Schlagwort: Solidarität

  • Trotz des Großbrandes: Biscarrosse feiert – und zeigt seinen Lebenswillen

    Trotz des Großbrandes: Biscarrosse feiert – und zeigt seinen Lebenswillen

    Weiße T-Shirts, blaue Halstücher, Blasmusik und lange Tafeln vor den Bodegas: Anfang September kehrte auf der Place Georges Dufau in Biscarrosse-Plage jene ausgelassene Stimmung zurück, die seit Jahren das Ende des Sommers begleitet. Vom 4. bis 6. September fanden die traditionellen „Fêtes de la Plage“ statt. Doch 2026 fühlte sich das Fest anders an.

    Nur wenige Wochen zuvor hatte die Region eine Katastrophe erlebt.

    Am 23. Juli geriet gegen 15.45 Uhr an der Départementstraße D652 bei Biscarrosse ein Fahrzeug in Brand. Die Flammen griffen auf die ausgetrocknete Vegetation über. Wind, Hitze und Trockenheit verwandelten das Feuer binnen kurzer Zeit in einen Großbrand, der durch die Pinienwälder raste. Rund 3.600 Hektar Land wurden verwüstet, etwa 30.000 Menschen vorsorglich evakuiert – Einwohner ebenso wie Urlauber auf Campingplätzen und in Ferienanlagen. Erst am 30. Juli galt der Brand als unter Kontrolle.

    Für den beliebten Ferienort an der französischen Atlantikküste traf das Feuer auch wirtschaftlich einen empfindlichen Nerv. Restaurants, Campingplätze, Geschäfte und andere touristische Betriebe verdienen einen erheblichen Teil ihres Jahreseinkommens während der Sommermonate. Nach dem Brand brachen Urlauber ihre Ferien ab, andere stornierten Buchungen.

    Mitten in der Hochsaison herrschte plötzlich Leere.

    Umso größer war die Bedeutung der „Fêtes de la Plage“. Seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 2005 entwickelte sich die Veranstaltung zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Damals gab es gerade einmal vier Bodegas, inzwischen beteiligen sich mehr als ein Dutzend örtliche Vereine.

    Das Programm bietet dabei eine charmante Mischung aus Tradition und sommerlichem Volksfest. Morgens wartet das Tripes-Frühstück, später folgen Vorführungen mit historischen Zweimannsägen, Stelzenläufer, gascognische Tänze, traditionelle Spiele und Pala, eine Variante des baskischen Pelota. Wenn der Abend hereinbricht, übernehmen Bandas, Rockgruppen und DJs das Kommando. In diesem Jahr gehörte sogar eine Drohnenshow dazu.

    Normalerweise verabschiedet Biscarrosse mit dem Fest schlicht den Sommer. Diesmal ging es um mehr.

    Viele Bewohner kennen Menschen, die während des Feuers evakuiert wurden, Schäden erlitten oder wirtschaftlich unter den Folgen des Brandes leiden. Dass wenige Wochen später wieder getanzt, gegessen und musiziert wurde, wirkte deshalb nicht wie Verdrängung. Vielmehr zeigte sich darin jene Form von Gemeinschaft, die nach Katastrophen besonders wertvoll wird: Menschen treffen sich wieder, reden miteinander und holen sich ein Stück Alltag zurück.

    Dabei sorgten unterschiedliche Veranstaltungskalender für Verwirrung. Die eigentlichen „Fêtes de la Plage“ fanden vom 4. bis 6. September statt. Am 13. September gab es jedoch erneut ein großes öffentliches Fest: „Biscarrosse dit Merci“. Mit Messe, Umzug, Konzert, Kinderprogramm und Foodtrucks stand dieser Tag ausdrücklich im Zeichen des Dankes und des Zusammenhalts nach dem Großbrand.

    So bekam das Feiern in Biscarrosse einen ungewöhnlich ernsten Unterton.

    Der französische Satz „Malgré l’incendie, le cœur est toujours à la fête“ bringt die Stimmung ziemlich gut auf den Punkt: Trotz des Brandes schlägt das Herz weiter für das Fest. Oder etwas weniger poetisch gesagt: Biscarrosse lässt sich nicht so leicht unterkriegen.

