Schlagwort: Place de la Concorde

  • Papstmesse in Paris: 600.000 Anmeldungen sprengen alle Erwartungen

    Papstmesse in Paris: 600.000 Anmeldungen sprengen alle Erwartungen

    Paris bereitet sich auf einen außergewöhnlichen Tag vor: Für die große Messe mit Papst Leo XIV. am 26. September 2026 haben sich bereits nahezu 600.000 Menschen angemeldet. Der Andrang übertrifft die Erwartungen der Organisatoren deutlich – und zwingt die französische Hauptstadt dazu, den ursprüngli…

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  • Paris erwartet 600.000 Gläubige zu Papstmesse

    Paris erwartet 600.000 Gläubige zu Papstmesse

    Paris kennt große Menschenmengen. Jubelnde Fußballfans, Demonstrationen, Konzerte und historische Feiern gehören zum Bild der französischen Hauptstadt. Doch am 26. September 2026 dürfte sich im Herzen der Metropole eine Menschenmenge versammeln, die selbst für Pariser Verhältnisse außergewöhnlich ausfällt: Mindestens 500.000 bis 600.000 Gläubige sollen an der großen Messe mit Papst Leo XIV. teilnehmen.

    Und dabei dürfte noch Luft nach oben sein.

    Die Organisatoren rechnen angesichts der bisherigen Anmeldungen inzwischen mit einem enormen Andrang. Die Place de la Concorde, die Champs Élysées und das Gebiet rund um den Arc de Triomphe verwandeln sich für einige Stunden in eine riesige Kirche unter freiem Himmel.

    Man stelle sich dieses Bild vor: Hunderttausende Menschen stehen auf einer der berühmtesten Straßen Europas, Familien neben Pilgern, Jugendliche neben Ordensleuten, Pariser neben Besuchern aus allen Teilen Frankreichs und vermutlich aus zahlreichen Nachbarländern.

    Wann erlebt Paris schon einmal eine solche Kulisse?

    Die Messe bildet den Höhepunkt der ersten offiziellen Frankreichreise von Papst Leo XIV., die vom 25. bis 28. September geplant ist. Vier Tage lang stehen politische Gespräche, religiöse Feiern und Begegnungen mit unterschiedlichen Teilen der französischen Gesellschaft auf dem Programm.

    Zu Beginn seiner Reise trifft Leo XIV. Präsident Emmanuel Macron im Élysée Palast. Auch eine Rede bei der UNESCO gehört zum Programm. Eine Fahrt mit dem Papamobil durch Paris dürfte anschließend zahlreiche Menschen an die Straßen locken.

    Besonders symbolträchtig verspricht der Besuch von Notre Dame zu sein. Dort feiert der Papst die Vesper. Die nach dem verheerenden Brand von 2019 restaurierte Kathedrale rückt damit erneut ins Zentrum eines internationalen kirchlichen Ereignisses — ein Moment voller Geschichte und Emotionen.

    Auch die junge Generation erhält ihren großen Auftritt.

    Rund 80.000 Jugendliche sollen zu einer gemeinsamen Vigil im Stade de France zusammenkommen. Wo sonst Fußballspiele und Konzerte Zehntausende begeistern, stehen an diesem Abend Gebete, Musik und Begegnungen im Mittelpunkt. Gerade solche Veranstaltungen entwickeln bei Papstreisen oft ihre ganz eigene Dynamik: weniger Protokoll, mehr spontane Begeisterung.

    Dann folgt die große Messe mitten in Paris.

    Wie organisiert man eigentlich eine Veranstaltung, deren Besucherzahl der Bevölkerung einer ganzen Großstadt entspricht?

    Allein die Zahlen zeigen die Dimension. Rund 12.000 freiwillige Helfer sollen die Pilger empfangen, informieren und durch die verschiedenen Bereiche führen. Entlang der Champs Élysées sind 42 Großbildschirme vorgesehen. So lässt sich die Feier auch dort verfolgen, wo der eigentliche Altar längst nur noch als kleiner Punkt in der Ferne erscheint.

