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  • Sintflut im Süden: Wenn Flüsse über Nacht zu reißenden Strömen werden

    Sintflut im Süden: Wenn Flüsse über Nacht zu reißenden Strömen werden

    Der Süden Frankreichs erlebt Tage, die sich einprägen. Regen, der nicht aufhört. Flüsse, die anschwellen, als hätten sie über Nacht ihre Geduld verloren. In fünf Départements gilt die Warnstufe Orange wegen Starkregens und Hochwasser, mehrere Gewässer sind bereits über die Ufer getreten. Besonders angespannt ist die Lage im Département Aude, wo die Behörden für Montag, 19. Januar 2026, die Schließung sämtlicher Schulen angeordnet haben.

    Mitten in der Nacht hebt ein Hubschrauber ab. Unter ihm nichts als dunkles Wasser. Eine Person, eingeschlossen von den Fluten, wird per Seilwinde in Sicherheit gebracht. Zwei Mal wiederholt sich dieses Manöver in der Aude, die seit der Nacht von Samstag auf Sonntag unter Hochwasseralarm steht. Szenen, die sonst aus Katastrophenfilmen bekannt sind, spielen sich plötzlich vor der eigenen Haustür ab.

    In Bize-Minervois verwandelt sich der Fluss in einen tobenden Strom. Die Pfeiler einer Brücke sind kaum noch zu erkennen, als hätte das Wasser sie verschluckt. Am Morgen reicht die braune Flut bis an die Häuser heran. Nur wenige Kilometer weiter, in Sallèles-d’Aude, stehen die Weinberge vollständig unter Wasser. Die Reben, sonst Sinnbild für Beständigkeit, verschwinden in einer spiegelnden Fläche. Auf den Straßen geht nichts mehr.

    Auch im benachbarten Hérault spitzt sich die Situation zu. In Olonzac gerät ein Lastwagen in einem Furtbereich in Not. Die Feuerwehr rettet den Fahrer, der anschließend ins Krankenhaus gebracht wird. In Laurens tritt ein Bach über die Ufer, Wasser schiebt sich durch die Straßen, umspült parkende Autos. Eine Anwohnerin, ursprünglich aus Schweden, steht am Rand der Szenerie. Das Wasser sei rasend schnell gestiegen, sagt sie. Das mache Angst. Und klar, mulmig wird einem da schon.

    In Bédarieux halten sich die Schäden bislang in Grenzen. Noch. Die Menschen beobachten die Pegelstände, immer wieder der Blick zum Fluss. Man kennt das, man hofft trotzdem, dass es diesmal glimpflich ausgeht.

    Doch die Prognosen dämpfen den Optimismus. Der Regen bleibt, warnen die Meteorologen, und mit ihm die Gefahr weiterer Überschwemmungen und steigender Pegel. Für viele im Süden heißt das: warten, aufräumen, bangen. Und zwischendurch denken: Das Wetter spielt gerade völlig verrückt.

    Von Daniel Ivers

  • Frankreich schwitzt – Hitzerekord, Schulschließungen und die Frage: Was kommt noch?

    Frankreich schwitzt – Hitzerekord, Schulschließungen und die Frage: Was kommt noch?

    Frankreich glüht.

    Am Dienstag, dem 1. Juli 2025, erreichte die aktuelle Hitzewelle ihren vorläufigen Höhepunkt. Météo-France setzte 16 Départements auf die höchste Warnstufe – rote Alarmstufe wegen extremer Hitze. Diese Warnung betraf Paris, die gesamte Île-de-France, Teile des Centre-Val de Loire und der Bourgogne. Dort kletterten die Temperaturen auf über 40°C. Und nachts? Tropische Nächte ohne echte Abkühlung, mit Werten von deutlich über 20°C.

    Ein Szenario, das nicht nur anstrengend, sondern gefährlich ist.

    Über 2.200 Bildungseinrichtungen – vor allem Grundschulen – blieben am Dienstag geschlossen. Ein Schritt zum Schutz von Kindern und Lehrkräften. Schließlich ist konzentriertes Lernen bei 38°C im Klassenzimmer ungefähr so effektiv wie Skifahren im Sandkasten.

    Am Mittwoch, dem 2. Juli, entspannt sich die Lage leicht. Nur noch vier Départements – Aube, Yonne, Loiret und Cher – verbleiben in der roten Warnstufe. Alle anderen wurden auf orange heruntergestuft. Entwarnung bedeutet das aber nicht. Die Temperaturen liegen weiterhin bei bis zu 39°C.

    Die Erinnerung an 2003 wird wach. Damals forderte die Jahrhundert-Hitzewelle fast 15.000 Menschenleben in Frankreich. Seither existieren umfassende Präventionspläne, doch mit jeder neuen Hitzewelle zeigt sich, wie groß die Herausforderung bleibt. Denn Hitzeperioden treten häufiger auf und sind intensiver als noch vor wenigen Jahrzehnten.

    Die Experten sind sich einig: Frankreich muss seine Städte und Infrastruktur besser anpassen. Mehr Grünflächen, kühlere Bauweisen, effektivere Notfallpläne. Klingt nach grauer Theorie, doch wer je bei 42°C in einer aufgeheizten Wohnung ohne Klimaanlage saß, weiß – hier geht es nicht nur um Komfort. Sondern ums Überleben.

    Für etwas Linderung sorgen zumindest die angekündigten Gewitter. Vor allem an der Atlantikküste können sich Bewohner auf Abkühlung freuen. Doch auch hier gilt: Vorsicht. Hitzegewitter sind launisch wie eine Katze im Regen – manchmal bringen sie sanfte Tropfen, manchmal wütende Orkanböen mit schwerem Hagel.

    Die Behörden rufen weiterhin dazu auf, besonders gefährdete Menschen zu schützen. Ältere Menschen, Kinder, Menschen mit chronischen Krankheiten. Wer jetzt nicht auf sich und andere achtet, riskiert Gesundheit und Leben.

    Frankreich schwitzt – doch eine entscheidende Frage lautet: Wie wird das Land in zehn Jahren mit Hitzewellen umgehen, wenn sie nicht mehr Ausnahme, sondern Normalität sind?

    Autor: Andreas M. Brucker