Schlagwort: soft power

  • Frankreichs digitale Gegenoffensive: Wie „French Response“ gegen Desinformation kämpft

    Frankreichs digitale Gegenoffensive: Wie „French Response“ gegen Desinformation kämpft

    Paris – Im Zeitalter digitaler Informationskriege verlagern sich diplomatische Auseinandersetzungen zunehmend auf soziale Netzwerke. Mit dem Start des X-Accounts „French Response“ im September 2025 hat das französische Außenministerium auf diese Entwicklung reagiert und ein neues Instrument geschaffen, um gegen Desinformation vorzugehen und die Position Frankreichs in internationalen Debatten offensiv zu vertreten. Der Account verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz für eine staatliche Institution. Statt auf die traditionelle, oft nüchterne Sprache der Diplomatie zu setzen, nutzt „French Response“ Humor, Ironie und pointierte Formulierungen. Ziel ist es, Falschinformationen nicht nur zu korrigieren, sondern dies in einer Form zu tun, die den Kommunikationsgewohnheiten sozialer Medien entspricht. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich der Kanal zu einem beachteten Akteur der digitalen Diplomatie und gewann mehr als 180.000 Abonnenten. Besonders sichtbar wurde die Strategie bei internati…

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  • Die Fußball-WM – und die Kalküle der Staatschefs

    Die Fußball-WM – und die Kalküle der Staatschefs

    Jedesmal, wenn eine Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, richten sich die Blicke der Fans auf Taktik, Tore und Titelkandidaten. In den Regierungssitzen der Welt wird das Turnier jedoch oft aus einer anderen Perspektive betrachtet: als Instrument politischer Einflussnahme und internationaler Selbstdarstellung. Die Geschichte der Weltmeisterschaft zeigt, dass Fußball und Politik seit langem eng miteinander verbunden sind. Bereits die WM 1934 im faschistischen Italien oder das Turnier 1978 im Argentinien der Militärjunta wurden für politische Zwecke genutzt. Auch Russland 2018 und Katar 2022 setzten das Großereignis gezielt ein, um ihr internationales Ansehen zu stärken. Die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko dürfte diese Entwicklung fortsetzen. Fußball als Mittel der Machtprojektion Kein anderes Sportereignis erreicht ein vergleichbares globales Publikum. Milliarden Menschen verfolgen die Spiele und nehmen dabei zugleich das Gastgeberland wahr – seine Infrastruktur, seine…

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  • Wenn Diplomaten singen: Emmanuel Macron, Aznavour und die Macht der symbolischen Geste

    Wenn Diplomaten singen: Emmanuel Macron, Aznavour und die Macht der symbolischen Geste

    Eine unerwartete, fast theatralische Szene im Herzen eines Staatsbanketts: Während seines offiziellen Besuchs in Eriwan Anfang Mai 2026 griff der französische Präsident Emmanuel Macron zum Mikrofon – und sang. Seine Interpretation von La Bohème verbreitete sich binnen Stunden in den sozialen Netzwerken. Was auf den ersten Blick wie ein lockerer Moment unter Staatsgästen wirkt, entfaltet bei näherer Betrachtung eine bemerkenswerte diplomatische Tiefenschärfe.


    Eine diplomatische Bühne wird zum Kabarett

    Die Szene spielte sich während eines offiziellen Dinners mit europäischen und armenischen Würdenträgern ab. Was als streng protokollarisches Ereignis begann, entwickelte sich rasch zu einem informellen, beinahe intimen Moment. Macron stimmte den bekannten Refrain an, begleitet vom armenischen Premierminister Nikol Pachinian, der sich an das Schlagzeug setzte, während Präsident Vahagn Khatchatourian improvisierend am Klavier agierte.

    Musikalisch war die Darbietung alles andere als perfekt. Sie wirkte stellenweise unsicher, fast improvisiert. Doch gerade diese Unvollkommenheit verlieh der Szene Authentizität. Es handelte sich nicht um eine einstudierte Inszenierung im klassischen Sinne, sondern um einen Moment symbolischer Nähe – eine Form von „performativer Diplomatie“, in der das Gemeinsame über das Perfekte triumphiert.


    Die Wahl Aznavours als politisches Signal

    Dass Macron ausgerechnet La Bohème wählte, ist kein Zufall. Der Interpret des Originals, Charles Aznavour, verkörpert wie kaum ein anderer Künstler die kulturelle Brücke zwischen Frankreich und Armenien. Als Sohn armenischer Einwanderer in Paris geboren, wurde Aznavour zu einer Ikone der französischen Chanson-Tradition – und zugleich zu einer Stimme der armenischen Diaspora.

