Schlagwort: Tag der Frauenrechte

  • 8. März: Zehntausende demonstrieren in Frankreich für Gleichberechtigung

    8. März: Zehntausende demonstrieren in Frankreich für Gleichberechtigung

    Lohnungleichheit, geschlechtsspezifische Gewalt und der zunehmende Einfluss männlich-dominierter Ideologien – all das hat am 8. März Zehntausende Menschen in ganz Frankreich auf die Straßen gebracht. In Paris spricht das feministische Bündnis „Grève féministe“ von 120.000 Demonstrierenden, während die Polizei 47.000 zählt. Doch unabhängig von den Zahlen steht eines fest: Die Bewegung für Frauenrechte zeigt eine ungebrochene Entschlossenheit. Großdemonstrationen im ganzen Land Nicht nur in Paris wurde protestiert. In Lyon versammelten sich laut Behörden 9.300 Menschen, in Toulouse 7.500, in Rennes 5.000. Landesweit sollen insgesamt 250.000 Demonstrierende dem Aufruf von rund 50 feministischen Kollektiven, Gewerkschaften und Verbänden gefolgt sein. Die Stimmung in den Demonstrationszügen war kämpferisch, blieb jedoch überwiegend friedlich – abgesehen von kleineren Spannungen zwischen der Polizei und einzelnen Demonstrierenden am Ende des Pariser Protestzugs. Sabine, 49 Jahre alt und Leit…

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  • Gleichstellung der Geschlechter: Hat Frankreich sein Versprechen gebrochen?

    Gleichstellung der Geschlechter: Hat Frankreich sein Versprechen gebrochen?

    Weniger Lohn, mehr Gewalt, kaum Fortschritte – trotz großer Versprechungen kommt Frankreich bei der Gleichstellung von Frauen und Männern nur schleppend voran. Ein neuer Bericht der NGO Oxfam rügt die Regierung scharf und spricht von einem „begrabenen“ Versprechen.

    Von der „großen Sache“ zur großen Enttäuschung

    Als Emmanuel Macron 2017 die Gleichstellung der Geschlechter zur „großen Sache“ seiner Amtszeit erklärte, klang das wie ein Meilenstein. Doch wo steht Frankreich heute? Laut Oxfam: weit hinten. Die Organisation kritisiert, dass das Thema durch Budgetkürzungen und politische Instabilität an Priorität verloren habe.

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der französische Rechnungshof bemängelte bereits im Januar, dass die Gleichstellungspolitik des Staates kaum spürbare Fortschritte bringe. Noch drastischer ist die globale Perspektive: Bei gleichbleibendem Tempo würde es laut Oxfam fast 300 Jahre dauern, bis echte Gleichstellung erreicht ist.

    Einer der kleinsten Budgets in Europa

    Ein Blick auf die Finanzen offenbart, wo das Problem liegt. Der Etat des Ministeriums für Gleichstellung liegt 2025 bei weniger als 100 Millionen Euro – das sind nur 0,02 % des gesamten Staatshaushalts. Zum Vergleich: Spanien, oft als Vorbild in Sachen Geschlechtergerechtigkeit genannt, investiert über 500 Millionen Euro pro Jahr.

    „Seit Jahren warnen wir davor, dass zu wenig getan wird“, sagt Sarah Lhote Fernandes, Kampagnenleiterin bei Oxfam Frankreich. Die Situation habe sich durch politische Krisen und Budgetkürzungen sogar noch verschlechtert.

    Aber was bedeutet das konkret für die Frauen in Frankreich?

    Wirtschaftliche Ungleichheit bleibt fest verankert

    Seit 1946 steht die Gleichstellung in der französischen Verfassung, doch die Realität sieht anders aus. Frauen verdienen im Privatsektor 22,2 % weniger als Männer – und das Jahr 2072 scheint der früheste Zeitpunkt, um diese Lücke zu schließen, wenn sich nichts ändert.

    Das Problem? Eine „doppelte Segregation“ auf dem Arbeitsmarkt:

    • „Klebender Boden“: Frauen sind überdurchschnittlich oft in schlecht bezahlten Berufen tätig.
    • „Gläserne Decke“: In Spitzenpositionen sind sie immer noch stark unterrepräsentiert.

