Schlagwort: Schwangerschaft

  • Trumps Tylenol-These: Wenn Schmerzmittel zur Politbühne werden

    Trumps Tylenol-These: Wenn Schmerzmittel zur Politbühne werden

    Donald Trump hat es wieder getan. Ein Auftritt im Weißen Haus, ein großer Satz – und die Schlagzeilen rollen. Diesmal erklärte der US-Präsident, das gängige Schmerzmittel Tylenol, in Europa als Paracetamol bekannt, könne Autismus begünstigen. Schwangere sollten die Finger davon lassen, warnte er, flankiert von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und TV-Arzt Mehmet Oz. Die Fachwelt reagierte mit klarer Ablehnung: Für Trumps Behauptung gibt es schlicht keine wissenschaftliche Grundlage.

    Zwischen Statistik und Ursache

    Paracetamol ist seit Jahrzehnten eines der am besten untersuchten Medikamente. Ja, es gibt Studien, die Auffälligkeiten zeigen – etwa einen möglichen Zusammenhang zwischen häufiger Einnahme in der Schwangerschaft und Entwicklungsstörungen bei Kindern. Doch Statistik ist kein Beweis. Wer Ursache und Wirkung verwechselt, tappt schnell in eine Falle: Wurde Paracetamol genommen, weil bereits ein Risiko vorlag, oder erzeugte das Medikament selbst das Problem?

    Genau diesen Unterschied betonen Experten derzeit unisono. Ohne kontrollierte klinische Studien bleibt die Datenlage zu dünn. Doch solche Studien wären in diesem Fall ethisch kaum machbar – niemand würde Schwangere gezielt zufällig Paracetamol oder Placebos verabreichen, nur um später die Auswirkungen auf ihre Kinder zu messen. Also bleibt es bei Korrelationen, Hypothesen und vielen „Vielleichts“.

    Politik im weißen Kittel

    Dass Trump ausgerechnet mit RFK Jr. auftrat, ist mehr als Symbolik. Kennedy hat seit Jahren die Impf-Autismus-Debatte am Kochen gehalten, obwohl die These längst widerlegt ist. Nun erlebt dieses Denkmuster ein Revival: Wo harte Fakten fehlen, springt die politische Inszenierung ein. Trump griff sogar auf bizarre Vergleiche zurück – etwa, bei den Amish gebe es keinen Autismus. Seriöse Daten dazu? Fehlanzeige. Aber für die Dramaturgie reichte es allemal.

    Leucovorin: Hoffnung oder Hype?

    Parallel dazu präsentierte die Regierung ein Medikament als Lichtblick: Leucovorin. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat es gerade für eine sehr spezielle Erkrankung zugelassen – die „cerebrale Folat-Defizienz“. Manche Betroffene zeigen autismusähnliche Symptome, und kleine Studien deuten positive Effekte an. Doch das bedeutet nicht, dass Leucovorin nun eine allgemeine Therapie gegen Autismus sei. Wer es so verkauft, biegt die wissenschaftliche Wirklichkeit zurecht.

    Vor Gericht gescheitert

    Auch juristisch hat die Tylenol-These bisher keinen Bestand. In den Jahren 2023 und 2024 scheiterten Sammelklagen, weil die Gutachten der Kläger die Beweisanforderungen nicht erfüllten. Die sogenannte Daubert-Regel setzte hier eine klare Grenze: Ohne solide wissenschaftliche Basis kein Erfolg vor Gericht. Während also Richter und Experten bremsen, drückt die Politik rhetorisch aufs Gas.

    Risiko für Vertrauen und Versorgung

    Warum ist das problematisch? Erstens, weil Gesundheitspolitik vom Vertrauen lebt. Schwangeren wird seit Jahren geraten: Paracetamol in der niedrigsten wirksamen Dosis und nur so lange wie nötig – nach Rücksprache mit dem Arzt. Denn Alternativen wie Ibuprofen können im letzten Drittel der Schwangerschaft deutlich gefährlicher sein. Wenn Politiker dieses Gleichgewicht ins Wanken bringen, droht das Gegenteil dessen, was beabsichtigt ist: mehr Unsicherheit, mehr Risiko.