    Vor diesem Hintergrund gewinnt Macrons Gesang eine zusätzliche Bedeutungsebene. Er fungiert nicht nur als unterhaltsame Einlage, sondern als implizite politische Botschaft. Die Auswahl des Liedes wird zum Akt symbolischer Kommunikation, der historische Verbundenheit und kulturelle Nähe betont – ohne die Schwere offizieller Rhetorik.


    Die Logik der „weichen Macht“

    Macrons Auftritt reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Gesten, mit denen der französische Präsident seit Jahren seine außenpolitische Kommunikation ergänzt. Bereits bei einem Besuch in Schweden hatte er öffentlich das Lied Les Champs-Élysées angestimmt. Solche Momente sind Teil einer Strategie, die sich im Vokabular der internationalen Beziehungen als „Soft Power“ beschreiben lässt – ein Konzept, das maßgeblich vom US-Politikwissenschaftler Joseph Nye geprägt wurde.

    Frankreich verfügt traditionell über ein starkes kulturelles Kapital: Sprache, Literatur, Musik und Gastronomie sind zentrale Bestandteile seiner internationalen Ausstrahlung. Indem Macron dieses kulturelle Erbe aktiv in diplomatische Kontexte integriert, versucht er, Frankreichs Einfluss jenseits militärischer oder wirtschaftlicher Machtressourcen zu stärken.

    Gerade im Fall Armeniens, das historisch und geopolitisch zwischen verschiedenen Einflusszonen steht, kommt dieser symbolischen Dimension besondere Bedeutung zu. Frankreich positioniert sich seit Jahren als enger Partner des Landes, nicht zuletzt im Kontext des Konflikts um Bergkarabach. Die kulturelle Nähe dient dabei als Verstärker politischer Solidarität.


    Bilder statt Bulletpoints: Die Transformation der Diplomatie

    Die Szene von Eriwan illustriert einen grundlegenden Wandel in der internationalen Politik: Die Bedeutung visueller und emotionaler Kommunikation nimmt stetig zu. In einer medial fragmentierten Welt, in der Aufmerksamkeit eine knappe Ressource ist, können symbolische Handlungen größere Wirkung entfalten als lange Kommuniqués.

    Ein gemeinsam gesungenes Lied ist leicht zugänglich, emotional anschlussfähig und global teilbar. Es schafft Bilder, die sich einprägen – und damit Narrative, die politische Beziehungen auf einer anderen Ebene verankern. Diese Entwicklung ist nicht frei von Risiken: Die Grenze zwischen authentischer Geste und kalkulierter Inszenierung ist oft fließend.


    Zwischen Authentizität und Kalkül

    Bleibt die Frage nach der Echtheit des Moments. War Macrons Auftritt spontan oder strategisch geplant? Die Antwort liegt vermutlich dazwischen. Moderne Staatsführung ist untrennbar mit medialer Inszenierung verbunden. Politiker agieren nicht nur als Entscheidungsträger, sondern auch als Kommunikatoren und – in gewisser Weise – als Performer.

    Macron gilt als besonders medienaffin und bewusst in seiner Selbstdarstellung. Seine Auftritte folgen häufig einer klaren dramaturgischen Logik. Dennoch wäre es verkürzt, den Moment in Eriwan ausschließlich als kalkuliertes Schauspiel abzutun. Die sichtbare Unperfektheit, das gemeinsame Musizieren und die gelöste Atmosphäre sprechen dafür, dass hier auch genuine zwischenmenschliche Dynamiken am Werk waren.

    Gerade diese Ambivalenz macht die Szene politisch interessant. Sie zeigt, wie eng Authentizität und Inszenierung in der heutigen Diplomatie miteinander verwoben sind – und wie beide Elemente zusammenwirken können, um Wirkung zu erzielen.


    Was bleibt, ist ein bemerkenswerter Befund: Inmitten eines Staatsbanketts, fernab von Verhandlungstischen und Pressekonferenzen, war es nicht ein politisches Statement, das die größte Aufmerksamkeit erzeugte – sondern ein Lied. Eine Komposition aus dem Jahr 1965, neu interpretiert im Jahr 2026, wurde zum Träger einer diplomatischen Botschaft. Zwischen Paris und Eriwan entstand für einen Moment eine Verbindung, die weniger auf Interessen als auf geteilten kulturellen Referenzen beruhte. In einer Zeit geopolitischer Spannungen wirkt eine solche Szene beinahe aus der Zeit gefallen – und gerade deshalb so wirksam.

