Schlagwort: Polarlichter

  • Der Himmel über der Bretagne – ein Hauch von Lappland

    Der Himmel über der Bretagne – ein Hauch von Lappland

    Manchmal genügt eine einzige Nacht, um geografische Gewissheiten außer Kraft zu setzen. In der Nacht vom 19. auf den 20. Januar leuchtete der Himmel über der Bretagne in Farben, die man eher jenseits des Polarkreises verortet hätte. Grün, Rot, Orange. Der Norden rückte näher, Lappland schien plötzlich nur einen Blick weit entfernt.

    Was die staunenden Beobachterinnen und Beobachter erlebten, war kein optischer Trick und keine Laune der Kameraobjektive. Eine außergewöhnlich starke Sonnensturmfront traf auf das Magnetfeld der Erde – Stärke vier von fünf, das heftigste seit mehr als zwei Jahrzehnten. Geladene Teilchen aus dem Inneren unserer Sonne prallten auf die Atmosphäre, regten Sauerstoff und Stickstoff zum Leuchten an. In großer Höhe färbte sich der Himmel rot, weiter unten schimmerte er grün. Physik, die wie Magie wirkte.

    In der Bretagne standen Menschen an Häfen, auf Feldern, auf windgepeitschten Klippen und blickten nach oben, als hätte jemand einen Vorhang zur Seite gezogen. Der Filmemacher Nicolas Charles war mit seiner Tochter unterwegs. Eigentlich, so sagt er, habe er diesen Traum immer mit einer Reise in den hohen Norden verbunden. Nun erfüllte er sich vor der eigenen Haustür. So kann das Leben sein: Man plant jahrelang, und dann kommt der Himmel einem zuvor.

    Das Leuchten blieb kein bretonisches Privileg. Von der westlichen Küste zog sich das Schauspiel bis in die Provence, wo eine Kapelle auf Fotografien wie aus einem Meer aus Glut emporragte. Selbst hoch oben in den Alpen schnallten sich Unerschrockene die Skier an, um in klirrender Kälte einen Blick auf den tanzenden Himmel zu erhaschen. Frankreich, ein einziges Planetarium unter freiem Himmel.

    Besonders eindrücklich waren die Szenen aus dem Finistère. In einem kleinen Hafen beobachtete eine Familie das Farbenspiel, als würde das Licht selbst den Weg vom Land hinaus aufs Meer finden. Morgan Le Moigne aus Clohars-Carnoët beschreibt das Erlebnis mit jener Mischung aus Staunen und Ungläubigkeit, die solche Nächte hinterlassen. Die Landschaft sei ohnehin schön, sagt sie, doch mit diesen Farben, diesen sich ständig wandelnden Lichtbündeln, werde sie plötzlich entrückt. Kurz: absolut irre.

    Auch Alix Spieth, ebenfalls aus Clohars-Carnoët, spricht von einer Leidenschaft, die sonst meist weit entfernt gestillt wird. In der Laponie, dort oben, seien die Polarlichter majestätisch. Sie nun hier zu sehen, selten, unerwartet, das treffe einen mitten ins Herz. Da steht man, friert ein wenig, vergisst die Zeit – und denkt sich: Genau dafür lohnt es sich, nachts wach zu bleiben.

    Am Abend des 20. Januar ließ die Intensität des Sonnensturms nach. Die Astronomen atmeten auf, Satelliten und Stromnetze blieben verschont. Doch der Himmel hielt sich eine Hintertür offen. Bei klarem Wetter, so die Hoffnung, könnten weitere Polarlichter folgen. Vielleicht schwächer, vielleicht flüchtiger. Aber selbst ein kurzer Gruß aus dem Norden genügt manchmal, um einen Winterabend unvergesslich zu machen.

    Autor: C.H.

  • Nuits des étoiles 2024: Ein himmlisches Spektakel und die Hoffnung auf Polarlichter

    Nuits des étoiles 2024: Ein himmlisches Spektakel und die Hoffnung auf Polarlichter

    Der Nachthimmel – ein faszinierendes Schauspiel, das uns immer wieder in seinen Bann zieht. Am kommenden Wochenende ist es wieder soweit: Die 34. Ausgabe der „Nuits des étoiles“ steht vor der Tür, und dieses Jahr könnte uns das Universum neben den alljährlichen Sternschnuppen der Perseiden ein besonders seltenes Phänomen bescheren – Polarlichter!