    Zweitens verschärfen solche Auftritte die gesellschaftliche Polarisierung. Wer Autismus zur politischen Projektionsfläche macht, mobilisiert zwar die eigene Anhängerschaft, lässt aber Familien mit betroffenen Kindern ratlos zurück. Sie brauchen handfeste Unterstützung – nicht symbolische Kämpfe gegen alltägliche Medikamente.

    Drittens wirkt die Debatte über den Atlantik hinaus. In Europa tauchen US-Mythen oft in abgeschwächter Form wieder auf, verstärkt durch Schlagzeilen und Social Media. Schon jetzt berichten Ärzte und Apotheker, dass schwangere Frauen verunsichert nachfragen: „Darf ich das überhaupt noch nehmen?“ – eine verständliche Sorge, die nicht mit Wahlkampfparolen beantwortet werden darf.

    Fazit: Einfache Antworten auf komplexe Fragen?

    Trumps Tylenol-These ist weniger ein medizinischer Befund als ein politisches Narrativ. Sie bedient das Bedürfnis nach klaren Erklärungen und schnellen Lösungen. Doch Autismus ist ein Spektrum – komplex, vielfältig, und sicher nicht auf ein einziges Schmerzmittel zurückzuführen.

    Pragmatisch bedeutet das:

    • Schwangere sollten Beschwerden nicht aus Angst verdrängen, sondern ärztlich besprechen. Paracetamol bleibt nach wie vor ein Mittel der Wahl – in Maßen.
    • Eltern von autistischen Kindern dürfen Leucovorin aufmerksam verfolgen, sollten aber die Studienlage kritisch betrachten.
    • Politik und Medien tun gut daran, die Komplexität nicht zu verkürzen. Denn einfache Antworten mögen gut klingen, sind aber selten wahr.

    Am Ende bleibt eine unbequeme Wahrheit: Wissenschaft braucht Zeit, Zweifel und oft auch Widersprüche. Politik aber lebt von vermeintlicher Klarheit und Zuspitzung. Wenn beides aufeinanderprallt, entsteht genau das, was wir jetzt sehen – eine hitzige Debatte um ein Schmerzmittel, das Millionen Menschen seit Jahrzehnten zuverlässig begleitet.

    Autor: C.H.

  • Trump kippt Notfall-Abtreibungsrichtlinie – Gefahr für Schwangere wächst

    Trump kippt Notfall-Abtreibungsrichtlinie – Gefahr für Schwangere wächst

    Am 3. Juni 2025 hat Donald Trump eine Entscheidung getroffen, die in den USA wie ein politisches Erdbeben wirkt – er hat eine Richtlinie der Biden-Regierung gestrichen, die Notfallabtreibungen in Krankenhäusern auch in Abtreibungsverbotsstaaten vorschrieb. Was zunächst nach bürokratischer Detailpolitik klingt, trifft in Wahrheit den Kern medizinischer Ethik und das Leben vieler Frauen mitten ins Herz.

    Denn wer in einem US-Bundesstaat lebt, in dem Abtreibung verboten ist, konnte sich bislang im Notfall auf ein Bundesgesetz verlassen: das sogenannte EMTALA-Gesetz. Dieses verpflichtet Krankenhäuser, Patientinnen in medizinischen Notlagen zu stabilisieren – selbst wenn das einen Schwangerschaftsabbruch bedeutet. Diese Sicherheit ist jetzt passé. Mit gravierenden Folgen.


    Notfall? Ja, aber nur bis zur Staatsgrenze

    Die EMTALA-Richtlinie war 2022 eingeführt worden – kurz nach dem Fall des historischen Urteils Roe v. Wade. Sie sollte sicherstellen, dass Ärztinnen und Ärzte in Notsituationen nicht mit einem Bein im Gefängnis stehen, nur weil sie einer Frau das Leben retten wollen.

    Trump behauptet, die Streichung solle „Rechtssicherheit“ schaffen. Tatsächlich reißt sie ein gewaltiges Loch in den Schutzschirm für Schwangere – besonders in republikanisch regierten Bundesstaaten wie Texas, Idaho oder Missouri. Dort herrscht ohnehin schon ein Klima der Angst unter Ärztinnen und Klinikbetreibern.