    Auch die Mutterschaft bleibt ein Karrierekiller. Noch immer sind es meist Frauen, die ihre berufliche Laufbahn für die Familie opfern.

    Elternzeit: Frankreich hinkt hinterher

    Warum bleiben Frauen häufiger zu Hause als Männer? Die Antwort liegt im schlecht bezahlten Elternurlaub. In Frankreich gibt es zwar 16 Wochen Mutterschutz, aber nur 28 Tage Vaterschaftsurlaub. Und der Elternurlaub ist mit 400 Euro im Monat kaum ein attraktives Angebot für Väter.

    Die Zahlen sprechen für sich: Während in Schweden 85 % der Väter Elternzeit nehmen, sind es in Frankreich weniger als 1 %. Selbst Spanien, das die Elternzeit für Mütter und Väter auf jeweils 16 Wochen angeglichen hat, zeigt, dass Gleichstellung möglich ist – wenn man es denn wirklich will.

    Macron kündigte zwar vor einem Jahr eine Reform an, um einen „Geburtsurlaub“ für beide Elternteile einzuführen – doch seither? Funkstille. Oxfam fordert jetzt nicht nur eine Verbesserung der Elternzeit, sondern auch einen echten öffentlichen Dienst für die frühe Kindheit.

    Denn ohne genügend Kita-Plätze bleibt die Last der Kinderbetreuung an den Müttern hängen. Der Plan, bis 2030 rund 200.000 neue Kita-Plätze zu schaffen, wurde zwar verkündet, aber seitdem ist nichts passiert. Über 50 % der Kinder haben aktuell keinen Betreuungsplatz – mit vorhersehbaren Folgen für Frauen im Berufsleben.

    Gewalt gegen Frauen: Ein unzureichender Kampf

    Während feministische Organisationen immer wieder auf die katastrophale Lage hinweisen, bleiben die Maßnahmen der Regierung Stückwerk. 2025 sollen 94 Millionen Euro für den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt zur Verfügung stehen – eine Erhöhung um 20 %, aber immer noch weit entfernt von den 2,6 Milliarden Euro, die laut der „Fondation des Femmes“ nötig wären.

    Der Staat lobt sich selbst für 6.500 Notruf-Telefone und 817 Anti-Näherungs-Armbänder für Täter. Doch angesichts von 373.000 Frauen, die 2023 Opfer von Gewalt durch ihre (Ex-)Partner wurden, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Feministische Verbände fordern eine umfassende gesetzliche Regelung, die alle Formen von Gewalt gegen Frauen systematisch angeht. Doch der Staat lehnt dies ab – die bestehenden Gesetze würden ausreichen, heißt es. Aber wenn das stimmt, warum sind die Zahlen dann immer noch so hoch?

    Frankreichs feministische Außenpolitik bröckelt

    Frankreich rühmt sich, eine „feministische Diplomatie“ zu betreiben – doch auch hier macht sich die Sparpolitik bemerkbar. Die Entwicklungshilfe wird um zwei Milliarden Euro gekürzt – das sind 37 % weniger als im Vorjahr.

    Diese Mittel sind jedoch essenziell für die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit weltweit. Die UN warnte erst kürzlich, dass globale Programme zum Schutz von Frauen unterfinanziert sind.

    Sarah Lhote Fernandes bringt es auf den Punkt: „In einer Welt, in der konservative und antifeministische Strömungen wieder erstarken, kann es sich Frankreich nicht leisten, bei diesem Thema nachzulassen.“

    Und nun?

    Frankreich steht an einem Scheideweg. Während andere Länder mutige Reformen vorantreiben, wirkt die französische Politik wie ausgebremst. Die Frage ist: Bleibt Gleichstellung eine leere Versprechung – oder folgt endlich die Tat?

    Autor: C. Hatty

  • Heute in der Geschichte: Der 8. März – Ein Tag des Wandels und der Kämpfe

    Heute in der Geschichte: Der 8. März – Ein Tag des Wandels und der Kämpfe

    Der 8. März ist ein Datum, das in vielerlei Hinsicht Geschichte geschrieben hat. Weltweit steht dieser Tag vor allem für den Internationalen Frauentag, einen Meilenstein in der Geschichte der Frauenrechte. Doch darüber hinaus hat der 8. März zahlreiche weitere bedeutsame Ereignisse hervorgebracht – politische Umwälzungen, wissenschaftliche Durchbrüche und kulturelle Meilensteine.