    Hinzu kommt ein gewaltiges Sicherheitskonzept. Rund 14.000 Polizisten und Gendarmen sollen im Einsatz sein. Bei der Planung greifen die Verantwortlichen auf Erfahrungen der Olympischen Spiele von Paris zurück. Kontrollierte Zugänge, abgesicherte Bereiche und eine genaue Steuerung der Besucherströme gehören zum Konzept.

    Kurz gesagt: Paris fährt ziemlich groß auf.

    Nach den Bildern der riesigen Menschenmenge erhält die Reise in Lourdes einen stilleren und ernsteren Charakter. Dort soll Leo XIV. unter anderem Opfer sexuellen Missbrauchs treffen. Zudem steht die berühmte Lichterprozession auf dem Programm. Tausende Kerzen, Gebete und Gesänge prägen seit Jahrzehnten die besondere Atmosphäre des Wallfahrtsortes.

    Die letzte Station führt den Papst nach Metz. Dort richtet sich der Blick auf Frieden in Europa und das politische Erbe Robert Schumans, eines der Wegbereiter der europäischen Einigung.

    Sollten sich die bisherigen Erwartungen bestätigen, erlebt Frankreich Ende September eines seiner größten katholischen Treffen seit Jahrzehnten. Doch vermutlich erzählen die bloßen Zahlen nur einen Teil der Geschichte.

    Denn zwischen 600.000 Menschen entstehen auch 600.000 persönliche Geschichten: Menschen reisen aus Glauben an, aus Neugier, aus Hoffnung oder schlicht deshalb, weil sie einen historischen Moment miterleben möchten.

    Und Paris?

    Für einen Tag verwandelt sich seine berühmteste Prachtachse in einen riesigen Pilgerweg.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Frankreich vor einem Papstbesuch von historischer Dimension

    Frankreich vor einem Papstbesuch von historischer Dimension

    Frankreich bereitet sich auf einen der grössten religiösen Anlässe der vergangenen Jahrzehnte vor. Vom 25. bis 28. September reist Papst Leo XIV. nach Paris, Lourdes und Metz. Es ist der erste Besuch eines Papstes in der französischen Hauptstadt seit Benedikt XVI. im Jahr 2008. Mehr als eine Million Menschen könnten an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen. Doch die Reise ist weit mehr als ein katholisches Grossereignis: Sie berührt das schwierige Verhältnis Frankreichs zur Religion, die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche und nicht zuletzt die Frage nach Europas politischer und kultureller Identität.

    Vier Tage zwischen Republik und Kirche

    Der Auftakt könnte symbolischer kaum sein. Am 25. September landet Leo XIV. in Paris und wird zunächst von Staatspräsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast empfangen. Anschliessend trifft er Vertreter der staatlichen Institutionen, der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps.

    Dass ein Papst im laizistischen Frankreich mit derartiger Aufmerksamkeit empfangen wird, ist keineswegs selbstverständlich. Seit dem Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat von 1905 gehört die laïcité zu den tragenden Prinzipien der französischen Republik. Der Staat erkennt keine Religion als privilegiert an und finanziert grundsätzlich keinen Kultus.

    Doch Frankreichs Verhältnis zum Katholizismus ist komplizierter, als es dieses Prinzip vermuten lässt. Die Republik ist säkular, ihre Geschichte und ihr kulturelles Erbe sind es nicht. Kathedralen, Klöster, Feiertage und Pilgerorte gehören ebenso zur französischen Identität wie die republikanische Tradition der Trennung von Religion und Politik.

    Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich der Besuch von Leo XIV.

    Nach seinem Treffen mit Macron spricht der Papst am Sitz der UNESCO. Damit erhält die Reise bereits am ersten Tag eine internationale Dimension. Themen wie Bildung, Kultur, Frieden und der Schutz des kulturellen Erbes gehören traditionell zu jenen Feldern, auf denen der Heilige Stuhl seine diplomatische Rolle besonders sichtbar macht.

