Schlagwort: Schneemangel

  • Mouthe – Wie die „Petite Sibérie“ ihren Winter verliert

    Mouthe – Wie die „Petite Sibérie“ ihren Winter verliert

    Es gab eine Zeit, da genügte ein einziges Wort – Mouthe – und man fröstelte innerlich.

    Das Dorf im französischen Jura, auf rund 1.000 Metern Höhe in einer Mulde des Hoch-Doubs gelegen, trug seinen Ruf wie ein frostiges Ehrenabzeichen. 1968 sank das Thermometer hier auf minus 36,7 Grad Celsius. Ein nationaler Rekord. Seither galt der Ort als kältester bewohnter Flecken Frankreichs, als „Petite Sibérie“. Ein Spitzname, halb stolz, halb ergeben getragen.

    Heute klingt er wie ein Echo aus einer anderen Klimazone.

    Die geografische Lage von Mouthe erklärt viel von seiner meteorologischen Eigenart. In klaren Winternächten sammelt sich die schwere Kaltluft im Talkessel, eine klassische Inversionslage. Während es auf den umliegenden Höhen milder bleibt, gefriert unten das Leben. Jahrzehntelang prägte dieses Mikroklima Architektur und Alltag. Steile Dächer, massive Bauernhäuser, Holzvorräte in beeindruckender Stapelhöhe – hier baute und lebte man gegen die Kälte.

    Und mit ihr.

    Schnee war keine Laune der Natur, sondern eine verlässliche Jahreszeit. Er strukturierte den Kalender, brachte Langläufer in Scharen, füllte Pensionen, belebte Cafés. Das weiße Schweigen der Landschaft zog Menschen an, die Stille suchten und das Knirschen unter den Skiern. Die „Petite Sibérie“ avancierte zur Marke – rau, authentisch, ein bisschen extrem.

    Doch seit gut einem Jahrzehnt verschiebt sich das Bild.

    Die Winter verkürzen sich. Kälteperioden treten weiterhin auf, doch sie wirken wie Gastspiele statt wie Dauersendungen. Zwischen Frostnächte schieben sich milde Phasen, Regen fällt mitten im Januar. Der Schnee kommt später, schmilzt schneller, kehrt manchmal zurück – ein Winter in Etappen, nicht mehr als geschlossene Erzählung.

    „Es ist nicht mehr wie früher“, sagen die Bewohner, ohne Pathos, fast beiläufig. Aber in diesem Satz steckt Erfahrung.

    Für die nordischen Skigebiete im Hoch-Doubs verschärft sich die Lage. Weniger natürliche Schneetage bedeuten stärkere Abhängigkeit von künstlicher Beschneiung. Die kostet Energie, Geld – und braucht ihrerseits ausreichend tiefe Temperaturen. Wenn selbst diese unberechenbar werden, gerät das Geschäftsmodell ins Wanken. Ausgerechnet jener Ort, der den Frost zur Identität erhob, verliert sein klimatisches Kapital. Schon irgendwie bitter.

    Der Wandel zeigt sich nicht nur in Messreihen, sondern im Alltag. Grüne Wiesen im Dezember. Dächer ohne weiße Haube im Januar. Bäche, die früher zuverlässig zufroren, plätschern nun offen durch den Winter. Ältere erinnern sich an Schneeverwehungen bis zu den Fenstern im Erdgeschoss. Jüngere kennen eher ein Auf und Ab aus Morgenfrost und kaltem Nieselregen.

    Mit dem Klima verändert sich auch das Selbstverständnis. Wer aus Mouthe kam, stammte aus einem Ort der Extreme. Die Kälte war Teil der Erzählung, fast ein Charakterzug. Wenn diese Ausnahme ihre Regelmäßigkeit verliert, was bleibt dann vom Mythos? Der Name „Petite Sibérie“ steht weiterhin auf Schildern und Prospekten, doch er wirkt zunehmend wie ein historisches Zitat.

    Das Phänomen reicht über das Dorf hinaus. Der Juramassiv gehört zu jenen Mittelgebirgsregionen Europas, in denen wenige Grad Temperaturanstieg ausreichen, um Schnee in Regen zu verwandeln. Zwischen 800 und 1.200 Metern entscheidet sich im Winter oft alles an der sogenannten Regen-Schnee-Grenze. Steigt sie nur geringfügig, kippt die Saison.

