Schlagwort: Paris

  • Neue Fahrspuren für Fahrgemeinschaften in Paris: Verkehrswende oder Chaos?

    Neue Fahrspuren für Fahrgemeinschaften in Paris: Verkehrswende oder Chaos?

    Der Verkehr rund um Paris ist ein Dauerthema – Staus, Umweltbelastung und überfüllte Straßen prägen das tägliche Bild. Doch nun startet eine neue Maßnahme, die für Diskussionen sorgt: Reservierte Fahrspuren für Fahrgemeinschaften auf dem Pariser Ring (Périphérique) und Teilen der Autobahnen A1 und A13. Diese Regelung, ein Erbe der bevorstehenden Olympischen Spiele, soll Autofahrten effizienter und umweltfreundlicher gestalten. Doch ist das wirklich der richtige Weg?

    Ein Paradigmenwechsel in der Verkehrsplanung

    Tom Dubois, Urbanist und Sprecher von Forum Vies Mobiles, spricht von einem tiefgreifenden Wandel: „Früher ging es darum, den Verkehr immer weiter zu beschleunigen und Staus zu vermeiden. Heute lautet das Ziel, die negativen Auswirkungen des Autoverkehrs zu begrenzen – also weniger Autos, geringere Geschwindigkeiten und weniger Umweltbelastung.“

    Das bedeutet, dass nicht mehr allein die Flüssigkeit des Verkehrs im Vordergrund steht, sondern eine generelle Reduzierung des individuellen Autoverkehrs. Ein radikaler Perspektivwechsel, der vielen Pendlern nicht schmecken dürfte.

    Strenge Kontrollen sollen Missbrauch verhindern

    Ein großes Problem bei solchen Fahrgemeinschafts-Spuren ist die Einhaltung der Regeln. Wer kontrolliert, dass sich wirklich mehrere Personen in einem Auto befinden? Die Stadt Paris plant dafür ein Kontrollsystem, doch Strafen für Verstöße werden erst ab Mai verhängt.

    Bis dahin könnten viele Autofahrer versucht sein, die Regeln zu umgehen – schließlich ist eine leere Fahrspur bei Stau eine große Versuchung. Ab Mai droht jedoch eine Geldstrafe von 135 Euro für alle, die die Spur unberechtigt nutzen. In sechs Monaten soll eine erste Bilanz gezogen werden.

    Werden die Staus jetzt schlimmer?

    Ein Argument gegen die Maßnahme: Die Umverteilung des Verkehrs könnte zunächst für noch mehr Staus auf den übrigen Spuren sorgen. Doch laut Dubois gehört genau das zum Konzept: „Es wird anfangs mehr Staus auf den anderen Spuren geben, aber das ist gewollt – es zwingt die Menschen, ihre Gewohnheiten zu überdenken.“

    Viele Autofahrer nutzen den Périphérique nicht einmal, um nach Paris zu gelangen, sondern als Schnellstraße, um in andere Teile der Île-de-France zu fahren. Für diese Menschen bedeutet die neue Regelung eine echte Umstellung.

    Ein gerechteres Verkehrssystem?

    Kritiker halten die Fahrgemeinschafts-Spuren für unfair. Schließlich haben nicht alle die Möglichkeit, Mitfahrgelegenheiten zu organisieren. Dubois sieht das anders: „Die Region muss neu gedacht werden. Wir können nicht davon ausgehen, dass die Île-de-France nur ein großer Arbeitsplatz ist, den man morgens durchquert und abends wieder verlässt.“

    Letztlich sei die Lösung ein besser ausgebauter öffentlicher Nahverkehr. Das Projekt „Grand Paris Express“ – ein neues Metrosystem, das die Vororte verbindet, ohne durch das Zentrum zu führen – könnte in den kommenden Jahren eine echte Alternative zum Auto bieten.

    Ein Schritt in die Zukunft – oder ein Verkehrsexperiment mit ungewissem Ausgang?

    Die reservierten Spuren sind zweifellos ein mutiges Experiment. Sie könnten den Verkehr nachhaltig verändern, aber sie bergen auch Risiken: Wenn die Kontrollen nicht konsequent durchgeführt werden oder der öffentliche Nahverkehr keine ausreichende Alternative bietet, droht Frust bei den Pendlern.

