Schlagwort: Risiko

  • Eine alte Granate im Zug – und dann steht ein ganzes Polizeirevier still

    Eine alte Granate im Zug – und dann steht ein ganzes Polizeirevier still

    Es beginnt wie eine jener Geschichten, die man beim ersten Hören kaum ernst nimmt. Ein Mann räumt ein Haus in der Normandie aus, stößt auf eine alte Granate aus dem Zweiten Weltkrieg – und entscheidet sich, das Fundstück kurzerhand mitzunehmen. Nicht etwa vorsichtig verpackt mit einem Anruf bei den Behörden im Gepäck, sondern ganz praktisch: hinein in den Zug, Richtung Paris, hinein ins eigene Alltagsleben. Am Ende dieser Reise steht kein Museum, sondern ein Polizeikommissariat im 18. Arrondissement. Und dort kippt die Geschichte vom Kuriosen ins Ernste. Denn plötzlich greift das Protokoll. Das Revier in der Rue de Clignancourt wird geräumt, die Umgebung abgesperrt, Spezialisten rücken an. Für die Einsatzkräfte ist ein solcher Gegenstand keine skurrile Antiquität, sondern ein potenziell tödliches Risiko. Der Mann, so viel steht fest, wollte vermutlich das Richtige tun. Nur eben auf denkbar falschem Weg. Man kennt solche Situationen aus der journalistischen Praxis: Ein scheinbar harmlos…

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  • Der tödliche Stich: Wie eine illegale Schönheitsinjektion in Frankreich zur Tragödie wurde

    Der tödliche Stich: Wie eine illegale Schönheitsinjektion in Frankreich zur Tragödie wurde

    Es war ein vermeintlich harmloser Eingriff – schnell, günstig, diskret. Und doch endete er tödlich. Am 20. März 2026 erhielt eine Frau im französischen Villeurbanne bei Lyon eine ästhetische Injektion außerhalb jedes medizinischen Rahmens. Kurz darauf kam es zum medizinischen Notfall. Hinweise deuten auf eine Embolie oder einen plötzlichen Herzstillstand hin. Wenig später war die Frau tot. Was zunächst wie ein tragischer Einzelfall erschien, entpuppte sich binnen Tagen als Teil eines größeren Problems. Ende März wurde der Fall öffentlich, nachdem Ermittlungen aufgenommen und mehrere Beteiligte angeklagt worden waren. Die mutmaßliche Verursacherin sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Der Vorfall legt den Finger in eine Wunde, die längst größer geworden ist, als viele wahrhaben wollen. Denn hinter verschlossenen Türen, in privaten Wohnungen oder improvisierten Studios, boomt ein Markt, der mit Schönheit wirbt – und Risiken verschweigt. Hyaluronsäure, Botox oder andere Substanzen gelang…

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  • Bürgergeld für die Rüstung? Frankreich testet den Spagat zwischen Souveränität und Sparbuch

    Bürgergeld für die Rüstung? Frankreich testet den Spagat zwischen Souveränität und Sparbuch

    Frankreich wagt ein Experiment, das Kapitalmärkte und Gesellschaft zugleich adressiert: Über Bpifrance können Privatanleger seit Kurzem gezielt in die nationale und europäische Verteidigungsindustrie investieren – mit einem avisierten Ertrag von rund fünf Prozent jährlich. Hinter der scheinbar simplen Produktidee steckt ein politökonomisches Projekt: die industrielle Basis der Verteidigung (BITD) zu verbreitern, private Ersparnisse zu mobilisieren und Bürgernähe für ein lange Zeit gemiedenes Thema herzustellen. Das Produkt ist neu, die Fragen sind alt: Wie fair ist der Preis der Anlage? Wie robust ist die Renditeerwartung? Und wie überträgt man eine sicherheitspolitische Agenda in private Depots, ohne Anleger zu überfordern? Ein neues Schaufenster für die BITD Der „Verteidigungsfonds“ von Bpifrance ist bewusst niedrigschwellig konzipiert: Die Eintrittsschwelle liegt bei 500 Euro, der maximale Betrag bei 500.000 Euro. Investiert wird überwiegend in nicht börsennotierte Unternehmen der V…

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  • Frankreich brennt: Diese Regionen sind am stärksten von Waldbränden bedroht

    Frankreich brennt: Diese Regionen sind am stärksten von Waldbränden bedroht

    Jeden Sommer kämpft Frankreich gegen lodernde Flammen, die ganze Landstriche verwüsten. Der Klimawandel wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger. Während der Süden traditionell die höchsten Risiken trägt, geraten nun auch bislang verschonte Regionen ins Visier des Feuers. Welche Gebiete sind besonders gefährdet – und wie verändert sich die Landkarte der Brandrisiken?

