände, neue Hitzewelle und Streit über Frankreichs Krisenvorsorge bestimmen die Presse

    Tagesüberblick: Waldbrände, neue Hitzewelle und Streit über Frankreichs Krisenvorsorge bestimmen die Presse

    Die französische Presse steht an diesem Mittwoch, 29. Juli 2026, weiterhin im Zeichen der verheerenden Waldbrände im Südwesten. Nach einer erneut vergleichsweise ruhigen Nacht wächst die Hoffnung, den Großbrand in der Gironde schrittweise unter Kontrolle bringen zu können. Eine Entwarnung geben die Einsatzkräfte jedoch nicht. Die angekündigte Hitzewelle, wechselnde Winde und zahlreiche Glutnester bergen weiterhin erhebliche Risiken. Gleichzeitig beginnt eine politische Debatte darüber, ob Frankreich angesichts immer häufiger auftretender Extremwetterereignisse ausreichend auf künftige Krisen vorbereitet ist.

    Der Großbrand bedroht weiterhin die Region um Lacanau

    Im Mittelpunkt der Berichterstattung steht unverändert die Lage rund um Lacanau. Das Feuer gilt als stabilisiert, ist jedoch noch nicht vollständig unter Kontrolle. In den weitläufigen Kiefernwäldern liegen große Mengen ausgetrockneten Pflanzenmaterials, sodass selbst kleine Glutnester jederzeit wieder zu größeren Bränden anwachsen können.

    Mehrere Medien berichten von erschöpften Feuerwehrkräften, die seit Tagen im Dauereinsatz stehen und provisorische Verteidigungslinien zum Schutz gefährdeter Ortschaften errichtet haben. Für viele Bewohner beginnt nach ihrer Rückkehr die schwierige Bestandsaufnahme: Zahlreiche Häuser und landwirtschaftliche Flächen wurden zerstört oder schwer beschädigt. Zugleich rückt die Versorgung älterer Menschen und besonders gefährdeter Evakuierter stärker in den Fokus. Nach bisherigen Schätzungen wurden in der Gironde und im Département Landes insgesamt rund 42.000 Hektar Wald und Vegetation vernichtet.

    Neue Hitzewelle verschärft die Lage

    Parallel zu den laufenden Löscharbeiten verschärft eine neue Hitzewelle die Situation. Sechzehn Départements stehen am Mittwoch unter orangefarbener Hitzewarnung. Im Südwesten werden örtlich Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet.

    Die anhaltende Trockenheit erhöht die Brandgefahr zusätzlich und erschwert die Arbeit der Einsatzkräfte erheblich. Gleichzeitig warnen die Behörden vor einer erhöhten Belastung der Luft durch Rauch und Feinstaub. Vor allem ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit Atemwegserkrankungen sollten körperliche Anstrengungen vermeiden und sich möglichst in geschlossenen, gut gekühlten Räumen aufhalten.

    Streit über Frankreichs Löschflugzeuge nimmt zu

    Die Waldbrandkrise entwickelt sich zunehmend zu einer politischen Belastungsprobe für die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu. Opposition, Gewerkschaften und Vertreter der Feuerwehren stellen die Frage, weshalb ein Teil der französischen Canadair-Flotte derzeit nicht einsatzbereit ist und die seit Jahren angekündigte Modernisierung der Luftflotte weiterhin auf sich warten lässt.

    Die Regierung verweist auf die vollständige Mobilisierung aller verfügbaren nationalen Mittel sowie auf Unterstützung durch europäische Partner. Dennoch gewinnt die grundsätzliche Diskussion an Dynamik, ob Frankreich seine Strategie zur Bekämpfung großflächiger Waldbrände angesichts des Klimawandels grundlegend überarbeiten muss. Auch der verstärkte Einsatz von Drohnen zur frühzeitigen Erkennung und Überwachung von Bränden wird intensiv diskutiert.

    Arbeitslosenzahlen sorgen für politische Debatten

    Neben der Feuerkatastrophe beschäftigen auch die neuen Zahlen von France Travail die französische Innenpolitik. Demnach ist die Zahl der registrierten Arbeitslosen ohne Beschäftigung im zweiten Quartal um 0,8 Prozent gestiegen.

