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  • Wenn Geschichte Fahrt aufnimmt – Besucherrekord im Automobilmuseum von Mülhausen

    Wenn Geschichte Fahrt aufnimmt – Besucherrekord im Automobilmuseum von Mülhausen

    Manchmal reicht eine Zahl, um eine ganze Epoche zu umreißen. 278.450 Besucherinnen und Besucher im Jahr 2025 – so viele Menschen haben das Musée National de l’Automobile in Mülhausen gesehen wie seit den 1980er-Jahren nicht mehr. Vier Jahrzehnte liegen zwischen dem damaligen Höhepunkt und diesem neuen Rekord. Vier Jahrzehnte, in denen sich das Museum verändert, neu ausgerichtet und seinen Platz im kulturellen Koordinatensystem Europas gefestigt hat. Heute steht fest: Diese Institution fährt nicht im Windschatten der Geschichte, sie gestaltet sie aktiv mit.

    Das Automobilmuseum im elsässischen Mülhausen gilt seit Langem als eine der wichtigsten Adressen für automobilen Kulturerhalt. Mit seiner schieren Größe, seiner Dichte an Exponaten und der Aura einer Sammlung, die aus einer fast manischen Leidenschaft heraus entstand, besitzt es einen Charakter, der sich nicht kopieren lässt. Dass nun ein Besucherrekord vermeldet wird, wirkt deshalb weniger überraschend als folgerichtig. Wer genau hinsieht, erkennt dahinter eine konsequente Strategie, die das Museum aus dem reinen Bewahrungsmodus herausgeführt hat.

    Mülhausen selbst, eingebettet in die Industrielandschaft des Südelsass, ist kein klassisches Touristenzentrum. Gerade darin liegt eine stille Stärke. Das Museum fungiert als kultureller Magnet weit über die Stadtgrenzen hinaus und hat sich als zentraler Anziehungspunkt der Region Grand Est etabliert. Schulklassen aus Straßburg treffen auf Sammler aus Übersee, Familien aus dem Dreiländereck auf Technikbegeisterte aus Japan. Man kommt wegen der Autos – und bleibt wegen der Geschichten.

    Das Jahr 2025 markierte dabei einen Wendepunkt. Das Programm war nicht nur umfangreich, sondern präzise auf unterschiedliche Publikumsgruppen zugeschnitten. Vermittlung stand nicht länger im Schatten der Sammlung, sie wurde zu ihrem gleichwertigen Partner. Neue Formate, thematische Rundgänge und ein spürbar geschärfter Blick für Besucherbedürfnisse verliehen dem Haus eine neue Offenheit. Das Museum erklärte weniger – es erzählte mehr. Und es hörte zu.

    Ein besonderer Publikumsmagnet war die Ausstellung „Mit Tim und Struppi unterwegs“. Sie verband zwei Welten, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten: die klare, gezeichnete Linie der Comics und das schwere, glänzende Material historischer Automobile. Im Zentrum stand das Universum von Tim und Struppi, erschaffen von Hergé, dessen Geschichten Generationen geprägt haben. Die Fahrzeuge, die in den Abenteuern des berühmten Reporters auftauchen, wurden nicht als bloße Requisiten präsentiert, sondern als erzählerische Motoren.

    Plötzlich wurde sichtbar, welche Rolle Autos als Symbole von Freiheit, Macht oder Bedrohung spielen können. Historische Authentizität traf auf erzählerische Fantasie, Technikgeschichte auf Popkultur. Besucherinnen und Besucher zwischen sieben und siebenundsiebzig – und, ja, auch darüber hinaus – ließen sich darauf ein. Man hörte Sätze wie: „Den hatte ich ganz vergessen“ oder schlicht: „Krass, wie modern das wirkt.“ Solche Momente lassen sich nicht planen, aber man kann ihnen den Raum geben.

    Doch der Erfolg des Jahres 2025 ruhte nicht auf einer einzigen Ausstellung. Er speiste sich aus der Gesamtheit des Angebots. Der unvergleichliche Reichtum der Schlumpf-Sammlung, die mehr als 500 Fahrzeuge umfasst, bleibt das Herzstück des Museums. Die Geschichte der Brüder Fritz und Hans Schlumpf, deren Sammelleidenschaft ebenso bewundert wie kritisch betrachtet wurde, verleiht der Sammlung bis heute eine besondere Spannung. Hier geht es nicht nur um Technik, sondern um Obsession, Vision und den schmalen Grat zwischen Genie und Maßlosigkeit.

