Schlagwort: schattenflotte

  • Frankreich zwischen Bauernprotesten, Umweltkonflikten und Wahlkampfmodus

    Frankreich zwischen Bauernprotesten, Umweltkonflikten und Wahlkampfmodus

    Frankreich erlebt Anfang Juni 2026 eine politische Verdichtung mehrerer grundlegender Konflikte. Während die Regierung ihre Landwirtschaftspolitik als Beitrag zur nationalen Souveränität verteidigt, warnen Umweltverbände vor einem Rückbau ökologischer Standards. Gleichzeitig beginnt der Vorwahlkampf für die Präsidentschaftswahl 2027 sichtbar Fahrt aufzunehmen. Hinzu kommen außenpolitische Spannungen mit Russland sowie mehrere aufsehenerregende Kriminal- und Unfallfälle, die das öffentliche Interesse prägen.

    Das Agrargesetz wird zur Grundsatzfrage

    Im Mittelpunkt der innenpolitischen Debatte steht das sogenannte Agrar-Notstandsgesetz, das von der Nationalversammlung in erster Lesung verabschiedet wurde. Die Regierung begründet die Reform mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Landwirtschaft zu stärken und bürokratische Hürden abzubauen.

    Zu den umstrittensten Punkten gehören vereinfachte Genehmigungsverfahren für landwirtschaftliche Projekte, Änderungen beim Umgang mit Wolfsbeständen sowie Erleichterungen für bestimmte Produktionsformen. Befürworter sehen darin eine notwendige Reaktion auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten vieler Betriebe. Kritiker hingegen sprechen von einem deutlichen Rückschritt beim Natur- und Artenschutz.

    Die Debatte berührt damit einen Kernkonflikt der französischen Politik: Wie lässt sich die Versorgungssicherheit des Landes gewährleisten, ohne die langfristigen Umweltziele zu gefährden? Der Streit reicht inzwischen weit über die Landwirtschaft hinaus und wird zunehmend als Symbol für den Gegensatz zwischen ökologischer Transformation und wirtschaftlicher Realität verstanden.

    Die Präsidentschaftswahl 2027 wirft ihre Schatten voraus

    Obwohl die nächste Präsidentschaftswahl noch fast ein Jahr entfernt ist, positionieren sich potenzielle Kandidaten bereits deutlich.

    Besondere Aufmerksamkeit erhält derzeit der Rassemblement National. Die Partei arbeitet an einem eigenen System auf Basis künstlicher Intelligenz, das Funktionäre und Kandidaten bei Argumentationen, Programmanalysen und Wahlkampfstrategien unterstützen soll. Beobachter sehen darin einen weiteren Schritt zur Professionalisierung politischer Kommunikation.

    Auch andere politische Schwergewichte bringen sich in Stellung. Der frühere Premierminister Édouard Philippe fordert eine Überarbeitung der Umweltcharta, um der Landwirtschaft größere Handlungsspielräume einzuräumen. Damit greift er ein Thema auf, das in ländlichen Regionen zunehmend Resonanz findet.

    In den politischen Redaktionen zeichnet sich bereits ein mögliches Themenspektrum für 2027 ab: Kaufkraft, Migration, Sicherheit, Landwirtschaft, Energieversorgung und der Umgang mit künstlicher Intelligenz dürften zu den entscheidenden Wahlkampffeldern gehören.

    Paris verschärft den Kurs gegenüber Moskau

    Außenpolitisch sorgt die französische Intervention gegen einen russischen Öltanker für Diskussionen. Das Schiff, das nach französischer Darstellung Teil der sogenannten russischen Schattenflotte sein soll, wurde im Atlantik kontrolliert. Die Behörden werfen dem Kapitän Verstöße gegen internationale Vorschriften vor.

    Der Vorfall wird von vielen Beobachtern als Zeichen einer härteren französischen Haltung gegenüber den Umgehungsstrategien westlicher Sanktionen interpretiert. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine versuchen europäische Staaten verstärkt, verdeckte Handelsstrukturen im Energiegeschäft aufzudecken.

    Während Paris sein Vorgehen als rechtmäßige Durchsetzung internationaler Regeln darstellt, kritisiert Moskau die Maßnahme scharf. Der Fall verdeutlicht, dass der Konflikt zwischen Russland und Europa längst auch auf wirtschaftlicher und maritimer Ebene ausgetragen wird.