    Ökonomen mahnen allerdings zu einer vorsichtigen Interpretation der Daten. Änderungen bei der statistischen Erfassung und der Einstufung von Arbeitsuchenden könnten das Ergebnis beeinflusst haben. Gleichwohl fallen die Zahlen in eine politisch sensible Phase: Die Regierung sucht nach Einsparungen im Staatshaushalt, während Gewerkschaften vor weiteren Kürzungen bei sozialer Absicherung und Arbeitsschutz warnen.

    Tour Montparnasse bleibt Symbol politischer Blockaden

    Auch der Zustand des Tour Montparnasse beschäftigt die Medien. Nachdem erneut Fensterscheiben beziehungsweise Fassadenteile aus großer Höhe herabgestürzt waren, hat sich nun die Pariser Stadtverwaltung eingeschaltet.

    Die seit Jahren geplante umfassende Sanierung des Hochhauses wird weiterhin durch Auseinandersetzungen zwischen den Eigentümern verzögert. Für viele Beobachter entwickelt sich der Fall zunehmend zum Symbol einer Verwaltung, die bei offensichtlichen Sicherheitsrisiken nur langsam zu Lösungen gelangt.

    Zidane übernimmt die französische Nationalmannschaft

    Für eine der wenigen positiven Schlagzeilen sorgt der französische Fußball. Zinédine Zidane wurde offiziell als neuer Trainer der französischen Nationalmannschaft vorgestellt.

    Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Weltmeisterschaft soll der Weltmeister von 1998 den sportlichen Neuanfang einleiten. Viele Kommentatoren sehen darin die Erfüllung einer seit Jahren erwarteten Personalentscheidung und verbinden mit Zidane die Hoffnung auf neue Impulse für die Équipe Tricolore.

    Internationale Themen bleiben im Schatten der Brände

    Auch internationale Entwicklungen finden ihren Platz in den französischen Medien. Berichtet wird unter anderem über das schwere Erdbeben im Südwesten Japans, die erneute Annäherung zwischen Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie die angespannte Lage zwischen Iran und den Vereinigten Staaten.

    Dennoch richtet sich der Blick der französischen Presse vor allem auf das eigene Land. Die Waldbrände und die außergewöhnliche Hitze prägen nicht nur die Schlagzeilen, sondern auch die politische Debatte. Im Mittelpunkt steht zunehmend die Frage, ob Frankreich seine Krisenvorsorge, den Katastrophenschutz und seine Infrastruktur schneller an die Folgen des Klimawandels anpassen muss.

    Christine Macha

  • Das höchste Gebäude von Paris zerfällt – und alle schauen zu

    Das höchste Gebäude von Paris zerfällt – und alle schauen zu

    Es ist schon beeindruckend. Da steht mitten in Paris ein 210 Meter hoher Betonriese, von dem inzwischen regelmäßig Fensterscheiben und Fassadenteile auf die Straße stürzen – und die eigentliche Überraschung ist nicht, dass das passiert. Die Überraschung ist, dass bislang noch niemand unter diesen Trümmern gestorben ist.

    Vielleicht gehört das inzwischen zum Stadtbild. Eiffelturm, Notre-Dame, Louvre – und der Tour Montparnasse als monumentales Symbol dafür, wie meisterhaft man Probleme aussitzen kann. Jahr für Jahr wird diskutiert, geplant, gestritten und gerechnet. Währenddessen verabschieden sich Fenster aus den oberen Etagen und suchen sich ihren eigenen Weg Richtung Asphalt.

    Natürlich folgt nach jedem Vorfall das übliche Ritual. Die Feuerwehr rückt an. Straßen werden abgesperrt. Experten seilen sich an der Fassade ab. Politiker zeigen sich besorgt. Eigentümer verweisen auf offene Finanzierungsfragen. Anschließend kehrt wieder Ruhe ein – bis zur nächsten herabfallenden Scheibe.

    Man fragt sich unweigerlich: Worauf wartet man eigentlich? Auf den ersten Todesfall? Auf ein Auto, das von mehreren hundert Kilogramm Glas getroffen wird? Oder darauf, dass Touristen den Turm künftig nur noch mit einem Schutzhelm fotografieren?