    Danach folgt eine Fahrt im Papamobil durch Paris. Am späten Nachmittag feiert Leo XIV. mit Bischöfen, Priestern, Diakonen und Ordensleuten die Vesper in Notre-Dame.

    Auch dieser Ort trägt eine aussergewöhnliche Symbolik. Die Kathedrale wurde nach dem verheerenden Brand von 2019 im Dezember 2024 wiedereröffnet. Der Papstbesuch macht Notre-Dame erneut zu einer Bühne, auf der sich französische Geschichte, christliches Erbe und moderne nationale Identität überschneiden.

    Am Abend werden rund 80 000 Jugendliche zu einer Gebetsvigil im Stade de France in Saint-Denis erwartet.

    Eine Messe für eine halbe Million Menschen

    Der organisatorische Höhepunkt folgt am Samstag. Nach einem Besuch im Sozial- und Integrationszentrum Maison Bakhita und einer Begegnung am Institut Catholique de Paris feiert Leo XIV. um 15 Uhr eine Messe auf der Place de la Concorde.

    Rund 500 000 Menschen werden im Bereich zwischen Concorde und Champs-Élysées erwartet. Die Zahl könnte noch steigen. Anfang September waren für die Veranstaltungen der Papstreise insgesamt bereits mehr als 700 000 Teilnehmer registriert; zeitweise gingen täglich Tausende weitere Anmeldungen ein.

    Damit erreicht der Besuch Dimensionen, wie sie Frankreich sonst eher von politischen Grossereignissen, internationalen Sportveranstaltungen oder nationalen Gedenkfeiern kennt.

    Die logistischen Anforderungen sind entsprechend hoch. Allein die kirchlichen Organisatoren rechnen mit rund 12 000 freiwilligen Helfern. Der französische Staat plant auf dem Höhepunkt des Besuchs ein Sicherheitsdispositiv von etwa 15 000 Polizisten, Gendarmen, Angehörigen mobiler Einheiten und Soldaten der Operation Sentinelle. Rund 14 000 Sicherheitskräfte sollen zeitweise allein in Paris eingesetzt werden.

    Die Regierung hat den Papstbesuch offiziell als «Grossereignis» im Sinne des französischen Sicherheitsrechts eingestuft. Hintergrund sind vor allem die enormen Menschenansammlungen und das damit verbundene Terrorismusrisiko. Eine konkrete terroristische Bedrohung war Anfang September nach Angaben der Behörden allerdings nicht bekannt.

    Auch finanziell ist das Ereignis aussergewöhnlich. Die französische Bischofskonferenz beziffert die Kosten inzwischen auf rund 27 Millionen Euro. Finanziert werden Organisation, Infrastruktur und kirchliche Veranstaltungen vor allem von der Kirche und durch private Spenden; die staatlichen Sicherheitsmassnahmen trägt hingegen die öffentliche Hand. Anfang September waren erst rund 5,5 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen.

    Lourdes und die offene Wunde des Missbrauchs

    Am Samstagabend reist Leo XIV. weiter nach Lourdes. Der Wallfahrtsort am Fuss der Pyrenäen gehört zu den bedeutendsten katholischen Pilgerstätten der Welt. Für den Sonntag rechnen die Organisatoren dort mit etwa 150 000 Besuchern.

    Das Programm folgt zunächst der klassischen Symbolik von Lourdes: Gebet an der Grotte von Massabielle, eine grosse Messe auf der Prairie des Heiligtums und am Sonntagabend Rosenkranz und Lichterprozession.

    Doch der vielleicht politisch und kirchlich sensibelste Termin steht nicht im öffentlichen Mittelpunkt des offiziellen Programms. Leo XIV. soll in Lourdes sieben Menschen treffen, die innerhalb der katholischen Kirche Opfer sexueller Gewalt geworden sind.

