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  • Versteckte Traumstrände vor Cannes: Die Lérins Inseln als stilles Paradies

    Versteckte Traumstrände vor Cannes: Die Lérins Inseln als stilles Paradies

    Nur wenige Minuten trennen die mondäne Promenade der Croisette von einer völlig anderen Welt. Während in Cannes Luxushotels, elegante Boutiquen und beeindruckende Yachten das Bild prägen, erwartet Besucher vor der Küste eine Landschaft voller Ruhe und Ursprünglichkeit. Nach einer kurzen Bootsfahrt eröffnen die Lérins Inseln eine Seite der Côte d’Azur, die viele Urlauber zunächst gar nicht erwarten. Statt dichter Strandreihen, lauter Musik und regem Treiben bestimmen glasklares Wasser, schattige Pinien und kleine, versteckte Buchten das Bild.

    Der kleine Archipel besteht vor allem aus zwei Inseln: Sainte Marguerite und Saint Honorat. Beide besitzen ihren ganz eigenen Charakter, doch eines verbindet sie. Sie laden dazu ein, den Alltag hinter sich zu lassen und die Natur in ihrer schönsten Form zu genießen.

    Sainte Marguerite ist die größere der beiden Inseln und ein echtes Paradies für Badegäste. Bereits unweit des Anlegers liegt der Strand Sainte Anne. Sein flach abfallendes Ufer und das ruhige Wasser machen ihn besonders für Familien attraktiv. Kinder planschen hier sicher im Meer, während Erwachsene den Blick auf das türkisblaue Wasser genießen.

    Wer lieber etwas mehr Abgeschiedenheit sucht, entdeckt entlang der Küste zahlreiche kleine Buchten. Besonders beeindruckend präsentieren sich die Dragon Buchten im Westen der Insel. Helle Kalkfelsen ragen dort direkt aus dem Meer empor, dazwischen wachsen Pinien, deren Äste bis fast ans Wasser reichen. Die Sicht unter Wasser fällt außergewöhnlich klar aus. Kein Wunder also, dass Schnorchler diesen Abschnitt besonders schätzen. Bunte Fische, Seegraswiesen und die faszinierenden Lichtspiele unter der Wasseroberfläche machen jeden Badestopp zu einem kleinen Erlebnis.

    Doch Sainte Marguerite bietet weit mehr als schöne Badeplätze.

    Ein Netz gut ausgebauter Wanderwege führt durch duftende Pinienwälder und vorbei an Eukalyptusbäumen bis zu den ruhigeren Spitzen der Insel. Besonders die Pointe du Batéguier und die Pointe Carbonel gelten als Geheimtipps. Selbst mitten im Sommer findet sich dort oft ein stilles Plätzchen, an dem nur das Rauschen der Wellen und das Zirpen der Zikaden zu hören sind. Wer früh am Morgen unterwegs ist, erlebt die Insel fast für sich allein. Genau das macht ihren besonderen Reiz aus.

    Auch geschichtlich besitzt Sainte Marguerite einen außergewöhnlichen Stellenwert. Hoch über der Küste erhebt sich das Fort Royal, dessen Mauern eng mit einer der geheimnisvollsten Figuren Frankreichs verbunden sind. Hier soll einst der berühmte Gefangene mit der eisernen Maske eingesperrt gewesen sein. Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden um seine wahre Identität. Der Besuch der Festung verbindet Natur und Geschichte auf eindrucksvolle Weise.

    Nicht weit davon entfernt wartet eine weitere Besonderheit. Vor der Küste befindet sich ein Unterwasser Skulpturenpark. Mehrere monumentale Kunstwerke ruhen auf dem Meeresboden und lassen sich bereits mit Schnorchel und Taucherbrille entdecken. Zwischen den Skulpturen tummeln sich Fische und andere Meeresbewohner. Kunst und Natur verschmelzen hier auf überraschende Weise miteinander.

    Noch ruhiger wirkt die kleinere Nachbarinsel Saint Honorat.

    Hier bestimmt seit Jahrhunderten das Leben der Zisterziensermönche den Rhythmus des Tages. Das Kloster prägt die Insel bis heute. Weinberge, alte Kapellen und schmale Wege führen durch eine Landschaft, in der die Zeit scheinbar langsamer vergeht. Besucher begegnen immer wieder stillen Orten, die zum Verweilen einladen.