    Es geht längst nicht mehr um Architektur oder um die Frage, ob der Tour Montparnasse schön oder hässlich ist. Darüber streiten die Pariser seit seiner Eröffnung. Es geht um Sicherheit. Um Verantwortung. Und um den erschreckenden Eindruck, dass Eigentümer und Entscheidungsträger lieber endlose Debatten führen, als endlich zu handeln.

    Der Streit um Millionenbeträge wirkt inzwischen geradezu grotesk. Für Sanierungspläne scheint kein Geld vorhanden zu sein. Absperrbänder und Feuerwehreinsätze dagegen gehören offenbar zum kalkulierten Alltag. Eine bemerkenswerte Prioritätensetzung.

    Paris präsentiert sich gern als Weltmetropole, als Stadt der Innovation, der Kultur und der Lebensqualität. Doch mitten in dieser Weltstadt steht ein Hochhaus, das Stück für Stück auseinanderfällt. Ausgerechnet an einem der belebtesten Verkehrsknotenpunkte der Hauptstadt.

    Vielleicht sollte man den Tour Montparnasse einfach offiziell umwidmen. Nicht mehr als Bürogebäude, sondern als Mahnmal der französischen Verwaltungskunst. Eintritt frei – Helmpflicht empfohlen.

    Irgendwann endet jeder Stillstand. Die einzige offene Frage lautet: Passiert das durch entschlossenes Handeln oder erst durch eine Tragödie? Wer darauf keine Antwort geben möchte, trägt längst Mitverantwortung.

    C. Hatty

  • Fenster stürzen vom Tour Montparnasse – Sorge um die Sicherheit wächst

    Fenster stürzen vom Tour Montparnasse – Sorge um die Sicherheit wächst

    Erneut sind vom Tour Montparnasse in Paris Fensterelemente aus großer Höhe auf die Straße gestürzt. Verletzt wurde zwar niemand, doch der Vorfall sorgt für erhebliche Unruhe. Besonders beunruhigend: Nach Medienberichten handelt es sich bereits um den dritten ähnlichen Zwischenfall innerhalb von sechs Monaten. Damit rückt die Frage nach dem baulichen Zustand des Hochhauses und der seit Jahren geplanten Sanierung immer stärker in den Mittelpunkt.

    Am Sonntagnachmittag lösten sich zunächst Teile eines Fensters im 20. Stockwerk. Wenige Stunden später fiel eine weitere Scheibe aus einem der obersten Geschosse rund 200 Meter in die Tiefe. Die Trümmer gingen auf der Rue du Départ nieder und schlugen teilweise in unmittelbarer Nähe von Geschäften auf.

    Augenzeugen schilderten chaotische Szenen. Passanten schrien und suchten hastig Schutz, nachdem die herabfallenden Teile bemerkt worden waren. Andere beobachteten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Viele Anwohner reagieren inzwischen mit Sorge. Einige kündigten an, den Bereich um den Turm künftig zu meiden. Das ohnehin umstrittene Hochhaus gilt für manche inzwischen nicht mehr nur als ungeliebtes Wahrzeichen, sondern als mögliches Sicherheitsrisiko.

    Die Feuerwehr sperrte die Rue du Départ sowie die Rue Edgar-Quinet vorübergehend ab. Spezialkräfte untersuchten die Fassade und entfernten im Abseilverfahren weitere lockere Fensterelemente, um zusätzliche Gefahren auszuschließen. Erst nach Abschluss der Sicherungsarbeiten konnte der Bereich wieder freigegeben werden.

    Dass niemand verletzt wurde, grenzt angesichts der stark frequentierten Umgebung an Glück. Der Tour Montparnasse befindet sich unmittelbar neben einem der wichtigsten Pariser Bahnhöfe. Täglich sind dort Tausende Pendler, Touristen und Besucher unterwegs.

