Schlagwort: Reporter ohne Grenzen

  • Frankreichs Medienpolitik: Zwischen Desinformationsabwehr und Zensurverdacht

    Frankreichs Medienpolitik: Zwischen Desinformationsabwehr und Zensurverdacht

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will ein Gütesiegel für vertrauenswürdige Medien einführen. Der Vorschlag, der ursprünglich als Beitrag zur Stärkung der Informationskompetenz gedacht war, hat jedoch eine hitzige Debatte ausgelöst – über Pressefreiheit, pluralistische Meinungsbildung und die Grenzen staatlicher Einflussnahme auf den öffentlichen Diskurs. Die Kontroverse wirft ein Schlaglicht auf eine grundlegende Frage moderner Demokratien: Wer definiert, was „verlässliche Information“ ist – und mit welchem Mandat?

    Ein Medienlabel für die Republik Angekündigt wurde die Idee eines „Medienlabels“ im Herbst 2025 bei einem Gespräch des Präsidenten mit Leserinnen und Lesern der Regionalpresse in Arras. Emmanuel Macron schlug vor, ein professionelles Gütesiegel einzuführen, das Medien kennzeichnet, die journalistische Grundsätze achten und eine ethische Charta einhalten. Ziel sei es, diese Medien von Plattformen und Webseiten abzugrenzen, die sich auf Sensationsinhalte und Werbeeinnahm…

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  • Pressefreiheit in Trümmern – Der verzweifelte Ruf nach Zugang und Schutz für Journalisten in Gaza

    Pressefreiheit in Trümmern – Der verzweifelte Ruf nach Zugang und Schutz für Journalisten in Gaza

    Über 130 internationale Medien und NGOs, darunter France 24, RFI und MCD, schlagen Alarm. In einem eindringlichen Appell fordern sie freien Zugang zum Gazastreifen und umfassenden Schutz für Journalistinnen und Journalisten, die dort unter lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten. Diese Initiative wird von Reporter ohne Grenzen (RSF) getragen – und sie kommt nicht von ungefähr.

    Denn die Situation in Gaza ist dramatisch. Für die Medien, für die Pressefreiheit – und vor allem für jene, die vor Ort berichten.


    Der Zugang ist versperrt – und das ist kein Zufall

    Seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 verweigern israelische Behörden aus „Sicherheitsgründen“ internationalen Journalistinnen und Journalisten den Zutritt nach Gaza. In Wahrheit ist es aber ein Maulkorb – einer, der verhindert, dass die Welt unabhängige Informationen bekommt. Die Stimmen, die bleiben, gehören meist den lokalen Reporterinnen und Reportern. Doch diese zahlen einen hohen Preis.

    Laut RSF sind innerhalb von 20 Monaten über 200 von ihnen ums Leben gekommen. Über 200! Eine unvorstellbare Zahl – und ein tiefer Schlag gegen jede Vorstellung von journalistischer Freiheit.


    Die letzten Stimmen aus Gaza – und wie sie zum Schweigen gebracht werden

    Diejenigen, die noch berichten, wie der bekannte Fotojournalist Motaz Azaiza oder der mehrfach ausgezeichnete Rami Abou Jamous, kämpfen gegen die Stille an – mit Kameras, Handys, Mut und unglaublicher Ausdauer. Ihre Arbeit dokumentiert nicht nur die Grausamkeit des Krieges, sondern bringt auch Licht in das Dunkel der Propaganda.

    Was aber passiert, wenn selbst sie nicht mehr senden können?


    Gezielt ins Visier genommen?

    Reporter ohne Grenzen erhebt schwere Vorwürfe: Die israelische Armee soll gezielt Journalisten angreifen – besonders palästinensische und libanesische. 210 getötete Medienschaffende bis April 2025 sprechen eine brutale Sprache. 48 Medienhäuser in Gaza wurden zerstört.

    Das ist kein Kollateralschaden – das ist ein Angriff auf die vierte Gewalt.


    Und die internationale Gemeinschaft?