    Die Begegnung ist für die französische Kirche von besonderer Bedeutung. Seit der Veröffentlichung des Berichts der unabhängigen Untersuchungskommission CIASE im Jahr 2021 steht das Ausmass sexuellen Missbrauchs im französischen Katholizismus im Zentrum einer schmerzhaften Aufarbeitung. Die Kommission kam damals zu dem Ergebnis, dass seit 1950 Hunderttausende Minderjährige Opfer sexueller Gewalt durch Kleriker, Ordensangehörige oder andere mit der Kirche verbundene Personen geworden waren.

    Dass Leo XIV. Betroffene persönlich trifft, ist deshalb nicht bloss eine pastorale Geste. Es berührt unmittelbar die Glaubwürdigkeit einer Institution, die um Vertrauen ringt.

    Ein säkulares Land mit katholischem Gedächtnis

    Die Reise fällt zugleich in eine bemerkenswerte Phase des französischen Katholizismus.

    Langfristig ist der Bedeutungsverlust eindeutig. Nach einer Ifop-Erhebung von 2025 erklärten nur noch 41 Prozent der Franzosen, an Gott zu glauben; 1947 waren es noch 66 Prozent gewesen. Nur 26 Prozent gaben an, zumindest einige Male im Jahr eine Messe zu besuchen. 1961 waren es noch 68 Prozent.

    Gleichzeitig zeigen sich gegenläufige Entwicklungen. Die französische Kirche registriert seit einigen Jahren einen starken Anstieg bei Erwachsenentaufen und Katechumenen. Gerade unter jüngeren Erwachsenen scheint Religion für eine kleine, aber sichtbare Minderheit wieder stärker identitätsstiftend zu werden.

    Von einer «Rückkehr Frankreichs zum Katholizismus» zu sprechen wäre deshalb übertrieben. Eher verändert sich die Struktur des französischen Katholizismus: Aus einer einst gesellschaftlich dominierenden Volkskirche wird zunehmend eine kleinere, bewusst praktizierende Gemeinschaft.

    Der Papstbesuch macht diese Minderheit für einige Tage aussergewöhnlich sichtbar.

    Metz und die europäische Botschaft

    Die letzte Station der Reise führt Leo XIV. am 28. September nach Metz. Die Wahl der lothringischen Stadt ist politisch aufgeladen.

    Im Robert-Schuman-Kongresszentrum nimmt der Papst zunächst an einer interreligiösen Begegnung teil. Anschliessend steht eine Veranstaltung unter dem programmatischen Titel «Zu den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit» auf dem Programm.

    Der Bezug auf Robert Schuman ist bewusst gewählt. Der französische Aussenminister und christdemokratische Politiker gehörte gemeinsam mit Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi und Jean Monnet zu den prägenden Figuren der europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Schuman-Erklärung vom 9. Mai 1950 gilt als einer der politischen Ausgangspunkte der heutigen Europäischen Union.

    Metz liegt zudem in einer Grenzregion, deren Geschichte von den französisch-deutschen Konflikten des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Kaum ein Ort eignet sich deshalb besser, um über Versöhnung, Frieden und europäische Zusammenarbeit zu sprechen.

    Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine, der angespannten Beziehungen zu Russland und der wachsenden strategischen Unsicherheit Europas erhält diese Botschaft eine Aktualität, die weit über kirchliche Fragen hinausgeht.

    Am Nachmittag feiert Leo XIV. in der Kathedrale Saint-Étienne seine letzte Messe auf französischem Boden, bevor er nach Rom zurückkehrt.

    Die Reise zeigt damit eine bemerkenswerte Dramaturgie. Paris steht für das Verhältnis zwischen Kirche, Republik und internationaler Diplomatie. Lourdes verkörpert Glauben und Wallfahrt, aber ebenso die Auseinandersetzung mit den Verfehlungen der Kirche. Metz verbindet schliesslich christliches Erbe mit der politischen Idee Europas.