    Der 1973 eröffnete Turm ist mit rund 210 Metern das höchste Gebäude innerhalb des Pariser Stadtgebiets. Schon bei seiner Errichtung war die Architektur umstritten. Inzwischen prägen jedoch vor allem technische Probleme und der Sanierungsbedarf die Diskussion. Das Gebäude wurde bereits vollständig geräumt, nachdem umfangreiche Asbestbelastungen bekannt geworden waren.

    Eigentlich war eine umfassende Modernisierung vorgesehen. Geplant waren eine neue Glasfassade, ein Hotel, zusätzliche öffentliche Bereiche sowie ein begrünter Dachbereich. Die Kosten stiegen jedoch von ursprünglich rund 600 Millionen auf etwa 800 Millionen Euro. Zusätzlich geriet das Projekt zuletzt ins Stocken, nachdem ein wichtiger Miteigentümer seine Unterstützung für die aufwendige Komplettsanierung zurückgezogen hatte.

    Ab September soll zunächst mit der Entkernung der unteren Stockwerke, der Asbestsanierung und dem Rückbau von Fassadenteilen begonnen werden. Ob die ursprünglich geplante Neugestaltung anschließend tatsächlich umgesetzt wird, bleibt offen. Nach den jüngsten Vorfällen geht es längst nicht mehr nur um Architektur oder Investitionen – sondern vor allem um die Sicherheit im Herzen der französischen Hauptstadt.

    Daniel Ivers

  • Tour Montparnasse: Streit unter Eigentümern gefährdet millionenschwere Sanierung

    Tour Montparnasse: Streit unter Eigentümern gefährdet millionenschwere Sanierung

    Die geplante Verwandlung der Tour Montparnasse galt lange als eines der ehrgeizigsten Stadtentwicklungsprojekte von Paris. Nach Jahren der Diskussionen, Verzögerungen und Planungen schien der Start der umfangreichen Sanierung endlich greifbar. Doch nun droht ausgerechnet ein Konflikt innerhalb der Eigentümergemeinschaft das Vorhaben erneut auszubremsen. Im Zentrum des Streits stehen mehrere Beschlüsse rund um die Finanzierung und Umsetzung der Renovierung, deren Kosten inzwischen auf rund 727 Millionen Euro geschätzt werden. Mehrere Eigentümer, darunter auch der Unternehmer Xavier Niel, haben rechtliche Schritte gegen die Eigentümergemeinschaft eingeleitet. Was auf den ersten Blick wie eine technische Auseinandersetzung über Flächen und Besitzverhältnisse wirkt, berührt in Wahrheit die Grundfrage jedes Großprojekts: Wer entscheidet über die Zukunft eines Gebäudes, wer trägt die Kosten und wer profitiert später vom Wertzuwachs? Besonders umstritten ist ein Gebäudeteil im 57. Stockwerk. …

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  • Der „Spider-Man von Paris“ sorgt erneut für Atemstillstand über den Dächern der Hauptstadt

    Der „Spider-Man von Paris“ sorgt erneut für Atemstillstand über den Dächern der Hauptstadt

    Paris blickte wieder nach oben. Mitten am helllichten Tag hing ein junger Mann an der gläsernen Fassade der Tour Montparnasse — ohne Seil, ohne Sicherung, nur mit Turnschuhen und einer fast unbegreiflichen Ruhe. Unten sammelten sich Passanten, Smartphones schossen in die Höhe, Autofahrer stoppten abrupt am Straßenrand. Für einen Moment wirkte die französische Hauptstadt wie die Kulisse eines Actionfilms, bloß eben echt. Verdammt echt. Der Kletterer: Alexis Landot, 26 Jahre alt, längst eine bekannte Figur der französischen Urban-Climbing-Szene. Kaum hatte er das Dach des 210 Meter hohen Wolkenkratzers erreicht, wartete bereits die Polizei auf ihn. Festnahme, Gewahrsam, Verhör — das übliche Nachspiel solcher Aktionen. Und trotzdem beginnt die eigentliche Geschichte erst dort. Denn Landot kletterte nicht einfach irgendein Gebäude hinauf. Die Tour Montparnasse besitzt unter Freikletterern beinahe legendären Status. Der dunkle Koloss ragt wie ein einsamer Monolith aus dem Pariser Häusermeer…

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  • Der lange Abschied vom ungeliebten Wahrzeichen: Die Tour Montparnasse im Wandel

    Der lange Abschied vom ungeliebten Wahrzeichen: Die Tour Montparnasse im Wandel

    Paris und seine Wahrzeichen – das ist gewöhnlich eine Liebesgeschichte.