    Der Süden: Altbekanntes Brandgebiet

    Ein Erlass vom 6. Februar 2024 klassifizierte die Wälder und Forste von 24 Départements als hochgradig brandgefährdet. Darunter:

    Provence-Alpes-Côte d’Azur – Bouches-du-Rhône, Var, Vaucluse, Alpes-Maritimes, Alpes-de-Haute-Provence, Hautes-Alpes

    Occitanie – Gard, Hérault, Aude, Ariège, Aveyron, Lozère, Tarn, Pyrénées-Orientales, Hautes-Pyrénées

    Nouvelle-Aquitaine – Gironde, Landes, Dordogne, Lot, Lot-et-Garonne, Pyrénées-Atlantiques

    Auvergne-Rhône-Alpes – Ardèche, Drôme

    Korsika – Haute-Corse, Corse-du-Sud

    Hier treffen dichte, oft dürre Vegetation, sommerliche Hitze, Trockenheit und Wind aufeinander – ein Cocktail, der Waldbrände begünstigt wie Zunder.

    Doch das Feuer zieht nach Norden und Westen

    Das Risiko bleibt inzwischen aber längst nicht mehr auf den Mittelmeerraum beschränkt. 2025 wurde die Liste der gefährdeten Départements erneut ausgeweitet – diesmal auf Regionen, die man bisher kaum mit Feuersbrünsten verband: Charente, Cher, Eure, Indre-et-Loire, Loire, Loiret, Maine-et-Loire, Sarthe, Savoie, Deux-Sèvres, Tarn-et-Garonne und Vienne.

    Was heißt das? Ganz einfach: Der Waldbrand ist zum französischen Nationalproblem geworden.

    Bretagne – die neuen Flammeninseln

    Ein bitteres Erwachen erlebte die Bretagne im Sommer 2022, als Feuer in den Monts d’Arrée wüteten. Seitdem gelten 167 bretonische Kommunen als gefährdet:

    Côtes-d’Armor: 15
    Finistère: 42
    Ille-et-Vilaine: 60
    Morbihan: 49

    Besonders im Fokus stehen die Presqu’île de Crozon, die Monts d’Arrée, die Montagnes Noires, die Wälder um Rennes-Liffré-Corbière, der Brocéliande-Wald, die Landes de Lanvaux sowie der morbihanische Küstenstreifen rund um Auray.

    Brennpunkte: Gemeinden mit höchstem Risiko

    Manche Kommunen stechen in der Risikoliste hervor:

    Terssac (Tarn) – Gefährdet durch Waldbrand, ohne Präventionsplan.

    Carmaux (Tarn) – Gleiches Problem: Risiko ja, Schutzplan nein.

    Saliès (Tarn) – Ebenso ohne Plan gegen Feuergefahr.

    Le Bosc (Hérault) – Verwundbar, aber mit Schutzplan seit 2013.

    Les Matelles (Hérault) – Ebenfalls präventiv ausgestattet.

    Le Puech (Hérault) – Hat ebenfalls seit 2013 einen Plan Départemental de Protection des Forêts contre les Incendies.

    Diese Beispiele zeigen: Ob mit oder ohne Präventionsplan – die Bedrohung ist real, und ein Stück weit sind alle Regionen Frankreichs dem Feuer ausgeliefert.


    Droht ein Sommer voller Sirenen?

    Die Behörden rüsten sich landesweit:

    Präventionspläne: In allen gefährdeten Départements entstehen umfassende Waldbrandschutzpläne, zugeschnitten auf jedes einzelne Forstgebiet.

    Aufklärungskampagnen: Bürger werden für den richtigen Umgang mit offener Flamme und glimmender Kippe sensibilisiert. Kein Grillabend ohne wachsame Augen mehr.

    Überwachung: Kameras und Patrouillen sichern die Wälder und reagieren bei kleinsten Rauchfahnen.

    Feuerwehrschulungen: Besonders in neu betroffenen Regionen werden Feuerwehrkräfte auf Waldbrände spezialisiert. Löschtechniken, Geländetaktik, schnelles Eindämmen – all das ist plötzlich nicht mehr nur ein Thema für Südfrankreich.

    Ein Land passt sich an – oder verbrennt

    Eines ist klar: Der Klimawandel zwingt Frankreich zu einer neuen Realität. Vorbeugung, Sensibilisierung und eine robuste Löschinfrastruktur sind längst kein Luxus mehr, sondern ein Überlebensprinzip – für Menschen, Häuser, Tiere und jahrhundertealte Wälder.

