Schlagwort: Segelschiffe

  • Ein Schiff wie aus einer anderen Zeit: Die „Nao Santa Maria“ verzaubert Arcachon

    Ein Schiff wie aus einer anderen Zeit: Die „Nao Santa Maria“ verzaubert Arcachon

    Manchmal genügt ein einziges Schiff, um die Stimmung eines ganzen Hafens zu verändern. Als die „Nao Santa Maria“ im April in Arcachon anlegte, wirkte das Hafenbecken plötzlich wie eine Filmkulisse – als hätte sich die Gegenwart kurz verabschiedet und dem späten 15. Jahrhundert Platz gemacht. Dunkles Holz, hoch aufragende Bordwände, ein kompliziertes Geflecht aus Masten und Takelage: Dieses Schiff bringt Geschichte nicht nur mit, es trägt sie sichtbar vor sich her. Der Anlass war der nautische Salon 2026, ein Ereignis, das ohnehin Jahr für Jahr Besucher anzieht. Doch diesmal bekam die Veranstaltung eine zusätzliche, fast theatralische Dimension. Zwischen modernen Yachten und eleganten Segelbooten wirkte die Santa Maria wie ein Relikt aus einer anderen Welt. Und genau das machte ihren Reiz aus. Man schaut nicht einfach hin – man bleibt stehen. Viele verbinden den Namen mit den berühmten Karavellen von Christoph Kolumbus. Doch streng genommen handelt es sich bei der Santa Maria um eine so…

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  • Wenn die Welt zu Gast im Hafen ist – das maritime Schauspiel von Sète

    Wenn die Welt zu Gast im Hafen ist – das maritime Schauspiel von Sète

    Es gibt diese seltenen Momente, in denen ein Ort über sich hinauswächst. Sète, sonst ein ruhiger Hafen im Süden Frankreichs, gehört alle zwei Jahre genau dazu. Dann legt sich ein leiser Zauber über die Kais, und plötzlich scheint die ganze Welt auf dem Wasser versammelt.

    Die poetische Formulierung von den „leuchtenden Segelschiffen“ trifft dabei einen Nerv – auch wenn sie die Wirklichkeit romantisch überhöht. Denn hinter diesem Bild steht ein präzise geplantes Großereignis: das Festival „Escale à Sète“.

    Schon beim ersten Blick wird klar, dass hier nichts dem Zufall überlassen ist. Rund 120 Schiffe laufen ein, viele davon mit jahrzehntelanger, manche sogar jahrhundertealter Geschichte. Ihre Masten ragen wie ein Wald aus Holz und Stahl in den Himmel, Flaggen flattern im Wind, und das Licht des Mittelmeers bricht sich in Segeln und Lackierungen. Ja, es wirkt tatsächlich, als würde der Hafen leuchten.

    Aber das Spektakel erschöpft sich nicht im bloßen Anschauen. Wer durch die Gassen entlang der Kais schlendert, merkt schnell: Hier pulsiert mehr als nur maritime Nostalgie. Musik dringt aus allen Richtungen, Stimmen mischen sich in unterschiedlichsten Sprachen, und zwischen den Schiffen entstehen Begegnungen, die man so schnell nicht vergisst.

    Man kann an Bord gehen, sich durch enge Kajüten bewegen, mit Seeleuten sprechen, die Geschichten von fernen Küsten erzählen. Und plötzlich wird Geschichte greifbar – nicht als trockene Jahreszahl, sondern als gelebte Erfahrung.

    Das Ganze hat etwas wunderbar Unaufgeregtes. Trotz der Menschenmassen – und davon gibt es reichlich – bleibt die Atmosphäre erstaunlich entspannt. Vielleicht liegt es daran, dass das Meer immer eine gewisse Gelassenheit mitbringt. Oder daran, dass hier ein gemeinsames Interesse verbindet: die Faszination für Schiffe, für Reisen, für das Unbekannte.

    Gleichzeitig schwingt ein leiser Widerspruch mit. Während draußen auf den Weltmeeren hochmoderne Containerschiffe lautlos ihre Routen abfahren, zelebriert Sète die Vergangenheit. Segel statt Motoren, Handwerk statt Automatisierung. Ein bisschen wirkt das wie ein liebevoll inszenierter Gegenentwurf zur Gegenwart.

    Und doch liegt genau darin die Stärke des Festivals. Es erinnert daran, dass Fortschritt nicht alles ist – dass auch Geschichten, Traditionen und Bilder ihren Platz behalten dürfen.

    Am Ende bleibt dieses eine Gefühl: Man steht am Kai, schaut auf die dicht gedrängten Schiffe, hört das Knarren der Masten und das leise Plätschern des Wassers – und denkt sich: Schon irgendwie magisch das Ganze.

    Nicht, weil der Hafen wirklich leuchtet. Sondern weil er für einen Moment etwas sichtbar macht, das sonst oft verborgen bleibt.

