Paris erlebt derzeit eine der intensivsten Hitzewellen der vergangenen Jahre – und die Behörden greifen zu ungewöhnlichen Mitteln. Ab Freitagmittag gilt in der französischen Hauptstadt ein zeitlich begrenztes Alkoholverbot im öffentlichen Raum. Gleichzeitig dürfen Geschäfte während der Abend- und Nachtstunden keinen Alkohol mehr zum Mitnehmen verkaufen. Mit dieser Maßnahme soll verhindert werden, dass die ohnehin stark belasteten Rettungsdienste und Krankenhäuser durch zusätzliche Notfälle weiter unter Druck geraten.
Nach Angaben der Pariser Präfektur arbeiten die Kliniken der Hauptstadtregion bereits an der Belastungsgrenze. Die Zahl der Einweisungen steigt kontinuierlich, während Feuerwehr und Rettungsdienste deutlich mehr Einsätze als gewöhnlich bewältigen müssen. Allein am Donnerstag rückte die Feuerwehr zu mehr als 2.500 Einsätzen aus – etwa doppelt so häufig wie an einem durchschnittlichen Tag. Vor diesem Hintergrund sehen die Behörden dringenden Handlungsbedarf.
Das Alkoholverbot gilt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr am folgenden Morgen. In dieser Zeit ist der Konsum alkoholischer Getränke auf Straßen, öffentlichen Plätzen und in Parks untersagt. Parallel dazu dürfen Supermärkte, Kioske und andere Geschäfte keinen Alkohol zum Mitnehmen verkaufen. Ausgenommen bleiben Restaurants, Cafés und Bars mit genehmigten Außenbereichen. Dort dürfen Gäste weiterhin alkoholische Getränke bestellen und konsumieren.
Die Entscheidung mag auf den ersten Blick streng erscheinen, folgt jedoch einer medizinischen Logik. Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit und erschwert die natürliche Regulierung der Körpertemperatur. Gerade bei Temperaturen um oder sogar über 40 Grad steigt dadurch das Risiko für Kreislaufprobleme, Hitzschläge und andere lebensbedrohliche Komplikationen erheblich. Hinzu kommt, dass alkoholbedingte Unfälle oder Auseinandersetzungen zusätzliche Rettungseinsätze nach sich ziehen können – Einsätze, die in der aktuellen Lage möglichst vermieden werden sollen.
Die Hitzewelle trifft nicht nur Paris. In weiten Teilen Frankreichs gelten die höchsten Warnstufen. Millionen Menschen sind von extremen Temperaturen betroffen. Zahlreiche Schulen haben ihren Betrieb eingeschränkt oder geschlossen, Kommunen richten zusätzliche Trinkwasserstellen ein und klimatisierte Räume stehen besonders gefährdeten Menschen als Rückzugsorte zur Verfügung. Auch die Öffnungszeiten vieler Parks wurden verlängert, damit Bewohner bis in die Abendstunden schattige Aufenthaltsorte nutzen können.
Gesundheitsexperten raten dringend dazu, ausreichend Wasser zu trinken, körperliche Anstrengungen während der heißesten Stunden des Tages zu vermeiden und besonders ältere Menschen sowie chronisch Kranke im Blick zu behalten. Bereits wenige Stunden extremer Hitze können den Organismus stark belasten – vor allem dann, wenn Flüssigkeitsmangel hinzukommt.
Mit dem vorübergehenden Alkoholverbot setzt Paris ein deutliches Signal. Die Maßnahme soll nicht das gesellschaftliche Leben einschränken, sondern in einer außergewöhnlichen Wetterlage Menschen schützen und das Gesundheitssystem entlasten. Ob andere französische Städte diesem Beispiel folgen, hängt von der weiteren Entwicklung der Hitzewelle ab. Klar ist schon jetzt: Die extremen Temperaturen zwingen viele Kommunen dazu, neue Wege im Bevölkerungsschutz zu gehen.
Autor: Andreas M. B.