    Andreas M. Brucker

  • Kulturelle DNA der Nation: Warum Macron Frankreichs Bistrots unter Unesco-Schutz stellen will

    Kulturelle DNA der Nation: Warum Macron Frankreichs Bistrots unter Unesco-Schutz stellen will

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat ein neues kulturpolitisches Anliegen: die Aufnahme der französischen Bistrots und Cafés in das immaterielle Kulturerbe der Unesco. Was auf den ersten Blick folkloristisch anmutet, ist Ausdruck einer politischen Strategie – und Teil eines umfassenderen Narrativs zur kulturellen Selbstvergewisserung in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche.

    Cafés als Orte nationaler Identität „Unsere Cafés und Bistrots verkaufen nicht nur Croissants und Baguettes, sie sind Träger französischer Lebenskunst“, erklärte Macron am 5. Januar 2026 während der traditionellen Epiphanie-Feier im Élysée-Palast. Die Gastronomie sei ein Schlüssel zur französischen Seele, und ihre Orte des Alltagslebens – Cafés, Bistrots, Boulangerien – seien mehr als bloß Konsumstätten: Sie seien soziale Räume, Stätten der Debatte, Orte des kulturellen Austauschs. Die Forderung Macrons reiht sich ein in eine breitere politische Linie der vergangenen Jahre. Bereits 2022 wurde das Baguette zum im…

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  • Sport‑Spektakel und Polit‑Bühne: Wenn der FIFA World Cup 2026 zum geopolitischen Schaufenster wird

    Sport‑Spektakel und Polit‑Bühne: Wenn der FIFA World Cup 2026 zum geopolitischen Schaufenster wird

    Am Freitag startet mit der Auslosung der Gruppen für den 2026 FIFA World Cup der offizielle Countdown für ein globales Sportereignis, das mehr sein wird als nur ein Fußballturnier. Die Staats- und Regierungschefs der Gastgeberländer — US‑Präsident Donald Trump, Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premierminister Mark Carney — werden im Kennedy Center in Washington erwartet. Neben der Spannung sportlicher Duelle gewinnt das Turnier erneut politische und symbolische Bedeutung.

    Der World Cup als Bühne für Macht und Einfluss

    Seit der Erstaustragung 1930 fungiert der World Cup nicht nur als sportliches Kräftemessen – oftmals war das Turnier gleichbedeutend mit nationaler Selbstdarstellung oder politischer Propaganda.

    Beim ersten Turnier nutzte Gastgeber Uruguay das Ereignis, um sein 100‑jähriges Bestehen und seine Bedeutung in der internationalen Ordnung zu betonen. Die zweite Ausgabe 1934 in Italien geriet unter Benito Mussolini zur gezielten Inszenierung faschistischer Stärke: hochwertige Eintrittskarten, eigens produzierte Fanartikel, ein überdimensionierter Pokal – die „Copa del Duce“ – als symbolischer Ausdruck politischer Macht.

    Auch in späteren Austragungen diente der Fußball politischen Zielen. Die argentinische Militärjunta inszenierte 1978 den sportlichen Erfolg als Beleg nationaler Größe, während sich die brasilianische Militärregierung 1970 mit dem Turniersieg unter dem Banner nationaler Einheit präsentierte.

    Der Fußball wurde so zum Vehikel staatlicher Repräsentation, zur Bühne politischer Erzählungen – mal autoritär, mal demokratisch.

    2026: Symbolpolitik im Dreiklang Nordamerikas

    Die bevorstehende Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko folgt einem neuen geopolitischen Muster. Erstmals teilen sich drei Staaten die Ausrichtung – ein symbolträchtiges Zeichen für nordamerikanische Kooperation, aber auch ein logistisches Mammutprojekt.

    Gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen:

    • Die Ticketpreise sind in vielen Stadien exorbitant hoch.
    • Die Einreisebestimmungen, insbesondere in die USA, könnten für Fans aus Afrika, Asien oder Südamerika erhebliche Hürden darstellen.
    • Die wirtschaftlichen Interessen der FIFA überlagern zunehmend sportliche oder gesellschaftliche Anliegen.

    Ein weiteres politisches Detail: Donald Trump, der sein Präsidentenamt mit einer weltweiten Bühne krönen könnte, soll laut Planungen nach dem Finale den Pokal persönlich überreichen. Dies wäre nicht nur ein symbolträchtiger Moment, sondern auch ein bewusster Akt medialer Selbstinszenierung – vergleichbar mit dem Auftritt des Emirs von Katar 2022.

