Schlagwort: Sarkozy

  • Politische Nähe in der Zelle: Was Darmanins Gefängnisbesuch bei Sarkozy offenbart

    Politische Nähe in der Zelle: Was Darmanins Gefängnisbesuch bei Sarkozy offenbart

    Am Abend des 29. Oktober 2025 ereignete sich in Paris ein ungewöhnlicher Besuch mit großer politischer Sprengkraft: Gérald Darmanin, Frankreichs amtierender Justizminister, traf in der Haftanstalt La Santé auf den ehemaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy – einen Mann, der einst sein politischer Mentor war. Offiziell begründet mit administrativer Fürsorge, wirft das Treffen Fragen zur Gewaltenteilung, zur Gleichheit vor dem Gesetz und zur politischen Kultur der Fünften Republik auf. Ein Präsident hinter Gittern Nicolas Sarkozy, Präsident Frankreichs von 2007 bis 2012, verbüßt seit dem 21. Oktober eine fünfjährige Haftstrafe in der traditionsreichen Pariser Gefängnisanstalt La Santé. Verurteilt wurde er am 25. September wegen „Bildung einer Vereinigung zur Begehung krimineller Handlungen“ im Kontext der mutmaßlich illegalen Finanzierung seines Präsidentschaftswahlkampfs 2007 durch das Regime des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Fünfte…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Blick in die Welt – Japans erste Premierministerin

    Blick in die Welt – Japans erste Premierministerin

    Das japanische Parlament wählte gestern Sanae Takaichi, eine konservative Hardlinerin, zur ersten Premierministerin des Landes.

    Takaichi, 64, lässt sich nur schwer einordnen. Sie äußerte sich besorgt über Japans Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten, betonte jedoch zugleich, sie wolle eng mit Donald Trump zusammenarbeiten. In der China-Politik vertritt sie eine scharf formulierte, sicherheitspolitisch harte Linie, relativierte die japanischen Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs und versprach, Einwanderung und Tourismus strenger zu regulieren. Viele Japaner:innen hoffen, Takaichi könne das Bild starker weiblicher Führungspersönlichkeiten normalisieren – obgleich sie selbst nicht als Feministin gilt.


    Kein Fortschritt in Richtung Waffenstillstand in der Ukraine

    Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte gestern, Trump plane „in absehbarer Zeit“ kein Treffen mit Wladimir Putin mehr, nachdem der Kreml unmissverständlich klargemacht habe, dass er derzeit keine Vereinbarung zur Beendigung des Ukrainekriegs anstrebe.

    Damit platzte das optimistische Bild, das Trump noch fünf Tage zuvor gezeichnet hatte, nachdem er mit Putin telefoniert und erklärt hatte, man werde sich bald in Budapest treffen.

    Am Tag nach dem Telefonat traf Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen – ein Gespräch, das ebenfalls ohne greifbare Ergebnisse blieb. Selenskyj teilte später europäischen Staats- und Regierungschefs mit, dass Trump ihn vergeblich gedrängt habe, Gebiete an Russland abzutreten, um den Krieg zu beenden. Europäische Spitzenpolitiker bekräftigten gestern ihre Unterstützung für einen sofortigen Waffenstillstand.


