Schlagwort: Saudi-Arabien

  • Bab el-Mandeb: Wenn eine schmale Meerenge den Ölpreis diktiert

    Bab el-Mandeb: Wenn eine schmale Meerenge den Ölpreis diktiert

    Die Weltwirtschaft hängt an einigen wenigen Meerengen. Bab el-Mandeb gehört zu den gefährlichsten unter ihnen. Die nur wenige Dutzend Kilometer breite Passage zwischen Jemen und dem Horn von Afrika verbindet den Indischen Ozean über das Rote Meer mit dem Suezkanal – und damit die Förderregionen des Nahen Ostens mit Europa. Eine vollständige Blockade wäre deshalb weit mehr als ein regionales Sicherheitsproblem. Sie würde einen bereits angespannten Ölmarkt an einer seiner empfindlichsten Stellen treffen.

    Diese Gefahr ist im September 2026 besonders relevant. Der Brent-Preis notiert wieder deutlich über 100 Dollar je Barrel, während der Verkehr durch die Strasse von Hormus infolge des Konflikts mit Iran stark eingeschränkt ist. Saudi-Arabien hat deshalb seine Ausfuhren über den Rotmeerhafen Yanbu verstärkt. Ausgerechnet Bab el-Mandeb gewinnt damit als alternative Route zusätzlich an strategischem Gewicht. Fiele auch diese Passage aus, wären zwei zentrale Verkehrsadern des internationalen Ölhandels gleichzeitig beeinträchtigt.

    Der Ölmarkt braucht keine tatsächliche Knappheit

    Die Bedeutung von Bab el-Mandeb lässt sich zunächst in Zahlen ausdrücken. Nach Daten der amerikanischen Energy Information Administration passierten 2023 rund 9,3 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte pro Tag die Meerenge. Wegen der Angriffe auf die Schifffahrt sank die Menge 2024 drastisch. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Durchfluss jedoch wieder rund 8,1 Millionen Barrel täglich.

    Damit nähert sich die Route erneut ihrer früheren Bedeutung. Zum Vergleich: Die weltweite Ölversorgung liegt bei ungefähr 100 Millionen Barrel täglich. Bab el-Mandeb ist also kein marginaler Transportweg.

    Allerdings wäre es falsch, eine Sperrung automatisch mit dem Ausfall von acht Millionen Barrel Produktion gleichzusetzen. Das Öl verschwindet nicht. Tanker können Afrika über das Kap der Guten Hoffnung umrunden. Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zur Strasse von Hormus: Bab el-Mandeb ist geografisch umfahrbar.

    Doch Umfahrbarkeit bedeutet nicht Folgenlosigkeit.

    Der Umweg verlängert Reisen zwischen dem Persischen Golf beziehungsweise dem Roten Meer und Europa erheblich. Je nach Ausgangs- und Zielhafen können zusätzliche ein bis zwei Wochen entstehen. Tanker sind länger gebunden, Treibstoffverbrauch und Charterkosten steigen, und dieselbe Flotte kann innerhalb eines Jahres weniger Ladungen transportieren.

    Der entscheidende Engpass wäre deshalb zunächst nicht das Öl selbst, sondern die Transportkapazität.

    Der Risikoaufschlag kommt vor der Knappheit

    Ölmärkte reagieren nicht erst auf leere Tanks. Sie reagieren auf Wahrscheinlichkeiten.

    Schon die glaubhafte Gefahr einer längerfristigen Sperrung würde Händler dazu veranlassen, einen geopolitischen Risikoaufschlag einzupreisen. Reedereien müssten entscheiden, ob sie ihre Schiffe durch ein Gebiet schicken, in dem Drohnen, Raketen oder Minen drohen. Versicherer würden ihre Prämien erhöhen oder bestimmte Risiken überhaupt nicht mehr decken. Charterraten könnten steigen.

    Diese Mechanismen erklären, weshalb Ölpreise auch dann kräftig zulegen können, wenn die globale Förderung zunächst unverändert bleibt.

    Der Markt kauft gewissermassen Zeit und Sicherheit. Je unsicherer beides wird, desto teurer wird das Barrel.

    Der gegenwärtige Kontext verschärft diesen Mechanismus. Anfang September bewegten sich durch Bab el-Mandeb weiterhin zahlreiche Frachter und Tanker, während der Verkehr durch Hormus erheblich eingeschränkt war. Saudi-Arabiens Rotmeerhafen Yanbu fungiert gerade deshalb als strategisches Ausweichventil. Wird dieses Ventil gefährdet, verändert sich die Risikorechnung des gesamten Marktes.

    Die Lehre aus der Suez-Krise

    Dass eine blockierte Wasserstrasse enorme wirtschaftliche Folgen haben kann, zeigte zuletzt die Havarie der «Ever Given» im März 2021. Das Containerschiff blockierte den Suezkanal sechs Tage lang. Hunderte Schiffe stauten sich, Lieferketten wurden verzögert.

    Eine militärisch verursachte Sperrung von Bab el-Mandeb wäre allerdings von anderer Qualität. Bei der «Ever Given» war klar, dass Ingenieure an einer technischen Lösung arbeiteten. Bei einem bewaffneten Konflikt existiert kein vergleichbarer Zeitplan.

    Gerade die Unsicherheit über die Dauer macht geopolitische Blockaden gefährlich.

    Auch die Ölgeschichte zeigt, dass Erwartungen eine zentrale Rolle spielen. Während der Ölkrise von 1973 vervielfachte sich der Ölpreis innerhalb weniger Monate. Im Sommer 1990 sorgte die irakische Invasion Kuwaits für einen raschen Preissprung. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stieg Brent 2022 zeitweise auf deutlich über 120 Dollar.