    Für viele Gemeinden dieser Höhenlage entsteht eine heikle Zwischenzone: zu niedrig für verlässliche Schneesicherheit, zu hoch und strukturell geprägt vom Wintersport, um sich rasch neu zu erfinden. Mouthe liegt genau in diesem Spannungsfeld.

    Die Reaktion? Anpassung statt Resignation. Mehr Sommertourismus, Wanderwege, Mountainbike-Strecken, Naturerlebnisse. Lebensqualität, Ruhe, ländliche Authentizität – Argumente, die auch im Zeitalter des Homeoffice Gewicht erhalten. Doch eine klimatische Identität ersetzt man nicht im Handumdrehen. Der Winter war mehr als Wetter. Er war Rhythmus, Wirtschaftsfaktor, Gesprächsstoff am Stammtisch.

    Die symbolische Dimension ist nicht zu unterschätzen. In der französischen Vorstellung verkörperte Mouthe das Gegenstück zur Mittelmeerküste – das Land der klirrenden Kälte auf dem eigenen Staatsgebiet. Wenn nun dieser Frostpol an Verlässlichkeit einbüßt, wirkt der Klimawandel plötzlich weniger abstrakt. Er bekommt ein Gesicht.

    Niemand behauptet, der Winter verschwinde vollständig. Strenge Kältewellen treten weiterhin auf, Schneelandschaften tauchen das Tal nach wie vor in gleißendes Weiß. Doch die Tendenz zeigt Richtung größerer Variabilität und kürzerer Saisons. Die Gewissheit, dass der Winter kommt und bleibt, erodiert.

    Mouthe bleibt ein Hochlagenort, kälter als viele andere Regionen Frankreichs. Aber der Nimbus des Extremen bröckelt. Vielleicht liegt gerade darin eine neue Chance: sich nicht über das Thermometer zu definieren, sondern über Anpassungsfähigkeit. Die Geschichte des Jura war stets eine des Arrangements mit den Naturbedingungen.

    Nun ändern sich diese Bedingungen.

    Und die „Petite Sibérie“ steht vor der Aufgabe, aus dem Verlust des Winters eine neue Erzählung zu formen.

    Andreas M. Brucker

  • Ein falscher Schwung, ein freiliegender Fels – und ein jähes Ende im Schnee von Méribel

    Ein falscher Schwung, ein freiliegender Fels – und ein jähes Ende im Schnee von Méribel

    Der Winter zeigt sich an diesem Montagmorgen von seiner schönsten Seite. Klare Luft, blauer Himmel, ein Bergpanorama wie aus dem Hochglanzprospekt. Familien schnallen die Skier an, Kinder lachen, irgendwo klackt ein Stock auf Eis. Und doch endet dieser 29. Dezember in den französischen Alpen mit einer Tragödie, die sich in wenigen Sekunden vollzieht und lange nachhallt. Ein 24-jähriger Skifahrer aus Kroatien stirbt am späten Vormittag im Skigebiet von Méribel. Er ist mit seiner Familie unterwegs, abseits der präparierten Pisten, im Bereich von Méribel-Mottaret, genauer gesagt im Sektor des Mont Vallon. Dort, wo das Gelände weit wirkt, unberührt, fast einladend. Dort, wo der Grat zwischen Freiheit und Gefahr besonders schmal ist. Der junge Mann stürzt. Er verliert die Kontrolle, rutscht ab, prallt gegen einen Felsen. Ein Moment, der niemanden vorbereitet trifft, obwohl alle wissen, dass genau so etwas passieren kann. Die Pistenretter der Station sind schnell vor Ort. Sie versuchen zu re…

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  • Skistation vor dem Aus: Das Schicksal von Grand Puy steht auf dem Spiel

    Skistation vor dem Aus: Das Schicksal von Grand Puy steht auf dem Spiel

    Im Herzen der französischen Alpen, in der kleinen Gemeinde Seyne-les-Alpes, steht heute eine Entscheidung bevor, die die Zukunft der Region für immer verändern könnte. Die Bewohner sind aufgerufen, über den Fortbestand ihrer traditionsreichen Skistation Grand Puy abzustimmen. Einst ein Ort voller Leben und Skitouristen, kämpft die Station heute mit den Auswirkungen des Klimawandels und finanziellen Schwierigkeiten. Doch was genau steckt hinter dieser Geschichte? Und wie sieht die Zukunft dieses alpinen Juwels aus?

