Schlagwort: Redon

  • Das Wasser kommt verspätet – warum die Bretagne jetzt besonders wachsam sein muss

    Das Wasser kommt verspätet – warum die Bretagne jetzt besonders wachsam sein muss

    Der Regen ist längst gefallen und fällt weiter, die eigentliche Gefahr jedoch rollt erst noch an. In der Bretagne richtet sich der Blick dieser Tage weniger auf den Himmel als auf die Flüsse. Die höchsten Pegelstände werden für das kommende Wochenende erwartet, mit einer zeitlichen Verzögerung, die Experten seit Jahren kennen und fürchten. Der Präfekt der Region, Franck Robine, spricht von einem „effet de décalage“ – einem trügerischen Abstand zwischen Starkregen und Hochwasser.

    Vier Départements stehen unter Hochwasserwarnung Orange von Météo France: Finistère, Ille-et-Vilaine, Côtes-d’Armor und Morbihan. Was auf den Höhen des westlichen Finistère niedergeht, findet seinen Weg mit Verzögerung Richtung Osten. Besonders sensibel bleibt die Lage rund um Redon, wo mehrere Flüsse zusammenlaufen und sich Wassermassen sammeln wie Gedanken in einer schlaflosen Nacht.

    Der Präfekt rechnet vor: Rund vierzig Stunden vergehen zwischen den Regenfällen im Westen und dem kritischen Moment an der Vilaine. Ein Zeitraum, der Zeit zum Handeln lässt – und doch keine Entwarnung bedeutet. Im vergangenen Jahr stieg der Pegel hier auf über 5,60 Meter. Für dieses Wochenende prognostizieren Fachleute einen Höchststand von knapp unter fünf Metern. Weniger dramatisch, aber alles andere als harmlos.

    In Redon haben bereits 24 Einsatzkräfte der Sécurité civile einen mobilen Schutzdamm errichtet. Zusätzlich stehen hunderte Feuerwehrleute bereit, Boote, Drohnen, sogar ein Luftkissenfahrzeug. Das klingt nach schwerem Gerät, nach Ernstfall – und genau das ist es auch. Hochwasser folgt eigenen Regeln. Es kündigt sich leise an, fast höflich, bevor es Straßen, Keller und Erinnerungen überflutet.

    Weiter südlich, in Malestroit im Morbihan, sind erste Häuser betroffen. Die Reaktionen fallen erstaunlich gelassen aus. Man kennt das hier, man lebt mit dem Fluss, sagt der Präfekt. Ein bisschen fatalistisch vielleicht, ein bisschen bretonisch-stoisch. Frei nach dem Motto: Das Wasser kommt, wir bleiben ruhig.

    Und doch bleibt die Mahnung. Die eigentliche Gefahr lauert nicht im Regen, sondern in der zeitlichen Lücke danach. Wer jetzt glaubt, das Schlimmste liege hinter uns, könnte sich täuschen. Oder, um es salopp zu sagen: Das Wasser hat Geduld.

    Von C. Hatty

  • Neue Flutwarnung in der Bretagne – das Warten auf den nächsten Pegelanstieg

    Neue Flutwarnung in der Bretagne – das Warten auf den nächsten Pegelanstieg

    Der Regen hat in der Bretagne ein eigenes Geräusch. Er trommelt nicht, er mahnt. Und seit Tagen hören die Menschen zwischen Flussläufen, Hafenmauern und überfluteten Terrassen sehr genau hin. In der gesamten Bretagne bleibt die Lage angespannt, die Gefahr neuer Überschwemmungen schwebt wie eine dunkle Wolke über den Orten entlang von Oust und Vilaine.

    Im Hafen von Redon stehen seit Montag 250 Meter mobiler Hochwasserschutz. Errichtet von der Zivilschutzbehörde, wirken die Barrieren wie ein provisorischer Wall gegen eine Natur, die sich wenig um Kalender oder Zuständigkeiten schert. Am Abend setzt der Regen erneut ein. Viele Anwohner denken gar nicht daran, schlafen zu gehen. Man bleibt wach, schaut auf den Wasserstand, lauscht in die Nacht. Es ist dieses nervöse Warten, das mehr zermürbt als das Wasser selbst.