    Wird sich das neue System durchsetzen? Oder endet es als weiteres misslungenes Verkehrsprojekt? Die kommenden Monate werden es zeigen.

    Autor: Catherine H.

  • Paris La Défense in der Krise: Ein Auslaufmodell oder eine Chance zur Neuerfindung?

    Paris La Défense in der Krise: Ein Auslaufmodell oder eine Chance zur Neuerfindung?

    Einst war La Défense das Symbol für wirtschaftlichen Aufschwung und Modernität – heute kämpft das Pariser Geschäftsviertel mit einem massiven Leerstand. Der Siegeszug des Homeoffice, veraltete Bürotürme und sinkende Immobilienpreise setzen dem Quartier zu. Steht La Défense vor einem unaufhaltsamen Niedergang, oder kann es sich neu erfinden?


    Freitags ausgestorben: Die Not der Geschäftsinhaber

    Esther Miquel dachte, sie hätte einen perfekten Standort gewählt, als sie 2020 ihr japanisches Restaurant in La Défense eröffnete. Doch nach monatelanger Corona-Zwangspause kehrte die Kundschaft nur zögerlich zurück – und freitags so gut wie gar nicht.

    „Freitags ist hier einfach niemand“, klagt sie. „Früher kamen die Leute in der Mittagspause oder auf einen Drink nach der Arbeit. Jetzt arbeiten sie von zu Hause aus – und wir sitzen auf unseren leeren Stühlen.“

    Ähnlich geht es Christophe Macra, einem Weinhändler, der bereits seit 2011 in La Défense ansässig ist. Er dokumentiert akribisch den Leerstand im Viertel und klebt rote Markierungen auf eine Karte, um ungenutzte oder teilweise leerstehende Türme zu erfassen. Und die Zahl der roten Punkte wächst.

    „Direkt neben uns werden zwei große Türme in den kommenden Monaten komplett geräumt“, sagt er besorgt. „Die Abwärtsspirale dreht sich weiter.“


    Veraltete Türme und ein kollabierender Immobilienmarkt

    Offiziellen Zahlen zufolge stehen aktuell 14 % der Büroflächen in La Défense leer – rechnet man nicht vermarktete, aber verfügbare Flächen hinzu, sind es sogar 19 %. Doch Insider vermuten, dass die Lage noch viel drastischer ist.

    Besonders problematisch: Die einst so wertvollen Bürotürme verlieren rapide an Wert. Vor der Pandemie kostete ein Quadratmeter in einem sanierungsbedürftigen Hochhaus noch 6.400 Euro. Heute liegt der Preis teilweise bei nur 233 Euro pro Quadratmeter – und für Türme, die sich in Hotels umwandeln ließen, sogar bei lächerlichen 88 Euro.

    Die Konsequenz: Viele Eigentümer zögern Investitionen hinaus, weil sich eine Sanierung wirtschaftlich kaum lohnt. So bleiben zahlreiche Gebäude ungenutzt, während sich La Défense zunehmend in eine Geisterstadt verwandelt.


    Neue Hochhäuser – aber keine Mieter

    Das Problem betrifft nicht nur alte Türme. Selbst brandneue Gebäude tun sich schwer, Mieter zu finden. Paradebeispiel: die Tour Hekla, die im Dezember 2022 mit viel Tamtam eröffnet wurde. Mit ihren 49 Etagen und 76.000 Quadratmetern Bürofläche sollte sie das neue Wahrzeichen von La Défense werden. Doch große Teile des Gebäudes stehen nach wie vor leer.

    Pierre-Yves Guice, Direktor von Paris La Défense, bleibt gelassen: „Es dauert immer eine Weile, bis ein Neubau komplett vermietet ist. Ja, aktuell dauert es vielleicht etwas länger – aber auf lange Sicht sehe ich keine Gefahr.“

    Doch „lange Sicht“ ist ein dehnbarer Begriff. Bis sich ein neuer Trend abzeichnet, bleiben Büroflächen ungenutzt – und Investoren skeptisch.