    Ein Stolz der Vergangenheit

    Die Skistation Grand Puy war in den 1970er und 1980er Jahren ein Magnet für Wintersportbegeisterte aus ganz Frankreich. Mit perfekten Pisten, strahlendem Sonnenschein und einer atemberaubenden Bergkulisse zog sie Jahr für Jahr Tausende von Skifahrern an. Die Lifte liefen auf Hochtouren, die Skischulen waren ausgebucht, und auch die örtliche Wirtschaft florierte. Doch dieses Bild gehört inzwischen der Vergangenheit an. Die Schneemassen, die einst für volle Pisten sorgten, werden immer seltener. Der Rückgang der Schneetage hat nicht nur die Besucherzahlen schrumpfen lassen, sondern auch das gesamte Geschäftsmodell der Skistation ins Wanken gebracht.

    Der lange Schatten des Klimawandels

    In den letzten zehn Jahren hat der Klimawandel den Grand Puy hart getroffen. Wo früher 17.000 Skitage pro Saison verzeichnet wurden, sind es heute nur noch 6.000. Die jährlichen Verluste belaufen sich mittlerweile auf satte 350.000 Euro – ein Betrag, den die Gemeinde nicht länger stemmen kann und will. Bürgermeister und Gemeinderat stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Schließen oder weitermachen? Die Abstimmung am Sonntag, dem 6. Oktober, wird diese Frage klären.

    Für die Einheimischen ist diese Entscheidung alles andere als leicht. Viele von ihnen haben persönliche Verbindungen zur Skistation, sei es durch ihre Arbeit, den Tourismus oder die gemeinsamen Erinnerungen, die über Generationen hinweg mit diesem Ort verknüpft sind. Doch bei solch gravierenden finanziellen Verlusten stellt sich die Frage: Ist es sinnvoll, weiterzumachen – oder ist es an der Zeit, loszulassen?

    Referendum: Die Zukunft liegt in den Händen der Bewohner

    Das Referendum am 6. Oktober gibt den rund 1.300 wahlberechtigten Einwohnern von Seyne-les-Alpes die Möglichkeit, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Es geht um nichts Geringeres als den Erhalt oder die Schließung der Skilifte – das Herzstück der Station. Doch die Entscheidung ist nicht nur symbolisch. Ohne die Lifte gibt es keinen Skibetrieb mehr. Und ohne Skifahrer haben auch die letzten verbliebenen Geschäfte kaum eine Überlebenschance. So äußert sich der einzige verbliebene Skiausrüstungsverleiher in der Region besorgt: „Ohne die Lifte kann ich meinen Laden schließen. Es gibt dann einfach keine Skifahrer mehr.“

    Tourismus und Wirtschaft im Wandel

    Seyne-les-Alpes steht hier stellvertretend für viele Gemeinden in den Alpen, die sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert sehen. Der Tourismus, der über Jahrzehnte hinweg der Motor für den wirtschaftlichen Erfolg war, ist durch den Klimawandel bedroht. Wintersport, der auf zuverlässige Schneefälle angewiesen ist, kann in vielen Regionen nicht mehr das Rückgrat der lokalen Wirtschaft bilden.

    Die Frage bleibt: Wie können sich diese Gemeinden neu erfinden? Die Einwohner von Seyne-les-Alpes haben verschiedene Optionen in Betracht gezogen – vom Ausbau des Sommertourismus bis hin zur Nutzung der Region als Wanderparadies. Doch all diese Ideen brauchen Zeit, Geld und eine langfristige Perspektive.

    Ein Zeichen der Zeit

    Der Grand Puy ist nicht der einzige Ort, der mit diesen Herausforderungen kämpft. In vielen Skigebieten rund um den Globus sieht man ähnliche Entwicklungen. Schneekanonen und künstliche Beschneiung können nur begrenzt Abhilfe schaffen. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger Tourismusmodelle. Vielleicht bietet dieser Umschwung auch die Chance, neue Wege zu gehen.

    Wie könnte die Zukunft ohne Schnee aussehen? Werden die Alpen vielleicht bald für Mountainbiker, Wanderer oder sogar Digital-Nomaden zum Anziehungspunkt – oder bleiben sie doch dem Wintersport treu, auch wenn der Schnee schwindet?