    Ein Blick in die Geschichte zeigt: Dieser Tag hat die Welt immer wieder verändert. Und gerade in Frankreich spielte er oft eine besondere Rolle.


    Weltweite Ereignisse am 8. März

    1917: Der Beginn der Russischen Revolution

    Am 8. März 1917 (nach dem julianischen Kalender der 23. Februar) gingen in Petrograd – dem heutigen St. Petersburg – tausende Frauen auf die Straße, um gegen die katastrophalen Lebensbedingungen, Hunger und den Ersten Weltkrieg zu protestieren. Was als Demonstration für Brot und bessere Arbeitsbedingungen begann, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zur Februarrevolution. Wenige Wochen später wurde Zar Nikolaus II. gestürzt – der Anfang vom Ende des russischen Kaiserreichs.

    1857: Mythos oder Wahrheit? Der angebliche Streik der New Yorker Textilarbeiterinnen

    Lange Zeit hieß es, der Internationale Frauentag erinnere an einen Streik von Textilarbeiterinnen in New York am 8. März 1857. Doch Historiker haben keine Beweise für dieses Ereignis gefunden. Wahrscheinlicher ist, dass der Ursprung des Frauentags mit den Protesten sozialistischer Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts zusammenhängt. Doch unabhängig von seiner genauen Entstehungsgeschichte steht dieser Tag für den weltweiten Kampf um Frauenrechte – und der ist real.

    2014: Malaysia-Airlines-Flug MH370 verschwindet

    Eines der größten Rätsel der modernen Luftfahrt begann ebenfalls an einem 8. März. Im Jahr 2014 verschwand Flug MH370 der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos. Trotz umfangreicher Suchaktionen wurde nur wenig Wrackmaterial gefunden, die genauen Umstände bleiben bis heute ungeklärt.

    1979: Das Ende der letzten iranischen Monarchie

    Am 8. März 1979, wenige Wochen nach dem Sturz des Schahs, gingen in Teheran tausende Frauen auf die Straße, um gegen die Einführung des Kopftuchzwangs zu protestieren. Es war einer der ersten großen Widerstände gegen das neue islamische Regime unter Ayatollah Khomeini. Doch die Demonstrationen wurden niedergeschlagen – und die islamischen Kleiderregeln setzten sich durch.


    Der 8. März in Frankreich

    Auch in Frankreich war der 8. März immer wieder ein Schlüsseldatum.

    1914: Der erste Frauentag in Frankreich

    Während Frauen in Deutschland, Österreich und anderen Ländern bereits seit 1911 für ihre Rechte auf die Straße gingen, fand der erste Frauentag in Frankreich erst am 8. März 1914 statt. Organisiert wurde er von der sozialistischen Bewegung, und das Hauptziel war damals das Frauenwahlrecht – ein Recht, das Französinnen erst 1944 erhielten.

    1975: Frankreich erklärt den 8. März offiziell zum Frauentag

    Inmitten der feministischen Welle der 1970er Jahre machte die damalige Frauenministerin Françoise Giroud den Frauentag 1975 offiziell zu einem Gedenktag in Frankreich. Zwar wurde er erst 1982 unter François Mitterrand wirklich etabliert, doch spätestens ab diesem Moment war klar: Frankreich bekennt sich zum Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter.

    2010: Das „Simone de Beauvoir“-Gesetz tritt in Kraft

    Ein weiteres bedeutendes Ereignis am 8. März: Im Jahr 2010 trat in Frankreich ein Gesetz in Kraft, das nach der berühmten Feministin Simone de Beauvoir benannt wurde. Es verschärfte die Strafen für Lohndiskriminierung und verpflichtete Unternehmen dazu, konkrete Maßnahmen für die Gleichstellung zu ergreifen.


    Ein Tag mit großer Symbolkraft

    Ob Revolutionen, Proteste oder politische Entscheidungen – der 8. März steht weltweit für Veränderung. Besonders als Internationaler Frauentag ist er ein Datum, das in vielen Ländern nicht nur gefeiert, sondern auch als Kampftag verstanden wird.

