Schlagwort: Stadtverkehr

  • Wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden: Ein Verkehrsunfall erschüttert Lille

    Wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden: Ein Verkehrsunfall erschüttert Lille

    Ein gewöhnlicher Mittwochnachmittag, wie ihn die Innenstadt von Lille täglich erlebt – geschäftig, laut, dicht getaktet. Zwischen Bahnhof, Buslinien, Fahrrädern und eilenden Passanten pulsiert das Leben. Und doch genügte am 1. April 2026 ein einziger Moment, um diese Routine brutal zu zerreißen. Gegen frühen Nachmittag raste ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit durch die Rue des Canonniers. Was dann geschah, liest sich wie eine Kettenreaktion ohne Ausweg: Zunächst prallte der Wagen gegen einen Renault Clio, dann gegen einen Bus, schließlich erfasste er mehrere Radfahrer und Personen am Straßenrand. Drei Verletzte zählt die vorläufige Bilanz, darunter eine 21-jährige Frau, deren Zustand als kritisch beschrieben wird. Es sind diese Sekunden, die sich einbrennen. Zeugen berichten von einer Szene, die eher an einen Film als an den Alltag erinnert. Ein Auto, offenbar viel zu schnell unterwegs, verliert jede Kontrolle – und plötzlich wird aus einer Straße ein Gefahrenraum. Gerade in einem …

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  • Der tägliche Weg – was die Alltagsmobilität über Frankreich verrät

    Der tägliche Weg – was die Alltagsmobilität über Frankreich verrät

    Jeden Morgen setzt sich Frankreich in Bewegung. Millionen Menschen verlassen ihre Wohnungen, steigen ins Auto, in den Zug, aufs Fahrrad oder gehen schlicht zu Fuß. Eine Routine, so vertraut, dass sie kaum noch auffällt. Und doch erzählt gerade dieser alltägliche Weg mehr über den Zustand des Landes als so manche politische Debatte. Verkehrsmittel sind nie neutral. Sie spiegeln geografische Zwänge, soziale Ungleichheiten, wirtschaftliche Abwägungen und zunehmend auch ökologische Sorgen. Wer die täglich zurückgelegten Kilometer betrachtet, erkennt darin ein präzises Abbild des heutigen Frankreichs.

    Das Auto dominiert weiterhin die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Rund zwei Drittel der Erwerbstätigen nutzen nach wie vor den eigenen Wagen. Besonders deutlich zeigt sich diese Abhängigkeit außerhalb der großen Städte, in ländlichen Räumen und im periurbanen Gürtel. Dort existieren Alternativen oft nur auf dem Papier. Der Pkw steht für Freiheit, für flexible Zeiten, für direkte Routen ohne Umsteigen. Diese Freiheit kostet. Steigende Kraftstoffpreise, Wartung, Versicherung und neue Zufahrtsbeschränkungen in den Städten setzen das Modell unter Druck. Umweltzonen, die schrittweise ältere Fahrzeuge ausschließen, treffen Haushalte, die sich keinen Neuwagen leisten können. Für viele fühlt sich der ökologische Umbau weniger nach Zukunft als nach Zwang an. Frankreich lebt mit einem Widerspruch: Das Auto gilt als Problem, bleibt aber unverzichtbar.

    In den Metropolen bilden öffentliche Verkehrsmittel das Rückgrat des Alltags. Die Metro in Paris, Straßenbahnen in Städten wie Lyon, Bordeaux oder Straßburg, der RER im Großraum der Hauptstadt. Sie bewegen Tag für Tag Menschenmassen. Für viele Nutzerinnen und Nutzer stehen sie für Effizienz, geringere Kosten und ein gutes Gewissen. Gleichzeitig prägt eine ambivalente Erfahrung den Alltag. Verspätungen, technische Störungen, Streiks und überfüllte Waggons zu Stoßzeiten erzeugen ein Gefühl permanenter Unsicherheit. Gerade in der Île-de-France gehören Fahrzeiten von mehr als einer Stunde pro Strecke zur Normalität. Diese Zeit frisst Energie, beeinflusst Wohnentscheidungen und nagt an der Lebensqualität. Und doch bleibt das Vertrauen erstaunlich stabil. Großprojekte wie der Ausbau des Pariser Netzes zeigen, dass Politik und Verwaltung an eine langfristige Wende glauben.