    Grüner, lebenswerter, vielseitiger – die Rettungspläne

    Wie also kann La Défense aus der Krise kommen? Die Verantwortlichen setzen auf zwei große Strategien: mehr Grünflächen und eine stärkere Nutzung für Wohn- und Bildungszwecke.

    Ein gigantisches Begrünungsprojekt soll 2025 starten. Ziel: 60 % der Esplanade mit Pflanzen, Bäumen und Grünflächen zu gestalten, um die Umgebung attraktiver zu machen. Das klingt vielversprechend, aber wann genau die Arbeiten abgeschlossen sein werden, bleibt offen.

    Ein weiteres Konzept: mehr Studenten ins Viertel holen. Geplant sind 5.000 neue Studentenwohnungen durch die Umwandlung von 150.000 Quadratmetern bestehender Büroflächen.

    Doch nicht alle glauben, dass das reicht. Jean-Christophe Fromantin, Bürgermeister des angrenzenden Neuilly-sur-Seine, hält das für Flickwerk: „Ein paar Wohnungen und Studenten werden keine Investoren anziehen. La Défense braucht eine viel größere Vision.“

    In einer kürzlich veröffentlichten Kolumne forderte er sogar Präsident Emmanuel Macron auf, sich für La Défense starkzumachen – so wie er es für Notre-Dame oder den Louvre getan hat. Ein gewagter Vergleich, aber er zeigt, wie ernst die Lage ist.


    Zwischen Krise und Chance – die Zukunft von La Défense

    Steht La Défense also vor dem Aus? Noch nicht. Doch der alte Büro-zentrierte Ansatz funktioniert nicht mehr. Nur wenn das Viertel vielfältiger, lebendiger und innovativer wird, kann es wieder florieren.

    Die nächsten Jahre werden entscheidend sein. Bleibt La Défense ein sterbendes Geschäftsviertel – oder wird es ein moderner, gemischter Stadtteil mit Zukunft?

    Die Antwort liegt in den Händen der Stadtplaner, Investoren und Politiker.

    Autor: C. Hatty

  • Winterabenteuer in Paris: Ein „schwebender“ Spaziergang auf dem Eiffelturm

    Winterabenteuer in Paris: Ein „schwebender“ Spaziergang auf dem Eiffelturm

    Wer dachte, die Pariser Ikone in- und auswendig zu kennen, wird diesen Winter eines Besseren belehrt. Ein schwebender Pfad auf dem ersten Stockwerk des Eiffelturms sorgt für Adrenalin pur – und das nur bis zum 9. März!

    60 Meter über dem Boden – ein Nervenkitzel der besonderen Art

    Paris von oben zu bewundern, ist nichts Neues. Doch wie wäre es, auf einem wackeligen Netz in schwindelerregender Höhe über die Stadt zu balancieren? Genau das erwartet die mutigsten Besucher auf der neuen Attraktion des Eiffelturms.

    Ein 40 Meter langes, gespanntes Netz erstreckt sich zwischen dem Nord- und Südpfeiler des Monuments. Wer den ersten Schritt wagt, blickt direkt in die Tiefe – und auf die winzig kleinen Menschen unten auf dem Boden. „Sie sahen aus wie kleine Ameisen!“, erzählt ein begeisterter Junge nach seinem Abenteuer.

    Die Konstruktion ist sicher befestigt, doch das Gefühl des freien Schwebens bleibt. Nichts für schwache Nerven!

    Ein Publikumsmagnet: 1.500 Besucher pro Tag

    Trotz des mulmigen Gefühls lassen sich viele das Erlebnis nicht entgehen. Rund 1.500 Mutige pro Tag trauen sich auf das Netz – manche zittern vor Angst, andere genießen die Aussicht mit einem breiten Grinsen.

    Das Beste? Das schwebende Erlebnis ist im regulären Ticketpreis enthalten. Wer sich also schon immer gefragt hat, wie es sich anfühlt, zwischen Himmel und Erde zu schweben – jetzt ist die Gelegenheit.

    Aber Eile ist geboten: Nach dem 9. März wird das Netz abgebaut, und die Eiffelturm-Erfahrung kehrt zu ihrem gewohnten Panorama zurück.