    Autor: Andreas M. B.

  • Savoie im Schneechaos: Lawinengefahr überschattet das Ende der  Skisaison

    Savoie im Schneechaos: Lawinengefahr überschattet das Ende der Skisaison

    Der Frühling klopft an – doch in den französischen Alpen zeigt sich der Winter noch einmal von seiner wildesten Seite. In der Savoie hat ein außergewöhnlicher Schneefall Mitte April für massive Störungen gesorgt und eine alarmierende Lawinengefahr ausgelöst. Trotz der schrittweisen Öffnung der Skigebiete bleibt die Situation angespannt – nicht zuletzt wegen eines tödlichen Unglücks in Val Thorens.

    Schnee wie seit Jahren nicht mehr Zwischen dem 16. und 17. April hat es im Département Savoie heftig geschneit. Und das ist fast noch untertrieben: In manchen Höhenlagen türmte sich der Schnee bis zu 1,5 Meter hoch auf – eine Seltenheit für diese Jahreszeit. Die betroffenen Gebiete, darunter die Hochlagen von Haute-Maurienne, Haute-Tarentaise und die Vanoise, wurden umgehend von Météo-France in Alarmbereitschaft versetzt – Warnstufe Orange für Lawinengefahr. Ein Aprilschnee, der nicht nur idyllisch, sondern gefährlich ist.

    Tragödie in Val Thorens Die Kehrseite dieser weißen Pracht offenbart…

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  • UN-Bericht warnt vor sechs katastrophalen Risiken für unseren Planeten

    UN-Bericht warnt vor sechs katastrophalen Risiken für unseren Planeten

    Ein neuer Bericht der Universität der Vereinten Nationen warnt vor sechs katastrophalen Gefahren für unseren Planeten. Bekannte Bedrohungen wie das Schmelzen der Gletscher, aber auch einige weniger bekannte…

    Gletscherschmelze, große Hitze, aber auch eine Krise der Versicherungssysteme und Weltraumschrott: Einen Monat vor der COP28 warnt ein neuer Bericht der Universität der Vereinten Nationen, der am Mittwoch, dem 25. Oktober veröffentlicht wurde, vor sechs Bedrohungen, die Systeme zum Kippen bringen könnten, die für das menschliche Leben unverzichtbar sind.

    Das Konzept des Klimakipppunkts wird mittlerweile regelmäßig von Wissenschaftlern verwendet: Der Zusammenbruch des grönländischen Eisschildes oder des Amazonas-Regenwaldes sind die prominentesten Beispiele dafür. Der neue Bericht schlägt hingegen vor, eine neue Kategorie mit dem Namen „Risiko-Kipppunkte“ zu schaffen, die sich auf die Wechselwirkung zwischen der Natur und von Menschen geschaffenen Systemen konzentriert. Die Vereinten Nationen nennen das System der Wasser- und Nahrungsmittelversorgung als Beispiel.

    „Indem wir die Natur und die biologische Vielfalt schädigen und sowohl die Erde als auch den Weltraum verschmutzen, bewegen wir uns gefährlich auf multiple Risiko-Kipppunkte zu, die die Systeme, von denen unser Leben abhängt, zerstören könnten“, sagt Zita Sebesvari, Hauptautorin des Berichts.

    Die Analyse warnt vor einigen bereits häufig beschriebenen Bedrohungen, wie dem Schmelzen von Gletschern, das die Wasserversorgung gefährdet, oder dem Aussterben von Tierarten, die eine Schlüsselrolle für die Ökosysteme spielen. Sie hebt aber auch einige Risiken hervor, die in der Klimadiskussion seltener erwähnt werden.

    Eines davon ist die Anhäufung von Weltraumschrott, die eine Kollisionskette auszulösen droht, die die aktuelle Erdumlaufbahn für unsere Satelliten – von denen viele dazu dienen, uns vor Wetterkatastrophen zu warnen – unbrauchbar machen könnte.

    Ein weiteres Risiko ist die Bedrohung des Versicherungssystems: Mit der Zunahme von Katastrophen steigen die Kosten, und einige Versicherer ziehen sich sogar aus bestimmten Gebieten zurück und lassen die Menschen ohne Sicherheitsnetz zurück.

