Schlagwort: Provence-Alpes-Côte d’Azur

  • Home-Jacking bei Michaël Youn: Wenn das eigene Zuhause plötzlich kein Schutzraum mehr ist

    Home-Jacking bei Michaël Youn: Wenn das eigene Zuhause plötzlich kein Schutzraum mehr ist

    Der französische Schauspieler und Moderator Michaël Youn ist gemeinsam mit seiner Familie am 11. Mai Opfer eines sogenannten Home-Jackings geworden. Die Tat ereignete sich nahe Aix-en-Provence – mitten in der Nacht, während sich die Familie im Haus befand. Genau dieser Umstand sorgt in Frankreich derzeit für besondere Unruhe. Denn bei einem klassischen Einbruch geht es meist um Sachschäden oder Diebstahl. Beim Home-Jacking dagegen dringen Täter bewusst in bewohnte Häuser ein. Das Ziel: maximale Einschüchterung, schnelle Beute und psychischer Druck. Nach ersten Erkenntnissen verschafften sich mehrere Personen Zugang zum Anwesen des Schauspielers und Entertainers und überraschten die Bewohner im Inneren des Hauses. Vieles liegt noch im Dunkeln. Ermittler versuchen derzeit herauszufinden, ob die Täter gezielt Informationen über die Familie gesammelt hatten oder ob die Bekanntheit Youns allein genügte, um das Anwesen ins Visier zu nehmen. Gerade prominente Persönlichkeiten geraten in Frank…

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  • SNCF verteidigt ihre Bastion in Südfrankreich

    SNCF verteidigt ihre Bastion in Südfrankreich

    Die Öffnung des französischen Regionalbahnmarkts galt lange als stille Kampfansage an die SNCF. Viele Beobachter erwarteten, dass private Anbieter Stück für Stück lukrative Regionalstrecken übernehmen und den Staatskonzern aus seiner jahrzehntelangen Komfortzone drängen würden. Nun zeigt sich in Südfrankreich ein deutlich komplexeres Bild.

    Die Region Sud/PACA hat entschieden, den Betrieb mehrerer wichtiger TER-Linien erneut an SNCF Voyageurs zu vergeben. Ab Dezember 2029 soll der Konzern für zehn Jahre die sogenannten „Lignes Est Provence et ligne des Alpes“ betreiben. Dahinter verbergen sich strategisch bedeutende Verbindungen zwischen Marseille, Aix-en-Provence, Briançon, Toulon, Hyères und Les Arcs. Der Vertrag umfasst ein Volumen von rund 2,25 Milliarden Euro – ein Schwergewicht im französischen Regionalverkehr.

    Das Signal aus Marseille ist politisch brisant.

    Denn ausgerechnet die Region Sud gehörte zu den lautesten Verfechtern der Bahnliberalisierung in Frankreich. Seit Sommer 2025 fährt dort mit Transdev erstmals ein privater Betreiber auf der prestigeträchtigen Strecke Marseille–Nizza anstelle der SNCF. In Frankreich wirkte dieser Schritt beinahe historisch. Jahrzehntelang schien die SNCF unangreifbar – plötzlich stand ein Konkurrent auf den Bahnsteigen der Mittelmeerküste.

    Und jetzt? Jetzt gewinnt die SNCF selbst eine Ausschreibung im Wettbewerb.

    Genau darin liegt die eigentliche Zeitenwende. Die Liberalisierung bedeutet eben nicht automatisch Privatisierung. Der Staat zieht sich nicht aus dem Regionalverkehr zurück, sondern organisiert ihn neu. Die Regionen schreiben Leistungen aus, Betreiber bewerben sich – und manchmal setzt sich eben die historische Staatsbahn durch.

    Allerdings nicht mehr per Automatismus.

    Die nun vergebenen Alpenlinien gelten als kompliziertes Terrain. Wer dort Züge betreibt, braucht Erfahrung, robuste Betriebsabläufe und starke Nerven. Die Strecke Richtung Briançon führt durch anspruchsvolle Gebirgslandschaften, über zahlreiche Brücken und durch Tunnel. Viele Abschnitte sind eingleisig und bis heute nicht elektrifiziert. Im Winter drücken Schnee und Frost auf die Infrastruktur, im Sommer drohen Hitze und Waldbrandgefahr. Eisenbahner sagen gern: In den Alpen zeigt sich, ob ein Fahrplan wirklich hält.

    Die Region erwartet deshalb deutliche Verbesserungen. Weniger Langsamfahrstellen. Verlässlichere Anschlüsse. Mehr tägliche Verbindungen zwischen Marseille und Briançon. Gerade mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2030 wächst der Druck, die südlichen Alpen leistungsfähiger an die Metropolen anzubinden. Tourismus, Pendlerverkehr und regionale Entwicklung hängen dort eng an der Schiene.

    Für die SNCF ist der Auftrag deshalb Fluch und Chance zugleich.

