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  • Wenn ein Waldbrand sein eigenes Wetter macht

    Wenn ein Waldbrand sein eigenes Wetter macht

    In den Wäldern der Landes rund um Luglon geschieht derzeit etwas, das selbst erfahrene Feuerwehrleute besonders fürchten. Der Brand frisst sich nicht mehr einfach durch Bäume, Unterholz und trockenen Waldboden. Seine gewaltige Hitze beginnt, die Atmosphäre über dem Feuer zu beeinflussen. Fachleute sprechen von einem konvektiven Feuer.

    Am Samstag hatte der Brand bereits rund 1.600 Hektar erfasst. Etwa 550 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen. Doch bei einem Feuer dieser Größenordnung reicht der Blick auf Windrichtung und Vegetation längst nicht mehr aus.

    Denn irgendwann macht das Feuer sein eigenes Wetter.

    Eine gigantische Heißluftsäule

    Das Prinzip dahinter klingt zunächst erstaunlich simpel. Ein extrem intensiver Waldbrand erhitzt die Luft über den Flammen innerhalb kurzer Zeit. Die heiße Luft besitzt eine geringere Dichte als die kühlere Umgebungsluft und steigt deshalb mit großer Geschwindigkeit nach oben.

    Mit ihr reisen Rauch, Asche, Wasserdampf und feinste Partikel in die Höhe.

    So entsteht über dem Brand eine gewaltige aufsteigende Luftsäule. Man könnte sie sich wie einen gigantischen Schornstein vorstellen, nur ohne Mauern und mit enormer Kraft. Je stärker das Feuer brennt, desto mächtiger steigt diese Säule empor.

    Gleichzeitig saugt sie in Bodennähe neue Luft an.

    Und genau da wird die Sache brenzlig: Mit dieser Luft strömt zusätzlicher Sauerstoff zum Feuer. Die Flammen erhalten neue Nahrung, die Hitze nimmt zu und die aufsteigende Luft gewinnt weiter an Kraft. Ein Kreislauf entsteht, bei dem sich Feuer und Luftbewegung gegenseitig antreiben.

    Wenn über den Flammen Wolken wachsen

    Steigt die heiße Luft weit genug auf, kühlt sie ab. Der mitgeführte Wasserdampf kondensiert an Rauch und Aschepartikeln. Über dem Feuer bildet sich eine Wolke, ein sogenannter Pyrocumulus.

    Unter besonders instabilen atmosphärischen Bedingungen wächst daraus sogar ein Pyrocumulonimbus. Dieser mächtige Wolkenturm ähnelt einem Gewitter und reicht mehrere Kilometer hoch, in extremen Fällen bis in die Nähe der Stratosphäre.

    Was hat ein Waldbrand plötzlich mit einem Gewitter gemeinsam?

    Mehr, als einem lieb sein dürfte.

    Ein Pyrocumulonimbus bringt starke Luftströmungen hervor. Er kann Blitze erzeugen und heftige, schwer vorhersehbare Windböen auslösen. Gleichzeitig reißen die aufsteigenden Luftmassen glühende Rinde, Äste und andere brennende Teilchen mit.

    Diese Glutstücke fallen teilweise weit entfernt vom eigentlichen Brandherd wieder zu Boden.

    Dort entzünden sie trockenes Gras, Büsche oder Bäume – und plötzlich brennt es hinter den Linien der Feuerwehr. Solche Feuersprünge gehören zu den gefährlichsten Begleiterscheinungen großer Waldbrände.

    Genau dieses Problem beschäftigt die Einsatzkräfte bei Luglon. Ein Feuersprung löste südöstlich des Ortes einen zweiten aktiven Brandbereich aus. Die Ränder des gesamten Feuers erstreckten sich am Samstag über ungefähr 48 Kilometer. Rund 30 Kilometer davon mussten noch bearbeitet und gesichert werden.

    Plötzlich gelten andere Regeln

    Bei einem gewöhnlicheren Waldbrand bestimmen vor allem Wind, Gelände und Vegetation, wohin sich die Flammen bewegen. Feuerwehr und Einsatzleitung beobachten diese Faktoren genau und richten ihre Strategie danach aus.

    Ein konvektives Feuer mischt die Karten neu.

    Die enorme Hitze erzeugt kräftige vertikale Luftbewegungen und beeinflusst dadurch selbst den Wind in Bodennähe. Besonders gefährlich wird es, wenn eine solche Konvektionssäule zusammenbricht. Dann stürzt Luft nach unten und breitet sich am Boden in verschiedene Richtungen aus. Innerhalb kurzer Zeit schlagen Flammen womöglich dorthin, wo Einsatzkräfte kurz zuvor noch einen vergleichsweise sicheren Bereich vermuteten.

    Das Feuer besitzt damit gewissermaßen seinen eigenen Atem.

    Und wie bekämpft man einen Brand, der plötzlich selbst an den Stellschrauben des Wetters dreht?

    Genau darin liegt die große Herausforderung. Meteorologen erkennen Bedingungen, die einen Pyrocumulonimbus begünstigen: enorme Brandintensität, starke Hitze und eine instabile Atmosphäre. Den exakten Moment seiner Entstehung vorherzusagen, bleibt jedoch äußerst schwierig.

    Die gelegentlich verwendete Formulierung, ein großer Waldbrand „erschaffe sein eigenes Klima“, klingt zunächst dramatisch. Meteorologisch präziser wäre „eigenes Wetter“. Doch das Bild trifft den Kern ziemlich gut.

    Wenn Flammen kilometerhohe Luftsäulen antreiben, eigene Winde hervorrufen, Glut durch die Atmosphäre schleudern und schließlich Wolken entstehen lassen, verschwimmt die Grenze zwischen Waldbrand und Wetterereignis.

    Dann brennt nicht mehr nur der Wald.

    Über ihm gerät auch der Himmel in Bewegung.

    Ein Artikel von M. Legrand