Schlagwort: saint-etienne

  • Kommunale Außenpolitik im Schatten des Nahostkonflikts: Saint-Étienne wagt den symbolischen Bruch

    Kommunale Außenpolitik im Schatten des Nahostkonflikts: Saint-Étienne wagt den symbolischen Bruch

    Der jüngste außenpolitische Impuls kommt aus der Provinz. Mit bemerkenswerter Geschwindigkeit hat der neue Bürgermeister von Saint-Étienne, Régis Juanico, eine Debatte angestoßen, die weit über die kommunalen Grenzen hinausreicht. Die geplante Abkehr von der israelischen Partnerstadt Nof HaGalil und die gleichzeitige Hinwendung zu einer noch zu bestimmenden palästinensischen Kommune markieren keinen bloßen Verwaltungsakt, sondern einen politisch aufgeladenen Vorgang. Noch ist nichts endgültig entschieden – doch die Richtung ist unmissverständlich. Symbolpolitik mit globalem Resonanzraum Städtepartnerschaften galten lange als Instrumente leiser Diplomatie. Sie sollten Austausch fördern, zivilgesellschaftliche Kontakte stärken und politische Spannungen auf lokaler Ebene abfedern. Der Fall Saint-Étienne zeigt nun, wie sehr sich diese Logik verschoben hat. Kommunale Kooperation wird zunehmend zum Vehikel politischer Positionierung in globalen Konflikten. Die Wortwahl aus dem Rathaus ist da…

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  • Vier Jahre Gefängnis und das jähe Ende einer Karriere: Saint-Étienne verliert seinen Bürgermeister

    Vier Jahre Gefängnis und das jähe Ende einer Karriere: Saint-Étienne verliert seinen Bürgermeister

    Ein Satz, der wie ein Hammerschlag durch das große Justizzentrum von Lyon hallte: „Monsieur, Sie können nicht länger Bürgermeister von Saint-Étienne sein.“ So endete am 1. Dezember 2025 die Amtszeit von Gaël Perdriau, einem Mann, der einst als stabilisierender Faktor einer industriell gezeichneten Stadt galt – und nun tief gefallen ist. Die Verurteilung kam an sich nicht überraschend, wohl aber in ihrer Deutlichkeit. Vier Jahre Gefängnis, fünf Jahre politische Unwählbarkeit – mit sofortiger Wirkung. Das Gericht sprach ihn in vollem Umfang schuldig: wegen Erpressung, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Das Urteil wirkt wie ein Paukenschlag in einer Affäre, die Frankreich seit Monaten elektrisiert. Die Affäre? Ein Skandal um eine Sexvideo-Falle, politisch motiviert, perfide in ihrer Konstruktion und lange vorbereitet. Im Zentrum: Ein Hotelzimmer, ein Escort-Boy und ein heimlich gefilmter Politiker. Das Opfer: Gilles Artigues, einst erster Beigeordn…

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  • Vertrauensbruch im Klassenzimmer – Wenn ein Lehrer zum mutmaßlichen Täter wird

    Vertrauensbruch im Klassenzimmer – Wenn ein Lehrer zum mutmaßlichen Täter wird

    Man stelle sich vor: Ein Lehrer, dem Eltern ihre Kinder anvertrauen, steht Jahre später im Verdacht, eben jene Schutzbefohlenen missbraucht zu haben. Nicht in einem fernen Land, nicht in einer anonymen Großstadt – sondern mitten in Saint-Étienne. Ein Mann in seinen Sechzigern, angesehener Geschichts- und Geografielehrer eines privaten Gymnasiums. Lange Jahre unterrichtete er Generationen von Schülerinnen und Schülern. Jetzt wird gegen ihn ermittelt – wegen des Verdachts auf Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch. Mehrfach. Schwerwiegend. Und mit einer zeitlichen Distanz, die Fragen aufwirft – viele Fragen. Das Schweigen der frühen 2000er Die Tatvorwürfe reichen zurück bis in die frühen 2000er-Jahre, als der Lehrer an einer anderen Schule in Saint-Chamond tätig war. Damals war vieles anders: weniger digitale Aufklärung, kaum kindgerechte Anlaufstellen, ein stärkeres Machtgefälle zwischen Lehrkräften und Jugendlichen. Und ein erschreckend großes Maß an Schweigen – bei Betroffenen wie be…

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  • Kommentar: Eigentlich müssten sie uns leid tun – wären sie nicht so gefährlich

    Kommentar: Eigentlich müssten sie uns leid tun – wären sie nicht so gefährlich

    Da sitzt er. 18 Jahre alt. Zwei Messer im Rucksack. Ein Junge, der Frauen töten wollte, weil sie ihn nicht wollten.

    Timoty G. aus Saint-Étienne. Schüler. Ein Gesicht, wie man es morgens in der Straßenbahn sieht – müde Augen, Kapuzenpulli, Kopfhörer. Ein Gesicht, dem man höchstens einen kleinen Kifferverstoß zutrauen würde. Keinen Terror.

    Doch genau das war er. Ein Terrorist. Kein religiös verblendeter Märtyrer, kein paramilitärischer Milizenjunge. Sondern: Ein „Incel“. Ein Junge, der Frauen hasst, weil sie ihn nicht lieben. Ein Junge, der seine eigene Wertlosigkeit nicht ertragen kann und stattdessen alle Frauen verantwortlich macht.

