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  • Wenn Burgund golden wird: Herbstgenuss in der Côte-d’Or

    Wenn Burgund golden wird: Herbstgenuss in der Côte-d’Or

    Goldene Weinberge, bunt schimmernde Ziegeldächer und ein Senf, der weit mehr zu bieten hat als Schärfe: Im Herbst zeigt sich die Côte-d’Or von ihrer genussvollsten Seite. Zwischen Dijon, Beaune und den berühmten Winzerdörfern erzählt Burgund von jahrhundertealtem Handwerk, großer Weinkultur und der wunderbaren Kunst, das Leben nicht zu überstürzen.

    Es gibt Landschaften, die im Herbst regelrecht aufblühen. Die Côte-d’Or gehört dazu. Sobald die Tage kürzer und die Morgen kühler ausfallen, verwandeln sich ihre Weinberge in ein Mosaik aus Goldgelb, Kupferrot und warmem Orange. Nebelschwaden ziehen durch die Täler, während die ersten Sonnenstrahlen über den sanften Hügeln tanzen.

    Rund um Pommard und Volnay reihen sich die Rebstöcke wie sorgfältig gezogene Pinselstriche aneinander. Zwischen alten Steinmauern führen schmale Wege durch eine Landschaft, deren berühmte Namen Weinliebhabern weltweit vertraut sind.

    Doch Burgund allein auf seine edlen Tropfen zu reduzieren, wäre ungefähr so, als würde man Paris ausschließlich wegen des Eiffelturms besuchen.

    Hier steckt der Genuss in jeder Gasse, hinter jeder Kellertür und manchmal sogar in einem unscheinbaren Senfglas.

    Dijon: Wo der Senf zur kleinen Wissenschaft wird

    In Dijon beginnt die Entdeckungsreise mit einer Spezialität, die beinahe jeder kennt und über die erstaunlich wenige wirklich Bescheid wissen.

    Senf.

    In der malerischen Rue de la Chouette lädt die traditionsreiche Senfmanufaktur Fallot zu einer kulinarischen Begegnung ein. Hier mahlen Steinmühlen die Senfkörner nach überlieferten Verfahren. Besucher entdecken, wie aus wenigen Zutaten eine erstaunliche Vielfalt an Aromen entsteht.

    Mal mild, mal würzig, gelegentlich mit einer überraschend eleganten Weinnote.

    Dabei lohnt ein genauer Blick auf die Etiketten. Die Bezeichnung „Moutarde de Dijon“ beschreibt vor allem eine Herstellungsart und garantiert keineswegs eine Herkunft aus Dijon. Anders verhält es sich mit der geschützten „Moutarde de Bourgogne“. Ihre Senfkörner und der verwendete Weißwein stammen aus Burgund, ebenso die Verarbeitung.

    Ein kleines Glas voller regionaler Identität.

    Nur wenige Schritte entfernt zeigt Dijon eine weitere Spezialität: seine Architektur. Das prachtvolle Hôtel de Vogüé aus dem frühen 17. Jahrhundert trägt ein Dach aus farbig glasierten Ziegeln. Die geometrischen Muster erinnern an einen kostbaren Teppich, den jemand über die Dächer der Stadt gelegt hat.

    Manchmal lohnt es sich eben, den Blick vom Schaufenster zu lösen.

    Die Route des Grands Crus: Gold zwischen den Reben

    Südlich von Dijon beginnt eine der berühmtesten Weinstraßen Frankreichs. Die rund 60 Kilometer lange Route des Grands Crus führt durch eine Landschaft, deren Ortsnamen beinahe wie ein Gedicht klingen.

    Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges, Pommard, Meursault.

    Hinter jedem Namen verbirgt sich eine eigene Geschichte aus Boden, Klima und menschlicher Geduld.

    Besonders faszinierend sind die sogenannten Climats. Damit bezeichnen die Burgunder exakt abgegrenzte Weinbergsparzellen, deren unterschiedliche Eigenschaften den Charakter ihrer Weine prägen. Seit 2015 gehört diese außergewöhnliche Kulturlandschaft zum UNESCO-Welterbe.