    Bei der Tour Montparnasse jedoch klang sie jahrzehntelang eher wie eine zähe Ehekrise. Nun beginnt, endlich, ein neues Kapitel. Seit Ende März 2026 ist das Observatorium geschlossen, die Büros leeren sich, und das Gebäude tritt ein in eine Phase, die mehr ist als bloße Renovierung. Es ist der Versuch einer späten Versöhnung.

    Errichtet in den frühen 1970er-Jahren, stand die Tour Montparnasse einst für Fortschritt und ökonomische Dynamik. Doch der Enthusiasmus kühlte rasch ab. Zu dunkel, zu wuchtig, zu fremd wirkte der Turm im sorgsam gehüteten Stadtbild. Während Paris seine historischen Achsen pflegte, ragte hier ein Solitär in den Himmel – irgendwie fehl am Platz, irgendwie stur.

    Man könnte sagen: Der Turm war da, aber er gehörte nie wirklich dazu.

    Genau an diesem Punkt setzt das aktuelle Projekt an. Es geht nicht um Kosmetik, sondern um eine tiefgreifende Transformation. Eine neue Glasfassade soll Licht und Transparenz bringen, die Struktur wird leicht erhöht, der obere Abschluss neu gestaltet. Begrünte Terrassen, offenere Zugänge und einladendere Erdgeschosse sollen das Gebäude aus seiner selbstgewählten Isolation holen.

    Das klingt ambitioniert – und ehrlich gesagt auch längst überfällig.

    Doch der eigentliche Clou liegt nicht im Turm allein, sondern im Umfeld. Das Viertel Maine-Montparnasse, lange geprägt von Betonflächen und Verkehrsströmen, soll neu gedacht werden. Fußgängerfreundliche Wege, mehr Grün, eine zentrale Platzfläche – die Vision ist eine Art urbanes Patchwork, das wieder zusammenfindet.

    Denn was nützt die schönste Fassade, wenn unten alles trist bleibt?

    Die lange Vorgeschichte des Projekts hat Spuren hinterlassen. Über ein Jahrzehnt hinweg wurde diskutiert, verschoben, neu geplant. Viele Pariser reagierten irgendwann nur noch mit einem Schulterzucken. „Mal sehen, ob diesmal wirklich was passiert“, hört man öfter. Und ja, ein bisschen Skepsis schwingt weiterhin mit.

    Die Schließung des Observatoriums markiert dabei einen symbolischen Einschnitt. Der Blick über Paris, für viele ein stiller Höhepunkt, fällt für Jahre weg. Der Turm verliert damit sein letztes unstrittiges Argument – die Aussicht. Paradox, aber möglich: Gerade diese Abwesenheit könnte helfen, ihn neu zu bewerten.

    Architektonisch erzählt die Umgestaltung von einem Zeitenwechsel. Wo früher Dominanz und Monumentalität zählten, treten heute Nachhaltigkeit, Offenheit und Nutzungsvielfalt in den Vordergrund. Der Turm wird nicht abgerissen, sondern gezähmt – ein Stück gebauter Geschichte, das sich neu erfindet.

    Ob das gelingt, entscheidet sich am Ende nicht in luftiger Höhe, sondern auf Straßenniveau.

    Wenn Cafés, Wege und Plätze funktionieren, wenn Menschen sich dort gern aufhalten – dann hat die Tour Montparnasse eine echte Chance. Wenn nicht, bleibt sie ein schöner Versuch.

    Und Paris hätte eine weitere Geschichte, die nicht ganz aufgeht.

    Autor: C.H.

  • Paris unter Spannung: Mehrere Wahrzeichen nach Bombendrohungen geräumt

    Paris unter Spannung: Mehrere Wahrzeichen nach Bombendrohungen geräumt

    Ein Freitagabend, wie ihn Paris nicht gebrauchen kann.