    Gerade darin liegt die Bedeutung des Besuchs. Leo XIV. kommt nicht in ein Land, in dem die katholische Kirche noch die gesellschaftliche Stellung früherer Jahrzehnte besitzt. Er kommt in eine weitgehend säkularisierte Republik, in der religiöse Bindungen schwächer geworden sind, das katholische Erbe aber weiterhin tief in Landschaft, Architektur, Geschichte und kollektiver Erinnerung verankert ist.

    Wenn Hunderttausende Menschen Ende September auf den Champs-Élysées, in Lourdes und in Metz zusammenkommen, wird deshalb nicht nur sichtbar werden, wie viele Katholiken Frankreich noch mobilisieren kann. Der Besuch dürfte zugleich zeigen, welche Rolle Religion in einer europäischen Gesellschaft spielen kann, die politisch säkular geworden ist, ihre religiöse Vergangenheit aber keineswegs vollständig hinter sich gelassen hat.

    P.T.

  • Paris Henge: Wenn die Sonne im Arc de Triomphe versinkt

    Paris Henge: Wenn die Sonne im Arc de Triomphe versinkt

    Es ist einer dieser Pariser Sommerabende, an denen plötzlich erstaunlich viele Menschen in dieselbe Richtung schauen. Auf den Champs Élysées richten sich Smartphones gen Westen, Fotografen bauen ihre Stative auf, Touristen bleiben neugierig stehen. Manche warten schon seit einer Stunde. Andere fragen sich, was hier eigentlich los ist.

    Die Antwort liefert die Sonne.

    An einigen Tagen Anfang August zeigt Paris ein Schauspiel, das nur wenige Minuten dauert: Die untergehende Sonne steht nahezu genau in der Achse der Champs Élysées und scheint schließlich unter dem mächtigen Bogen des Arc de Triomphe zu verschwinden. Fotografen nennen dieses Phänomen „Paris Henge“.

    Manhattan lässt grüßen

    Der Name erinnert nicht zufällig an das berühmte „Manhattanhenge“ in New York. Dort sorgt das rechtwinklige Straßennetz zweimal im Jahr dafür, dass die untergehende Sonne exakt zwischen den Hochhäusern bestimmter Straßen erscheint.

    Paris besitzt zwar kein vergleichbares Schachbrett aus Straßen, dafür aber eine der berühmtesten Sichtachsen Europas.

    Sie führt von der Place de la Concorde über die Champs Élysées zum Arc de Triomphe und weiter nach Westen. Durch ihre Ausrichtung ergibt sich einige Male im Jahr eine bemerkenswerte Begegnung zwischen Stadtplanung und Himmelsmechanik.

    Dann steht die Sonne genau dort, wo sie für das perfekte Foto stehen soll.

    Besonders Anfang August zieht dieses Schauspiel zahlreiche Beobachter an. Einen ähnlichen Effekt gibt es im Frühjahr, ungefähr Anfang Mai. Doch der sommerliche Termin besitzt seinen eigenen Reiz. Die Abende sind lang, Paris lebt draußen, und auf der berühmten Avenue mischen sich Urlauber, Spaziergänger und Fotografen.

    Warten auf wenige Minuten

    Das eigentliche Spektakel verlangt Geduld.

    Anfang August liegt der entscheidende Moment meist ungefähr zwischen 21.10 und 21.20 Uhr, wobei sich die genaue Uhrzeit von Abend zu Abend verschiebt. Auch der ideale Standort verändert sich. Wer heute das perfekte Bild erwischt, steht morgen womöglich schon ein paar Meter daneben.

    Und dann wäre da noch das Wetter.

    Ein schmaler Wolkenstreifen am Horizont reicht, um die ganze Vorbereitung zunichtezumachen. Eben war die Sonne noch da, plötzlich verschwindet sie hinter grauen Schleiern. Das war’s dann – zumindest für diesen Abend.

    Genau darin liegt wohl ein Teil des Reizes. Wer möchte schon ein Naturschauspiel fotografieren, das sich auf Knopfdruck wiederholen lässt?

