Schlagwort: Romantik

  • Kommentar: Wahre Liebe braucht kein Schloss – sondern Vertrauen

    Kommentar: Wahre Liebe braucht kein Schloss – sondern Vertrauen

    Es ist schon erstaunlich, wie fragil die große, ewige Liebe inzwischen geworden ist. Früher genügte ein Versprechen, ein Blick in die Augen oder einfach das ehrliche Gefühl, den richtigen Menschen gefunden zu haben. Heute scheint ein Vorhängeschloss aus dem Souvenirgeschäft unverzichtbar zu sein. Erst wenn es an einer Brücke baumelt und der Schlüssel dramatisch im Fluss versinkt, soll die Liebe plötzlich unzerstörbar sein.

    Ausgerechnet historische Brücken müssen nun die Last tausender Liebesschwüre tragen. Paris kennt das Problem seit Jahren, Marseille, Nizza und nun auch Colmar ziehen die Notbremse. Nicht etwa, weil die Städte etwas gegen Romantik hätten – sondern weil Brücken irgendwann tatsächlich unter dem Gewicht dieser metallenen Gefühlsausbrüche leiden. Welch bittere Pointe: Ausgerechnet die Liebe droht Brücken einstürzen zu lassen.

    Dabei drängt sich eine unbequeme Frage auf. Wer verspürt überhaupt den Drang, seine Liebe mit einem Schloss zu sichern? Menschen, die sich ihrer Beziehung wirklich sicher sind? Oder vielleicht doch eher jene, die insgeheim hoffen, ein Stück Stahl könne festhalten, was im Herzen längst zu wackeln beginnt?

    Die Wahrheit ist oft ernüchternd. Der Schlüssel landet im Wasser, das Schloss bleibt zurück – und Jahre später existiert von der großen Liebe häufig nur noch ein rostiges Andenken. Beziehungen zerbrechen. Menschen verändern sich. Das Schloss hängt weiter am Geländer, als stummer Zeuge eines Versprechens, das längst vom Alltag eingeholt wurde.

    Liebe lässt sich nicht einschließen. Sie lebt von Vertrauen, Respekt, gemeinsamen Erinnerungen und der Bereitschaft, jeden Tag aufs Neue füreinander da zu sein. Kein Metall der Welt ersetzt ein offenes Gespräch. Kein gravierter Name verhindert eine Krise. Kein Vorhängeschloss macht aus einer wackeligen Beziehung eine stabile.

    Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Romantik. Den Menschen an seiner Seite nicht festzuketten, sondern jeden Tag freiwillig bei ihm zu bleiben. Ohne Symbol, ohne Spektakel, ohne Schloss.

    Denn Liebe, die nur hält, weil sie abgeschlossen wurde, war vermutlich nie wirklich frei.

    C. Hatty

  • Liebesschlösser verboten: Colmar zieht der Romantik klare Grenzen

    Liebesschlösser verboten: Colmar zieht der Romantik klare Grenzen

    Wer seine Liebe in Colmar künftig mit einem Vorhängeschloss besiegeln möchte, erlebt eine Überraschung. Die elsässische Stadt hat das Anbringen sogenannter Liebesschlösser an Brücken und Geländern der berühmten „Petite Venise“ offiziell untersagt. Wer das Verbot missachtet, muss mit einem Bußgeld von 300 Euro rechnen. Damit endet eine Tradition, die über Jahre untrennbar zum Bild des romantischen Viertels gehörte.

    Lange Zeit zählten die kleinen Metallschlösser zu den beliebtesten Symbolen für ewige Verbundenheit. Paare aus aller Welt gravierten ihre Namen oder Initialen ein, befestigten das Schloss an einem Geländer und warfen den Schlüssel in die Lauch. Die Botschaft dahinter war einfach: Die Liebe soll für immer halten. Für viele Besucher gehörte dieses Ritual fast schon selbstverständlich zu einem Aufenthalt in Colmar.