    Heute ist die Ausgangslage eine andere. Die Weltwirtschaft verbraucht Öl effizienter, Lieferquellen sind breiter diversifiziert, und strategische Reserven bilden einen erheblichen Puffer. Doch die Geografie lässt sich nicht diversifizieren. Tanker müssen durch Meerengen fahren oder lange Umwege nehmen.

    Strategische Reserven kaufen Zeit

    Ein kurzfristiger Ausfall von Bab el-Mandeb wäre deshalb beherrschbar. Die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur sind grundsätzlich verpflichtet, Vorräte im Umfang von mindestens 90 Tagen ihrer Nettoimporte vorzuhalten. Diese Reserven existieren genau für schwere Versorgungsstörungen.

    Wie mächtig dieses Instrument sein kann, zeigte sich erneut 2026. Im März beschlossen die 32 IEA-Mitgliedstaaten angesichts der Verwerfungen im Nahen Osten die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus ihren Notfallreserven – die grösste koordinierte Aktion in der Geschichte der Organisation.

    Strategische Reserven können Panik verhindern und kurzfristige Lieferausfälle überbrücken. Sie können aber keine dauerhaft gestörte Transportarchitektur ersetzen.

    Eine Blockade von wenigen Tagen wäre deshalb etwas grundlegend anderes als eine Sperrung über Wochen oder Monate. Mit zunehmender Dauer würden Umwege zur neuen Normalität, verfügbare Tankerkapazitäten knapper und Transportkosten strukturell höher.

    Die 100-Dollar-Marke ist bereits keine Theorie mehr

    Noch vor einiger Zeit wurde bei Szenarien einer Sperrung von Bab el-Mandeb häufig darüber diskutiert, ob Brent wieder 100 Dollar je Barrel erreichen könnte. Diese Schwelle hat inzwischen ihren hypothetischen Charakter verloren. Am 11. September lag Brent bei mehr als 105 Dollar, nachdem die Preise innerhalb einer Woche um annähernd 13 Prozent gestiegen waren.

    Damit verschiebt sich die entscheidende Frage: Nicht mehr die Rückkehr zu 100 Dollar wäre das Extremszenario, sondern ein weiterer Sprung in Richtung der Höchststände des Jahres.

    Ob dies geschieht, hängt von mehreren Faktoren gleichzeitig ab: von der Dauer möglicher Störungen im Roten Meer, vom Verkehr durch Hormus, von der Förderpolitik der Opec-Staaten, von der Nachfrage Chinas und nicht zuletzt davon, ob zusätzliche Angriffe Ölterminals, Raffinerien oder Pipelines treffen.

    Gerade diese Gleichzeitigkeit macht die Lage ungewöhnlich.

    Normalerweise funktioniert eine alternative Route als Versicherung gegen den Ausfall einer anderen. Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline und der Hafen Yanbu beispielsweise sollen Exporte ermöglichen, ohne die Strasse von Hormus passieren zu müssen. Doch Öl, das in Yanbu verladen wird und Richtung Asien fährt, muss anschliessend durch Bab el-Mandeb. Wird auch diese Passage unsicher, verliert die Diversifikation einen Teil ihres Wertes.

    Europa wäre besonders exponiert

    Für Europa besitzt die Meerenge noch eine zusätzliche Bedeutung. Der Suezkanal bildet die kürzeste maritime Verbindung zu den Energiemärkten des Nahen Ostens und Asiens. Eine Sperrung am südlichen Eingang des Roten Meeres würde diese geografische Nähe faktisch aufheben.

    Die unmittelbare Konsequenz wären höhere Frachtraten. Danach könnten steigende Kosten für Diesel, Kerosin und petrochemische Produkte folgen. Schließlich würde ein länger anhaltender Ölpreisschock über Transport- und Produktionskosten erneut auf die Inflation durchschlagen.

    Damit würde aus einer militärischen Krise im Jemen rasch ein Problem für europäische Zentralbanken.

    Das ist die eigentliche Bedeutung des Satzes, eine Blockade von Bab el-Mandeb wäre «sehr problematisch». Die Formulierung klingt beinahe untertrieben. Nicht weil eine Sperrung zwangsläufig eine globale Ölknappheit auslösen müsste. Sondern weil sie in einer ohnehin fragilen Situation einen weiteren Puffer des internationalen Energiesystems beseitigen würde.

    Bab el-Mandeb bedeutet auf Arabisch das «Tor der Tränen». Die Bezeichnung ist alt, ihre geopolitische Aktualität dagegen bemerkenswert modern. Die Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts verfügt über Satelliten, algorithmischen Handel und hochentwickelte Logistiksysteme. Doch ein beträchtlicher Teil ihres Energiehandels bleibt von einigen schmalen Wasserstrassen abhängig.

    Die wichtigste Variable ist deshalb nicht allein, wie viele Barrel durch Bab el-Mandeb fahren. Entscheidend ist, wie viele Alternativen noch übrig bleiben, wenn diese Barrel dort nicht mehr fahren können. Solange Hormus eingeschränkt und das Rote Meer unsicher ist, wird jede zusätzliche Störung überproportional teuer. Genau deshalb könnte aus einer Krise an einer kleinen Meerenge sehr schnell ein globaler Preisschock werden.

    Andreas M. Brucker

  • Acht Jahre Haft nach der Pilgerreise: Der Fall Amr Abdelfattah belastet Frankreichs Verhältnis zu Saudi-Arabien

    Acht Jahre Haft nach der Pilgerreise: Der Fall Amr Abdelfattah belastet Frankreichs Verhältnis zu Saudi-Arabien

    Die Inhaftierung des französisch-ägyptischen Forschers Amr Abdelfattah entwickelt sich in Frankreich zu einem politisch und diplomatisch heiklen Fall. Der 41-jährige Telekommunikationsingenieur und Forscher, der seit 2009 in Frankreich lebt und Vater von drei Kindern ist, sitzt seit mehr als zwei Jahren in Saudi-Arabien in Haft. Ende August wurde bekannt, dass ein saudisches Gericht ihn nach übereinstimmenden Medienberichten zu acht Jahren Gefängnis verurteilt haben soll.

