Schlagwort: Textilindustrie

  • Das Ende einer Legende: Calais verliert seine älteste Spitzenmanufaktur

    Das Ende einer Legende: Calais verliert seine älteste Spitzenmanufaktur

    Mit der endgültigen Schließung der Spitzenmanufaktur Darquer endet ein Kapitel französischer Industriegeschichte, das fast zwei Jahrhunderte umfasste. Das 1840 gegründete Unternehmen, die älteste Spitzenmanufaktur von Calais, wurde Anfang Juli vom Handelsgericht in Boulogne sur Mer liquidiert. Nach einer kurzen Fortführung des Betriebs bis zum 17. Juli schlossen sich die Werkstore endgültig. Rund 45 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit – und mit ihnen verschwindet ein bedeutender Teil des handwerklichen Erbes der Region.

    Darquer stand wie kaum ein anderes Unternehmen für die traditionsreiche Spitzenherstellung, die Calais weltweit bekannt machte. Besonders außergewöhnlich: Die Manufaktur arbeitete bis zuletzt mit historischen Leavers Webstühlen. Diese gewaltigen Maschinen aus Gusseisen stammen aus dem 19. Jahrhundert und gelten noch heute als Maßstab für die Herstellung feinster Spitze. Ihr Betrieb verlangt nicht nur technisches Wissen, sondern auch viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Jede Maschine erzählt ein Stück Industriegeschichte – und genau das verlieh den Produkten ihren besonderen Ruf.

    Über Jahrzehnte belieferte Darquer renommierte Haute Couture Häuser und internationale Luxusmarken. Auch prominente Kundinnen vertrauten auf die feinen Spitzen aus Nordfrankreich. Selbst Mitglieder des britischen Königshauses sowie Künstlerinnen wie Beyoncé trugen Kreationen, die mit Stoffen aus den Werkstätten von Darquer gefertigt wurden. Das Unternehmen verband traditionelle Handwerkskunst mit höchster Qualität und besaß einen ausgezeichneten Ruf weit über Frankreich hinaus.

    Doch selbst eine solche Erfolgsgeschichte bot keinen Schutz vor den wirtschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. Bereits seit Jahren kämpfte die Manufaktur mit finanziellen Problemen. Seit 2025 lief ein Insolvenzverfahren, mehrere Rettungsversuche scheiterten. Geschäftsführer Sébastien Bento Soares erklärte nach der Entscheidung des Gerichts, das Unternehmen habe bis zuletzt um seine Zukunft gerungen. Am Ende reichte das jedoch nicht mehr aus.

    Die Schließung trifft nicht nur die Beschäftigten, sondern eine gesamte Region. Calais verdankte seinen wirtschaftlichen Aufstieg über Generationen der Spitzenindustrie. Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiteten rund 30.000 Menschen in diesem Industriezweig. Die Fabriken prägten das Stadtbild, zahlreiche Familien lebten von der Herstellung der berühmten Calaiser Spitze. Heute existieren nur noch wenige Betriebe. Mit dem Ende von Darquer schrumpft diese traditionsreiche Branche erneut erheblich. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die älteste Manufaktur zuerst ihre Tore für immer schließen würde?

    Dabei gab es erst vor kurzer Zeit einen Hoffnungsschimmer. Im Jahr 2024 erhielt die Dentelle de Calais Caudry eine geschützte geografische Angabe. Dieses Qualitätssiegel soll das traditionelle Know how vor Nachahmungen schützen und die Herkunft der hochwertigen Spitze sichern. Für die Hersteller bedeutete diese Anerkennung einen wichtigen Erfolg. Doch ein Siegel allein löst keine wirtschaftlichen Probleme. Die Produktion verlangt viel Handarbeit, die historischen Maschinen verursachen hohe Wartungskosten und gleichzeitig wächst der Konkurrenzdruck durch günstigere Anbieter im Ausland. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

    Entsprechend emotional fallen die Reaktionen in Frankreich aus. In sozialen Netzwerken und zahlreichen Medien beschreiben viele Menschen die Schließung als Verlust eines einzigartigen Kulturerbes. Der Satz „Notre patrimoine français disparaît“ bringt diese Stimmung auf den Punkt. Für viele geht es längst nicht mehr nur um den Verlust eines Unternehmens, sondern um das Verschwinden eines Symbols französischer Handwerkskunst und industrieller Identität. Denn was bleibt von einer Tradition, wenn ihre ältesten Werkstätten verstummen?