    Rund dreißig Kilometer weiter, in Malestroit, hat das Hochwasser bereits Spuren hinterlassen. Die Oust ist über die Ufer getreten, zum fünften Mal binnen weniger Tage. Terrassen stehen unter Wasser, Möbel wurden vorsorglich hochgestellt. Bei Anaïs Bellec ist es ein ständiges Rein und Raus. Freitag Wasser im Haus, Samstag alles trocken, dann die Rückkehr der Flut. Ein Auf und Ab, das jede Planung zunichtemacht. Man weiß buchstäblich nicht, woran man ist.

    Zwar ist der Pegel am Montagmorgen leicht gesunken, doch die Erleichterung wirkt brüchig. Neue Regenfälle stehen bevor, und mit ihnen die Möglichkeit, dass das Wasser zurückkommt. In Malestroit arbeitet seit fünf Tagen eine Krisenzelle im Rathaus. Fast 400 Anrufe von besorgten Bürgerinnen und Bürgern sind eingegangen. Fragen, Meldungen, manchmal einfach nur der Wunsch, gehört zu werden. Auch das gehört zur Bewältigung solcher Lagen.

    Die Sorgen reichen bis nach Saint-Nicolas-de-Redon, wo eine Einkaufszone nahe der Vilaine liegt. Hier sitzt die Erinnerung tief. Im vergangenen Jahr stand ein Hypermarkt unter Wasser, zwei Monate lang blieb er geschlossen, der Schaden ging in die Millionen. Kunden denken beim Einkauf längst nicht mehr nur an Preise und Einkaufslisten. Man nimmt noch schnell mit, was man braucht – wer weiß, wie lange es noch geht.

    Zwischen Sandsäcken, Barrieren und aufgestapelten Möbeln zeigt sich eine Region im Ausnahmezustand, aber auch mit Routine. Man kennt das Hochwasser inzwischen. Und gerade das macht es so bitter.

    Autor: Daniel Ivers

  • Redon nach dem Hochwasser: Die Fluten weichen nur langsam

    Redon nach dem Hochwasser: Die Fluten weichen nur langsam

    In Redon und anderen betroffenen Gemeinden der Bretagne beginnt die langersehnte Entspannung – doch sie lässt auf sich warten. Das Wasser zieht sich zwar zurück, aber nur in Zeitlupe. Für viele bleibt die Rückkehr in die eigenen vier Wände eine quälende Geduldsprobe.

    Ein Alltag zwischen Hoffnung und Verzweiflung

    Jean-François Longuet steht seit Tagen vor seiner Haustür und fragt sich, wann er endlich wieder hinein kann. „Ich frage mich, wie wir das schaffen sollen“, sagt er und schaut auf das Wasser, das sich noch immer in manchen Räumen staut. Eine Woche lang ist er schon jeden Tag hergekommen, um nach dem Rechten zu sehen.

    In den Straßen von Redon wird der Fortschritt sichtbar – aber nur Stück für Stück. Die ersten Keller werden ausgepumpt, einige Straßen tauchen langsam wieder auf. Feuerwehrleute sind im Dauereinsatz, um das Wasser aus Gebäuden zu schaffen. Doch am Morgen stand es mancherorts noch bei 1,60 Meter.

    Ein drittes Mal unter Wasser

    Jean-Paul Massiot, ein Rentner aus Redon, erlebt diese Situation nicht zum ersten Mal. „Das ist jetzt die dritte Überschwemmung für mich“, erzählt er mit einer Mischung aus Resignation und Frustration. Sein größtes Fragezeichen: Wie lange wird es dauern, bis die Versicherungen zahlen?

    Viele Bewohner stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die Straßen sind teils noch unpassierbar, einige Viertel komplett abgeschnitten. Besonders dramatisch: 53 Menschen haben immer noch keinen Strom. Für sie ist die oberste Priorität, so schnell wie möglich nach Hause zurückzukehren – wenn das Wasser es zulässt.

    Hoffnung auf schnelle Unterstützung

    Innenminister Bruno Retailleau war vor Ort und versicherte, dass das Verfahren zur Anerkennung als Naturkatastrophe beschleunigt werde. Das bedeutet: Betroffene könnten schneller an Entschädigungen kommen.