    Von einer Pilgerreise ins Hochsicherheitsgefängnis

    Abdelfattah war im Juni 2024 gemeinsam mit seiner Frau zur Hadsch nach Mekka gereist. Nach Recherchen von «Le Monde» verfügte das Paar aufgrund eines mutmasslichen Betrugs durch einen Vermittler nicht über die erforderliche Genehmigung für den Zugang zu den heiligen Stätten. Am 16. Juni wurde Abdelfattah nach einer Polizeikontrolle festgenommen und kurz darauf in das Zentralgefängnis Dhahban bei Dschidda gebracht.

    Was zunächst wie ein Vergehen gegen die saudischen Pilgervorschriften erschien, entwickelte sich zu einem wesentlich schwerwiegenderen Verfahren. Ihm wurden unter anderem respektloses Verhalten gegenüber einem Polizisten sowie regierungskritische Äusserungen vorgeworfen. Später kamen Anschuldigungen hinzu, die unter die saudische Antiterrorgesetzgebung fallen. Abdelfattah weist die Vorwürfe zurück.

    Das Verfahren fand vor dem auf Staatsschutz- und Terrorismusfälle spezialisierten Strafgericht statt. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass Abdelfattah zeitweise keinen ausreichenden Zugang zu einem Rechtsbeistand gehabt habe. Auch französische Konsularvertreter sollen von Gerichtsverhandlungen ausgeschlossen worden sein.

    Schwere Vorwürfe aus dem Gefängnis

    Besonders brisant sind die Berichte über seine Haftbedingungen. Abdelfattah beschreibt seine Situation als «totale Hölle». Nach Angaben seiner Familie, seiner Anwältin und von Menschenrechtsorganisationen soll er wiederholt geschlagen, isoliert und psychisch unter Druck gesetzt worden sein.

    Amnesty International berichtet unter anderem von einem Vorfall im Dezember 2024, bei dem Abdelfattah nach Schlägen das Bewusstsein verloren habe und in ein Krankenhaus gebracht worden sei. «Le Monde» berichtete zudem, französische Konsularvertreter hätten bei Besuchen Spuren von Misshandlungen wahrgenommen. Eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe liegt bislang nicht vor.

    Der Fall berührt damit einen neuralgischen Punkt der französisch-saudischen Beziehungen. Paris unterhält enge wirtschaftliche, strategische und sicherheitspolitische Beziehungen zu Riad, muss zugleich aber den Schutz eines französischen Staatsbürgers einfordern. Für die französische Diplomatie entsteht daraus ein klassisches Dilemma: Menschenrechte und konsularischer Schutz treffen auf erhebliche geopolitische Interessen.

    Der Fall Abdelfattah reicht deshalb über das Schicksal eines einzelnen Gefangenen hinaus. Er wirft erneut die Frage auf, wie belastbar rechtsstaatliche Garantien in Saudi-Arabien sind – und welchen politischen Preis europäische Regierungen bereit sind zu zahlen, wenn eigene Staatsbürger betroffen sind.

    Daniel Ivers

  • Trump und Xi: Diplomatie und Spannungen im Fokus

    Trump und Xi: Diplomatie und Spannungen im Fokus

    Unstete Diplomatie in Peking

    Washington und Peking stehen erneut im Zentrum der internationalen Politik. Beim Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zeigte sich einmal mehr das widersprüchliche Verhältnis der beiden Großmächte: demonstrative Höflichkeit vor laufenden Kameras, zugleich aber tiefe strategische Differenzen hinter verschlossenen Türen. Die Gespräche in Peking machten deutlich, dass die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China weiterhin von gegenseitigem Misstrauen geprägt sind – trotz wirtschaftlicher Verflechtung und diplomatischer Bemühungen.

    Im Mittelpunkt der Unterredungen standen Handelsfragen. Die amerikanische Seite drängt seit Jahren auf einen Abbau des Handelsdefizits sowie auf bessere Bedingungen für US-Unternehmen auf dem chinesischen Markt. Peking signalisierte Bereitschaft, zusätzliche amerikanische Agrarprodukte und Flugzeuge zu kaufen. Solche Zusagen dienen Washington traditionell als sichtbarer Erfolg in bilateralen Verhandlungen. Dennoch bleiben die strukturellen Streitpunkte ungelöst. Dazu zählen insbesondere der Schutz geistigen Eigentums, staatliche Subventionen für chinesische Unternehmen und der erzwungene Technologietransfer, den westliche Firmen seit langem kritisieren.

    Gerade diese Fragen berühren den Kern des geopolitischen Wettbewerbs. Die Vereinigten Staaten betrachten Chinas technologischen Aufstieg zunehmend als strategische Herausforderung. Bereiche wie künstliche Intelligenz, Halbleiterproduktion und Telekommunikation sind längst nicht mehr nur wirtschaftliche Felder, sondern Teil einer umfassenden Machtkonkurrenz. Entsprechend verschärft Washington seine Exportkontrollen und versucht gleichzeitig, internationale Lieferketten unabhängiger von China zu machen.

    Noch sensibler ist die Taiwan-Frage. Xi Jinping machte während des Treffens unmissverständlich klar, dass Peking jede Unterstützung taiwanischer Unabhängigkeitsbestrebungen als direkte Provokation betrachtet. Für die chinesische Führung ist Taiwan keine außenpolitische Frage, sondern ein zentraler Bestandteil nationaler Souveränität. Die Vereinigten Staaten wiederum halten offiziell an der Ein-China-Politik fest, unterstützen Taiwan jedoch militärisch und politisch. Diese strategische Ambivalenz schafft ein dauerhaftes Spannungsfeld mit erheblichem Eskalationspotenzial.