    Die Küsten unterscheiden sich deutlich von denen der größeren Nachbarinsel. Statt ausgedehnter Sandstrände dominieren flache Felsen und kleine Badeplätze direkt am Wasser. Viele Gäste kommen nicht wegen großer Strände hierher, sondern wegen der besonderen Atmosphäre. Wer sich auf einen der warmen Felsen setzt und über das glitzernde Meer blickt, versteht schnell, warum diese Insel als Ort der Ruhe gilt.

    Luxus sucht man auf beiden Inseln vergeblich und genau darin liegt ihr besonderer Charme. Große Hotelanlagen oder Einkaufsstraßen fehlen ebenso wie ausgedehnte Strandpromenaden. Stattdessen empfiehlt es sich, ausreichend Trinkwasser, ein kleines Picknick und festes Schuhwerk mitzubringen. Ein Schnorchel gehört ebenfalls ins Gepäck, denn die Unterwasserwelt zählt zu den schönsten der gesamten Region.

    Ein weiterer Schatz verbirgt sich unter der Wasseroberfläche. Rund um die Inseln wachsen ausgedehnte Posidonia Seegraswiesen. Sie dienen unzähligen Meerestieren als Lebensraum, produzieren Sauerstoff und schützen die Küsten vor Erosion. Aus diesem Grund stehen weite Bereiche unter besonderem Schutz. Für Boote gelten strenge Regeln beim Ankern, damit dieses empfindliche Ökosystem langfristig erhalten bleibt. So bleibt die außergewöhnliche Artenvielfalt auch für kommende Generationen bestehen.

    Wer bislang nur die bekannten Strände von Cannes kennt, erlebt auf den Lérins Inseln einen überraschenden Perspektivwechsel. Kaum legt das Boot ab, verschwinden Hochhäuser und Hotels langsam am Horizont. Wenige Minuten später bestimmen Pinienwälder, schroffe Küsten und das intensive Blau des Mittelmeers die Szenerie. Ist es nicht erstaunlich, wie nah zwei so unterschiedliche Welten beieinander liegen?

    Gerade diese Nähe macht den Reiz eines Ausflugs aus. Vormittags durch die eleganten Straßen von Cannes schlendern und wenig später in einer einsamen Bucht baden – schöner lässt sich die Vielfalt der Côte d’Azur kaum erleben. Wer einmal dort war, erzählt oft nicht zuerst vom roten Teppich oder den Luxusyachten, sondern von den stillen Buchten zwischen den Pinien. Und mal ehrlich, gibt es einen besseren Ort, um einfach die Seele baumeln zu lassen?

    Die Lérins Inseln beweisen eindrucksvoll, dass die französische Riviera weit mehr bietet als Glamour und internationale Filmfestivals. Nur einen Steinwurf von Cannes entfernt bewahrt sich die Natur ihre ursprüngliche Schönheit. Wer die Küste einmal von ihrer stillen Seite erleben möchte, findet hier ein kleines Paradies, das lange in Erinnerung bleibt.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Vergessene Schätze unter Wasser: Wie der Var zur Schatzkammer der Unterwasserarchäologie wurde

    Vergessene Schätze unter Wasser: Wie der Var zur Schatzkammer der Unterwasserarchäologie wurde

    Sonne, Strand, Lavendelfelder – wer an den Süden Frankreichs denkt, hat meist ein ganz bestimmtes Bild im Kopf. Doch der Var, dieses Juwel an der Mittelmeerküste, birgt ein Geheimnis, das sich nicht auf den ersten Blick offenbart. Unter der glitzernden Wasseroberfläche ruht ein kulturelles Erbe, das tief in die Vergangenheit reicht – wortwörtlich. Antike Schiffswracks, versunkene Amphoren, rekonstruierten Routen aus der Römerzeit: Der Meeresboden vor der Küste des Var ist ein lebendiges Museum. Und das Beste daran? Teile davon sind sogar mit Schnorchel und Taucherbrille erreichbar.

    Camarat 4: Ein Wrack, das Geschichte schreibt

    Am 4. März 2025 wurde vor Ramatuelle, nahe des Cap Camarat, eine Entdeckung gemacht, die selbst erfahrene Archäologen ins Staunen versetzte. In einer Tiefe von 2.567 Metern – einem Punkt, den bislang kaum ein Mensch erreicht hatte – stieß die französische Marine auf das Wrack eines italienischen Handelsschiffs aus dem 16. Jahrhundert.