    Weitere Meldungen

    • Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy hat in einem Pariser Gefängnis eine fünfjährige Haftstrafe wegen Verstößen gegen das Wahlkampffinanzierungsgesetz angetreten.
    • Bei einem Besuch in Israel äußerte US-Vizepräsident JD Vance Zuversicht, dass die Waffenruhe im Gazastreifen Bestand haben werde.
    • Staatsanwälte in Ecuador entschieden, einen Mann, der einen US-Militärangriff in der Karibik in der vergangenen Woche überlebt hatte, nicht anzuklagen.
    • Laut der Pariser Staatsanwaltschaft wurden die aus dem Louvre gestohlenen Juwelen auf 88 Millionen Euro geschätzt.
    • Der 27-jährige amerikanische Pianist Eric Lu gewann den ersten Preis beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau.
    • Die USA und Australien wollen Chinas Dominanz auf dem Weltmarkt für seltene Erden schwächen.
    • Während der Handelskonflikt mit den USA eskaliert, präsentieren sich Chinas exportorientierte Fabriken selbstbewusst auf dem weltweit größten Großmarkt.
    • Der US-amerikanische Schachgroßmeister Daniel Naroditsky, der bereits mit 17 den Titel erlangte, ist im Alter von 29 Jahren gestorben.
  • Der Justizminister als Besucher: Warum Gérald Darmanin Nicolas Sarkozy im Gefängnis aufsuchen will

    Der Justizminister als Besucher: Warum Gérald Darmanin Nicolas Sarkozy im Gefängnis aufsuchen will

    Die Haft eines ehemaligen Präsidenten ist für die französische Republik ein Ausnahmefall. Der Besuch eines amtierenden Justizministers bei eben diesem Inhaftierten noch mehr. Gérald Darmanin, Frankreichs Justizministers (Garde des Sceaux), kündigte heute nun öffentlich an, Nicolas Sarkozy im Gefängnis zu besuchen. Diese Geste wirft Fragen auf – und sagt viel über die politische Kultur der Fünften Republik im Herbst 2025. Frankreich erlebt derzeit ein juristisches Novum: Erstmals muss ein ehemaliges Staatsoberhaupt wegen krimineller Verschwörung und illegaler Wahlkampffinanzierung tatsächlich eine Haftstrafe antreten. Das Pariser Strafgericht verurteilte Sarkozy am 25. September 2025 zu fünf Jahren Gefängnis – drei davon unbedingt –, weil seine Präsidentschaftskampagne 2007 unter anderem mit Mitteln aus Libyen finanziert worden sein soll. Trotz laufender Berufung wurde die sofortige Vollstreckung der Strafe angeordnet. Sarkozy wird voraussichtlich am Dienstag, 21. Oktober 2025, in der P…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Sarkozy hinter Gittern: Wie der Ex-Präsident ab dem 21. Oktober in der Haftanstalt Pariser La Santé leben muss

    Sarkozy hinter Gittern: Wie der Ex-Präsident ab dem 21. Oktober in der Haftanstalt Pariser La Santé leben muss

    Ein französischer Ex-Präsident im Gefängnis – das gab es noch nie. Und doch wird Nicolas Sarkozy ab dem 21. Oktober genau dort sein: in der traditionsreichen Pariser Haftanstalt „La Santé“. Fünf Jahre Haft, sofort vollstreckt, trotz Berufung. Die Justiz zeigt Härte. Doch was genau erwartet den 70-Jährigen hinter den Mauern dieser geschichtsträchtigen Einrichtung? Ein Blick auf das juristische Fundament, die möglichen Haftbedingungen – und die offenen Fragen, die über diesem historischen Fall schweben.

    Ein Urteil mit Signalwirkung Am 25. September 2025 verurteilte das Pariser Strafgericht Nicolas Sarkozy wegen „krimineller Vereinigung“ im Zusammenhang mit dem mutmaßlich illegalen libyschen Wahlkampffinanzierungssystem. Fünf Jahre Gefängnis, sofort vollstreckt. Trotz Berufung greift das Urteil unmittelbar – ein seltener Ausnahmefall in Frankreichs Justizgeschichte. Die Schwere der Tat lasse keine andere Wahl, so die Richter. Sarkozys Anwälte können noch auf eine vorläufige Haftverschonu…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • „Absolut inakzeptabel“ – Frankreichs Justizministerium stellt sich schützend vor die Richter

    „Absolut inakzeptabel“ – Frankreichs Justizministerium stellt sich schützend vor die Richter