    Die gegenwärtigen Konflikte stehen in einer langen historischen Tradition. Seit Richard Nixons Besuch in China im Jahr 1972 wechselten sich Phasen enger Kooperation und harter Konfrontation ab. Nach dem Ende des Kalten Krieges hofften viele westliche Regierungen, die wirtschaftliche Öffnung Chinas werde langfristig auch politische Liberalisierung fördern. Stattdessen entwickelte sich China unter Xi Jinping zu einem selbstbewussten autoritären Machtzentrum mit globalem Einflussanspruch.

    Gleichzeitig bleibt die gegenseitige Abhängigkeit enorm. China ist einer der wichtigsten Handelspartner der USA, während amerikanische Technologie und Finanzmärkte für die chinesische Wirtschaft weiterhin bedeutend sind. Gerade deshalb gleicht die Diplomatie zwischen beiden Staaten einem permanenten Balanceakt zwischen Kooperation und Rivalität.

    Die Begegnung in Peking zeigt vor allem eines: Trotz aller Spannungen können weder Washington noch Peking auf stabile Kommunikationskanäle verzichten. Zu groß sind die wirtschaftlichen Interessen, zu gefährlich wären Missverständnisse in sicherheitspolitischen Fragen. Doch ebenso offensichtlich ist, dass der grundlegende Konflikt zwischen beiden Mächten nicht verschwindet. Er dürfte die internationale Ordnung noch über Jahre prägen.


    Golfstaaten im Schattenkrieg gegen Iran – im Windschatten amerikanischer Militärschläge

    Die jüngsten militärischen Operationen der Vereinigten Staaten gegen iranische Ziele verändern die strategische Architektur des Mittleren Ostens grundlegend. Nach Angaben amerikanischer Sicherheitskreise sollen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate inzwischen selbst verdeckte Operationen auf iranischem Territorium unterstützen oder durchführen. Was lange als inoffizielle Sicherheitskooperation hinter den Kulissen galt, entwickelt sich zunehmend zu einer offenen regionalen Frontbildung gegen Teheran.

    Auslöser der neuen Dynamik sind die massiven amerikanischen Luft- und Seeschläge gegen iranische Militärinfrastruktur in den vergangenen Wochen. Die USA griffen wiederholt Ziele der Revolutionsgarden sowie iranische Marine- und Raketenstellungen an und intensivierten gleichzeitig ihre Präsenz im Persischen Golf. Washington begründet die Einsätze mit Angriffen iranisch unterstützter Milizen auf amerikanische Stützpunkte und internationale Schifffahrtsrouten. Besonders die Straße von Hormus ist erneut zu einem geopolitischen Brennpunkt geworden.

    Die Folgen dieser amerikanischen Militärstrategie reichen weit über die unmittelbaren Gefechte hinaus. In den Golfmonarchien wächst die Überzeugung, dass sich das regionale Machtgleichgewicht zugunsten einer härteren Eindämmung Irans verschiebt. Saudi-Arabien und die Emirate sehen offenbar die Gelegenheit, iranische Fähigkeiten zusätzlich zu schwächen, ohne selbst offiziell einen offenen Krieg erklären zu müssen.

    Dabei geht es nicht allein um militärische Abschreckung. Seit Jahren werfen Riad und Abu Dhabi dem Iran vor, über ein Netzwerk schiitischer Milizen Einflusszonen von Irak bis Jemen aufzubauen. Die Angriffe der Huthi-Rebellen auf saudische Energieanlagen hatten bereits 2019 gezeigt, wie verwundbar die Infrastruktur der Golfstaaten ist. Nun scheint die politische Schwelle für direkte Gegenmaßnahmen deutlich gesunken zu sein.

    Beobachter vermuten, dass die mutmaßlichen Geheimoperationen Cyberangriffe, Sabotageakte oder gezielte Aufklärungsmissionen umfassen könnten. Auch eine engere sicherheitspolitische Abstimmung mit Israel gilt inzwischen als wahrscheinlich. Die Annäherung zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten seit den Abraham-Abkommen hat im Hintergrund neue sicherheitspolitische Netzwerke entstehen lassen, deren Bedeutung nun sichtbar wird.

    Gleichzeitig steigt das Risiko einer unkontrollierbaren Eskalation. Iran verfügt trotz der amerikanischen Angriffe weiterhin über Raketen-, Drohnen- und Stellvertreterstrukturen in der gesamten Region. Teheran könnte versuchen, über verbündete Gruppen im Irak, im Libanon oder im Jemen zurückzuschlagen. Besonders die Energieversorgung und die internationalen Handelswege im Golf bleiben verwundbar.

    Der Konflikt entwickelt sich damit zunehmend von einem regionalen Machtkampf zu einer breiteren strategischen Konfrontation, in der lokale Akteure eigenständiger agieren als noch vor wenigen Jahren. Die amerikanischen Militärschläge haben nicht nur Irans Handlungsspielraum verändert, sondern auch die Bereitschaft seiner arabischen Rivalen, offensiver vorzugehen.


    Weitere Nachrichten:

    Grossbritannien: Wes Streeting tritt zurück und tritt gegen Starmer an.
    Cecilia Flores wird zur Stimme mexikanischer Mütter.
    Iran lässt chinesische Schiffe durch die Straße von Hormus.
    Nigel Farage erklärt 5 Millionen Pfund Geschenk als ‚Belohnung‘ für Brexit.
    – Über 100 Menschen bei Stürmen in Uttar Pradesh, Indien, getötet.
    Russland führt größten Drohnenangriff des Krieges in Kiev durch.
    US-Gericht ordnet Rückkehr einer zu Unrecht nach Kongo abgeschobenen kolumbianischen Frau an.
    Kuba meldet, es habe kein Öl mehr.
    – Glanz und Boykott beim Eurovision Song Contest.