    Fast leise, aber unübersehbar hat das Fahrrad den urbanen Raum erobert. Vor fünfzehn Jahren fristete es im Alltag ein Nischendasein. Heute steht es für einen kulturellen Wandel. Paris, einst Sinnbild der autogerechten Stadt, präsentiert sich mittlerweile als Fahrradmetropole. Die Pandemie wirkte wie ein Katalysator. Lockdowns veränderten Gewohnheiten, schufen Platz auf den Straßen, beschleunigten den Bau provisorischer Radwege, die dann dauerhaft blieben. Das Rad passt in die Zeit. Schnell auf kurzen Strecken, günstig, klimafreundlich und gut für den Körper. Es verspricht eine ruhigere, menschlichere Stadt. Klar, auf dem Land bleibt das eher Wunschdenken. Zu weit die Distanzen, zu dünn die Infrastruktur. Aber in den Städten ist das Rad gekommen, um zu bleiben.

    All diese Wege legen eine tiefe territoriale Kluft offen. Frankreichs Metropolen bieten Auswahl. Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder, Fußwege, Mitfahrangebote. Außerhalb dieser Zentren herrscht oft Monokultur. Ohne Auto geht wenig. Diese Mobilitätslücke ist sozial brisant. Wer wenig verdient, wohnt häufig weiter draußen, wo Mieten niedriger sind. Der Preis dafür sind lange, teure Fahrten. Mobilität wird zur Voraussetzung für Teilhabe. Kein Auto heißt nicht selten kein Job. Diese Erfahrung erklärt manche gesellschaftliche Spannung der vergangenen Jahre besser als jede Statistik. Verkehr ist kein technisches Detail. Er berührt den Kern des sozialen Gefüges.

    Mit dem Siegeszug des Homeoffice hat sich das Verhältnis zum täglichen Weg verschoben. Was früher selbstverständlich war, erscheint heute verhandelbar. Wer von zu Hause arbeiten kann, spart Zeit, Geld und Nerven. Die Erleichterung ist spürbar. Weniger Stau, weniger Gedränge, mehr Luft zum Atmen. Doch diese Veränderung verteilt sich ungleich. Vor allem qualifizierte Angestellte profitieren. Verkäuferinnen, Pflegekräfte, Handwerker bleiben auf physische Präsenz angewiesen. Das Homeoffice schafft neue Freiheiten, aber auch neue Unterschiede. Es eliminiert Mobilität nicht, es ordnet sie neu.

    Der Preis des Unterwegsseins rückt immer stärker ins Bewusstsein. Kraftstoff, Abos, Maut, Reparaturen. Mobilität frisst einen wachsenden Teil des Haushaltsbudgets. Das beeinflusst Entscheidungen. Fahrgemeinschaften erleben Aufwind, oft aus finanziellen Gründen, seltener auch aus ökologischer Überzeugung. Digitale Plattformen machen das Teilen einfacher. Am Ende entscheidet jedoch häufig der Geldbeutel. Umweltbewusstsein ist da, aber die Rechnung muss aufgehen. Sonst bleibt das Auto stehen, nicht aus Überzeugung, sondern aus Not.

    Frankreich befindet sich in einem langsamen Wandel seiner Mobilität. Nichts geschieht über Nacht. Das Auto verschwindet nicht, es verändert sich. Elektromodelle gewinnen an Bedeutung, bleiben jedoch teuer. Öffentliche Verkehrsmittel modernisieren sich, kämpfen aber mit Zuverlässigkeit. Das Fahrrad wächst, bleibt aber ungleich verteilt. Diese Transformation reicht tiefer als Technik. Sie fordert ein neues Verhältnis zu Zeit und Raum. Weniger Hetze, kürzere Wege, andere Prioritäten.

    Der tägliche Weg wirkt banal, beinahe langweilig. In Wahrheit erzählt er von einer Gesellschaft im Umbruch. Von einer Nation mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, von urbaner Leichtigkeit und ländlicher Abhängigkeit, von Flexibilität und Zwang. Und von einem gemeinsamen Wunsch: mobil zu sein, ohne daran zu zerbrechen. Denn jeder Weg ist mehr als Bewegung. Er ist ein Stück gelebtes Leben.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Marseille will E-Tretroller verbannen – Ein städtisches Experiment am Ende?