    Ganz endet die Spitzenproduktion in Calais und Caudry dennoch nicht. Einige Hersteller fertigen weiterhin hochwertige Spitzen für die internationale Luxusmode. Dennoch besitzt das Aus von Darquer eine besondere Symbolkraft. Es zeigt, wie schwer sich selbst traditionsreiche französische Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Globalisierung, steigenden Produktionskosten und einem kleiner werdenden Markt behaupten. Mit der ältesten Spitzenmanufaktur verschwindet nicht nur ein Name, sondern ein Stück lebendige Geschichte, das Generationen von Menschen geprägt und Frankreichs Ruf als Heimat außergewöhnlicher Handwerkskunst entscheidend mitgestaltet hat.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Der zweite China-Schock

    Der zweite China-Schock

    Vor zwei Jahrzehnten erlebte die westliche Welt das, was später als „China-Schock“ bekannt wurde.

    Unternehmen in den Vereinigten Staaten und Europa verlagerten ihre Produktion nach China, das faktisch zur Werkbank des Westens wurde. Spielzeug, Kleidung, Elektronik und Autos strömten in einem solchen Tempo aus chinesischen Fabriken in die Industrieländer, dass ganze Wirtschaftszweige kollabierten. Fabriken schlossen, Hunderttausende, wenn nicht Millionen Arbeitsplätze gingen verloren. Die politischen Nachwirkungen sind bis heute spürbar.

    Nun zeichnet sich ein zweiter China-Schock ab – mit anderen Vorzeichen. Da chinesische Produkte wegen US-Zöllen vom amerikanischen Markt weitgehend ausgeschlossen sind und die Inlandsnachfrage nicht ausreicht, richtet China seine Exporte verstärkt auf Entwicklungsländer aus. Zudem verlagert es seine Produktionsstätten zunehmend in diese Länder.

    Während der erste China-Schock vom Westen weitgehend selbst herbeigeführt wurde – auch wenn manche Entscheidungsträger die Folgen inzwischen bereuen –, vollzieht sich der neue Schock in Staaten, die weit weniger Kontrolle über das Geschehen haben. Im Vergleich zu den Industrieländern sind diese Schwellenländer zudem stärker von der industriellen Fertigung abhängig, um ihr Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten.

    Die sozialen Auswirkungen des zweiten China-Schocks dürften daher ebenso tiefgreifend sein wie die des ersten – nur diesmal in anderen Teilen der Welt. Erste Anzeichen dafür werden bereits sichtbar.


    Fabrikweltmacht

    Schätzungen zufolge haben in den letzten zwei Jahren über 300.000 Menschen in Indonesiens Textil- und Bekleidungsindustrie ihre Arbeit an die chinesische Konkurrenz verloren.

    Der Einbruch begann, als preisgünstige chinesische Stoffe und Kleidung in Massen auf den indonesischen Markt strömten. Als im März eine große Fabrik in der Stadt Solo überraschend schloss, standen auf einen Schlag 10.000 Menschen ohne Beschäftigung da.

    Auch in Thailand gerieten lokale Unternehmen unter Druck. Die thailändische Zentralbank warnte jüngst vor einer „Überschwemmung durch chinesische Exporte“ nach Thailand und Südostasien. Der Druck habe sich durch Chinas industrielle Überkapazitäten „deutlich verschärft“.

    In Afrika erreichten die Importe aus China im September ein Volumen von 60 Milliarden US-Dollar – mehr als im gesamten Jahr 2024.

    Am Montag veröffentlichte offizielle Daten bestätigen, was Insider bereits vermutet hatten: Chinas Handelsüberschuss mit der Welt hat 2025 erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar überschritten.

    „Chinas Exporte wachsen derzeit dreimal so schnell wie der Welthandel insgesamt“, erklärt Brad Setser, Ökonom beim Council on Foreign Relations. Ein solcher Zuwachs sei kaum möglich, ohne dass Fabriken anderswo schließen müssen, so Setser.

    Anders als beim ersten China-Schock exportiert China diesmal nicht nur günstige Konsumgüter – es exportiert auch ganze Produktionsstätten. Hintergrund ist unter anderem die Umgehung der von Donald Trump verhängten hohen Zölle auf in China gefertigte Waren.

