Schlagwort: Provence Alpes Côte d’Azur

  • Marseille rückt näher an New York

    Marseille rückt näher an New York

    Ab Juni 2027 schrumpft der Atlantik für Marseille ein gutes Stück. United Airlines verbindet die südfranzösische Metropole täglich direkt mit New York Newark. Für die Provence bedeutet die neue Strecke weit mehr als einen zusätzlichen Eintrag auf dem Abflugplan – sie öffnet eine direkte Tür zu einem der wichtigsten und ausgabefreudigsten Reisemärkte der Welt.

    Am 5. Juni 2027 startet der erste Flug von Marseille Richtung New York. Bereits einen Tag zuvor hebt die erste Maschine in Newark nach Südfrankreich ab. United setzt einen Airbus A321XLR mit 150 Plätzen ein, darunter 20 Polaris Suiten mit vollständig flachstellbaren Sitzen. Für die Strecke nach New York sind rund neun Stunden und 15 Minuten vorgesehen.

    Vorbei also mit dem Umsteigen in Paris, Frankfurt, London oder Amsterdam.

    Was auf der Landkarte zunächst nach einer simplen neuen Fluglinie aussieht, besitzt für Marseille durchaus historischen Charakter. Noch nie zuvor nahm eine amerikanische Fluggesellschaft die Stadt mit einer Nonstopverbindung in ihr Netz auf. Newark spielt dabei eine besondere Rolle: United bietet von seinem dortigen Drehkreuz Anschlüsse zu mehr als 120 Zielen in den USA und auf dem amerikanischen Kontinent.

    Für Reisende aus Südfrankreich rücken damit nicht nur Manhattan und Brooklyn näher. Auch Städte wie Chicago, Los Angeles, Miami oder Denver lassen sich künftig mit nur einem Umstieg erreichen.

    Doch wirtschaftlich könnte die Gegenrichtung noch spannender ausfallen.

    Amerikaner lieben die Provence

    Rund 250.000 Menschen reisen bereits jedes Jahr zwischen Marseille und den Vereinigten Staaten. Fast die Hälfte davon stammt aus den USA. Gleichzeitig steigt das Interesse amerikanischer Gäste an Marseille deutlich.

    Zwischen Januar und Juli 2026 legten ihre Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent zu. Besonders auffällig verlief der Frühsommer: Im Juni lag das Plus bei 45 Prozent, im Juli noch bei 31 Prozent.

    Warum sollte jemand aus New York ausgerechnet nach Marseille fliegen?

    Die Antwort liegt praktisch vor der Haustür des Flughafens: Marseille selbst mit seinem Alten Hafen, den Calanques und seiner lebhaften Gastronomie. Dazu kommen Aix en Provence, Arles, Avignon, die Camargue, der Luberon und weiter östlich die Côte d’Azur. Für viele amerikanische Urlauber klingt das ziemlich genau nach jenem Frankreich, das sie aus Filmen, Büchern und Reiseträumen kennen.

    Und diese Gäste lassen Geld in der Region.

    Amerikaner bilden inzwischen die größte ausländische Hotelkundengruppe in Provence Alpes Côte d’Azur. Rund 6,4 Millionen Übernachtungen pro Jahr gehen auf ihr Konto. Noch interessanter für Hoteliers, Gastronomen und Händler sind ihre Ausgaben: Im Durchschnitt geben US Gäste etwa 134 Euro pro Tag aus. Internationale Besucher insgesamt liegen bei rund 87 Euro, französische Urlauber bei 61 Euro.

    Da klingelt nicht nur an der Hotelrezeption die Kasse.

    Restaurants, Museen, Geschäfte, Autovermieter, Weingüter und Anbieter hochwertiger Freizeitangebote dürften ebenfalls profitieren. Gerade kleinere Orte im Hinterland könnten neue Gäste erreichen, sofern es gelingt, sie geschickt mit Marseille zu verknüpfen.

    Ein neues Tor zum Süden

    Die Verbindung trifft auf eine Region, deren internationaler Tourismus weiter wächst. Ausländische Gäste stellen mittlerweile rund 37 Prozent der Besucher in Provence Alpes Côte d’Azur. Besonders dynamisch entwickeln sich die amerikanischen und asiatischen Märkte.

    Marseille wiederum arbeitet seit Jahren daran, sein altes Image als reine Hafenstadt abzustreifen. Neue Kulturangebote, internationale Veranstaltungen, moderne Stadtviertel und eine immer sichtbarere Gastronomieszene verändern den Blick auf die Metropole.

    Eine tägliche Verbindung mit New York passt perfekt in dieses Bild.

    Bleibt nur die Frage: Wird aus der neuen Flugroute tatsächlich ein dauerhafter wirtschaftlicher Höhenflug?

    Die Voraussetzungen sehen gut aus. Die Nachfrage existiert bereits, amerikanische Besucher kommen zahlreicher denn je und der lästige Zwischenstopp entfällt. Ab Sommer 2027 trennt Manhattan von Marseille im besten Fall nur noch ein Nachtflug – und für die Provence könnte genau diese Verbindung erstaunlich weit reichen.

    Ein Artikel von M. Legrand

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