    Die Unterzeichner des Appells fordern klare Maßnahmen. Sie verlangen nicht weniger als das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Zugang für Journalistinnen und Journalisten, Schutz für ihre Arbeit – und das Ende der systematischen Repression gegen die freie Berichterstattung.

    Pressefreiheit ist kein Luxus. Sie ist Grundrecht, verankert in Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.


    Die menschliche Dimension – mehr als nur Zahlen

    Hinter jeder Zahl steht ein Mensch. Ein Leben. Eine Geschichte.

    Rami Abou Jamous etwa, der drei renommierte Preise beim Bayeux-Kriegsreporterpreis gewann, schilderte in einem Interview: „Ich habe gelernt, mit dem Tod zu leben. Angst ist keine Option mehr.“ Solche Sätze hallen nach – und zeigen, wie sehr diese Menschen an ihre Grenzen gehen, damit wir verstehen können, was dort geschieht.

    Motaz Azaiza wiederum hat mit seinen Bildern auf Instagram Hunderttausende erreicht. Oft mit zittriger Hand gefilmt, zwischen Trümmern und Schreien. Das ist kein Kino – das ist Realität. Und sie braucht Öffentlichkeit.


    Schweigen ist keine Option

    Weltweit wird viel über Fake News, über Manipulation und Zensur diskutiert. Doch was, wenn gar keine Nachrichten mehr durchkommen? Wenn Schweigen zur neuen Waffe wird?

    Der Kampf um Gaza ist längst nicht nur ein Krieg mit Raketen und Bomben – er ist auch ein Krieg um Narrative. Um Deutungshoheit. Und letztlich: um Wahrheit.

    Deshalb ist der Aufruf der 130 Organisationen mehr als nur ein Appell. Er ist ein Notruf.


    Es geht um mehr als nur Journalismus

    Es geht um unser Recht, zu wissen. Um die Pflicht, hinzusehen. Und darum, die wenigen Stimmen, die noch berichten, nicht im Stich zu lassen. Denn wenn auch sie verstummen, bleibt nur noch das Echo der Propaganda.

    Was braucht es noch, damit die Welt endlich reagiert?

    Von C. Hatty

  • Frankreichs Journalisten gedenken getöteter Kollegen in Gaza

    Frankreichs Journalisten gedenken getöteter Kollegen in Gaza

    Am Mittwoch, den 16. April 2025, versammelten sich in Paris und Marseille Hunderte Menschen, um der Journalistinnen und Journalisten zu gedenken, die seit Beginn des Israel-Gaza-Konflikts ihr Leben verloren haben. Es war ein stilles, aber eindrucksvolles Zeichen der Solidarität – getragen von Journalistinnen, Pressefreiheitsaktivisten und Bürgern, die sich für das Recht auf Information starkmachen.


    Ein Ruf nach Gerechtigkeit – mitten in Paris

    Auf dem Pariser Place de la République herrschte eine gespannte Ruhe. Keine Lautsprecher, keine Bühne. Nur Menschen mit Schildern, auf denen Namen standen – Namen von Journalistinnen und Reportern, die in Gaza ums Leben kamen. Ihre Gesichter sind nun Teil eines kollektiven Gedächtnisses.

    Die Organisatoren – ein Zusammenschluss aus Journalist*innen-Kollektiven und Pressefreiheitsorganisationen – riefen dazu auf, die Gewalt gegen Medienschaffende nicht länger hinzunehmen. In Marseille versammelten sich ebenfalls zahlreiche Menschen am Vieux-Port. Auch hier: stille Anteilnahme, eine Minute Schweigen, ein Moment der Würde.


    Eine erschütternde Bilanz

    Seit Oktober 2023 wurden laut der Internationalen Journalisten-Föderation über 50 Journalistinnen und Journalisten in Gaza getötet. Die allermeisten davon waren Palästinenser, viele arbeiteten für internationale Agenturen wie für lokale Medien. Diese Zahlen sind nicht nur Statistik – sie stehen für Leben, für Geschichten, für Stimmen, die nun für immer verstummt sind.