    Ein Beispiel? Eine Frau mit einer Eileiterschwangerschaft wurde in Texas aus einem Krankenhaus nach Hause geschickt. Ihr Zustand war lebensbedrohlich. Der Grund: Rechtsunsicherheit. Die Klinik hatte Angst, gegen Abtreibungsrecht zu verstoßen. Eine spätere Bundesuntersuchung belegte den Verstoß gegen das EMTALA-Gesetz – doch der Schaden war da.


    Projekt 2025 – der stille Masterplan

    Die Entscheidung ist kein Zufall, sondern Teil eines größeren Plans: dem sogenannten „Projekt 2025“. Hinter diesem Titel verbirgt sich eine politische Agenda ultrakonservativer Kreise rund um Trump, die sich nicht nur gegen Abtreibung richtet, sondern auch gegen Verhütung und künstliche Befruchtung.

    Ziel: alte Gesetze reaktivieren, Medikamente gegen Schwangerschaftsabbruch aus dem Verkehr ziehen, deren Versand verbieten, sexuelle Selbstbestimmung einschränken. Ein Frontalangriff auf das, was über Jahrzehnte erkämpft wurde – von Aktivistinnen, Ärztinnen, Familien.


    Trump laviert – aber handelt eindeutig

    Zwar betont Trump immer wieder, die Abtreibungsfrage solle „den Staaten überlassen“ bleiben. Doch seine jüngsten Entscheidungen sprechen eine andere Sprache. Die Streichung der Notfallrichtlinie ist eine bundesweite Maßnahme – ein Eingriff von oben. Eine klare Linie ist das nicht. Oder ist sie gerade deshalb so gefährlich?

    Manche Beobachter sprechen von einem doppelten Spiel: Trump wollte sich im Wahlkampf nicht zu radikal zeigen – und gleichzeitig den Boden bereiten für eine umfassende Rückabwicklung reproduktiver Rechte. Zwischen den Zeilen wird deutlich: Die Bundesregierung unter Trump will kontrollieren, wo Frauen medizinische Hilfe bekommen – und wo nicht.


    Was heißt das für die Betroffenen?

    Es bedeutet: Eine Frau, die in einem Bundesstaat lebt, in dem Abtreibung verboten ist, und plötzlich eine schwere Schwangerschaftskomplikation erleidet, muss damit rechnen, dass kein Arzt ihr hilft – aus Angst vor juristischen Konsequenzen. Das ist nicht weniger als ein Bruch mit dem medizinischen Grundversprechen, Leben zu retten, wo es möglich ist.

    Und genau hier liegt das moralische Dilemma: Muss ein Arzt warten, bis eine Frau fast stirbt, bevor er helfen darf? Ist das noch Medizin – oder schon ein Albtraum aus vergangener Zeit?


    Zwischen politischem Kalkül und echtem Leid

    Im Mittelpunkt dieser Entwicklung stehen keine Parteiprogramme – sondern echte Menschen. Frauen, die sich plötzlich in lebensbedrohlichen Situationen wiederfinden. Familien, die um ihre Angehörigen bangen. Ärztinnen, die juristisch zerrieben werden.

    Manche Amerikaner:innen überlegen bereits, in andere Bundesstaaten umzuziehen. Andere organisieren heimliche Hilfsnetzwerke. Der Druck auf das Gesundheitssystem wächst – ebenso wie die Frustration in der Bevölkerung.

    Doch wer glaubt, dass dieser Rückschritt die Bewegung für Frauenrechte aufhalten wird, dürfte sich täuschen. Bereits jetzt mobilisieren sich zahlreiche Gruppen und Verbände – mit Nachdruck und einer klaren Botschaft: Wir lassen uns unsere Rechte nicht nehmen.


    Ein gefährlicher Weg zurück

    Die Entscheidung vom 3. Juni markiert einen Wendepunkt. Sie zeigt, wie rasant die Aushöhlung reproduktiver Rechte in den USA voranschreitet – und wie gezielt die Trump-nahe Bewegung auf einen Kulturwandel hinarbeitet, der nicht weniger bedeutet als eine radikale Rückkehr zu veralteten Rollenbildern.

    Die Frage, die bleibt: Wie weit darf eine Regierung gehen, wenn es um Kontrolle über den weiblichen Körper geht?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Weltgesundheitstag 2025: Gesunde Anfänge in einer kranken Welt?

    Weltgesundheitstag 2025: Gesunde Anfänge in einer kranken Welt?