    Von C. Hatty

  • Bürger gegen die Flammen: Wie die Gironde eine Welle der Solidarität erlebt

    Bürger gegen die Flammen: Wie die Gironde eine Welle der Solidarität erlebt

    Seit mehr als einer Woche kämpfen in der Gironde Tausende Feuerwehrleute gegen verheerende Waldbrände. Doch längst tragen nicht allein die professionellen Einsatzkräfte die Last dieses außergewöhnlichen Katastropheneinsatzes. Überall in der Region entstand eine beeindruckende Welle der Hilfsbereitschaft. Landwirte, Handwerker, Mechaniker, Forstarbeiter, Rentner und junge Freiwillige packen mit an und stellen Fahrzeuge, Wassertanks sowie ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Aus spontanen Einzelinitiativen entwickelte sich innerhalb weniger Tage eine Unterstützung, auf die vielerorts kaum noch verzichtet werden könnte.

    Auf den Straßen zwischen Lanton, Andernos-les-Bains, Le Temple und weiteren bedrohten Orten prägen Pick-ups, Traktoren und Lieferwagen inzwischen das Bild. Auf ihren Anhängern stehen große Wasserbehälter mit mehreren Hundert oder sogar Tausenden Litern Fassungsvermögen. Manche Gespanne wirken improvisiert, andere erinnern an professionell ausgestattete Einsatzfahrzeuge. Ihr Ziel bleibt überall dasselbe: Wasser möglichst schnell an die Brandfront bringen, Glutnester löschen und verhindern, dass sich das Feuer erneut auf bislang verschonte Waldflächen ausbreitet.

    Gerade die Wasserversorgung entwickelte sich zu einer der größten Herausforderungen. Ein Tanklöschfahrzeug leert seinen Vorrat bei einem intensiven Brandeinsatz oft innerhalb weniger Minuten. Anschließend folgt nicht selten eine längere Fahrt bis zur nächsten geeigneten Entnahmestelle. Während dieser Zeit fehlt das Fahrzeug an der Front.

    Genau hier schließen die freiwilligen Helfer eine entscheidende Lücke.

    Privat bereitgestellte Zisternen dienen inzwischen als vorgeschobene Versorgungsstationen. Einzelne mobile Anlagen fassen rund 27.000 Liter Wasser und ermöglichen mehreren Feuerwehrfahrzeugen eine schnelle Neubefüllung. Kleinere Geländefahrzeuge übernehmen anschließend den Transport in schwer erreichbare Waldgebiete, in denen große Löschfahrzeuge kaum vorankommen.

    Die Helfer stammen aus allen Teilen der Gesellschaft. Besonders stark vertreten sind Beschäftigte aus dem Baugewerbe, der Forstwirtschaft und der Fahrzeugtechnik. Viele besitzen Pumpen, Schläuche, Geländewagen oder Baumaschinen, die sich in der aktuellen Lage als äußerst wertvoll erweisen. Auch zahlreiche junge Menschen beteiligen sich an den Einsätzen. Mit kleinen Wassertanks fahren sie an die Ränder der Brandschneisen, suchen zu Fuß nach versteckten Glutnestern oder öffnen mit Schaufeln den Waldboden, um schwelende Wurzeln freizulegen. Oft genügt ein einziger Funke, den der Wind weiterträgt – und schon beginnt das Drama von vorn.

    Dieses Engagement verlangt den Freiwilligen einiges ab. Viele starten noch vor Sonnenaufgang und kehren erst spät in der Nacht nach Hause zurück. Kraftstoff, Reparaturen und Verschleiß ihrer Fahrzeuge bezahlen zahlreiche Helfer aus eigener Tasche. Einige berichten bereits von Ausgaben im vierstelligen Bereich. Hinzu kommen enorme körperliche Belastungen durch Hitze, Rauch und die ständige Gefahr, von einer plötzlich wechselnden Feuerfront überrascht zu werden.

    Auch abseits der Waldgebiete zeigt sich die Solidarität. Einwohner bereiten Mahlzeiten vor, verteilen Getränke oder organisieren provisorische Versorgungsstellen auf Parkplätzen. Andere kümmern sich um Evakuierte, versorgen Haustiere oder übernehmen Materialtransporte. Jeder trägt seinen Teil dazu bei – ganz nach dem Motto: Irgendwas geht immer.

    So beeindruckend diese Hilfsbereitschaft auch wirkt, sie bringt zugleich organisatorische Schwierigkeiten mit sich. Viele Freiwillige koordinieren ihre Einsätze über Messenger-Dienste. Informationen über neue Brandherde oder freie Zufahrtswege verbreiten sich rasend schnell, erweisen sich jedoch nicht immer als zuverlässig. Behörden warnen deshalb vor unkoordinierten Alleingängen. Fahrzeuge könnten Rettungswege blockieren oder Löschflugzeuge behindern. Noch schwerer wiegt das Risiko für die Helfer selbst, die sich ungewollt in lebensgefährliche Situationen bringen.