    Hinzu kamen Verbesserungen, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken, im Erleben jedoch entscheidend sind. Der Empfang wurde neu gedacht, Besucherführung klarer strukturiert, Vermittlungsangebote stärker personalisiert. Das Museum wurde zugänglicher, ohne banal zu werden. Regionales Publikum fühlte sich stärker angesprochen, internationales Publikum besser abgeholt. Kurz gesagt: Das Haus öffnete sich, ohne sich zu verlieren.

    Bruno Fuchs, Präsident des Museums, fand für diesen Moment klare Worte. Der Besucherrekord, so betonte er, sei ein starkes Signal – für das Museum, für Mülhausen und für die gesamte Region. Er zeige die tiefe Verbundenheit des Publikums mit diesem außergewöhnlichen Erbe und unterstreiche zugleich die kulturelle, wirtschaftliche und touristische Dynamik des Standorts. In seinen Worten schwang etwas mit, das man selten in offiziellen Stellungnahmen hört: Stolz, aber kein Selbstzufriedenheitsgefühl.

    Der Blick richtet sich bereits nach vorn. Ab April 2026 plant das Museum eine international ausgerichtete Sonderausstellung zur Formel 1. Kaum ein anderes Thema vereint technische Höchstleistung, industrielle Exzellenz, Design, Sport und Popkultur so dicht wie diese Königsklasse des Motorsports. Die Erwartungen sind hoch, die Latte liegt nach dem Rekordjahr entsprechend oben. Doch wer die Entwicklung des Museums verfolgt hat, weiß: Hier wird nicht auf Effekte gesetzt, sondern auf Substanz.

    Das Automobilmuseum MNA Mülhausen bleibt damit ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft in einem besonderen Dialog stehen. Es bewahrt nicht nur Fahrzeuge, sondern Deutungen. Es zeigt, wie Technik Gesellschaft formt – und wie Gesellschaft Technik erzählt. Der Rekord von 2025 ist kein Schlusspunkt, sondern ein Zwischenruf. Einer, der sagt: Geschichte kann begeistern, wenn man sie ernst nimmt. Und wenn man ihr zutraut, auch heute noch Fahrt aufzunehmen.

    Von C. Hatty

  • VROUM – Kleine Autos, große Erinnerungen

    VROUM – Kleine Autos, große Erinnerungen

    Ein leises „Klick“ beim Öffnen der Glastür, gedämpfte Schritte auf dem Boden der alten Industriehalle – und dann: Farben, Formen und Kindheitsgefühle pur. Genau das erwartet Besucher im Automobilmuseum in Mülhausen, wenn die neue Sonderausstellung „VROUM – Kleine Autos, große Kinder“ ihre Türen öffnet. Vom 20. Dezember 2025 bis zum 2. März 2026 wird hier eine Welt lebendig, in der Miniaturautos nicht nur Spielzeug, sondern lebendige Erinnerung und pure Fantasie sind.


    Zwischen Kindheit und Chrom – das MNA Mülhausen

    Mit über 500 Fahrzeugen auf 25.000 Quadratmetern zählt das Musée National de l’Automobile zu den eindrucksvollsten Automobilmuseen der Welt. Das riesige Areal, einst eine Textilfabrik, bietet heute glänzende Karosserien, schnittige Kurven und den Zauber von fast 100 Automarken – von klassischen Bugattis bis hin zu vergessenen Raritäten.

    Die Grundlage dieser außergewöhnlichen Sammlung legten die Gebrüder Fritz und Hans Schlumpf, zwei leidenschaftliche Sammler mit einem unstillbaren Drang, automobile Geschichte zu bewahren. Der Ort? Nur rund eine Autostunde südwestlich von Freiburg im Breisgau – und damit perfekt für einen Ausflug mit Retro-Feeling.


    Die Ausstellung: Modellautos, Erinnerungen und jede Menge Fantasie

    „VROUM“ ist nicht einfach eine Aneinanderreihung kleiner Autos. Es ist eine Zeitmaschine im Maßstab 1:43.