    Ein weiteres Risiko ist die Erschöpfung des Grundwassers, das größtenteils für die Landwirtschaft verwendet wird, um den Wassermangel bei Dürren auszugleichen. In Saudi-Arabien sind solche Brunnen bereits ausgetrocknet, wie der Bericht feststellt, und auch Indien steht kurz vor dem Kipppunkt.

    Die Autoren schlagen auch einen neuen Ansatz zur Analyse der möglichen Reaktionen auf diese Krisen vor, indem sie sie in zwei Kategorien einteilen: Lösungen zur Vermeidung der Ursachen des Problems und Lösungen zur Anpassung an unvermeidbare Veränderungen.

    Jede dieser Lösungen kann sich zudem in das bestehende System einfügen oder versuchen, es umzugestalten. Beispiel: Angesichts steigender Temperaturen ist die Installation von Klimaanlagen eine Anpassungslösung innerhalb des Systems, während die Reduzierung der Treibhausgasemissionen versucht, das System umzugestalten, indem sie auf die Ursache des Problems abzielt.

    Dem UN-Bericht zufolge versuchen die heute implementierten Lösungen vor allem, die Kipppunkte hinauszuzögern, anstatt die Funktionssysteme neu zu erfinden.

  • Frankreich: 5 Departements am Montag unter Hitzewarnstufe Orange

    Frankreich: 5 Departements am Montag unter Hitzewarnstufe Orange

    Die Departements Isère, Rhône und Ain standen bereits unter Warnstufe Orange. Jetzt hat Météo France auch die Departements Savoie und Haute-Savoie auf Hitzewarnstufe Orange gesetzt.

    Wegen der Hitzewelle, die sich seit einigen Tagen über den Osten Frankreichs ausbreitet, hat Météo France nun auch für die Departements  Savoie und Haute-Savoie ab Montag, dem 14. August, Warnstufe Orange für große Hitze ausgerufen.

    Météo France meldete für die Nacht von Sonntag auf Montag Tiefsttemperaturen zwischen 20 °C und 23 °C in den Ballungsräumen Lyon und Grenoble. Die Höchstwerte am Tag werden sich in den Departements Savoie und Haute-Savoie nach oben bewegen, das Thermometer soll im Vergleich zum Sonntag um ein bis zwei Grad steigen.

    Die Vorhersagen zeigen außerdem, dass eine kurze Hitzespitze im Departement Pyrénées-Orientales erwartet wird, mit Höchstwerten von 37°C bis 39°C im Landesinneren.

    Erhöhtes Risiko für Waldbrände
    In den Departements von Savoyen gilt laut der Waldwetterkarte derzeit die gelbe Warnstufe für Waldbrände. Aus Sicherheitsgründen „kann der Zugang zu und der Verkehr in Wäldern, Forsten, Heidelandschaften und Buschland für Fahrzeuge und Fußgänger eingeschränkt oder sogar verboten werden“. Die Ausrufung der Hitzewarnung soll daher zu äußerster Vorsicht beim Grillen und jeglicher Art von Feuer in der Nähe von Waldgebieten mahnen.

  • Höchste Waldbrandgefahr am Freitag in den Bouches-du-Rhône

    Höchste Waldbrandgefahr am Freitag in den Bouches-du-Rhône

    Drei weitere Departements wurden für Freitag auf die Gefahrenstufe „hoch“ für Waldbrände gesetzt.

    Das Waldbrandrisiko ist im Departement Bouches-du-Rhône für den Freitag, den 4. August, „sehr hoch“, wie aus einem am Mittwoch von Météo-France veröffentlichten Bulletin hervorgeht. Es handelt sich um das höchste Risikoniveau auf der sogenannten Waldwetterskala, die anhand der Wettervorhersagen und des Trockenheitszustands der Vegetation erstellt wird.

    Nach Angaben des Instituts wird das Risiko des Ausbruchs und der Ausbreitung von Wald- und Vegetationsbränden somit „im Vergleich zu den sommerlichen Normalwerten sehr hoch“ sein. Drei weitere Departements wurden für Freitag auf die Gefahrenstufe „hoch“ gesetzt: Hérault, Var und Vaucluse. Die Departements Bouches-du-Rhône, Var und Vaucluse befinden sich bereits in der Gefahrenstufe „hoch“ für den heutigen Donnerstag.

    Infolgedessen ist der Zugang zu mehreren Bergmassiven von Donnerstag an verboten: sieben Regionen im Departement Bouches-du-Rhône (Rougadou, Alpilles, Chambremont, Castillon, Sulauze, Arbois, Côte Bleue) und sechs im Departement Var (Centre-Var, Esterel, Maures, Corniche des Maures, Iles d’Hyères und Monts toulonnais). Im Departement Vaucluse weist die Präfektur darauf hin, dass es verboten ist, die Wälder im Rhonetal zu betreten und zu befahren.

