Schlagwort: tempête ingrid

  • Sechs Meter hohe Wellen, Orkanböen und eine seltsame Ruhe im Sturm – wie „Ingrid“ die Bretagne trifft

    Sechs Meter hohe Wellen, Orkanböen und eine seltsame Ruhe im Sturm – wie „Ingrid“ die Bretagne trifft

    Die Bretagne kennt raues Wetter, doch an diesem Freitag und Samstag zeigte sich der Atlantik vor dem Finistère von einer besonders unerbittlichen Seite. Sturm Ingrid fegte über die Küste, mit Böen jenseits der 130 Kilometer pro Stunde und Wellen, die bis zu sechs Meter hoch an die Felsen schlugen. Ein Naturschauspiel von seltener Wucht, das gleichermaßen Ehrfurcht und Vorsicht verlangte.

    Schon am Morgen peitschten Wind und Regen über Häfen und Promenaden. Für die Fischer bedeutete das Stillstand. In Saint-Guénolé wurden Boote zusätzlich gesichert, Leinen verdoppelt, Knoten nachgezogen. Niemand wollte riskieren, dass ein Schiff im Hafen losreißt und zum Spielball der Elemente wird. „Man müsste schon verrückt sein, jetzt rauszufahren“, hieß es trocken von einem der Seeleute, während hinter ihm Gischt über die Kaimauer spritzte.

    Besonders heftig traf es exponierte Punkte der Küste. An der Pointe du Raz wurden Windgeschwindigkeiten von 144 Kilometern pro Stunde gemessen, an der Pointe de Penmarc’h kaum weniger. Selbst im Landesinneren, etwa in Saint-Ségal, erreichte der Sturm noch Werte, die sonst eher an der offenen See üblich sind. Meteorologisch bemerkenswert: Ingrid verharrte nahezu ortsfest vor der Küste der Bretagne. Statt rasch weiterzuziehen, nährte sich das System selbst und hielt die Region stundenlang im Griff.

    Auf den Wegen entlang der Küste kämpften Spaziergänger gegen den Wind, Hunde stemmten sich mit gesenktem Kopf voran. „Das zerrt an den Nerven“, sagte eine Frau lachend, mehr müde als ängstlich. Andere blieben stehen, hielten Abstand und zückten die Kamera. Wenn eine Welle über die Felsen brach und das Wasser wie ein Vorhang aus der Luft fiel, wirkte der Mensch plötzlich winzig. Schön, ja. Aber eben auch gefährlich.

    Die Behörden beließen es nicht bei Appellen. Die Warnstufe Orange für Sturm sowie für hohe Wellen und mögliche Überflutungen blieb bis Mitternacht bestehen. Ein klarer Hinweis darauf, dass Ingrid trotz aller Faszination kein Sturm für Leichtsinn war.

    Autor: C.H.

  • Sturm Ingrid hält die Bretagne in Atem – Orange Warnstufe bleibt, Entspannung nur in den Alpen

    Sturm Ingrid hält die Bretagne in Atem – Orange Warnstufe bleibt, Entspannung nur in den Alpen

    Der Name Ingrid klingt harmlos, beinahe freundlich. Doch in der Bretagne sorgt diese Depression seit Freitag für nasse Keller, gesperrte Straßen und einen Himmel, der nicht zur Ruhe kommen will. Während sich die Lage am Samstag langsam stabilisiert, bleibt die Situation angespannt – besonders in den westlichen und südlichen Départements.

    Tempête Ingrid zog am Freitag, dem 23. Januar, vor der Küste des Finistère entlang und brachte kräftige Regenfälle, stürmische Böen und hohe Wellen mit sich. Die Meteorologen von Météo-France sprechen von einer allmählichen Abschwächung der Niederschläge und des Winds im Laufe des Samstagnachmittags. Entwarnung klingt anders.

    Denn weiterhin gilt in mehreren Départements die orangefarbene Warnstufe. Der Morbihan und das Ille-et-Vilaine stehen wegen drohender Überschwemmungen unter Beobachtung, im Finistère bleibt die Alarmstufe Orange sowohl für Starkregen als auch für Hochwasser bestehen. Die zuvor aktive Warnung vor Sturmfluten wurde zwar aufgehoben, doch in zahlreichen Gemeinden steht das Wasser noch immer kniehoch in den Straßen.

    Der Wind zeigte am Freitagabend, wozu Ingrid fähig ist. In Quimper wurden Böen mit bis zu 109 Stundenkilometern gemessen, an exponierten Kaps sogar jenseits der 130er-Marke. Der Flughafen Brest meldete mehrere Flugausfälle – betroffen waren unter anderem Verbindungen nach Paris-Charles-de-Gaulle, Marseille, Toulon und Toulouse. Wer dort gestrandet war, brauchte Geduld. Viel Geduld.