    Doch eine Frage bleibt: Wie oft soll das noch passieren? Dass extreme Wetterereignisse wie diese in den letzten Jahren immer häufiger auftreten, ist kein Zufall. Der Klimawandel sorgt dafür, dass Starkregenfälle intensiver ausfallen und Flüsse über die Ufer treten. Wer jetzt noch glaubt, dass solche Katastrophen Ausnahmefälle bleiben, macht sich etwas vor.

    Für die Menschen in Redon heißt es derweil: Warten, Pumpen, Hoffen. Und die bange Frage – wann kommt die nächste Flut?

    Von Andreas M. Brucker

  • Flutkatastrophe in Redon: Eine Stadt im Wasser gefangen

    Flutkatastrophe in Redon: Eine Stadt im Wasser gefangen

    Normalerweise fließt die Vilaine ruhig durch die Stadt, umgeben von Marschland, Kanälen und Feldern. Doch seit dem 29. Januar sieht Redon (Ille-et-Vilaine) aus wie eine Festung – umzingelt nicht von Mauern, sondern von Wasser. Die 10.000-Einwohner-Stadt ist weitgehend abgeschnitten, Straßen sind überflutet, Notfallkräfte im Dauereinsatz.

    Mitten in der Nacht abgeschnitten

    Schon in den Abendstunden zeichnete sich ab, dass die Lage kritisch werden würde. Dann ging alles schnell: Wasser drückte von allen Seiten ins Stadtgebiet, Straßen verwandelten sich in reißende Ströme. Kurz nach Mitternacht entschieden die Behörden, die Zufahrtswege zu sperren – aus Sicherheitsgründen.

    Eintritt verboten, außer für Rettungskräfte und Anwohner, die dringend nach Hause mussten.

    In einigen Vierteln blieb den Menschen nichts anderes übrig, als improvisierte Holzstege zu nutzen, um von A nach B zu kommen. Ein schmaler Grat zwischen Normalität und Katastrophe – buchstäblich.

    Die Pegel steigen weiter

    Am Morgen des 30. Januar steht das Wasser in einigen Bereichen bereits 5,10 Meter hoch. Und es steigt weiter.

    Die Marschlandschaft ist nicht wiederzuerkennen, Äcker und Weinberge sind verschwunden, die Vilaine hat sich aus ihrem Bett erhoben und beansprucht das Zentrum für sich.

    Und die Schutzmaßnahmen? Sie halten kaum stand. Die Barrieren am Hafen geben dem Druck nach, das Wasser strömt unaufhaltsam weiter. Einkaufszentren stehen bereits unter Wasser. Vom Parkplatz ist nichts mehr zu sehen – nur noch ein stiller See.

    Und die Tankstelle? Man erkennt sie noch. Aber wie lange?

    Die Prognosen sind düster: Der Wasserstand könnte den ganzen Tag über weiter steigen.

    Eine Stadt im Ausnahmezustand

    Redon ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren häufen sich Hochwasserereignisse in Frankreich, oft als Folge extremer Wetterbedingungen. Mehr Niederschlag in kürzerer Zeit, dazu ein bereits gesättigter Boden – perfekte Bedingungen für Überschwemmungen.

    Kann sich Redon noch retten? Die nächsten Stunden werden es zeigen.

    Von Andreas M. B.

  • Hochwasser in Redon: Droht ein neuer Rekord?

    Hochwasser in Redon: Droht ein neuer Rekord?

    In Redon (Ille-et-Vilaine) steht das Wasser so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr – und es steigt weiter. Der bisherige Höchststand aus dem Jahr 1936 könnte in den nächsten Stunden überschritten werden.

    Eine kritische Lage

    Die Pegelstände der Vilaine steigen unaufhörlich. Schon jetzt bewegen sie sich in einem Bereich, der als historisch bezeichnet werden kann. Laut Anne Morantin, Leiterin der Hochwasservorhersage bei der Dreal Bretagne (Direction régionale de l’environnement, de l’aménagement et du logement), steht Redon vor einem der höchsten Hochwasserstände seiner Geschichte.