    Im Departement Bouches-du-Rhône gilt ab Donnerstag ausserdem für siebzehn weitere Waldregionen die Warnstufe Gelb, so die Präfektur (PDF). Der Verkehr und der Zugang sind dort zwar erlaubt, Arbeiten sind jedoch ab 13 Uhr verboten.

  • Ist Frankreich nicht ausreichend auf das nukleare Risiko vorbereitet?

    Ist Frankreich nicht ausreichend auf das nukleare Risiko vorbereitet?

    Das jedenfalls ist das Ergebnis der jüngsten Untersuchung von Anccli, der Vereinigung der lokalen Informationskommissionen der Atomstandorte. Zum Beispiel haben 75% der Bewohner in der Nähe eines Kraftwerkes ihre Jodtabletten nicht abgeholt.

    Frankreich ist das am stärksten nuklearisierte Land der Welt. Das Bewusstsein des nuklearen Risikos ist bei den Franzosen jedoch nicht ausreichend entwickelt. Dies ist die Feststellung, die in einer heute veröffentlichten Untersuchung gemacht wurde. Derzeit leben alle Franzosen weniger als 200 km von einem Atomstandort entfernt, und laut einer Umfrage wissen 78% der Befragten nicht, was sie im Falle einer Industrie- oder Naturkatastrophe tun sollen.

    Es muss gesagt werden, dass Krisenübungen und Informationskampagnen darüber, was zu tun ist, nur etwas mehr als zwei Millionen Einwohner betreffen, die in einem Radius von 20 km um die Kraftwerke leben. Aber auch dort mangelt es an Vorbereitung. Als Beweis zeigt die Anccli in dieser Studie, dass nur ein Viertel der in diesen Gebieten lebenden Einwohner ihre Jodtabletten während der letzten Verteilungskampagne abgeholt hat. Dies ist eine Feststellung, die die Behörde für nukleare Sicherheit, ASN, bereits bei anderen Kampagnen gemacht hat.

    Die Jodtabletten müssen im Falle eines Atomunfalls sofort eingenommen werden. Es ist eine Möglichkeit, die Schilddrüse der Bewohner mit stabilem Jod zu sättigen, damit sich das eingeatmete oder aufgenommene radioaktive Jod nicht auf ihren Organen ablagert. Es ist ein Medikament, das nur auf Anweisung der Behörden eingenommen werden darf. Dies ist eine Lehre, die aus der Tschernobyl-Katastrophe vor 35 Jahren gezogen wurde, denn eine ihrer Folgen war die explosionsartige Zunahme von Schilddrüsenkrebsfällen in der Ukraine und Weißrussland.

    Seit 1997 werden regelmäßig Kampagnen zur Verteilung von Jodtabletten durchgeführt, damit Schulen, Altenheime, Unternehmen und Anwohner jederzeit über diese verfügen können. Aber 75% der betroffenen Einwohner sind während der letzten Kampagne nicht in die Apotheke gegangen, um sie zu holen. Eine Kampagne, die den Betreiber EDF immerhin 5 Millionen Euro gekostet hat – ohne die gewünschte Wirkung zu erzielen.

    Die Anccli will das Bewusstsein für das Risiko schärfen
    Wenn die Bewohner die Jodpastillen nicht abgeholt haben, liegt es laut Anccli auch daran, dass die Adressen nicht aktuell oder schlecht aufbereitet waren. Es fehlt aber offensichtlich manchmal auch an der Motivation der Bewohner, sich auf eine Krise vorzubereiten. Zum Beispiel stiegen 2011 in der Nähe des Kraftwerks Gravelines viele Menschen nicht in die Busse, um eine Evakuierung der Nachbarschaft zu simulieren. Oft versorgen die Gemeindeverwaltungen die Bürger selten mit Informationen darüber, wie man sich im Falle eines Unfalls verhalten sollte!

    Heute wenden sich die Autoren der Anccli-Untersuchung an den Staat, um ihn um regelmäßigere Übungen zu bitten, um die Einbeziehung der Rathäuser in die Verteilung von Jod, wie sie es in er Covid-Krise mit den Masken und den Impfstoffen tun.

    Für den Präsidenten der Anccli: Jean-Claude Delalonde, „sollte das nukleare Risiko kein Tabu sein. Anders als beim Coronavirus können wir nicht sagen, dass wir nicht vorher wussten, was zu tun ist„.