    Was unterscheidet schließlich einen großen Weinberg vom benachbarten, nur wenige Schritte entfernten Stück Erde?

    Manchmal entscheidet eine kaum sichtbare Veränderung des Bodens, manchmal die Neigung des Hangs oder die Sonneneinstrahlung.

    Im Herbst offenbart die Landschaft ihre Unterschiede besonders eindrucksvoll. Während einzelne Parzellen bereits tiefrot leuchten, schimmern andere noch gelbgrün.

    Wer hier zu Fuß unterwegs ist, versteht schnell: Burgund verlangt keine Eile.

    Beaune: Ein Dach erzählt von Menschlichkeit

    In Beaune wartet eines der schönsten historischen Bauwerke Frankreichs.

    Das Hôtel-Dieu, gegründet 1443 von Nicolas Rolin und seiner Frau Guigone de Salins, beeindruckt zunächst mit seinen farbenprächtigen Ziegeldächern. Gelbe, grüne, rote und schwarze Muster schmücken den Innenhof und verleihen dem Gebäude einen beinahe märchenhaften Charakter.

    Doch hinter dieser Pracht steckt eine berührende Geschichte.

    Das Hospital entstand als Zufluchtsort für arme und kranke Menschen. Während draußen Armut und Krankheiten den Alltag bestimmten, fanden Bedürftige hier Pflege, Nahrung und ein Dach über dem Kopf.

    Bis ins 20. Jahrhundert erfüllte die Einrichtung medizinische Aufgaben.

    Heute erzählen die historischen Krankensäle von einer Zeit, in der Wohltätigkeit, Glauben und gesellschaftliches Ansehen eng miteinander verbunden waren.

    Wer durch den Innenhof schlendert, betrachtet die berühmten Dächer plötzlich mit anderen Augen.

    Wenn der Herbst auf den Teller kommt

    Und was wäre eine Reise durch Burgund ohne seine Küche?

    Spätestens wenn die Abendluft kühler wird, locken gemütliche Gasthäuser mit herzhaften Spezialitäten.

    Ein langsam geschmortes Bœuf bourguignon, Eier in kräftiger Rotweinsauce, würziger Époisses oder frisch gebackene Gougères passen wunderbar zur Jahreszeit. Dazu ein Glas Burgunderwein und ein Gespräch, das ruhig etwas länger dauern darf.

    In den Markthallen von Dijon duften Käse, Gewürzbrot und regionale Köstlichkeiten um die Wette.

    Hier zeigt sich jene französische Lebensart, die keinen großen Auftritt braucht.

    Ein guter Tisch genügt.

    Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis der Côte-d’Or. Zwischen goldenen Reben, jahrhundertealten Mauern und liebevoll gepflegten Traditionen verliert die Uhr ein wenig ihre Bedeutung.

    Warum also von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen, wenn hinter der nächsten Kurve schon ein weiterer schöner Augenblick wartet?

    Burgund im Herbst ist keine Reise zum Abhaken. Es ist eine Einladung zum Schauen, Schmecken und Verweilen.

    Und manchmal bleibt von einem solchen Wochenende nicht nur die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Wein, sondern auch ein kleines Glas Senf im Reisegepäck.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Tragödie auf dem Weinberg: Drei Bauarbeiter sterben bei einem Mauereinsturz in Pommard

    Tragödie auf dem Weinberg: Drei Bauarbeiter sterben bei einem Mauereinsturz in Pommard

    Ein gewöhnlicher Dienstagmorgen im beschaulichen Weinort Pommard, Côte-d’Or – und plötzlich ist nichts mehr wie zuvor. Der 13. Mai 2025 endet für drei Familien in tiefster Trauer, nachdem ein tragischer Arbeitsunfall drei Bauarbeitern das Leben gekostet hat. Der Grund: Ein massiver Steinmauerabschnitt auf einem Weingut stürzte ein – mitten während der Sicherungsarbeiten.