    Cadmium wird zum politischen Streitthema

    Parallel zum Agrargesetz beschäftigt ein weiteres Umweltthema die französische Öffentlichkeit: die Belastung von Düngemitteln mit Cadmium.

    Das Schwermetall steht seit Jahren im Verdacht, gesundheitliche Risiken zu erhöhen und langfristig Böden zu belasten. Nun wird in der Nationalversammlung über strengere Grenzwerte diskutiert.

    Die Auseinandersetzung folgt einem bekannten Muster. Umweltorganisationen und zahlreiche Wissenschaftler fordern schärfere Regeln, während Vertreter landwirtschaftlicher Interessen vor zusätzlichen Belastungen für die Betriebe warnen. Der Konflikt zeigt erneut, wie eng Umweltpolitik und Agrarpolitik miteinander verknüpft sind.

    Bemerkenswert ist, dass die Cadmium-Debatte mittlerweile weit über Fachkreise hinaus Aufmerksamkeit erhält. Mehrere nationale Medien behandeln das Thema inzwischen als Symbolfrage für den zukünftigen Kurs der französischen Umweltpolitik.

    Neue Entwicklungen in alten Kriminalfällen

    Große Aufmerksamkeit widmen die Medien auch mehreren Ermittlungsverfahren.

    Besonders verfolgt wird die Wiederaufnahme des Falles des Biologen Didier Seignole, der 1994 spurlos verschwand. Nach Jahrzehnten ohne entscheidende Fortschritte haben die Ermittler nun mehrere Personen in Gewahrsam genommen.

    Solche sogenannten „Cold Cases“ genießen in Frankreich traditionell hohe mediale Aufmerksamkeit. Sie verbinden kriminalistische Aufarbeitung mit der Hoffnung auf späte Gerechtigkeit für Angehörige und Betroffene.

    Daneben beschäftigen weitere Vermissten- und Missbrauchsfälle die Regional- und Boulevardpresse. Die intensive Berichterstattung zeigt, welchen Stellenwert Sicherheits- und Justizthemen weiterhin im öffentlichen Diskurs besitzen.

    Verkehrssicherheit erneut im Fokus

    Für Schlagzeilen sorgt außerdem eine schwere Massenkarambolage bei Antibes an der Côte d’Azur. Ein Lastwagen kollidierte mit zahlreichen Fahrzeugen, wodurch mehrere Dutzend Menschen verletzt wurden.

    Der Unfall hat die Debatte über die Verkehrssicherheit auf den stark frequentierten Verkehrsachsen Südfrankreichs neu entfacht. Gerade in den Sommermonaten steigen Verkehrsaufkommen und Unfallzahlen regelmäßig deutlich an. Kommunalpolitiker und Verkehrsexperten fordern deshalb seit Jahren zusätzliche Maßnahmen zur Entlastung und Absicherung besonders belasteter Streckenabschnitte.

    Frankreich erlebt derzeit eine politische Konstellation, in der zahlreiche Debatten auf denselben grundlegenden Zielkonflikt hinauslaufen. Ob Landwirtschaft, Umweltpolitik, Energieversorgung oder industrielle Wettbewerbsfähigkeit – immer häufiger stellt sich die Frage, wie wirtschaftliche Interessen mit ökologischen Vorgaben vereinbart werden können.

    Die Diskussionen um das Agrargesetz und die Cadmium-Grenzwerte zeigen exemplarisch, dass diese Spannung inzwischen das Zentrum der politischen Auseinandersetzung bildet. Zugleich deutet der frühe Wahlkampf für 2027 darauf hin, dass genau diese Themen die französische Politik noch über Monate hinweg prägen werden.