    Ein Urteil erschüttert die Republik – und die Nachbeben sind heftig.Die Verurteilung von Nicolas Sarkozy wegen illegaler Wahlkampffinanzierung durch das libysche Regime Muammar al-Gaddafis hat nicht nur juristische, sondern auch politische Wellen ausgelöst. Fünf Jahre Haft, davon mehrere Jahre unbedingt – ein ehemaliger Präsident hinter Gittern. Historisch, beispiellos, schockierend. Doch noch gravierender ist, was danach kam: Drohungen gegen die Richterinnen und Richter, die diesen Prozess geführt haben. Einschüchterungen, persönliche Angriffe, sogar Morddrohungen. Das Justizministerium reagierte ohne Umschweife. Sprecher Sacha Straub-Kahn erklärte: „Wer Richter bedroht oder gar attackieren will, stellt sich gegen jedes Fundament der Demokratie.“ Deutlicher konnte man es kaum sagen.

    Ein politisches Erdbeben – und seine Schattenseiten Dass Sarkozy verurteilt wurde, sorgt ohnehin für Spaltung.Seine Anhänger wittern eine politische Justiz. Seine Gegner sehen Gerechtigkeit am Werk. Dazwi…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Editorial: Wenn der Rechtsstaat die Republik einholt – Frankreichs politische Klasse vor Gericht

    Editorial: Wenn der Rechtsstaat die Republik einholt – Frankreichs politische Klasse vor Gericht

    Noch bis vor wenigen Jahren galt es als nahezu ausgeschlossen, dass ein französischer Präsident oder Minister für finanzielle Verfehlungen ernsthaft juristisch belangt würde. Die Fünfte Republik, mit ihren präsidial geprägten Machtstrukturen und einem tief verwurzelten politischen Korporatismus, schien immun gegenüber dem Zugriff der Justiz. Zwar war der Begriff der „Affaire“ fest im politischen Vokabular Frankreichs verankert, doch strafrechtliche Konsequenzen blieben zumeist symbolisch oder wurden in juristischen Grauzonen versenkt. Inzwischen aber hat sich die Dynamik verschoben – still, aber unübersehbar. Spätestens mit der Verurteilung Nicolas Sarkozys zu fünf Jahren Haft, darunter eine mehrjährige Gefängnisstrafe ohne Bewährung, ist ein Damm gebrochen. Der einstige mächtige Mann, der einst im Élysée-Palast residierte, steht nun exemplarisch für den Bruch eines stillschweigenden Pakts zwischen Macht und Straffreiheit.

    Dass Jacques Chirac bereits 2011 wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, war damals ein Novum – aber eher ein später Akt politischer Abrechnung denn ein Präzedenzfall mit Folgen. Die Verurteilung Sarkozys hingegen, in einem hochkomplexen Verfahren um mutmaßliche libysche Wahlkampfhilfe, markiert eine Zäsur: Zum ersten Mal wurde ein Präsident der Fünften Republik für eine im Amt begangene Straftat zu einer Haftstrafe verurteilt, die auch vollstreckt werden soll. Dass dies nicht mehr als Skandal empfunden, sondern als späte Gerechtigkeit verstanden wird, zeugt von einem Wandel im gesellschaftlichen Bewusstsein.

    Die Liste politischer Persönlichkeiten, die in Frankreich wegen finanzieller Vergehen oder Amtsmissbrauchs verurteilt wurden, ist lang. Kaum ein Jahrzehnt seit den 1990er Jahren ist vergangen, ohne dass ein Minister, Staatssekretär oder anderer hoher Funktionär juristisch zur Rechenschaft gezogen wurde. Der ehemalige Haushaltsstaatssekretär Jérôme Cahuzac etwa wurde 2016 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, nachdem er jahrelang Auslandskonten verschleiert und seine Vermögensverhältnisse falsch angegeben hatte. Der Fall traf die damalige Regierung Hollande ins Mark, galt Cahuzac doch als Symbol für fiskalische Strenge und moralische Erneuerung. Ähnlich gelagerte Fälle wie jene von François Léotard, Alain Griset oder Claude Guéant zeigen, dass finanzielle Irregularitäten in politischen Spitzenämtern nicht die Ausnahme, sondern die Regel zu sein scheinen.