    Frankreich, mit seiner langen Tradition des gesellschaftlichen Umbruchs, hat diesen Tag auf besondere Weise geprägt. Und auch wenn noch viele Herausforderungen bestehen – der 8. März erinnert daran, dass Fortschritt möglich ist.

    Wer weiß, welche historischen Momente dieser Tag in der Zukunft noch bringen wird?

  • Internationaler Frauentag: Mehr als ein Blumenstrauß

    Internationaler Frauentag: Mehr als ein Blumenstrauß

    Jedes Jahr am 8. März ist es soweit: Der Internationale Frauentag rückt die Rechte und Errungenschaften von Frauen in den Mittelpunkt – aber auch die Ungleichheiten, die weiterhin bestehen. Während in Deutschland vielerorts rote Rosen verteilt werden, geht es in Frankreich oft kämpferischer zu. Dort stehen Demonstrationen, Proteste und klare Forderungen im Mittelpunkt. Doch wie weit sind beide Länder wirklich, wenn es um Gleichstellung geht? Ein Blick auf die Fakten zeigt: Es bleibt viel zu tun.


    Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn: Das „Equal Pay Gap“ in Deutschland und Frankreich

    Eine der sichtbarsten Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen bleibt das Gender Pay Gap – also der Unterschied zwischen den Gehältern. In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 18 % weniger als Männer (Stand 2024). In Frankreich liegt die Lohnlücke mit 15,4 % etwas niedriger, aber immer noch weit entfernt von echter Gleichberechtigung.

    Besonders interessant ist der Umgang mit dem sogenannten Equal Pay Day. In Deutschland markiert dieser Tag symbolisch, wie lange Frauen im Vergleich zu Männern „umsonst“ arbeiten – basierend auf dem durchschnittlichen Lohnunterschied. 2024 fiel der Equal Pay Day in Deutschland auf den 6. März. In Frankreich hingegen ist der Equal Pay Day meist erst im November oder Dezember – aber mit einer anderen Botschaft: Er soll daran erinnern, dass Frauen ab diesem Zeitpunkt quasi „gratis“ arbeiten.

    Doch woran liegt diese Lücke? Ein großer Teil des Problems ist strukturell:

    • Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit oder in schlechter bezahlten Berufen.
    • Führungsetagen bleiben weiterhin männlich dominiert.
    • Frauen übernehmen den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit – also Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Haushalt.

    Und hier wird es spannend: In Frankreich gibt es einen viel stärkeren Fokus auf staatliche Unterstützung für Familien. Krippenplätze sind dort günstiger und leichter verfügbar, wodurch Frauen schneller wieder in den Beruf zurückkehren können. In Deutschland hingegen wird der Wiedereinstieg oft erschwert, weil Betreuungsplätze fehlen oder teuer sind.


    Der Internationale Frauentag: Feiertag oder Kampftag?

    Wie der 8. März begangen wird, unterscheidet sich in Deutschland und Frankreich ebenfalls stark.

    • Deutschland: In Berlin ist der Internationale Frauentag seit 2019 ein gesetzlicher Feiertag – und auch in Mecklenburg-Vorpommern ist er seit 2023 arbeitsfrei. In anderen Bundesländern wird er zwar mit Veranstaltungen gewürdigt, bleibt aber ein regulärer Arbeitstag. Oft steht die Symbolik im Vordergrund: Blumen, Dankesworte – aber wenig Konkretes.
    • Frankreich: Dort ist der 8. März kein gesetzlicher Feiertag, aber ein Tag des Protests. Gewerkschaften und feministische Organisationen rufen zu Demonstrationen auf, um gegen Diskriminierung, Sexismus und Gewalt gegen Frauen zu protestieren. Präsident Emmanuel Macron hat 2024 angekündigt, dass der Kampf für Frauenrechte eine „nationale Priorität“ sei – ob das mehr ist als Worte, wird sich zeigen.