    Christine Macha

  • Frankreich setzt Zeichen gegen Russlands Schattenflotte

    Frankreich setzt Zeichen gegen Russlands Schattenflotte

    Die Festsetzung eines mutmaßlich zur russischen „Schattenflotte“ gehörenden Tankers entwickelt sich für die französischen Behörden zu einem Fall mit erheblicher politischer und juristischer Tragweite. Nachdem die französische Marine das Schiff Ende Mai auf hoher See westlich der Bretagne gestoppt hatte, befindet sich inzwischen der russische Kapitän des Tankers in Polizeigewahrsam. Die Staatsanwaltschaft von Brest wirft ihm vor, ohne gültige Flagge unterwegs gewesen zu sein und Anweisungen der französischen Behörden missachtet zu haben. Nach Angaben der Ermittler soll der Kapitän mehrfach die Aufforderung ignoriert haben, das Schiff kontrollieren zu lassen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm eine Freiheitsstrafe, eine hohe Geldbuße sowie die Einziehung des Schiffes. Der Tanker war von Murmansk im Nordwesten Russlands ausgelaufen und auf dem Weg nach Kamerun. Französische Behörden waren auf Unregelmäßigkeiten bei der Registrierung des Schiffes aufmerksam geworden. Nach der Kontrolle…

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  • Frankreich verschärft den Druck auf Russlands Schattenflotte

    Frankreich verschärft den Druck auf Russlands Schattenflotte

    Mit der Festsetzung des Tankers Tagor im Atlantik hat Frankreich ein weiteres Signal im maritimen Sanktionskrieg gegen Russland gesetzt. Die Operation, die mehr als 740 Kilometer westlich der bretonischen Küste durchgeführt wurde, markiert einen weiteren Schritt in einer zunehmend offensiven europäischen Strategie gegen die sogenannte russische Schattenflotte. Was zunächst wie eine technische Kontrolle eines verdächtigen Schiffes erscheint, berührt in Wirklichkeit zentrale Fragen der internationalen Sicherheit, der Energiepolitik und der Durchsetzung westlicher Sanktionen gegen Moskau. Ein Tanker unter Verdacht Nach Angaben der französischen Behörden war der Tanker aus Murmansk im russischen Norden ausgelaufen. Die Marine hatte den Verdacht, dass das Schiff unter einer möglicherweise unrechtmäßigen Flagge unterwegs war. Solche Fälle gelten inzwischen als klassisches Merkmal jener Schiffsnetzwerke, die russische Öltransporte trotz internationaler Sanktionen ermöglichen sollen. Ein Inspe…

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  • Ein stilles Signal im Schatten der russischen „Schattenflotte“

    Ein stilles Signal im Schatten der russischen „Schattenflotte“

    Es sind diese Urteile, die kaum Schlagzeilen machen – und doch eine tektonische Verschiebung andeuten.

    Die Verurteilung eines Tanker-Kapitäns zu einem Jahr Haft wirkt auf den ersten Blick wie eine Randnotiz im großen geopolitischen Getriebe. Und dennoch entfaltet sie eine bemerkenswerte Sprengkraft. Denn im Hintergrund steht ein komplexes Geflecht aus wirtschaftlichen Interessen, juristischen Grauzonen und politischem Kalkül, das sich bislang erstaunlich robust gegenüber westlichen Sanktionen gezeigt hat.

    Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat Russland ein logistisches Paralleluniversum aufgebaut. Eine „Schattenflotte“, bestehend aus teils betagten Schiffen, häufig unter fremder Flagge registriert und in einem undurchsichtigen Geflecht aus Briefkastenfirmen organisiert, transportiert weiterhin Öl über die Weltmeere. Der Trick liegt im Detail – und in der Unsichtbarkeit. Mal werden Ortungssysteme abgeschaltet, mal Ladungen auf offener See umgepumpt, mal wechseln Eigentümer über Nacht auf dem Papier.

    Ein Katz-und-Maus-Spiel, das lange Zeit vor allem auf der Ebene von Unternehmen und Institutionen geführt wurde.

    Doch nun rückt plötzlich eine andere Figur ins Zentrum: der Kapitän.

    Ein Mann, der bislang als Garant für nautische Sicherheit galt, sieht sich nun mit einer erweiterten Verantwortung konfrontiert. Nicht nur das Schiff, nicht nur die Crew – auch die Rechtmäßigkeit der Fracht fällt in seinen Zuständigkeitsbereich. Das ist neu. Und, ehrlich gesagt, auch ziemlich heftig.

    Denn damit verschiebt sich die Grenze der Verantwortung von anonymen Strukturen hin zum Individuum. Wer künftig ein solches Schiff kommandiert, navigiert nicht mehr nur durch physische Gewässer, sondern auch durch juristische Untiefen. Und die können mindestens genauso gefährlich sein.