    Doch aus der romantischen Geste entwickelte sich im Laufe der Jahre ein ernsthaftes Problem. Immer mehr Schlösser bedeckten die Brüstungen der Brücken, bis von den historischen Geländern kaum noch etwas zu erkennen war. Bewohner und Geschäftsleute schilderten, dass ganze Abschnitte vollständig mit Metall überzogen gewesen seien. Bereits im vergangenen Jahr ließ die Stadt mehrere Hundert Schlösser entfernen. Nun folgt mit dem vollständigen Verbot der nächste Schritt.

    Ausschlaggebend für die Entscheidung war vor allem der Schutz der historischen Bauwerke. Nach Angaben der Stadt mussten insgesamt rund 600 Kilogramm Metall von Brücken und Geländern entfernt werden. Dieses zusätzliche Gewicht belastete die Konstruktionen erheblich. Gleichzeitig litt das Erscheinungsbild der historischen Altstadt, deren malerische Kanäle und Fachwerkhäuser jedes Jahr Millionen Besucher anziehen. Gerade die „Petite Venise“ gilt als eines der bekanntesten Fotomotive im Elsass – und genau dieses historische Ambiente möchte die Stadt bewahren.

    Nicht jeder begrüßt die neue Regelung. Besonders Souvenirhändler sehen das Verbot kritisch. Liebesschlösser gehörten über Jahre zu den meistverkauften Erinnerungsstücken. Manche Geschäftsinhaber befürchten nun finanzielle Einbußen und bleiben möglicherweise auf ihren Lagerbeständen sitzen. Einige äußern zudem Zweifel an der rechtlichen Grundlage der Entscheidung.

    Colmar steht mit diesem Schritt allerdings nicht allein. Auch andere europäische Städte mussten erfahren, dass die romantische Tradition ihre Schattenseiten besitzt. In Paris, Rom, Florenz und Venedig führten die wachsenden Mengen an Liebesschlössern ebenfalls zu Einschränkungen oder vollständigen Verboten. Der Schutz historischer Bauwerke erhielt dort letztlich Vorrang vor einer lieb gewonnenen Urlaubstradition.

    Für verliebte Paare bedeutet das jedoch keineswegs das Ende romantischer Erinnerungen. Die malerischen Kanäle, blumengeschmückten Gassen und historischen Fassaden bieten weiterhin unzählige Möglichkeiten für unvergessliche Momente. Nur eines gehört künftig der Vergangenheit an: das Schloss am Brückengeländer.

    Von C. Hatty

  • ‚Franzosen sind toll im Bett‘ – französische Dating-Mythen

    ‚Franzosen sind toll im Bett‘ – französische Dating-Mythen

    Frankreich gilt als Heimat der Romantik und als Land der Liebenden, doch die französische Schriftstellerin Olivia Sorrel-Dejerine vertritt die Ansicht, dass viele dieser Mythen der Realität nicht wirklich gerecht werden.

    Frankreich wird oft als das Land der Liebe und Paris als die romantischste Stadt der Welt bezeichnet. Aber im Gegensatz dazu, sind die Franzosen durchaus keine eingefleischten Romantiker. Hier fünf falsche Vorstellungen über Franzosen, Liebe und Sex.

    1. Mythos: Franzosen sind außergewöhnliche Liebhaber

    Franzosen gelten oft als leidenschaftlich, verführerisch, romantisch, sensibel… und als außergewöhnliche Liebhaber. Ikonen der Verführung wie Serge Gainsbourg oder Alain Delon haben dazu beigetragen, den Mythos des sexy französischen Mannes aufrechtzuerhalten. Im Allgemeinen gelten französische Männer als charmant und als bemerkenswerte Liebhaber. Leider ist das wohl keine absolute Wahrheit.

    Laut Olivia Sorrel-Dejerine haben französische Männer zwar viele Qualitäten, aber sie sind nicht unbedingt die Besten im Bett.

    Ausserdem ändern sich die Dinge der Liebe auch in Frankreich. Es wird immer mehr über die weibliche Lust gesprochen, und das nicht nur von Frauen! In seinem Anfang des Jahres veröffentlichten Essay Au-delà de la pénétration (Jenseits der Penetration) fordert der französische Schriftsteller Martin Page die Leser auf, ihre Vorstellungen von Sex zu öffnen, über den Tellerrand zu blicken und all die verschiedenen Möglichkeiten zu akzeptieren, wie man Intimität erleben kann. Das Buch war so erfolgreich, dass es bereits nach der ersten Auflage 2019 ausverkauft war.

