Schlagwort: Slow Fashion

  • Marseilles junge Modebewegung setzt auf Secondhand

    Marseilles junge Modebewegung setzt auf Secondhand

    Wer an Mode denkt, hat oft die glitzernden Laufstege von Paris, Mailand oder New York vor Augen. Doch in Marseille wächst seit einigen Jahren eine ganz andere Bewegung heran. Hier stehen nicht Luxusmarken, exklusive Stoffe oder kurzlebige Trends im Mittelpunkt, sondern Nachhaltigkeit, Kreativität und die Idee, Kleidung ein zweites Leben zu schenken. Besonders Studierende treiben diesen Wandel mit bemerkenswertem Engagement voran.

    In der südfranzösischen Hafenstadt entstehen immer mehr Projekte, die zeigen, dass Mode und Umweltbewusstsein hervorragend zusammenpassen. Junge Designerinnen und Designer organisieren Modenschauen, bei denen ausschließlich Secondhand Kleidung, umgestaltete Fundstücke oder aufgewertete Textilien präsentiert werden. Was früher oft als Zeichen eines kleinen Budgets galt, entwickelt sich nun zu einem Ausdruck von Stil, Individualität und Verantwortungsbewusstsein.

    Die wachsende Bedeutung dieser Bewegung zeigte sich erneut bei der zweiten Slow Fashion Week Marseille Anfang Juni. Die Veranstaltung brachte Studierende, Modeschulen, Künstler und lokale Initiativen zusammen. Gemeinsam präsentierten sie Ideen für eine Modewelt, die weniger auf schnellen Konsum und mehr auf Qualität setzt.

    Dabei geht es um weit mehr als schöne Outfits. Die jungen Organisatoren möchten das Bild von gebrauchter Kleidung grundlegend verändern. Secondhand Mode soll nicht länger als Ersatz für Neuware betrachtet werden. Stattdessen verstehen sie sie als kreative Ressource voller Möglichkeiten. Jedes Kleidungsstück erzählt eine Geschichte und bietet die Chance, etwas Einzigartiges daraus zu machen.

    Wer schon einmal durch einen Secondhand Laden gestöbert hat, kennt das Gefühl: Zwischen unscheinbaren Stücken taucht plötzlich ein echter Schatz auf. Genau diese Entdeckungsfreude möchten die Studierenden auf die Laufstege bringen. Warum immer dieselben Trends tragen wie alle anderen, wenn sich mit etwas Fantasie ein ganz persönlicher Stil entwickeln lässt?

    Gleichzeitig steht hinter den Projekten eine ernste Botschaft. Die Modebranche zählt weltweit zu den Industriezweigen mit einem hohen Ressourcenverbrauch. Für die Herstellung von Kleidung braucht es große Mengen Wasser, Energie und Rohstoffe. Hinzu kommen Transportwege, chemische Behandlungen und enorme Mengen an Textilabfällen. Die Wiederverwendung vorhandener Kleidung bietet deshalb eine Möglichkeit, Ressourcen zu schonen und den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.

    Viele Studierende sehen darin keinen Verzicht, sondern eine Chance. Sie experimentieren mit alten Stoffen, verändern Schnitte, kombinieren unterschiedliche Materialien und erschaffen daraus neue Kollektionen. Aus einer ausrangierten Jeans entsteht eine Tasche, aus mehreren Hemden ein modernes Kleid. Was gestern noch als unbrauchbar galt, erscheint plötzlich in völlig neuem Licht.

    Auch die Modeschulen der Stadt begleiten diese Entwicklung aktiv. Nachhaltige Materialien, traditionelle Handwerkstechniken und innovative Verarbeitungsmethoden gewinnen in der Ausbildung an Bedeutung. Junge Kreative beschäftigen sich mit pflanzlichen Färbemethoden, ressourcenschonenden Produktionswegen und neuen Konzepten der Kreislaufwirtschaft. Die Frage lautet längst nicht mehr nur: Wie sieht ein Kleidungsstück aus? Sondern auch: Wie entsteht es und welche Auswirkungen hinterlässt es?

    Marseille bietet für diese Ideen einen idealen Nährboden. Die Stadt lebt von ihrer kulturellen Vielfalt, ihrer Offenheit und ihrer kreativen Energie. Zwischen Mittelmeer, Straßenkunst und lebendigen Stadtvierteln entstehen Projekte, die gesellschaftliche Themen aufgreifen und neue Perspektiven eröffnen. Mode dient dabei als Sprache, mit der sich junge Menschen ausdrücken und gleichzeitig Haltung zeigen.