    Wenn Sport zur Projektionsfläche wird

    Der World Cup ist längst kein reines Sportereignis mehr. Er ist globales Aushängeschild, wirtschaftliches Großprojekt und ein machtpolitischer Resonanzkörper.

    Die jüngsten Austragungen des Events in Brasilien, Katar oder Südafrika zeigen, wie Gastgeberländer den Fußball zur Selbstvermarktung nutzen – mit teils problematischen Begleiterscheinungen: Landenteignungen, Menschenrechtsverstöße, Arbeitsbedingungen, die oft wenig mit den offiziellen Versprechen harmonieren.

    Auch Nordamerika wird sich kritischen Fragen stellen müssen – insbesondere die USA, deren restriktive Migrations- und Visapolitik vielen Fußballfans ein Gefühl der Ausgrenzung vermittelt. Der Satz „Die Welt zu Gast bei Freunden“ bekommt damit einen doppelten Boden.

    Verlust des Besonderen?

    Neben politischen Fragen bleibt auch die Sorge vieler Fans, dass der World Cup seinen Charme verliert. In Zeiten ständiger medialer Verfügbarkeit von Fußball, millionenschwerer Übertragungsrechte und durchkommerzialisierter Ligen droht das einst einzigartige Erlebnis zur Marketingmaschine zu verkommen.

    Stadien gleichen sich immer mehr an, lokale Eigenheiten werden zugunsten globaler Standards verdrängt. Die visuelle und kulturelle Unverwechselbarkeit früherer Turniere – einst ein Markenzeichen – schwindet.

    Doch trotz aller Kritik: Der World Cup bleibt ein globales Ritual mit immenser Strahlkraft. Er spiegelt nicht nur sportliche Entwicklungen wider, sondern auch gesellschaftliche Umbrüche, politische Tendenzen und wirtschaftliche Kräfteverschiebungen.


    WEITERE MELDUNGEN

    Hohe US-Militärs präsentierten Mitgliedern des Kongresses ein Video eines Angriffs im September auf ein Boot vor der Küste Venezuelas und rechtfertigten einen Folgeangriff, bei dem zwei Überlebende getötet wurden.

    In Virginia wurde ein 30-jähriger Mann festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, in der Nacht vor dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 zwei Bomben in der Nähe des Regierungsgebäudes platziert zu haben.

    Yasser Abu Schabab, Anführer einer von Israel unterstützten palästinensischen Miliz, wurde laut einem israelischen Regierungsvertreter bei einem Gefecht im Süden des Gazastreifens getötet.

    Hamas hat die Leiche des letzten thailändischen Geiselsopfers im Gazastreifen zurückgegeben. Die sterblichen Überreste aller Geiseln mit Ausnahme einer Person konnten mittlerweile geborgen werden.

    Die Präsidenten von Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo trafen sich im Weißen Haus, um ein Abkommen zur Beendigung des verheerenden Kriegs im Osten des Kongo voranzubringen.

    Eine britische Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Russlands Präsident Wladimir Putin den Giftanschlag von 2018 in der Stadt Salisbury „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ autorisiert haben muss.

    Putin hält sich derzeit zu Gesprächen mit Premierminister Narendra Modi in Indien auf.

    Eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützte Separatistengruppe hat weite Teile einer ressourcenreichen Region im Süden des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht.

    Kambodscha hat ein berüchtigtes Zentrum geschlossen, das zur Geldwäsche von Milliardenbeträgen aus Betrugsmaschen genutzt wurde.

    Kenia ließ einen Diplomaten trotz zahlreicher Vorwürfe sexuellen Missbrauchs an kenianischen Arbeitskräften in Saudi-Arabien im Amt.

    Spanien, Irland, die Niederlande und Slowenien kündigten an, den Eurovision Song Contest im kommenden Jahr zu boykottieren – aus Protest gegen die Teilnahme Israels.

    Autor: P. Tiko

  • Trump bei den Vereinten Nationen – und andere World-News

    Trump bei den Vereinten Nationen – und andere World-News

    Donald Trump wird heute vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York sprechen. Er werde erläutern, „wie globale Institutionen die Weltordnung erheblich untergraben haben“, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses.

    Dabei spielte gerade die USA vor 80 Jahren eine zentrale Rolle bei der Gründung der UNO und verfügt bis heute über erheblichen Einfluss auf deren Entscheidungen – etwa bei Abstimmungen zu Menschenrechten oder Personalentscheidungen in Schlüsselorganisationen.