    Ein Blick nach vorn

    Egal, wie die Abstimmung ausgeht – für Seyne-les-Alpes und die Station Grand Puy bricht eine neue Ära an. Sollte die Schließung beschlossen werden, bedeutet dies nicht nur das Ende einer langen Tradition, sondern auch einen Wendepunkt für die gesamte Region. Die Bewohner werden sich dann die Frage stellen müssen, wie sie ihre Gemeinde neu erfinden können, um wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen.

    Doch vielleicht – so hofft es ein Teil der Gemeinde – kann der Tourismus auch in einer neuen Form überleben. Mit Ideenreichtum, Engagement und einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit könnte Grand Puy sich von einem klassischen Skigebiet zu einem ganzjährig attraktiven Urlaubsziel entwickeln. Wer weiß, vielleicht kommen bald nicht mehr nur Skifahrer, sondern auch Naturliebhaber und Abenteurer in diese malerische Gegend.

    Sicher ist: Die Entscheidung, die am 6. Oktober gefällt wird, betrifft nicht nur die Lifte und die Skiausrüstung. Sie betrifft die Identität der Region, die Hoffnungen und Träume der Menschen, die hier leben, und die Zukunft einer ganzen Gemeinde, die schon so viel überstanden hat – und sich auch jetzt wieder neu erfinden könnte.

  • Schneeverhältnisse in den Alpen und Pyrenäen: Ein Kontrast, der Fragen aufwirft

    Schneeverhältnisse in den Alpen und Pyrenäen: Ein Kontrast, der Fragen aufwirft

    Das Wetter spielt verrückt, und das nicht nur im täglichen Leben, sondern auch in den Bergen. Ein extremes unterschiedliches Schneeverhältnis prägt die Alpen und Pyrenäen seit Jahresbeginn – in den Alpen stapelt sich der Schnee, während die Pyrenäen unter Schneemangel leiden. Was steckt dahinter?

    Überfluss an Schnee in den Alpen

    Die Alpen haben in diesem Jahr ein beeindruckendes Schneepolster angelegt. Laut dem Centre d’études spatiales et de la biosphère (Cesbio) haben die Alpenregionen zwei Milliarden Kubikmeter mehr Wasser in Form von Schnee gespeichert als im letzten Jahr. Das sind beeindruckende Zahlen – fast zu schön, um wahr zu sein, oder?

    Simon Gascoin, ein Forscher bei Cesbio, erklärt: „Wir liegen nahe den Normalwerten, haben aber einen Überschuss.“ Diese zusätzlichen Schneemassen sind ein Segen für das Rhonetal. Das bedeutet mehr Wasser für die Landwirtschaft, mehr Energie aus Wasserkraft und bessere Bedingungen für die natürlichen Ökosysteme. Ein Win-Win, könnte man sagen.

    Dürre in den Pyrenäen-Orientales

    Doch während die Alpen vor Schnee fast überquellen, sieht die Lage in den Pyrenäen düster aus – besonders in den östlichen Pyrenäen. Trotz einiger Schneefälle in den letzten Tagen bleibt die Schneedecke dort deutlich unterdurchschnittlich. Gascoin bemerkt: „Wir haben eine sehr kontrastreiche Situation zwischen den gut versorgten westlichen Pyrenäen und den östlichen Pyrenäen, die die meisten Niederschläge verpasst haben.“ Zwei Jahre anhaltende Dürre haben Spuren hinterlassen.

    Ein Plan für die Zukunft

    Die Besorgnis über die Situation in den Pyrenäen ist so groß, dass Christophe Béchu, der französische Umweltminister, einen Besuch in die Region plant. Er wird dort seinen Plan zur Wasserresilienz vorstellen. Doch kann ein Plan wirklich gegen zwei Jahre Dürre ankommen?

    Ursachen und Auswirkungen

    Was führt zu solch extremen Unterschieden? Ein Teil der Antwort liegt in den atmosphärischen Bedingungen. Während die Alpen von feuchten Luftströmungen profitieren, bleibt der östliche Teil der Pyrenäen häufig trocken. Klimawandel und veränderte Wetterphänomene spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

    Für die Bewohner und die Wirtschaft der betroffenen Regionen hat das weitreichende Konsequenzen. Weniger Schnee bedeutet weniger Schmelzwasser im Frühling und Sommer – eine Bedrohung für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Wasserversorgung.