    Gegen 18 Uhr erreichten die Behörden mehrere E-Mails, in denen von möglichen Sprengsätzen in bekannten Pariser Einrichtungen die Rede war. Binnen Minuten verwandelte sich die übliche Geschäftigkeit der Hauptstadt in angespannte Betriebsamkeit. Die Tour Montparnasse und das Institut d’études politiques de Paris – besser bekannt als Sciences Po – wurden geräumt.

    In der 210 Meter hohen Tour Montparnasse, sonst ein Ort mit weitem Blick über die Dächer der Stadt, mussten Besucher und Angestellte das Gebäude zügig verlassen. Auf den Gängen herrschte eine Mischung aus Disziplin und Nervosität. Wer einmal eine Evakuierung miterlebt hat, kennt dieses eigentümliche Schweigen, das sich über Menschenmengen legt – keiner weiß Genaueres, aber alle spüren: Hier stimmt etwas nicht.

    Auch an Sciences Po liefen die Sicherheitsprotokolle an. Studierende, die noch in Seminarräumen saßen oder in der Bibliothek arbeiteten, wurden ins Freie geleitet. Nach eingehender Überprüfung konnte dort jedoch Entwarnung gegeben werden. Der Zugang wurde später wieder freigegeben.

    Die beiden Einrichtungen blieben nicht die einzigen genannten Ziele. In den Drohschreiben tauchten weitere prominente Orte auf, darunter der Eiffelturm und die Konzerthalle Bataclan. Nicht überall kam es zu vollständigen Räumungen, doch die Sicherheitsbehörden reagierten mit erhöhter Wachsamkeit.

    Spezialisierte Einheiten durchsuchten die betroffenen Gebäude, sperrten Areale ab und prüften jeden Hinweis sorgfältig. Am Ende des Abends stand fest: Es wurde kein Sprengsatz gefunden, Verletzte gab es nicht.

    Und doch bleibt ein schaler Nachgeschmack.

    Solche Vorfälle treffen eine Metropole wie Paris ins Mark. Die Stadt lebt von ihrer Offenheit, von ihren öffentlichen Räumen, von dem Gefühl, dass Kultur, Bildung und Alltag ineinanderfließen. Wenn Wahrzeichen und Hochschulen unter Bombenverdacht stehen, gerät dieses Selbstverständnis ins Wanken.

    Die Ermittler prüfen nun, ob es sich um sogenanntes „Swatting“ handelt – also gezielte Falschmeldungen, die massive Polizeieinsätze provozieren sollen – oder um den Versuch, koordiniert Unruhe zu stiften. Technische Analysen der E-Mails sollen Aufschluss über Herkunft und Motivation geben.

    Paris trägt die Erinnerung an frühere Anschläge tief im kollektiven Gedächtnis. Seit den Attentaten von 2015 begleitet eine erhöhte Wachsamkeit den Alltag. Jede Drohung, selbst wenn sie sich als haltlos erweist, reißt diese Wunde ein Stück weit wieder auf.

    Am Ende dieses Abends kehrte die Stadt in ihren Rhythmus zurück. Cafés füllten sich, die Lichter spiegelten sich in der Seine, Taxis hupten wie eh und je. Aber man merkte schon: Die Anspannung hing noch in der Luft.

    Die Behörden rufen zur Besonnenheit auf und verweisen auf laufende Ermittlungen. Ein Bekennerschreiben zu den Drohungen liegt bislang nicht vor. Paris macht weiter – doch der Puls bleibt erhöht.

    Autor: Andreas M. B. Brucker

  • Ohne Netz und doppelten Boden: Waghalsige Kletteraktion an der Tour Montparnasse

    Ohne Netz und doppelten Boden: Waghalsige Kletteraktion an der Tour Montparnasse

    Am Freitag, dem 2. Mai 2025, staunten Passanten in Paris nicht schlecht: Ein Mann kletterte ohne jede Sicherung an der gläsernen Fassade der Tour Montparnasse empor – 210 Meter pures Risiko. Es handelte sich um den 31-jährigen Franzosen Anthony Andolfo, der in der Szene der urbanen Kletterer längst kein Unbekannter mehr ist.