    Die Jagd nach dem perfekten Bild

    Entlang der Champs Élysées beginnt deshalb jeden Abend eine kleine Standortsuche. Zu Beginn der günstigen Augusttage bietet der Bereich rund um den Rond Point des Champs Élysées oft interessante Perspektiven. Später rücken Beobachter eher in Richtung Place de la Concorde, um Sonne und Triumphbogen wieder möglichst genau übereinanderzubringen.

    Dabei geht es manchmal um erstaunlich kleine Unterschiede.

    Einige Schritte nach links, noch ein Stück zurück, Stativ ausrichten, Kamera einstellen. „Hier müsste es passen“, sagt einer. Der Nachbar schaut skeptisch. Fünf Minuten später wechseln beide noch einmal den Standort.

    Paris eben – selbst die Sonne scheint hier ihren eigenen Auftritt zu inszenieren.

    Ein kostenloses Schauspiel mitten in der Stadt

    Der wachsende Erfolg des Paris Henge erklärt sich leicht. Da ist zunächst die monumentale Kulisse. Der Arc de Triomphe bildet ohnehin einen mächtigen Abschluss der Champs Élysées. Kommt der orangefarbene Sonnenball hinzu, wirkt die vertraute Perspektive für einen kurzen Augenblick völlig neu.

    Dazu kommt die Seltenheit. Nur wenige Abende bieten günstige Bedingungen, und selbst dann entscheidet der Himmel mit. Ein klarer Horizont lässt das Sonnenlicht golden über die Avenue ziehen. Wolken dagegen beenden die Vorstellung manchmal, bevor sie richtig begonnen hat.

    Natürlich spielen auch soziale Netzwerke eine Rolle. Das Motiv scheint wie geschaffen für Instagram und Co.: der dunkle Triumphbogen, darunter die glühende Sonne, davor die lange Flucht der Champs Élysées.

    Doch muss man diesen Moment überhaupt fotografieren?

    Vielleicht reicht es manchmal, das Smartphone für ein paar Sekunden sinken zu lassen.

    Denn das Schönste am Paris Henge steckt nicht allein im perfekten Foto. Es liegt in dieser überraschenden Verbindung aus Architektur, Geschichte und Natur. Eine jahrhundertealte Pariser Sichtachse trifft auf die Bewegung der Erde um die Sonne – und plötzlich versammeln sich Fremde nebeneinander, schauen gemeinsam zum Horizont und warten.

    Keine Bühne, keine Eintrittskarte, keine Lichtshow.

    Nur Paris, ein Sommerabend und eine Sonne, die für wenige Minuten scheinbar genau weiß, wo sie hingehört.

    M. Legrand

  • Zwischen Jubel und Zerstörung: PSG-Fans verwüsten Fotoausstellung auf der Place de la Concorde

    Zwischen Jubel und Zerstörung: PSG-Fans verwüsten Fotoausstellung auf der Place de la Concorde

    Paris taumelte in der Nacht vor Glück – und verlor dabei stellenweise die Kontrolle. Nach dem Einzug von Paris Saint-Germain ins Finale der UEFA Champions League verwandelten sich Teile der französischen Hauptstadt in ein lärmendes Meer aus Hupen, Bengalos und Gesängen. Doch während Tausende den Erfolg gegen den FC Bayern feierten, blieb am Morgen danach ein bitterer Nachgeschmack zurück. Besonders hart traf es die Ausstellung „Vivre ensemble“ des bekannten Fotografen Yann Arthus-Bertrand auf der Place de la Concorde. Zahlreiche großformatige Fototafeln lagen umgestürzt am Boden, beschädigt oder aus ihren Verankerungen gerissen. Bilder, die eigentlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt feiern sollten, wurden ausgerechnet in einer Nacht der kollektiven Euphorie Opfer blinder Zerstörung. Ironischer geht es kaum. Der Fotograf reagierte sichtbar enttäuscht. In einem kurzen Video sprach er mit jener Mischung aus Sarkasmus und Frust, die man wohl nur entwickelt, wenn Idealismus auf Asphaltr…

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  • Grüne Zukunft für die Place de la Concorde – Paris plant historischen Wandel

    Grüne Zukunft für die Place de la Concorde – Paris plant historischen Wandel

    Die Place de la Concorde, Herzstück der Pariser Stadtgeschichte und eine der prachtvollsten Platzanlagen Europas, steht vor einer tiefgreifenden, aber respektvollen Transformation. Mit einem klaren Ziel: Vergangenheit bewahren, Gegenwart verbessern und der Zukunft Raum geben.