    Diese Verfahren folgen einem Muster, das tief in der politischen Kultur der Republik verwurzelt ist. Lange schützte das institutionelle Gefüge die Verantwortlichen vor juristischer Aufarbeitung. Die Immunität des Präsidenten, das spezielle Verfahren der Cour de justice de la République für Ministerdelikte oder schlicht die politische Kontrolle über Staatsanwaltschaften wirkten wie Schutzschilde gegen zu viel juristische Neugier. Hinzu kam eine politische Elite, die sich vielfach als Stand begreifen durfte – ausgestattet mit eigenen Regeln und einem impliziten Anspruch auf Straflosigkeit.

    Doch dieses Modell verliert an Legitimität. Die Einrichtung des Parquet national financier (PNF) im Jahr 2014, einer spezialisierten Finanzstaatsanwaltschaft mit eigenem Ermittlungsapparat, hat das Kräfteverhältnis zwischen Politik und Justiz nachhaltig verschoben. Inzwischen ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass Ermittlungen gegen aktive Minister oder ehemalige Präsidenten eingeleitet, durchgezogen und mit Urteilen abgeschlossen werden. Die Justiz hat ihre politische Zurückhaltung abgelegt – sie ist nicht mehr nur dekoratives Element der Republik, sondern operativ handlungsfähig.

    Und dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack. Viele der verhängten Strafen – selbst bei nachgewiesenem systematischem Fehlverhalten – wurden zur Bewährung ausgesetzt, durch elektronische Fußfesseln ersetzt oder in Symbolik aufgelöst. Die öffentliche Wahrnehmung oszilliert daher zwischen Genugtuung und Skepsis. Ist die Justiz tatsächlich unabhängig und konsequent – oder handelt es sich um ein kalkuliertes Maß an Strenge, das dem System nicht wirklich gefährlich wird? Die Grenzen zwischen Rechtsstaat und Inszenierung sind mitunter fließend.

    Was sich allerdings unbestreitbar geändert hat, ist die gesellschaftliche Erwartungslage. In einer Zeit wachsender populistischer Kritik an politischen Eliten, steigender sozialer Ungleichheit und sinkenden Vertrauens in Institutionen kann es sich ein demokratischer Staat nicht mehr leisten, eigene Regeln nur selektiv durchzusetzen. Die Strafverfolgung gegen ehemalige Präsidenten oder Minister ist längst mehr als ein juristischer Akt – sie ist eine Bewährungsprobe für die republikanische Idee selbst geworden.

    Frankreich, das sich so gerne als Wiege der Rechtsstaatlichkeit versteht, ringt mit seiner eigenen politischen Realität. Die Justiz hat begonnen, das Terrain zurückzuerobern, das sie jahrzehntelang der Politik überlassen musste. Ob dies zu einer langfristigen Kultur der Rechenschaft führt, ist offen. Sicher ist nur: Die Ära der automatischen Immunität ist vorbei. Und das ist gut so.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Sarkozy im Gefängnis – Deutschland schützt seine Ex-Kanzler

    Kommentar: Sarkozy im Gefängnis – Deutschland schützt seine Ex-Kanzler

    Frankreich hat Mut bewiesen: Nicolas Sarkozy, einst Präsident und Aushängeschild der „Grande Nation“, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ein Ex-Staatschef, der für seine dunklen Wahlkampfkassen nun tatsächlich ins Gefängnis gehen soll. Das ist ein Paukenschlag – und ein Signal an alle, dass niemand über dem Gesetz steht.

    Und Deutschland? Hierzulande wurden und werden Ex-Kanzler und Spitzenpolitiker geschont, egal, was sie getan haben.


