Schlagwort: politische Stabilität

  • 12 Milliarden Euro – fragwürdige Rechnung über den Preis der politischen Instabilität in Frankreich

    12 Milliarden Euro – fragwürdige Rechnung über den Preis der politischen Instabilität in Frankreich

    Der mögliche Sturz von Premierminister François Bayrou, der sich am 8. September einem Vertrauensvotum in der Assemblée nationale stellen will, löst nicht nur politische, sondern auch ökonomische Debatten aus. Im Zentrum steht die von der Abgeordneten Prisca Thévenot genannte Zahl von 12 Milliarden Euro – so hoch sei der Schaden, den die Abwahl des Regierungschefs verursachen könnte. Die Zahl klingt dramatisch, doch die Berechnungsgrundlage ist unsicher.

    Die umstrittene Analogie zu 2024 Thévenot verweist auf die Erfahrung mit der Regierung Barnier, die im Dezember 2024 nach einem Misstrauensvotum scheiterte. Damals habe Frankreich, so ihre Rechnung, 12 Milliarden Euro verloren. Die Berechnung setzt sich aus zwei Elementen zusammen:

    6 Milliarden Euro „entgangene“ Haushaltsmittel, da der Staatshaushalt 2025 nicht mehr vollständig beschlossen werden konnte und geplante Einsparungen entfielen. 6 Milliarden Euro geschätzte Einbußen beim BIP, die auf eine geringere Konsum- und Investitions…

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  • Der schwierige Weg zur Versöhnung – Macrons Pazifik-Gipfel als politisches Wagnis

    Der schwierige Weg zur Versöhnung – Macrons Pazifik-Gipfel als politisches Wagnis

    Ein Gipfel in Paris soll den politischen Stillstand in Neukaledonien überwinden. Der französische Präsident setzt auf Dialog, doch die Zeit für symbolische Gesten ist vorbei. Ein Jahr nach den schwersten Unruhen seit Jahrzehnten steht Frankreich in seiner pazifischen Exklave am Scheideweg. Mit der Einladung zu einem hochrangigen Gipfel am 2. Juli versucht Emmanuel Macron, einen neuen politischen Prozess für Neukaledonien in Gang zu setzen. Es ist ein Vorhaben, das nicht weniger verspricht als die Überwindung einer historischen Spaltung – zwischen Loyalität gegenüber der Republik und dem Streben nach Unabhängigkeit. Ein Konflikt mit langer Geschichte Die Spannungen in Neukaledonien sind keineswegs neu. Seit dem Matignon-Abkommen von 1988 und dem Nouméa-Abkommen von 1998 hat sich Frankreich verpflichtet, schrittweise Kompetenzen an die Inselgruppe zu übertragen. Drei Referenden über die Unabhängigkeit – zuletzt 2021 – haben jeweils eine knappe Mehrheit für den Verbleib bei Frankreich erg…

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  • Berlin zögert: Die gescheiterte Kanzlerwahl und das fragile Fundament der neuen deutschen Regierung

    Berlin zögert: Die gescheiterte Kanzlerwahl und das fragile Fundament der neuen deutschen Regierung

    Was als formaler Akt galt, endete in einem politischen Signal mit Sprengkraft. Friedrich Merz, designierter Kanzlerkandidat der CDU und Architekt einer großen Koalition mit der SPD, ist im ersten Wahlgang zur Kanzlerschaft gescheitert – trotz rechnerischer Mehrheit. Ein Scheitern, das in Frankreich aufmerksam registriert wird. Denn die Stabilität des deutschen Partners ist für Paris nicht nur wünschenswert, sondern unabdingbar.

    Die deutsche Bundestagswahl im Februar 2025 hatte keine Überraschung mehr parat gelassen, nachdem sich CDU/CSU und SPD – nicht zum ersten Mal – auf eine große Koalition verständigten. Der Koalitionsvertrag mit dem anspruchsvollen Titel „Verantwortung für Deutschland“ versprach wirtschaftliche Modernisierung, eine neue Migrationspolitik und eine selbstbewusste Außenpolitik. Doch diese programmatische Entschlossenheit steht in Kontrast zum politischen Auftakt, der von Unsicherheit geprägt ist.

    Dass Friedrich Merz nun sechs Stimmen zur absoluten Mehrheit fehlen, ist mehr als eine vernachlässigbare Abweichung. Es ist ein Indiz für Unruhe in den eigenen Reihen. Wer in Berlin regieren will, muss Kontrolle über die Mehrheit im Parlament haben. Die Tatsache, dass diese Kontrolle Merz im entscheidenden Moment entglitt, schwächt nicht nur sein persönliches Mandat – sie untergräbt das Vertrauen in die Koalitionsdisziplin insgesamt.