    Von Königen und Guillotinen – ein Ort voller Geschichte

    Kaum ein anderer Ort in Paris ist so aufgeladen mit Symbolik wie die Place de la Concorde. Wo einst der Obelisk aus Luxor thront, rollten im 18. Jahrhundert die Köpfe während der Französischen Revolution. Der Platz war Zeuge von Aufständen, Staatsakten und rauschenden Paraden. Jetzt, im 21. Jahrhundert, beginnt ein neues Kapitel – eines, das sich nicht gegen Menschen richtet, sondern gegen Hitzeinseln, Verkehrschaos und Umweltbelastung.

    Geplant ist eine umfassende Sanierung, die sich an der originalen Gestaltung von Ange-Jacques Gabriel und den späteren Ergänzungen durch Jacques Hittorff orientiert. Sechs historische Wachhäuschen sollen restauriert, zwei der einst acht Rostral-Säulen rekonstruiert und beschädigte Balustraden ausgebessert werden. Die architektonische DNA bleibt also erhalten – nur eben aufgefrischt.

    Ein Garten mitten im Steinmeer

    Das Herzstück der Umgestaltung nennt sich „Place-Jardin“. Klingt romantisch, ist aber vor allem klug: Die historischen Gräben der Anlage werden nicht nur rekonstruiert, sondern begrünt – auf einer Fläche von 2,8 Hektar! Das schafft nicht nur ein visuelles Highlight, sondern wirkt auch wie ein natürliches Kühlungssystem.

    Statt versiegeltem Boden soll künftig die Hälfte der Fläche offen und durchlässig sein – was eine Absenkung der Bodentemperatur um bis zu 8 Grad zur Folge haben könnte. In Zeiten extremer Sommer ein echter Segen, oder?

    Der Clou: Zwei Drittel der Fläche werden für Fußgänger zugänglich – also mehr Raum für Spaziergänger, Touristen und Einheimische. Die Aufenthaltsqualität steigt, der Autolärm weicht dem Zwitschern der Vögel – oder zumindest dem Flanieren ohne Stress.

    Grün ist nicht gleich grün – Klimapflanzen im Fokus

    Die neue Bepflanzung wird mit Bedacht gewählt. Es geht nicht darum, einfach nur ein paar Bäume zu pflanzen. Die ausgewählten Arten sollen klimaresistent sein, also Hitze und Trockenheit trotzen, ohne viel Pflege zu benötigen. Gleichzeitig soll die Biodiversität in der Innenstadt gefördert werden.

    So wird der Platz zu einem kleinen Ökosystem – eine grüne Lunge inmitten von Asphalt und Stein. Auch die Luftqualität wird sich verbessern, ganz zu schweigen vom psychologischen Effekt: Grün beruhigt, entspannt, macht Städte lebenswerter.

    Tschüss Stau, hallo sanfte Mobilität

    Die Verkehrsplanung wird ebenfalls auf links gedreht. Während sich der Autoverkehr künftig auf den westlichen Teil der Anlage beschränkt, gehört der Osten Fußgängern und Radfahrern. Ein 10 Meter breiter Balkon zur Seine eröffnet neue Perspektiven – buchstäblich.

    Diese Umverteilung schafft sichere Wege zwischen den Tuilerien und den Champs-Élysées, ohne ständig auf den Verkehr achten zu müssen. Auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollen leichter über den Platz gelangen können. So wird Mobilität neu gedacht – leise, sicher und inklusiv.