    Helmut Kohl – die Schwarzgeld-Ikone

    Helmut Kohl, der „Kanzler der Einheit“. Und zugleich der Mann der CDU-Spendenaffäre, der schwarze Kassen führte, dubiose Geldflüsse entgegennahm und bis zuletzt schwieg, von wem er Millionen erhielt. Eine Demokratie, die sich ernst nimmt, hätte ihn juristisch zur Rechenschaft gezogen. Deutschland hat ihn stattdessen mit Staatstrauer verabschiedet, als wäre nichts gewesen.


    Schröder – Putins Lobbyist im Kanzleramt

    Gerhard Schröder, Kanzler der Russland-Connection. Er hat Deutschland in die energiepolitische Abhängigkeit von Gazprom getrieben und dafür später direkt bei Putin kassiert. Ein Ex-Kanzler, der im Dienst eines Aggressors steht – und trotzdem immer noch Sozialdemokrat sein darf. Warum gab es nie eine echte juristische Aufarbeitung seiner Verstrickungen?


    Scholz – der Kanzler mit Erinnerungslücken

    Olaf Scholz steckte mitten im Cum-Ex-Skandal, dem größten Steuerraub in der Geschichte der Bundesrepublik. Milliarden wurden aus dem Staatshaushalt geplündert, als Scholz Bürgermeister von Hamburg war. Treffen mit den betroffenen Bankern? Ja. Konkrete Erinnerung daran? Nein. Scholz schützt sich mit einem Gedächtnisverlust, der so zufällig wirkt, dass er fast schon zynisch ist. In Frankreich wäre das ein Fall für Staatsanwälte – in Deutschland ist es ein Fall für Untersuchungsausschüsse ohne Folgen.


    Frankreich klagt an – Deutschland verharmlost

    Frankreich zwingt einen ehemaligen Präsidenten ins Gefängnis. Deutschland ehrt seine Ex-Kanzler, egal wie dreckig ihre Vergangenheit ist. Hier trägt niemand persönliche Verantwortung. Nicht für schwarze Kassen, nicht für russische Gasdeals, nicht für den größten Steuerraub der Nation.


    Wir brauchen deutsche Sarkozy-Momente

    Es reicht. Wir brauchen endlich deutsche Sarkozy-Momente: Verfahren, Prozesse, Urteile. Keine falsche Ehrfurcht mehr vor Kanzlern und Ministern, die das Land belasten und sich dann bequem in die Rente verabschieden. Solange Deutschland nicht bereit ist, seine eigenen Eliten wirklich zur Verantwortung zu ziehen, bleibt unser Rechtsstaat halbherzig. Frankreich zeigt uns den Weg – und wir weigern uns, ihn zu gehen, zumindest bisher.

    Ein Kommentar unseres Lesers Hans-Peter Lorenz (Hamburg)

  • Fünf Jahre Haft – und ein Aufschrei: Nicolas Sarkozy geht in die Offensive

    Fünf Jahre Haft – und ein Aufschrei: Nicolas Sarkozy geht in die Offensive

    Es ist ein Urteil, das die politische Landschaft Frankreichs erschüttert. Zum ersten Mal in der Geschichte der Fünften Republik wird ein ehemaliger Präsident zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Fünf Jahre Gefängnis – wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung im Rahmen des dubiosen libyschen Finanzierungssystems seiner Wahlkampagne 2007. Die Reaktion? Laut. Emotional. Kampfbereit. Kaum hatte das Pariser Strafgericht sein Urteil verkündet, trat Nicolas Sarkozy vor die Mikrofone – und ließ keinen Zweifel an seiner Sicht der Dinge:

    „Diese Ungerechtigkeit ist ein Skandal.“

    Er werde das Urteil nicht akzeptieren, so der Ex-Präsident. Falls man ihn ins Gefängnis stecken wolle, werde er das ertragen – „aber mit erhobenem Haupt“. Das ist mehr als ein Satz. Es ist der Auftakt zu einem neuen politischen Theaterstück, in dem Sarkozy nicht der Angeklagte sein will, sondern der Held im Kampf gegen ein System, das er für manipuliert hält.