    Also, trauen Sie sich? Paris wartet mit einer neuen Perspektive auf Sie!

    Von C. Hatty

  • Der Salon de l’Agriculture 2025: Macron und die Landwirtschaft am Scheideweg

    Der Salon de l’Agriculture 2025: Macron und die Landwirtschaft am Scheideweg

    Der diesjährige Salon de l’Agriculture in Paris begann unter weit ruhigeren Bedingungen als noch 2024. Die damaligen heftigen Proteste, die von den anhaltenden Krisen in der Landwirtschaft und der Wut über politische Entscheidungen geprägt waren, sind in diesem Jahr einer sachlicheren, wenn auch nicht sorgenfreien Debatte gewichen. Präsident Emmanuel Macron nutzte seinen Besuch für einen intensiven Austausch mit Landwirten, die ihm ihre tiefen Bedenken über die Zukunft der Branche schilderten. Ein fragiler Burgfrieden Dass die Atmosphäre in diesem Jahr weniger aufgeladen war, liegt nicht zuletzt an der jüngst verabschiedeten Agrarreform, die unter anderem Steuererleichterungen in Höhe von 500 Millionen Euro vorsieht. Diese Maßnahmen haben zumindest kurzfristig Druck aus dem Sektor genommen. Dennoch bleiben die grundsätzlichen Herausforderungen bestehen. Die Branche kämpft mit strukturellen Problemen wie dem Mangel an Nachwuchs und qualifizierten Arbeitskräften sowie den wachsenden Bela…

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  • Jugendbanden in Paris: Zahl der gewalttätigen Auseinandersetzungen verdoppelt

    Jugendbanden in Paris: Zahl der gewalttätigen Auseinandersetzungen verdoppelt

    In der französischen Hauptstadt eskaliert die Gewalt zwischen rivalisierenden Jugendbanden. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der Auseinandersetzungen verdoppelt – mit tödlichen Folgen.


    Immer mehr Kämpfe, immer mehr Opfer

    Paris und seine Vororte stehen vor einer besorgniserregenden Entwicklung: Die Zahl der Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Banden hat sich von 13 im Jahr 2023 auf 26 im Jahr 2024 verdoppelt. Besonders erschreckend: Sechs junge Menschen – Minderjährige oder junge Erwachsene – haben dabei ihr Leben verloren.

    Dabei geht es längst nicht mehr nur um Fäuste. In jeder zweiten Auseinandersetzung kommen Waffen zum Einsatz – oft improvisierte Waffen wie Baseballschläger, Eisenstangen oder Hämmer. Doch vor allem Messer spielen eine tragische Rolle. Im vergangenen Jahr wurden 6.500 Messer sichergestellt, ein Großteil davon bei Jugendlichen.


    Täter werden immer jünger

    Die Polizei verzeichnet eine bedenkliche Entwicklung: Das Durchschnittsalter der jugendlichen Täter sinkt. Während es 2023 noch bei 17 Jahren lag, beträgt es 2024 nur noch 15 Jahre und 9 Monate.

    Was steckt dahinter? Die Ursachen sind vielschichtig: soziale Unsicherheit, Einfluss von Social Media, Perspektivlosigkeit oder auch zerrüttete Familienverhältnisse. Fakt ist: Die Hemmschwelle für Gewalt sinkt, und immer jüngere Jugendliche lassen sich in gefährliche Gruppenkonflikte hineinziehen.


    Polizei reagiert mit härteren Maßnahmen

    Die Behörden wollen nun entschiedener gegen das Problem vorgehen. Polizeipräsident Laurent Nuñez kündigte an, dass die Kontrollen und Durchsuchungen verstärkt werden sollen, insbesondere im Hinblick auf das Mitführen von Messern und anderen Waffen.

    Außerdem soll die Videoüberwachung ausgebaut werden, um Banden frühzeitig zu identifizieren und ihre Gefährlichkeit besser einschätzen zu können.