    Marseille will E-Tretroller verbannen – Ein städtisches Experiment am Ende?

    Die Tage der frei nutzbaren E-Trottinettes in Marseille scheinen gezählt: Bürgermeister Benoît Payan kündigte an, die laufenden Verträge mit den Anbietern Voi und Lime nicht zu verlängern. Sollte er 2026 wiedergewählt werden, wolle er dem laut ihm „unzumutbaren Zustand“ ein Ende setzen. Damit steht die Mittelmeermetropole exemplarisch für eine größere Debatte: Wie viel Platz sollen neue urbane Mobilitätsformen in europäischen Städten künftig noch einnehmen?


    Zwischen Hoffnung und Frustration: das Versprechen der Mikromobilität

    Als E-Trottinettes ab 2018 in europäischen Städten auftauchten, galten sie vielen als Hoffnungsträger der urbanen Verkehrswende. Schnell, emissionsfrei und flexibel – so lautete das Versprechen. Auch in Marseille wurden die kleinen Fahrzeuge ab 2019 zunächst als willkommene Ergänzung zum oft überlasteten Nahverkehr gesehen. Die Anbieter Voi und Lime positionierten sich als moderne Dienstleister für eine junge, umweltbewusste Generation.

    Doch mit der Popularität kamen die Probleme: rücksichtslos abgestellte Fahrzeuge, blockierte Gehwege, Unfälle, Lärmbelästigung. In Marseille, wo der öffentliche Raum ohnehin durch enge Gassen und touristische Massen beansprucht wird, eskalierte die Situation sichtbar. Die Bilder umgekippter oder in den Vieux-Port geworfener Trottinettes wurden zum Symbol einer aus dem Ruder gelaufenen Liberalisierung.


    Payans Kampfansage: „Es reicht“

    Bürgermeister Benoît Payan, seit 2020 im Amt, hat sich bereits mehrfach kritisch zur städtischen Ordnung und Sauberkeit geäußert. Nun verschärft er den Ton gegenüber den Trottinette-Betreibern: „Das ist das letzte Mal, dass sie eine Lizenz bekommen haben“, erklärte er im Interview mit dem Regionalsender ICI Provence. Damit kündigt er faktisch an, die bestehenden Verträge nach ihrem Auslaufen im Oktober 2027 nicht mehr zu erneuern – vorausgesetzt, er bleibt im Amt.

    Payan begründet den Schritt mit einer Reihe gescheiterter Regulierungsversuche. So habe die Stadt dedizierte Parkflächen gefordert, eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 20 km/h sowie eine technische Begrenzung des Fahrens auf Fahrbahnen statt Gehwegen. Die Reaktionen der Betreiber bezeichnete er als unzureichend – nun sollen Konsequenzen folgen.


    Marseille folgt einem europäischen Trend

    Marseille ist nicht die erste Großstadt, die E-Trottinettes in Frage stellt. Paris votierte 2023 per Bürgerentscheid für ein vollständiges Verbot der frei verfügbaren E-Trottinettes – ebenfalls nach Jahren von Beschwerden über Sicherheitsrisiken und mangelnde Rücksichtnahme. Auch in anderen Städten wie Amsterdam, Barcelona oder London wurden die Regeln verschärft oder Pilotprojekte beendet.

    Diese Maßnahmen zeigen: Die anfangs als „disruptiv“ gefeierte Mobilitätsinnovation trifft zunehmend auf die Realitäten urbaner Governance. Während Anbieter auf Flexibilität und Eigenverantwortung der Nutzer setzen, pochen viele Kommunen auf Ordnung, Sicherheit und Flächengerechtigkeit. Der öffentliche Raum wird dabei zum Schauplatz eines tiefer liegenden Interessenkonflikts zwischen Privatunternehmen, Stadtpolitik und Bürgerschaft.


    Eigenes Gerät bleibt erlaubt – ein differenzierter Ansatz?

    Interessanterweise zieht Payan nicht alle E-Trottinettes über einen Kamm. Während der Verleihbetrieb untersagt werden soll, sollen privat genutzte Fahrzeuge weiterhin erlaubt bleiben. Er lobt die Sorgfalt privater Nutzer, die ihre Geräte pfleglicher behandeln und seltener zu Gefahrensituationen beitrügen. Damit unterscheidet sich Marseille von Paris, wo 2023 auch private E-Trottinettes stärker ins Visier der Ordnungspolitik gerieten.