    Die Départements Ille-et-Vilaine und Morbihan befinden sich weiterhin in der höchsten Alarmstufe – der roten Hochwasserwarnung. Besonders betroffen ist Redon, das genau an der Schnittstelle dieser beiden Regionen liegt. Hier ist die Situation besonders kritisch, da der Hochwasserscheitel der Vilaine noch nicht erreicht ist.

    Wann kommt die Entspannung?

    Zusätzliche Regenfälle in den vergangenen Stunden haben die Lage weiter verschärft. „Wir haben gestern und in der Nacht erneut Niederschläge erlebt, die das Wasser wieder etwas ansteigen lassen“, erklärt Morantin. Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Experten rechnen mit einem baldigen Rückgang der Pegel – zumindest in bestimmten Teilen des Flusseinzugsgebiets.

    Zunächst wird sich die Lage im Oberlauf der Vilaine entspannen, etwa in den Zuflüssen wie dem Meu. Weiter flussabwärts, also in der mittleren und unteren Vilaine, verzögert sich die Entlastung. Für Redon bedeutet das: Geduld ist gefragt. Da die Stadt am Unterlauf des Flusses liegt, wird sie den höchsten Pegel erst später zu spüren bekommen.

    Ein neuer Höchststand?

    Der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 1936 lag bei 5,46 Metern. Aktuell befinden sich die Pegel bereits in Rekordnähe – und steigen weiter. „Der Wasserstand in Redon nimmt zwar langsamer zu, aber er steigt weiterhin“, so Morantin. In den nächsten 24 Stunden könnte der historische Wert erreicht oder sogar überschritten werden.

    Wird 2025 also als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem Redon die schlimmste Flut seit fast 90 Jahren erlebte? Die kommenden Stunden werden entscheidend sein.

    Artikel: MAB

  • Überschwemmungen in der Bretagne: In Redon steigt das Wasser unaufhörlich

    Überschwemmungen in der Bretagne: In Redon steigt das Wasser unaufhörlich

    Seit Tagen wüten Stürme über der Bretagne. In der vergangenen Nacht traf Sturmtief Ivo auf den Westen Frankreichs und verschärfte die ohnehin angespannte Lage. Sechs Départements stehen unter orangefarbener Wetterwarnung, drei – darunter Ille-et-Vilaine – wurden sogar auf Rot hochgestuft. Besonders hart getroffen: die Gemeinde Saint-Nicolas-de-Redon. Sie ist inzwischen menschenleer.

    Eine Stadt versinkt im Wasser

    Die Nacht bricht herein, doch die Vilaine tritt weiterhin über die Ufer. In Redon hat sich eine gespenstische Stille ausgebreitet. Nur vereinzelt kehren Menschen noch einmal zurück, um das Nötigste aus ihren Häusern zu holen. Einer von ihnen blickt auf das steigende Wasser und fragt resigniert: „Wo soll das noch enden?“

    Die Hochwasserwarnstufe Rot bleibt bestehen – mindestens bis Donnerstag. Sturmtief Ivo hat die bereits durch die vorherigen Unwetter Eowyn und Herminia verursachten Überschwemmungen weiter verschärft. Die Wasserstände sind alarmierend: Die Vilaine soll am Donnerstagnachmittag eine Höhe von 5,42 Metern erreichen, vielleicht sogar 5,62 Meter. Zum Vergleich: Die Rekordflut von 1936 lag bei 5,46 Metern.

    Der Pegel steigt schneller als erwartet

    Schon am Mittwochmorgen breiteten sich die Wassermassen rasant aus – schneller als viele dachten. Regen, Sturm und steigende Pegel haben eine gefährliche Mischung geschaffen. In den Straßen von Redon drückt das Wasser bereits aus den Abwasserschächten nach oben.

    Ein Restaurantbesitzer deutet auf eine Markierung an einer Mauer: „Da war 1995 die höchste Flut. Und jetzt? Jetzt sagen sie, es wird noch schlimmer.“ Seine Stimme klingt ungläubig.

    Die Feuerwehr geht von Tür zu Tür, fordert die letzten Bewohner zur Evakuierung auf. Bald soll der Strom abgeschaltet werden, um Kurzschlüsse und Brände zu verhindern. Und als wäre das nicht genug, wird das Wasser bis Donnerstagmorgen noch einmal um 30 Zentimeter steigen.

    Wie lange hält Redon diesem Druck noch stand?