    Christine Macha

  • Eskalation im Golf: Zerfallende Bündnisse und neue Konfliktlinien

    Eskalation im Golf: Zerfallende Bündnisse und neue Konfliktlinien

    Die jüngsten Spannungen zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten offenbaren eine Verschiebung der traditionellen Allianzen und Konfliktmuster im Nahen Osten und Afrika. Vor noch nicht allzu langer Zeit galten die beiden Golfländer als enge Verbündete der USA, insbesondere unter der ersten Präsidentschaft Donald Trumps, die mit energischer Diplomatie und gemeinsamen Interessen in Energie und Sicherheitspolitik die Beziehungen gefördert hatte. Doch neuerdings scheinen sich die diplomatischen Wege dieser beiden mächtigen Nationen zu trennen, wobei beide Seiten sich gegenseitig beschuldigen, Instabilität in der Region zu fördern.

    Die Gründe für den Bruch sind vielschichtig. Einerseits zeigen sich die VAE zunehmend bereit, eigene politische Wege zu gehen und strategische Partnerschaften mit anderen globalen Mächten zu suchen, während Saudi-Arabien unter Mohammed bin Salman seinen Einfluss durch aggressive Außenpolitik und die Förderung bestimmter Konfliktzonen wie Jemen und Libyen zu konsolidieren sucht. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die direkten Beziehungen zwischen den beiden Ländern, sondern auch auf die geopolitische Konstellation in einer Region, die ohnehin von politischer Fragilität und sektiererischer Gewalt geprägt ist.


    Neue Dynamiken in den ukrainisch-russischen Verhandlungen in den VAE

    Nach erneuten massiven Angriffen Moskaus auf ukrainisches Territorium haben die Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA unter der Schirmherrschaft der Vereinigten Arabischen Emirate wieder begonnen. In den Gesprächen bleibt die russische Regierung hart in ihren Forderungen, die von der ukrainischen Seite als inakzeptabel betrachtet werden. Diese Entwicklung wirft Fragen bezüglich der Effektivität internationaler Vermittlungsbemühungen in diesem lang anhaltenden Konflikt auf.

    Die Gespräche finden in einem Klima statt, in dem die Hoffnung auf eine baldige friedliche Lösung immer geringer wird. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Dynamiken innerhalb dieser Gespräche mit großer Aufmerksamkeit, da jede Entscheidung oder Übereinkunft weitreichende Folgen für die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur haben könnte. Die Verhandlungen in den VAE könnten nicht nur eine wesentliche Verschiebung in den Beziehungen zwischen den kämpfenden Parteien signalisieren, sondern auch den Weg für eine neue strategische Ausrichtung zahlreicher Länder im Umgang mit dem Konflikt ebnen.


    Weitere Nachrichten

    – Afghanistan: Hunger und Tod folgt auf Einstellung der US-Hilfen.
    – Südkorea: Überdenken der „Cram School“-Kultur und des Stresses bei Kindern.
    – Israel führt wieder tödliche Angriffe auf Gaza durch.
    – Frankreich: Untersuchung gegen Elons Musks X als Teil der Debatte über soziale Medienregulierung.
    – Griechenland: Tödlicher Zusammenstoß zwischen Migranten- und Patrouillenboot.
    – Russland: Komiker wegen Veteranenwitz zu Gefängnis verurteilt.
    – Nigeria: Angriff hinterlässt über 160 Tote.
    – USA und Iran: Treffen in Oman geplant.
    – Niederlande: Königin Máxima tritt dem Militär bei.
    – Libyen: Sohn von Muammar el-Qaddafi getötet.
    – USA: Sicherheitsvorkehrungen für die Olympischen Winterspiele 2026 umfassen ICE-Beamte.

    Von P. Tiko

  • „Business as usual?“ – Trumps Saudi-Strategie im Schatten des Interessenkonflikts

    „Business as usual?“ – Trumps Saudi-Strategie im Schatten des Interessenkonflikts

    Mit demonstrativer Nähe zum saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und milliardenschweren Investitionszusagen hat US-Präsident Donald Trump Mitte November ein starkes außenpolitisches Signal gesetzt. Doch während in Washington neue Rüstungs- und Wirtschaftsallianzen gefeiert werden, mehren sich die Stimmen, die eine problematische Vermischung von Amt und Privatinteressen befürchten. Im Zentrum der Kritik steht einmal mehr die Geschäftsstruktur der Trump-Familie – und die Frage, ob der Präsident sich tatsächlich aus unternehmerischen Aktivitäten herausgehalten hat.


    Ein Pakt mit Milliardenvolumen

    Der Staatsbesuch des saudischen Kronprinzen am 18. und 19. November wurde von Washingtoner Beobachtern bereits im Vorfeld als geopolitisch bedeutsam eingestuft. Tatsächlich nutzte Donald Trump die Bühne im Weißen Haus, um den Verbündeten am Golf als „major non-NATO ally“ hochzustufen – ein Status, der privilegierte militärische und wirtschaftliche Beziehungen ermöglicht. Zugleich kündigte die saudische Seite an, ihre Investitionen in die USA von derzeit rund 600 Milliarden auf fast eine Billion US-Dollar auszuweiten – eine Aufstockung, die als klares Bekenntnis zur Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten gewertet wurde.