    Symbolischer Tiefschlag – politisches Beben Jur…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Sarkozy im Visier der Justiz: Zäsur oder nächste Etappe?

    Sarkozy im Visier der Justiz: Zäsur oder nächste Etappe?

    Der 25. September 2025 markiert einen Wendepunkt in der französischen Rechtsgeschichte. An diesem Tag verurteilte das Pariser Strafgericht Nicolas Sarkozy zu fünf Jahren Haft wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ im Zusammenhang mit dem mutmaßlich libyschen Finanzierungssystem seiner Präsidentschaftskampagne von 2007. Drei Jahre der Strafe sind unbedingt zu verbüßen, zudem ordnete das Gericht einen Haftbefehl mit aufgeschobenem Vollzug an. Sarkozy ist damit der erste ehemalige Präsident der Fünften Republik, der in einem derart gewichtigen Verfahren zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird.

    Ob diese Entscheidung tatsächlich eine „historische“ Wende darstellt oder eher die Zuspitzung einer seit Jahren absehbaren Entwicklung, ist die entscheidende Frage.


    Ein symbolträchtiger, aber nicht singulärer Vorgang

    Die Schwere des Urteils und die politische Fallhöhe sind unbestreitbar. Gleichwohl fügt sich die Verurteilung in eine Serie von Verfahren, die Sarkozy in den vergangenen Jahren eingeholt haben. Schon 2021 wurde er wegen illegaler Telefonüberwachung verurteilt, 2023 bestätigte das Kassationsgericht diese Entscheidung endgültig: drei Jahre Haft, davon ein Jahr unbedingt – vollzogen unter elektronischer Aufsicht. Auch im sogenannten Bygmalion-Prozess um überhöhte Ausgaben seiner Kampagne 2012 erhielt er eine Strafe.

    Diese Präzedenzfälle zeigen: Der Nimbus der Unantastbarkeit ehemaliger Präsidenten ist längst erodiert. Anders als in den frühen Jahrzehnten der Fünften Republik, in denen gerichtliche Schritte gegen Staatsoberhäupter kaum denkbar schienen, wird heute auch an höchster Stelle juristisch nachgefasst. Der Fall Sarkozy ist deshalb nicht gänzlich revolutionär, sondern eher die Kulmination einer längeren Entwicklung, die Frankreichs Justiz eine neue Unabhängigkeit bescheinigt.


    Neu ist die Härte des Vollzugs

    Das wirklich Außergewöhnliche an der aktuellen Entscheidung liegt weniger in der bloßen Verurteilung als in den Modalitäten. Das Gericht ordnete die sofortige Vollstreckung an: Ein Berufungsverfahren hat keine aufschiebende Wirkung, Sarkozy wird zu einem noch zu bestimmenden Termin zur Verbüßung der Strafe geladen. Diese Kombination aus Exekutionsdruck und fehlendem Schutz durch Berufung ist für ein ehemaliges Staatsoberhaupt in Frankreich beispiellos.

    Damit sendet die Justiz ein deutliches Signal: Die Spitzenpolitik kann sich nicht länger auf juristische Verzögerungstaktiken oder auf symbolische Strafen verlassen. Insofern wohnt dem Urteil tatsächlich ein Moment der Zäsur inne.


    Offene Fragen und juristische Unsicherheiten

    Doch auch dieser scheinbare Durchbruch ist mit Relativierungen behaftet. Sarkozy hat Berufung eingelegt, und damit bleibt die Unschuldsvermutung in der Rechtsmittelinstanz bestehen. Außerdem wurde er von mehreren Anklagepunkten – unter anderem der passiven Korruption – freigesprochen. Dies deutet darauf hin, dass die Beweisführung in der Libyen-Affaire komplex und nicht in allen Punkten wasserdicht ist.