    Die unmittelbaren Folgen liegen auf der Hand. Schon heute gilt es als schwierig, erfahrene Besatzungen für diese riskanten Einsätze zu gewinnen. Schlechte Wartung, unklare Versicherungsverhältnisse, politischer Druck – das alles gehört zum Alltag dieser Schiffe. Kommt nun das Risiko persönlicher Strafverfolgung hinzu, dürfte sich die Zahl der Freiwilligen weiter verringern.

    Und das wiederum trifft das System an einer empfindlichen Stelle.

    Denn ohne qualifizierte Crews bleibt selbst die ausgeklügeltste Schattenlogistik ein Papiertiger.

    Gleichzeitig schwingt eine zweite, oft unterschätzte Dimension mit: der Umweltschutz.

    Viele dieser Tanker haben ihre besten Tage längst hinter sich. Technische Mängel, fehlende Kontrollen und mangelhafte Absicherung erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Unfällen erheblich. Ein Leck in der Ostsee oder im Mittelmeer – und die Folgen wären kaum zu beherrschen. In diesem Kontext erscheint die stärkere Einbindung der Kapitäne als eine Art indirekter Hebel, um Sicherheitsstandards durchzusetzen, wo klassische Regulierungsmechanismen versagen.

    Die westlichen Staaten haben ihre Strategie in den vergangenen Monaten ohnehin spürbar verschärft. Häfen kontrollieren genauer, Meerengen geraten stärker in den Fokus, und auch der Austausch von Informationen zwischen Behörden hat an Intensität gewonnen.

    Doch die Realität bleibt widerspenstig.

    Die Schattenflotte ist flexibel, anpassungsfähig – und, wenn man so will, ein Spiegelbild der globalisierten Wirtschaft in ihrer inoffiziellen Variante. Jeder neue Eingriff erzeugt neue Umgehungsstrategien. Ein Spiel ohne klares Ende.

    Was sich jedoch verändert, ist die Tonlage.

    Mit der strafrechtlichen Verfolgung einzelner Akteure wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Es ist der Versuch, dort anzusetzen, wo Systeme greifbar werden: beim Menschen. Ob diese Strategie langfristig trägt, bleibt offen. Sicher ist nur, dass sie das Risiko neu verteilt.

    Und damit auch die Regeln des Spiels verschiebt.

    Die Weltmeere, einst Sinnbild für Freiheit und offenen Handel, entwickeln sich zunehmend zu einem Raum verdeckter Konflikte. Zwischen Recht und Umgehung, Kontrolle und Anpassung, Sichtbarkeit und Schatten verläuft eine neue Trennlinie.

    Leise, aber unübersehbar.

    Von Andreas M. Brucker

  • Wenn die Schattenflotte ins Visier gerät – Frankreichs Marine setzt Zeichen gegen Sanktionsumgehung auf hoher See

    Wenn die Schattenflotte ins Visier gerät – Frankreichs Marine setzt Zeichen gegen Sanktionsumgehung auf hoher See

    Am 22. Januar 2026 stoppte die französische Marine im westlichen Mittelmeer den russischen Öltanker GRINCH – ein deutliches Signal im globalen Kampf gegen die Umgehung internationaler Sanktionen. Die Operation, die laut Präsident Emmanuel Macron mit Unterstützung mehrerer europäischer Partner stattfand, steht exemplarisch für eine verschärfte europäische Gangart gegenüber dem maritimen Sanktionsbruch durch russische Akteure. Frankreich positioniert sich damit als Vorreiter bei der maritimen Durchsetzung völkerrechtlicher Normen in einem zunehmend umkämpften geopolitischen Umfeld. Ein russischer Tanker unter falscher Flagge Der GRINCH, ein Tanker unter verdächtiger Flagge der Komoren, war auf dem Weg von Murmansk ins westliche Mittelmeer, als er zwischen Spanien und Marokko von französischen Marinekräften aufgebracht wurde. Der Verdacht: Verstoß gegen die seit 2022 geltenden Sanktionen gegen russische Energieexporte, insbesondere Öl. Laut Pariser Angaben bestand der konkrete Anfangsverd…

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  • Putin gegen den Westen – Drohnen, Geistertanker und Drohungen: ein hybrides Kräftemessen verschärft sich

    Putin gegen den Westen – Drohnen, Geistertanker und Drohungen: ein hybrides Kräftemessen verschärft sich

    Mit zunehmender Regelmässigkeit kommt es zu Vorfällen, die auf eine neue Eskalationsstufe im Verhältnis zwischen Russland und dem Westen hindeuten. Unidentifizierte Drohnen verletzen den Luftraum von NATO-Staaten, verdächtige Öltanker werden in europäischen Hoheitsgewässern festgesetzt, aus Moskau kommen scharfe Töne. Die Grenze zwischen klassischer Abschreckung und hybrider Kriegsführung wird dabei immer durchlässiger.