    Wer die Ausstellung betritt, wird von einer detailverliebten Szenografie empfangen, die mehr ist als Kulisse – sie ist Bühne, Wohnzimmer, Kinderzimmer, Garagenwerkstatt und Traumlandschaft in einem. Historische Miniaturen, bunte Tretautos, liebevoll gestaltete Figuren und nostalgische Werbeplakate entführen in die Jahrzehnte von 1940 bis heute.

    Und dann diese ikonischen Modelle! Die Klassiker im Maßstab 1:43 – sie lassen nicht nur Sammlerherzen hüpfen, sondern rufen auch vergessene Geschichten wach: vom Lieblingsauto auf dem Nachtkästchen bis zur Schachtel mit Lackschäden im Dachboden.


    Große Namen im Miniaturformat

    Besonderes Augenmerk liegt auf den großen Marken der Modellauto-Geschichte – allen voran Norev, das 2025 sein 80-jähriges Bestehen feiert. Daneben zeigt die Ausstellung eine faszinierende Bandbreite: ob Blech, Kunststoff oder Zinkdruckguss, ob französische Klassiker oder internationale Exoten – die Vielfalt ist schier grenzenlos.

    Und mal ehrlich: Wer hat nicht irgendwann ein Auto aufgezogen, losgelassen und dem surrenden Geräusch hinterhergeschaut wie einem fliegenden Traum?


    Kultur trifft Kindheit – mit Originalgröße

    Der Clou von „VROUM“ ist der Perspektivwechsel. Die Ausstellung belässt es nicht bei Miniaturen, sondern schlägt gekonnt die Brücke zur Realität. Mehrere Originalfahrzeuge – darunter ein Bugatti 64 und ein seltener 4L Bertin – sind Teil der Inszenierung.

    Sie stehen nicht als bloße Schaustücke da, sondern erzählen mit den kleinen Nachbauten ihre eigene Geschichte. Ein spannender Dialog zwischen Mini und Maxi, zwischen Traum und Technik.

    Und ja – dieser Moment, wenn man feststellt, dass das Spielzeugauto aus Kindertagen auf einem echten Modell basiert, ist einfach magisch.


    Ein Fest für die ganze Familie

    Ob jung oder alt, Sammler oder einfach nur neugierig – „VROUM“ trifft einen Nerv. Die Ausstellung bietet ein Erlebnis, das Generationen verbindet. Großeltern, die ihre alten Spielzeuge wiederentdecken, Kinder, die die Faszination des Fahrens begreifen – und dazwischen jede Menge Austausch, Staunen und gemeinsames Lächeln.

    Klingt kitschig? Vielleicht. Aber genau deshalb funktioniert es so gut. Es ist diese liebevolle, fast zärtliche Herangehensweise, die „VROUM“ so besonders macht. Keine steife Museumsatmosphäre, sondern echtes Erleben, Mitmachen und Zurückdenken.


    Und sonst so? Ein Ort zum Wiederkommen

    Abseits der Sonderausstellung lohnt sich ein Rundgang durch das MNA ohnehin: die berühmte Bugatti-Sammlung, die alten Benz-Kutschen, die Luxuskarossen der 30er – hier reihen sich echte Ikonen aneinander.

    Im Museumsshop gibt’s natürlich Miniaturen zu kaufen – für Sammler und für die nächste Generation. Und im Café kann man bei einem Espresso mit Blick auf die Klassiker gedanklich nochmal durch den eigenen Kinderfuhrpark cruisen.


    Empfehlungen für deinen Besuch

    Wer „VROUM“ erleben möchte, sollte mindestens zwei bis drei Stunden einplanen – idealerweise mehr. Früh kommen lohnt sich, besonders in den Ferienzeiten, denn die Ausstellung zieht viele Besucher an. Die Erklärungen gibt’s auf Deutsch, Französisch und Englisch – also auch für internationale Gäste gut geeignet.

    Übrigens: Das Museum ist auch bei schlechtem Wetter eine perfekte Anlaufstelle, dank der überdachten Hallen. Und für Fans gibt es regelmäßig Führungen und Workshops rund um das Thema Modellbau.


    Also – worauf wartest du noch? Die kleinen Boliden rollen schon…

    Ein Reisebericht von V.O.Yager