    Olympische Spiele 2024 – keine „sichere Blase“

    Auch während der Olympischen Spiele 2024 konnte von Sicherheit keine Rede sein. Polizeichef Nuñez stellt klar: Es gab keine „sichere Blase“, in der Gewalt plötzlich verschwindet. Zwar sind einige Kriminalitätsraten, wie etwa bewaffnete Raubüberfälle, leicht zurückgegangen, doch die Zahl der Banden-Konflikte zeigte keinerlei Rückgang.

    Bleibt die Frage: Wird es den Behörden gelingen, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen – oder steht Paris vor einem heißen Sommer?

    Von C. Hatty

  • Salon de l’Agriculture 2025: Warum viele französische Départements absagen

    Salon de l’Agriculture 2025: Warum viele französische Départements absagen

    Der Salon de l’Agriculture in Paris ist für viele Landwirte das wichtigste Ereignis des Jahres. Doch 2025 fehlen einige wichtige Akteure – darunter mehrere Départements aus Südwestfrankreich. Zu teuer, zu strenge Regeln, zu wenig Nutzen – das sind die Hauptgründe für ihre Absage.


    Hohe Kosten in Zeiten knapper Kassen

    Jahr für Jahr investierten Départements wie der Gers, das Lot oder die Dordogne hohe Summen in ihren Auftritt auf der Landwirtschaftsmesse. Doch 2025 wird es still um sie.

    Der Grund? Sparmaßnahmen.

    Frankreichs Regionen und Départements stehen unter Druck. Der Staat verlangt Einsparungen, und viele Lokalpolitiker müssen Prioritäten setzen. Jean-Jacques Lasserre, Präsident des Rats der Pyrénées-Atlantiques, sagt es klar: „Wir müssen das Wesentliche finanzieren – zum Beispiel die Unterstützung junger Landwirte oder Investitionen in die Betriebe.“

    Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum die Teilnahme auf den Prüfstand kommt:

    • 100.000 Euro kostete die Messe für das Département Lot.
    • 130.000 Euro zahlte die Haute-Garonne.
    • 200.000 Euro fielen für den Gers und die Dordogne an.
    • 300.000 Euro verschlang die Präsenz der Pyrénées-Atlantiques.

    Angesichts solcher Beträge stellt sich eine Frage: Ist das Geld gut investiert oder eher ein teurer Luxus?


    Kritik an den Messe-Regeln

    Neben den Kosten sorgt eine weitere Entwicklung für Frust: Immer strengere Vorgaben der Organisatoren.

    Serge Rigal, Präsident des Département-Rats im Lot, kritisiert: „Die Regeln passen nicht mehr zu unseren Werten.“ Früher konnten Landwirte auf ihren Ständen nicht nur ihre Tiere präsentieren, sondern auch regionale Spezialitäten verkaufen – eine wichtige Einnahmequelle. Doch das ist immer schwieriger geworden.

    Ein Beispiel: Bauern dürfen zwar ihre Caussenarde-Schafe zeigen, aber keinen Rocamadour-Käse anbieten. Dasselbe Schicksal traf bereits Walnüsse und Trüffel.

    Diese Einschränkungen verschärfen das Problem: Ohne den Verkauf von Produkten bleibt nur der hohe Messe-Standpreis – für viele Départements ein wirtschaftlich fragwürdiges Modell.


    Wer profitiert von den freien Flächen?

    Die Absage vieler Départements dürfte für andere Akteure eine Chance sein – vor allem für große Konzerne der Lebensmittelindustrie.

    „Eigentlich ist Halle 1 für Tiere reserviert“, ärgert sich Serge Rigal. „Doch inzwischen tauchen dort Firmen wie Jeep, Lidl oder McDonald’s auf.“

    Besonders Lidl steht in der Kritik. Der Discounter wurde von der Tierschutzorganisation L214 verklagt – wegen angeblicher Missstände in Schweinezuchtbetrieben, die Lidl unter dem Label „Tierwohl“ bewirbt. Dass ausgerechnet eine umstrittene Supermarktkette mit großem Stand vertreten ist, während traditionelle Landwirtschaftsbetriebe fernbleiben, sorgt für Unmut.