    Diese Entwicklung hatte für einige Länder durchaus positive Seiten. In Vietnam zum Beispiel wirkte sich die Ansiedlung chinesischer Werke bislang überwiegend positiv aus – auch deshalb, weil viele der verlagerten Branchen wie Möbel- und Schuhproduktion arbeitsintensiv sind und lokale Arbeitskräfte benötigen.

    Malaysia hingegen illustriert die Risiken, wenn chinesische Industrie zu dominant wird. Die noch junge malaysische Solarbranche wurde von chinesischen Konzernen verdrängt, die riesige Fabriken errichteten und Zehntausende beschäftigten.

    Doch dann verhängten die USA Zölle, die sich gezielt gegen chinesische Solarexporte über Südostasien richteten. Die chinesischen Werke wurden stillgelegt – und Malaysias Solarindustrie liegt heute in Trümmern.


    Arbeitslosigkeit und Unruhen

    Viele Länder, in die China derzeit verstärkt exportiert, erleben einen massiven Abschwung ihrer heimischen Industrie.

    Zugleich sind ihre Bevölkerungen im Durchschnitt jung.

    Diese Konstellation trägt bereits zu Spannungen bei – etwa in Indonesien, wo junge Demonstrierende ihren Frust über mangelnde berufliche Perspektiven auf die Straße tragen.

    „Wenn chinesische Exporte weiterhin in diesem Ausmaß hereinströmen, besteht definitiv das Risiko, dass es vermehrt zu Protesten kommt“, warnt Priyanka Kishore, Ökonomin in Singapur.

    In Verbindung mit dem verbreiteten antichinesischen Ressentiment in Südostasien ergibt sich daraus eine explosive Mischung. In vielen Ländern der Region kontrollieren ethnisch chinesische Minderheiten große Teile des wirtschaftlichen Vermögens. Bereits 2014 eskalierte in Vietnam der Zorn auf Chinas Territorialansprüche im Südchinesischen Meer – Tausende wütende Arbeiter legten dabei ausländische Fabriken in Schutt und Asche. In Indonesien kam es 1998 während der Asienkrise zu pogromartigen Ausschreitungen gegen die chinesische Bevölkerungsgruppe.

    Vor über zwanzig Jahren hatte der Westen Chinas industrielle Effizienz noch mit offenen Armen empfangen. Die billige Arbeitskraft aus dem Reich der Mitte bescherte westlichen Unternehmen über Jahre hinweg hohe Profite – und eine bis heute spürbare soziale und politische Gegenreaktion.

    Daraus können Länder in Südostasien und anderswo Lehren ziehen. Denn im Gegensatz zum Westen haben sie sich den zweiten China-Schock nicht selbst ausgesucht. Aber sie werden ihn trotzdem verkraften müssen.

    Viele der Länder, in die China heute verstärkt exportiert, durchlaufen derzeit eine ausgeprägte Schwächephase im verarbeitenden Gewerbe.

    Hinzu kommt: In vielen dieser Staaten ist die Bevölkerung jung – ein Umstand, der die sozialen Spannungen zusätzlich anheizt.

    Diese Dynamik könnte bereits zu den Unruhen beigetragen haben, die sich zuletzt etwa in Indonesien gezeigt haben, wo junge Demonstrierende ihren Frust über fehlende wirtschaftliche Perspektiven artikulierten.

    Menschen versammelt mit Bannern und Fahnen.
    Demonstrierende vor dem Parlament in Jakarta, Indonesien, im September.
    Foto: Ulet Ifansasti für die New York Times

    „Es besteht definitiv das Risiko, dass sich mit dem anhaltenden Zustrom chinesischer Exporte auch die Zahl der Proteste weiter erhöht“, sagte Priyanka Kishore, Ökonomin in Singapur.

    Dies ist besonders brisant in Kombination mit dem antichinesischen Sentiment, das in Teilen Südostasiens latent vorhanden ist – auch aufgrund der ökonomischen Dominanz von Unternehmen ethnisch chinesischer Minderheiten. Bereits 2014 brannten in Vietnam Tausende Arbeiter ausländische Fabriken nieder – in Wut über Chinas Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer. In Indonesien kam es während der Asienkrise 1998 zu pogromartigen Ausschreitungen gegen ethnische Chinesen.

    Vor über zwei Jahrzehnten begrüßte der Westen noch die Effizienz der chinesischen Produktionsmaschinerie – billige Arbeitskräfte verschafften westlichen Firmen jahrelang hohe Gewinne. Doch die sozialen und politischen Folgen dieses ersten Schocks wirken bis heute nach.