    Einerseits beweist der Konzern, dass er sich im Wettbewerb behaupten kann. Andererseits endet die Zeit der bequemen Monopolstellung endgültig. Wer heute Ausschreibungen gewinnt, muss Ergebnisse liefern – pünktlich, kundenfreundlich und wirtschaftlich. Die Regionen schauen genauer hin als früher. Verspätungen, Personalmangel oder marode Züge lösen längst nicht mehr nur Schulterzucken aus. Der politische Ton ist rauer geworden.

    Für Reisende bleibt vorerst alles wie gehabt. Der neue Vertrag beginnt erst Ende 2029. Doch hinter den Kulissen verändert sich das französische Bahnsystem bereits grundlegend. Die SNCF bleibt ein Gigant auf den Schienen des Landes. Aber der alte Reflex „die SNCF fährt sowieso“ – der ist passé.

    Von C. Hatty

  • Privater Betreiber auf der Überholspur: Transdev übernimmt die Bahnlinie Marseille–Toulon–Nizza

    Privater Betreiber auf der Überholspur: Transdev übernimmt die Bahnlinie Marseille–Toulon–Nizza

    Ein bahnbrechender Wechsel steht bevor – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ab dem 29. Juni 2025 wird Transdev, ein privater Mobilitätskonzern, die Regionalzugverbindung Marseille–Toulon–Nizza übernehmen. Damit verliert die staatliche SNCF zum ersten Mal eine wichtige Bahnlinie an ein privates Unternehmen. Ein Einschnitt, der für Frankreichs Schienennetz historische Bedeutung hat.

    Schluss mit ewigen Verspätungen?

    In der Vergangenheit war die Strecke notorisch unzuverlässig. Jeder fünfte Zug kam zu spät, jeder achte fiel komplett aus. Die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur hatte genug – und schrieb die Konzession neu aus. Transdev konnte sich in diesem Vergabeverfahren gegen die SNCF durchsetzen. Ein mutiger Schritt der Region, der aufhorchen lässt.

    Aber was verspricht man sich davon?

    Ein ganz neues Level an Pünktlichkeit: 97,5 Prozent lautet die Zielmarke. Klingt ehrgeizig – ist aber dringend nötig. Denn Pendler und Reisende wollen sich auf den Zug verlassen können, nicht ständig auf Ersatzbusse oder Verspätungsnachrichten.

    Mehr Züge, mehr Komfort – mehr Frankreich

    Künftig sollen statt sieben gleich vierzehn Zugpaare täglich unterwegs sein. Verdopplung des Angebots also. Zum Einsatz kommen dabei neue Omneo-Premium-Züge von Alstom – und zwar made in France. Diese doppelstöckigen Garnituren sind ein echter Fortschritt in Sachen Komfort: breite Sitze, WLAN, Speisewagen, Fahrradabteile und barrierefreie Zugänge. Was will man mehr?

    Vielleicht ein bisschen französisches Flair. Das kommt ab sofort auch auf Schienen daher – mit einem Hauch von Luxus und praktischen Details, die den Alltag angenehmer machen.

    Ein öffentlicher Dienst bleibt – nur anders

    Obwohl Transdev ein Privatunternehmen ist, handelt es sich formal um eine öffentliche Dienstleistung. Die Region bleibt Herrin über die Tarife, Investitionen und strategische Ausrichtung. Transdev führt lediglich aus – nach klar definierten Vorgaben.

    Interessant dabei: 163 Mitarbeitende der SNCF wechseln freiwillig zu Transdev. Sie werden speziell geschult, um nahtlos weiterarbeiten zu können. Ein sensibles Thema, denn gerade in Frankreich sind Jobwechsel im Bahnsektor oft von Spannungen begleitet.

    Fragen, die auf den Schienen liegen

    Natürlich wirft dieser Wechsel auch Fragen auf. Etwa:

    Wird Transdev die hohen Erwartungen an Qualität und Zuverlässigkeit wirklich erfüllen?

    Auch das Thema Arbeitsbedingungen steht im Raum. Werden die übergewechselten Mitarbeitenden bei Transdev ähnliche Rechte genießen wie zuvor bei der SNCF? Und wird dieses Modell Schule machen – also als Vorlage für weitere Regionen dienen, die ihre Bahnverbindungen neu vergeben wollen?

    Klar ist: Dieser Schritt ist ein Signal. Ein Signal für mehr Wettbewerb – aber auch für mehr Verantwortung.

    Ein Pilotprojekt mit Signalwirkung

    Die Bahnlinie Marseille–Toulon–Nizza könnte zu einem Vorzeigemodell werden – oder zu einem warnenden Beispiel, je nachdem, wie Transdev sich schlägt. Die Konkurrenz zur alteingesessenen SNCF wird jedenfalls schärfer. Und wer weiß: Vielleicht ist genau dieser Druck nötig, um das französische Bahnnetz endlich auf Kurs zu bringen.

    Denn eines ist sicher: Wenn sich der Service spürbar verbessert, wird kaum jemand den Betreiberwechsel bereuen. Die Zeichen stehen auf Wandel – und die Züge hoffentlich auf Grün.

    Von Andreas M. Brucker