    2. Mythos: Ein klassisches französisches Date beinhaltet ein Candlelight-Dinner

    Ein romantisches Restaurant, Kerzen, Champagner und Liebeslieder im Hintergrund. So stellt man sich oft ein typisches französisches Date vor. Olivia Sorrel-Dejerine sieht sich leider gezwungen, diesen Mythos zu entkräften. Er ist wohl weit von der Realität entfernt. Tatsächlich finden Verabredungen meist in einem trendigen neuen Restaurant, in einer beliebten Wein- und Käsebar (ja, das ist kein Klischee, die Franzosen gehen wirklich gerne in Weinbars!) oder in einer angesagten Cocktail-Lounge statt. Schöne Orte sind in Frankreich nicht schwer zu finden, selbst in kleinen Städten.

    Entgegen der landläufigen Meinung über ein französisches „Rendez-vous“ findet eine Verabredung oft an einem zwanglosen, angesagten Ort statt und nicht in einem erstklassigen Restaurant.

    Wenn man ein knutschendes Paar vor dem Eiffelturm sieht, handelt es sich wahrscheinlich um Touristen…

    3. Mythos: Küssen auf Französisch

    Wenn wir an ein französisches Pärchen denken, das sich küsst, kommt uns als erstes das Bild eines langsamen, sinnlichen, leidenschaftlichen Kusses in den Sinn, der normalerweise auf der Straße stattfindet. Zwar wird glücklicherweise (!) auch in Frankreich geknutscht, aber die Franzosen stehen nicht so sehr auf feuchte Küsse in der Öffentlichkeit – und das war schon vor Corona so.

    In der Regel küssen sie sich zur Begrüßung kurz auf die Lippen und kuscheln vielleicht ein bisschen im Kino, aber die Chancen, ein französisches Paar in der Öffentlichkeit küssen zu sehen, sind doch recht gering.

    In Wirklichkeit sind die Franzosen ziemlich diskret, wenn es darum geht, an öffentlichen Orten Zeichen der Liebe zu zeigen.

    4. Mythos: Französinnen sind sehr anspruchsvoll

    Dazu sagt Olivia Sorrel-Dejerine: Nun, das mag stimmen, aber wir arbeiten daran! Französinnen wollen – wie alle anderen Frauen auch – einen Mann, der nett, witzig und charmant ist. Die meisten französischen Frauen sind jedoch sehr unabhängig und immer mehr sind der Meinung, dass sie nicht unbedingt Teil ein Paares sein müssen.

    Viele jüngere Franzosen haben inzwischen eine neue Sichtweise auf die Liebe und sind nicht an das traditionelle Modell des heterosexuellen Paares gebunden. Laut einer von der Dating App Tinder durchgeführten Studie aus dem Jahr 2019 gab eine Mehrheit der unter 30-Jährigen an, dass sie sich vorstellen können, Single zu bleiben, wobei Frauen dies eher akzeptieren als Männer (51 Prozent gegenüber 37 Prozent).

    5. Mythos: Die Franzosen sind so romantisch, dass sie sich niemals online verabreden würden

    Wenn Franzosen so verführerisch und romantisch sind, warum brauchen sie dann eine Dating-App? Es hat sich herausgestellt, dass Online-Dating in Frankreich sehr verbreitet ist. In einer von Statista durchgeführten Studie aus dem Jahr 2015 erklärten 37 Prozent der Franzosen zwischen 18 und 35 Jahren, dass sie die Nutzung einer Dating-App oder -Website für eine gute Sache halten. Tinder konkurriert mit trendigeren Apps wie Happn, Bumble, Hater oder Deserve MI, die alle auf eine mehr oder minder amüsante Weise die Menschen zusammen bringen.

    Tja, wie man sieht steht auch in Sachen Liebe in Frankreich die alte Frage im Raum: Was ist Mythos und was ist wahr?