    Dieser differenzierte Ansatz signalisiert zweierlei: einerseits eine politische Abgrenzung gegenüber kommerziellen Plattformen, andererseits ein Eingeständnis, dass Mikromobilität in gewissem Rahmen ihren Platz in der Stadt behalten darf – sofern sie in die städtische Ordnung passt.


    In Marseille steht ein lokaler Konflikt symbolisch für ein europäisches Dilemma. Die Idee der Mikromobilität ist nicht gescheitert – aber sie befindet sich in einer kritischen Phase der Anpassung an städtische Realitäten. Wenn sich Betreiber und Kommunen nicht auf tragfähige Formen der Koexistenz einigen, drohen weitere Rückzüge wie jener in Marseille. Das Experiment der frei verfügbaren Trottinettes könnte dann als Episode enden – eine Fußnote im Ringen um die Stadt der Zukunft.

    Autor: P. Tiko

  • Fahrrad: Die Exekutive stellt 250 Millionen Euro bis 2023 zur Verfügung

    Fahrrad: Die Exekutive stellt 250 Millionen Euro bis 2023 zur Verfügung

    Elisabeth Borne wird für 2023 zusätzliche 250 Millionen Euro für den Radverkehr ankündigen. Die Exekutive plant, das Fahrradfahren zu beschleunigen. Premierministerin Élisabeth Borne soll am Dienstag, dem 20. September, ankündigen, dass bis 2023 bis zu 250 Millionen Euro zusätzlich in den Radverkehr investiert werden sollen. Damit sollen die Franzosen dazu gebracht werden, auf das Zweirad umzusteigen. Auf dem Boulevard de Sébastopol in Paris freuen sich die Verkehrsteilnehmer über die Ankündigung. Welche Ideen schlagen sie vor, um diese Summe zu nutzen? Der Sender France 2 berichtet. „Die Radwege sind manchmal schlecht gemacht“.“Man sieht sehr gut, dass es Orte gibt, an denen die Radwege schlecht gemacht sind, da gibt es ein Problem mit der Infrastruktur“, erläutert ein Radfahrer auf dem Sender France 2. „Vielleicht sollte man die Beschilderung besser machen, wenn Fahrräder an bestimmten Stellen rechts abbiegen dürfen, das ist nicht immer ganz klar“, sagt eine Anwohnerin. „Man sollte z…

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  • Urbanloop: Stadtverkehr der Zukunft ist bereit, Rekorde zu brechen

    Urbanloop: Stadtverkehr der Zukunft ist bereit, Rekorde zu brechen

    Das von Ingenieurstudenten in Nancy erdachte Urbanloop-Projekt hat eine neue Phase erreicht. Ein Projekt für sauberen städtischen Individualverkehr, das zusammen mit zwanzig anderen Projekten ausgewählt wurde, um bei den Olympischen und Paralympischen Spielen 2024 in Paris präsentiert zu werden. Bis dahin werden die elektrischen Kapseln von Urbanloop versuchen, den Weltrekord für den geringsten Energieverbrauch eines autonomen Fahrzeugs auf Schienen zu brechen.

    Um Transportgeschichte zu schreiben, gibt es nichts Besseres als einen Weltrekord. Das werden die Teams des Urbanloop-Projekts am 28. Mai versuchen. Der Rekord für den niedrigsten Energieverbrauch eines autonomen Fahrzeugs, das auf Schienen fährt. Das Ziel: ein Kilometer für weniger als einen Eurocent, bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h. Am Standort Tomblaine in Meurthe-et-Moselle, wo das Urbanloop-Projekt inzwischen eine sechs Kilometer lange Testschleife hat, bereitet man sich auf den Versuch vor, aber die Herausforderung geht weit darüber hinaus. Sie alle sind davon überzeugt, dass ihr System aus elektrischen Kapseln mit künstlicher Intelligenz den Stadtverkehr von morgen revolutionieren könnte.