    Klingt traurig, nicht wahr?

    Ja, es ist traurig. Diese Männer sitzen stundenlang in dunklen Zimmern, scrollen auf TikTok durch Videos, die ihnen einreden: Du bist nicht schuld. Du bist Opfer. Die Frauen sind schuld. Die Gesellschaft ist schuld. Dein hässliches Gesicht ist nicht dein Problem – es ist ihre Oberflächlichkeit.

    Und so wird Selbsthass zu Frauenhass. Hass, der sich im stillen Kämmerlein staut, bis er sich eine Klinge schärft.

    „Incel“ – mehr als eine Szene von einsamen Losern

    Wir belächeln sie oft. Diese Incels mit ihren Foren voller Memes über „Chads“ (attraktive Männer) und „Stacys“ (attraktive Frauen), die sie angeblich alle quälen. Wir denken: „Ach, kleine arme Würstchen. Sollen sie doch weiter Computerspiele spielen und in ihrer Traurigkeit versumpfen.“

    Aber genau das ist der Denkfehler.

    Sie sind nicht nur traurige Würstchen. Sie sind gefährlich. Denn Hass sucht immer ein Ventil. Mal ist es ein Wutanfall. Mal ein Mord.

    2014 erschoss Elliot Rodger in Kalifornien sechs Menschen. 2018 fuhr Alek Minassian in Toronto mit einem Van in eine Menschenmenge. Jetzt wollte Timoty G. in Frankreich Frauen erstechen. Weil sie ihn nicht lieben.

    Ja, es ist erbärmlich. Ja, es ist traurig. Aber vor allem ist es tödlich.

    Hass macht nicht stark – Hass kann töten

    Was in diesen Köpfen abgeht, ist eine perfide Mischung aus psychischer Krankheit, Einsamkeit und ideologischer Verblendung. Incels sehen sich als „die wahren Opfer“. Ihr größter Schmerz: niemand liebt sie. Ihre größte Lüge: es liegt nicht an ihnen.

    Sie sind zu feige, sich ihrem Spiegelbild zu stellen. Lieber verwandeln sie diese Angst in Gewaltfantasien gegen Frauen. Frauen, die lächeln. Frauen, die frei sind. Frauen, die nicht einmal wissen, dass dieser Junge sie hasst. Und vielleicht genau deswegen hasst er sie so sehr.

    Warum mir dieses Thema so nahegeht?

    Weil ich solche Männer kenne. Nicht als Freunde – um Himmels Willen. Aber aus Nachrichten, Kommentaren, Foren, Chatrooms. Diese Haltung wabert überall im Netz, als würde sie da schon immer wohnen. Sie spüren deinen Erfolg, dein Glück, deine Freiheit – und verachten dich dafür.

    Ich könnte Mitleid empfinden. Ehrlich. Für ihr Elend, ihre Verzweiflung, ihr grausames Gefühl, niemals geliebt zu werden.

    Aber Mitleid endet genau da, wo Messer geschärft werden.

    Mitleid hat keinen Platz, wenn jemand sich entscheidet, das eigene Leid mit Blut zu lindern.

    Und was jetzt?

    Wir müssen hinschauen. Wir müssen reden. Wir müssen diese Szene ernst nehmen, statt sie zu belächeln. Nicht nur aus Mitleid – sondern aus Selbstschutz. Denn sie sind nicht nur traurig. Sie sind nicht nur einsam. Sie sind nicht nur gebrochen.

    Sie sind gefährlich.

    Und manchmal… ist Mitleid ein Luxus, den wir uns nicht leisten können.

    Von C. Hatty

  • Terrorismus aus der „Incel“-Szene: Frankreich vereitelt erstmals einen misogyn motivierten Anschlag

    Terrorismus aus der „Incel“-Szene: Frankreich vereitelt erstmals einen misogyn motivierten Anschlag

    Er trug zwei Messer bei sich, eines davon mit einer Klinge so lang wie eine Hand. Am 27. Juni 2025 griff die Polizei in Saint-Étienne zu und verhinderte, was die Ermittler als reinen Frauenhass-Terror bezeichnen. Ein 18-jähriger Schüler, Timoty G., plante offenbar, Frauen in seiner Umgebung anzugreifen – aus Hass auf ihr bloßes Dasein. Er hatte sich selbst als Teil der „Incel“-Bewegung bezeichnet. Was steckt hinter dem Begriff „Incel“? „Incel“ ist die Abkürzung für „involuntary celibate“ – unfreiwillig zölibatär. Gemeint sind Männer, die sich als vom weiblichen Geschlecht zurückgewiesen empfinden, mitunter von der Welt betrogen fühlen und diese Wut in radikale Frauenverachtung verwandeln. Sie finden sich online, auf Plattformen wie Reddit, Telegram oder TikTok. Dort entstehen Räume, in denen sie sich gegenseitig in Hass und Opfermythen bestärken. „Ich bin kein Täter, ich bin ein Opfer“, lautet der Tenor – doch diese Rhetorik kippt nicht selten in Gewaltfantasien gegen Frauen. Der erste…

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