    Hinzu kommen Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und mögliche Formen des Strafvollzugs. Französische Gerichte gewähren bei älteren Verurteilten häufig Erleichterungen – von elektronischer Überwachung bis hin zu medizinisch begründeten Aufschüben. Ob Sarkozy tatsächlich bald hinter Gittern sitzt, bleibt also abzuwarten.


    Politische Sprengkraft

    Juristisch ist der Fall noch nicht abgeschlossen, politisch aber längst hochexplosiv. Für viele Gegner Sarkozys ist die Verurteilung der Beleg für eine überfällige Abrechnung mit korrupten Praktiken. Für seine Anhänger hingegen ist sie der Inbegriff einer „politisierten Justiz“. Die konservative Rechte, ohnehin in einer Phase der Neuorientierung zwischen moderaten Kräften und rechtsnationalen Strömungen, könnte durch den Fall weiter fragmentiert werden.

    Zudem wirkt die Affäre international. Der Vorwurf, Sarkozy habe libysche Gelder von Muammar al-Gaddafi angenommen, berührt nicht nur Fragen der Parteienfinanzierung, sondern auch die Legitimität französischer Außenpolitik der 2000er-Jahre. Frankreich muss sich der Frage stellen, wie eng politische Entscheidungen mit zweifelhaften Finanzströmen verknüpft waren.


    Ein Lehrstück über die Reife der Republik

    Ob man das Urteil als „historisch“ bezeichnen will, hängt davon ab, welchen Maßstab man anlegt. Ein Bruch mit der Vergangenheit ist es insofern, als dass ein Ex-Präsident mit realem Freiheitsentzug konfrontiert ist. In der breiteren Perspektive ist es jedoch eher eine Eskalationsstufe in einem Prozess, der seit den 2000er-Jahren sichtbar ist: die schrittweise Normalisierung, dass höchste Amtsträger vor Gericht gestellt werden können.

    Entscheidend wird sein, ob das Verfahren in der Berufung standhält und ob die Vollstreckung konsequent umgesetzt wird. Erst dann wird sich zeigen, ob die französische Justiz tatsächlich eine neue Schwelle überschritten hat – hin zu einer effektiven Gleichheit vor dem Gesetz, die das Fundament jeder Demokratie darstellt.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Der Tod des Mittlers – Was das Ende von Ziad Takieddine für die Affäre Sarkozy-Kadhafi bedeutet

    Der Tod des Mittlers – Was das Ende von Ziad Takieddine für die Affäre Sarkozy-Kadhafi bedeutet

    Zwei Tage vor einem mit Spannung erwarteten Urteilsspruch in einem der brisantesten politischen Justizverfahren Frankreichs ist Ziad Takieddine in Beirut gestorben. Der 75-jährige Geschäftsmann galt als Schlüsselfigur in der sogenannten Libyen-Affäre rund um den früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy. Sein Tod beendet nicht nur eine bewegte Biografie zwischen Macht und Skandal – er wirft auch neue Fragen über das politische Erbe eines der grössten Korruptionsverfahren der Fünften Republik auf.


    Ein Leben im Schatten der Macht

    Ziad Takieddine, geboren 1950 im Libanon, war ein Mann mit vielen Gesichtern. Öffentlich wurde er vor allem als Mittelsmann in Rüstungsgeschäften bekannt, operierend zwischen Paris, Tripolis und dem Golf. Im Hintergrund bewegte er sich an der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Geheimdiensten – dort, wo Legitimes und Illegitimes oft verschwimmen.