    Um die Einsätze besser zu steuern, führten die Behörden Registrierungen und spezielle Bescheinigungen ein. Trotzdem kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Freiwillige erhalten von Feuerwehrleuten einen Auftrag, stoßen wenige Kilometer später jedoch an Straßensperren der Gendarmerie. Hinter diesen Kontrollen stehen nachvollziehbare Gründe: Zufahrten müssen frei bleiben, evakuierte Gebiete Schutz erhalten und Schaulustige ferngehalten werden. Gleichzeitig offenbart die außergewöhnliche Lage, dass für eine derart breite zivile Mobilisierung künftig klarere Strukturen nötig sind.

    Für die Feuerwehr steht dennoch außer Frage, welchen Wert diese Unterstützung besitzt. Die Freiwilligen entdecken neue Brandherde häufig frühzeitig, versorgen Einsatzfahrzeuge mit Wasser und sichern bereits gelöschte Flächen gegen ein erneutes Aufflammen. Angesichts eines riesigen Einsatzgebietes mit Zehntausenden Hektar verbrannter oder gefährdeter Landschaft lässt sich jeder Winkel unmöglich allein durch professionelle Kräfte überwachen.

    Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen eindrucksvoll, wie eng moderner Katastrophenschutz und das Engagement der Bevölkerung inzwischen miteinander verbunden sind. Mut, Tatkraft und Nachbarschaftssinn ersetzen keine professionelle Einsatzleitung. Doch ohne die vielen freiwilligen Helfer, ihre Fahrzeuge, Zisternen, Schaufeln und ihren unermüdlichen Einsatz hätte das Feuer vermutlich noch deutlich größere Schäden angerichtet. Aus zahllosen spontanen Gesten entstand eine menschliche Kette, die trotz aller Herausforderungen zu einem unverzichtbaren Teil des Kampfes gegen die Flammen geworden ist.

    Daniel Ivers

  • Waldbrände im Süden Frankreichs: Bevölkerung steht geschlossen hinter den Feuerwehrleuten

    Waldbrände im Süden Frankreichs: Bevölkerung steht geschlossen hinter den Feuerwehrleuten

    Während im Süden Frankreichs Hunderte Feuerwehrleute Tag und Nacht gegen verheerende Waldbrände kämpfen, spielt sich abseits der Flammen eine Geschichte ab, die Mut macht. Zwischen Rauch, Hitze und Evakuierungen wächst in den betroffenen Regionen eine beeindruckende Welle der Solidarität. Der Satz „On doit être là pour eux“ – „Wir müssen für sie da sein“ – prägt derzeit das Denken vieler Menschen.

    In zahlreichen Gemeinden entlang der Mittelmeerküste versorgen Einwohner die Einsatzkräfte mit Wasser, gekühlten Getränken, frischem Obst, Kaffee und selbst zubereiteten Mahlzeiten. Restaurants, Bäckereien und Cafés öffnen ihre Türen für die Feuerwehrleute und stellen Lebensmittel kostenlos zur Verfügung. Vereine, Nachbarschaften und Privatpersonen sammeln Spenden oder organisieren Hilfsaktionen, um den Frauen und Männern im Einsatz den oft kräftezehrenden Alltag wenigstens ein wenig zu erleichtern.

    Viele Bewohner schildern, dass sie angesichts der enormen körperlichen und seelischen Belastung der Feuerwehr nicht tatenlos zusehen möchten. Nach stundenlangen Einsätzen bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad, dichtem Rauch und ständig wechselnden Windverhältnissen genügt manchmal schon eine Flasche kaltes Wasser oder ein aufmunterndes Wort, um neue Kraft zu schöpfen. Solche Gesten mögen klein erscheinen – für die Betroffenen besitzen sie oft eine große Bedeutung.

    Auch in den sozialen Netzwerken dominiert Dankbarkeit. Tausendfach verbreiten sich Fotos und Videos erschöpfter Feuerwehrleute, begleitet von anerkennenden Botschaften. Zahlreiche Gemeinden organisieren spontane Beifallsaktionen oder schmücken Rathäuser, Schulen und öffentliche Plätze mit Transparenten, auf denen schlicht „Merci les pompiers“ steht. Die Botschaft fällt überall gleich aus: Die Bevölkerung steht hinter ihren Einsatzkräften.