    Ein zentraler Bestandteil der angekündigten Kooperationen sind US-Rüstungslieferungen, Infrastrukturprojekte sowie Digitalisierungsinitiativen, bei denen amerikanische Unternehmen eine führende Rolle übernehmen sollen. Es geht also nicht nur um symbolische Nähe, sondern um realwirtschaftliche Interessen in großem Maßstab – mit Auswirkungen auf Märkte, Arbeitsplätze und sicherheitspolitische Ausrichtungen.


    Die Trump-Organisation im Fokus

    Doch kaum war die Tinte unter den Absichtserklärungen trocken, wurden kritische Fragen laut. Denn laut Recherchen mehrerer US-Medien ist die Trump Organization – also das Konglomerat aus Hotels, Resorts und Immobilienprojekten der Präsidentenfamilie – in Saudi-Arabien weiterhin sehr aktiv. So existieren unter anderem Pläne für ein Luxus-Hotelprojekt in Jeddah, an dem Trump-nahestehende Unternehmen beteiligt sein sollen.

    Zwar beteuert der Präsident öffentlich, keine aktive Rolle mehr im operativen Geschäft zu spielen: „I have nothing to do with the family business. I have left“, erklärte er auf Nachfrage. Doch juristisch gesehen bleiben Eigentumsverhältnisse und wirtschaftliche Beteiligungen bestehen – eine Tatsache, die das Risiko struktureller Interessenkonflikte nährt. Laut einem Bericht des US-Wirtschaftsportals Barron’s bleibt Donald Trump direkter Profiteur von Erträgen aus seinen Unternehmungen, auch wenn er formell keine Entscheidungen trifft.

    Gerade außenpolitische Entscheidungen, die Investitionssicherheit, politische Stabilität oder Marktöffnung betreffen, könnten somit auch indirekt den Unternehmenswert steigern. Die Trennlinie zwischen öffentlichem Amt und privatem Vorteil erscheint zumindest unscharf – eine Grauzone, die demokratische Kontrollmechanismen herausfordert.


    Demokratische Standards auf dem Prüfstand

    In der amerikanischen Verfassung sind Interessenkonflikte zwar nicht explizit im Detail geregelt, doch die sogenannte „Emoluments Clause“ (Art. I, § 9, cl. 8) untersagt es Regierungsbeamten, ohne Zustimmung des Kongresses Geschenke oder Vorteile von ausländischen Staaten anzunehmen. Zwar argumentieren Trump-Anwälte seit Jahren, dass geschäftliche Gewinne aus Hotelübernachtungen oder Investitionen davon nicht erfasst seien – doch dieser juristische Streitpunkt bleibt umstritten.

    Darüber hinaus steht die moralisch-politische Dimension im Raum: Kann ein Präsident glaubwürdig außenpolitische Entscheidungen treffen, wenn sein Familienunternehmen gleichzeitig von Partnerländern wirtschaftlich profitiert? Und wie wirkt sich das auf das Vertrauen in die Integrität der Regierungsführung aus?

    In früheren Fällen – etwa bei Joe Biden oder Hillary Clinton – wurde stets betont, dass wirtschaftliche Beziehungen der Familie streng vom Amt getrennt seien. Im Fall Trump jedoch scheint die Durchlässigkeit größer zu sein. Und selbst wenn formell kein Gesetz verletzt wurde, bleibt die politische Wahrnehmung problematisch.


    Saudi-Arabien als strategischer Partner trotz Kritik

    Bemerkenswert ist auch die geopolitische Stoßrichtung der Annäherung: Trotz internationaler Kritik an der Menschenrechtslage, insbesondere nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi, verfolgt Trump eine Linie enger Kooperation. Dabei setzt er wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen klar über normative Prinzipien – eine Haltung, die bereits in seiner ersten Amtszeit prägend war.

    Diese „Realpolitik“ steht in scharfem Kontrast zu Positionierungen der Europäischen Union, die im Umgang mit Saudi-Arabien stärker auf Menschenrechtsdialog und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit setzt. Auch Frankreich, Deutschland oder die Niederlande sind zunehmend vorsichtig in ihren Wirtschaftsbeziehungen zum Königreich – wenngleich auch dort Ölinteressen und Rüstungsaufträge eine ambivalente Rolle spielen.

    Trumps Strategie steht exemplarisch für eine außenpolitische Neuorientierung, in der persönliche, wirtschaftliche und nationale Interessen zunehmend ineinanderfließen – eine Entwicklung, die nicht nur die US-Demokratie herausfordert, sondern auch das Verhältnis des Westens zu autoritären Staaten neu definiert.


    Auch wenn Donald Trump öffentlich jede Verbindung zwischen seinen politischen Entscheidungen und geschäftlichen Interessen bestreitet, bleibt die strukturelle Nähe problematisch. Der Fall zeigt exemplarisch, wie schwierig es sein kann, in einem System ohne verpflichtende Offenlegungspflichten und mit schwachen Kontrollinstanzen für Präsidenten wirtschaftliche Transparenz durchzusetzen.

    Die öffentliche Debatte in den USA steht damit erneut vor der Frage, wie institutionelle Unabhängigkeit und demokratische Integrität gesichert werden können – besonders in einem politischen Klima, in dem wirtschaftlicher Erfolg und politischer Einfluss immer enger miteinander verflochten erscheinen. Die Lehren daraus reichen über die Vereinigten Staaten hinaus und betreffen auch Europa, wo ähnliche Fragen nach Lobbyismus, Transparenz und politischer Verantwortung immer wieder auftauchen.

    Autor: P. Tiko

  • 23. September in der Geschichte – Wendepunkte zwischen Himmel, Macht und Kultur

    23. September in der Geschichte – Wendepunkte zwischen Himmel, Macht und Kultur

    Manche Tage wirken wie Knotenpunkte in der Zeit – der 23. September ist einer davon. Über Jahrhunderte hinweg haben sich an diesem Datum Ereignisse abgespielt, die nicht nur ihre Epoche geprägt, sondern auch Spuren bis in unsere Gegenwart hinterlassen haben.