    Reporters sans frontières (Reporter ohne Grenzen) hat bei der Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eine Klage wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen eingereicht. Der Vorwurf: gezielte Angriffe der israelischen Armee auf Journalist*innen.


    Internationale Kritik wächst

    Auch international wächst das Unverständnis. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „tief beunruhigt“ über die vielen Todesfälle unter Journalist*innen. Die belgische Außenministerin Hadja Lahbib betonte, dass der Schutz von Pressevertretern auch in bewaffneten Konflikten ein unverrückbares Völkerrechtsprinzip sei.

    Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch fordern unabhängige Untersuchungen – und zwar dringend. Die Angriffe auf Medienvertreter seien nicht nur tragisch, sondern ein Angriff auf die Wahrheit selbst.


    Journalismus kennt keine Grenzen

    Was Paris und Marseille an diesem Tag verband, war mehr als nur ein Akt der Anteilnahme. Es war ein starkes Signal: Die Pressefreiheit ist nicht verhandelbar. Sie schützt nicht nur die, die berichten – sondern auch die, die informiert werden möchten. Und sie endet nicht an Staatsgrenzen.

    Die französische Journalismus-Community zeigte, dass sie bereit ist, für ihre Werte einzustehen. Auch dann, wenn es unbequem ist. Auch dann, wenn es politisch brisant wird.


    Warum das alles zählt

    In einer Welt, in der Desinformation floriert und die Wahrheit oft auf dem Schlachtfeld stirbt, sind Reporter*innen in Krisengebieten unsere Augen und Ohren. Ihre Arbeit ist gefährlich – und doch unverzichtbar.

    Die Mahnwachen in Paris und Marseille sind ein Weckruf: Wer die Pressefreiheit verteidigt, verteidigt mehr als nur ein Berufsrecht. Er verteidigt die Demokratie. Die Frage ist also: Wie viele müssen noch sterben, bis das endlich alle verstehen?

    Von C. Hatty

  • Pressefreiheit 2024: Frankreich verbessert sich, globale Herausforderungen bleiben

    Pressefreiheit 2024: Frankreich verbessert sich, globale Herausforderungen bleiben

    Im jüngsten Bericht zur Pressefreiheit von Reporters sans frontières (RSF) für das Jahr 2024 verbessert sich Frankreich um drei Plätze und erreicht nun den 21. Rang weltweit. Trotz dieser positiven Entwicklung unterstreicht der Bericht, dass Staaten weltweit zunehmend versagen, den Journalismus zu schützen. Frankreichs Verbesserung im Index ist ein Lichtblick in einem sonst düsteren globalen Szenario. Von Platz 24 im Jahr 2023 auf Platz 21 in 2024 zeigt sich, dass Frankreich Fortschritte gemacht hat, obwohl immer noch Herausforderungen bestehen. Diese Verbesserung könnte teilweise auf politische Anstrengungen zurückzuführen sein, die Pressefreiheit im Land nach einigen schwierigen Jahren zu stärken. Globale Bedrohungen und Rückgänge Der Bericht hebt hervor, dass politische Einflüsse weltweit die größte Bedrohung für die Pressefreiheit darstellen. Ein signifikanter Rückgang des politischen Indikators um 7,6 Punkte deutet darauf hin, dass immer mehr Staaten nicht in der Lage oder gewillt…

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  • Jährliche Weltrangliste der Pressefreiheit: Frankreich auf Platz 26 vorher war es auf Platz 34

    Jährliche Weltrangliste der Pressefreiheit: Frankreich auf Platz 26 vorher war es auf Platz 34