    Besonders bewegend verlaufen die Begegnungen nach erfolgreich beendeten Löscheinsätzen. Wenn Wohnhäuser, Bauernhöfe oder ganze Ortschaften vor den Flammen bewahrt bleiben, suchen viele Bewohner das persönliche Gespräch mit den Feuerwehrleuten. Nicht selten fließen Tränen der Erleichterung und des Dankes. Zahlreiche Einsatzkräfte berichten, dass gerade diese Momente ihnen zusätzliche Motivation schenken, auch nach langen Schichten weiterzumachen. Da weißt du einfach, wofür sich jeder Handgriff lohnt.

    Neben den Berufsfeuerwehren engagieren sich zahlreiche freiwillige Helfer. Kommunale Waldbrandkomitees und ehrenamtliche Sicherheitsreservisten unterstützen die Behörden bei der Überwachung gefährdeter Gebiete, informieren Anwohner und übernehmen logistische Aufgaben. Dieses Zusammenspiel stärkt den Schutz der Bevölkerung und entlastet die Einsatzkräfte.

    Die diesjährige Waldbrandsaison zählt bereits zu den schwierigsten der vergangenen Jahre. Wochenlange Trockenheit, extreme Hitze und kräftige Winde lassen selbst kleine Brandherde innerhalb kürzester Zeit zu gefährlichen Großbränden anwachsen. Entsprechend hoch fällt die Belastung für alle Beteiligten aus.

    Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ersetzt keine Löschflugzeuge, keine zusätzlichen Fahrzeuge und keine Verstärkung aus anderen Regionen. Sie sendet jedoch ein klares Signal: Die Menschen sehen, was Feuerwehrleute täglich leisten, und sie wissen dieses Engagement zu schätzen. Gerade in Zeiten, in denen viele Familien um ihre Häuser und ihre Zukunft bangen, zeigt sich eindrucksvoll, dass der Kampf gegen die Flammen längst zu einer gemeinsamen Aufgabe der gesamten Gesellschaft geworden ist.

    Von C. Hatty

  • Hitzewelle in Frankreich: Heilsarmee startet Hilfsaktion „Solidarische Hitze“

    Hitzewelle in Frankreich: Heilsarmee startet Hilfsaktion „Solidarische Hitze“

    Frankreich erlebt derzeit eine der frühesten und intensivsten Hitzewellen der vergangenen Jahre. In vielen Regionen klettern die Temperaturen auf über 40 Grad. Für die meisten Menschen bedeutet das vor allem schweißtreibende Tage. Für Obdachlose und andere Menschen in schwierigen Lebenslagen jedoch geht es um weit mehr – für sie kann die extreme Hitze lebensbedrohlich sein.

    Vor diesem Hintergrund hat die Heilsarmee ihre landesweite Sommeraktion „Solidarische Hitze“ gestartet. Die Kampagne läuft vom 22. Juni bis zum 31. August 2026 und verfolgt ein klares Ziel: Menschen zu unterstützen, die den hohen Temperaturen schutzlos ausgesetzt sind.

    Nach Schätzungen leben in Frankreich mehr als 350.000 Menschen ohne feste Unterkunft oder in Notunterkünften. Für sie zählt der Zugang zu Trinkwasser, einem schattigen Platz oder einem klimatisierten Raum längst nicht zur Selbstverständlichkeit. Während viele Menschen an heißen Tagen in ihre Wohnungen oder Büros ausweichen, verbringen Obdachlose oft stundenlang unter freiem Himmel. Die Folgen reichen von Dehydrierung über Kreislaufprobleme bis hin zu lebensgefährlichen Hitzeschlägen.

    Im Rahmen der Hilfsaktion organisiert die Heilsarmee in zahlreichen Städten Sammelaktionen für dringend benötigte Alltagsgegenstände. Gesucht werden unter anderem Wasserflaschen, Trinkflaschen, Sonnenhüte, Caps, Sonnenbrillen, Sonnencreme, Fächer, tragbare Ventilatoren, kühlende Handtücher sowie Hygieneartikel. Die gespendeten Produkte verteilen ehrenamtliche Helfer anschließend bei ihren regelmäßigen Einsätzen direkt an Menschen auf der Straße.

    Auch die Einrichtungen der Organisation passen sich den außergewöhnlichen Wetterbedingungen an. In mehreren Städten bleiben Tageszentren länger geöffnet, damit Betroffene während der heißesten Stunden Schutz in klimatisierten oder gut belüfteten Räumen finden. Teilweise erfolgte diese Ausweitung der Öffnungszeiten auf Wunsch der örtlichen Behörden.

