Die Folgen des Klimawandels reichen längst weit über Hitzewellen und Waldbrände hinaus. Auch unter der Wasseroberfläche vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel. Von den tropischen Lagunen Französisch Polynesiens bis zu den kühlen Gewässern des Ärmelkanals messen Forschende seit Jahren steigende Meerestemperaturen. Was früher als außergewöhnlich galt, tritt heute immer häufiger auf und verändert ganze Ökosysteme.
Frankreich nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Dank seiner Überseegebiete erstreckt sich das französische Meeresgebiet über mehrere Ozeane und zählt zu den größten der Welt. Dadurch zeigen sich die Auswirkungen der Erwärmung in ganz unterschiedlichen Klimazonen – und doch folgt die Entwicklung überall demselben Muster.
Marine Hitzewellen treten inzwischen deutlich häufiger auf als noch vor wenigen Jahrzehnten. Dabei erwärmt sich das Wasser über Tage oder sogar Wochen weit über den langjährigen Durchschnitt. Anders als an Land bleibt diese Wärme oft lange erhalten, weil Wasser seine Temperatur wesentlich langsamer verändert als Luft. Die Folge: Lebensräume geraten aus dem Gleichgewicht, Strömungen verändern sich und der Sauerstoffgehalt sinkt. Wer hätte gedacht, dass wenige zusätzliche Grad ein ganzes Meer verändern?
Besonders empfindlich reagieren die Korallenriffe Französisch Polynesiens. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen unseres Planeten und bieten Tausenden Tierarten Schutz und Nahrung. Steigt die Wassertemperatur jedoch dauerhaft um nur ein bis zwei Grad, beginnt häufig die Korallenbleiche. Die Korallen verlieren ihre lebenswichtigen Algen, verblassen und sterben bei anhaltender Hitze ab.
Mit ihnen verschwindet nicht nur ein einzigartiger Lebensraum. Auch der natürliche Schutz der Küsten vor Wellen und Erosion nimmt ab. Für viele Inseln im Pazifik besitzt das erhebliche Bedeutung, denn gesunde Korallenriffe bilden dort eine wichtige Grundlage für Fischerei und Tourismus.
Doch die Veränderungen beschränken sich keineswegs auf die Tropen. Auch im Ärmelkanal registrieren Meeresbiologen auffällige Verschiebungen. Wärmeliebende Fischarten breiten sich zunehmend nach Norden aus, während typische Kaltwasserarten unter Druck geraten. Dadurch verändern sich Nahrungsketten und traditionelle Fanggebiete. Für die Fischerei bedeutet das eine ständige Anpassung an neue Bedingungen. Manche Fischer fangen heute Arten, die vor wenigen Jahrzehnten in diesen Gewässern kaum vorkamen. Verrückt, oder?
Zusätzlich leiden viele Küstenlebensräume unter der anhaltenden Erwärmung. Seegraswiesen, Muschelbänke und Algenbestände reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen. Da warmes Wasser weniger Sauerstoff bindet als kaltes, geraten zahlreiche Fische und wirbellose Meerestiere unter Stress. Gleichzeitig breiten sich Krankheitserreger sowie invasive Arten leichter aus. Auch Quallen treten an manchen französischen Küsten inzwischen häufiger auf als früher.
Die wirtschaftlichen Folgen bleiben ebenfalls nicht aus. Muschel und Austernzüchter kämpfen vermehrt mit Hitzeschäden und Krankheiten. Der Tourismus spürt die Auswirkungen durch Algenblüten oder größere Quallenvorkommen. Besonders in den Überseegebieten hängen viele Arbeitsplätze unmittelbar von gesunden Meeresökosystemen ab.
Ein Teil dieser Entwicklung lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Deshalb gewinnt neben der Verringerung der Treibhausgasemissionen auch die Anpassung an die neuen Bedingungen an Bedeutung. Fachleute setzen auf den Schutz empfindlicher Küstenräume, die Wiederherstellung von Seegraswiesen, nachhaltige Fischereikonzepte sowie moderne Messsysteme. Satelliten und automatische Messstationen liefern heute nahezu in Echtzeit Daten über Temperatur und Veränderungen der Ozeane.
Ob an den türkisfarbenen Lagunen des Pazifiks oder an den felsigen Küsten der Normandie – die Erwärmung der Meere verbindet Regionen, die Tausende Kilometer voneinander entfernt liegen. Der Zustand der Ozeane entwickelt sich immer mehr zu einem Spiegel des globalen Klimawandels. Wie gut dieser empfindliche Lebensraum geschützt wird, entscheidet nicht nur über die Zukunft vieler Tierarten, sondern auch über die Lebensgrundlage kommender Generationen.
Ein Artikel von M. Legrand