    Mächte und Machtkämpfe 1122 endete mit d…

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  • Frankreich prescht vor – Wie Paris den Palästina-Konflikt neu auf die UN-Agenda setzt

    Frankreich prescht vor – Wie Paris den Palästina-Konflikt neu auf die UN-Agenda setzt

    Die von Frankreich und Saudi-Arabien gemeinsam ausgerichtete Nahost-Konferenz am 28. und 29. Juli 2025 in New York markiert einen diplomatischen Vorstoss von erheblichem Gewicht. Ihr erklärtes Ziel: Die seit Jahrzehnten ins Stocken geratene Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israel und Palästina neu zu beleben – mit konkreten Vorschlägen und internationaler Unterstützung. Im Zentrum steht dabei die angekündigte Anerkennung eines palästinensischen Staates durch Frankreich, die das geopolitische Gefüge im Nahen Osten nachhaltig verändern könnte. Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt massiver Spannungen: Die anhaltende israelische Offensive im Gazastreifen hat zu einer humanitären Katastrophe geführt, während der politische Prozess zwischen Israelis und Palästinensern vollständig zum Erliegen gekommen ist. Vor diesem Hintergrund versucht Paris, die internationale Aufmerksamkeit neu zu bündeln – mit politischen Ambitionen und diplomatischem Kalkül. Ein diplomatischer Fahrplan zur Wiederbelebun…

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  • 80 Tote bei israelischen Luftangriffen in Gaza – Der Albtraum nimmt kein Ende

    80 Tote bei israelischen Luftangriffen in Gaza – Der Albtraum nimmt kein Ende

    Es ist eine neue Stufe der Eskalation, die den Nahen Osten erschüttert: Bei schweren israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen sind am Mittwoch mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten befinden sich auch zahlreiche Kinder. Die Angriffe konzentrierten sich vor allem auf den Norden des Gebiets, insbesondere das Flüchtlingslager Jabaliya – ein Ort, der schon oft Leid gesehen hat, doch diesmal ist es besonders verheerend.

    Dort, zwischen zerbombten Häusern und rauchenden Trümmern, gruben Überlebende mit bloßen Händen nach Vermissten. 59 Menschen starben allein in dieser Region. Weitere vier kamen bei einem Angriff nahe Khan Younis im Süden ums Leben. Und während die Bomben fielen, standen die Menschen vor der Entscheidung: bleiben oder fliehen – obwohl es kaum sichere Orte gibt.

    Die humanitäre Lage: ein Desaster mit Ansage

    Die Zustände in Gaza sind katastrophal. Krankenhäuser arbeiten am Limit oder sind ganz außer Betrieb. Strom gibt es nur sporadisch, Trinkwasser ist ein Luxus geworden. Familien campieren unter freiem Himmel, in der Hoffnung, dass die nächste Nacht ruhig bleibt – obwohl sie wissen, dass das fast ausgeschlossen ist.

    Die israelische Armee hatte zuvor dazu aufgerufen, bestimmte Gebiete im Norden zu evakuieren. Viele Bewohner folgten dem Aufruf, andere blieben – aus Angst, aus Überzeugung oder schlicht, weil sie keine Möglichkeit zur Flucht hatten. Wer kann es ihnen verübeln?

    Netanjahu gegen Macron – Ein diplomatischer Schlagabtausch

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte die israelische Vorgehensweise öffentlich kritisiert – insbesondere die Blockade humanitärer Hilfe. Das ließ Israels Premierminister Benjamin Netanjahu nicht unbeantwortet. In ungewöhnlich scharfen Worten warf er Macron vor, die Propaganda einer Terrororganisation zu übernehmen. Solche verbalen Entgleisungen zeigen: Die diplomatischen Nerven liegen blank.

    Dabei geht es längst nicht mehr nur um militärische Operationen. Es geht um die Deutungshoheit, um Narrative, um internationale Unterstützung – und letztlich auch um den Druck, dem sich beide Seiten ausgesetzt fühlen.

    Yemen, Raketen und die nächste Front

    Nicht nur Gaza steht in Flammen. Auch im Jemen bahnt sich eine gefährliche Zuspitzung an. Die israelische Armee forderte kürzlich die Evakuierung dreier Seehäfen, die von den Huthi-Rebellen kontrolliert werden. Hintergrund war ein abgefangener Raketenangriff auf Israel – mutmaßlich abgefeuert von diesen Gruppen. Die Region wird zum Pulverfass, das jederzeit in weiteren Staaten explodieren könnte.

    Was bedeutet das für den weiteren Verlauf des Konflikts? Wird sich Israel auf einen Mehrfrontenkrieg einlassen müssen? Oder geht es hier vielmehr um symbolische Drohgebärden?

    Und dann ist da noch Trump

    Mitten in all diesem Chaos reiste der frühere US-Präsident Donald Trump durch den Nahen Osten – eine Tour, die viele überrascht. In Saudi-Arabien traf er den neuen syrischen Interimspräsidenten Ahmad al-Sharaa. Dort kündigte er an, die Sanktionen gegen Syrien aufheben zu wollen – unter der Bedingung, dass Syrien Israel anerkennt und sich von ausländischen Milizen distanziert.

    Ein Deal, der auf dem Papier gut klingt – in der Realität jedoch kaum sofort umsetzbar ist. Die Fronten sind verhärtet, das Misstrauen tief. Und dennoch: Der Versuch, Bewegung in den diplomatischen Stillstand zu bringen, ist zumindest ein Zeichen von Initiative.