    Für die heutigen betroffenen Länder, insbesondere in Südostasien und Afrika, liegt darin eine Lehre. Im Gegensatz zum Westen haben sie sich den zweiten China-Schock nicht selbst eingeladen. Doch sie werden dennoch mit seinen Folgen leben müssen.


    Nachrichtenüberblick

    Hamas „steht noch“ in Gaza

    Seit sich israelische Streitkräfte im Oktober im Rahmen eines Waffenstillstands aus Teilen des Gazastreifens zurückgezogen haben, ist Hamas rasch wieder aktiv geworden und hat Polizeikräfte auf die Straßen geschickt.

    Zwar kontrolliert die Organisation heute weniger als die Hälfte des Gazastreifens – der Rest ist von Israel besetzt –, doch konnte sie ihre Macht dennoch erneut etablieren. „Sie stehen noch“, sagte ein ehemaliger hoher Beamter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet. Die schnelle Reorganisierung der Hamas stellt ein erhebliches Hindernis für die US-Pläne dar, ein Gaza ohne Hamas wiederaufzubauen.


    Neue Gewaltwelle zwischen Thailand und Kambodscha

    Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende wurden vertrieben, nachdem es an der thailändisch-kambodschanischen Grenze zu neuen Kampfhandlungen gekommen war.

    Thailändische Kampfflugzeuge bombardierten am Vortag Ziele in Kambodscha. Das thailändische Militär erklärte, die Luftschläge seien eine Reaktion auf einen kambodschanischen Angriff gewesen, bei dem mindestens ein thailändischer Soldat getötet und acht weitere verletzt wurden. Die Eskalation verdeutlicht, wie tief der Konflikt zwischen den beiden Staaten verwurzelt ist.


    Weitere Meldungen

    • In Syrien feierten Menschen den ersten Jahrestag des Sturzes von Diktator Baschar al-Assad durch Rebellengruppen.
    • Paramount startete eine feindliche Übernahmeofferte für Warner Bros. Discovery, wenige Tage nachdem der Konzern angekündigt hatte, sein Streaming- und Filmgeschäft an Netflix zu verkaufen.
    • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies Russlands Forderungen nach territorialen Zugeständnissen zurück – die Friedensgespräche sind ins Stocken geraten.
    • Bei Angriffen auf einen Kindergarten und ein Krankenhaus im Sudan wurden vergangene Woche laut WHO 114 Menschen getötet, darunter 63 Kinder.
    • Ein Militärgericht verurteilte vier russische Soldaten wegen der Ermordung eines US-Bürgers, der zuvor als Propagandist für Moskau tätig war, zu Gefängnisstrafen.
    • In São Paulo, Brasilien, raubten Bewaffnete über ein Dutzend Kunstwerke aus einer Bibliothek – darunter Werke von Henri Matisse.
    • Die Serien „One Battle After Another“ und „The White Lotus“ erhielten die meisten Nominierungen für die Golden Globes.

    Autor: P. Tiko

  • USA und Israel setzen auf „Alles-oder-nichts“-Abkommen für Gaza – und andere World-News

    USA und Israel setzen auf „Alles-oder-nichts“-Abkommen für Gaza – und andere World-News

    Nach monatelangen, ins Stocken geratenen Verhandlungen über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln im Gazastreifen haben US-amerikanische und israelische Regierungsvertreter signalisiert, dass sie künftig auf ein umfassendes Abkommen zur Beendigung des Kriegs drängen wollen.

    „Wir glauben, dass wir diese Verhandlungen auf ein ‚Alles oder nichts‘-Format umstellen müssen – alle kommen nach Hause“, sagte Steve Witkoff, Nahost-Gesandter unter der Trump-Regierung, in einer Audioaufnahme eines Treffens mit Angehörigen von Geiseln am vergangenen Wochenende.

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump arbeiten dem Vernehmen nach an einem Vorschlag, der die Hamas vor ein Ultimatum stellen würde: Entweder sie lässt alle verbliebenen Geiseln frei und stimmt Bedingungen zur Entwaffnung der Organisation zu – oder Israels Militäreinsatz wird fortgesetzt.

    Die Aussicht auf ein rasches Vorankommen bei einem solchen Abkommen erscheint derzeit jedoch gering. Mahmoud Mardawi, ein Hamas-Vertreter, erklärte, seine Organisation habe bisher keinen Vorschlag für ein Gesamtpaket erhalten. Zwar unterstütze die Hamas eine umfassende Vereinbarung grundsätzlich, jedoch werde man sich nicht entwaffnen lassen.