    Besonders spannend wirkt, dass Nachhaltigkeit hier nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt wird. Die Modenschauen setzen auf Inspiration statt auf Belehrung. Farbenfrohe Entwürfe, ungewöhnliche Kombinationen und mutige Designs beweisen, dass umweltfreundliche Mode keineswegs langweilig sein muss. Im Gegenteil: Oft entstehen gerade durch die Begrenzung auf vorhandene Materialien die originellsten Ideen.

    So verändert sich auch die Vorstellung von Luxus. Für viele junge Designer zählt heute nicht mehr der schnelle Kauf der neuesten Kollektion. Wertvoll erscheint vielmehr ein Kleidungsstück, das sorgfältig verarbeitet wurde, lange genutzt werden kann und eine persönliche Geschichte besitzt. Qualität rückt in den Vordergrund, während Massenproduktion an Attraktivität verliert.

    Die Botschaft der Marseiller Studierenden ist klar. Die Zukunft der Mode liegt nicht zwangsläufig im ständigen Neukauf. Sie könnte ebenso darin bestehen, vorhandene Ressourcen klug zu nutzen und kreativer mit Kleidung umzugehen. Ihre Laufstege zeigen, dass Nachhaltigkeit und Stil längst keine Gegensätze mehr darstellen. Im Gegenteil – sie ergänzen sich auf überraschend moderne Weise.

    Und vielleicht beginnt genau dort die nächste große Revolution der Modewelt: nicht in den Schaufenstern der Luxusmeilen, sondern in den Werkstätten, Hörsälen und Secondhand Läden einer jungen Generation, die Mode neu denkt.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Ultra-Fast-Fashion: Der Turbo-Modus der Modeindustrie gerät ins Wanken

    Ultra-Fast-Fashion: Der Turbo-Modus der Modeindustrie gerät ins Wanken

    Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Modebranche an ihre eigenen Grenzen stößt. Die Ultra-Fast-Fashion – noch schneller, noch billiger, noch kurzlebiger als die ohnehin schon umstrittene Fast-Fashion – hat in wenigen Jahren den Markt überrollt. Doch jetzt formiert sich der Widerstand. Nicht nur in Frankreich, sondern weltweit.

    10.000 neue Kleidungsstücke – pro Tag. Das ist keine Übertreibung, sondern die Realität bei Plattformen wie Shein oder Temu. Während traditionelle Modemarken mit wenigen Kollektionen pro Saison arbeiten, speisen Ultra-Fast-Fashion-Anbieter täglich eine Flut an neuen Artikeln ins Netz – algorithmisch getrieben, massenhaft produziert, zum Schleuderpreis verkauft.

    Ein System, das auf Geschwindigkeit, Volumen und Wegwerfmentalität beruht – mit fatalen Folgen.

    Billig, schnell, kaputt

    Oxfam France hat es auf den Punkt gebracht: Ultra-Fast-Fashion ist nicht einfach eine beschleunigte Mode – sie ist ein eigenes Geschäftsmodell, das auf permanente Erneuerung, künstlich erzeugte Trends und gezielte Impulskäufe setzt. Die Qualität? Laut Tests ist bei fünf von sechs Kleidungsstücken nach zehn Wäschen Schluss.

    Die Umweltauswirkungen sind massiv: synthetische Materialien, die nicht recycelbar sind, tonnenweise CO₂ durch lange Transportwege, Mikroplastik in den Meeren. Und das ist nur die ökologische Seite.

    Wer zahlt den Preis?

    Die eigentlichen Kosten trägt nicht der Konsument, sondern die Arbeiterinnen in den Textilfabriken. In vielen Fällen ohne Vertrag, mit Hungerlöhnen und Arbeitszeiten jenseits der 70-Stunden-Woche. Der Druck, in kürzester Zeit riesige Mengen zu produzieren, geht auf ihre Gesundheit – und ihre Rechte.

    Gleichzeitig geraten klassische Modehäuser unter Druck. Französische Hersteller sprechen offen von „unlauterem Wettbewerb“. Auch die Secondhand-Branche leidet: Die Spenden nehmen ab, die Qualität der abgegebenen Kleidung sinkt.

    Frankreich setzt ein Zeichen

    Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache. Frankreich geht voran – mit einem Gesetz, das dem Wildwuchs der Ultra-Fast-Fashion Einhalt gebieten soll. Der Senat hat im Juni 2025 einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der drastische Sanktionen für nicht-konforme Ware vorsieht: bis zu 10 Euro pro Kleidungsstück, bei besonders problematischen Produkten sogar 50 Prozent des Verkaufspreises.

    Ein deutliches Signal – nicht nur an Shein & Co., sondern auch an die Konsumenten.

