Schlagwort: Staatsbankrott

  • Wenn niemand Frankreich mehr Geld leiht, gerät nicht nur der Staat in Not – sondern auch die Demokratie

    Wenn niemand Frankreich mehr Geld leiht, gerät nicht nur der Staat in Not – sondern auch die Demokratie

    Kommentar

    Frankreich lebt seit Jahrzehnten auf Pump. Nun steigen die Zinsen, die Schulden wachsen, und die Politik verliert ihre Handlungsfreiheit. Was geschieht, wenn die Finanzmärkte das Vertrauen verlieren? Dann entscheidet womöglich nicht mehr das Parlament über die Zukunft des Landes, sondern der Preis des Geldes.

    Es gibt eine Frage, die in Frankreich niemand gerne stellt, weil die Antwort so unangenehm ist: Was geschieht, wenn niemand dem Staat mehr Geld leihen will? Wenn die Gläubiger sagen: Es reicht. Wenn das Vertrauen versiegt, auf dem die öffentlichen Finanzen beruhen wie ein Haus auf seinem Fundament?

    Dann wird aus einer Schuldenkrise eine Staatskrise. Und aus einer Staatskrise kann eine Demokratiekrise werden.

    Die Republik lebt von geliehenem Geld

    Frankreich sitzt auf einem Schuldenberg von 3595 Milliarden Euro. Das sind 119 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung. Eine Zahl von solcher Größe, dass sie ihre Bedeutung beinahe verliert. Aber die Folgen sind sehr konkret.

    2027 sollen die Zinszahlungen auf 91 Milliarden Euro steigen. 91 Milliarden, die nicht für Schulen, Krankenhäuser, Justiz, Polizei oder die ökologische Modernisierung zur Verfügung stehen. Geld, das der Staat ausgeben muss, bevor er überhaupt beginnt, Politik zu gestalten.

    Noch findet Frankreich Käufer für seine Staatsanleihen. Doch die verlangen immer höhere Zinsen. Am 15. Oktober lag die Rendite zehnjähriger französischer Anleihen bei 4,74 Prozent. Die Finanzmärkte schicken damit eine Botschaft, die kein Präsident ignorieren kann: Vertrauen ist nicht unbegrenzt verfügbar.

    Wenn das Geld regiert

    Was aber, wenn dieses Vertrauen endgültig zerbricht?

    Dann müsste Frankreich drastisch sparen, Steuern erhöhen oder internationale Hilfe suchen. Wahrscheinlich alles zugleich. Die Europäische Zentralbank könnte eingreifen, doch sie ist kein Geldautomat, an dem Regierungen ihre politischen Versäumnisse kostenlos beheben können.

    Die Folgen träfen zuerst diejenigen, die sich am wenigsten schützen können: Rentner, Arbeitnehmer, Familien, Menschen, die auf öffentliche Dienstleistungen angewiesen sind.

    Das ist die eigentliche politische Sprengkraft der Verschuldung. Nicht die Milliarden auf dem Papier bedrohen unmittelbar die Demokratie. Gefährlich wird es, wenn demokratisch gewählte Parlamente zwar noch abstimmen dürfen, aber kaum noch etwas zu entscheiden haben.

    Wenn Haushaltsentscheidungen nicht mehr nach gesellschaftlichen Bedürfnissen getroffen werden, sondern nach der Frage, was die Anleihemärkte akzeptieren, verschiebt sich die Macht. Weg von den Bürgern. Hin zu den Gläubigern.

    Sparen allein rettet keinen Staat

    Natürlich muss Frankreich seine Finanzen ordnen. Wer dauerhaft mehr ausgibt, als er einnimmt, gefährdet die Zukunft. Aber wer glaubt, ein Land lasse sich durch Kürzungen gesundschrumpfen, verwechselt einen Staat mit einer überschuldeten Firma.

    Ein Staat ist kein Unternehmen. Seine Schulen sind keine unrentablen Filialen. Seine Krankenhäuser keine verzichtbaren Kostenstellen. Und seine Bürger sind keine Bilanzpositionen.

    Frankreich braucht deshalb nicht bloß einen Sparplan, sondern einen politischen Gesellschaftsvertrag: Wer trägt welche Last? Welche Privilegien werden abgeschafft? Welche Investitionen bleiben unverzichtbar? Und weshalb sollen Menschen Opfer bringen, wenn sie den Eindruck haben, dass die Mächtigen von diesen Opfern ausgenommen bleiben?

    Die Finanzkrise Griechenlands hat gezeigt, wie schnell wirtschaftliche Abhängigkeit politische Selbstbestimmung einschränken kann. Frankreich ist wirtschaftlich ungleich bedeutender. Eine französische Schuldenkrise wäre deshalb keine nationale Angelegenheit. Sie könnte die gesamte Euro-Zone erschüttern.

    Noch hat Frankreich Zeit. Noch kann es sich finanzieren. Noch liegt die Entscheidung bei seinen demokratischen Institutionen.

    Aber diese Zeit ist geliehen.