    Besonders kritisch bleibt die Lage an den Flüssen. Laut dem Hochwasserportal Vigicrues stehen nun vier Wasserläufe unter orangefarbener Beobachtung: die Laïta und der Odet im Finistère sowie der Blavet und der Oust im Morbihan und angrenzenden Départements. Schäden durch Überflutungen treten bereits auf oder gelten als sehr wahrscheinlich. In Quimperlé ist die Laïta über die Ufer getreten. Bürgermeister Michaël Quernez spricht von einer extrem langsamen Entspannung der Lage – ein weiteres Hochwassermaximum wurde für den Samstagmorgen erwartet. Da hilft kein Schönreden, das Wasser bleibt erst mal.

    Ein kleiner Lichtblick kommt aus den Alpen. Dort hatte Ingrid am Freitagnachmittag einen kurzen, aber intensiven Schneefall ausgelöst. Die Départements Isère, Savoie und Haute-Savoie standen zeitweise unter der Warnstufe „Neige-Verglas“. Diese wurde am späten Abend, gegen 23 Uhr, wieder aufgehoben. Schnee weg, Alarm weg.

    In der Bretagne dagegen heißt es weiter: aufmerksam bleiben, Sandsäcke füllen, Wetter-Apps checken. Ingrid verabschiedet sich langsam – aber sie nimmt sich Zeit.

    Von Andreas M. Brucker

  • Wenn das Wasser nicht weicht: Quimperlé lebt mit der Angst vor der nächsten Flut

    Wenn das Wasser nicht weicht: Quimperlé lebt mit der Angst vor der nächsten Flut

    Die bretonische Kleinstadt Quimperlé steht erneut unter Druck. Während sich viele Orte nach Tagen des Regens zumindest kurz sammeln dürfen, bleibt hier alles angespannt. Der Sturm Ingrid hat das Land fest im Griff, und in Quimperlé steht das Wasser weiter dort, wo es niemand haben will: in den Straßen, an den Haustüren, in den Geschäften. Die Laïta, sonst eher gelassen, zeigt sich unberechenbar.

    Am Freitagmorgen, dem 23. Januar, schien sich für einen Moment Erleichterung anzubahnen. Die Pegel gingen leicht zurück, ein vorsichtiges Aufatmen lag in der Luft. Doch dann kam der Regen zurück – dicht, schwer, erbarmungslos. Die Hoffnung der Anwohner verdampfte schneller als das Wasser weichen konnte.

    Man hört es in den Stimmen der Menschen. Müdigkeit, ja. Aber auch diese besondere Form der Resignation, die entsteht, wenn man ein Szenario zu gut kennt. Seit den schweren Überschwemmungen der Jahre 2013 und 2014 hat Quimperlé Routine im Ausnahmezustand entwickelt. Sandsäcke, Barrieren, improvisierte Umzüge zu Freunden oder Verwandten – alles schon erlebt, alles schon gemacht.

    Eine Bewohnerin beschreibt, wie das Wasser erneut über die Hochwasserschutzbarrieren schwappt. So hoch stand es seit Jahren nicht mehr. Ein Mann aus einem der umzingelten Häuser kommt nicht einmal mehr in seine Wohnung im zweiten Stock. Er nimmt es fast gelassen. „Man ist das hier gewohnt“, sagt er. Für die Geschäftsleute gelte das weniger. Und da hat er recht.

    Die Händler im Stadtzentrum arbeiten seit Tagen im Krisenmodus. Manche Lokale bleiben unzugänglich, andere haben das Schlimmste gerade hinter sich – zumindest für den Moment. In einem Restaurant trieb noch vor Kurzem der Eis-Gefrierschrank durchs Lokal. Jetzt ist der Boden trocken, doch niemand räumt auf. Warum auch. Die nächste Flut kündigt sich bereits an, vielleicht heftiger als die letzte.

    Die Wetterdienste erwarten weitere starke Regenfälle, nicht nur hier im südlichen Finistère, sondern auch in den angrenzenden Regionen. In Redon, weiter östlich, errichten Einsatzkräfte hastig neue Schutzanlagen. Ein Wettlauf gegen das Wasser, der selten gewonnen wird.

    Quimperlé wartet. Auf Regen. Auf Entlastung. Oder auf beides zugleich.
    Und hofft, dass Ingrid bald weiterzieht.

    Autor: C.H.