    Drohnen als strategisches Nadelinstrument

    Besonders augenfällig sind derzeit die Drohnenüberflüge im osteuropäischen Luftraum. In Polen kam es im September zu einer Serie von Verletzungen des nationalen Luftraums durch nicht identifizierte Fluggeräte. Flughäfen wurden zeitweise geschlossen, das Frühwarnsystem der NATO aktiviert. Auch in Dänemark, Rumänien und dem Baltikum wurden zuletzt vermehrt Drohnen gesichtet – mit noch unklarem Ursprung, aber hoher politischer Signalwirkung.

    Diese Vorfälle lassen sich als kalkulierte Provokation deuten. Die Fluggeräte sind in der Regel unbewaffnet, ihre Herkunft schwer nachzuweisen. Sie ermöglichen Moskau, die Reaktionsfähigkeit des Westens zu testen, ohne formell gegen internationales Recht zu verstossen. Gleichzeitig verursachen sie operative Kosten, belasten die Luftverteidigungssysteme und schaffen ein Klima latenter Unsicherheit.

    Westliche Staaten reagieren zunehmend mit dem Aufbau von Abwehrkapazitäten – etwa in Form elektronischer Sperrzonen, mobiler Flugabwehr oder gemeinsamer Luftraumüberwachung. Vor allem aber wächst das Bewusstsein, dass die Drohne nicht nur ein taktisches Instrument ist, sondern ein Element strategischer Nadelstiche im Rahmen einer grösseren Auseinandersetzung.

    Die Geisterflotte: Wirtschaftskrieg auf hoher See

    Parallel dazu rückt eine weniger sichtbare, aber nicht minder bedeutende Front in den Fokus: der maritime Raum. Seit Beginn der westlichen Sanktionen gegen Russland hat sich ein Netzwerk aus sogenannten „Geistertankern“ etabliert – Frachtschiffe ohne klar erkennbare Zugehörigkeit, mit verschleierten Routen und ständig wechselnden Identitäten. Sie dienen ursprünglich dem Zweck, russisches Öl trotz Embargos auf den Weltmarkt zu bringen.

    Der jüngste Fall eines nahe der französischen Küste aufgebrachten Tankers hat die Aufmerksamkeit auf diese Schattenflotte gelenkt. Die französischen Behörden werfen dem Schiff Verstösse gegen das Seerecht vor, Kapitän und Steuermann wurden vorübergehend festgesetzt. In Paris wird der Vorfall als politisches Signal verstanden: Europa will nicht mehr nur sanktionieren, sondern aktiv unterbinden, dass Russland seine Einnahmen aus dem Energiesektor zur Finanzierung des Krieges nutzt.

    Für den Kreml steht dabei viel auf dem Spiel. Öl- und Gaseinnahmen machen einen erheblichen Teil des russischen Staatshaushalts aus, insbesondere zur Finanzierung militärischer Operationen und sozialer Stabilität im Innern. Angriffe auf diese wirtschaftliche Lebensader gelten daher als besonders empfindlich – und entsprechend scharf fällt die Reaktion aus.

    Moskaus Eskalationsrhetorik

    Die russische Führung reagierte prompt. Präsident Wladimir Putin sprach von „Piraterie“ und kündigte eine „signifikante Antwort“ an. Der Westen, so die Argumentation des Kremls, betreibe eine systematische Eskalation, mit dem Ziel, Russland in eine offene Konfrontation zu treiben. Das rhetorische Muster ist dabei bekannt: Jede Handlung des Gegners wird als Aggression umgedeutet, die eine eigene Reaktion rechtfertigt – notfalls auch militärisch.