    Tradition trifft Gegenwart – ein architektonisches Statement

    Hinter dem Projekt stehen die Architekten Philippe Prost und Bruel Delmar. Ihre Vision: eine harmonische Verbindung aus historischem Erbe und moderner Stadtplanung. Dabei setzen sie auf geometrische Präzision, feine Details und eine zeitgemäße Sprache, ohne dem historischen Charakter Gewalt anzutun.

    Das Ergebnis soll ein Ort sein, der Geschichte nicht nur erzählt, sondern spürbar macht – und gleichzeitig offen für Neues ist. Klingt wie ein Spagat? Vielleicht. Aber einer, der gelingt, wenn Respekt und Kreativität Hand in Hand gehen.

    Wie geht’s weiter?

    Die Nationale Kommission für Kulturerbe und Architektur hat grünes Licht gegeben. Bevor die Bagger anrollen, stehen archäologische Untersuchungen an – schließlich könnte unter dem Pflaster noch so mancher Schatz verborgen liegen. Erste sichtbare Veränderungen soll es ab 2026 geben.

    Und dann? Könnte die Place de la Concorde nicht nur zum grünen Zentrum von Paris werden, sondern auch zu einem Vorbild für andere europäische Städte. Ein Platz, der Vergangenheit lebt, Gegenwart atmet und Zukunft pflanzt.

    Von C. Hatty

  • Platz der Concorde: Paris startet grünes Transformationsprojekt nach den Olympischen Spielen

    Platz der Concorde: Paris startet grünes Transformationsprojekt nach den Olympischen Spielen

    Paris steht vor einem Wendepunkt in der Stadtgestaltung: Die berühmte Place de la Concorde, einer der symbolträchtigsten Orte der Stadt, wird in den kommenden Jahren umfassend umgestaltet. Im Zentrum dieses Projekts steht die Vision von „weniger Autos, mehr Grün“. Der Startschuss für die Transformation wurde mit der Zustimmung der Commission nationale du patrimoine et de l’architecture (CNPA) gegeben, die den Umbau des historischen Platzes befürwortet hat. David Belliard, der stellvertretende Bürgermeister für Mobilität in Paris, verkündete die Nachricht auf X (ehemals Twitter): „Die Place de la Concorde wird grüner und von den Straßentunneln befreit, die den Zugang zur Seine behindern.“ Diese Veränderung bedeutet nicht nur eine Reduktion des Autoverkehrs, sondern auch eine Rückkehr zu mehr Natur – eine Art Rückbesinnung auf die eigentliche Schönheit dieses historischen Platzes. Ein riesiger Kreisverkehr wird grün Die Place de la Concorde ist heute vor allem als riesiger Verkehrsknoten…

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  • Paris: Der Place de la Concorde ohne Autos – dieses Projekt existiert nicht erst seit gestern

    Paris: Der Place de la Concorde ohne Autos – dieses Projekt existiert nicht erst seit gestern

    Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kündigte am Sonntag an, dass die Hälfte des Place de la Concorde nach den Olympischen Spielen nicht wieder für den Autoverkehr freigegeben wird. Der Place de la Concorde wird nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris teilweise nur Fußgängern zur Verfügung stehen. Dies kündigte die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo am Sonntag, dem 14. Dezember, in einem Interview mit der Zeitung La Tribune dimanche an. Der Place de la Concorde, auf dem im nächsten Sommer während der Olympischen Spiele die Basketball-, Skateboard- und Breakdance-Wettbewerbe stattfinden werden, wird nach den Spielen nicht vollständig an den Autoverkehr zurückgegeben. „Der Verkehr wird flüssiger, wenn man die Hälfte des Platzes sperrt“, meint die Pariser Bürgermeisterin und fügt hinzu, dass der „Platz, der dem Auto an diesem emblematischen Ort eingeräumt wird, nur eine kurze Episode in der Geschichte gewesen sein wird“. Den Place de la Concorde den Fußgängern zurückzugeben, ist…

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