    Der Wandel im Tonfall erfolgt in einem Moment zunehmender internationaler Kritik an der humanitären Lage im Gazastreifen – insbesondere an der drohenden Hungersnot – sowie wachsendem innenpolitischen Druck auf die israelische Regierung, die verbleibenden Geiseln freizubekommen. Am Freitag veröffentlichte die Hamas ein Video, das den abgemagerten Evyatar David, einen der mutmaßlich noch lebenden zwanzig Geiseln, in einem unterirdischen Tunnel zeigt.


    Trumps Zollpolitik stürzt Lesotho ins Chaos

    Als die Trump-Regierung vergangene Woche ihre neuen Importzölle finalisierte, schien das kleine südafrikanische Königreich Lesotho glimpflich davonzukommen: Statt der ursprünglich im April angekündigten 50 Prozent sollte das Land nur mit einem Zollsatz von 15 Prozent belegt werden. Doch der eigentliche Schaden war da bereits angerichtet.

    Analysten berichten über dramatische Folgen für Lesotho. Die Textilindustrie, die 90 Prozent der industriellen Arbeitsplätze im Land stellt, geriet durch die angedrohten Strafzölle ins Wanken. Zahlreiche US-Firmen stornierten ihre Bestellungen. Einige Fabriken mussten ihre Produktion ganz oder teilweise einstellen – tausende Arbeitsplätze gingen verloren.

    Seit über zwanzig Jahren exportiert Lesotho Textilien zollfrei in die USA – ermöglicht durch ein entsprechendes Handelsgesetz. Doch Trumps 50-Prozent-Drohung führte zu einem abrupten Vertrauensverlust der amerikanischen Auftraggeber.


    Putin verschärft Kontrolle über russisches Internet

    Präsident Wladimir Putin hat vergangene Woche neue Gesetze unterzeichnet, die gezielt gegen Umgehungsmethoden vorgehen, mit denen russische Bürger bislang auf ausländische Apps und gesperrte Inhalte zugreifen konnten.

    Die Kreml-Strategie zielt darauf ab, das russische Internet vollständig unter staatliche Kontrolle zu bringen. Dafür werden westliche Technologieprodukte zunehmend durch russische Alternativen ersetzt, die leichter überwachbar und zensierbar sind. Ein Beispiel ist der neue staatlich genehmigte Messenger-Dienst „MAX“, der ab kommendem Monat auf allen in Russland verkauften Smartphones vorinstalliert sein muss.

    Zudem weitet Moskau seine Bemühungen aus, sogenannte VPN-Dienste zu blockieren und deren Nutzung durch Privatpersonen zu unterbinden – ein Schritt, der auch wirtschaftliche und bildungspolitische Folgen haben dürfte.


    Weitere wichtige Meldungen

    Russland: Ein ruhender Vulkan auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten des Landes ist erstmals seit 400 Jahren wiede ausgebrochen.

    Ukraine: Die Behörden nahmen mehrere Beamte fest. Ihnen wird Beteiligung an einem Korruptionsskandal bei Rüstungsbeschaffungen vorgeworfen.

    Migration: Über 60 Migranten sind ums Leben gekommen, als ihr überladenes Boot auf dem Weg nach Jemen kenterte.

    Öl: Acht OPEC-Plus-Staaten, angeführt von Saudi-Arabien, kündigten an, ihre Fördermengen trotz sinkender Nachfrageprognosen weiter zu erhöhen.

    Indien: Die Regierung erklärte, weiterhin günstiges Öl aus Russland zu kaufen – trotz Sanktionsdrohungen durch US-Präsident Trump.

    Trump: Gegen Jack Smith, den ehemaligen Sonderermittler im Fall Trump, wurde ein Verfahren eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, möglicherweise gegen das Neutralitätsgesetz für Bundesangestellte verstoßen zu haben.

    China: Staatsbedienstete wurden angewiesen, ihre Reisepässe abzugeben. Die Behörden wollen Auslandsreisen und Kontakte ins Ausland einschränken.

    Chile: Retter entdeckten die Leichen dreier vermisster Bergleute nach einem Grubenunglück in einer großen Kupfermine. Zwei weitere werden noch vermisst.