    Ein Wochenende voller Sterne und vielleicht auch Polarlichter

    Von Freitag bis Sonntag werden in ganz Frankreich rund 575 Veranstaltungen organisiert, die es Astronomiefans ermöglichen, die Perseiden zu beobachten – jene leuchtenden Staubkörner, die die Erde jedes Jahr in der ersten Augusthälfte durchkreuzt. Diese Sternschnuppen-Wolke haben ihren Ursprung in den Überresten eines uralten Kometen, die mit jedem ihrer Vorbeiflüge eine Spur hinterlässt, die wir dann als leuchtende Streifen am Himmel sehen können.

    Dieses Jahr könnte jedoch noch ein weiteres Highlight bieten: Eine „nicht zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit“, dass Polarlichter am Himmel zu sehen sein werden, so Olivier Las Vergnas, Präsident der Association française d’astronomie (AFA). Dies hängt mit den ungewöhnlichen solaren Aktivitäten zusammen, die seit Anfang Mai beobachtet werden und sogar in niedrigen Breiten Polarlichter hervorriefen. Es lohnt sich also, den Himmel besonders aufmerksam zu beobachten.

    Ein Blick auf das Universum – auch ohne Teleskop

    Die „Nuits des étoiles“ werden in Gedenken an den berühmten Astrophysiker Hubert Reeves veranstaltet, der im letzten Jahr verstorben ist. Er war einer der Mitbegründer dieser nächtlichen Events und seine Faszination für das Universum bleibt bis heute inspirierend. Die AFA erwartet, dass etwa 200.000 Menschen an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen werden, die in den lokalen Astronomie-Clubs mit entsprechender Ausrüstung durchgeführt werden. Aber keine Sorge, auch ohne teure Teleskope kann man das Himmelszelt genießen – eine einfache Liege im Garten und ein klarer, lichtverschmutzungsfreier Himmel genügen völlig, um sich dem Sternenmeer hinzugeben.

    Mars und Jupiter: Die Mitternachtsstars

    Mit einer sehr dünnen Mondsichel, die die Sicht auf die Sternbilder optimiert, sind die Bedingungen in diesem Jahr ideal. Mars und Jupiter werden ab etwa 2 Uhr morgens sichtbar sein und bis 5 Uhr ihre Bahnen ziehen. Die Sichtbarkeit dieser Planeten, kombiniert mit der geringen Helligkeit des Mondes, lässt die Strukturen unserer Galaxie, der Milchstraße, besonders gut zur Geltung kommen – vorausgesetzt, man hat die Lichter um sich herum ausgeschaltet und den Blick auf das Wesentliche gelenkt.

    Ein kleines Ärgernis könnten allerdings die Starlink-Satelliten von Elon Musks Firma SpaceX sein, die als leuchtende Punkte am Himmel vorbeiziehen werden. „Mit bloßem Auge wird das nicht allzu störend sein“, beruhigt Olivier Las Vergnas. Für die Astrofotografie und wissenschaftliche Beobachtungen stellen sie jedoch ein ernsthaftes Problem dar, da sie die Aufnahmen durch ihre Anwesenheit „verschmutzen“.

    Ein Tribut an Hubert Reeves

    Diese Ausgabe der „Nuits des étoiles“ steht ganz im Zeichen des Gedenkens an Hubert Reeves, der im Oktober 2023 im Alter von 91 Jahren verstarb. Reeves, ein Astrophysiker von Weltrang, war nicht nur ein Mitbegründer dieser Veranstaltung, sondern auch jemand, der es verstand, die Geschichte des Universums mit der des Menschen zu verknüpfen. „Wir sind Sternenstaub“, pflegte er zu sagen, um die Entstehung des Sonnensystems und damit unserer Existenz zu erklären.

    In seiner Arbeit hat er nicht nur die wissenschaftlichen Zusammenhänge erklärt, sondern auch die spirituelle Dimension der Kosmologie betont. Seine Gedanken und sein Werk haben Millionen von Menschen inspiriert und ihnen den Nachthimmel ein Stück nähergebracht.

    Ein Himmel voller Erinnerungen und Zukunftsaussichten

    Obwohl die „Nuits des étoiles“ ursprünglich als eine Möglichkeit gedacht waren, das Universum für Laien zugänglich zu machen, haben sie sich zu einem kulturellen Ereignis entwickelt, das Menschen verbindet – über Wissenschaft und Kontinente hinweg. Die Hoffnung auf das Auftreten von Polarlichtern in diesem Jahr verleiht dem Ganzen einen besonderen Reiz.

    Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Gras, umgeben von Stille, nur die Geräusche der Nacht um Sie herum. Der Himmel öffnet sich, zeigt Ihnen seine Schätze – Sterne, Planeten, Sternschnuppen. Und plötzlich, vielleicht, ein grüner Schimmer am Horizont. Ein kurzer Moment, aber einer, der im Gedächtnis bleibt. Wer weiß, was uns der Nachthimmel an diesem Wochenende zeigen wird?