    Frankreich, das auf ein handlungsfähiges Deutschland als Partner in europäischen Fragen angewiesen ist, blickt mit Sorge auf diesen Fehlstart. In Zeiten geopolitischer Instabilität, ökonomischer Umbrüche und zunehmender transatlantischer Unsicherheiten, ist ein stabiles deutsch-französisches Tandem der Schlüssel zur strategischen Kohärenz Europas. Berlin muss führen wollen – und können. Der verhaltene Start des neuen Kanzlers weckt Zweifel an beidem.

    Das Scheitern im ersten Wahlgang lässt verschiedene Interpretationen zu. Eine naheliegende ist der Widerstand innerhalb der SPD-Fraktion, deren linke Strömungen mit dem wirtschaftsliberalen Kurs von Merz fremdeln. Die angekündigte Lockerung der Schuldenbremse zugunsten von Infrastruktur und Verteidigung ist zwar pragmatisch, aber für viele in der SPD kein ausreichender Grund, einem konservativen Wirtschaftsideologen das Kanzleramt vorbehaltlos zu überlassen. Hinzu kommt die restriktivere Migrationspolitik, mit der Merz den rechten Rand beruhigen möchte – ein politischer Spagat, der in einer Koalition mit der SPD kaum ohne Reibung gelingen dürfte.

    Merz will ein anderes Deutschland repräsentieren: ordnungspolitisch klar, sicherheitspolitisch robust, wirtschaftlich modernisiert. Für Frankreich klingt manches davon durchaus vertraut – insbesondere die Forderung nach mehr europäischer Autonomie in der Außen- und Verteidigungspolitik. Paris wird die Bereitschaft Berlins begrüßen, im Schatten eines unberechenbaren Washington eine eigenständige europäische Linie zu verfolgen. Doch ohne klare politische Rückendeckung im Inneren bleibt diese Ambition bloße Rhetorik.

    Auch wirtschaftlich werden die deutsch-französischen Erwartungen nicht automatisch kongruent verlaufen. Während Paris die expansive Fiskalpolitik zu einem europäischen Grundprinzip erheben möchte, bleibt der deutsche Diskurs – auch unter Merz – tief verwurzelt in der Logik ordnungspolitischer Zurückhaltung. Zwar ist die Bereitschaft zu Investitionen erkennbar, doch bleibt unklar, in welchem Maß Merz die haushaltspolitischen Dogmen seiner Partei tatsächlich zu hinterfragen bereit ist. Für Präsident Macron und seine Nachfolger ist dies eine zentrale Frage, denn die Zukunft der europäischen Industriepolitik hängt an einem deutschen Umdenken.

    In Frankreich gilt Merz als entschlossener Modernisierer mit konservativem Instinkt – kein Ideologe, aber auch kein Visionär. Seine klare Sprache, sein marktwirtschaftliches Denken und seine Skepsis gegenüber politischer Symbolik werden durchaus respektiert, aber seine Fähigkeit zum innerparteilichen Ausgleich ist noch unbewiesen. Gerade hier liegt das aktuelle Problem: Die CDU ist diszipliniert, doch die SPD ist tief gespalten – und der Bundeskanzler, so viel ist sicher, braucht beides: Zustimmung und Vertrauen.

    Es bleibt Merz nun ein schmaler Pfad. Innerhalb von zwei Wochen muss er die notwendige absolute Mehrheit organisieren. Gelingt ihm dies nicht, drohen Neuwahlen – ein Szenario, das weder in Berlin noch in Paris gewünscht sein kann. Ein instabiles Deutschland wäre das falsche Signal in einem Moment, in dem Europa Führungsstärke und strategische Klarheit benötigt.

    Die Ereignisse im Bundestag sind somit mehr als ein parlamentarisches Missgeschick. Sie markieren den schwierigen Beginn einer Kanzlerschaft, die unter den Erwartungen der eigenen Koalition startet und unter den Blicken ihrer europäischen Partner steht. Für Frankreich ist dies ein Weckruf: Die Kontinuität im deutsch-französischen Verhältnis darf nicht als selbstverständlich gelten. Sie muss aktiv gepflegt – und gelegentlich auch eingefordert – werden.

    Von Andreas Brucker

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!