    Die Heilsarmee engagiert sich seit mehr als 145 Jahren für Menschen in Not. Mit der aktuellen Kampagne möchte sie zugleich auf ein Problem aufmerksam machen, das häufig übersehen wird: Extreme Hitze verschärft soziale Ungleichheiten. Empfehlungen wie ausreichend trinken, körperliche Anstrengungen vermeiden oder sich in kühlen Räumen aufhalten klingen selbstverständlich – für Menschen ohne eigenes Zuhause bleiben sie oft unerreichbar.

    Da die Wetterprognosen weiterhin außergewöhnlich hohe Temperaturen erwarten lassen, appelliert die Organisation an die Bevölkerung, Solidarität zu zeigen. Schon kleine Gesten können einen großen Unterschied machen – sei es durch eine Sachspende, die Aufmerksamkeit gegenüber hilfsbedürftigen Menschen oder die Unterstützung lokaler Hilfsangebote. Gerade in Zeiten extremer Wetterlagen zeigt sich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt Leben retten kann.

    Von C. Hatty

  • Hitzewelle bringt Obdachlose in Lebensgefahr

    Hitzewelle bringt Obdachlose in Lebensgefahr

    Während Frankreich erneut unter einer intensiven Hitzewelle leidet, schlagen Hilfsorganisationen Alarm. Zwar rufen Behörden die Bevölkerung dazu auf, ausreichend zu trinken, kühle Orte aufzusuchen und körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Für tausende Menschen, die auf der Straße leben, bleiben diese Empfehlungen jedoch reine Theorie. Ohne Zugang zu Trinkwasser, Schatten oder klimatisierten Räumen geraten sie bei extremen Temperaturen schnell in akute Lebensgefahr.

    Die Folgen der Hitze treffen wohnungslose Menschen besonders hart. Dehydrierung, Hitzschläge und die Verschlechterung chronischer Erkrankungen gehören zu den größten Risiken. Hinzu kommen psychische Erkrankungen oder Suchterkrankungen, die den Alltag zusätzlich erschweren. Wer den ganzen Tag auf aufgeheiztem Asphalt verbringen muss, besitzt kaum Möglichkeiten, sich vor der sengenden Sonne zu schützen.

    Hilfsorganisationen verteilen Wasserflaschen, Sonnencreme oder Kopfbedeckungen und sind mit ihren Teams in den Städten unterwegs. Doch der Bedarf übersteigt die vorhandenen Mittel deutlich. Viele öffentliche Brunnen funktionieren nicht dauerhaft, sanitäre Anlagen schließen am Abend und Notunterkünfte stoßen vielerorts an ihre Kapazitätsgrenzen. Manche Betroffene möchten ihre wenigen Habseligkeiten nicht unbeaufsichtigt zurücklassen, andere sind aufgrund psychischer Belastungen nur schwer erreichbar.

    Zwar aktivieren die Behörden bei extremer Hitze Notfallpläne und öffnen zeitweise klimatisierte Räume. Auch Straßensozialarbeiter verstärken ihre Einsätze. Aus Sicht der Hilfsverbände reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus. Sie kritisieren seit Jahren, dass Notunterkünfte regelmäßig überfüllt sind und die Probleme lediglich kurzfristig behandelt werden. Mit jeder Hitzewelle und jedem Winter kehre dieselbe Notlage zurück.

    Der Klimawandel verschärft diese Entwicklung zusätzlich. Wissenschaftler beobachten, dass Hitzewellen häufiger auftreten, länger andauern und höhere Temperaturen erreichen. Besonders betroffen sind Menschen, die ohnehin unter schwierigen sozialen Bedingungen leben. Ohne festen Wohnsitz fehlt ihnen jede Möglichkeit, sich wirksam an die zunehmenden Wetterextreme anzupassen. Hilfsorganisationen sprechen deshalb inzwischen von einer „klimatischen Armut“, die soziale Ungleichheiten weiter vertieft.

    Auch die Bevölkerung ist aufgerufen, aufmerksam zu bleiben. Eine Flasche Wasser, ein kurzer Blick auf eine erschöpfte Person oder ein Anruf bei den Rettungsdiensten können im Ernstfall Leben retten. Symptome wie Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder eine stark erhöhte Körpertemperatur erfordern schnelles Handeln.

    Für die Sozialverbände steht fest: Die wiederkehrenden Hitzewellen legen nicht nur die Folgen des Klimawandels offen, sondern auch die Schwächen der sozialen Sicherung. Solange Menschen ohne Dach über dem Kopf leben müssen, bleibt jede Hitzewelle eine ernste Bedrohung – und ein deutliches Zeichen dafür, dass die verletzlichsten Mitglieder der Gesellschaft noch immer unzureichend geschützt sind.