    Haiti: Ein Team amerikanischer Söldner, das gegen Banden in Haiti eingesetzt werden sollte, musste vorzeitig abziehen. Zwei seiner Mitglieder gelten als vermisst und vermutlich tot.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreich geht gegen Shein und Temu vor – Neue Regeln für Ultra-Fast Fashion

    Frankreich geht gegen Shein und Temu vor – Neue Regeln für Ultra-Fast Fashion

    Frankreich hat als erstes europäisches Land ein umfassendes Gesetzespaket verabschiedet, das sich explizit gegen das Geschäftsmodell der sogenannten Ultra-Fast Fashion richtet. Mit diesem Schritt positioniert sich die französische Politik an vorderster Front im Kampf gegen die ökologischen und sozialen Schattenseiten eines rasant expandierenden Modemarkts. Am 10. Juni 2025 stimmte der französische Senat einstimmig für eine Gesetzesinitiative, die bereits im Vorjahr von der Nationalversammlung auf den Weg gebracht worden war. Ziel des Gesetzes ist es, Unternehmen wie Shein oder Temu zu regulieren, deren Geschäftsmodell auf extrem kurzen Produktionszyklen, niedrigen Preisen und einer enormen Produktvielfalt beruht. In der Branche bringt kein Anbieter so viele neue Artikel pro Tag auf den Markt wie Shein: Über 7.000 Stück täglich – ein Vielfaches des üblichen Branchenwerts. Regulierungsmaßnahmen mit Signalwirkung Das verabschiedete Gesetz unterscheidet bewusst zwischen Fast Fashion und Ul…

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  • Frankreich gegen Fast Fashion: Wie der Senat den Textil-Giganten auf die Finger schaut

    Frankreich gegen Fast Fashion: Wie der Senat den Textil-Giganten auf die Finger schaut

    In Paris geht es gerade heiß her – zumindest politisch. Der französische Senat diskutiert über ein Gesetz, das die Modewelt verändern könnte. Zielscheibe: Die Fast-Fashion-Industrie. Genauer gesagt: ihre rasant wachsenden chinesischen Player wie Shein und Temu, die mit täglichen Neuheiten und Billigpreisen das Internet fluten. Aber wie weit reicht dieser Gesetzentwurf wirklich? Was ist Fast Fashion überhaupt? Erstmals will Frankreich den Begriff „Fast Fashion“ gesetzlich definieren – und das gleich mit mehreren Haken: hohe Produktionsmengen, ständige Kollektionserneuerungen, kaum Anreize zur Reparatur und Kleidung mit eingebautem Verfallsdatum. Das trifft ins Mark der Strategie von Plattformen wie Shein, die mit Tausenden neuen Artikeln pro Tag genau dieses Modell perfektioniert haben. Die Idee: Wer so produziert, schädigt nicht nur die Umwelt, sondern auch faire Arbeitsbedingungen weltweit. Und deshalb soll dieser Wahnsinn gestoppt – oder wenigstens gebremst – werden. Der Gesetzesvors…

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  • Shein im Visier: Greenwashing-Vorwürfe und eine Anzeige bei der Werbeaufsicht

    Shein im Visier: Greenwashing-Vorwürfe und eine Anzeige bei der Werbeaufsicht

    Die Fast-Fashion-Marke Shein gerät erneut in die Schlagzeilen – diesmal wegen ihrer Umweltversprechen. Die Umweltorganisation France Nature Environnement (FNE) hat beim französischen Werberat (Jury de Déontologie Publicitaire, kurz JDP) eine Beschwerde gegen Shein eingereicht. Der Vorwurf: Greenwashing. Umweltfreundlich? Von wegen! Mit Slogans wie „Für eine nachhaltigere Mode“ oder „Netto-Null-Emissionen spätestens bis 2050“ wirbt Shein derzeit in einer groß angelegten Kampagne. QR-Codes auf Werbeanzeigen führen zu Webseiten, die das angebliche Umweltengagement des Unternehmens unterstreichen sollen. Doch die FNE zweifelt an der Ehrlichkeit dieser Botschaften. Axèle Gibert, Sprecherin der Organisation, bringt es auf den Punkt: Die Kampagne sei „unlauter, irreführend und geeignet, Konsumenten über die Realität der angebotenen Produkte zu täuschen“. Denn unter dem grünen Deckmantel verbergen sich laut FNE altbekannte Probleme – darunter maßlose Überproduktion, aggressive Konsumanreize, A…

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