    Und vielleicht ist das die bitterste Erkenntnis: Ein Staat verliert seine Souveränität nicht erst, wenn fremde Mächte seine Grenzen überschreiten. Er kann sie auch verlieren, wenn seine eigenen Regierungen jahrzehntelang Entscheidungen vertagen, Rechnungen weiterreichen und Verantwortung auf kommende Generationen verschieben.

    Die Republik muss ihre Finanzen in Ordnung bringen, solange sie noch selbst darüber entscheiden kann. Denn eine Demokratie, die ihre Zukunft verpfändet, riskiert irgendwann, dass andere über diese Zukunft verfügen.

    Andreas M. Brucker

  • 18. November: Ein Streifzug durch die Geschichte

    18. November: Ein Streifzug durch die Geschichte

    Der 18. November hat im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche bedeutende Ereignisse hervorgebracht, die sowohl die Weltgeschichte als auch die Geschichte Frankreichs geprägt haben. Ein Blick auf einige dieser Ereignisse zeigt die Vielfalt und Tragweite dieses Datums.

    Weltweite Ereignisse

    • 1626: Die neue Peterskirche in Rom wird geweiht. Nach über einem Jahrhundert Bauzeit ersetzt sie die alte Basilika und wird zum Zentrum der katholischen Christenheit.
    • 1803: In der Schlacht von Vertières besiegen die haitianischen Truppen unter Jean-Jacques Dessalines die französischen Kolonialmächte. Dieser Sieg führt zur Unabhängigkeit Haitis und macht es zur ersten von ehemaligen Sklaven gegründeten Republik.
    • 1883: In den USA und Kanada führen die Eisenbahngesellschaften fünf standardisierte Zeitzonen ein, um den Fahrplanbetrieb zu vereinfachen. Diese Maßnahme bildet die Grundlage für das heutige Zeitzonensystem.
    • 1916: Die Schlacht an der Somme, eine der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkriegs, endet nach fünf Monaten. Mit über einer Million Toten und Verwundeten markiert sie einen Wendepunkt im Kriegsgeschehen.
    • 1932: In der Ukraine beginnt die Hungersnot, bekannt als Holodomor, die Millionen von Menschenleben fordert. Diese Tragödie wird oft als Folge der sowjetischen Politik unter Josef Stalin betrachtet.

    Ereignisse in Frankreich

    • 1799: Am 18. Brumaire VIII des französischen Revolutionskalenders (9. November 1799) führt Napoleon Bonaparte einen Staatsstreich durch, der das Direktorium stürzt und ihn zum Ersten Konsul macht. Dieses Ereignis markiert das Ende der Französischen Revolution und den Beginn des Konsulats.
    • 1876: Frankreich und Großbritannien übernehmen die Schuldenverwaltung Ägyptens, nachdem das Land seinen Staatsbankrott erklärt hat. Diese Intervention führt später zur britischen Besetzung Ägyptens.
    • 1901: Der zweite Hay-Pauncefote-Vertrag zwischen Großbritannien und den USA sichert den Vereinigten Staaten die alleinigen Rechte am Bau und Betrieb des Panamakanals. Dieser Vertrag hebt den Clayton-Bulwer-Vertrag von 1850 auf.
    • 1961: Die französische Regierung leitet umfassende Maßnahmen gegen die rechtsgerichtete Organisation OAS (Organisation de l’Armée Secrète) ein, die gegen die Unabhängigkeit Algeriens kämpft. Premierminister Michel Debré weist die Präfekten an, jegliche Sympathiekundgebungen für die OAS zu unterbinden.
    • 1989: In Paris findet ein informeller EG-Sondergipfel statt, bei dem die Entwicklungen in Osteuropa diskutiert werden. Frankreich spielt eine zentrale Rolle in den Gesprächen über die politische Neuordnung Europas nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.

    Geburtstage bedeutender Persönlichkeiten

    • 1787: Louis Daguerre, französischer Maler und Physiker, wird geboren. Er gilt als einer der Pioniere der Fotografie und entwickelte das nach ihm benannte Daguerreotypie-Verfahren.
    • 1836: W. S. Gilbert, britischer Dramatiker und Librettist, bekannt für seine Zusammenarbeit mit dem Komponisten Arthur Sullivan, wird geboren.
    • 1901: George Gallup, US-amerikanischer Meinungsforscher und Gründer des Gallup-Instituts, erblickt das Licht der Welt.

    Todestage bedeutender Persönlichkeiten

    • 1886: Chester A. Arthur, der 21. Präsident der Vereinigten Staaten, stirbt.
    • 1922: Marcel Proust, französischer Schriftsteller und Autor des Werkes „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, verstirbt.
    • 1976: Man Ray, US-amerikanischer Fotograf und Künstler, bekannt für seine Beiträge zur Dada- und Surrealismus-Bewegung, stirbt in Paris.

    Der 18. November ist somit ein Datum, das zahlreiche bedeutende Ereignisse und Persönlichkeiten in der Geschichte vereint. Von politischen Umwälzungen über kulturelle Meilensteine bis hin zu wissenschaftlichen Durchbrüchen – dieser Tag spiegelt die Vielfalt und Dynamik der menschlichen Geschichte wider.