    In Frankreich liegt der Fokus stärker auf gesetzlichen Maßnahmen, während in Deutschland oft über Bewusstsein und Symbolik gesprochen wird. Das zeigt sich auch in der Politik: Frankreich hat beispielsweise ein Gesetz zur gleichen Bezahlung verabschiedet, das Unternehmen verpflichtet, Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aktiv auszugleichen. In Deutschland bleibt es oft bei freiwilligen Maßnahmen und Appellen an Unternehmen.


    Gewalt gegen Frauen: Ein Thema, das nicht übersehen werden darf

    Ein weiteres wichtiges Thema: Gewalt gegen Frauen. In Frankreich gibt es jährlich rund 120 Femizide – also Fälle, in denen Frauen von ihrem (Ex-)Partner getötet werden. In Deutschland sind es etwa 140 pro Jahr. Trotz ähnlicher Zahlen gibt es große Unterschiede im Umgang mit dem Thema:

    • Frankreich hat 2019 den „Grenelle des violences conjugales“ eingeführt – eine Art nationalen Runden Tisch, um Strategien gegen häusliche Gewalt zu entwickeln. Zudem gibt es spezielle Notrufnummern und verstärkten Schutz für Opfer.
    • Deutschland kämpft noch immer mit überfüllten Frauenhäusern und einer oft schleppenden juristischen Verfolgung von Tätern.

    Beide Länder haben Fortschritte gemacht – aber der Schutz von Frauen bleibt eine Daueraufgabe.


    Und jetzt? Mehr als ein Tag im Kalender

    Der Internationale Frauentag ist wichtig – aber er darf nicht zu einer bloßen Tradition verkommen. Denn Blumen und nette Worte reichen nicht, wenn Frauen weiterhin weniger verdienen, häufiger Opfer von Gewalt werden und in Führungspositionen unterrepräsentiert sind.

    Was wäre also ein echter Fortschritt?

    • In Deutschland: Eine stärkere Verpflichtung für Unternehmen, Lohntransparenz zu schaffen und das Gender Pay Gap aktiv zu schließen. Mehr Investitionen in Kinderbetreuung, damit Frauen nicht zwischen Familie und Karriere wählen müssen.
    • In Frankreich: Konsequente Umsetzung bestehender Gesetze, um die Gleichstellung in der Praxis zu sichern – und nicht nur auf dem Papier.

    Eines ist klar: Frauen haben in den letzten Jahrzehnten viel erreicht – aber echte Gleichberechtigung bleibt ein Kampf. Und der sollte nicht nur am 8. März geführt werden.

    C. Hatty

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  • Bonneuil-sur-Marne: Eine Stadt schreibt Frauen in die Geschichte

    Bonneuil-sur-Marne: Eine Stadt schreibt Frauen in die Geschichte

    Straßennamen erzählen Geschichten – und lange Zeit waren diese Geschichten fast ausschließlich männlich. Doch in Bonneuil-sur-Marne, einer kleinen Stadt im Val-de-Marne, hat sich das Bild radikal gewandelt. Zum Internationalen Frauentag am 8. März hat die Stadt mehr als 50 % ihrer Straßen und öffentlichen Plätze nach Frauen benannt. Ein symbolischer Akt mit einer klaren Botschaft: Frauen gehören sichtbar in den öffentlichen Raum.

    Ein längst überfälliger Schritt

    In ganz Frankreich sind Straßen, Plätze und Gebäude nach historischen Persönlichkeiten benannt – doch nur selten nach Frauen. In Paris beispielsweise stieg der Anteil von Straßennamen, die Frauen gewidmet sind, von 6 % in den 2000er-Jahren auf heute 15 %. In Tours soll er von 4 % auf 7 % steigen. Aber landesweit bleibt die Zahl erschreckend niedrig.

    Bonneuil-sur-Marne wollte nicht länger warten. Mit der Umbenennung von 80 Straßen und Plätzen hat die Stadt ein starkes Zeichen gesetzt. „Es ging darum, eine Ungerechtigkeit zu korrigieren“, erklärt Sonia Laroum, stellvertretende Generaldirektorin der Stadtverwaltung. Der Wandel war nicht nur ein symbolischer Akt, sondern auch ein Bildungsprozess für die Bürgerinnen und Bürger.