    Gesund werden ist Glück. Gesund bleiben ist Verantwortung. Aber wie steht’s um die, die gerade erst auf diese Welt kommen – in einer Zeit, in der Krisen Alltag sind? Der Weltgesundheitstag 2025 wirft genau diese Frage auf: Unter dem Motto „Gesunde Anfänge, hoffnungsvolle Zukunft“ geht’s diesmal um Mütter und Neugeborene. Zwei Gruppen, die viel zu oft übersehen werden, wenn es um globale Gesundheit geht.

    Und Hand aufs Herz – wer denkt beim Thema Klimawandel schon zuerst an Schwangere?

    Wenn das Leben beginnt, aber der Schutz fehlt

    Die ersten Tage, Wochen und Monate nach der Geburt sind entscheidend. Ein gesunder Start ins Leben beeinflusst die gesamte körperliche und geistige Entwicklung eines Menschen. Aber genau dieser Anfang steht weltweit unter Druck – durch schlechte medizinische Versorgung, soziale Ungleichheiten und nicht zuletzt: durch ein immer extremeres Klima.

    Hitze, Überschwemmungen, Luftverschmutzung. Alles Faktoren, die für Schwangere und Neugeborene nicht nur unangenehm, sondern lebensgefährlich sein können. Komplikationen wie Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht oder Atemwegserkrankungen steigen. Und das nicht irgendwo weit weg – sondern auch mitten in Europa.

    Deutschland und Frankreich – zwei Länder, zwei Realitäten

    Ein spannender Blick lohnt sich auf Deutschland und Frankreich. Beide Länder sind wirtschaftlich stark, verfügen über ein gut ausgebautes Gesundheitssystem – und doch ticken die Uhren ganz unterschiedlich, wenn es um Familienpolitik und Geburt geht.

    Frankreich investiert seit Jahrzehnten stark in die frühe Kindheit. Kinderbetreuung ist dort keine Gnade, sondern ein selbstverständlicher Teil der sozialen Infrastruktur. Kein Wunder, dass französische Frauen häufiger mehrere Kinder bekommen – und schneller wieder in den Beruf einsteigen.

    In Deutschland dagegen? Da wird oft noch gerungen. Zwischen Elterngeld, Krippenplatz und Karriere drohen Mütter schnell an den Rand gedrängt zu werden. Auch kulturell bestehen Unterschiede: Während in Deutschland das Stillen häufig propagiert wird, ist es in Frankreich nicht selten ein Tabuthema.

    Aber wer hat’s besser? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Beide Systeme haben ihre Stärken – und blinde Flecken.

    Klimakrise als Gesundheitskrise

    Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern eine handfeste Gesundheitskrise. Und ja, auch eine soziale. Denn wer am wenigsten zum Problem beiträgt, leidet oft am stärksten darunter. Familien mit wenig Einkommen leben häufiger in schlecht isolierten Wohnungen, sind Luftverschmutzung stärker ausgesetzt, haben schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung.

    Gerade Schwangere reagieren besonders sensibel auf Hitze. Studien zeigen: An besonders heißen Tagen steigt die Zahl der Frühgeburten signifikant. Auch der Blutdruck kann entgleisen, Komplikationen wie Präeklampsie treten häufiger auf.

    Jetzt stell dir vor, du bist hochschwanger, hast kein Auto, wohnst im fünften Stock ohne Aufzug – und draußen hat’s 38 Grad. Noch Fragen?

    Aufklärung, ja bitte – aber verständlich!

    Was fehlt, ist oft nicht der Wille zur Veränderung, sondern das Wissen, wie man anfängt. Gesundheitsaufklärung muss verständlich, zugänglich und kultursensibel sein. Was bringt die beste Kampagne, wenn sie niemand erreicht?

    Und nein, das bedeutet nicht nur mehr Broschüren in Wartezimmern. Es heißt: bessere Ausbildung für Hebammen, mehrsprachige Angebote, digitale Tools, die wirklich helfen – und ein Gesundheitssystem, das zuhört statt belehrt.

    Wer schützt eigentlich die Beschützerinnen?