    Ein ehemaliger US-Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf berichtete von einem Fall, in dem er 2020 mitwirkte, die Wahl eines chinesischen Kandidaten zum Leiter der UN-Organisation für geistiges Eigentum zu verhindern – ein Feld, in dem die USA und China seit Langem im Konflikt stehen.

    In einem anderen Fall gelang es den Vereinigten Staaten im Jahr 2022, einen US-Amerikaner an die Spitze einer wenig bekannten, aber einflussreichen UN-Agentur zu bringen, die globale Standards für Satellitenkommunikation und Internetkabel festlegt. Die Leitung dieser Behörde lag zuvor acht Jahre lang in chinesischer Hand – Peking nutzte die Position, um den weltweiten Einsatz von 5G-Technologie des chinesischen Konzerns Huawei zu fördern.

    Im Juni versuchten US-Diplomaten, zu verhindern, dass Shanghai im Jahr 2027 eine Konferenz zur Regulierung von Satellitenkommunikation ausrichtet. Ein Zuschlag für China hätte sicherheitspolitische Risiken für westliche Unternehmen bedeutet. In letzter Minute setzten die USA stattdessen Washington als Austragungsort durch.

    Solche Einflussnahmen auf diplomatischem Parkett galten einst als Paradebeispiel für die „Soft Power“ der USA.

    Inzwischen allerdings ziehen sich die Amerikaner immer mehr zurück und überlassen das Feld anderen.


    Frankreich erkennt Palästina als Staat an

    Der französische Präsident Emmanuel Macron verkündete am gestrigen Tag in seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung die offizielle Anerkennung Palästinas als Staat. Ein Teil der Anwesenden reagierte mit stehenden Ovationen.

    Macron eröffnete seine Rede mit einer scharfen Verurteilung des Angriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023. Er forderte die sofortige Freilassung aller Geiseln und ein entschiedenes Vorgehen gegen Antisemitismus. Gleichzeitig betonte er, dass die Anerkennung Palästinas nicht als Belohnung für die Hamas zu verstehen sei – eine Botschaft, die er Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wiederholt zu vermitteln versuchte.

    Die symbolträchtige Entscheidung soll die Wiederbelebung der Zwei-Staaten-Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt unterstützen – ein Ziel, das derzeit ferner denn je scheint. Der Krieg im Gazastreifen geht inzwischen in sein zweites Jahr, während Israel seine Siedlungsaktivitäten im Westjordanland weiter beschleunigt. Frankreich reiht sich mit diesem Schritt in die Gruppe von rund 150 Staaten ein, die Palästina bereits als souveränen Staat anerkennen.


    Weitere wichtige Meldungen

    Wetter: Supertaifun Ragasa hat die Philippinen erreicht und Erdrutsche ausgelöst. Der Sturm wird morgen in Hongkong erwartet. Meteorologen bezeichnen ihn als den bisher stärksten Wirbelsturm des Jahres.

    USA: Die Late-Night-Show von Jimmy Kimmel, die vergangene Woche nach umstrittenen Äußerungen Kimmels über Charlie Kirk ausgesetzt wurde, kehrt heute auf die Bildschirme zurück.

    Ägypten: Der prominenteste politische Gefangene des Landes, Alaa Abd El Fattah, wurde von Präsident Al-Sisi begnadigt.

    Technologie: Der US-Chiphersteller Nvidia kündigte an, 100 Milliarden US-Dollar in OpenAI zu investieren – ein weiteres Zeichen für die enormen Summen, die derzeit im Bereich künstliche Intelligenz bewegt werden.

    Russland: Präsident Wladimir Putin schlug vor, die Obergrenzen des letzten verbliebenen Rüstungskontrollvertrags zwischen Moskau und Washington um ein weiteres Jahr aufrechtzuerhalten.

    TikTok: Ein US-Regierungsvertreter teilte mit, dass China bereit sei, eine Lizenz für den Algorithmus von TikTok – das Herzstück der Videofunktion – an eine US-Investorengruppe zu vergeben, die die App künftig in den USA kontrollieren soll.

    Dänemark: Eine junge Grönländerin erhält das Sorgerecht für ihr Kind zurück, das ihr kurz nach der Geburt von den dänischen Behörden entzogen worden war. Der Fall ist zu einem Zankapfel in den Beziehungen zwischen Dänemark und Grönland geworden.

    Autor: P. Tiko