    Von Mahsa Amini bis Simone Veil: Frauen, die Geschichte schreiben

    Wer heute durch Bonneuil-sur-Marne spaziert, begegnet Namen, die bewegen:

    • Rue Mahsa Amini erinnert an die iranische Studentin, die 2022 nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei starb. Ihr Name wurde zum Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung und für Frauenrechte weltweit.
    • Centre Louise Voëlckel, ein intergenerationelles Zentrum, ehrt eine Kämpferin für soziale Gerechtigkeit.
    • Rue Assia Djebar trägt den Namen der algerischen Schriftstellerin, die für Frauenrechte in der arabischen Welt eintrat.

    Für viele Bürgerinnen und Bürger bedeutet diese Veränderung vor allem eines: Anerkennung und Erinnerung. „Ich habe mit Simone Veil gearbeitet, 1975. Sie hat sich wirklich durchgekämpft. Es ist gut, dass junge Leute wissen, wer diese Frauen waren“, sagt Marie, eine 70-jährige Bewohnerin der Stadt.

    Nicht nur Schilder wechseln – sondern auch Bewusstsein

    Natürlich bringt eine solche Umbenennung Herausforderungen mit sich. Briefe und Pakete müssen umgeleitet werden, Adressen geändert – ein bürokratischer Aufwand. „Es macht das Leben ein bisschen komplizierter“, gesteht Marie. Doch für sie überwiegt der positive Aspekt: Die neue Sichtbarkeit von Frauen in der Stadt.

    Gleichzeitig bleibt die Frage: Reicht das? Eine Einwohnerin namens Ouiza bringt es auf den Punkt: „Es ist schön, Straßen nach Frauen zu benennen, aber das allein reicht nicht. Wir müssen dafür sorgen, dass Frauen wirklich gleichgestellt sind – und es gibt immer noch zu viele Femizide.“

    Ein Projekt mit Kosten, aber großem Mehrwert

    Die Umbenennung war nicht nur eine gesellschaftspolitische Entscheidung, sondern auch eine finanzielle: Rund 20.000 Euro hat die Stadt investiert. Das Geld floss in neue Schilder, Informationskampagnen und Bürgerdialoge. Denn die Akzeptanz der Bevölkerung war entscheidend.

    Rückblickend zeigt sich, dass die Umbenennung weit mehr war als nur ein Austausch von Schildern. Sie war eine bewusste Entscheidung für mehr Gerechtigkeit und für ein neues Bewusstsein. Bonneuil-sur-Marne hat damit ein Vorbild geschaffen – und vielleicht folgen bald weitere Städte diesem Beispiel.

    Catherine H.

  • Zum 8. März „installiert“ Snapchat Augmented-Reality-Frauenstatuen in 8 französischen Städten

    Zum 8. März „installiert“ Snapchat Augmented-Reality-Frauenstatuen in 8 französischen Städten

    Das soziale Netzwerk hat einen Filter entwickelt, um diese Statuen neben denen berühmter Männer erscheinen zu lassen. Eine Möglichkeit, auf die zu geringe Präsenz von Frauennamen im öffentlichen Raum aufmerksam zu machen.

    „Es gibt nicht mehr nur eine, sondern jetzt zwei Statuen“ auf dem Place Clémenceau in Paris, sagt Donatien Bozon. Der Leiter des Studios für Augmented Reality des sozialen Netzwerks Snapchat, Studio AR, hält sein Smartphone stolz in Richtung der Statue von General De Gaulle. Wenn man in der Snapchat-App auf ein Feld mit dem Bildnis von Simone Veil klickt, erscheint auf dem Bildschirm wie aus dem Nichts eine Statue der Politikerin neben der des Generals. Dieselbe Größe, derselbe Stil, derselbe Sockel.

    Dieser neue Filter ist ab Mittwoch, dem 8. März, in acht französischen Städten verfügbar: Paris, Lyon, Marseille, Metz, Straßburg, Bordeaux, Lille und Nantes. In jeder dieser Städte wird eine Frau geehrt.