    Ein weiteres Fehlen macht Schlagzeilen: Lactalis, der weltweit größte Molkereikonzern, verzichtet nach vier Jahren auf eine Teilnahme. 2024 wurde sein Stand von Demonstranten mit Gülle überschüttet, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, seine Milchabnahme in Frankreich zu reduzieren.


    Neue Wege für die Produzenten

    Bedeutet das Fehlen der Départements, dass ihre Landwirte ganz aus der Messe verschwinden? Nein.

    Einzelne Erzeuger können weiterhin teilnehmen – etwa durch Wettbewerbe oder Gemeinschaftsstände.

    Auch regionale Zusammenschlüsse springen ein:

    • Die Region Okzitanien bietet Produzenten aus den betroffenen Départements eine Plattform.
    • Der europäische Verbund GECT bringt die Pyrénées-Atlantiques mit spanischen Regionen wie Aragon und Navarra zusammen.
    • Organisationen wie Excellence Gers helfen dabei, Spezialitäten wie Armagnac, Foie gras und Haselnüsse vorzustellen.

    So finden Landwirte Wege, präsent zu bleiben – nur eben ohne die hohen Kosten eines eigenen Standes.


    Ein Wendepunkt für die Messe?

    Die diesjährige Absage vieler Départements könnte ein Signal sein. Wenn selbst traditionelle Landwirtschaftsregionen den Salon infrage stellen, muss sich etwas ändern. Wird die Messe wieder bezahlbarer? Werden die Regeln gelockert? Oder wird der Platz endgültig von Konzernen eingenommen?

    Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich der Salon de l’Agriculture noch als Bauernmesse versteht – oder mehr und mehr zum Event der Agrar- und Lebensmittelindustrie wird.

    Von C. Hatty

  • Eintauchen in die Kunst: Picasso in der digitalen Erlebniswelt

    Eintauchen in die Kunst: Picasso in der digitalen Erlebniswelt

    Das Atelier des Lumières in Paris lädt ein zu einer einzigartigen, multisensorischen Reise durch das Werk von Pablo Picasso. Mit über 450 projizierten Bildern, begleitet von Musik und Spezialeffekten, bietet die immersive Ausstellung Picasso, l’art en mouvement eine spektakuläre Annäherung an das Sc…

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  • Paris ehrt Alexej Navalny mit eigener Avenue

    Paris ehrt Alexej Navalny mit eigener Avenue

    Die Stadt Paris hat beschlossen, eine Straße nach dem russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny zu benennen – und das direkt in der Nähe der russischen Botschaft.

    Eine symbolträchtige Entscheidung

    Die zukünftige „Avenue Alexeï-Navalny“ wird sich im 16. Arrondissement befinden, auf der ungeraden Seite der bisherigen Avenue de Pologne. Der Stadtrat von Paris stimmte am 12. Februar einstimmig für diese Umbenennung. Eine feierliche Einweihung wurde noch nicht terminiert, doch das Votum erfolgte bewusst vor dem Jahrestag von Nawalnys Tod am 16. Februar 2024 in einer Strafkolonie in der Arktis.

    Der Standort wurde nicht zufällig gewählt: Das 16. Arrondissement war historisch ein Zentrum der russischen Diaspora in Paris – und dort befindet sich auch die russische Botschaft. Die Stadt Paris setzt damit ein klares politisches Zeichen.

    Regelbruch aus besonderem Anlass

    Normalerweise muss eine verstorbene Person fünf Jahre lang tot sein, bevor eine Straße nach ihr benannt werden kann. Doch der Stadtrat machte eine Ausnahme – als Anerkennung für Nawalnys Kampf für Demokratie und gegen das Regime von Wladimir Putin.

    Der Oppositionsführer verbrachte seine letzten Jahre im Gefängnis und verbüßte eine 19-jährige Strafe wegen „Extremismus“. Seine Familie und Verbündeten sind überzeugt: Er wurde auf Befehl des Kremls ermordet.

    Mit dieser Umbenennung setzt Paris nicht nur ein Denkmal für Nawalny, sondern sendet auch eine klare Botschaft nach Moskau.