    Von C. Hatty

  • Ein globaler Aufruf zum Widerstand: Laëtitia Colombani erzählt von Solidarität über Grenzen hinweg

    Ein globaler Aufruf zum Widerstand: Laëtitia Colombani erzählt von Solidarität über Grenzen hinweg

    Paris – 21. Juni 2026. Mit ihrem neuen Roman Un jour sans femme knüpft Laëtitia Colombani an die Themen an, die bereits ihren internationalen Bestseller La Tresse zu einem weltweiten Erfolg gemacht haben. Die französische Autorin richtet den Blick erneut auf das Leben von Frauen in unterschiedlichen…

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  • Kommentar: Wie man an den Spenden für Bedürftige kräftig verdienen kann – und das auch noch für normal hält

    Kommentar: Wie man an den Spenden für Bedürftige kräftig verdienen kann – und das auch noch für normal hält

    Es gibt Geschäftsmodelle, die sind so dreist, dass man ihnen fast schon Respekt zollen muss. Man stelle sich vor: Menschen kaufen Lebensmittel für Bedürftige, weil sie helfen wollen. Sie greifen zu Konserven, Nudeln oder Babynahrung, legen die Produkte in den Einkaufswagen und spenden sie anschliessend den Lebensmittelbanken. Eine schöne Geste. Ein Akt der Solidarität.

    Und während die Kunden glauben, etwas Gutes zu tun, klingelt gleichzeitig die Kasse des Supermarkts.

    Nicht nur ein bisschen. Sondern ganz regulär. Mit der üblichen Handelsmarge. Mit Gewinn.

    Wie genial ist das eigentlich? Die Grosszügigkeit anderer wird zur Einnahmequelle. Der Kunde spendet. Der Bedürftige erhält die Ware. Und der Händler verdient mit. Eine Win-win-win-Situation – zumindest für zwei Beteiligte.

    Besonders bemerkenswert ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der dieses System verteidigt wird. Sobald Politiker vorschlagen, die bei solchen Sammelaktionen erzielten Margen den Hilfsorganisationen zukommen zu lassen, ertönt empörtes Räuspern aus den Vorstandsetagen. Man habe schliesslich bereits genug getan. Man unterstütze die Aktionen organisatorisch. Man spende Überschüsse. Man kämpfe gegen Lebensmittelverschwendung.

    Alles richtig.

    Nur beantwortet das nicht die entscheidende Frage: Warum sollte ausgerechnet die Spendenbereitschaft der Kunden ein gewöhnlicher Umsatzvorgang sein?

    Wenn jemand Lebensmittel kauft, um sie der eigenen Familie auf den Tisch zu stellen, ist eine Handelsmarge selbstverständlich. Dafür existiert Handel. Doch wenn ein Kunde bewusst für Bedürftige einkauft, wird aus dem Geschäft plötzlich etwas anderes. Dann geht es nicht mehr um Konsum, sondern um Solidarität.

    Und Solidarität ist eigentlich keine Ware.

    Der eigentliche Skandal liegt deshalb nicht darin, dass Supermärkte an solchen Aktionen verdienen. Der eigentliche Skandal ist, dass viele Menschen dies inzwischen für völlig normal halten. Wir haben uns offenbar daran gewöhnt, dass selbst Nächstenliebe noch eine Gewinn- und Verlustrechnung besitzt.

    Vielleicht erleben wir bald die nächste Innovationsstufe. Warum nicht Bonusprogramme für Wohltätigkeit? Zehn Konservendosen für Bedürftige spenden und beim elften Produkt doppelte Treuepunkte erhalten. Oder eine Premium-Mitgliedschaft für besonders grosszügige Kunden. Die Marketingabteilungen würden bestimmt kreative Lösungen finden.

    Natürlich überzeichnet dieser Gedanke. Aber nur ein wenig.

    Denn die grundlegende Frage bleibt bestehen: Wem soll die Grosszügigkeit der Bürger dienen? Menschen in Not – oder den Quartalszahlen börsennotierter Unternehmen?

    Wer ernsthaft behauptet, dass beides gleichermassen legitim sei, hat möglicherweise vergessen, worum es bei einer Spende eigentlich geht.

    Nämlich darum, zu geben.