    Der Widerstand wächst

    Neben der Politik engagieren sich auch zahlreiche Organisationen. Zero Waste France etwa organisiert Protestaktionen zur Eröffnung neuer Filialen, verteilt Informationsmaterial und wirbt für bewussten Konsum. Ihr Credo: weniger kaufen, länger tragen, mehr reparieren.

    Statt Wegwerfmode propagieren sie die Idee der „Slow Fashion“ – also Mode, die mit Bedacht und Qualität statt mit Trends und Tempo punktet.

    Die Hürden auf dem Weg zur Veränderung

    So klar die Forderungen, so komplex die Realität. Denn zwei zentrale Probleme bleiben:

    Erstens: soziale Gerechtigkeit. Für viele Menschen mit kleinem Einkommen ist günstige Kleidung nicht Ausdruck von Konsumlust, sondern schlicht notwendig. Sie zu stigmatisieren, wäre unfair – es braucht also Lösungen, die nachhaltig UND sozial verträglich sind.

    Zweitens: Globalisierung. Solange Plattformen aus dem Ausland über Onlinehandel operieren und billig produzieren lassen, greifen nationale Regelungen nur begrenzt. Es braucht eine internationale Antwort – abgestimmt, durchsetzbar und langfristig.

    Was tun?

    Was also tun als Konsumentin, als Bürger, als Gesellschaft?

    Zunächst: Nicht den perfekten Konsumstil suchen – sondern den besseren. Nicht radikal alles ändern, sondern Schritt für Schritt bewusster entscheiden. Wer Kleidung länger trägt, kauft automatisch weniger. Wer Secondhand kauft oder lokal produziert, unterstützt Alternativen. Und wer sich informiert, bleibt nicht Opfer des Systems, sondern wird Teil der Lösung.

    Denn im Kern geht es hier nicht nur um Mode. Es geht um unser Verhältnis zu Dingen – und zu den Menschen, die sie herstellen. Die Ultra-Fast-Fashion zeigt, wie sehr unser Konsumverhalten außer Kontrolle geraten ist. Aber sie zeigt auch, wie groß das Potenzial für Veränderung ist.

    Eine Frage bleibt am Ende offen: Sind wir bereit, das Tempo rauszunehmen?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Espadrilles: Warum der Sommer ohne sie nicht vollständig ist

    Espadrilles: Warum der Sommer ohne sie nicht vollständig ist

    Sie sind zurück. Oder besser gesagt: Sie waren nie weg. Espadrilles – diese lässigen, luftigen Sommerklassiker – feiern im Sommer 2025 ein grandioses Comeback. Und das nicht als nostalgisches Relikt vergangener Strandurlaube, sondern als modisches Statement zwischen Tradition, Nachhaltigkeit und zeitgemäßem Design. Zeitlos mit frischem Wind Wer glaubt, Espadrilles seien ein reines Strandaccessoire, irrt gewaltig. Ursprünglich in den Pyrenäen beheimatet, galten sie lange als einfache Arbeiterschuhe. Eine Jutesohle, ein Stück robuste Baumwolle – mehr brauchte es damals nicht. Heute? Da treffen uralte Handwerkskunst und moderne Modewelten aufeinander. Espadrilles 2025 sind alles – nur nicht eintönig. In unzähligen Varianten, Farben und Materialien präsentieren sie sich vielseitiger denn je, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Und genau das macht ihren Reiz aus. Was ist angesagt? Die Trends dieses Sommers machen unmissverständlich klar: Espadrilles haben modisch einiges zu sagen. Knallfarben &…

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  • Marseille wird nachhaltig – Die erste Slow Fashion Week startet durch

    Marseille wird nachhaltig – Die erste Slow Fashion Week startet durch

    Marseille, die südfranzösische Hafenstadt, bekannt für Sonne, Meeresbrise und Bouillabaisse – und bald auch für nachhaltige Mode. Vom 7. bis 14. Juni 2025 findet dort zum allerersten Mal die Slow Fashion Week statt. Ein mutiger und zukunftsweisender Schritt, mit dem sich die Stadt als Hotspot für ethische und bewusste Mode positioniert. Hinter dem Projekt steckt der engagierte Modekollektiv BAGA, das frischen Wind in die Modewelt bringt – ökologisch, inklusiv und verantwortungsvoll.

    Eine Woche, die mehr als Mode zeigt Vergiss Glanz und Glamour um jeden Preis – bei dieser Fashion Week steht der Mensch und die Umwelt im Mittelpunkt. In einer Woche voller Aktivitäten lädt Marseille zu Modenschauen, Workshops, Konferenzen und Ausstellungen ein. Die Türen stehen offen – nicht nur für Modeprofis, sondern für alle, die neugierig auf einen bewussteren Lebensstil sind. Doch was erwartet die Besucher genau? Zum Beispiel Mode aus …

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