    Der Fund wurde als „Camarat 4“ bekannt. Und er hat es in sich: Rund 200 verzierte Tonpichets aus ligurischer Produktion, versehen mit geometrischen und religiösen Motiven, sowie über 100 Teller lagerten dort unten wie in einer Zeitkapsel. Die extremen Bedingungen – Dunkelheit, gleichbleibende Kälte, fast kein Sauerstoff – konservierten das Schiff und seine Fracht auf erstaunliche Weise. Wer wissen will, wie Handel im Mittelmeerraum der Renaissance funktionierte, findet hier eine Antwort – in bisher unerreichter Tiefe.

    Sardinaux: Céramique made in Provence

    Weniger tief, aber nicht minder spannend liegt die „Sardinaux“-Fundstelle, rund 52 Meter unter der Wasseroberfläche bei Sainte-Maxime. 1986 wurde hier ein kleiner, flachbodiger Frachter entdeckt, vermutlich zwischen 10 und 12 Meter lang. Seine Ladung: 4.200 Keramikgefäße – hauptsächlich Schüsseln und Krüge – aus den Werkstätten von Fréjus.

    Diese Entdeckung zeigt nicht nur, wie lebendig der regionale Handel in der frühen Neuzeit war, sondern gibt auch Aufschluss über das damalige Alltagsleben: Die Formen, Farben und Verzierungen der Fundstücke erzählen Geschichten von Gebrauch, Geschmack und Gepflogenheiten vergangener Jahrhunderte.

    Das Magenta-Drama von Toulon

    Anders gelagert, aber ebenso eindrucksvoll ist der Fall der „Magenta“. Diese 92 Meter lange Fregatte, gebaut 1861, sank 1875 nach einem Feuer – ausgerechnet im Hafen von Toulon. Was das Schiff so besonders macht, war seine Fracht: 2.080 punische Stelen und eine Statue der römischen Kaiserin Sabina, ausgrabungstechnisch hochbrisant, wurden aus Karthago mitgebracht.

    Fast 120 Jahre lang lag dieser archäologische Schatz auf dem Meeresgrund, bis das Wrack 1994 wiederentdeckt wurde. Viele der Fundstücke konnten geborgen werden – einige sind heute im Louvre zu sehen. Ein tragischer Schiffbruch, der sich als archäologisches Glück entpuppte.

    Geschichte zum Anfassen – oder besser: zum Abtauchen

    Wer sich nicht in Rekordtiefen wagen will, kann im Var dennoch auf Tauchstation gehen. Mehrere sogenannte „sentiers sous-marins“, also Unterwasserlehrpfade, machen Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes greifbar. Mit Maske, Schnorchel und Flossen ausgestattet, lassen sich hier an ausgewiesenen Stellen rekonstruierte Fundplätze und versunkene Bauwerke erkunden – ganz ohne Tauchschein.

    Zwei Beispiele stechen besonders heraus:

    • Olbia bei Hyères: Nur drei bis fünf Meter unter der Oberfläche lassen sich hier die Reste eines römischen Kais und einer sogenannten Tartane – ein kleines Handelsschiff – entdecken. Ideal für Familien und Einsteiger.
    • Pointe du Bouvet: Hier erwartet Besucher eine nachgebildete römische Schiffsruine samt Amphorenladung. Eine Art Freiluftmuseum unter Wasser, das auch als Schulungsort für angehende Unterwasserarchäologen dient.

    Diese Lehrpfade erfüllen gleich mehrere Funktionen: Sie machen Geschichte zugänglich, fördern das Umweltbewusstsein und wecken die Begeisterung für das kulturelle Erbe unter Wasser. Eine Mischung, die nicht nur Touristen begeistert, sondern auch pädagogisch wertvoll ist.

    Vom Meeresboden ins Museum

    Wem das Wasser zu kalt oder die Tiefe zu unheimlich ist, der findet an Land ebenfalls reichlich Gelegenheit, in die Vergangenheit einzutauchen. Allen voran im Archäologischen Museum von Saint-Raphaël, das in einer ehemaligen mittelalterlichen Kirche untergebracht ist. Die Ausstellung reicht von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter, mit einem besonderen Fokus auf die Unterwasserarchäologie der Region. Amphoren, Alltagsgegenstände und Wrackteile – alles fein kuratiert und anschaulich präsentiert.

    Eine Region, die tiefer geht

    Die Riviera mag für viele das Synonym für Sommer, Sonne und Savoir-vivre sein. Doch der Var hat mehr zu bieten – viel mehr. Unter seiner Wasseroberfläche liegen Geschichten verborgen, die vom Glanz vergangener Epochen zeugen, vom Mut der Seefahrer, vom Handel über kulturelle Grenzen hinweg und von den Brüchen, die das Meer mit sich bringt.

    Warum also nicht mal abtauchen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn?

    Autor: C.H.