    Ein Konflikt ohne Pause – Hoffnung in weiter Ferne

    Die Bomben hören nicht auf, das Leid nimmt kein Ende. Der Alltag in Gaza ist geprägt von Tod, Angst und Zerstörung. Menschen verlieren alles, was sie hatten – Familien, Häuser, Zukunft. Gleichzeitig bleibt der politische Wille für eine nachhaltige Lösung aus. Es gibt keinen klaren Weg aus dieser Krise, keine sichtbare Brücke zwischen den Fronten.

    Wie lange kann das so weitergehen? Wann endet dieser Albtraum für die Zivilbevölkerung? Und was muss eigentlich noch passieren, damit die Welt mehr tut als zuzuschauen?

    Die Fragen bleiben offen – wie so vieles in diesem zermürbenden Konflikt.

    Von Andreas M. Brucker

  • China reagiert auf US-Zölle mit Exportstopp

    China reagiert auf US-Zölle mit Exportstopp

    China hat den Export bestimmter Seltenerdmetalle und Magneten ausgesetzt, die für die weltweite Auto-, Halbleiter- und Luftfahrtindustrie von entscheidender Bedeutung sind. Dieser Schritt erfolgt als Vergeltung für die drastische Erhöhung der US-Zölle durch Präsident Trump.

    Die betroffenen Metalle sowie die speziellen daraus gefertigten Magnete dürfen nur noch mit einer speziellen Exportlizenz ausgeführt werden. Doch Peking hat erst damit begonnen, ein System zur Vergabe dieser Lizenzen aufzubauen. Branchenexperten warnen, dass die Versorgung mit diesen Rohstoffen und Produkten außerhalb Chinas knapp werden könnte.

    Der sich schnell zuspitzende Handelskrieg zwischen Trump und China bringt die Zukunft vieler globaler Unternehmen ins Wanken – ein Ende ist nicht in Sicht, berichten Ana Swanson und Ben Casselman.

    Die US-Regierung wartet unterdessen auf einen Anruf des chinesischen Staatschefs Xi Jinping, doch Peking scheint davor zurückzuschrecken, Xi in eine unvorhersehbare Lage mit dem US-Präsidenten zu bringen.

    Charmeoffensive: Heute wird Xi in Vietnam eintreffen – die erste Station seiner einwöchigen Reise, die ihn auch nach Malaysia und Kambodscha führen wird. Dort sollen rund 40 Abkommen unterzeichnet werden, darunter Vereinbarungen über chinesische Kredite für den Bau eines 8,3 Milliarden Dollar teuren Eisenbahnprojekts zwischen Nordvietnam und China.


    Russischer Angriff tötet mindestens 34 Menschen in der Ukraine

    Zwei russische ballistische Raketen trafen das Stadtzentrum von Sumy, wo sich Menschen zum Palmsonntag versammelt hatten. Mindestens 34 Personen – darunter zwei Kinder – sind gestern bei dem bislang tödlichsten Angriff auf Zivilisten in diesem Jahr gestorben.

    Videos zeigen die grausamen Folgen des Angriffs: verstümmelte Körper, brennende Fahrzeuge und Trümmer, begleitet von Sirenen und Schreien.

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, der Angriff beweise, dass Moskau kein ernsthaftes Interesse an einem Waffenstillstand habe – trotz der Vermittlungsbemühungen der Trump-Regierung. Kiew warnte zudem, dass Russland einen Vorstoß in die Region Sumy im Nordosten der Ukraine plane, um eine neue Front zu eröffnen.


    Saudi-Arabien und USA verhandeln über Nukleartechnologie

    Die Trump-Regierung hat Gespräche mit saudischen Beamten über ein Abkommen wieder aufgenommen, das Saudi-Arabien Zugang zu US-Nukleartechnologie verschaffen und möglicherweise die Urananreicherung ermöglichen würde.

    „Wir haben noch keine Details vereinbart, aber es sieht ganz danach aus, als gäbe es einen Weg“, sagte Energieminister Chris Wright gestern in Riad. Seit Jahren drängt Saudi-Arabien auf US-Hilfe beim Aufbau eines Atomenergieprogramms, um die Abhängigkeit vom Öl zu verringern und die Wirtschaft zu diversifizieren.

    Iran: Nach einem ersten Treffen einigten sich US- und iranische Vertreter darauf, die Gespräche über die Begrenzung von Teherans Atomprogramm fortzusetzen. Ein weiteres Treffen ist für Samstag geplant.


    WEITERE TOP-THEMEN

    • Gaza: Das israelische Militär griff ein Krankenhaus im Norden des Gazastreifens an – eines der letzten funktionierenden.
    • Hongkong: Die Demokratische Partei, einst größte Oppositionskraft, stimmte für ihre Auflösung – ein weiteres Opfer von Pekings Repression.
    • Sudan: Paramilitärs töteten das gesamte Personal – inklusive Chefarzt – der letzten Klinik in einem Lager in Darfur.
    • Ecuador: Präsident Daniel Noboa wurde deutlich wiedergewählt – ein Vertrauensbeweis für seine Anti-Drogen-Politik.
    • Technologie: Ein bedeutender Kartellrechtsprozess gegen Meta beginnt heute in Washington – mit möglichen Folgen für ganz Silicon Valley.
    • Afrika: Somaliland will mit Trump ein Abkommen aushandeln – im Gegenzug für internationale Anerkennung soll die USA einen Hafen und eine Landebahn pachten können.
    • USA: Außenminister Marco Rubio bestätigte, dass zehn weitere mutmassliche Bandenmitglieder nach El Salvador abgeschoben wurden – oft ohne rechtliche Grundlage.
    • Einwanderung: Die Trump-Regierung behauptet erneut, ein Richter könne sie nicht zwingen, einen unrechtmäßig Abgeschobenen zurückzuholen.
    • Gesundheit: Neue Forschung zu ADHS wirft Fragen zur Definition und Behandlung der Störung auf.