    Von C. Hatty

  • Verbeugung vor dem Wind: Spektakuläre Eröffnung der „Semaine du Golfe“ mit 700 Segelbooten

    Verbeugung vor dem Wind: Spektakuläre Eröffnung der „Semaine du Golfe“ mit 700 Segelbooten

    Wenn sich der Himmel über dem Golf von Morbihan mit tausenden bunten Segeln füllt, dann ist es wieder so weit: Die „Semaine du Golfe“ hat begonnen – und das mit einem gewaltigen Auftakt. Die 13. Ausgabe dieses einzigartigen maritimen Festivals wurde am Montag mit einer farbenprächtigen Parade eingeläutet, die Segelliebhaber aus aller Welt begeistert hat.

    Die Stimme, die das Meer liebt

    Gegen 15 Uhr knisterte es in den Funkgeräten der über 700 Boote, die sich am Eingang zum Golf versammelt hatten. Dann ertönte sie – die markante Stimme des französischen Schriftstellers Yann Quéffelec: „Sie betreten das schönste Segelrevier der Welt! Es lebe das Meer! Es lebe die Semaine du Golfe!“ Kein Zweifel, diese Eröffnungsworte hätten nicht kraftvoller ausfallen können. Quéffelec ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Schirmherr der diesjährigen Ausgabe – und ein leidenschaftlicher Segler mit einem Herz für die Bretagne.

    Von wegen „kleine“ Parade

    „Petite Parade“ nennt sich dieser erste Höhepunkt der Festwoche bescheiden. Doch klein? Eher nicht. Schon am ersten Tag waren mehr als 700 Segelboote dabei – vom majestätischen Großsegler bis zur wendigen kleinen Jolle. „Das ist schon eine ordentliche Zahl“, freut sich Veranstalter Bertrand Riguidel. Und am Samstag, zur großen Abschlussparade? Da sollen es mehr als 1.300 Boote und Schiffe sein. Ein gigantisches Spektakel auf dem Wasser, das man gesehen haben muss.

    Speed auf See – die schnellste Parade des Westens

    Trotz Montag – von wegen Wochenanfangsmüdigkeit. Die Häfen, Inselufer und Aussichtsplätze rund um den Golf waren gesäumt von Schaulustigen. Kein Wunder: Das Wetter spielte perfekt mit, der Wind pustete kräftig in die Segel und die Strömung zog durch den engen Zugang zum Golf. „Das ist der Pony-Express auf See“, witzelte Riguidel. „Das wird die schnellste Parade des Westens!“

    Ex-Gip-Chef Paul Bonnel, der als Experte für die Region gilt, erklärt: „Der Startschuss fällt drei Stunden nach Niedrigwasser – da strömt das Wasser mit voller Kraft in den Golf. Und mit dem Wind im Rücken wird das eine rasante Angelegenheit!“ Ein Ausflug für Anfänger? Wohl kaum. Bonnel zwinkert: „Kein Wunder, dass die besten Segler alle von hier kommen!“

    Ein Meer voller Geschichten

    Was dieses Festival so besonders macht, ist nicht nur die schiere Masse an Schiffen und Booten – es sind die Geschichten, die jedes einzelne Schiff mit sich bringt. Da segeln Legenden wie La Recouvrance, Le Français, L’Étoile du Roi, der niederländische Morgenster oder das russische Schulschiff Shtandart Seite an Seite mit traditionellen Thunfischbooten wie der Biche oder kleinen offenen Yolen und Guépards.

    Auf jedem dieser Boote sind Menschen, die nicht einfach nur segeln – sie leben für das, was sie tun. Ihre Boote sind keine bloßen Transportmittel, sondern schwimmende Zeitzeugen, sorgfältig restauriert und mit Liebe gepflegt. Viele dieser Schmuckstücke sind auch durch die Hände von Paul Bonnel und seinem Team gegangen – 35 Jahre lang leitete er die traditionsreichen Werften des Golfes. Für fast jedes dieser Boote kennt er eine Anekdote. Für manche gleich mehrere.

    Und jetzt?

    Der Startschuss ist gefallen – die Woche ist noch jung, die Segel sind gesetzt. Noch viele weitere Highlights stehen an: Konzerte, Ausstellungen, Treffen, kulinarische Entdeckungen und natürlich der große Showdown am Samstag mit der „Grande Parade“.

    Also – warum nicht mal runter vom Sofa und rauf auf ein Boot oder zumindest an die Ufer des Golfs? Wer weiß, vielleicht begegnet man dort einem alten Seemann, der eine Geschichte zu erzählen hat. Oder man lässt sich einfach nur von der Magie dieser maritimen Welt mitreißen.

    Denn, Hand aufs Herz: Wann sieht man schon mal über 700 Boote gemeinsam auf den Wellen tanzen?

    Von Andreas M. Brucker