    Nicht darum, daran zu verdienen.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Wenn Solidarität zum Geschäft wird: Parlamentarier wollen Handelsmargen für Lebensmittelhilfen sichern

    Wenn Solidarität zum Geschäft wird: Parlamentarier wollen Handelsmargen für Lebensmittelhilfen sichern

    Jedes Jahr sammeln die französischen Lebensmittelbanken bei ihren landesweiten Aktionen mehrere tausend Tonnen Lebensmittel für Bedürftige. Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung ist dabei ungebrochen hoch. Nun sorgt jedoch ein Aspekt dieser Solidaritätskampagnen für politische Diskussionen: Mehrere Abgeordnete fordern, dass Supermarktketten künftig auf jene Gewinnmargen verzichten sollen, die bei den eigens für die Sammlungen gekauften Produkten entstehen. Der Vorstoss basiert auf einer einfachen Beobachtung. Während der Sammelaktionen erwerben Kunden Lebensmittel direkt im Supermarkt, um sie anschliessend an die vor den Kassen wartenden Freiwilligen zu übergeben. Für die Handelsketten entstehen dadurch zusätzliche Umsätze, auf die sie ihre üblichen Margen erzielen. Aus Sicht der Initiatoren der Gesetzesvorlage widerspricht dies dem eigentlichen Zweck der Aktionen. Die Grosszügigkeit der Verbraucher solle ausschliesslich den Hilfsorganisationen zugutekommen und nicht zugleich kommerz…

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  • Wenn Teilen plötzlich wieder modern wird

    Wenn Teilen plötzlich wieder modern wird

    In vielen Dörfern Frankreichs spielt sich derzeit eine stille kleine Revolution ab. Keine große politische Debatte, keine millionenschweren Förderprogramme — sondern eine einfache Holzhütte am Straßenrand. In Canaples, einer kleinen Gemeinde im Département Somme mit rund 700 Einwohnern, zeigt sich seit zwei Jahren, wie kraftvoll eine Idee sein kann, die eigentlich uralt ist: teilen statt wegwerfen. Die sogenannte „Cabane à partage“ wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Wer die Tür öffnet, findet Bücher, Spielzeug, Geschirr, Kleidung oder kleine Möbelstücke. Dinge aus Wohnungen, Kellern oder Dachböden, die für ihre Besitzer keinen Platz mehr haben, für andere aber plötzlich wertvoll werden. Jeder darf etwas bringen. Jeder darf etwas mitnehmen. Kostenlos. Ohne Anmeldung. Ohne Kontrolle. Genau diese unkomplizierte Art macht den Charme des Projekts aus. Während vielerorts über Kaufkraftverlust, steigende Preise und Konsumstress diskutiert wird, praktiziert Canaples längst eine sehr boden…

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  • Kommentar: Endlich ein Lichtblick – Frankreich entdeckt seine Menschlichkeit wieder

    Kommentar: Endlich ein Lichtblick – Frankreich entdeckt seine Menschlichkeit wieder

    Es sind selten gewordene Nachrichten in einer Zeit, die von Krisen, Kriegen und permanenter Nervosität geprägt ist. Seit Jahren dominieren Schlagzeilen über Inflation, soziale Spannungen, geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheit die öffentliche Debatte. Viele Menschen haben sich daran gewöhnt, morgens mit schlechten Nachrichten aufzuwachen und abends mit neuen Sorgen schlafen zu gehen.

    Umso bemerkenswerter ist eine Entwicklung, die sich leise, beinahe unspektakulär, in Frankreich vollzieht – und vielleicht gerade deshalb von so grosser Bedeutung ist: Die Menschen helfen einander wieder. Nicht aus Pflichtgefühl. Nicht, weil der Staat es organisiert. Sondern weil sie erkannt haben, dass niemand allein durch diese unruhigen Zeiten kommt.

    Es ist eine stille Rückkehr der Menschlichkeit.

    Die kleinen Gesten, die plötzlich gross werden

    In den grossen politischen Debatten tauchen sie kaum auf: jene Menschen, die ihre Nachbarn zum Einkaufen mitnehmen, Studenten kostenlos Mahlzeiten kochen, ältere Menschen im Dorf versorgen oder Kinder betreuen, damit Alleinerziehende arbeiten können.

    Doch genau dort zeigt sich derzeit das Hoffnungsvolle an Frankreich.

    In Wohnblocks entstehen Fahrgemeinschaften. Fremde Menschen schenken sich Möbel, Kleidung oder Haushaltsgeräte. Junge Familien organisieren gemeinsame Einkäufe, um Geld zu sparen. Studenten helfen Rentnern mit digitalen Formularen, während ältere Menschen im Gegenzug warme Mahlzeiten kochen. In vielen Quartieren kennt man plötzlich wieder die Namen der Nachbarn.

    Es sind unscheinbare Szenen – und gerade deshalb berühren sie.

    Denn sie widersprechen dem Bild einer Gesellschaft, die angeblich nur noch individualistisch, gereizt und egoistisch sei.