    Sein Name tauchte in zwei grossen Justiz-Affairen auf, die die französische Politik über Jahre beschäftigten: Zum einen in der sogenannten Karachi-Affäre, einem Geflecht aus Waffenlieferungen nach Pakistan und mutmasslich illegalen Parteispenden. Zum anderen – und weit folgenreicher – in der Affäre um mutmassliche libysche Finanzhilfen für Nicolas Sarkozys Präsidentschaftswahlkampf 2007.

    Takieddine behauptete über Jahre hinweg, Millionenbeträge in bar aus Libyen nach Frankreich gebracht zu haben – angeblich im Auftrag von Muammar al-Gaddafi, übergeben an Mitglieder von Sarkozys Umfeld. Seine Aussagen waren wechselhaft, widersprüchlich und wurden teilweise widerrufen. Doch sie blieben ein mediales und symbolisches Gravitationszentrum der Affäre.

    Nach seiner Verurteilung in der Karachi-Affäre entzog sich Takieddine 2020 der französischen Justiz und setzte sich in den Libanon ab, der seine Staatsbürger grundsätzlich nicht ausliefert. In Beirut verbrachte er seine letzten Jahre, unterbrochen von Medienauftritten, Dementis und Interviews, die neue Dynamik in laufende Verfahren brachten.


    Eine Leerstelle im Verfahren

    Der Tod Takieddines fällt mit bemerkenswerter Präzision in einen heiklen Moment der französischen Justizgeschichte: Zwei Tage vor dem erwarteten Urteil im Libyen-Verfahren endet sein Leben – und damit sein juristischer Status als Angeklagter. Die strafrechtlichen Verfahren gegen ihn werden eingestellt. Doch das Verfahren gegen andere, prominente Beschuldigte – darunter Nicolas Sarkozy – geht weiter.

    Juristisch ändert sich durch den Tod wenig. Takieddine war im Prozess nicht persönlich erschienen. Seine Aussagen liegen längst in Aktenform vor, ergänzt durch weitere Zeugenaussagen, Dokumente und Indizien. Dennoch bedeutet sein Ableben einen Verlust für die Prozessdynamik. Denn Takieddine war nicht nur Belastungszeuge, sondern auch eine Projektionsfläche für die Verteidigung – als angeblich unglaubwürdiger Zeuge, dessen Aussagen man mit Verweis auf seine persönliche Agenda entkräften wollte.

    Mit seinem Tod entfällt die Möglichkeit, ihn nochmals zu befragen, ihn zu konfrontieren oder seine Aussagen weiter juristisch zu erschüttern. Der „widersprüchliche Mittler“, wie ihn manche nannten, wird so zur endgültig stummen Figur – was der Verteidigung eher schadet als nützt.


    Symbolisches Gewicht eines Schweigens

    Auch wenn sein Ableben die Substanz des Verfahrens wohl kaum tangiert, ist die Wirkung seines Todes nicht zu unterschätzen. Die Affäre Sarkozy-Kadhafi ist nicht nur ein juristischer, sondern auch ein historischer Vorgang. Sie betrifft die Beziehungen Frankreichs zum Gaddafi-Regime, die Verquickung von Interessen, Geldflüssen und Geopolitik im Umfeld des Arabischen Frühlings – und letztlich die Frage, wie durchlässig die Institutionen der Fünften Republik für ausländischen Einfluss sind.

    In diesem Kontext erhält Takieddines Tod die Aura einer dramatischen Schlussnote. Der Mittler, der behauptete, im Zentrum der geheimen Deals gestanden zu haben, wird nie mehr Gelegenheit haben, seine Geschichte abschliessend zu erzählen – oder zu widerrufen. Die französische Justiz muss nun ein Urteil fällen, das auf Spuren, Dokumenten und fragmentierten Aussagen beruht. Die zentrale Stimme, die alles miteinander verband, ist verstummt.

    Was bleibt, ist eine Justiz-Affaire von grosser Tragweite – und ein Mann, dessen Leben mehr Fragen aufwarf, als es Antworten lieferte.

    Autor: P. Tiko