    Die drei Männer, 45, 56 und 58 Jahre alt, gehörten zum Team der Firma Guy Bernard. Diese ist bekannt für ihre Spezialisierung auf Bauprojekte in Weinbergen. An jenem Tag waren sie mit der Konsolidierung einer historischen Mauer beschäftigt – ein Teil eines zukünftigen Lager- und Gärgebäudes. Doch das Bauwerk, das eigentlich stabilisiert werden sollte, brach in sich zusammen und begrub die Arbeiter unter Tonnen von Gestein.

    Trotz des schnellen Einsatzes von 28 Feuerwehrleuten und dem Notarztteam des SAMU kam jede Hilfe zu spät. Die Männer konnten nur noch tot geborgen werden. In der Rue du Parc herrschte fassungslose Stille – nicht nur unter den Rettungskräften, sondern auch bei den Nachbarn, die das Unglück miterlebten.

    Ein Schock, der sitzt.

    Die Behörden haben sofort reagiert. Der Staatsanwalt von Dijon, Olivier Caracotch, leitete eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung im Arbeitskontext ein. Die Gendarmerie von Beaune sowie die Arbeitsinspektion haben den gesamten Bauplatz abgeriegelt. Die Untersuchungen sind im vollen Gange – jetzt wird jeder Stein umgedreht, im wahrsten Sinne.

    Solche Ereignisse rütteln auf. Denn es geht nicht nur um einen Einzelfall – sondern um ein viel größeres Problem.

    In Frankreich gibt es zahlreiche Regionen, in denen historische Steinmauern und alte Bauwerke Teil des Landschaftsbilds sind. Der Reiz dieser Bauweise liegt auf der Hand – ihre Risiken ebenso. Besonders bei Renovierungen oder Eingriffen an alten Gemäuern ist äußerste Vorsicht gefragt. Nicht selten fehlen genaue Baupläne, das Material ist über Jahrzehnte gealtert, oft porös und nicht selten instabil.

    Und doch – der Druck auf den Baustellen ist groß.

    Die Gewerkschaft CGT Construction bringt es auf den Punkt: Zu hohe Arbeitsgeschwindigkeiten, zu viele Subunternehmer, zu wenig Sicherheit. Ihre Forderung nach strengeren Sicherheitsmaßnahmen im Baugewerbe kommt nicht überraschend – aber mit aller Deutlichkeit.

    „Dieser Vorfall darf nicht folgenlos bleiben“, heißt es in einer Erklärung. Wie viele Menschenleben müssen noch verloren gehen, bis sich strukturell etwas ändert?

    Auch François Sauvadet, Präsident des Départementrats Côte-d’Or, meldete sich zu Wort. Seine Anteilnahme gilt den Familien – seine Worte sind klar. Solche Unfälle lassen niemanden kalt, besonders in kleinen Gemeinden wie Pommard, wo man sich kennt und das Miteinander noch zählt.

    Die psychologische Unterstützung für die Kollegen der Opfer wurde umgehend eingerichtet – ein wichtiger, aber schmerzlicher Schritt. Denn die Lücke, die dieser Verlust hinterlässt, ist tief. Auf der Baustelle, im Betrieb, in den Familien.

    Klar ist: Dieser Vorfall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Zustände auf französischen Baustellen – gerade im Kontext von Renovierungen historischer Bauten. Die Debatte über Arbeitssicherheit, Haftung und Prävention flammt neu auf.

    Wie kann sichergestellt werden, dass Menschen, die jeden Tag hart an der Basis arbeiten – für unsere Infrastruktur, für unsere Städte und für unsere Kulturstätten – abends heil nach Hause zurückkehren?

    Ein nüchterner Blick in die Statistik zeigt: Bauarbeiten zählen weiterhin zu den gefährlichsten Berufen in Frankreich. Und dennoch bleibt das Thema Sicherheit oft ein Stiefkind der Prioritätenliste.

    Vielleicht braucht es solche schmerzhaften Mahnmale, um endlich umzudenken. Doch das ist ein hoher Preis – zu hoch.

    In Pommard schweigen an diesem Tag die Maschinen. Stattdessen legen Kollegen Blumen nieder. Ein stilles Gedenken – ein Moment der Ehrfurcht vor dem Leben und dem, was es so zerbrechlich macht.

    Von C. Hatty