    Was bringt die Zukunft? Werden die Alpen weiterhin im Schnee versinken, während die Pyrenäen verdursten? Es bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass innovative und nachhaltige Lösungen notwendig sind, um mit diesen Herausforderungen umzugehen.

  • Französischer Rechnungshof: Angesichts des Klimawandels verlieren Skigebiete an Sinn und Wert

    Französischer Rechnungshof: Angesichts des Klimawandels verlieren Skigebiete an Sinn und Wert

    Nur wenige Skigebiete werden ihren Betrieb nach 2050 fortsetzen können, schätzt der Rechnungshof in seinem Bericht.

    Es besteht Gefahr für die Wintersportorte Frankreischs. Der Klimawandel bedroht „das Wirtschaftsmodell des französischen Skisports“, so der Rechnungshof in einem am Dienstag, dem 6. Februar, veröffentlichten Bericht. „Ab den 2000er Jahren begannen der Rückgang der Skiaktivitäten und die zunehmende Unangepasstheit des Immobilienbestands der Stationen, das finanzielle Gleichgewicht der Skilifte und die lokale Wirtschaft, die zum Teil von ihnen abhängt, zu schwächen“, so der Rechnungshof.

    Die Autoren des Berichts gehen davon aus, dass alle Skigebiete in Frankreich bis 2050 die Folgen der globalen Erwärmung deutlich zu spüren bekommen werden. Und nur „einige wenige Skigebiete können darauf hoffen, ihren Betrieb über diesen Zeitpunkt hinaus fortzusetzen“.

    Kunstschnee als kurzfristige Lösung
    Der Rechnungshof bemängelt, dass „die in den Bergen durchgeführten Anpassungsmaßnahmen im Wesentlichen auf der Schneeproduktion beruhen“, die nur „eine kurzfristige Wirkung“ hat, da „ihre Kosten hoch sind und ihre Wirksamkeit mit steigenden Temperaturen tendenziell abnimmt“.

    Nicht zu vergessen „die Auswirkungen der Schneeproduktion auf die Wasserressourcen“, die „in vielen Gebieten unterschätzt“ zu werden scheinen, so der Bericht. Nach Ansicht des Rechnungshofs „wäre es notwendig, dass die Genehmigungen für die Entnahme von Wasser für die Schneeproduktion die Klimaprognosen stärker berücksichtigen“.

    Mangel an Koordination und Planung
    Was die Maßnahmen zur Diversifizierung der Aktivitäten betrifft, so sind diese „selten auf ein echtes Projekt gestützt“, urteilt der Rechnungshof. „Sie werden nach dem Zufallsprinzip durchgeführt und neigen häufig dazu, das Skimodell zu reproduzieren, das auf hohen Investitionen und hohen Besucherzahlen beruht, ohne einen Geschäftsplan, der es ermöglicht, ihre wirtschaftliche Relevanz festzustellen“. Außerdem „sind die Initiativen der Gebietskörperschaften kaum aufeinander abgestimmt“.

    Der Bericht kritisiert auch die derzeitige „ökologische Planung des Staates, die für den Tourismussektor in den Bergen wenig sinnvoll ist“ und „keine wirkliche Dynamik des Wandels auslösen kann“. Dasselbe gilt laut dem Dokument auch für die Regionen. Der Rechnungshof schlägt vor, eine Steuerung der Bergstationen einzuführen, die nicht mehr allein der kommunalen Ebene unterliegt. Ausserdem schlägt die Institution vor, einen Fonds für die Anpassung an den Klimawandel einzurichten, der Maßnahmen zur Diversifizierung und zum Rückbau von Anlagen finanzieren soll.

    Der Präsident des Rechnungshofs, Pierre Moscovici, erklärte vor der Presse: „Wir müssen ganz klar unsere Vision ändern, eine neue Governance einführen, den Fokus erweitern, Ressourcen finden – denn es sind jährlich etwa 92 Millionen Euro an Investitionen erforderlich, um zu einem diversifizierteren Modell zu gelangen, das ein Modell für „vier Jahreszeiten“ und für alle Arten von Stationen ist“.