    Ein oft vergessener Aspekt: Auch das medizinische Personal steht unter Druck. Hebammen, Pflegerinnen, Ärztinnen – sie alle arbeiten am Limit. In Deutschland kämpfen viele freiberufliche Hebammen ums wirtschaftliche Überleben. In Frankreich fehlt es ebenfalls an Nachwuchs in der Geburtshilfe. Dabei sind sie das Rückgrat jeder gesunden Gesellschaft.

    Und mal ehrlich: Wollen wir wirklich eine Zukunft, in der der Beruf der Hebamme ausstirbt?

    Lösungen brauchen Mut und Miteinander

    Die Probleme sind komplex. Aber nicht unlösbar. Was es braucht, ist Mut zur Veränderung – und echte Zusammenarbeit. Zwischen Disziplinen, Ländern, Generationen.

    Wieso nicht mehr voneinander lernen? Deutschland könnte von Frankreichs Familienpolitik profitieren. Frankreich vielleicht von Deutschlands Fortschritten im Bereich Elternzeit und Stillförderung. Gemeinsam wäre so viel mehr möglich.

    Und warum nicht Gesundheit und Klimaschutz zusammendenken? Geburtsstationen mit Solaranlage, klimafreundliche Kliniken, Hitzeschutzpläne für Schwangere – klingt machbar, oder?

    Persönlich gesprochen

    Ich habe lange gezögert, bevor ich diesen Artikel schrieb. Vielleicht, weil das Thema zu groß wirkt. Oder weil es so tief ins Herz geht. Was gibt es Verletzlicheres als ein Neugeborenes?

    Und dann dachte ich an eine gute Bekannte meiner Frau, die letzten Sommer hochschwanger war, während eine Hitzewelle über Europa rollte. Sie erzählte mir, wie sie nachts nicht schlafen konnte, wie sie Angst um ihr Baby hatte – und wie allein sie sich fühlte.

    Es war diese Geschichte, die mir klar machte: Wir dürfen das nicht länger ignorieren.

    Ein Weckruf, kein Feiertag

    Der Weltgesundheitstag 2025 sollte kein Tag der Selbstzufriedenheit sein. Sondern ein Weckruf. Für mehr Gerechtigkeit, mehr Vorsorge, mehr Mut.

    Die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen ist kein Nischenthema. Sie ist das Fundament einer gesunden Gesellschaft. Und ja, auch ein Gradmesser dafür, wie ernst wir es mit Klimaschutz und sozialer Verantwortung meinen.

    Denn ganz ehrlich: Was sagt es über uns aus, wenn die Schwächsten die größten Risiken tragen?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Die „grüne Verordnung“: Bio-Früchte und Gemüse für Schwangere – Ein Modell, das Schule macht

    Die „grüne Verordnung“: Bio-Früchte und Gemüse für Schwangere – Ein Modell, das Schule macht

    Stell dir vor, du gehst zum Arzt oder zur Hebamme und bekommst kein Rezept für Medikamente, sondern für einen Korb voller Bio-Früchte und -Gemüse. Genau das bietet die „grüne Verordnung“, eine Initiative der Stadt Straßburg, die im November 2022 ins Leben gerufen wurde. Diese innovative Idee hat inzwischen das Interesse vieler weiterer Städte in Frankreich geweckt.

    Gesunde Ernährung während der Schwangerschaft

    Die „grüne Verordnung“ hat ein klares Ziel: Schwangeren Frauen während ihrer Schwangerschaft gesunde, regionale Bio-Produkte zur Verfügung zu stellen – und das kostenlos. Jede Woche bekommen die Frauen, je nach Einkommen, für zwei bis sieben Monate einen Korb mit drei Kilo Bio-Früchten und -Gemüse. Das Angebot umfasst saisonale Produkte von lokalen Landwirten.

    Warum das Ganze? Eine gesunde Ernährung während der Schwangerschaft ist entscheidend für die Gesundheit des ungeborenen Kindes und der Mutter. Doch hier hört der Nutzen nicht auf. Durch die Umstellung auf frische und biologische Produkte hoffen die Initiatoren, dass die Frauen nach der Schwangerschaft nicht mehr auf verarbeitete oder minderwertige Lebensmittel zurückgreifen möchten. Denn wer einmal die Frische eines lokalen Kürbisses gekostet hat, dem fällt es schwer, wieder zu Dosengemüse zurückzukehren.