    Angestrebtes Ziel: Paris 2024
    Das von Ingenieurstudenten aus Nancy konzipierte Projekt umfasst derzeit neun Schulen, drei Labore, ein Institut und rund hundert Studenten mit einem Jahresbudget von 500.000 Euro. Urbanloop wurde zusammen mit zwanzig anderen Projekten im Rahmen des Aufrufs des Verkehrsministeriums für Mobilitätsinnovationen ausgewählt, um bei den Olympischen und Paralympischen Spielen 2024 in Paris präsentiert zu werden, wo diese lustigen, auf Schienen montierten Solo- oder Duo-Kapseln die Athleten transportieren dürfen.

    Ein Projekt, das bereits über die Grenzen hinaus Interesse weckt. Doch bevor wir Urbanloop eines Tages in unseren Städten sehen, ist es noch ein weiter Weg bis zur Zulassung dieses Verkehrsmittels, vor allem in Bezug auf die Sicherheit. „Bevor wir mit der Arbeit beginnen, müssen wir in der Lage sein, die Risiken zu identifizieren und aufzuzeigen, wo wir Lösungen anbieten können, um diese Risiken zu mindern. Wir könnten schnell, innerhalb von sechs Monaten oder einem Jahr, ein vorläufiges Sicherheitsdossier vorlegen, um die Genehmigung für den Arbeitsbeginn zu erhalten. Danach wird es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis alle Tests vor der Inbetriebnahme durchgeführt sind“, erklärt Gaëtan Lefebvre, der beim Urbanloop-Projekt für die Sicherheit zuständig ist gegenüber Franceinfo.

  • In Marseille: 150 Strafzettel und 8.600 € Bußgeld für eine 60-jährige Inhaberin eines Invalidenausweises

    In Marseille: 150 Strafzettel und 8.600 € Bußgeld für eine 60-jährige Inhaberin eines Invalidenausweises

    Eine 60-jährige Frau mit einem Behindertenausweis erhielt nicht weniger als 150 Strafzettel. Die Frau aus Marseille soll nun insgesamt 8.600 Euro Strafe zahlen, obwohl sie bereits in einer Überschuldungsdatei geführt wird. Sie fordert, dass ihre Parktickets annulliert werden.

    Die Briefe haben sich in Zohors Haus gestapelt. Die Sechzigjährige, die in Marseille (Bouches-du-Rhône) lebt, hat innerhalb von zwei Jahren nicht weniger als 150 Strafzettel erhalten. Die Rentnerin, die an einer chronischen Krankheit leidet, hat eine saftige Rechnung zu begleichen: nicht weniger als 8.600 Euro.

    Tatsächlich musste die behinderte Rentnerin, die im Besitz eines Behindertenausweises ist, ihr Fahrzeug in den Straßen in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung im Stadtteil Camas, im 5. Arrondissement von Marseille, parken. „Nach meiner Krankheit verbrachte ich meine Zeit in Krankenhäusern. Mein Auto war mit meinem Behindertenausweis in der Nachbarschaft geparkt“, so die 60-Jährige gegenüber France Bleu Provence. „Sie fordern mich auf, die 8.600 Euro Strafe zu bezahlen und dann erst wollen sie mit mir zu reden… Aber ich kann nicht bezahlen!“ Auch liegt bei ihr eine Überschuldungsanzeige vor: der Gerichtsvollzieher will an diesem Montag, 15. Februar, zu ihr nach Hause kommen, um Möbel zu pfänden.

    Besonders zahlreiche Bußgelder
    Im Zentrum von Marseille sind die Knöllchen besonders zahlreich und das aus gutem Grund, denn Autos werden automatisch „geblitzt“, wenn sie schlecht geparkt sind. An der Seite der Sechzigjährigen kümmerte sich ihr Sohn um die Anmietung einer Garage für 140 Euro pro Monat. „Ich fühle mich im Stich gelassen… Was ich verlange, ist die Annullierung der Strafzettel“, sagt die Marseillaise. „Alle Verwaltungen schieben den Schwarzen Peter weiter: Rathaus, Präfektur, die SAGS, die die Parkplätze in Marseille verwaltet… Welchen Nutzen haben die gewählten Vertreter vor Ort?“.

    Die Stadtverwaltung von Marseille hat ihrerseits auf Nachfrage gegenüber France Bleu erklärt, dass sie den Fall am Montag, den 15. Februar, prüfen wird.