    Sein Outfit? Ganz unspektakulär: weißes Langarmshirt, dunkle Hose. Doch das, was er tat, war alles andere als gewöhnlich.

    Adrenalin auf 59 Etagen

    Andolfo startete seine Mission gegen späten Vormittag. Vor den Augen zahlreicher Schaulustiger hangelte er sich Stockwerk für Stockwerk nach oben, insgesamt 59 Etagen – ohne Seil, ohne Gurt, nur mit der Kraft seiner Hände und einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen. Wie ein moderner Ikarus ohne Flügel, dafür mit Kletterfingern.

    Er kam bis ganz nach oben. Doch dort wartete kein Applaus – sondern die Polizei. Die Beamten nahmen ihn in Gewahrsam. Kein Wunder, denn solche Aktionen sind in Frankreich gesetzlich untersagt und gelten als Eingriff in die öffentliche Sicherheit.

    Zwischen Bewunderung und Kopfschütteln

    Die Reaktionen auf diese Aktion waren so vielfältig wie Paris selbst. Manche bewunderten die sportliche Leistung und den Mut – oder nennen wir es lieber Waghalsigkeit? Andere wiederum kritisierten das Verhalten als unverantwortlich. Schließlich könnten Nachahmer auf dumme Ideen kommen – vor allem Jugendliche, die sich von derartigen Stunts gern inspirieren lassen.

    Die Stadtverwaltung prüft bereits, wie die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Hochhaus verschärft werden könnten. Zusätzliche Absperrungen, Bewegungsmelder oder gar Anti-Kletter-Beschichtungen sind im Gespräch. Denn die Tour Montparnasse wurde in der Vergangenheit schon mehrfach Ziel solcher illegaler Kletteraktionen.

    Buildering: Zwischen Sport und Rebellion

    Der Begriff „Buildering“ ist ein Kunstwort aus „Building“ und „Climbing“. Gemeint ist das Klettern an Gebäuden oder anderen urbanen Strukturen – ohne Genehmigung, versteht sich. Was in der Szene als Ausdruck persönlicher Freiheit und sportlicher Herausforderung gilt, ist in den meisten Städten verboten.

    Einer der bekanntesten Vertreter dieser Disziplin ist der Franzose Alain Robert, auch als „Spiderman“ bekannt. Er erklomm bereits unzählige Wolkenkratzer weltweit, meist barfuß, oft mit der Polizei im Nacken.

    Andolfo folgt diesem Vorbild – mit eigenen Ambitionen. Er sieht sich nicht als Rebell, sondern als Athlet, der die Grenzen des Machbaren auslotet. Ob das rechtlich und moralisch haltbar ist, bleibt fraglich.

    Der schmale Grat zwischen Mut und Leichtsinn

    Was treibt Menschen wie Anthony Andolfo an, ihr Leben auf diese Weise zu riskieren? Ist es der Kick, die Aufmerksamkeit oder doch die Suche nach einer tieferen Bedeutung? Diese Frage bleibt offen – und vielleicht ist genau das der Reiz dieser Aktionen.

    Was sicher ist: Die physische und mentale Leistung solcher Kletterer ist enorm. Es braucht Kraft, Konzentration und eiserne Nerven. Doch ohne Sicherheitsmaßnahmen bleibt ein bitterer Beigeschmack – besonders, wenn es zu Unfällen kommt.

    Und jetzt?

    Die Diskussion ist eröffnet. Müssen Städte wie Paris künftig ihre Gebäude zu Festungen ausbauen, um sich gegen urbane Kletterkunst zu schützen? Oder sollten sie lieber mit legalen Angeboten wie Hochhaus-Kletterwänden auf öffentlichen Plätzen einen sicheren Rahmen schaffen?

    Die Antwort liegt wohl irgendwo dazwischen. Denn solange es mutige Menschen gibt, die nach oben streben – im wahrsten Sinne des Wortes – wird es solche Grenzgänger geben.

    Und wer weiß: Vielleicht schauen wir beim nächsten Spaziergang durch die Stadt wieder nach oben. Nur so – zur Sicherheit.

    Von C. Hatty