    Die Krisen haben die Menschen verändert

    Frankreich hat schwere Jahre hinter sich. Die Pandemie hinterliess tiefe Spuren. Danach kamen Inflation, Energiepreise, politische Spannungen und die Angst vor sozialem Abstieg. Viele Menschen verloren das Vertrauen in die Vorstellung, dass Wohlstand automatisch Sicherheit bedeutet.

    Doch Krisen verändern Gesellschaften nicht nur zum Schlechten. Manchmal erinnern sie Menschen auch daran, was wirklich zählt.

    Plötzlich wird Zeit wichtiger als Konsum. Nähe wichtiger als Status. Hilfe wichtiger als Konkurrenz.

    Die vergangenen Jahre haben vielen Franzosen gezeigt, wie fragil das moderne Leben geworden ist. Wie schnell scheinbar stabile Existenzen ins Wanken geraten können. Und vielleicht entstand genau daraus etwas, das lange verloren schien: echtes Mitgefühl.

    Wer selbst Unsicherheit erlebt hat, erkennt sie auch bei anderen schneller.

    Eine Gesellschaft, die sich weigert zu verhärten

    Besonders bewegend ist, dass diese Solidarität oft von Menschen kommt, die selbst kaum etwas besitzen. Nicht die Wohlhabenden tragen vielerorts das soziale Leben – sondern jene, die wissen, wie schwierig der Alltag geworden ist.

    Die Rentnerin mit kleiner Pension, die dennoch Essen verteilt. Der Arbeiter, der den Nachbarn kostenlos zur Arbeit fährt. Die Studentin, die ihre letzte Portion Pasta teilt. Der Bäcker, der abends übrig gebliebenes Brot verschenkt.

    Diese Gesten haben nichts Spektakuläres. Aber sie erzählen etwas Grundsätzliches über Frankreich.

    Trotz aller politischen Spannungen, trotz Wut, Unsicherheit und gesellschaftlicher Erschöpfung weigert sich ein Teil des Landes offenbar, zynisch zu werden.

    Und genau darin liegt vielleicht die wichtigste Nachricht dieser Zeit.

    Die Rückkehr des „Wir“

    Über Jahre dominierte das Gefühl, jeder müsse alleine kämpfen. Karriere, Konkurrenz, Leistungsdruck und steigende Lebenshaltungskosten förderten einen Alltag, in dem kaum noch Raum für Gemeinschaft blieb.

    Nun entsteht langsam etwas Neues – oder vielleicht etwas sehr Altes.

    Die Menschen entdecken wieder den Wert des Kollektiven. Nicht als politische Theorie, sondern als praktische Lebensrealität. Man hilft sich, weil man verstanden hat, dass soziale Wärme in Krisenzeiten wichtiger sein kann als wirtschaftlicher Erfolg.

    Diese Entwicklung lässt sich nicht in Wachstumszahlen messen. Sie erscheint in keiner Statistik der Europäischen Zentralbank. Und doch könnte sie langfristig wichtiger sein als viele ökonomische Reformprogramme.

    Denn Gesellschaften zerbrechen nicht zuerst an Inflation oder Krisen. Sie zerbrechen dann, wenn Menschen aufhören, sich füreinander zu interessieren.

    Frankreich zeigt derzeit das Gegenteil.

    Vielleicht beginnt Hoffnung genau so

    Natürlich löst gegenseitige Hilfe nicht die grossen Probleme des Landes. Sie ersetzt keine funktionierende Sozialpolitik, keine gerechten Löhne und keine bezahlbaren Wohnungen. Viele Menschen kämpfen weiterhin mit Existenzängsten.

    Aber inmitten dieser Unsicherheit geschieht etwas, das lange unmöglich schien: Die Menschen entdecken wieder Vertrauen ineinander.

    Vielleicht ist genau das die eigentliche positive Nachricht.

    Nicht, dass plötzlich alles besser geworden wäre. Sondern dass viele Franzosen trotz aller Schwierigkeiten ihre Fähigkeit zur Solidarität nicht verloren haben.

    In einer Welt voller Aggressivität, sozialer Kälte und Dauerempörung wirkt das fast revolutionär.

    Vielleicht beginnt Hoffnung nicht mit grossen politischen Reden. Vielleicht beginnt sie mit einer warmen Mahlzeit für den Nachbarn. Mit einer mitgenommenen Einkaufstasche. Mit einem offenen Ohr. Mit Menschen, die einander sagen: Du bist nicht allein.

    Und vielleicht ist das am Ende stärker als jede Krise.

    Ein Kommentar von MAB