    Frankreich verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um acht Plätze, was vor allem auf das verbesserte Verhalten der Ordnungskräfte gegenüber Journalisten zurückzuführen ist. „Frankreich steht jetzt auf Platz 26, letztes Jahr war es Platz 34“, erklärt Christophe Deloire, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, auf Franceinfo, nachdem die jährliche Weltrangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen veröffentlicht wurde. Eines der Elemente dieser Verbesserung ist das Verhalten der Polizeikräfte gegenüber berichterstattenden Journalöisten. Journalisten waren bei Demonstrationen früher mit einer Art doppelten Front konfrontiert: Gewalt von Seiten einiger Demonstranten, Gewalt von Seiten der Polizei. Die Gewalt von Seiten der Ordnungskräfte hat offenbar im vergangenen Jahr deutlich nachgelassen. Eine große Sorge bleibt für Reporter ohne Grenzen die Polarisierung. Polarisierung ist eine Form der Radikalisierung bestimmter Medien, die sich auf nationaler Ebene auf demokratische Gesellschaften auswirken, da polarisierte Medien ständig Meinungen verbreiten, die gegenüber sachlichen Informationen überwiegen. Manche Polarisierungen führen zu verstärkten Spannungen innerhalb einer Gesellschaft. Diese Gefahr sieht Reporter ohne Grenzen in Frankreich insbesondere im Fall des Senders CNews, der als Kopie des US-amerikanischen FoxNews gegründet wurde und Meinung über Information stellt. Die Moderatoren von CNews bemühen sich nicht um objektive Berichterstattung, sondern unterlegen diese mit eindeutigen politischen Tendenzen. Reporter ohne Grenzen hat beim Staatsrat eine Klage gegen die Untätigkeit der Arcom (französische Regulierungsbehörde für audiovisuelle und digitale Kommunikation) gegenüber CNews eingereicht.
  • Warum liegt Frankreich beim Index der Pressefreiheit nur auf Platz 34?

    Warum liegt Frankreich beim Index der Pressefreiheit nur auf Platz 34?

    Reporter ohne Grenzen hat heute seinen jährlichen Welt-Pressefreiheits-Index veröffentlicht. Frankreich liegt nur auf Platz 34. Hier sind einige Erklärungen.

    In 73% der Länder, die im jährlichen Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen bewertet wurden, wird der Journalismus „ganz oder teilweise blockiert“. Die Pandemie scheint eine große Rolle bei der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Journalisten gespielt zu haben, so die Organisation.

    „Journalisten sind mit einer ‚Verweigerung des Zugangs‘ zu Orten und zu Informationsquellen konfrontiert, wegen oder unter dem Vorwand der Gesundheitskrise“, sagt die Organisation.

    Frankreich steht auf Platz 34 von 180 Ländern. Die wichtigsten Verletzungen der Presserechte in Frankreich fanden während der Demonstrationen gegen den neuen Gesetzentwurf zur „globalen Sicherheit“ statt. Ein Gesetz, dass die Veröffentlichung von Bildern von Angehörigen der Sicherheitskräfte einschränken würde.

    Durch die vielen Fälle von Polizeigewalt ist die Berichterstattung über die Demonstrationen zu einer komplizierten Aufgabe für Journalisten geworden. Mehrere von ihnen wurden durch LBDs (Abwehrgeschosse), Schlagstöcke verletzt oder durch Tränengas beeinträchtigt. Andere sind das Ziel willkürlicher Verhaftungen geworden oder ihre Ausrüstung wurde beschlagnahmt.

    „Auch investigative Journalisten sind nicht geschützt. Im Laufe des Jahres 2020 wurden mindestens zwei von ihnen von der Polizei (IGPN) im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen ‚Verheimlichung der Verletzung des Berufsgeheimnisses‘ vorgeladen, ein Mittel, das die Geheimhaltung von Quellen aushebeln kann“, so der Verband.

    Auch die Frage der redaktionellen Unabhängigkeit der Medien ist immer noch ein heikles Thema. Die vertikale Konzentration der Medien (ihre Einbindung in Konzerne mit Interessen in anderen Wirtschaftszweigen) ist die Ursache. Diese Situation hat die Interessenkonflikte verstärkt und das Misstrauen erhöht.

    Einige Ereignisse haben die Debatte über Meinungsfreiheit und religiöse Intoleranz in Frankreich wieder auf den Tisch gebracht: ein neuer Anschlag vor den ehemaligen Räumlichkeiten von Charlie Hebdo, der Mord an dem Lehrer Samuel Paty und der historische Prozess um den Anschlag auf die satirische Wochenzeitung im Jahr 2015.