    Der Kampf gegen gefährliche Chemikalien

    Der Hauptgrund, warum Bio-Produkte im Fokus stehen, ist die Bekämpfung sogenannter endokriner Disruptoren. Diese Chemikalien, die in vielen alltäglichen Produkten stecken, stören das Hormonsystem und können ernsthafte gesundheitliche Schäden verursachen – wie Krebs oder Wachstumsstörungen. Besonders gefährdet sind schwangere Frauen und ihre ungeborenen Kinder.

    Endokrine Disruptoren finden sich überall: in Plastikverpackungen, in verarbeiteten Lebensmitteln, in Reinigungsmitteln und sogar im Spielzeug von Kindern. Genau hier setzt die „grüne Verordnung“ an. Bio-Produkte enthalten weniger dieser gefährlichen Chemikalien, und die Empfängerinnen des Programms erhalten zusätzlich Schulungen, wie sie solche Schadstoffe im Alltag vermeiden können – etwa, indem sie aggressiven Reiniger durch natürliche Alternativen wie Essig oder Marseiller Seife ersetzen.

    Ein politischer Akt

    Das Programm ist nicht nur ein Gesundheitsprojekt, sondern auch eine bewusste politische Entscheidung. Die Stadt Straßburg investiert aktiv in die Gesundheit ihrer Bürgerinnen und in eine umweltfreundlichere Landwirtschaft. Für 2024 plant die Stadt, das Programm auf 1.500 Frauen auszuweiten. Diese Ausweitung kostet jährlich etwa 640.000 Euro. Klingt viel? Die Befürworter argumentieren, dass diese Summe im Vergleich zu den Einsparungen im Gesundheitswesen gering ist – langfristig könnten Krankheitskosten reduziert werden, indem die Belastung durch schädliche Stoffe gesenkt wird.

    Die grüne Abgeordnete Sandra Regol ist von dieser Idee so überzeugt, dass sie im Oktober 2024 einen Gesetzesvorschlag in die französische Nationalversammlung eingebracht hat. Ihr Ziel ist es, das Programm landesweit einzuführen. Sie plant außerdem, einen Änderungsantrag im kommenden Haushaltsplan vorzulegen, um die Finanzierung sicherzustellen.

    Nationale Umsetzung: Ein realistisches Ziel?

    Doch wie realistisch ist es, dass die „grüne Verordnung“ in ganz Frankreich umgesetzt wird? Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage und den Sparplänen der Regierung dürfte es schwierig werden, die nötigen finanziellen Mittel auf nationaler Ebene zu mobilisieren. Das französische Staatsbudget steht unter enormem Druck, und es wurden gerade erst weitere Sparmaßnahmen vorgestellt. In diesem Kontext könnte es für die Regierung schwierig sein, ein neues Projekt zu finanzieren – selbst wenn es langfristig Gesundheitskosten senken könnte.

    Lokales Interesse wächst

    Auf kommunaler Ebene sieht es hingegen anders aus: Immer mehr Städte zeigen Interesse an dem Modell aus Straßburg. Darunter befinden sich vor allem linksgerichtete und ökologische Städte wie Paris, Rennes, Lyon, La Rochelle oder Lons-le-Saunier. Diese Städte teilen die Überzeugung, dass die „grüne Verordnung“ nicht nur der Gesundheit dient, sondern auch ein Beitrag zum Umweltschutz und zur Unterstützung der lokalen Landwirtschaft ist.

    Diese zunehmende Unterstützung zeigt, dass das Programm vor allem eine politische Entscheidung ist. Städte, die von links-grünen Koalitionen regiert werden, sehen in der „grünen Verordnung“ eine Chance, ihre politischen Ziele in den Bereichen Gesundheit und Umweltschutz umzusetzen. Für sie ist es mehr als nur ein Gesundheitsprojekt – es ist ein Modell für eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft.

    Blick in die Zukunft

    Ob das Programm in den kommenden Jahren landesweit umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass immer mehr Menschen und Kommunen auf den Zug aufspringen. Denn die Idee, mit einer gesunden Ernährung nicht nur die Gesundheit der nächsten Generation zu verbessern, sondern gleichzeitig auch die Umwelt zu schützen, ist ein starker Antrieb.