    Von C. Hatty

  • Proteste in Paris: Unterstützung für jugendliche Migranten in besetztem Theater

    Proteste in Paris: Unterstützung für jugendliche Migranten in besetztem Theater

    Seit über zwei Monaten haben rund 400 junge Migranten das Pariser Kulturzentrum Gaîté Lyrique besetzt. Eine Gerichtsentscheidung verlangt nun die Räumung – doch Unterstützer fordern stattdessen eine langfristige Unterbringung.

    Demonstration für Unterkunft und Bildung

    Am Samstag versammelten sich Hunderte Menschen vor dem Theater, um für die Rechte der geflüchteten Jugendlichen einzutreten. Mit Transparenten und Sprechchören machten sie ihrem Unmut Luft: „Schande über diese Regierung, die gegen Minderjährige kämpft!“ war eine der Parolen, die durch die Straßen hallten.

    Im Mittelpunkt der Forderungen stehen zwei Dinge: eine feste Unterkunft und der Zugang zu Bildung. „Wir kämpfen weiter für gleiche Rechte“, betonte Abdoul, einer der Sprecher der Besetzer. Ohne eine Lösung würden sie das Gebäude nicht freiwillig verlassen.

    Vom Kulturort zur Notunterkunft

    Ursprünglich zogen etwa 200 Jugendliche am 10. Dezember 2024 in die Gaîté Lyrique ein. Inzwischen sind es doppelt so viele. Viele von ihnen wurden als Volljährige eingestuft – eine Entscheidung, gegen die sie rechtlich vorgehen, doch solche Verfahren ziehen sich oft über Monate.

    Die Stadt Paris als Eigentümerin des Gebäudes hat eine Räumungsklage eingereicht. Am vergangenen Donnerstag entschied ein Richter, dass die Besetzer innerhalb eines Monats gehen müssen. Allerdings will die Stadtverwaltung keine Polizeigewalt anwenden, sondern die französische Regierung zum Handeln zwingen.

    Wer trägt die Verantwortung?

    Hier liegt der Kern des Konflikts: Zuständig für Notunterkünfte ist eigentlich der Staat – doch der schiebt die Verantwortung ab. „Paris hat Millionen von Einwohnern, Milliarden im Haushalt und Tausende leerstehende Wohnungen. Und uns wird gesagt, dass nicht einmal 1.000 Minderjährige untergebracht werden können? Wer soll das glauben?“, kritisierte Mathieu Pastor von der Organisation Marche des solidarités.

    Auch das Team der Gaîté Lyrique fordert dringend eine Lösung. Es sei „undenkbar“, über 400 junge Menschen auf die Straße zu setzen, ohne eine Alternative anzubieten.

    Wie es weitergeht? Das bleibt offen. Doch die Besetzer und ihre Unterstützer scheinen entschlossen, den Kampf nicht aufzugeben.

    Von Catherine H.

  • Rückkehr der Flugverbindung Pau–Paris-Orly: Ein politischer Sieg für François Bayrou

    Rückkehr der Flugverbindung Pau–Paris-Orly: Ein politischer Sieg für François Bayrou

    Nach monatelangem Ringen kehrt die direkte Flugverbindung zwischen Pau und Paris-Orly zurück. Ein Erfolg für François Bayrou, der Bürgermeister von Pau und Premierminister Frankreichs ist,– trotz wirtschaftlicher Herausforderungen. Eine wenig rentable Strecke kehrt zurück Am Montag, dem 17. Februar, startet der erste Flug der neuen Verbindung zwischen Pau und Paris-Orly. Die Strecke war Ende Oktober eingestellt worden, nachdem die Air-France-Tochter Transavia wegen zu hoher Verluste den Betrieb aufgegeben hatte. Doch nun nimmt die französische Regionalfluggesellschaft Amelia die Verbindung wieder auf – mit einem angepassten Konzept. Zwei Flüge täglich von Montag bis Freitag sollen die Strecke wiederbeleben. Der erste Start von Pau ist für 7:30 Uhr angesetzt. Anders als Transavia, die mit 190 Sitzplätzen kaum genügend Passagiere fand, setzt Amelia auf kleinere Maschinen mit etwa 50 Plätzen – eine Strategie, die auf Geschäftsreisende und Politiker abzielt. François Bayrou: Kampf für ein…

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