    Eine Augmented-Reality-Statue von Olympe de Gouge neben der Statue von Jean-Baptiste Kléber auf dem Place Kléber in Straßburg. (SNAPCHAT)

    „Wir haben beschlossen, Paare zu bilden“, erklärt Donatien Bozon, „mit den physischen Statuen von Männern und dem, was wir für ein weibliches Pendant hielten, das noch keine physische Statue hat.“ Er erläutert: „In Paris sind es zwei Personen, die die politische Geschichte Frankreichs geprägt haben. In Lyon steht Antoine de Saint-Exupéry neben Simone de Beauvoir. In Metz ist es Joséphine Baker neben Jean Moulin. Ein Mann der Buchstaben mit einer Frau der Buchstaben, ein Widerstandskämpfer mit einer Widerstandskämpferin“.

    Unter den acht ausgewählten Frauen sind einige weniger bekannt, wie die Journalistin und Frauenrechtlerin Hubertine Auclert, deren Statue auf dem Place du Théâtre in Lille steht, oder die Schriftstellerin Françoise de Graffigny aus dem 18. Jahrhundert, die neben der Statue von Montesquieu auf dem Place des Quinconces in Bordeaux zu sehen ist.

    Das Team des Augmented-Reality-Studios von Snapchat ging von einer Feststellung aus: Frauen sind im öffentlichen Raum viel weniger präsent als Männernamen. Haben virtuelle Statuen wirklich die gleiche Macht wie ihre männlichen Kollegen, die in den Augen der Passanten sehr präsent sind? Für Snapchat ist das ohne Frage schon mal ein wichtiger Schritt.

    Die Augmented-Reality-Statue von Elisabeth Vigée Le Brun, die neben der von Pierre Puget im Borély-Park in Marseille aufgestellt wurde (SNAPCHAT).

    Ziel: Parität im öffentlichen Raum
    Trotz der Fortschritte der letzten Jahre sind die Namen und Gesichter von Frauen, die die französische Geschichte geprägt haben, im öffentlichen Raum immer noch sehr selten präsent. In Paris sind nur 12 % der Wege und Einrichtungen nach einer Frau benannt.

    Das Thema wird von den Stadtverwaltungen aber zunehmend ernst genommen, sie haben sich dazu verpflichtet, Frauen mehr Platz einzuräumen. Seit 2016 versucht die Stadt Nantes, die Namen ihrer Straßen weiblicher zu machen, indem sie die Einwohner auffordert, eine Liste zu erstellen, aus der das Rathaus wählen kann. Das Ergebnis: 70 % der ausgewählten Namen sind von Frauen.

    Im Jahr 2023 lässt die Stadt Bonneuil-sur-Marne (Val-de-Marne) 80 Frauennamen in ihren öffentlichen Raum einziehen und auf den Straßenschildern der Stadt sind nun tatsächlich mehr Frauen als Männer zu lesen.

  • 8. März: Zahlreiche Veranstaltungen zum Internationalen Tag der Frauenrechte

    8. März: Zahlreiche Veranstaltungen zum Internationalen Tag der Frauenrechte

    Am Montag, dem 8. März, ist der Internationale Tag der Frauenrechte. Am Sonntag, dem 7. März, fanden in Frankreich und dem Rest der Welt bereits zahlreiche Demonstrationen statt.

    Am Sonntag, 7. März, fanden bereits viele Demonstrationen für die Rechte der Frauen statt. Der Internationale Tag der Frauenrechte findet am Montag, 8. März, statt. Die Demonstranten forderten das Recht auf gleichen Lohn, aber auch das Recht auf Abtreibung, ein Recht, das in vielen Ländern, auch in Europa, angegriffen wird. In Warschau (Polen) fand bereits am 29. Januar eine Demonstration statt, um gegen die Verabschiedung eines Dekrets zu protestieren, das restriktive Maßnahmen für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch einführt.

    Ein Mentalitätswandel
    In Europa hat Polen eines der strengsten Gesetze bezüglich eines Schwangerschaftsabbruchs. Nur Malta, ein sehr katholisches Land, verbietet den freiwilligen Schwangerschaftsabbruch vollständig. Irland, ebenfalls ein sehr katholisches Land, hat am 1. Januar 2019 die Abtreibung legalisiert. Dies ist der Höhepunkt eines Mentalitätswandels, der vor mehr als 20 Jahren begann. „Ich habe für die jüngere Generation gestimmt, für meine Enkelkinder und für die Generation, die danach kommen wird“, sagt eine Irin gegenüber Franceinfo.