    Und wer weiß – vielleicht greifen auch andere Länder bald dieses Konzept auf. Klar ist: Die „grüne Verordnung“ aus Straßburg könnte der Anfang einer weitreichenden Bewegung sein.

  • Aufnahme des Rechts auf Abtreibung in die Verfassung – Freudenfest vor dem Eiffelturm

    Aufnahme des Rechts auf Abtreibung in die Verfassung – Freudenfest vor dem Eiffelturm

    „Mein Körper, meine Wahl“ – diese Botschaft leuchtete auf, nachdem der Nationalkongress am Montagabend für die Aufnahme des Rechts auf Schwangerschaftsabbruchs in die Verfassung gestimmt hatte. MonCorpsMonChoix oder #IVGConstitution: Diese Botschaften leuchteten vom Eiffelturm, der obendrein zu glitzern begann, als der Nationalkongress am Montag, dem 4. März, kurz vor 18.50 Uhr für die Aufnahme des Schwangerschaftsabbruchs in die französische Verfassung gestimmt hatte. Sobald bekannt wurde, dass das Recht auf freiwilligen Schwangerschaftsabbruch im französischen Grundgesetz verankert wurde – eine Weltpremiere -, erschienen auf der ersten Etage des Symbols für Paris und Frankreich Leuchtschriften in mehreren Sprachen, wie #AbortoLegal („legaler Abbruch“ auf Portugiesisch) oder #MyBodyMyChoice („mein Körper, meine Wahl“ auf Englisch). Und der Eiffelturm begann ausserdem mit tausenden Lampen zu glitzern.

    https://www.youtube.com/watch?v=B4…

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  • Französischer Senat stimmt Recht auf Schwangerschaftsabbruch in der Verfassung zu

    Französischer Senat stimmt Recht auf Schwangerschaftsabbruch in der Verfassung zu

    Die Aufnahme des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch in die französische Verfassung wurde am Mittwochabend, dem 28. Februar, im Senat mit 267 zu 50 Stimmen beschlossen. Emmanuel Macron wird den Kongress zu einer weiteren Abstimmung am Montag, dem 4. März, in Versailles einberufen. Nach mehr als dreieinhalb Stunden Debatte kam die mit Spannung erwartete Abstimmung: Der Senat hat am Mittwochabend, dem 28. Februar, die Aufnahme des Schwangerschaftsabbruchs in die französische Verfassung offiziell bestätigt. Die Regierung begrüßte diesen Beschluß. „Wir werden das erste Land der Welt sein, das die Freiheit der Frauen, selbst über ihren Körper zu verfügen, in der Verfassung verankert“, freute sich Justizminister Eric Dupont-Moretti. Im Laufe des Mittwochnachmittags waren die Debatten im Oberhaus des französischen Parlaments lebhaft und angespannt. Auf der einen Seite befürworteten die Linke und die Regierungspartei die Gesetzesvorlage. Auf der anderen Seite war die Rechte gegen die Formulieru…

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  • Covid-19 erhöht laut einer US-Studie das Risiko einer Totgeburt

    Covid-19 erhöht laut einer US-Studie das Risiko einer Totgeburt

    Die US-amerikanischen Gesundheitsbehörden empfehlen Frauen dringend, sich vor oder während der Schwangerschaft gegen Covid-19 impfen zu lassen. Das Risiko einer Totgeburt ist für schwangere Frauen mit Covid-19 etwa doppelt so hoch wie für Frauen, die sich nicht mit der Krankheit angesteckt haben. Dies geht aus einer umfangreichen Studie der US-Gesundheitsbehörden hervor, die am Freitag, 19. November veröffentlicht wurde. Das US-amerikanische Zentrum für Krankheitsprävention und -bekämpfung (CDC) analysierte über 1,2 Millionen Geburten zwischen März 2020 und September 2021 anhand von Krankenhausdaten. Die Gesundheitsbehörde betrachtet einen Fötus ab der 20. Woche als Totgeburt. Im Allgemeinen waren Totgeburten im Rahmen der Studie recht selten (0,65% der Geburten, d. h. etwa 8.150). Aber das Risiko einer Totgeburt war bei Frauen mit Covid-19 um das 1,90-fache erhöht. Konkret waren in diesem Zeitraum 1,26% der Geburten bei Frauen mit Covid-19 eine Totgeburt, verglichen mit 0,64% bei den …

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