    Diese Haltung folgt der Logik hybrider Kriegsführung: Es geht nicht um formale Kriegserklärungen, sondern um das bewusste Bespielen der Grauzonen zwischen Frieden und Konflikt. Indem Moskau die Schwelle zum offenen Krieg bewusst meidet, aber zugleich den Druck stetig erhöht, zwingt es den Westen zu einer schwierigen Gratwanderung – zwischen Reaktion und Zurückhaltung, zwischen Abschreckung und Eskalationsvermeidung.

    Europas heikler Balanceakt

    Für die Europäische Union stellt sich zunehmend die Frage, wie man glaubhaft auf diese Herausforderung reagieren kann, ohne selbst zum Brandbeschleuniger zu werden. Im Zentrum stehen dabei vier strategische Ansätze:

    Erstens der technische Ausbau der Luftverteidigung gegen Drohnen – durch elektronische Schutzsysteme, mobile Abfangwaffen und grenzüberschreitende Luftraumüberwachung. Zweitens eine intensivere maritime Kontrolle, insbesondere in Nord- und Ostsee, zur Ortung und Festsetzung verdächtiger Schiffe. Drittens eine juristisch und wirtschaftlich gezielte Verfolgung der Akteure hinter der Schattenflotte – inklusive Reedereien, Versicherern und Zwischenhändlern. Und viertens die militärische Koordination im Rahmen von NATO und EU, etwa durch gemeinsame Operationen zur Seeüberwachung und Bedrohungsabwehr.

    All diese Massnahmen bergen Risiken. Jede Festsetzung, jeder Zwischenfall könnte als überzogene Reaktion interpretiert und propagandistisch ausgeschlachtet werden. Eine Eskalation kann sich schnell verselbständigen – nicht durch einen grossen Angriff, sondern durch eine Kette von Zwischenfällen, bei denen die Grenze zwischen Verteidigung und Aggression zunehmend verwischt.


    Die Festsetzung des Tankers vor der französischen Küste ist Ausdruck eines Strategiewechsels. Der Westen beginnt, die wirtschaftlichen und technologischen Hebel gezielt einzusetzen, um Russlands Handlungsspielraum einzuengen. Dabei wird klar: Die Konfrontation verläuft längst nicht mehr nur entlang klassischer Fronten. Sie spielt sich im Luftraum, in internationalen Gewässern, im Cyberraum und im globalen Finanzsystem ab.

    Russland testet systematisch die Reaktionsfähigkeit des Westens – mit kalkulierter Ambivalenz und in der Hoffnung, dass Uneinigkeit oder Zögerlichkeit einen strategischen Vorteil bieten. Europas Aufgabe wird es sein, dem eine Form der Resilienz entgegenzusetzen, die nicht auf Überreaktion, sondern auf strategische Klarheit und konsequente Umsetzung gemeinsamer Regeln setzt.

    Autor: P. Tiko

  • Das rätselhafte Spiel der „Pushpa“: Russlands Geistertanker vor der französischen Küste

    Das rätselhafte Spiel der „Pushpa“: Russlands Geistertanker vor der französischen Küste

    Ein Tanker, der nicht fahren will. Ein Kapitän, der lieber Kreise dreht als Kurs nimmt. Und ein ganzes Land, das sich fragt: Was hat es mit der „Pushpa“ auf sich, diesem Schiff aus der russischen „Schattenflotte“, das seit Tagen vor Saint-Nazaire auf der Stelle tritt? Seit Sonntag, dem 28. September, dümpelt der 244 Meter lange Öltanker knapp außerhalb der französischen Hoheitsgewässer, so, als wolle er die Grenze kitzeln, aber nicht überschreiten. Mal Anker werfen, mal die Motoren wieder anwerfen, dann ein paar Runden drehen – das ist der Rhythmus der Pushpa, beobachtet von Marine, Justiz und Politik gleichermaßen. Ein Tanker ohne Ziel Offiziell ist die Pushpa auf dem Weg nach Vadinar in Indien, wo sie am 20. Oktober erwartet wird. Doch seit der Abfahrt aus Primorsk, im Westen Russlands, scheint der Kapitän nicht allzu viel Eile zu haben. Stattdessen kreist er nun seit Tagen im Atlantik, knapp vor der Loire-Mündung. Und das sorgt für Verwunderung – nicht nur wegen der Kosten. Denn jed…

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