Wer derzeit an den Stränden des Bassin d’Arcachon oder an der Atlantikküste der Gironde ins Wasser möchte, blickt oft erst einmal aufmerksam aufs Meer. In den vergangenen Tagen häufen sich Berichte über ungewöhnlich große Quallen in Küstennähe. Manche Urlauber entscheiden sich deshalb gegen ein Bad, andere beobachten die faszinierenden Tiere lieber vom Strand aus. Der Anblick wirkt beeindruckend, doch in den meisten Fällen steckt dahinter ein ganz normales Naturphänomen.
Während der Sommermonate gelangen Quallen regelmäßig aus dem offenen Atlantik an die Küste. Verantwortlich dafür ist das Zusammenspiel aus Wind, Gezeiten und Meeresströmungen. Vor allem nach längeren Phasen mit westlichen Winden treiben die Tiere in Richtung Strand und sammeln sich in geschützten Buchten oder flachen Küstenbereichen. Rund um Arcachon lässt sich dieses Schauspiel fast jedes Jahr beobachten – mal stärker, mal schwächer.
Die aktuelle Wetterlage verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Ruhige See und vergleichsweise warme Oberflächengewässer sorgen dafür, dass die Quallen länger in Küstennähe bleiben. Statt rasch wieder aufs offene Meer hinauszutreiben, verweilen sie oft mehrere Tage in Strandnähe. Genau deshalb fallen sie Urlaubern derzeit besonders häufig auf.
Auch die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen dürften ihren Teil dazu beitragen. Viele Quallenarten wachsen bei wärmerem Wasser schneller, und günstige Bedingungen fördern ihre Vermehrung. Trotzdem sehen Meeresbiologen keinen Grund, jedes quallenreiche Jahr ausschließlich mit dem Klimawandel zu erklären. Die Bestände schwanken von Natur aus erheblich. Strömungen, das Nahrungsangebot und der Fortpflanzungserfolg spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle.
Warum lösen Quallen trotzdem so viel Unbehagen aus? Vor allem ihre Größe beeindruckt. Manche Exemplare erreichen einen Schirmdurchmesser von mehreren Dutzend Zentimetern, dazu kommen lange Tentakel, die sich scheinbar endlos durchs Wasser ziehen. Wer so einem Tier beim Schwimmen begegnet, bekommt schnell Respekt – und das ist durchaus verständlich.
Doch groß bedeutet nicht automatisch gefährlich. Einige der häufig vorkommenden Arten verursachen lediglich leichte Hautreizungen, andere stechen deutlich schmerzhafter. Deshalb raten Rettungsschwimmer grundsätzlich davon ab, Quallen anzufassen – weder im Wasser noch am Strand. Selbst angespülte Tiere besitzen häufig noch aktive Nesselzellen und können schmerzhafte Verletzungen verursachen. Da gilt ganz klar: Finger weg.
Trotz der zahlreichen Sichtungen gibt es an den meisten Stränden keine Badeverbote. Die örtlichen Rettungsdienste beobachten die Situation aufmerksam und informieren Besucher, falls größere Quallenfelder in Ufernähe treiben. Wer baden möchte, sollte dennoch umsichtig bleiben. Quallen lassen sich meist problemlos umschwimmen, Kinder verdienen besondere Aufmerksamkeit, und nach einem Stich empfiehlt sich das Abspülen der betroffenen Stelle mit Meerwasser. Halten die Beschwerden an oder fallen stärker aus, schafft eine medizinische Untersuchung Sicherheit.
Quallenblüten gehören seit jeher zum natürlichen Rhythmus des Atlantiks und treten besonders zwischen Juni und August regelmäßig auf. Vielleicht fallen sie in diesem Sommer auch deshalb stärker auf, weil gleichzeitig besonders viele Menschen an den Stränden unterwegs sind und Beobachtungen innerhalb weniger Minuten über soziale Netzwerke geteilt werden. Wer kennt das nicht?
Für Urlauber besteht deshalb kein Anlass, den Badeurlaub abzubrechen. Mit etwas Aufmerksamkeit und einem respektvollen Abstand zu den Meerestieren steht einem Tag am Atlantik meist nichts im Weg. Oft verändert sich die Windrichtung schon nach wenigen Tagen – und mit ihr verschwinden auch die Quallen wieder aus den Badezonen.
Christine Macha





